Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit

Part 27

Chapter 273,589 wordsPublic domain

Ich kannte einen Mann von +herrlichen Geistesgaben+. Viele, viele Jahre lebte er ganz glücklich in seinem Berufe und tat mit Leichtigkeit und Begeisterung Arbeit für +Zwei+. Auf einmal ward er Hypochonder und kam so weit, daß er um seine Berufsarbeiten sich nicht im mindesten kümmerte, alles scheute und fürchtete, jede Gesellschaft floh.

Statt der Hilfe, der Teilnahme, der er mehr als jeder andere bedurfte, hörte er täglich und stündlich das verachtende Urteil: „Sie sind eben Hypochonder, Ihnen kann man nicht helfen!“ Sollte das nicht einen Mann niederdrücken müssen?

Merkwürdig! Der Herr hatte (ich erfuhr es von ihm selbst) schon zwei Wasserheilanstalten besucht, sie verschlimmerten den Zustand. Die Anwendungen waren zu drastisch, zu stark, zu gewaltsam; sie halfen bei diesem halbzerstörten Bau mit, noch mehr einzureißen, nicht aufzubauen.

Gerade in diesem Falle hatte ich Gelegenheit, wieder aufs deutlichste zu sehen, wie das Wasser, aufs gelindeste angewendet, die besten und solidesten Erfolge sichert. Daß so ein Übel nicht in wenigen Tagen gehoben werden kann, ist klar.

Wer die +gewöhnlichen Regeln für Gesundheits- und Körperpflege+ (vernünftige Nahrung, Kleidung, Lüftung, Erholung, Reinlichkeit) befolgt, wird diese fatale Laus nie in den Pelz bekommen. Bei etwaigen Meldungen, gleich im Beginne, kann ihr leicht der Abschied gegeben werden.

Die geeignetsten Wasseranwendungen bestehen in +Ganz-+ und +Teilwaschungen+, +in Bädern+ (Halbbädern), besonders dem +Sitzbade+, in +kurzen Wickeln+, zuletzt in +kalten Ganzbädern+.

+Noch zwei Punkte+, die mich drücken, mögen hier mit einem Worte stehen. Es ist ein Unglück unserer Zeit, daß man so viel auf +geistige+ Getränke hält, daß selbst junge Leute sich an starke Weine so leicht gewöhnen. Alle diese scharfen Sachen gießen Öl ins Feuer; Blut und Säfte unserer jetzigen geschwächten Generation können derlei Zeug nicht brauchen. Bleibe man doch nüchtern und einfach, und manches Leiden, das eigentlich erst in der „Neuzeit“ und mit dem „Fortschritt“ auf die Krankheitsbühne trat, wird allmählich wieder hinter den Kulissen verschwinden.

Als einen weiteren Übelstand möchte ich es sodann bezeichnen, daß so viele Menschen sich +fast ausschließlich+ von +Fleisch nähren+ wollen, daß die trefflichen Milch- und Mehlspeisen, welche die besten Säfte, das beste Blut ohne alle Schärfen liefern, so sehr verachtet und gemieden werden. Das kann keine gute Folgen haben, ist auch Unnatur. Den Raubtieren allein hat der Schöpfer Magen und Gebiß nur fürs Fleisch zugerichtet. Dem Menschen, wegen dessen alles erschaffen ist, hat er sein Nahrungsgebiet nicht so enge begrenzt. Toren sind -- zu ihrem eigenen Verderben --, die solches tun.

Vom Impfen und den schlimmen Folgen desselben.

Ein Bauer aus Altbayern erzählt: „Ich habe ein Kind zu Hause, das am ganzen Körper geschwollen ist. Die Füße sind ganz dick, der Leib ist doppelt so dick, als er sein sollte, der Kopf wie der Oberkörper, alles ist angeschwollen. Das Kind ist schon seit drei Vierteljahren nicht mehr gesund, das Elend steigert sich von Woche zu Woche. Es bekommt bald da, bald dort kleine Geschwüre, die schnell aufbrechen, jedoch alsbald wieder zuheilen, und ihnen folgen wieder an anderer Stelle solche Geschwüre. Ich war in München bei drei Ärzten, habe noch andere Ärzte gefragt und gesucht, wo ich glaubte, Hilfe zu finden, aber immer vergebens.“

Dem Bauern riet ich: „+Sieden+ Sie Heublumen, eine halbe Stunde lang, tauchen in diesen Absud ein leinenes Hemd ein, winden es aus, legen es dem Kinde an und wickeln dies in eine wollene Decke, lassen es 1½ Stunden im Wickel und machen es so täglich zweimal. An jedem dritten Tage lassen Sie das Kind solch ein Heublumenbad nehmen, wobei möglichst viele Heublumen im Wasser bleiben. Das Wasser sei so warm, daß das Kind gerne hineingeht und gerne 25-30 Minuten darin verbleibt.“

Nach vierzehn Tagen war das Kind schon ziemlich normal, heiter, bekam Appetit, und die weiteren Anwendungen waren folgende: Jeden dritten Tag war das Kind wieder einzuwickeln, eine Stunde lang, am vierten Tag in ein warmes Bad zu bringen, aber vom warmen Wasser aus recht tüchtig abzuwaschen.

So wurde zehn bis vierzehn Tage fortgemacht, dann war das Kind ganz gesund.

Ein Herr erzählt: „Ich war in meinem Leben stets gesund. Vor zehn Jahren, als die Blattern in meiner Umgebung herrschten, ließ ich mich, wie viele andere, impfen. Ich bekam keine Blattern; aber es blieb die Impfstelle am rechten Arm immer etwas gerötet. Dazu kam ein kleiner Ausschlag um den Impfschnitt. Ich merkte acht Jahre hindurch bloß, daß die entzündete Stelle sich erweitere, und jetzt, nach zehn Jahren, habe ich die nassen Flechten so lästig, daß ich ganze Nächte keine Ruhe finde. Diese Flechten sind bald stärker am einen Arm, bald am andern, und so ist auch der Wechsel an den Füßen. Angewendet habe ich viel, die giftigsten Salben auf der Hautfläche; eingenommen habe ich auch viel, alles ohne Erfolg.“

Anwendungen: Sicher sind hier das Blut und die Säfte verdorben, und die Flechtenstellen dienen bloß zum Ausfluß der verdorbenen Säfte. Somit ist notwendig, daß auf den ganzen Körper eingewirkt werde, alles Krankhafte in Blut und Säften aufzulösen und auszuleiten.

1. In der Woche dreimal in der Nacht den ganzen Körper vom Bette aus waschen und, ohne abzutrocknen, gleich wieder ins Bett gehen.

2. Die Flechtenstellen mit einem Absud von ~Foenum graecum~ täglich zwei- bis dreimal gut auswaschen. Statt gesottenem ~Foenum graecum~ wird gut wirken Aloë, in heißem Wasser aufgelöst, zu einem Liter Wasser ein Kaffeelöffel Aloë.

3. Zweimal in der Woche den spanischen Mantel. So vierzehn Tage lang bis drei Wochen fortgemacht.

Weitere Anwendungen: in einer Woche oder innerhalb vierzehn Tagen ein warmes Bad mit kaltem gewechselt. (Siehe im ersten Teil.) Gut wäre während dieser Kur etwas Wermuttee, täglich zweimal je drei bis vier Löffel voll.

Katarrh.

Die zahlreichsten Katarrhe +entstehen dadurch+, daß man vom Aufenthalte in der Kälte und im Freien, vielleicht gar schwitzend, +schnell in einen ziemlich geheizten+ und warmen +Raum+ kommt. Auch +kalte Zugluft+, der man einige Zeit ausgesetzt war, kann schnell einen Katarrh reifen. Gewöhnlich fühlt man fast sofort eine +Verengung auf der Brust, im Halse, in der Nase+. Es ist, als stecke einem ein kleiner Knödel im Halse. Übersieht man diesen im Anfange des Katarrhs, so setzt er sich fest und breitet sich aus. +Empfänglicher+ ist, wer zu warme Kleider trägt, wessen Körper und einzelne Organe infolge dessen sehr verweichlicht sind. +Gar nicht schwer+ wäre es (ich sage es kühn), +von jedem Katarrh frei zu bleiben+, wenn man seinen Körper nicht „barbarisch“, sondern nur vernünftig abhärtete, wie dieses schon an so manchen Stellen betont wurde.

+Wie muß man es anfangen, um verschont zu bleiben?+ Ein Beispiel soll uns darüber unterrichten. Ich bin eine Stunde weit stets in ziemlich starkem Tempo gegangen. Es ist draußen „hübsch frisch“, wie der Bauer die Hände reibend sagt; es hat gegen 12 Grad Kälte. Ich komme ohne Vermittlung in ein Zimmer von 14 Grad Wärme. Dieser plötzliche Temperaturwechsel von 26 Grad kann ja nicht ungerächt sich vollziehen, er muß Gefahr bringen. Am besten hätte ich getan, ich wäre die letzten 5-20 Minuten obiger Stunde um ein Weniges langsamer gegangen und dann noch einige Minuten in dem kühlen Hausflur geblieben, stets in einiger Bewegung. So hätte die durch das rasche Gehen erhöhte Wärme etwas abnehmen und der Schweiß sich verlieren können. Der Wechsel der Luft wäre so vermittelt und, wenn ich auch im Innern des Zimmers noch einige Zeit auf- und abgegangen wäre, völlig gefahrlos gewesen.

+Spürst du die Folgen deiner Unvorsichtigkeit+, den kleinen Knödel im Halse, wohlan, gehe nochmals ins Freie und mache dir eine leichte Bewegung in der frischen Luft! Diese wird in einer halben Stunde alles Überflüssige im Halse auflösen und entfernen.

Die +Heiserkeit+ ist nichts anderes als die Ausdehnung des Katarrhs in den Sprechorganen. Das silberne Glöcklein gibt, wenn unterbunden, keinen Klang, die herrlichste Stimme bei durch Geschwulst belasteten Sprechorganen keinen Ton. Man hebe den Katarrh, und seine Gefährtin, die Heiserkeit, wird ihm ohne Säumen folgen![42]

+Folgende Bemerkung+ noch dürfte manchem einen Dienst erweisen. Es gibt Leute, die Anlage haben, +viel zu hüsteln+. Jede Kleinigkeit, z. B. ein Kitzel der frischen Luft, ruft dieses Bellen hervor; es tut nicht wohl und tut nicht weh. Solche Menschen husten Jahre lang ohne den geringsten Schmerz. Gewöhnlich ist ein derartiger Zustand von den Eltern +geerbt+ und dann schwer zu entfernen. Er hat indessen gar keine Bedeutung, rühre nun das Hüsteln aus dem Halse, rühre es von tiefer gelegenen Organen her. Solche Leute mag das Sprichwort trösten: Wer lang hustet, lebt lang. +Andere Erbteile+ dagegen sind nicht so unschuldig, oft recht ernst und bedenklich und aller Beachtung wert. Dahin gehören z. B. die in irgend einer Familie oder Verwandtschaft herrschende Abzehrung, Schwindsucht usw.

Da gilt der Grundsatz: ~Principiis obsta!~ +Gleich den ersten Anfängen entschieden und wirksam entgegentreten+ mit aller Umsicht und Vorsicht! Sonst kostet es Opfer früher oder später, leider oft recht früh. Ein kleiner vernachlässigter Katarrh kann, wo es sich in einer Familie um Schwindsucht handelt, der Borkenkäfer werden, der die stärkste Tanne, den kräftigsten Körper ruiniert und stürzt, ins Grab bringt. Vorsicht also! Durch kluges Verfahren können selbst ererbte Leiden ohne weitere schwere Folgen recht in die Länge gezogen werden.

Knieschwulst.

Ein Mädchen, 30 Jahre alt, bekam eine starke Geschwulst von oberhalb der Knöcheln bis über das Knie hinauf. Die Geschwulst war zeitweilig sehr schmerzlich, ganz fest und heiß. Die Kranke gebrauchte ein halbes Jahr ärztliche Mittel, unter anderem einen Gypsverband zwölf Wochen lang und einen zweiten acht Wochen lang. Der Zustand verschlimmerte sich so, daß der Fuß den Boden gar nicht mehr berühren durfte; besonders schmerzte das Kniegelenk. Weil alles nichts geholfen, wurden versuchsweise +angeschwellte Heublumen+ aufgebunden, und zwar von oberhalb der Knöchel bis zur Mitte der Oberschenkel. Die Schmerzen ließen bald nach, und die Schwellung nahm ab; als die Geschwulst zur Hälfte verschwunden war, wurden auch Gießungen auf den leidenden Fuß vorgenommen (jeden zweiten Tag). Nach ungefähr acht Wochen war der ganze Fuß zum Gehen brauchbar, und nach einiger Zeit konnte das Mädchen wieder an seine sehr strenge Arbeit gehen.

Knochengeschwüre.

Oft treten +rings um die Knochen harte Geschwülste+ auf, besonders gerne unten am +Kinnbacken+, an den +Knöcheln+, am +Knie+, auch an anderen +Knochenstellen+. Man könnte fast meinen, der Knochen sei selbst gewachsen. Daß die Sache nicht ohne Bedeutung sei, zeigt der meistens fiebernde Körper an und die Langwierigkeit der Heilung (oft 14 Tage bis drei Wochen). In der Tat erheischen solche Geschwülste stets große Vorsicht in der Behandlung und schnelles Eingreifen. Bei Vernachlässigung tritt gerne Knochenfraß ein, und dann ist die Hilfe nicht mehr leicht, oftmals unmöglich.

Die +kräftigsten+ und +schnellsten Heilmittel+ bestehen in einem +zwei-, drei- bis vierfachen Wechsel mit Umschlägen+ an der geschwollenen Stelle. Am +erprobtesten+ gelten mir +Umschläge mit Absud von Heublumen, von Haberstroh+, ferner Umschläge mit +abgekochtem ~foenum graecum~+ und mit +Topfenkäs+.

Bei einer +Fußknöchelgeschwulst+ wird ein +Unter-+ oder ein +kurzer Wickel+ gute Dienste tun und die Heilung beschleunigen, bei einer +Kinngeschwulst+ ein +Schal+ oder +Halswickel+, auch der +kurze Wickel+, bei einer +Kniegeschwulst ein Wickel des ganzen Fußes+. Es genügt täglich eine der genannten Anwendungen.

Kolik.

Kolik +mit Abweichen+ oder +mit Erbrechen+ tritt oft plötzlich auf. Man kennt keinen Grund und keine Veranlassung. Es kann eine +Erkältung+, eine +Erhitzung+ vorangegangen sein, oder irgend eine +Speise+, ein +Trank+ hat der Natur den Spuk gespielt. Man bringe einen derartigen Kranken +ungesäumt+ ins Bett, lege ihm ein warmes Tuch (vielleicht auch eine Bettflasche)[43] auf den Leib und decke ihn gut zu (ja nicht zu peinigend), so daß keine Luft zudringen kann. Als +Linderungsmittel+ reiche man ihm einen Schoppen Milch, in der Fenchel oder Kümmel gesotten wurde. Das einfache Hausmittel wird genügen.

Was die +Speise+ und das +Getränk+ betrifft, solange der Zustand dauert, so wähle man recht einfache, wenig gesalzene, wenig gewürzte, leicht verdauliche Speisen. Wem als Getränk Wasser oder Milch ausreicht, den lobe ich mir. Wasser mit etwas Wein kann ich auch nur empfehlen.

Kopfflechten.

Eine Bauerstochter erzählte: „Ich habe schon ungefähr zwei Jahre stets Kopfausschlag, auch im ganzen Gesichte, bald stärker, bald schwächer; unter den Haaren bilden sich viele größere und kleinere Geschwüre, aus denen hitzige Flüssigkeit kommt. Ich habe häufig ein starkes Beißen am Körper, im Innern merke ich beständige Hitze; ich habe schon viel eingenommen, besonders Abführmittel, geheilt wurde ich nicht.

Die Wasserkur hat mich in sechs Wochen ganz hergestellt. Ich mußte folgende Anwendungen 3 Wochen hindurch gebrauchen: 1) In der Woche dreimal in der Nacht vom Bett aus ganz waschen und gleich wieder ins Bett; 2) in jeder Woche zweimal ein nasses Hemd anziehen, in Salzwasser getaucht; 3) in der Woche einen Kopfdampf nehmen. Zur vollständigen Ausheilung und Kräftigung weitere drei Wochen: einmal in der Woche ein nasses Hemd anziehen und ein- oder zweimal in der Woche ganz waschen. Zum Einnehmen täglich zweimal jedesmal 20 Tropfen Ginster-Extrakt in einem Glas Wasser.“

=Kopfleiden= (eigener Art).

+Ein Herr von hohem Stande+ hatte ein Kopfleiden ganz eigener Art. Es begann regelmäßig morgens 7 Uhr, dauerte bis abends zum Sonnenuntergang und war derart schmerzlich, daß der Herr nicht einmal leichte Sachen lesen, viel weniger die Schreibereien seines Berufes besorgen konnte. Zur Nachtzeit fühlte er keine Spur von diesem Schmerz; dieser war wie weggeblasen, vorausgesetzt, daß er nicht geistig sich angestrengt hatte. Die Schmerzstelle befand sich an der Stirne links und hatte den Umfang ungefähr eines silbernen Fünfmarkstückes. Die Schmerzen griffen nicht den Kopf allein, sondern auch den ganzen Körper dergestalt an, daß der Herr zusehends abnahm; mit dem frischen Aussehen wich auch die Kraft. Die berühmtesten Ärzte wurden um Rat gefragt, auch eine Wasserheilanstalt war schon besucht worden, aber ohne sichtlichen Erfolg. Da sandten die Ärzte den Patienten zum letzten Versuch nach +Meran+, und von da kehrte derselbe, wie es schien, glücklich geheilt in die heimatliche Großstadt zurück. Seine Angehörigen begrüßten ihn mit Jubel und freuten sich innig seiner Genesung. Doch am andern Morgen Punkt 7 Uhr kehrte der alte unheimliche Gast wieder und faßte Posto an der früheren Leidensstelle. Ein Ach und Weh war im ganzen Hause, und guter Rat war teuer. Bekannte erinnerten den Herrn noch einmal ans Wasser, und zuletzt entschloß man sich zu einem Versuche. Der hohe Herr sah recht krank aus und war ziemlich abgemagert. Nachdem er sein Leiden geschildert, bemerkte er noch, er sei +selten ohne Katarrh+ und besitze +auffallend wenig Naturwärme+. Man wolle all dieses einem viele Jahre früher erlittenen Unfalle zuschreiben. Sei dem, wie ihm wolle, so schloß er ab, ich kenne jetzt seinen Zustand und solle ihn heilen.

Das üble Aussehen, die schwache Naturwärme, die daraus folgende Empfindsamkeit gegen den Wechsel der Atmosphäre, das Abmagern, alle diese Symptome traten als ebenso viele vollgültige Zeugen auf, welche nicht den schmerzenden Fleck am Kopfe, sondern +die ganze kranke Natur, den ganzen entkräfteten Körper+ anklagten. Darnach richtete ich mein Verfahren ein. Auf den +Gesamtorganismus+ wurde eingewirkt und das lokale Kopfleiden +nicht einer Anwendung gewürdigt+. Die +einfachen Abhärtungsmittel mit einigen Waschungen+, wie sie im ersten Teil aufgezählt werden, bewirkten die Heilung, d. i. die gleichmäßige Transpiration der Haut, die richtige Zirkulation des Blutes, gute Verdauung und damit die Hebung der Naturwärme, besseres Aussehen, völlige Gesundung. Immer die alte Geschichte, und doch kann man sie nie genug von neuem erzählen!

Wie richtig mein Urteil bezüglich des Kopfleidens war, bewies der Erfolg. In zirka sechs Wochen erfreute sich der ganze Körper des besten Wohlseins. Auch das gefürchtete Stirnleiden brachte die 7 Uhr-Stunde nie wieder. Dessen Heilung hat das Wasser (wie gesagt, ohne jede Anwendung auf diese Stelle) bei Heilung des Gesamtkörpers umsonst obendrein gegeben.

Kopfleiden.

„Seit 6-7 Jahren,“ so berichtet ein Herr, „leide ich mehrere Wochen an einem Kopfweh, das mir die Erfüllung meines Berufes recht hart und oft unmöglich macht. Es verschwand mir oft aller Mut und alle Lebensfreude. Ich habe einen Druck in dem Kopf und das Gefühl, als ob etwas in einer Flüssigkeit umherschwämme. Jeder feste Fußtritt bewirkt neue Schmerzen im Kopf. Wenn ich durch Gehen oder Arbeiten warm werde, ist’s mir ungefähr, wie es einem recht Betrunkenen sein mag. Achtmal hatte ich schon Nierensteinkolik. Zwölf Ärzte, die ich wegen meiner Rückenschmerzen zu verschiedenen Zeiten konsultierte, haben das Übel nicht erkannt. Nur ein einziger hat mir etwas Hilfe bringen können. Nierenschmerzen bekomme ich, wenn ich etwas Saures esse, oder wenn sich zu viel Gase anhäufen; wenn ich länger gehe und warm werde, wenn ich länger sitze oder stehe, spüre ich das Übel gleich. Bald fühle ich eine Feuerhitze im ganzen Körper, und bald darauf bin ich durch und durch voll Frost. Der Sommer ist mir immer härter als der Winter. Früher habe ich viel an Schlafsucht gelitten. Gesund war ich, sehr kräftig, stark und gut gebaut. Ich glaube, daß man kaum noch elender sein kann, als ich zwanzig Jahre hindurch gewesen bin. Ich war auch schon einmal in Königstein in der Heilanstalt, bekam wohl Erleichterung, aber nicht Heilung.“

Die Anwendungen waren: 1) Täglich zweimal Oberguß, 2) Täglich im Wasser gehen und Knieguß. In der Woche drei- bis fünfmal Rückenguß, öfter Sitzbad, besonders fleißig die Abhärtungsmittel: im Gras und auf Steinen gehen, Tee trinken von Wacholderbeeren, Hagebutten, Zinnkraut, aber nur zeitweilig, täglich zwei Tassen.

Innerhalb vier Wochen war er gesund, und jetzt nach einem halben Jahre kann man sagen, er besitze die volle Gesundheit und auch die vollste Kraft, geistig und körperlich.

Ein Mann erzählt: „Ich bin 35 Jahre alt, habe beständig Kopfweh und manchmal eine solche Schwäche, daß ich es fast gar nicht aushalten kann. Auf der Brust habe ich meistens Schmerzen, gerade so auf dem Rücken. Am schmerzlichsten ist mir das Genick, wo ein beständiges krampfhaftes Zusammenziehen ist. Ganz auffallend ist, daß mir die Haare massenhaft vom Kopfe fallen; wenn es noch ein halbes Jahr so fortgeht, dann habe ich kein Haar mehr auf dem Kopfe. Füße und Hände sind meistens ganz kalt. Appetit habe ich gar keinen.“

Anwendungen: 1) Dreimal in der Woche ein nasses Hemd anziehen, in Salzwasser getaucht. 2) Dreimal in der Woche während der Nacht den ganzen Körper waschen. 3) Täglich eine Messerspitze voll weißes Pulver einnehmen.

Nach zwei Monaten zeigte sich dieser Mann und erklärte, daß er jetzt vollständig gesund sei; er verspüre nur da noch Nachwehen, wo er die ärgsten Leiden gehabt habe. Sein Körpergewicht hatte um 10 Pfund zugenommen.

+Zwei Herren+, Musiker von Beruf, erzählen folgendes: „Wir haben beide +ein+ Leiden: Kopfweh beständig, manchmal fast unausstehlich, Schlaf ganz wenig und unruhig. Kongestionen und Schwindel belästigen uns fast zum Verzweifeln. Füße und Hände sind ganz kalt. Wir sind fast unfähig zu unserm Berufe.“ Beide waren über fünfzig Jahre alt.

Zwölf Tage hindurch gebrauchten diese beiden Leidensgefährten folgendes: Durch 6 Tage täglich zweimal Oberguß und zweimal Knieguß; die folgenden 6 Tage abwechselnd den einen Tag ein Halbbad, den andern Tag einen Rückenguß; außerdem einmal wöchentlich je einen Kopfdampf. Nach diesen 12 Tagen waren beide hergestellt und übernahmen wieder ihren Beruf.

Um die Gesundheit zu bewahren und an Kräften zu gewinnen, war weiter nichts mehr notwendig als täglich eine Anwendung zur Abhärtung und zweimal wöchentlich ein Halbbad. Zufolge neuerdings gegebenen Nachrichten hielt die Besserung vollkommen an.

+Ein Herr+ aus +Ungarn+ kommt mit folgenden Angaben: „Mehr als ein Jahr bin ich in meinem Berufe unfähig wegen heftiger Kopfschmerzen und starken Schwindels. Am ganzen Körper habe ich intensives Beißen und Brennen, das mir oft den Schlaf raubt. Infolge des Leidens bin ich teilweise schmermütig und recht ängstlich.“

Nach wenigen Wochen trat vollkommene Genesung ein unter Gebrauch folgender Wasserkur: 1) Oberguß, gleich darauf Wassergehen; 2) Halbbad täglich; in der zweiten und dritten Woche dreimal ein Halbbad, täglich Oberguß und Knieguß; 3) späterhin Vollbäder und Oberguß mit Wassergehen.

Kopfleiden, nervöses.

Zwei Studenten mußten die Anstalt verlassen, ehe das Schuljahr zu Ende war. Sie hatten beide so viel Kopfleiden und Blutandrang in den Kopf, daß sie nicht mehr studieren, selbst nur mehr einige Minuten lesen konnten. Beide haben durch alle angewendeten Mittel keine Hilfe gefunden. Ich gab diesen armen Studierenden den einfachen Rat, sie sollen die meiste Zeit des Tages mit Barfußgehen, besonders im Tau zubringen; sie sollen wo möglich im Wald oder in irgend einem Bächlein jede Stunde einige Minuten hineinstehen, dazu noch täglich zwei, bei warmer Witterung sich drei Obergüsse geben lassen.

Die beiden Jungen befolgten diesen Rat, taten noch mehr, als verlangt wurde. Das sichtliche Besserwerden machte ihnen Mut, und sie gingen am Schluß der Vakanz gesund und freudig wieder in ihre Lehranstalt.

Wenn doch in den Anstalten, wo so viel geturnt wird, auch ähnliche Turnübungen vorgenommen würden, bei denen die Natur nicht erhitzt und aufgeregt, sondern beruhiget wird! Es ist unglaublich, welche Wirkung das Barfußgehen auf nasser Wiese oder im Tau ausübt.

Ein Mann von 45 Jahren kommt klagend zu mir und beginnt: „Die Ärzte erklären mein Leiden für nervöses Kopfleiden. Ohne Kopfbinde bin ich gar nie; ich habe manchmal einen unausstehlichen Druck am Hinterkopfe, bald rechts, bald links. Kommt das Leiden auf den Rücken, dann bekomme ich starkes Herzklopfen, oft mehrere Stunden lang. Der Appetit vergeht oft ganz; ich habe einen solchen Schwindel, daß ich nicht mehr allein gehen kann; deshalb mußte meine Frau mitreisen. Über alle diese Leiden aber geht mein Gemütsleiden. Ich habe eine solche trostlose Schwermut, daß ich mir schon oft den Tod gewünscht habe.“ Der Herr war ziemlich beleibt, die Gesichtsfarbe gelblich und abgestanden, der Leib stark gefüllt.

In 13 Tagen war der ganze Zustand wieder in Ordnung. Das Körpergewicht hatte viel abgenommen; Kopfweh und Schwindel waren verschwunden; statt dessen aber waren heitere Stimmung, guter Schlaf und Appetit zurückgekehrt.

Die Anwendungen waren folgende:

1. den einen Tag ein Oberguß und Knieguß vormittags, Rückenguß und Wassergehen nachmittags;

2. den andern Tag vormittags Rückenguß, später Wassertreten, nachmittags wieder Rückenguß und später Knieguß;

3. am dritten Tage vormittags ein Oberguß und Knieguß, nachmittags Ganzguß, später Halbbad.

Der Patient, weil kräftig und stark, erhielt täglich vier Anwendungen.

Krämpfe.

Ich wurde zu einer Kranken gerufen; diese zitterte am ganzen Körper, und es warf sie im Bette bald in die Höhe, bald rechts, bald links; die Kranke selber konnte nicht reden; ihre Mutter erzählte: