Part 26
Ein 64 Jahre zählender Mann, sonst kräftig und gesund, konnte nicht mehr das Wasser lassen. Er ließ den Arzt rufen. Dieser gebrauchte den Katheter und erklärte, daß es für dieses Übel keine Medizin mehr gebe. In der Tat mußte er alle 24 Stunden zu der unliebsamen Operation geholt werden. Nach vier Tagen stellte sich im ganzen Körper des Mannes große Fieberhitze ein, und, was ganz fatal war, er sollte nichts trinken. Zwei Übel quälten so den armen Körper. Der Arzt hatte wenig, fast keine Hoffnung mehr. Ich wurde befragt und gab den Rat, der Kranke solle mit dem Rücken auf ein mehrfach zusammengelegtes, in warmes Wasser getauchtes Linnen sich legen, drei Viertelstunden lang, dasselbe Tuch sodann neu eingetaucht dem Unterleibe applizieren (+Unter-+ und +Oberaufschläger+) in der Dauer einer Stunde. Schon nach der ersten Anwendung gingen 1½ Liter Wasser ab. Dieselbe wurde im Anfange täglich zweimal, nach einiger Zeit nur einmal erneuert. +Nach innen+ nahm der Patient täglich in drei Portionen oder Absätzen +eine Tasse Tee+ von +Zinnkraut+, +Wacholderbeeren+ oder +Attichwurzeln+ (fünf Minuten in Wasser gesotten). +Rosmarin+, in Wein angesetzt, selbst +Wacholderbeeren+ allein, in Wasser gesotten und als Tee getrunken, hätten gleichfalls gute Dienste getan. Das erste Übel mit seinen Schmerzen ließ nach, auch die Hitze verschwand gänzlich. Der Mann fühlt sich seit dieser Kur gesünder als früher.
Ein Bauer, ungefähr 42 Jahre alt, erzählt:
„Ich bin seit vier Jahren leidend, und mein Leiden steigert sich von Monat zu Monat; ich habe Beschwerden beim Wassermachen. Über eine halbe Stunde auszuhalten ist mir unmöglich, und wenn es länger andauert, so steigert sich das Leiden derart, daß ich heftige Krämpfe bekomme, und erst wenn diese Krämpfe ausgetobt, geht nur wenig Wasser ab. Ich habe schon viele Ärzte gehabt, geholfen hat gar nichts; habe 80 Flaschen Mineralwasser getrunken auf Empfehlung eines Münchener Arztes; ein klein wenig half es, aber das Übel ist nicht im geringsten gehoben. Ich muß jede halbe Stunde die Nacht hindurch aufstehen, und dann geht ein wenig Wasser ab, und geschieht dies nicht, so mache ich das Leiden immer noch bitterer. Ich bin sonst ganz gesund, habe, wie jedermann sagt, ein gutes Aussehen, trinke selten Bier; es wird darauf nur noch schlimmer, und ich war nie besonders daran gewöhnt. Was ist zu tun?“
Anwendung: 1) In der Woche zwei warme Bäder von gesottenem Haberstroh, 30-32°; zehn Minuten ins warme, dann eine halbe Minute ins kalte, dann wieder zehn Minuten ins warme Bad, so dreimal. 2) Die übrigen Tage, an jedem Tag ein kurzer Wickel von unter den Armen bis an die Knie, ebenfalls in Haberstrohwasser getaucht, wenn’s geht, eine Stunde lang; so 12-14 Tage fortmachen. 3) Täglich drei kleine Tassen Tee trinken von Zinnkraut und Wacholderbeeren, zehn Minuten lang gesotten.
Ein Knecht bekam große Beschwerden im Urinieren. Es ging nur wenig und langsam Harn ab und unter heftigen Schmerzen.
Der Arzt erklärte, nicht anders helfen zu können als durch Entleerung mit Katheter einige Zeit hindurch jeden zweiten Tag. Das Übel nahm indes immer mehr zu, die Schmerzen steigerten sich.
Der Knecht nahm nun täglich zweimal je 25-30 Tropfen von Wacholder- und Hagebutten-Geist in einem Weinglas voll Wasser. Schon in einem halben Tage merkte er Besserung, nach zehn Tagen war das Übel ziemlich gehoben. Zur Abwechslung nahm er noch weiter den einen Tag Wermuttropfen statt der obigen und wurde so in kurzer Zeit befreit.
Recht empfehlenswert ist für solche Zustände, für Blasenleiden, überhaupt für Grieß, einen Absud zu trinken von +Blättern des schwarzen Johannisbeerstrauches+. -- Solcher Tee hat selbst in ganz schwierigen Fällen schon vorzügliche Dienste getan.
Heiserkeit.
Ein Mädchen mit elf Jahren hatte die Stimme seit mehreren Monaten so verloren, daß sie nur mit größter Mühe auf krächzende Weise sich verständlich machen konnte. Die Farbe war ganz weiß, die Augen bläulich, und dabei bemerkte man hochgradige Abmagerung und Entkräftigung. Die Naturwärme war wie verschwunden, auch kein Appetit war mehr da außer zu etwas Bier und Wein.
Innerhalb zwei Monaten war das Mädchen gänzlich geheilt und gekräftigt, und zwar durch folgende Anwendungen: 1) Täglich zwei- bis viermal barfuß im Gras gehen. 2) In der Woche drei- bis viermal einen Schal umlegen. 3) In jeder Woche viermal ein Sitzbad. 4) Bei warmer Temperatur während der letzten drei Wochen im Sonnenwasser baden, dreimal wöchentlich.
Die Kost bestand in einfacher Hausmannskost, besonders in Milch, halbtageweise einen Eßlöffel voll jede Stunde.
Nach eingetroffener Nachricht ist das Mädchen jetzt ganz wohl und gesund.
Ein geistlicher Herr litt an Heiserkeit, und zwar stets vom Oktober bis Mai. Er versuchte alles, zog mehrere Ärzte zu Rate, aber umsonst. Das Leiden blieb das alte vierzehn Jahre hindurch. Endlich suchte er bei mir Hilfe, und in auffallend kurzer Zeit bekam er sie.
Der Herr mußte täglich bis an die Knie ins Wasser stehen und zugleich beide Hände in dasselbe halten. Außerdem mußte er Ganzwaschungen vornehmen, meistens beim Aufstehen oder während der Nacht beim Aufwachen.
Schon nach zwölf Tagen war das jahrelange Leiden gänzlich verschwunden, und seit 16 Jahren hat es sich nie wieder eingestellt.
Ein Beweis, wie gründlich das Wasser heilt.
Herzleiden.
Unzählig viele in unseren aufgeregten Zeiten lebende Menschen werden als nerven-, magen- und herzleidend bezeichnet. Das Herz, der Magen und die Nerven, das sind die Sündenböcke, die für gar vieles herhalten müssen. Wenn einer 20, 30 Jahre gesund war, wenn er bis dahin, ich möchte sagen, gar nie fühlte, wo sein Herz liegt, und er fängt zu kränkeln an, da soll’s auf einmal ein Herzleiden sein, vielleicht gar noch ein organischer, unheilbarer Herzfehler. Wohlfeile Ausreden! Meine ganze, bisherige Erfahrung -- es sind mir unzählige solche Fälle vorgekommen -- strafte die meisten dieser Herzfehler, ob sie nun an den Adern, an den Klappen oder anderswo liegen sollten, Lügen. Unter hundert Fällen, in denen die Betreffenden selbst sich entweder für herzleidend hielten oder dafür gehalten wurden, fanden sich ganz auffallend wenige mit wirklichen, ausgebildeten Herzleiden behaftete Patienten vor. Das Herz gehörte mit zu den gesündesten Organen; aber das ist wahr, es geschahen Einflüsse, Einwirkungen auf das Herz, die es für den Augenblick leidend machten. Die gesündeste Katze wird schreien, wenn man sie in den Schwanz kneift. Die beste Uhr wird nicht mehr gehen, wenn ich die Uhrgewichte aushänge. Torheit wäre es, zu sagen, die Uhr sei schlecht. Die wundervollste Flöte hat ausgeblasen, wenn ich die Klappen zubinde oder verrosten lasse. Das gesündeste Herz kann in seiner Tätigkeit gehemmt, gestört werden, wenn irgend ein Feind, der im Körper sitzt, ihm sozusagen den Hals zuschnürt. Man suche diesen Feind, man hebe gewisse Übelstände, und keine Spur eines Herzleidens wird mehr vorhanden sein. Mich bringt es immer auf, wenn es nur heißt: Herzleiden, Herzleiden! Man ängstigt ohne Grund die Leute und fügt Aufregung zu der leider schon in übergenügendem Maße vorhandenen Aufregung.
+Ein Mann+, in den besten Jahren stehend, klagte mir, er habe nach Aussage der Ärzte ein Herzleiden; das Herz dehne sich zu sehr aus. Ich erkundigte mich genau, ob er je krank gewesen sei. Er verneinte dieses, fügte aber nach einigem Besinnen bei, das müsse er sagen, er habe an einem Fuß (Bein) unter der Kniebeuge einen +Ausschlag+. Das war mir genug. Die kräftige Mannesnatur selbst hatte sich in der wunden Stelle sozusagen den Kanal gegraben, durch welchen sie die ungesunden Säfte aus dem Körper ausschied. Meine Aufgabe bestand einzig darin, der sich selbst heilenden Natur Kanal-Reinigungsdienste zu tun, d. h. mitzuhelfen, daß ja aller kranke Stoff recht rasch und gründlich hinausgeworfen werde. Auf das Herz geschah nicht die geringste Einwirkung. Der Kranke bemerkte noch: +so oft der Ausschlag stärker auftrete+, sei’s ihm um die +Herzgegend herum ganz wohl+; wenn der Ausschlag aber ganz oder größtenteils verschwinde, dann stelle sich jedesmal ein +fürchterliches Herzklopfen+ ein. Das war alles Wasser auf meine Mühle. Der Mann erhielt +in der Woche zwei kurze Wickel, einen Unterwickel, einen spanischen Mantel und einen Fußdampf+. Wurde durch den spanischen Mantel auf den ganzen Körper auflösend und ableitend eingewirkt, so durch den kurzen Wickel hauptsächlich auf den Unterleib. Der Unterwickel vollendete die Arbeit des kurzen Wickels, und der Fußdampf zog den etwa noch vorhandenen Krankheitsstoff mit nachhaltiger Wirkung nach unten. In ungefähr drei Wochen schied der Körper überaus viel, ich hoffe, alles Ungesunde aus. Das Herzleiden war spurlos verschwunden. Wenn demnach in früherer Zeit und auch nach Heilung des kranken Körpers kein Herzleiden da war, kann und darf ich da nicht mit Fug und Recht behaupten, daß überhaupt niemals und zu keiner Zeit ein solches vorhanden gewesen ist?
Nachts 10 Uhr wurde ich zu einer +Hausmutter+ gerufen, die nicht mehr reden konnte des schweren, harten Atems wegen. Der +Herzschlag+ war so stark, daß man seine Bewegung auf der Bettdecke ganz gut bemerkte und sein Hämmern selbst in einiger Entfernung deutlich hörte. Im Gaumen der Kranken schmeckte es ganz süß; sie selbst fürchtete am Blutsturze zu sterben, woran auch ihre Mutter in demselben Jahre bereits gestorben war. Der behandelnde Arzt erklärte, es seien mehrere Leiden vorhanden, +in erster Linie aber ein Herzleiden+. Die Hände und die Füße waren ganz kalt, und fortwährend quälte ein Drang zum Husten.
Hände kalt, Füße kalt, ungewöhnlich starker Herzschlag! Was besagt dieses? Es muß wohl alles Blut von der Ferne (den Extremitäten) seiner ursprünglichen Heimat, dem Herzen, zugelaufen sein. Und es sucht wieder einen Ausweg. Daher das Klopfen und Hämmern, als wollte es gleichsam die Riegel (die Klappen) und die Herztore sprengen. Du hast ja schon gesehen, was für einen Spektakel es gibt, was für ein Brausen und Tosen, wenn bei starkem Regen das Wasser an einen Ort zusammenströmt und keinen Ausweg mehr findet. Mit Gewalt will es sich Bahn brechen.
Der +fürchterliche Herzschlag+ der Frau wurde in fünf Minuten dadurch bedeutend vermindert, daß ein +doppelt zusammengelegtes nasses Handtuch auf den Unterleib gelegt+ wurde, wohin das Blut, welches sich, gut behandelt, wie ein Kind an der Hand führen läßt, bald eine Ableitung fand. Nach zehn Minuten war der Herzschlag ruhig; dem Herzen, worin der Hauptfehler steckte, fehlte schon nichts mehr. Die Kranke nahm als +weitere Anwendungen+ am ersten Tage im Bette zwei +Ganzwaschungen+ vor; am zweiten Tage bekam sie den +spanischen Mantel+, am dritten einen +Kopfdampf+, am vierten einen +Fußdampf+. In dieser Reihenfolge setzte sie die Übungen eine Zeitlang fort. Der Unterleib, der am längsten nicht Vernunft annehmen wollte, war der +Hauptübeltäter+ und bei dem heftigen Überfalle in der Nacht jedenfalls der Rädelsführer und Anstifter gewesen. Das Wasser indessen kühlte zuletzt auch ihm das Mütchen, und alles war wieder gut, sehr gut auch das Herz, dem, so viel ich weiß, auch später nie mehr etwas gefehlt hat.
+Ein Herr von Stand+ war längere Jahre schon leidend und konnte nur mit großer Mühe seinem Berufe nachkommen. Eine ungewöhnliche Ängstlichkeit vermehrte seine Peinen. Das kleinste Vorkommnis brachte ihm +Herzklopfen+, +Erregtheit+, +Furcht+. Seine Umgebung mußte sehr vorsichtig sein im Berichterstatten: Freude und Leid bewirkten stets Störungen im Herzschlag. Zur Sommers- wie Winterszeit mußte geheizt werden, und es erheischte ein fortwährendes Aufpassen, daß die Zimmer ja stets ihren bestimmten Wärmegrad hatten. Die berühmtesten Ärzte wurden zu Rate gezogen; sie kamen bei den Beratungen darüber überein, der Patient habe, abgesehen von angegriffener Lunge, Leber und Hämorrhoiden, einen +organischen Herzfehler+, der wohl mit einem Herzschlage enden werde. Der Herr starb wirklich. Des merkwürdigen Leidens wegen wurde der Leichnam seziert. Und was stellte sich heraus? Daß +Lunge+, +Leber+ und +Herz+ mit zu den gesündesten Organen gehörten, daß sich +nur um das Herz eine Masse von Speck angesetzt+, desgleichen auf der Brust eine Schichte Speck gebildet hatte. Der Herr starb also eigentlich an Blutmangel. Das Blut ging aus, da es durch Muskel- und Speckbildung gänzlich absorbiert, aufgezehrt wurde. Ein Arzt selbst, der dabei war, hat mir dieses erzählt, und hat hinzugefügt: „Bei diesem Falle ist die Wissenschaft wieder einmal gründlich betrogen worden.“
+Ein Mädchen+ klagt: „So oft ich schnell gehe oder über etwas erschrecke oder etwas fürchte, desgleichen so oft ein Unglück erzählt wird, fühle ich stets einen argen Druck in der Herzgegend, und das Herz klopft so heftig, daß ich Furcht bekomme, ich müsse plötzlich sterben. Dabei werden Hände und Füße kalt, und in das Herz kommt eine große Hitze. Ich habe eben, wie mir auch von zwei Ärzten gesagt worden ist, ein +Herzleiden+.“ Ein Herzleiden natürlich, was könnte es denn anders sein?
Wie klar, wie sonnenklar liegt hier die Sache! Wenn ein Kind unter der Haustüre sitzt, und es kommt ein großer Hund, da schreit es, springt auf und flieht erschreckt in das Haus hinein und ruft: „Mutter, Mutter!“ Und wenn das arme Herz durch besondere Ereignisse erschreckt wird, dann schreit und springt es gleichsam auf in heftigem Pochen, und das Blut flieht von den Haustüren, den Ausgängen des Körpers, den Extremitäten, ins Haus, ins Herz hinein, und dieses klopft dann noch mehr und schreit, daß man es streckenweit hört. Was ist da Auffallendes, wo ist da ein Herzleiden? Das Mädchen soll zu +allererst alle unnützen+ und schädlichen +Einmummungen+ und +Einhüllungen+ usw. ablegen, dann mit +leichteren Abhärtungsmitteln+ beginnen. Das zarte Wesen wird dann nicht mehr vor jedem Bellen eines Hundes, vor jedem Pfiff der Lokomotive scheu werden. +Täglich dreimal je eine Minute ins kalte Wasser stehen bis über die Waden+, ebenso oft +die ganzen Arme ins kalte Wasser halten+ -- das sind vortreffliche Stärkungsmittel. Sollte es zu kalt dünken, so kann das naive Ding ja etwas auf das kalte Wasser blasen, es wärmend anhauchen. ~Probatum est!~ Diese Übungen währen eine Woche. Dann kann sich die Kranke +dreimal in der Woche nachts vom Bette+ aus schnell +mit kaltem Wasser ganz abwaschen und einmal wöchentlich bis unter die Arme ins frische Wasser gehen+, nur eine halbe Minute lang, dabei den +Oberkörper+ kräftig +abwaschen+. Diese Übungen füllen die zweite Woche. In der dritten und vierten Woche endlich soll die Kranke +täglich zwei Ober-+ und +Untergüsse+ sich geben lassen und darauf durch Bewegung oder Arbeit sich zu erwärmen trachten. In sechs Wochen war das Mädchen gesund, und alle Herzübelskrupel waren weggewaschen.
+Ein Fräulein kommt+ und bittet um Hilfe. Es erzählt also: „Ich habe den Kurs als Musiklehrerin mit der ersten Note bestanden, und sechs Jahre lang habe ich Musik gelehrt in einem Ordensinstitute. Jetzt habe ich so viel Kopfleiden, daß ich kaum mehr ein Instrument hören kann, weder Orgel noch Klavier noch Violine. Selbst die Glöcklein am Altare geben mir heftige Stiche im Kopfe. Die Ärzte nennen meinen Zustand ein Nerven- und Herzleiden. Gesund wäre ich ins Kloster aufgenommen worden; so aber bin ich berufs-, selbst brotlos und leide unsägliche körperliche und geistige Schmerzen.“ Der Erzählerin entgegnete ich: „Ihnen kann ich nicht helfen. Sie müssen sich anderswo Hilfe suchen.“ Auf die Frage, warum ich denn gerade ihr eine so harte Antwort gebe, sagte ich rundweg: „Sie werden als Stadtfräulein mit höheren Studien, mit solchen Sprach- und Musikkenntnissen doch nicht tun, was ich haben will; im übrigen ist Ihr wenn auch tief beklagenswerter Zustand heilbar.“ Rasch entschlossen erklärte sie: „Um gesund zu werden, werde ich tun, was immer Sie verlangen.“ Und sie hat Wort gehalten. Ich schickte sie zehn Tage lang mit den weiblichen Dienstboten -- es war März -- auf die Wiesen hinaus, dort solle sie +barfuß+ gehen. Täglich bekam sie zu allmählicher Überleitung ins Kalte ein +warmes Fußbad+ und einen +Oberguß+. Statt des warmen Fußbades kniete sie nach sechs Tagen +täglich ins Wasser+, so daß das Wasser +bis an die Magengegend+ reichte. Feldarbeit machte sie der Bewegung wegen mit, so weit Übung und Kraft es erlaubten. Nach zehn Tagen kehrte das Fräulein zu einem Wohltäter zurück, welcher ihm die Studien ermöglicht und auch die Wasserkur angeraten hatte. Sie setzte all die Übungen, aber auch mit Lust und Freude die liebgewonnenen Haus- und Feldarbeiten fort. Statt des Geigenbogens und der Klavier- und Orgelhefte nahm sie fleißig Spaten, Rechen und Gabel in die Hand. Je mehr der Körper aufhörte, schwach und siech zu sein, um so mehr, in demselben Grade schwanden auch das Nerven- und Herzleiden und alle sie begleitenden Beschwerden. +Nach vier Monaten+ haben auch die letzteren aufgehört, und die Frische und die Gesundheit der Kindheit waren wiedergekehrt.
Ein +Studierender der Theologie+ kam und fragte mich, was er anfangen solle; es gehe bei ihm nicht mehr so recht aufeinander, und die Ärzte sagten, er habe neben anderem ein +Herzleiden+. So gerne wäre er Priester geworden, aber bei solchem Kopfweh, bei solchem Herzklopfen und der damit verbundenen Beengung und Bangigkeit höre einfach alles auf. Alles, was er sehe und höre, komme ihm nur als Schein vor.
Ich riet dem Patienten, er solle seinen Körper +vernünftig abhärten+. Das tue ihm nichts, denn er sei gut gebaut. Später solle er das Fach wählen, welches ihm gefalle. Nach wenigen Wochen setzte er seine Studien fort und wurde nach zwei Jahren Priester, und wenige seiner Kursgenossen werden ihn an Gesundheit und Kraft übertreffen. +Jeden Morgen+ ging der junge Herr über eine halbe Stunde +barfuß+ im Morgentau, täglich stieg er ins Wasser bis +an die Magengegend+ mit Waschung des Oberkörpers. Leichte Arbeiten ersetzten ihm die Bewegung, wenn ihm der Regen seinen Lieblingswunsch, die Wälder aufzusuchen, benahm. +Zur Stärkung+ gebrauchte er später +reichliche Obergüsse+, täglich einen, oft zwei, im +Wechsel mit Halbbädern+. Kopf- und Herzleiden verschwanden mit der Zunahme der allgemeinen Körperkraft.
Hexenschuß.
Agatha kommt und erzählt: „Mein Mann hat heute nacht, ich weiß nicht wie, schreckliche Schmerzen auf dem Rücken zwischen den Schulterblättern bekommen. Der Schmerz reicht bis an die rechte Schulter. Er schreit oft vor Schmerzen, wenn er sich bewegen will. Es ist ihm gar nicht möglich, aufzusitzen. Diesen Hexenschuß hat er schon öfters bekommen, aber noch nie so stark. Was soll er wohl tun?“ Antwort: Wenn der ganze Rücken alle Stunden mit warmem Wasser und Essig gewaschen und ordentlich zugedeckt wird, so wird der Schmerz bald verschwinden. Es könnten auch warme Überschläge gemacht und nach jeder Stunde gewechselt werden. In drei bis vier Stunden ist gewöhnlich das Übel der Hauptsache nach gehoben. Man kann noch zweimal mit warmem Wasser und Essig den Rücken waschen.
Der Hexenschuß ist häufiger auf dem sogenannten Kreuze und verursacht große Schmerzen. Auch hier hilft wieder am ehesten: auf ein warmes Tuch sich zu legen, das in heißes, mit Essig vermischtes Wasser getaucht ist. Es reicht auch hier gewöhnlich aus, die Unterlage zwei- bis dreimal, nach je einer Stunde frisch einzutauchen.
Hüftnerven-Entzündung (Ischias).
Ein Beamter litt über ein Vierteljahr an heftigen Schmerzen im linken Schenkel bis hinunter zu den Knöcheln. Er hatte alles Mögliche angewendet; zuletzt wurde ihm empfohlen: Warmhalten und Ruhe, -- das seien die einzigen Mittel zur Heilung. So suchte der Herr seine leidenden Stellen möglichst zu erwärmen durch warme Tücher, warme Platten, und zuletzt nahm er noch ganz warme Bäder, so warm er sie ertragen konnte.
Die Schmerzen jedoch steigerten sich, die Kräfte nahmen zusehends ab, das Körpergewicht verringerte sich um mehr als einen halben Zentner, und er konnte selten eine Stunde schlafen.
Endlich faßte er Mut, das Mittel zu gebrauchen, das er am meisten gefürchtet hatte: das kalte Wasser.
Täglich bekam er zwei oder drei Anwendungen: 1) einen Rückenguß am Vormittag, 2) nachmittags Oberguß; am zweiten Tag: am Morgen Oberguß, nachmittags Rückenguß; jeden zweiten oder dritten Tag ein Halbbad; mitunter auch Barfußgehen, also Abhärtung.
Gleich nach dem ersten Guß konnte der Patient nachts vier Stunden schlafen; so gewann er Schlaf, besseres Aussehen, mehr Appetit. In vier Wochen hatte seine Krankheit kaum noch Bedeutung, und in sechs Wochen war er vollständig geheilt.
Ein Professor aus Ungarn leidet seit sieben Jahren an Hüftnervenschmerzen und besuchte deshalb verschiedene Bäder: Ofen, Teplitz, Heviz u. a., jedoch ohne Erfolg, gebrauchte auch Dampfbäder. Seit zwei Jahren leidet er an Schlaflosigkeit. Appetit ist gut, Stuhl stets angehalten, Blähungsbeschwerden, Kopf eingenommen, am meisten in der Frühe. Besonders klagt der Patient über außerordentliche Empfindlichkeit gegen Temperaturveränderung und anhaltendes Kältegefühl am ganzen Körper, obwohl er seit drei Jahren immerwährend +Jägersche+ Wollkleidung trug. Ferner bestanden talgartige Ausscheidungen auf der Haut und unangenehme Feuchtigkeit der Hände.
Er bekam hier folgende Anwendungen: Jede Nacht Ganzwaschung; vormittags Oberguß; nachmittags Rückenguß; alle zwei Tage ein Halbbad; Kniegüsse; auch Sitzbäder gegen die Verstopfung.
Der Erfolg war ein vortrefflicher innerhalb 24 Tagen. Nach dem vierten Tage schon trat ruhiger, die ganze Nacht anhaltender Schlaf ein und blieb seitdem gut. +Das langwierige Ischiasleiden ist ganz gewichen.+ Die Haut ist auch wieder normal. Der Herr ist überglücklich.
Über seine jetzige Bekleidung rühmt er: „Ich trage so leichte Kleidung, auch an kühlen, regnerischen Tagen, als jemand im Hochsommer haben kann: leinenes Hemd, leichte Socken, und fühle mich dabei so warm und bin gar nicht mehr empfindlich gegen Witterungseinflüsse; es kommt mir alles wie ein Wunder vor.“
Hypochondrie.
Mit den Hypochondern wie mit den Skrupulanten habe ich stets +inniges Mitleid+. „Es ist eben ein Hypochonder, ein Skrupulant!“ Tausendmal kann man dieses hören. Eine wohlfeile und fade Rede! Und dann lacht man noch dazu und tut dem Armen in liebloser Weise oft recht wehe. Gerade diese Kranken verdienen unser größtes Mitleid und unsere regste Teilnahme. Ich +frage mich immer+: „+War dieser Hypochonder+ (dasselbe tue ich bei Skrupulanten) +einmal ein normaler Mann? Gab es eine Zeit, wo er vernünftig dachte und wacker arbeitete?+“ Wenn ich nun bejahende Antwort erhalte, dann wäre es doch von meiner Seite unvernünftig, zu glauben, diesem Menschen fehle nichts, er treibe solche Torheiten, solches Selbst- und anderer Martyrium aus reinem Vergnügen. Ich muß mir vielmehr sagen: Mit diesem guten Mann muß im Innern, im Körper oder im Geist eine Veränderung vorgegangen sein, d. h. er muß recht krank sein, daher solche Erscheinungen. Und ich fahre also fort: Suche man das, was sich geändert hat, zu heilen, den früheren gesunden Verstand wieder herzustellen; das Hypochonderwesen hört dann von selbst auf. Gerade die tüchtigsten Leute, die sich durch Studium viel abmühen, verfallen oft in diese Art Gemütskrankheit. Es wird ihnen wie eingeblasen. Im bestgebauten Hause kann plötzlich was ausbrechen.
Nach meiner Ansicht ist bei der Hypochondrie, wie bei jeder Geistes- und Gemütskrankheit, +die Wurzel des Übels stets im Körper, im kranken Körper zu suchen+. Nur bei solcher Auffassung wird man sicher und mit Erfolg heilen. Man suche bei solchen Kranken das Schlaffe zu wecken, das Geschwächte zu stärken, das Untätige wieder in bessere Bewegung zu bringen; mit einem Worte: man bringe den Blutlauf in das richtige Geleise, und der Hypochonder wird geheilt sein.