Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit

Part 25

Chapter 253,485 wordsPublic domain

Gar oft kommt es vor, daß Grieß und Stein sich bilden in der +Blase+ und in den +Nieren+. Wer je einen solchen Leidenden gesehen oder solche Leiden selbst erduldet hat, kennt +diese fürchterlichen Schmerzen+. Die Heilung mit Wasser ist sicher und schmerzlos, somit die leichteste und beste.

+Obenan+ stehen hier die +Haberstrohbäder+. Es wird Haberstroh (wer dieses nicht zur Hand hat, nehme +Zinnkraut+ oder +saures Pferdeheu+) gesotten, gegen eine halbe Stunde lang, und der Absud zu einem warmen Bad bereitet mit ungefähr 30° ~R.~ In dem Bade bleibt der Kranke eine Stunde und wäscht sich, damit das warme Bad ihn nicht zu welk mache, unmittelbar nach dem Aussteigen aus der Wanne mit frischem Wasser kräftig ab. Solche Bäder können +in der Woche+ drei genommen werden. Nebenbei dienen vortrefflich in der Woche +zwei bis drei kurze Wickel oder+ statt derselben +nasse Auflagen über die schmerzlichen Teile+ (ein Linnentuch vier- bis sechsfach zusammengelegt, darüber die gewöhnliche, luftabschließende Umhüllung). Beide Anwendungen sind selbstverständlich stets nur +im Bette+ vorzunehmen. Sie lösen die Grießsteine in Blase und Nieren auf und leiten dieselben aus. Doch soll gerade bei diesen Leiden +der Tee+ nicht vergessen werden. Obenan steht der +Hafertee+.[39] +Hafer+ wird eine halbe Stunde lang gesotten, und von dem Absud werden täglich zwei Tassen getrunken. Stärker noch als Hafertee wirkt Tee von +Haberstroh+, der auf dieselbe Weise bereitet wird. +Zinnkrauttee+ ist kaum von einem anderen übertroffen. Noch nenne ich die +Hagebutten+, die gesotten gleichfalls einen recht heilsam wirkenden Tee abgeben; nur muß er längere Zeit hindurch genommen werden. Die Erfahrung lehrte mich, daß er besonders vor weiterer Ausbildung solcher Steine schütze. Die oben genannten +Anwendungen sollen zwei bis drei Wochen+ zur Hälfte vorgenommen werden. Das Leiden wird sich unter dem Segen des Arztes aller Ärzte sicher verlieren.

+Ein Herr+, der nach meiner Weisung verfuhr, erzählte mir, es seien bei ihm innerhalb einiger Wochen +viele hundert Steinchen+ abgetrieben worden.

+Ein anderer Herr+ litt dermaßen an Grieß und Steinen, daß die Salzschärfe von innen selbst in die Füße drang, an denen sich eine Unzahl kleiner Geschwüre bildete. Mitunter quälte den ganzen Körper ein höchst unangenehmes Kitzeln und Beißen und Brennen. +Dreißig Bäder+ innerhalb eines Jahres, der +spanische Mantel+, wöchentlich ein paarmal angezogen, Tee von obigen Sorten entfernten das Leiden und seine peinlichen Folgen vollständig.

Zum Schlusse noch +ein Wort an die jüngere Generation+, die so gerne das Alte verwirft, weil es eben alt ist und auf Vorurteilen oder Ungewißheit oder Bigotterie beruht, wie sie meint, und die stets und mit Hast nach Neuem strebt und greift.

+Für alle Leiden, die zahlreicher+ und +schmerzhafter+ auftreten, -- und dazu gehört das eben besprochene; denn die Zahl der Leidenden ist Legion, und die Schmerzen sind oft zum Rasendwerden, -- +hat der Schöpfer liebevoll und weise vorgesorgt+. Auf der ganze Erde läßt er die verschiedensten Pflanzen und Pflänzchen wachsen, welche die Schmerzen lindern, das Übel bessern und heilen. Die Menschen zwar haben -- und das hat der Fortschritt gebracht (ob das Fortschritt ist?!) -- diese Heilpflanzen vielfach, ja meistens aus den sogenannten Pharmakopöen, d. i. den Büchern, welche sämtliche Heilmittel enthalten, als „unwissenschaftlich“ und als „veraltet“ ausgestrichen; der allweise Schöpfer aber führt alle, jedes mit Namen, jährlich im großen Buche der Natur wieder auf. Keines noch hat er gestrichen, keinen Strauch und kein Blatt am Strauch; des Menschen wegen sind sie da, zu seiner Freude, zu seiner Wohlfahrt. Wer hat recht? Merkwürdig! Jedes Tier, besonders jedes wilde Tier, entspricht, wenn auch naturnotwendig, den weisen Absichten seines Herrn und Schöpfers. Vom Instinkt, vom inneren Naturdrang getrieben weiß es bei jedem Schmerz, bei jeder Wunde das heilende Kraut aufzufinden. Unsere Altvordern und mancher, der bald in die Grube steigt, dessen Ansichten mit ihm selbst längst aus der Mode gekommen, taten ebenso.

Ich lobe den Fortschritt in vielen Wissenschaften und freue mich desselben. Aber nicht alles ist auch in Wahrheit Fortschritt, was diese modern klingende Aufschrift trägt.

Mein Büchlein ist in erster Linie für Arme und für Kranke auf dem Lande geschrieben, und ihnen sage ich: „Danket eurem Schöpfer auch für diese guten, ja oft besten Gaben und beneidet die anderen, die Reichen, nicht!“

„Bleibt ruhig bei euren unschuldigen Pflanzenmitteln! Ob dieselben innerlich oder äußerlich angewendet werden, ihr habt (selbst wenn sie in +einem+ Falle nicht richtig gewählt werden) die Versicherung, daß sie euch nichts schaden können. Lasset den Reichen ihre Mineral- und Giftstoffe, mögen sie was immer für Namen führen und in der weiten Welt wo immer zu finden sein!“

„+Das würde mich schmerzen+, wenn auch ihr +Gottes+ Gabe, die Heilpflänzchen, die der Herr vor eurem Hause, auf dem Acker, auf der Wiese wachsen läßt, mit Füßen treten würdet. Da könnte und möchte auch ich, der ich es sonst so gut mit euch meine, euch nicht mehr helfen!“

Hämorrhoiden.

Die Hämorrhoiden (+Goldadern+ nennen sie die gewöhnlichen Leute) können teils mit zum +Erbteil+ der Eltern gehören, teils +in Folge der Lebensweise+ entstehen. +Stubensitzer+, +Aktenmenschen+, +Studierte+, +Feinschmecker+ usw. werden viel von dieser Blindschleiche geplagt. Der Landmann, der jahraus jahrein Kartoffeln und einfache Mehlkost ißt und das Fleisch nur an den Sonn- und höheren Festtagen sieht, bei dem an Stelle des Bieres und starker Weine die Milch und der Apostelwein (Wasser) tritt, der täglich draußen und daheim schwere Arbeit tut, kennt diese Blutsauger oft kaum dem Namen nach.

Diese Hämorrhoiden sind ein +lästiges+, ein überaus lästiges, wenn auch im Beginne und oft Jahre, ja das ganze Leben hindurch +ungefährliches Übel+. Schon das +Jucken+ und +Brennen+ ist recht unangenehm, manchmal sehr peinlich, peinlicher noch die +drückende Einwirkung auf das Gemüt+; sie machen mißmutig, launenhaft, gereizt. Es gibt Fälle, in denen sie das Leben schrecklich verbittern und die Gereiztheit bis zum Wahnsinn steigern.

Daraus wird schon klar, daß Gleichgültigkeit und Mißachtung dieses Leidens schlecht am Platze ist. Man soll sorgen, daß sich das Übel nicht zu stark vermehrt, daß es mit der Zeit nicht einen bösartigen Charakter annimmt.

+Doch was sind+ denn eigentlich +Hämorrhoiden+, +wie entstehen sie+? Sicherlich hat jeder Leser schon einen Truthahn gesehen, auch die häutigen Säcke, die ihm vorn am Halse hängen, bisweilen wie leere Taschen ohne jeden Inhalt. Wenn aber so ein Welscher zornig wird, dann füllen sich diese Säcke mit Blut, und die Taschen werden wie rote Kugeln. Solche Kugeln, +blut-+ oder +schleimgefüllte Taschen+ sind die Hämorrhoiden, mögen sie im oder am Körper auftreten, wo sie wollen, +blinde+ oder +sehende+ (fließende, blutende) Hämorrhoiden sein.

+Die Adern+ sind elastische, dehnbare Röhren. Je mehr das Blut ungeregelt an eine Stelle dringt, desto mehr dehnen sich die Adern aus, am meisten da, wo das Blut sich sammelt, staut, gleichsam kleine Blutteiche bildet. Es entstehen kleine Knoten wie Warzen an der Hand oder im Gesicht, und diese Knoten sind mit Blut gefüllt. Treten dieselben innerhalb des Körpers im Mastdarm usw. auf, so heißen sie die blinden Hämorrhoiden; dagegen nennt man sie die sehenden, wenn die Knoten außerhalb am After erscheinen.[40]

Von Zeit zu Zeit brechen solche Knoten auf, und ihr Inhalt ist brauner Schleim, häufig jedoch reines Blut. Beim Aufbrechen der Knoten wird dem Leidenden leichter und wohler; gefüllt und in großer Zahl bereiten sie ihm viel Leid und manche Schwierigkeiten. Nicht bloß am After und im Mastdarm bilden sich diese Aderauswüchse. Bei großer Entartung kommen sie selbst im Innern des Körpers an den Blutgefäßen vor. Wie die Plünderer sich den regulären Truppen anschließen, so verfolgen diese Blutsauger die Adern, besonders die Hauptadern.

+Je zahlreicher+ die Knoten auftreten, und +je öfter sie aufbrechen, um so schadhafter+ müssen die von ihnen besetzten Teile werden. Daher kommt es nicht selten vor, daß an den betreffenden Stellen bösartige, unheilbare Geschwüre entstehen, wie Mastdarm-Krebs, -Fisteln, -Geschwüre usw.

+Überaus peinliche Mehrung+ des Leidens können die sogenannten +Madenwürmer+ bringen, kleine Würmchen im Innern des Mastdarmes. Wie die Zacken in die Haut, so bohren sich diese in den Mastdarm ein. Bei großer Anzahl zerfressen sie den Mastdarm, und die Folgen davon sind leicht bösartige Geschwüre.

+Die Behandlung der Hämorrhoiden mit Wasser ist leicht+ und erzielt in den meisten Fällen sicheren Erfolg.[41] Die Zahl derer, denen so Hilfe ward, kann ich als sehr groß bezeichnen und beifügen, daß alle Fälle glücklich verliefen.

Greifen wir +zuerst die Madenwürmer+ an, diese Afterblutegelchen, wenn solche vorhanden sind! Sie verraten sich meist durch ein Zwicken, Beißen, Nagen, Krabbeln in der Aftergegend (obgleich ein solches auch jedesmal die Neufüllung der Knoten begleitet). Man nehme ein, zwei oder drei +kalte Klistiere schnell nacheinander+ und lasse dieselben gleich wieder abgehen. Kommt das kalte Wasser in den Mastdarm, so hängen sich die Madenwürmer vom After gleichsam aus, wie der Blutegel von der Blutstelle, wenn ich selbe mit Salz bestreue. Geht das Klistier gleich wieder ab, so schwemmt es die losgelösten Peiniger mit hinaus. Wiederholt man dieses zwei- bis dreimal, so gehen (das ganze Verfahren kann wöchentlich zwei- bis dreimal stattfinden) recht viele, zuweilen alle ab.

Haben wir es mit +Hämorrhoidalknoten+ allein zu tun, so merke man sich folgendes: +von Stellen+, wo +zu viel Blut+ hinströmt, muß dasselbe +abgeleitet+ werden; Gefäße, die +zu sehr ausgedehnt wurden+ und eben deshalb zu weit auseinandergehen, +sind zu verengen, Unreinigkeiten und verlegene Ware auszuscheiden+.

+Für alle diese Zustände+ dient folgende Anwendung gut: Man bereite sich im Bette einen +Unteraufschläger+, d. i. in unserem Falle ein recht dickes, vielfach zusammengelegtes, ins kälteste Wasser getauchtes Linnen, so lang, daß es den ganzen Rücken bedeckt und am untern Ende bis über den After hinausreicht, +so breit+, daß es den Rücken deckt. Darauf lege man sich drei Viertelstunden lang und wiederhole die Anwendung wöchentlich drei- bis viermal. Sollte das Tuch vor den verflossenen drei Viertelstunden warm sein, so werde es entfernt und besser nochmals eingetaucht.

Als +fernere Anwendung+ tut es sehr gute Dienste, wenn solche Leidende in der Woche drei- bis viermal +ein Sitzbad+ nehmen, kalt und kurz. Man kann dasselbe an einem halben Tage oder auch +nachts+ vom Bette aus zwei- bis dreimal wiederholen, nie länger als ein bis zwei Minuten. Auch diese Anwendung wirkt wie die obige zugleich auf die vorhandenen Hämorrhoiden und deren Entstehungsursachen im Unterleibe.

Wer bei vorhandenen Hämorrhoiden in +jedem Vierteljahr innerhalb ein bis zwei Wochen eine der beschriebenen Kuren+ durchmacht, darf sicher sein, daß das Übel ohne alle erheblichen Folgen bleibt und, wenn es nicht ganz verschwinden sollte, gewiß nie lästig wird. Wem solches zu anstrengend erscheint und zu schwer, dem weiß ich in Gottes Namen keinen Rat.

Bezüglich der +Nahrung+ mache ich nur auf +einen Punkt+ aufmerksam, der nach meinem Dafürhalten nicht genug gewürdigt wird. Viele der Hämorrhoidarier haben angefangen, statt des modernen Hausbrotes +Kleienbrot+ zu essen, und sie behaupten, seit dieser Zeit verspüren sie von dem Leiden durchaus keine erhebliche Belästigung mehr, wenn dasselbe auch nicht vollständig gehoben sei. Dieses +Kleienbrot+ möchte ich +sehr empfehlen+, es sollte eine Zukunft haben. Nicht bloß bei einzelnen, allgemeine Verbreitung sollte es finden (auch aus anderen Gründen) als gesundes, kräftiges Nahrungsmittel. Aber wohl gemerkt, nur das echte Kleienbrot, nicht das verfälschte oder nachgeäffte! Die strafbare Verfälschungssucht hat sich leider auch schon dieses Artikels bemächtigt. In einer Großstadt des Auslandes fand ich einst Kleienbrot (dasselbe ist bekanntlich sehr schwer) so leicht wie anderes Brot. Ich durchschnitt den Wecken. Inwendig war es Brot wie anderes Brot; nur über die Rinde her hatte der kluge Bäcker die Kleie gestreut, wie man sonst Kümmel oder Anis streut. Ich fügte meiner Apotheke zum Schlusse das Rezept für Kleienbrotbereitung bei; s. oben S. 159.

Halsbräune.

Ein Vater kommt und klagt, seine Tochter, vier Jahre alt, habe die Halsbräune. „Das Kind hat es,“ sagt er, „gerade wie die drei anderen Kinder, welche alle gestorben sind. Sie starben sehr schnell; auch dieses Kind wird schnell sterben. Schon kann es fast nicht mehr atmen und nicht mehr husten. Kopf und Leib sind ganz aufgetrieben. Was soll ich tun? Vier Stunden brauche ich, um den Arzt zu holen, und bis dahin ist mein Kind tot.“ Die +Antwort+ lautete: „Hausvater, gehe gleich heim, mache etwas +Wasser+, das mit Essig gemischt ist, +heiß+, tauche ein +Handtuch+ ein, winde dieses aus und +wickle+ damit den +ganzen Hals+ des Kindes gut ein! Darüber bringe noch ein trockenes Tuch und lasse den also übergelegten Wickel drei Viertelstunden lang liegen! Dann tauche das Tuch von neuem in Wasser und Essig! So fahre sechs Stunden lang fort, aber alle drei Viertelstunden den Umschlag von neuem naß machend! Nach Verlauf der sechs Stunden mache den Hals frei, ihn leicht bedeckend! Sodann appliziere dem Kinde mit demselben Handtuch, das du zu diesem Behufe wieder in Wasser und Essig eintauchst, einen +kurzen Wickel+! Darüber lege eine trockene Hülle und decke das kranke Kind gut zu, sorgfältig, aber nie zu stark! So soll die Kleine eine Stunde lang ruhen bleiben. Nach einer Stunde entferne die Hülle und lasse das Kind, nicht mehr als gewöhnlich bedeckt, im Bette liegen! Sollte nach sechs bis acht Stunden noch schweres Atmen und Husten vorhanden sein, so kannst du den Umschlag um den Hals nochmals, wie oben gesagt, erneuern und denselben ein bis zwei Stunden lang umlegen. Wenn er nach Verlauf einer Stunde recht heiß ist und dem Kinde recht bange werden sollte, so tauche das Tuch von neuem ein! Du wirst die Wirkung erfahren.“

Der Vater tat, wie ihm befohlen, und nach 30 Stunden war das verloren geglaubte Kind wieder gesund, frisch und munter.

+Heilung+ wäre +auch dann+ erfolgt, wenn man das Tuch in +recht kaltes Wasser+ (mit halb Essig) eingetaucht und das Eintauchen alle drei Viertelstunden erneuert hätte. Bei Nichtabnahme der Hitze hätten +noch die Füße bis über die Waden mit eingewickelt+ werden können.

Halsleiden.

Andreas fängt zu erzählen an, wie folgt: „Ich kann fast nicht mehr reden, manchmal will’s gar nicht mehr gehen. Ich hatte so einen arg bösen Finger. Damals habe ich’s das erstemal bekommen, daß ich nicht mehr reden konnte; jetzt wird mein Finger wieder bös. Sonst habe ich den besten Appetit, und es fehlt mir gar nichts. Der Arzt hat gesagt, das Halszäpfchen sei zu lang und müsse abgeschnitten werden. Das will ich aber nicht tun lassen.“

+Das Aussehen des Mannes+ zeigt einen etwas gefüllten, aufgedunsenen Kopf; die linke Seite desselben, vom Ohre abwärts, zeigt eine kleine Anschwellung. Man sieht recht gut, daß das Normalgesicht etwas gestört ist, und Kopf und Hals sind mehr noch als im Äußeren im Inneren angelaufen, aufgedunsen, daher im allgemeinen Verengung in diesen Organen, daher die Halsbeschwerden. Unstreitig ist der +kranke Finger das erstemal nicht gehörig geheilt, der Giftstoff nicht ganz entfernt+ worden. Wer den Krankheitsstoff jetzt völlig ausleitet, den Körper säubert, der hat auch dem Halse geholfen. Zu dem Zwecke wirke man +ableitend+ zuerst +auf den ganzen Körper ein+, sodann im +besonderen auf die Kopfteile+. Ersteres geschieht durch die Anwendung des +Sackes+ und die +Umlegung des Schals+. Der Sack steht dem Bauersmann am ehesten zu Gebote. Er schlüpfe in denselben, nachdem er ihn zuvor in +Haberstrohabsud+ eingetaucht hat. Dieses tue er drei Tage nacheinander, je 1½ Stunden. Vom vierten Tage an beziehe er die nicht mehr ungewohnte Wohnung jeden dritten Tag. Den Schal trage er täglich eine Stunde lang. +Nach vierzehn Tagen+ kann er +Ganzwaschungen+ vornehmen zweimal in der Woche, und +einmal in der Woche+ soll er den +spanischen Mantel+ tragen. Wenn das +Halszäpfchen+ noch Beschwerden macht, kann er ein +paar Kopfdämpfe+ vornehmen, natürlich an verschiedenen Tagen. Dem Übel wurde gründlich gesteuert.

Ein Priester erzählt: „Im Laufe des Sommers 1887 verspürte ich zeitweilig ein leichtes Schmerzgefühl im Hals, das vorübergehend und mit leichtem Hustenreiz verbunden war. Bei längerem Reden in der Katechese, auf der Kanzel und im Beichtstuhl wurde die Stimme nach und nach kraft- und klanglos und drohte zu versagen. Das Übel steigerte sich in den Monaten September und Oktober; es entstand ein heftiger Rachenkatarrh, und der Arzt fand auch die obere rechte Lungenspitze affiziert. Ein drei monatlicher Aufenthalt in Meran, Pinseln und Gurgeln und Bergsteigen, nichts vermochte das Leiden zu entfernen. Um Neujahr herum war ein Arzt sogar in Versuchung, eine kleine Operation vorzunehmen, doch unterblieb sie. Endlich entschloß ich mich am 25. Januar, da mein Urlaub dem Ende zuneigte, in sehr gedrückter Stimmung Meran zu verlassen und Wörishofen aufzusuchen. Die Wasseranwendungen, täglich zweimaliger Oberguß und Wassergehen, brachten mir alsbald Erleichterung im Hals; der Schmerz nahm ab, die Stimme wurde kräftiger und bekam wieder Klang, und an Lichtmeß vermochte ich schon in D. eine kurze Homilie und ein Amt zu halten. Aber die Stimme war noch heiser, und ich hatte nachher auch eine ganz leichte Schmerzempfindung im Hals, die aber bald wieder aufhörte. Von acht Tagen zu acht Tagen verspürte ich Besserung. Nach drei Wochen war meine Stimme so kräftig und rein wie früher; ich konnte wieder in die Seelsorge eintreten und meinen Pflichten voll und ganz nachkommen.“

Harnbeschwerden.

Eiligst wurde ich einst zu einem 70jährigen Zimmermann gerufen, um ihn möglichst schnell für die Ewigkeit vorzubereiten. Er habe, hieß es, entsetzliche Schmerzen, er könne nicht mehr Wasser machen. Bald stand ich im Hause des Kranken. Allein als Seelsorger konnte ich nichts machen; denn der Mann lief in seinem Zimmer umher und schrie vor Schmerzen; keinen Augenblick konnte er ruhig bleiben. Mit ihm jammerte und weinte seine Frau, die ratlos dasaß. Ich gab ihr an, +eiligst strudelndes Wasser zu machen+ und zugleich +einen Leibstuhl herzurichten+. In den Topf solle sie +eine Handvoll Zinnkraut+ bringen. Ich bemerke, daß der Arzt zwei Stunden weit entfernt wohnte, und gewiß hätte derselbe den Mann nicht mehr unter den Lebenden getroffen. Das Wasser sprudelte, die Frau goß es in den Topf über das Zinnkraut. Der Kranke ging auf den Stuhl und ließ den heißen Zinnkrautdampf die schmerzenden Stellen beräuchern. So solle er, befahl ich, 20-30 Minuten sitzen bleiben und darauf ins Bett gehen. In einer Stunde, fügte ich bei, werde ich wieder kommen und ihn zum Sterben vorbereiten. Nach einer Stunde kam ich, fand den Mann aber ganz ruhig im Bette in großem Schweiße. Freudigst erzählte er mir, es seien schon +zwei Liter Wasser abgegangen+, und er fühle nicht mehr die geringsten Schmerzen. Die Vorbereitung zum Sterben konnte unterbleiben. Tags darauf nahm der Mann nochmals so einen Dampf zwanzig Minuten lang; am dritten Tag hielt er Rasttag, und am vierten ging er wieder an sein gewohntes Handwerk.

+Der Mann hatte sich erkältet+ und so das Übel sich zugezogen. Unglaublich ist es, was so ein einfaches Kräutlein, schnell und richtig angewendet, in den bittersten Leidensstunden an Hilfe bringt.

+Ein Bauer+ bekam ein +ähnliches Leiden+. Beim größten Drang und unter namenlosen Schmerzen wurde ihm vom Arzte mit dem Katheter Wasser abgezogen. Der Katheter brach, und zu dem alten Leiden kam ein neues, fast noch furchtbareres. Es war ein Martyrium, bis endlich das abgebrochene Stück aus dem Leibe war herausgebracht worden. Eine schreckliche Entzündung bildete sich, so daß an einen Katheter nicht mehr zu denken war. Der Arzt suchte durch ein Instrument in die Blase einzudringen. Doch der zweimalige Stich mißlang, und der Arzt ordnete an, der Kranke solle schleunigst auf den Tod vorbereitet werden, Rettung sei keine mehr möglich. Der betreffende Priester kam bald. Zufällig hatte dieser von dem Mittel gehört, mit dem ich den ersten Fall geheilt. Rasch wurde es auch hier angewendet, und die Wirkung blieb nicht aus. Die Blase entleerte sich, alle Entzündung hob sich, und der Kranke wurde vollständig gesund. +Täglich+ nahm er +zwei solcher Dämpfe+.

+Noch kann empfohlen werden+, neben der äußerlichen Anwendung +aus Zinnkraut einen Tee zu machen+ und diesen Tee (täglich eine Tasse auf zwei bis drei Portionen verteilt) zu trinken.

+Ein armer Taglöhner+ hatte mehrere Wochen hindurch große +Beschwerden der angegebenen Art+. Das Übel steigerte sich von Tag zu Tag. Er wendete +Zinnkraut-Dämpfe+ an; doch sie wollten dieses Mal so gute Wirkung nicht hervorbringen. +Die Dämpfe allein+ waren +zu schwach+, ihre Wirkung mußte durch eine weitere Anwendung verstärkt werden. So wurde Zinnkraut ausgesotten, ein +vierfach zusammengelegtes Linnen in den heißen Absud getaucht+, dieses etwas ausgewunden und so auf die leidende Stelle gelegt. Täglich ein Zinnkrautdampf und täglich eine solche Auflage während zwei Stunden, das genügte. In wenigen Tagen war das Übel geheilt. +Erkältung+, wie beim ersten Fall, war auch hier die Ursache des Leidens, wenn auch nicht die einzige Ursache; Nebenumstände traten hinzu. Der freigewordene Urin ließ erkennen, daß viel „Krankes“ im Innern gelöst wurde.

Bei einem ähnlichen Falle habe ich statt des Zinnkrautes +warmes Wasser, mit Essig gemischt+, angewendet. Die also genetzten und übergelegten Tücher taten dieselbe gute Wirkung.

+Eine Hausmutter+ lag schon neunzehn Wochen zu Bette und gebrauchte immer ärztliche Hilfe. Die Ärzte erklärten das Übel als +Blasenkrebs+. Die Schmerzen waren oft so groß, daß die Nachbarn die arme Frau schreien hörten. An ein Aufkommen wurde längst nicht mehr gedacht. Ich riet dem armen Weibe, es solle +Zinnkraut+ sieden, ein Tuch in den Absud tauchen, in das etwas ausgewundene Tuch das +ausgekochte Zinnkraut selbst+ legen, einbinden und so vorne auf die schmerzhafte Stelle legen oder binden. Nach der ersten Anwendung fühlte die Kranke Linderung. Sie tat so fünf Tage lang, drei- bis viermal täglich, jedesmal gut gemessene zwei Stunden. Dreimal +täglich+ nahm die Frau auch innerlich +Zinnkrauttee+. Am fünften Tage ging ein Salzstein ab unter unsäglichen Schmerzen. An dem ausgeschiedenen Steine konnte man recht deutlich sehen, daß sich Teile davon abgelöst hatten. Das Übel war gründlich kuriert, der fatale Krebs mitsamt den Scheren richtig gefangen.