Part 28
„Meine Tochter hat stets schreckliche Kopfschmerzen, ein arges Drücken auf der Brust und in der Magengegend; Hände und Füße sind stets eiskalt und naß von einem schmierigen Schweiß; meine Tochter ist drei Vierteljahre verheiratet; zehn Wochen lang war sie ganz gesund; dann haben diese Zustände im kleinen begonnen und sich bis auf diese Höhe gesteigert; essen kann sie nichts oder höchstens einige Löffel voll leere Fleischsuppe oder Kaffee. Alles, was sie von Ärzten eingenommen, und auch Einspritzungen, und was man zu einem gezwungenen Schlaf angewendet, hat den Zustand nur noch mehr verschlimmert.“
Dieser Kranken gab ich folgenden Rat:
Täglich zweimal die Füße ins kalte Wasser bis über die Waden und nebenzu die Füße abwaschen mit Schwamm oder Handtuch; gleich darauf die Hände ins kalte Wasser bis an die Achseln eine Minute lang, und nebenzu auch die Hände waschen; Hände und Füße sollen dann unter die warme Bettdecke kommen; jeden Morgen und jeden Nachmittag soll die Kranke ungefähr zwölf Kamillen-Tropfen (siehe Apotheke) in 6-8 Löffel voll warmen Wassers einnehmen. Als Nahrung soll sie von Zeit zu Zeit 3-4 Löffel voll Milch essen oder Malzkaffee trinken; besonders empfiehlt es sich, mit Milch und Malzkaffee zu wechseln.
Nach 12 Tagen war die Person so weit voran, daß sich der Appetit zur gewöhnlichen Hausmannskost einstellte; die Krämpfe waren verschwunden, und der drückende Schmerz auf Brust und Magengegend hatte aufgehört; das Kopfweh war weg, Hände und Füße warm.
Die weiteren Anwendungen waren: jeden zweiten Tag die Füße ins kalte Wasser wie oben; zweimal in der Woche ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, 14 Minuten lang, und einmal in der Woche vom Bett aus ganz waschen und gleich wieder ins Bett. Statt Kamillentropfen hat sie Wermut- und Salbeitropfen genommen, jedesmal 10-12 Tropfen im warmen Wasser; die Kranke war so weit hergestellt, daß sie wieder in die Kirche gehen und ihre Hausarbeit verrichten konnte, und braucht sich, um vollständig gesund und kräftig zu werden, nur zweimal in der Woche kalt zu waschen; Halbbäder würden noch kräftigere Dienste tun.
Krätze.
Das verabscheute Übel der Krätze kann am und noch mehr im Körper viel Unheil anrichten. +Am meisten zu beklagen ist+, daß man, um (es sei das triviale Wort gestattet) diese Laus aus dem Pelz zu treiben, vielfach seine +Zuflucht+ zu Mitteln nimmt, welche, statt zu heilen, grenzenlos schaden und den mißhandelten Körper ins größte Elend bringen können. Wer kennt alle die fettigen Salben mit Schwefel-, Branntwein- und, wer weiß, mit welch anderen Beimischungen? Eines tun diese ekelhaften Schmierarzneien: Sie verschließen gründlich die Poren der Haut, verbarrikadieren der zum Wohlbefinden des Körpers absolut notwendigen Transpiration durch fettige Krusten gründlich ihre Luft- und Wasserkanäle, treiben Schweiß und Ausdünstung in den Körper zurück, vergiften so Blut und Säfte und bereiten schwere Krankheiten vor, manchem die Todeskrankheit. Das ist nicht übertrieben, aber sehr betrübend, wenn man weiß, wie leicht und schnell und ungefährlich die Krätze zu heilen ist.
Bei mir suchte einmal ein 28jähriger, gutgewachsener Mensch Hilfe, dessen Aussehen mich sofort an ein durch und durch wurmstichiges Brett erinnerte. Nirgends fand er Rat; man wußte eigentlich nicht, was ihm fehle. Ich fragte ihn: „Haben Sie in der Jugend vielleicht einmal die Krätze gehabt?“ Er bejahte meine vorwitzige Frage, indes mit dem Aber: „Sie ist in drei Tagen geheilt worden.“ -- So will ich nicht heilen. Gott bewahre!
Gerade bei derlei ekelhaften Krankheiten, die deutlicher als alles andere auf Giftiges schließen lassen, muß +bei der Heilung obenanstehend der Grundsatz+ gelten: Was drinnen ist im Körper und nicht hinein gehört, das +muß+ hinausgetrieben werden. Das Gegenteil praktizieren wollen hieße etwa ebensoviel als Ungeziefer in die Kleider und Haare, Erdkrebse in die Mistbeete, Mäuse in den Acker einpflanzen. +Nach dem Grundsatze richten sich die Anwendungen+, die das Ungesunde, Giftige hervorlocken, ausziehen, entfernen, nebenbei den ganzen Organismus zu kräftiger Mithilfe stärken müssen.
Erst nahm unser Kranker +drei Tage nacheinander je ein warmes Bad+ (33° ~R.~) mit +Absud aus Fichtenreisern+[44] mit dreimaligem Wechsel. Eine +Seife+ tat ihm vortreffliche Dienste, die Poren allseitig zu öffnen und den Schmutz zu entfernen. Man muß einmal die Dinge mit ihrem Namen nennen, -- ich kann nicht dafür, -- wenn es auch manche Nerven etwas unangenehm affiziert. Nach den Bädern folgten als +stärkende Anwendungen+ noch in der ersten Woche +nächtliche Ganzwaschungen+ vom Bette aus und +ein viertes warmes Bad+ mit kalter Abwaschung; in der zweiten Woche ein +warmes Bad+ mit kalter Waschung und ein +kaltes Halbbad+ mit Waschung des Oberkörpers; in der dritten Woche ein +kaltes Ganzbad+; in der Folge je innerhalb eines oder zweier Monate ein +paar warme Bäder+. Sollte die Heilung sich in die Länge ziehen, so kann mit den zwei letztgenannten Anwendungen fortgefahren werden. +Selbst ein warmes Bad wöchentlich+ könnte nur gute Wirkungen haben.
In 6 Wochen war unser recht armseliger Patient geheilt und konnte sich endlich einen Beruf wählen. Bis heute dauert seine kräftige Gesundheit an; von dem früheren lästigen Übel hat er nie mehr das geringste verspürt.
Also behandelt man die +nach innen gedrungene Krätze+.
+Wird jemand äußerlich von der Krätze befallen+, so nehme auch er ein +warmes Bad+ von 33-34° ~R.~ und reibe sich mit scharfer Seife, am wirksamsten mit „grüner Seife“, die er in jeder Apotheke bestellen kann, kräftig ein. Nach ¼stündigem Bade wasche er sich mit reinem Wasser (kalt oder warm) und mit anderer, gewöhnlicher Hautseife ab. +Trefflich würde es wirken+, wenn der Kranke sofort in ein zweites derartiges Bad, jedoch mit erneuertem warmen Wasser steigen könnte (am Schlusse ebenfalls kalte oder warme Abwaschung).
Da die Krätze in sehr vielen Fällen durch +Kleidungsstücke+, +Bettwäsche+ usw. ansteckt und vererbt wird, so ist es eine +Hauptsache+, nach den Bädern sowohl die Leibwäsche und Kleidung als auch die Bettwäsche gründlich zu wechseln. Alle Anwendungen würden sonst nichts nützen.
In 3-4 Tagen kann auf diese Art die Krätze geheilt werden.
Krebs.
Eine gar häufige Krankheit unserer Zeit sind die verschiedenartigsten Krebse. Es ist wohl kaum ein Teil des Körpers, der nicht vom Krebs oder krebsartigen Schäden zerstört werden könnte. Hat dieses Übel einmal weiter um sich gegriffen, so wage ich mit Wasser nichts mehr anzufangen; Blut und Säfte sind schon zu verdorben.
Die Krebskrankheit ist erblich, zumal wenn bei einem Individuum Blut und Säfte bereits zu einer derartigen Zersetzung hinneigen.
Mir sind Eheleute bekannt, die eine an +Zungenkrebs+ leidende Base besuchten. Ohne Ahnung von einem so schrecklichen Übel entsetzten sich beide, als sie die schauderhaften Verwüstungen wahrnahmen. Bei der Frau schwoll die halbe Zunge innerhalb drei Tagen krankhaft an; dem Manne wurde die Unterlippe entzündet und wund. „Wir haben die Krankheit geerbt,“ -- so klagend kamen sie zu mir. Ich suchte die bis zum Tode Erschrockenen zu ermutigen und ihnen nach Können ihr steifes Behaupten auszureden. Zugleich riet ich ihnen, sie sollten den einen Tag mit +Alaunwasser+ den ganzen Mund, besonders die angegriffenen Stellen ungefähr viermal gut auswaschen, den zweiten Tag mit +Aloëwasser+ die Waschung wiederholen, zudem jeden zweiten Tag einen +Kopfdampf+ nehmen und im Wechsel mit dem Kopfdampfe einen +Wickel um den Hals+ anlegen.
Die zwei Personen wurden von dem Übel ganz befreit. Ich selbst hätte nie geglaubt, daß bloßer Schrecken die Wirkung habe, eine so entsetzliche Krankheit zu vererben. Später erfuhr ich, daß sich ein Arzt wirklich dahin ausgesprochen habe, die Leute hätten das Übel geerbt.
Von +beginnenden Krebsübeln+, auch von fortgeschrittenen kleineren Krebsschäden sind mir mehrere Fälle vorgekommen. Sie konnten leicht geheilt werden. +Alle Anwendungen zielten lediglich hin auf Reinigung des Blutes und der Säfte.+
Leibschaden.
Ein Herr, ungefähr 40 Jahre alt, klagte über Schwindel, Kongestionen und heftige Kopfschmerzen; er hätte einen guten Appetit, aber wenn er nach Appetit esse, müsse er es büßen. Wie sein Aussehen blühend rot, so ganz widernatürlich stark war sein Leib, obwohl Arme und Füße unverhältnißmäßig dünn waren.
Er trug ein Bruchband auf Anraten der Ärzte, weil zwei Leibschäden im Entstehen waren. Das Hauptübel bestand in Auftreibung des Unterleibes durch Gase.
Als durch die Anwendungen des Wassers die Gase beseitigt und die Organe gekräftigt waren, verschwanden die hervorragenden Erscheinungen von Leibschäden; es wichen die Kongestionen samt dem Kopfschmerz, und so war der Kranke nach 4 Wochen vollständig hergestellt.
Die Behandlung bestand in folgendem: 1. Tag: Oberguß mit Knieguß vormittags, dann Oberguß mit Wassergehen nachmittags. 2. Tag: Oberguß mit Wassergehen bis an die Knie vormittags, nachmittags Oberguß mit Wassergehen. 3. Tag: Oberguß mit Wasserknien; nachmittags: Rückenguß. 4. Tag: Oberguß und Wasserknien; nachmittags: Rückenguß. 5. Tag: Halbbad, später Oberguß; nachmittags: Oberguß und zwei Stunden später Sitzbad. 6. Tag: Oberguß und zwei Stunden später Halbbad; nachmittags: Bad bis unter die Arme. 7. Tag: Wassergehen bis über die Knöchel und zwei Stunden später Rückenguß.
In dieser Weise wurde fortgefahren, bis in vier Wochen die vollständige Gesundheit wieder erlangt war; besonders merkwürdig ist, daß sowohl sein aufgedunsenes Gesicht, sein ungewöhnlich ausgedehnter Leib, als auch die Leibschäden gänzlich verschwunden waren.
Lungen-Entzündung
siehe oben Seite 210.
Lungenleiden.
Eine Hausfrau erzählt folgendes: „Die Ärzte sagen, ich habe Lungen- und Rachenkatarrh, meine Lunge sei stark angegriffen, und zwei Ärzte erklärten, es sei mir nicht zu helfen. Ich möchte nur noch den Versuch machen mit Wasser; wenn auch dies nicht hilft, so füge ich mich in Gottes Willen.“ Durch 20 Tage hat das Weib täglich zwei Obergüsse erhalten und gleich darnach Knieguß und zweimal in der Woche einen kurzen Wickel; ferner täglich zwei Tassen Tee, in kleinen Portionen, von gesottenem Fenchelsamen, Brennesseln und Spitzwegerich. Nach dieser Zeit war der Husten verschwunden, alle Verschleimung gehoben, das Aussehen frisch, und die Kräfte waren wiedergekehrt.
Magengeschwüre.
Vieles Erbrechen, Brennen im Magen usw. sind noch keine entscheidenden Zeichen für Magengeschwüre. Daß indes solche manchmal vorkommen, ist leider nur zu wahr.
Solche Leidende sollen +ja nichts Ätzendes+ einnehmen, wenig salzen, wenig pfeffern, wenig würzen. +Recht einfache Kost+ und +noch einfachere Getränke+, besonders Milchkur, haben sich schon als die +allerbesten Heilmittel+ erwiesen für die beginnenden kleinen Geschwürchen.
Im übrigen gibt uns das Heilverfahren bei kleinen äußerlichen Geschwüren einen Fingerzeig für die Heilung von Geschwüren im Innern. Am Finger kann ich ein Geschwür recht leicht heilen, wenn ich einen kleinen Lappen fleißig ins Wasser tauche und naß umwinde; er reinigt und heilt. Warum sollten innere Geschwüre nicht auch heilen, wenn man +längere Zeit jede halbe Stunde einen Löffel Wasser+ einnimmt, oder wenn man aus erprobten Heilkräutern einen +Tee+ sich machen läßt und, statt die gewohnte Tasse auf einmal zu trinken, jede halbe Stunde oder jede Stunde ebenfalls sich mit einem Löffel voll begnügt? Mache man einmal den Versuch mit +Wermuttee+ oder mit +Salbeitee+ oder mit Tee +von beiden Kräutern+ zugleich (halb und halb)!
Oder man nehme eine kleine Messerspitze +Aloëpulver+, löse es in einem Viertelliter Wasser auf und genieße die Arznei wiederum arzneiweise, d. h. alle Stunden einen Eßlöffel voll; wohlgemerkt, letztere Medizin nur immer einen halben Tag lang und mit Ausständen von je 2-3 Tagen.
Ein +treffliches Hausmittel+, das selbst dem +Ärmsten+ nicht abgeht, ist das +Krautwasser+ (in jeder ganz oder teilweise gefüllten Krautstande genügend zu bekommen). Das Sauerkrautwasser heilt die ältesten Schäden. Man vermische zu dem Zwecke einen Eßlöffel Krautwasser mit 6-8 Löffeln gewöhnlichen Trinkwassers und nehme jede Stunde einen Eßlöffel voll. In der Regel hat nach meiner Erfahrung diese Trinkkur gewirkt, und sollte einmal die vorteilhafte Wirkung ausbleiben, Schaden bringt das Hausmittelchen nie. Immer ist solche Medizin ratsamer und sicherer als diese und jene Giftpräparate.
+Tee von Spitzwegerich+ wäre auch nicht zu verschmähen.
Als +äußere Anwendungen+ empfehle ich solchen Kranken jeden zweiten Tag eine +2-4fältige Linnenauflage auf den Unterleib+, je 1½-2 Stunden zu tragen. Vorteilhafer als ein Eintauchen in einfaches Wasser hat sich ein Benetzen mit +Absud von Heublumen, Zinnkraut, Fichtenreisern+ bewährt.
Sitzen einmal +große, bösartige Geschwüre+ im Magen, gleich gefräßigen Raub- und Nagetieren, so ist an eine Heilung nicht mehr zu denken. Das Zerstörungswerk schreitet weiter und endet stets mit dem Zusammensturze des Ganzen, mit dem Tode.
Magen- und Darmkatarrh.
Eine Frau, 40 Jahre alt, klagte über folgende Leiden: „Auf der linken Seite unterhalb der Rippen habe ich immer Schmerzen, bald schwächer, bald stärker; ich kann oft die Schmerzen nicht mehr aushalten. Gerade so leide ich an Wasserbeschwerden; manchmal geht bereits nichts ab, und geht es auch oft besser, so habe ich doch immer Schmerzen. Recht oft wird der Schmerz so stark, daß ich mir den Tod schon gewünscht habe. Dann bin ich auch so aufgetrieben, daß ich mir nicht zu helfen weiß; mein Hals wird oft so dick und aufgedunsen, daß ich kaum zu reden vermag. Ich habe schon viel gebraucht von Ärzten und Nichtärzten; manchmal bekam ich etwas Linderung, aber bald war wieder die alte Geschichte da.“
In vier Wochen wurde diese Frau von ihren Leiden befreit durch folgende Anwendungen:
1. jede Woche viermal angeschwellte Heublumen warm auf den Unterleib und Magen in einem Tuche aufbinden, 1½ Stunden lang;
2. dreimal in der Woche in der Nacht vom Bette aus sich ganz waschen, mit Wasser und etwas Salz daran, eine Minute lang, und gleich wieder, ohne abzutrocknen, ins Bett;
3. jeden Tag eine Tasse Tee von 20 zerstoßenen Wacholderbeeren und etwas Zinnkraut, 10 Minuten lang gesotten, während des Tages in 3 Portionen trinken; so 12 Tage lang.
Nach diesen 12 Tagen folgende Anwendungen:
1. einmal in der Woche die Heublumen aufbinden;
2. dreimal in der Woche in der Nacht sich ganz waschen und
3. zweimal in der Woche ein Halbbad, eine halbe Minute lang;
4. den Tee forttrinken. So drei Wochen lang.
Um den Körper in Gesundheit zu erhalten, reicht aus, in der Woche drei Halbbäder zu nehmen.
Magenkrampf.
Herr N. hat sich öfters erkältet und dadurch Leibschmerzen bekommen; er mußte infolge Anhäufung von Gasen sich oftmals erbrechen. War viel Luft abgegangen, und hatte er sich stark erbrechen können, fühlte er sich wieder wohl und hatte besten Appetit. Das Übel steigerte sich aber mit der Länge der Zeit und begann ziemlich schnell nach jeder Mahlzeit derart heftig, daß er vor Schmerz zuweilen aufschreien mußte. Dabei waren Hände und Füße eiskalt und der ganze Körper in leichtem Frost.
Der Magen ist in solchen Fällen gewöhnlich ganz schuldlos, und der heftige Druck der Luft auf denselben verursacht Brechreiz und Erbrechen. Letzteres selbst lindert das Übel nur auf kurze Zeit. Völlig beseitigt wird es nur dann, wenn im ganzen Körper gleiche Wärme und gleiche Transpiration wie auch Zirkulation des Blutes hergestellt ist. Dies wurde dadurch erreicht, daß der Kranke am ersten Tag dreimal mit ganz warmem Wasser und Essig im Bett gewaschen und, ohne abgetrocknet zu werden, gut zugedeckt wurde. Am zweiten Tage geschah dies nur zweimal und von da ab täglich nur einmal. Dies Verfahren genügt, so oft man durch Erkältung sich Fieber, verbunden mit Aufstoßen der Luft und Erbrechen, zugezogen hat.
Magenleiden.
Armer Magen, was sollst du nicht alles verschuldet haben! Neben dem Herzen und den Nerven bist du wohl der Hauptsündenbock! Frage hundert Menschen, ob sie nicht magenleidend seien! Ganz wenige antworten mit einem entschiedenen Nein. Und doch ist in den allermeisten Fällen der Magen so unschuldig wie ein neugeborenes Kind und so gesund wie ein spielender, heiterer Knabe. +Beispiele+ mögen meine Behauptung erhärten.
Amalie hat ein ganzes Jahr hindurch das meiste, was sie genossen, erbrechen müssen. Nichts konnte sie bei sich behalten als täglich 3-4 Löffel lauwarmer Milch. Sie befragte mehrere berühmte Ärzte. Der Apotheker erklärte zuletzt, er habe in seiner ganzen Apotheke kein Mittel mehr, welches nicht schon versucht und angewendet worden sei.
Man brachte die Kranke, ohne anzufragen, auf einem Wagen vor meine Wohnung. Fortschicken konnte ich die armen Leute doch nicht. Die Arme war sehr abgemagert, die Züge eingefallen, die Stimme gebrochen, -- ein Jammerbild. +Husten+ indessen (das war mir das wichtigste) war nicht vorhanden, nur ein fatales Magenleiden; ich sollte ihr doch, meinten die Leute, etwas geben für den Magen. Sofort erklärte ich, sie sollen ruhig sein und nicht so über den Magen herfallen und schimpfen, da fehle es ganz anderswo; +zu den gesündesten Teilen+ an und in dieser Person +gehöre der Magen+. Die einen ärgerten sich, die anderen lachten; die Kranke selbst stutzte zweifelnd, ob ich auch recht bei Sinnen sei. Soweit hergefahren, mochte sie denken, unter solchen Schmerzen, und jetzt diese mitleidslose und harte Aussage eines Geistlichen! Mir war das alles eins.
Was brachte mich zu solchem Urteile?
Die Person hustete nicht, aber es stieß ihr die Luft (+die Gase+) beim Munde heraus. +Der Magen+ und der +Unterleib waren mit Gasen bis aufs äußerste+, bis zum Übermaß +gefüllt+. In solcher Umgebung kann es niemand mehr aushalten, selbst nicht der sonst so geduldige Magen; er muß seine geregelte Tätigkeit ganz oder zum größten Teile einstellen. +Das Übel vergrößerte+ sich dadurch, daß die Haut ganz trocken und jede +Transpiration gehemmt+ war.
Die +Aufeinanderfolge der Anwendungen+ war diese: +Lauwarme Unterwickel+, +Waschung des Oberkörpers+, +kurzer Wickel+, +Ganzwaschung+, +Knieguß+ (eine halbe Minute), +abermaliger Unterwickel+, +Oberguß+, ins +Wasser knien+ (eine halbe Minute) +bis an die Magengegend+, +Ganzwaschung+, +Ober- und Unteraufschläger+. +Jeden halben Tag+ sollte die Kranke eine dieser Anwendungen der Reihe nach gebrauchen, dazu täglich ein paarmal auf +nassen Steinen+ gehen.
Durch laue Unterwickel suchte ich die Haut erst wieder wärmer, feuchter und weicher zu machen, dann durch Ganzwaschungen und all die anderen Übungen insbesondere auf den Unterleib einzuwirken. Es gelang; die Luft, die Gase suchten die richtigen Auswege, und die Transpiration, die normale Tätigkeit der Haut kam in Gang. Mit dem Schwinden der Gase rückte in den luft- und gasleeren Raum der +Appetit+ ein; Blut und Säfte mehrten sich, und in der kurzen Zeit von 5 Wochen war die Kranke gesund.
+Rosa+ leidet seit langen Jahren am +Magen+, seit einigen Monaten an besonders heftigen +Magenkrämpfen+. Sehr oft muß sie das Bett hüten, und wenn das Aufsein auch leidlich ist, kann sie nur mit großer Not und Anstrengung ihrem Berufe teilweise vorstehen. Mehrere Ärzte haben erklärt, es fehle ihr weiter nichts, sie besitze nur einen +recht schlechten Magen+. Die arme Geplagte brauchte viel in tropfbar-flüssiger und fester Form, in Pulver- und Pillen- und anderer Gestalt, zum Teile scharfe Sachen.
Das +Aussehen+ läßt auf arge Leiden schließen: die Gesichtszüge sind eingefallen, die Farbe ist blaß, der Körper nur mehr Haut und Knochen. Ihr Unterleib -- so ergänzte sie das Krankheitsbild -- sei stark aufgetrieben, und sogar das anliegende Kleid verursache ihr Schmerzen. Oft habe sie sich erbrochen, und Füße und Hände seien stets ganz kalt.
Mein Gutachten lautete wie im vorhergehenden Falle. Rosa hatte sich den Unterleib gründlich dadurch verdorben, daß sie oft plötzlich von der Hitze in die Kälte, vom heißen Herde weg in den Eiskeller kam und nicht wußte, wie sie sich gegen die schon bald fühlbaren schädlichen Einflüsse schützen könne. Dazu hatte sie niemanden, dem sie sich anvertrauen wollte, und sie trug die vermeintlichen kleinen Übel, solange sie diese ertragen konnte, bis endlich der Druck vom Unterleib aus so heftig wurde, daß dem Magen, eingeengt und eingezwängt, wie er war, alles, was er an Speisen aufnahm, förmlich wieder ausgepreßt wurde.
Zu den +allgemeinen Anwendungen+, die Tätigkeit in den ganzen Körper zu bringen hatten, mußten besondere für den Unterleib (nicht den Magen) hinzukommen, das Angesammelte, besonders auch die Gase, zu lösen und auszuleiten. Als +Anwendungen folgten+ (jeden Tag +eine+ derselben):
+der spanische Mantel+ (allgemeine Anwendung);
+Überlagen mit angeschwellten Heublumen+ auf den +Unterleib+, jeden Tag 2 Stunden lang;
der +kurze Wickel+ (auflösend und ableitend);
+Ober- und Unteraufschläger+;
wiederum der +spanische Mantel+.
Als +Nebenanwendungen+ dienten das +Gehen auf nassen Steinen+ oder im +nassen Grase+, mitunter der +Knieguß+. Nach 4 Wochen reichten aus ein +Wechsel zwischen dem spanischen Mantel+ und dem +kurzen Wickel+, jeden zweiten Tag eine dieser Anwendungen. Daneben mußte die Kranke, wie oben bemerkt,
häufig +barfuß gehen+. Rosa wurde ganz gesund und ist es heute noch. „So gesund bin ich,“ äußerte sie sich bei einer jüngsten zufälligen Begegnung, „wie noch nie in meinem Leben.“
+Friedrich+ erbrach anfangs viel Magensäure, später alles Gegessene und Getrunkene. Alle Mittel halfen nichts, und der Arzt definierte das Übel als +Magenverhärtung+ mit +Magenschluß+.
Das Aussehen des Patienten war gar nicht schlecht, die Züge wohl etwas alt und die Gesichtsfarbe gelb. +Luft+ stoße es ihm viel aus dem Magen, meinte er; der Unterleib sei vor Blähungen oft wie eine Trommel, und dann zeige sich auch regelmäßig heftiges Weh im Kopfe. Wiederum haben wir +Untätigkeit im unteren Revier, Schlaffheit der Gedärme+. Daher der ungeregelte Stuhlgang, die Häufung der Gase und daher der Druck auf Magen und Kopf. Der Kranke mußte +10 Tage hindurch täglich ein Tuch, getaucht in Wasser und Essig+, 2 Stunden +lang auf den Unterleib+ binden, +täglich ein warmes Fußbad+ nehmen mit Asche und Salz und den +Rücken+ sich in jeder Nacht zweimal +kalt abwaschen+ lassen. Nach 6 Tagen schon verbesserte sich der ganze Zustand. Nach 10 Tagen wandte der Patient +wöchentlich zweimal den kurzen Wickel, einmal den spanischen Mantel+ an und nahm jeden zweiten Tag +ein Fußbad+ mit Asche und Salz. Die dritte Verordnung bestimmte für die letzten 2 Wochen +wöchentlich+ je 3 +Ober- und Untergüsse+ und 2 +Halbbäder+ (bis an die Magengegend). In 6 Wochen war der Kranke vollständig hergestellt.
Unzählige solcher Fälle könnte ich noch anführen; das Gesagte mag indes genügen.
+Das muß und will auch ich gerne konstatieren und zugeben+: Wenn solche Übelstände nicht beseitigt, wenn der fortwährende Druck und die stete Pressung mit der Hand in Hand gehenden Entzündung des Magens nicht gehoben werden, dann freilich müssen nach und nach die berüchtigten und gefährlichen +Magengeschwüre+ entstehen, die meistens in die entsetzliche Krebskrankheit (Magenkrebs) ausarten.
+Selbst da noch+ können +Täuschungen+ und +Irrungen+ vorkommen. Ein Beispiel will ich nur andeuten. Ein Familienmitglied habe, so meldete man mir einstens, nach dem Ausspruche verschiedener Fachleute den ausgebildeten Magenkrebs, und man lasse bei mir +nur+ anfragen, welche +Vorsichtsmaßregeln+ in diesem Hause zu treffen seien, daß die schreckliche Krankheit nicht ansteckend wirke. Ich gab Regeln an, darunter auch für den
Kranken selbst solche, welche ihn in 4 Wochen vollkommen heilten und dem Krebs zum Rückzuge bliesen. Die +Mittel+ bestanden in einfachen +Teen+ von Schafgarbe, Wermut und Salbei und in +kurzen Wickeln+ im Wechsel mit +Fußbädern+.