Part 30
Durch folgende Anwendungen wurde dem Manne geholfen:
1. den einen Tag Oberguß und Knieguß vormittags, Halbbad eine halbe Minute lang nachmittags;
2. den andern Tag des nachts Ganzwaschung vom Bett aus in der Frühe, dann Wassergehen, nachmittags Oberguß und Knieguß;
3. Oberguß, später Schenkelguß vormittags, Rückenguß und Wassertreten nachmittags; so abwechselnd drei Wochen lang; ferner
4. täglich eine Tasse Tee von 10 zerstoßenen Wacholderbeeren und etwas Zinnkraut, morgens und abends in je zwei Portionen trinken.
Ohrenkrankheit.
Wer möchte die vielen Ursachen aufzählen, durch die ein Körper krank werden kann, und wie Krankheiten auf einzelne Organe so einwirken können, daß sie krank bleiben, wenn auch die ursprüngliche Krankheit entfernt ist? Und je edler ein Organ ist, um so nachteiliger wirkt auch eine Krankheit, und um so härter ist sie zu heilen. Einer der edelsten Teile am menschlichen Körper ist das Ohr, und sehr häufig kann das Gehör verloren gehen durch eine Krankheit oder auch durch eine unglückliche Lebensweise.
So kommt eine Mutter und erzählt: „Meine Tochter hat das Scharlachfieber gehabt, von dem sie wohl ganz geheilt wurde. Seit dieser Zeit ist sie nie mehr ganz wohl. Bald klagt sie über dieses, bald über ein anderes Leiden; aber das härteste ist, daß sie das Gehör fast ganz verloren hat. Alles, was angewendet worden ist, hat nichts geholfen.“
Dieses Mädchen ist mithin nicht ausgeheilt, und müßte es an anderen Teilen hören, so würde man auch dort noch Reste der Krankheit bemerken. Wird das Mädchen von allen nachteiligen Folgen des Scharlachfiebers geheilt, dann wird auch das Gehör wieder eintreten. Es muß somit, wie aufs Gehör, so auch auf den ganzen Körper eingewirkt werden.
Folgende Anwendungen werden die beste Wirkung hervorbringen: 1) Ein nasses Hemd anziehen, eineinhalb Stunden lang. 2) Einen Schal umlegen, eineinhalb Stunden lang, und denselben nach drei Viertelstunden nochmal frisch eintauchen. Während dieser eineinhalb Stunden um jeden Fuß vom Knöchel an bis über die Waden ein Handtuch umwinden, in warmes Wasser getaucht, also Fußwickel, eineinhalb Stunden lang. 3) Vom Bett aus ganz waschen und, ohne abzutrocknen, gleich wieder ins Bett, besonders den Hinterkopf und die Ohren gut waschen. 4) Über die Ohren und deren Umgebung einen Lappen binden, in warmes Wasser getaucht, zwei Stunden lang; nach jeder halben Stunde wieder frisch eintauchen. 5) Einen Kopfwickel nehmen (siehe Wickel).
Diese fünf Anwendungen sollen durch längere Zeit vorgenommen werden, jeden Tag wenigstens eine Anwendung. Recht gut wird noch wirken in der Woche ein warmes Haberstrohbad, 25 Minuten lang, 28-30° ~R.~, gleich darauf mit kaltem Wasser schnell abwaschen, daß die Natur durchs warme Wasser nicht zu empfindlich wird. Diese Anwendungen werden die Natur in den besten Zustand bringen; dann kann noch länger fortgefahren werden mit warmen Umschlägen über die Ohren.
Ohrensausen.
Eine Person hat sehr oft heftiges Ohrensausen, schwache Nerven, oft Zittern an den Händen und Füßen, blasse Gesichtsfarbe, eingefallene Augen. Diese Person hat mehrere Ärzte gehabt. Der eine sagte, das Ohrensausen rühre von den Nerven her, der andere, es komme von einem zurückgegangenen Schnupfen her, ein dritter, das Trommelfell sei etwas eingegangen usw.
+Anwendungen+: 1) Täglich im Wasser gehen, 2-4 Minuten, darauf Bewegung im warmen Zimmer oder, wenn nicht zu kalt, im Freien. 2) Jede zweite Nacht vom Bett aus ganz waschen mit Wasser und Essig. 3) Zweimal in der Woche einen Schal umlegen, eine Stunde lang. So 14 Tage bis 3 Wochen fortmachen. Wenn noch weiter etwas notwendig ist, jeden zweiten Tag im Wasser gehen und in der Woche einmal waschen.
Rheumatische Zustände.
Wer möchte es versuchen, all die verschiedenen rheumatischen Zustände aufzuzählen, über die man klagen hört! Den einen quält der Schmerz im Kopfe, den anderen in den Zehen, diesen im Arme, jenen in den Beinen, sie auf dem Rücken, ihn auf der Brust usw. Der Rheumatismus ist wahrlich der ewige Jude unter den Krankheiten.
Der arbeitsame Bauer, der Holzhacker, alle diejenigen, die recht angestrengt arbeiten, wissen weniger, an manchen Orten nichts von dieser Krankheit, nach meinem Dafürhalten deshalb, weil diese Leute oft in der einen Stunde Rheumatismus bekommen, in der andern ihn bereits wieder vertrieben haben. Es zeigen sich vielleicht die Anfänge am Morgen, nachmittags dagegen arbeiten sie dieselben wieder hinaus.
Letztere Beobachtung gibt uns +klare Winke+, wie Rheumatismus geheilt werden kann und soll.
Ein +Tierarzt+ jammerte mir einst vor, er sei unfähig, seinem Berufe weiter vorzustehen; ein abscheulicher Rheumatismus habe sich wie eine Katze in sein rechtes Schulterblatt eingekrallt. Schwitzend sei er unklugerweise in die Kälte gekommen, und er wisse recht gut, er werde, wie jedesmal, die lästige Katze 6 Wochen lang zu tragen haben.
„Wenn Sie wollen, Herr Tierarzt,“ entgegnete ich ihm, „so sind Sie in 24 Stunden frei; ich werde meinen Hund auf Ihre Katze hetzen.“ Er lachte, und es gab eine kleine Wette. Mit Manneswort und Handschlag versprach er indessen, genau zu tun, wie der gestrenge Herr befehle. Er ging heim und ließ sich von seiner Frau den Rücken zuerst kräftig trocken reiben, dann einen +kalten Oberguß+ applizieren. Nach ungefähr 8 Stunden nahm er einen +Kopfdampf+ mit darauffolgendem Guß. Die 24. Stunde hatte noch lange nicht geschlagen, die Katze war längst über alle Berge, und die Wette war gewonnen. -- +Von trockenem Reiben+ wurde diesmal gesprochen, was doch sonst nie vorkommt!
Ja, und der +Grund ist folgender+:
Entsteht der Rheumatismus infolge raschen Wechsels von der Kälte in die Wärme und umgekehrt, so sind die Schmerzen, die zuweilen nur auf der Oberfläche der Haut, zuweilen aber auch tief im Innern, ja, wie man meinen könnte, im Marke der Knochen wurzeln, meist zurückzuführen auf Störungen in der Zirkulation des Blutes, sei es nun ein langsameres oder rascheres Tempo des Blutlaufes, seien es Blutstauungen oder kleine Entzündungen etc. an der betreffenden Stelle. Die dadurch entstandenen Reibungen, Pressungen usw. verursachen den Schmerz und müssen durch Auflösung, Ausleitung und Stärkung der leidenden Teile entfernt werden. Wenn der Taktstock allein die Sänger nicht mehr im richtigen Tempo halten will, dann fuchtelt der Gesangmeister noch mit der freien Hand, mit dem Kopfe den Ungelehrigen zu. Wenn die Gans oder Ente sich in die junge Hühnerfamilie mischt und das „Gehscht weg, du...“ der Futterbringerin nichts helfen will, dann wirft sie einen Stein nach der dummen Gans oder Ente. +Wenn der Rheumatismus tief sitzt, schon länger währt, besonders schmerzt und weit ausgedehnt ist, so rufe ich zum Wasser noch die Reibung zu Hilfe.+ Sie entwickelt rascher Wärme und bewirkt eine schnellere Verteilung des Blutes usw. +Wäre die kranke Stelle etwas kühl, und würde ohne weiteres, ohne vorherige Erwärmung ein Guß darauf+ kommen, so wiche der Rheumatismus wohl etwas weiter im, aber nicht aus dem Körper.
Ein +Bauer+ bekam so heftige rheumatische Zustände in beiden Füßen, daß er nicht mehr gehen konnte; am meisten schmerzten ihn die Schenkel. Der Mann wußte nicht, wie er zu dem Übel gekommen war.
Der Bauer +wickelte+ sich +täglich zweimal+ von unter den Armen an ganz in ein Tuch ein (Unterwickel), das in heißen +Heublumenabsud+ eingetaucht war, und legte sich jedesmal zwei Stunden ins Bett mit guter Zudecke. Zehn solcher Anwendungen wickelten den Rheumatismus vollkommen aus und ab.
+Ein anderer Bauer+ konnte vor lauter +Schmerzen in den Hüften+ gar nicht eingewickelt werden. Er wurde in ein +Haberstrohbad+ mit 33-35° ~R.~ und mit dreimaligem Wechsel gesetzt, täglich zweimal, je 25 Minuten lang. In 3 Tagen war er geheilt.
Fälle von +Kopfrheumatismus+ könnte ich eine Unzahl nennen. Sie wurden am leichtesten dadurch entfernt, daß man +möglichst wenig am Kopfe selbst+, dagegen +warme Bäder und Dämpfe an den Füßen+ anwandte. Kommt man dem Kopfe mit Kälte, so wird’s ärger; kommt man mit Wärme, so strömt noch mehr Blut zu. Die +Reihenfolge der besten Anwendungen+ wäre etwa folgende:
das +warme Fußbad+ (mit Asche und Salz), die +Überlegung+ eines +Schals+, der +Fußdampf+, der +Kopfdampf+ mit kaltem Abguß und wieder der +Schal+.
Diese Anwendungen, täglich eine derselben, heilen den stärksten Kopfrheumatismus, der gewöhnlich durch Zugluft, Verkühlung und sehr oft durch zu raschen Wechsel von Hitze und Kälte entsteht.
+Kein Rheumatismus darf vernachlässigt werden+, ein jeder könnte der Anfang zu vielen und schweren Krankheiten sein: zu Krankheiten der Lungen, der Augen, Ohren etc., zu Entzündungen, Blutvergiftung, zu Geschwüren usw.
+Ein Student+, der ziemlich viel getrunken hatte und in diesem Zustande in die kalte Luft gekommen war, bekam plötzlich +Rheumatismus auf der Brust+. Er meinte, seiner Jugend und seiner Tapferkeit könne so etwas nicht schaden; die „leidige Geschichte“ werde sich von selbst wieder verlieren. Aber es wurde für die Eltern und deren Angehörige eine leidvolle Geschichte. Es entstand trockener Husten, der schnell einen bösartigen Charakter annahm. Nach zwei Monaten war das blühende und hoffnungsvolle Leben ausgelöscht. Hätte der junge Mann nur +täglich vier- bis fünfmal Brust+ und +Unterleib+ mit +kaltem Wasser+ kräftig +abgewaschen+, in 1-2 Tagen wäre die Brust frei und der Arme außer aller Gefahr gewesen.
+Anna Maria+, die viel und streng arbeiten mußte, erhielt +rings um das Knie herum eine Geschwulst+. Sie beachtete dieselbe mehrere Wochen gar nicht und machte später, als sie heftig schmerzte, in ihrem Unverstande dichte kalte Umschläge. Das Knie wurde nicht besser, sondern schlimmer, und sie befragte einen Arzt. Dieser gab eine Salbe zum Einreiben, die indessen ohne Wirkung blieb. Zu allem Unglück bog sich der Fuß unter dem Knie am Schienbein abwärts. Um die Steifheit zu verhindern, verordnete der Arzt, während 14 Tagen jeden Tag den Fuß mit Schweinefett kräftig einzureiben, später mit Karbolsäure zu waschen. Das Knie wurde immer schlimmer. Zuletzt wandte er einen Gipsverband an und verhieß der Kranken, nach dessen Wegnahme könne sie sicherlich gehen. Nach neun Wochen wurde der Gipsverband weggenommen; aber die arme Magd konnte auf dem Fuße weder stehen noch gehen. Dieser elende Zustand währte fort bis vor wenigen Wochen.
Derlei +Verhärtungen an und um die Knochen+ können nur aufgelöst werden durch längere Zeit fortgesetzte +Überschläge+ mit +geschwellten Heublumen+, die stets ganz warm aufgelegt werden. Ist die Auflösung geschehen, so wird das Blut auch wieder nach diesen Teilen dringen, dieselben nähren, und die Kraft wird wiederkehren.
Nach achttägiger Anwendung besagten Umschlages konnte die Kranke bereits auf dem Fuße stehen. In 8 bis 10 Wochen konnte sie auch wieder gehen.
Ein Herr von Stand kommt und erzählt: „Ich bin vom Kopf bis zum Fuß voll von Rheumatismen und Krämpfen, habe beständig Katarrh, bald schwächer, bald stärker, ich mag im Zimmer oder im Freien sein; ich weiß mir nicht zu helfen. Ich bin meistens fast ohne Schlaf, ohne Appetit, und wenn ich nicht besser werde, muß ich in Kürze mein ganzes Berufsleben einstellen. Ich trage schon lange ein Jägerhemd und ein Jäger-Unterbeinkleid. Über dieses Jägerhemd trage ich ein zweites Hemd von Wollbarchent, dem stärksten Stoff, den ich bekommen konnte. So trage ich auch noch eine zweite Jäger-Unterhose vom stärksten Wollstoff, dann ein Gilet von Tuch mit dickwollenem Unterfutter, auch eine Buckskinhose, endlich einen Rock und einen Überwurf. Mein ganzer Körper ist vorherrschend kalt und wie mit Teer von übelriechendem Schweiß bedeckt. Es kann kaum noch ein unglücklicheres Geschöpf geben, als ich bin.“ Nun zur Wasserkur!
Zuerst wurde ein Oberguß genommen und die schmierige Haut abgewaschen, ebenso ein Knieguß mit Waschungen. So wurde drei Tage täglich zweimal diese Anwendung vorgenommen. Am dritten Tage wurde das Jägerhemd und die Jägerhose entfernt und gleich darauf ein Halbbad und eine Stunde später ein Oberguß genommen. Am fünften Tage wurde die Doppelunterhose ausgetauscht mit einer leinenen. Am siebenten Tag wurde das Hemd mit einem leinenen ausgewechselt, und so wurde auch das mit Ärmeln versehene Gilet entfernt; dann wurden täglich zweimal Oberguß und Unterguß im Wechsel mit Halbbädern genommen. Nach 14 Tagen war der ganze Organismus von jedem Rheumatismus und Krampf frei; die Haut transpirierte wie bei einem Gesunden, Schlaf und Appetit stellten sich vortrefflich ein, und der gute Herr freute sich, wieder neu hergestellt, am Schluß der Ferien seine Berufstätigkeit wieder aufnehmen zu können. Über das Ganze äußerte er sich mit folgenden Worten: „Hätte ich mein kleines Übel, meinem eigenen Urteil folgend, so verschlimmert, könnte ich mir nur gram sein. Doch ich tat nichts ohne Anleitung der berühmtesten Ärzte.“
„Mein ganzer Oberkörper,“ berichtet jemand, „ist voll Rheumatismus; an der rechten Seite im Oberkörper bin ich gar nie ohne große Schmerzen, und läßt der Schmerz etwas nach, dann kommt er auf eine oder auf beide Schultern. Ich werde dann so steif, daß ich die Schultern nicht mehr zu rühren vermag; kommt aber der ganze Schmerz auf den Magen, dann ist es, wie wenn sich alles umdrehe; ich kann dann auch gar nichts essen. Am allerärgsten aber ist der Schmerz am Hinterteil des Kopfes, besonders auf der linken Seite. Die Füße werden mir gar nicht mehr warm. So ist mein Leben recht elend, und ich kann meinem Berufe gar nicht nachkommen. Für das, was ich verbraucht habe an ärztlichen Mitteln und sonstigen Medikamenten, habe ich eine große Summe aufgewendet; geholfen hat mir gar nichts. Seit mehr als einem Jahr trage ich auf Befehl eines Arztes Wollhemden, bin aber dadurch noch viel empfindlicher geworden.“
Die Anwendungen waren: 1) In der Woche dreimal ein grobes Hemd anziehen, 1½ Stunden lang, in Wasser getaucht, in welchem Heublumen gesotten wurden. 2) Zweimal in der Woche ein Wickel von unter den Armen an bis ganz hinunter, das Tuch ebenfalls in warmes Heublumenwasser getaucht. 3) In der Woche zweimal in der Nacht vom Bett aus ganz waschen mit kaltem Wasser und, ohne abzutrocknen, gleich wieder ins Bett. So 14 Tage lang, dann als weitere Anwendungen: 1) Täglich ein Oberguß und Knieguß. 2) Täglich Wassergehen, 2-4 Minuten lang, dann Bewegung. 3) Zweimal in der Woche ganz waschen.
Nach 4 Wochen war der Patient von seinem Leiden frei und nimmt jetzt noch in der Woche zwei Halbbäder.
Ein Vorstand einer öffentlichen Lehranstalt erzählt:
„Ich leide fast Unsägliches an meinen Armen, Schultern und Füßen; bald bin ich wie in Rheumatismus gewickelt, bald sind wieder einzelne Stellen um so empfindlicher, wenn der Schmerz von anderen gewichen ist. Atemnot besteht fast fortwährend, oft so stark, daß ich fürchte zu ersticken; zudem leide ich auch an Kongestionen und habe so selten eine frohe Stunde.
Ich wurde magnetisiert, elektrisiert und gebrauchte vieles andere -- ohne Erfolg. -- Die Wasserkur hat mir in 10 Tagen allen Schmerz genommen, und von meinem Leiden fühle ich nur noch unbedeutende Spuren. Ich habe die Überzeugung, eine Fortsetzung von leichteren Anwendungen wird mir auch den letzten Rest nehmen.“
So der Kranke.
Die Anwendungen waren: Täglich ein Oberguß und zwei Schenkelgüsse, am zweiten Tag der spanische Mantel; vom vierten Tag an ein Halbbad täglich statt Oberguß und einmal wöchentlich Kopfdampf.
Ein Mann, 46 Jahre alt, erzählt: „Irgendwo habe ich immer Schmerzen, entweder auf der rechten Seite oder oben auf der Schulter; es bleibt der Schmerz nie lange an einer Stelle; kommt aber das Leiden in den Kopf, dann bin ich voll Schwindel; aus dem rechten Auge läuft viel Wasser heraus; fährt mir aber der Schmerz in den Fuß hinunter, dann wird dieser ganz steif; kommt er mir auf die Brust, dann weiß ich kaum mehr zu atmen. So leide ich schon Jahre hindurch und habe, wenn auch nur auf kurze Zeit Erleichterung, doch nie Hilfe gefunden.“
Dieser Kranke wurde in fünf Wochen geheilt durch folgende Anwendungen:
1. In der Woche dreimal einen kurzen Wickel, 1½ Stunden lang;
2. viermal in der Woche ganz waschen vom Bett aus;
3. zweimal den Oberguß; so 14 Tage lang. Dann:
1. einmal den kurzen Wickel,
2. zweimal die Ganzwaschung,
3. jeden Tag Oberguß und Knieguß.
So geheilt nahm der Patient als zeitweilige Fortsetzung der Kur, sowie zur Erhaltung seiner Gesundheit jede Woche ein Halbbad und zweimal Oberguß und Knieguß.
Rotlauf (Gesichtsrose)
ist ein giftiger Krankheitsstoff, der sich zwischen Haut und Fleisch sammelt und lagert und an irgend einer Stelle einen Ausgang sucht. Er kann entstehen an einem +Fuße+, an einem +Arme+, +am Kopfe oder an jeder anderen Stelle des Körpers+. Wo er sich zeigt, tritt große Spannung ein, als ob die Haut zu eng sei, als ob sie auseinanderspringen möchte. Manchmal tritt er lange nicht auf die Oberfläche, und der davon Befallene leidet oft große Schmerzen. Beim Ausbruche zeigen sich zuerst einzelne Bläschen mit bräunlicher Flüssigkeit, nach und nach eine Unzahl derselben, kleinere und größere, die so giftig sind, daß sie ganze Teile der Haut auffressen. Der Rotlauf kann +gefährlich+ werden und +leicht den Tod bringen+, wenn er nicht imstande ist, nach außen sich zu entfalten, wenn er im Inneren eine Blutvergiftung bewirkt, die sich rasch verbreitet, da nach der entzündeten Stelle viel Blut hinströmt. +Gar oft+ kommt noch +der Fall+ vor, daß der Rotlauf, wenn er sich nach außen entwickelt, von der +ursprünglichen Stelle weicht+ und im Inneren an eine Stelle tritt. Derlei Fälle haben meistens einen tödlichen Ausgang.
Ich kannte einen Knecht; der bekam den Rotlauf am Arme. Er wollte dem Übel kein Gewicht beilegen; „das sei eine Weiberkrankheit“, meinte er. Der Rotlauf verschwand, faßte aber nach kurzer Zeit Posto im Gehirn, und in Bälde war der Kranke unterlegen.
Desgleichen ist mir ein +Priester+ bekannt; diesem setzte sich der Rotlauf an einen Fuß. Wie er den leidenden Fuß gepflegt hat, weiß ich nicht. Der Rotlauf verschwand, und der Patient glaubte sich von dem Unhold befreit. Doch bald zeigte sich der unliebe Gast von neuem, jetzt am Oberarm. Wiederum verschwand er, aber nur, um sich zuletzt im Kopfe festzusetzen. Nach 4 Tagen war der Priester eine Leiche.
Jeder, der diese Krankheit aufmerksam beobachtet hat, wird von einer Reihe von +Todesfällen+ erzählen können, die eintreten +durch Vernachlässigung des Rotlaufs+.
+Bei der Heilung ist vor allem darauf zu achten+ und +muß dem vorgebeugt werden, daß der Rotlauf nicht auf Wanderung+ gehe. An der Stelle, wo er zutage tritt, muß er so bald wie möglich geschwächt und der Giftstoff ausgeleitet werden. Auch die Zuströmung des Blutes soll man nach Möglichkeit verhindern, d. h. mindern.
Wer +Rotlauf am Fuße hat+, soll am besten einen +kurzen Wickel nehmen+. Dieser schneidet der Rotlaufstelle die Zufuhr ab. Nach dem kurzen Wickel kann er +den Fuß oberhalb der Rotlaufstelle+ gegen den Körper zu +umwinden+ (Fußwickel). Man kann aber auch den +Rotlauf direkt angreifen+. Dieses geschieht, indem man ein recht weiches, ausgenütztes linnenes Tuch in warmes Wasser taucht, damit die brandige Stelle überlegt und mit einem trockenen Tuche oder mit Wolle jenes nasse einhüllt. Dieses verteilt und leitet aus.
Bekommt jemand den +Rotlauf am Arm+, so kann er wieder zuerst durch einen +kurzen Wickel+ die Strömung des Blutes von oben her ableiten. Dann soll er einen +Schal+ umlegen und diesen öfters erneuern je nach der Stärke der Hitze. Auch gegen das direkte Einwirken auf die kranke Stelle läßt sich (wie oben beim Fußrotlauf) nichts einwenden.
Sollte der +Rotlauf am Kopfe+ entstehen, so wird ein +Oberaufschläger+ kräftig nach unten ableiten und ein +Halswickel+ rasch den Rotlaufstoff vermindern. Sind diese Anwendungen ein paarmal vorausgegangen, so kann man direkt auf die Rotlaufstelle selbst einwirken, +anfangs mit warmem+ und, wenn ein großer Teil des Krankheitsstoffes abgeleitet ist (was das Nachlassen der Röte und der Geschwulst angibt), auch mit kaltem Wasser. Die Anwendungen geschehen stets in Form von Linnen-Auflagen oder Wickeln, im letzteren Falle in Form des Kopfwickels.
Ein Geistlicher aus M. berichtet: „Vielleicht infolge einer Erkältung trat ein heftiger Rotlauf (Gesichtsrose) bei mir ein. Die Hitze des Körpers war groß, der Schweiß heftig, das Gesicht bedeutend geschwollen. Es wurde mir in diesem Zustande täglich vier- bis fünfmal die Brust, der Unterleib, der Rücken und die Arme, zuweilen auch die Beine, aber +nicht+ das Gesicht mit kaltem Wasser abgewaschen und zwar in vollem Schweiß. Später waren die Waschungen weniger. Dies hatte den besten Erfolg zur Heilung der Krankheit und war zugleich sehr wohltuend. Nach 4 Tagen war das Fieber vorüber, und am neunten Tage konnte ich das Zimmer wieder verlassen. Da noch eine kurze Zeit hindurch nachts Schweiß sich einstellte, stand ich auf, wusch denselben mit kaltem Wasser am ganzen Körper ab, zog ein frisches Hemd an und legte mich wieder zu Bett. Ich habe bereits früher dieselbe Krankheit gehabt. Bei dem damaligen Heilverfahren dauerte es vier Wochen, bis ich wieder hergestellt war, jetzt durch Anwendung des Wassers nur neun Tage.“
Rückgrat.
+Ein hochgestellter Offizier+ hatte sich beim Fahren einen +Wirbel+ des Rückgrates eingedrückt und, wie die Ärzte behaupteten, das Rückenmark so verletzt, daß er meistens die gräßlichsten Schmerzen zu dulden hatte und sein Zustand nur zeitweise erträglich war. Das Leiden wirkte noch mehr auf das Gemüt, als es Schmerzen verursachte. Kein Arzt konnte ihm Hilfe bringen, obwohl er die ersten und berühmtesten Ärzte der Großstadt aufsuchte. Auf die Erklärung des berühmtesten Arztes der Gegend, daß da keine Heilung mehr eintreten könne, und daß mit der Zeit die Schwindsucht sich einstellen werde, suchte der Herr seine Hilfe beim Wasser. -- In 6 Wochen war er hergestellt und erfreut sich heute noch guter Gesundheit, obgleich die Heilung bereits vor mehr als 25 Jahren stattgefunden hat. Auch das Gemütsleiden verschwand mit dem körperlichen Leiden vollständig.
+Welche Anwendungen+ in unserem Falle vorgeschrieben waren, weiß ich genau nicht mehr zu sagen. Aber wenn du, lieber Leser, an genanntem Übel leiden solltest, so würde ich dir +folgendes+ raten: Laß dir +dreimal in der Woche+ den +spanischen Mantel+ umlegen; +nimm dreimal in der Woche ein Halbbad+ mit Waschung des Oberkörpers und +zweimal einen Ober- und Unterguß+! Dieses setze mehrere Wochen pünktlich fort! Der ganze Organismus muß sich kräftigen und erstarken, und die von der verletzten und kranken Stelle ausgegangenen Gebrechen werden eines nach dem andern schwinden. Auch der eingetriebene Wirbel wird Ruhe geben und verknöchern, wie wenn nach einem Beinbruch der wunde Teil vernarbt. Abermals wiederhole ich: Wenn ein Teil am Körper schwer leidend ist, so kränkelt der ganze Körper. Der ganze Organismus nimmt gleichsam teil an dem Schmerze des Gliedes oder Gliedchens. Wirf einen Stein ins Wasser, und die ganze Oberfläche des Baches oder Teiches wird bewegt und zeigt Wellenkreise. Der Stein ist der eingedrückte Wirbel. Die Schmerzenskreise durchziehen den ganzen Körper.
Dieses sind treffliche +Winke für das Heilverfahren+. Sonach muß man beim +Heilen immer auf den ganzen Körper einwirken+, damit er stark werde, und damit die gesunden Teile des Körpers die kranken und geschwächten unterstützen, gleichsam hegen und pflegen; die Organe stehen ja untereinander in innigstem Zusammenhange. Sie sind die nächsten Glieder einer Familie, die sich nur wohl befinden in einträchtigem, friedlichem Zusammenwirken.
Ruhr.
Die Ruhr +ist eine Schwester der Cholera+. Beide sehen einander überaus ähnlich. Diese Krankheit +beginnt in der Regel+ mit gräßlichen Krämpfen im Unterleib und mit starkem Abweichen. Neben anderem geht viel Blut ab.