Part 24
Wie Entzündungen im Innern des Körpers entstehen können, so auch außerhalb am Körper. Sie sind insbesondere die fast unzertrennlichen Begleiter der verschiedenen Geschwüre. Wenn’s brennt, laufen die Nachbarn zusammen. Wenn ein Fleck oder auch nur ein Fleckchen am Körper brennt, so bleiben die benachbarten Stellen nicht gleichgültig. Rasch meldet es ein Blutkügelchen dem andern, und die vorwitzigen, die kommen, verbrennen sich dabei selbst die Finger und noch mehr. Entzündet sich an einem Gliedchen, z. B. an der Zehe, ein Geschwürlein, auch nur so groß wie ein Linsenkorn, so tut nicht bloß die ganze Zehe weh, sondern oft schon ein Teil des Fußes; manchmal sticht der Schmerz bis hinein in den Leib. Es kommt mir vor, wie wenn einer nachts nur ein Zündhölzchen anzündet. So ein kleines Ding wirft seinen Lichtschein weit hinaus in den Hof.
+Anna+ hat schreckliches Weh am +Daumen+. Man sieht nicht viel. Der Finger ist nur ein klein wenig angelaufen und etwas roter als die anderen Mitgenossen. Nicht allein am Daumen, auch unter der Achsel schmerzt es heftig. Gib acht, in kurzer Zeit wird dein ganzer Körper nicht mehr wohl sein! „Da muß etwas dahinter stecken,“ meint der Vater. Ja freilich muß etwas dahinter und drinnen stecken. Das Mädchen bindet natürlich seinen Finger gut[38] ein und wartet drei bis sechs Tage zu, was das wohl abgeben möge. Der Finger wird dick, auch die Hand schwillt an. Es entsteht ein großes Geschwür; im Finger, im Arm und im Leib zuckt’s. Und es geht recht lange, bis aller Eiter heraus und der Finger an der kranken Hand geheilt ist.
+Wie+ hätte das Mädchen den Finger +in die Kur nehmen+ sollen? Sobald es merkt, daß der Finger, ohne irgend verletzt worden zu sein, schmerzt, so soll es +tun+, wie die Mutter tut, wenn sie auf dem Herde ein kleines Feuerchen nicht groß haben will, es ausblasend oder mit +etwas Wasserspritzen auslöschend+. Vielleicht mag’s so gut werden.
Wenn nicht allein der Finger, sondern auch schon die +Hand+ wehe tut, so ist das Feuer größer, es hat mit dem Finger die +Hand+ ergriffen. Darf nun das Mädchen die Hand unter das Brunnenrohr halten, um den Brand zu kühlen und zu löschen? Durchaus nicht! Das Übel besteht nicht allein im Brande, in der Hitze, die zu entfernen ist, sondern vielmehr in giftigen Säften, die aufzulösen und auszuleiten sind.
Dem Mädchen werden in einem +kalten Armwickel+ Finger und Hand umwunden, und dieser Wickel werde +so oft erneuert+, d. h. neu eingetaucht, als er heiß zu werden beginnt. Der Finger muß zwar nach dem Volksmunde „ein böser Finger“ werden, d. h. er muß und wird aufbrechen; aber alles, was der Wickel auszieht, braucht nicht zu vereitern, und es ist doch ein großer Unterschied, ob das Geschwür die Größe einer Haselnuß oder einer Wallnuß oder noch größere Ausdehnung erreicht.
Sollte das Gefühl der Unbehaglichkeit, des Unwohlseins sich +auf den ganzen Körper ausdehnen+, so verordnen wir diesem eine Zeitlang täglich +den spanischen Mantel+. Das Allgemeinbefinden wird in Bälde wieder ein gutes sein.
Eine Art von Geschwür kennen die Landleute insbesondere unter dem Namen „+Wurm am Finger+“. Die Behandlung vielmehr Mißhandlung eines derart kranken Fingers gibt uns neue Beweise, wie verblendet und töricht die Menschen sind. Es ist, als ob sie für Zeiten der Verstand verlassen hätte, so gedankenlos benehmen sie sich. Mit so einem Wurm am oder im Finger (es wäre interessant, zu wissen, wie sich manche diesen Wurm vorstellen) wird aller mögliche Unsinn getrieben. Jedes Weib weiß eine neue Salbe, und wenn das Salben ausgeht, dann geht die Sympathie, wie sie’s nennen, an. Vorher noch suchen recht abergläubische Menschen einen lebendigen Maulwurf zu bekommen. Denn wenn sie diesen lebendig in der Hand oder nur zwischen dem Daumen und den anderen Fingern absterben lassen, dann ist’s mit dem Wurm aus! Und wenn dann genug gesalbt und geschmiert, geschwätzt und gelogen und sympathisiert und der Finger nach mehreren Wochen, nach unsäglichen Schmerzen reif geworden ist und aufbricht und der Eiter dicht und fest herausdringt, dann heißt’s: „Seht, der Wurm ist getötet, der Wurm geht ab.“ Weiter kann man es in der Torheit und Selbstverblendung nicht treiben.
Was ist denn so ein +Wurm am Finger+? Nichts anderes als ein größeres Geschwür, das nach obiger Methode zu behandeln ist. Meistens bekommen solche Leute diesen Wurm, die recht viele ungesunde Stoffe im Körper haben. Deshalb muß, wie +auf Finger und Haut, so auch auf den ganzen Körper eingewirkt werden+. Auf erstere geschieht die Einwirkung durch die +Hand-+ und +Armwickel+. Den Finger umwinde man zwei- bis drei- bis vierfach am besten mit Absud von Zinnkraut, um das Angefressenwerden des Beinchens zu verhindern, Hand und Arme zweifach (statt einfachen Wassers ist gut Absud von Heublumen oder Kraut), und man erneuere das Eintauchen des Wickels, sobald die Hitze oder die Schmerzen sich mehren. +Auf den ganzen Körper+ wirke man durch +ein bis zwei kurze Wickel+ oder den +spanischen Mantel+, täglich je einen von einer Stunde Dauer. Nach der ersten Woche geschehen die Wickelungen nur jeden zweiten oder dritten Tag. Mit +Ober-+ und +Untergüssen+ sei +man vorsichtig+ und wende sie erst später, wenn genügend aufgelöst und abgeleitet ist, zur Kräftigung an. Sobald der Finger „reif“ ist, d. i. sich bläulich färbt, und an einer Seite weich wird, dann soll man mit dem Öffnen und Ausdrücken nicht zögern und sich nicht fürchten, wenn mit dem Eiter Blut kommt. Dieses Blut müßte ja doch noch vereitern, und so ist’s gut, wenn ihm dieser Prozeß erspart und dem Finger die Sache erleichtert wird. Das +Bangen vor dem zu frühen Öffnen eines Geschwüres+ ist bei Wasseranwendungen +ziemlich überflüssig+ (große Reinlichkeit), bei Salbereien wohl begründet.
+Die Heilung des Wurmes kann noch in folgender Weise geschehen.+ Bei mir war dieses oft das kürzere Verfahren. Man +bade+ Finger und Vorderarm täglich zwei- bis dreimal in einem warmen (ja nicht heißen) +Heublumenbad+ von einer halben Stunde Dauer. Die +Finger-+, +Arm-+ und +Körperwickel+ bleiben dieselben wie oben.
Andreas, einem Gärtner, war der Daumen der rechten Hand entsetzlich zugerichtet. Furchtbar angeschwollen zeigte der ganze Finger keine Haut mehr; er war rein wie eine abgestandene, mit Eiter überzogene Fleischmasse. Das Bein blinkte an mehreren Stellen durch. Der Arzt hatte schon erklärt, es müsse die Hand, um das Leben zu retten, abgenommen werden. Ich schaute mir die Hand an und dachte: „Gott, könnte ich dem armen Mann die Hand retten!“ Dann legte ich mir den Fall also zurecht: Das sichtbare Bein (das war die Hauptsache) sieht recht frisch aus, es ist also noch nicht angegriffen. Der schrecklich angeschwollene, ekelhafte Daumen ist wie eine Jauchengrube, in welche der Körper seine nichtsnutzigen Säfte ausschüttet. Diese scharfen Stoffe mehren die Geschwulst, zerfressen das Fleisch und vergiften alles, was sie angreifen. Somit muß ich einwirken auf den halbabgefaulten Daumen, noch kräftiger aber auf den Körper, daß er aufhöre, sein eigenes Glied zu morden. Der Überlegung folgte das Handeln.
Der +Daumen+ und die +ganze Hand+ bekam +Wickel+ von +Heublumen-+ und +Zinnkrautabsud+ (beide Kräuter wurden zusammen abgebrüht), im Tage vier- bis fünfmal erneuert. Der +kranke Leib+ erhielt +täglich einen kurzen Wickel+ und +wöchentlich dreimal den spanischen Mantel+. An den +wunden Finger+ ließ ich jeden Tag +recht verdünntes Alaunwasser+ gießen, welches den Unrat wegwusch. Noch nicht vier Wochen waren vergangen, und alles, Finger und Hand, war wieder gewonnen. Um das in der Tat nicht angefressene Bein bildete sich eine neue Fleischmasse zu einem +neuen Daumen+, der, den Nagel ausgenommen, wie früher in den gesündesten Tagen aussah. Der Mann konnte als Gärtner seinem Beruf wie zuvor nachkommen. Er lebte nachher noch viele Jahre.
Gesichtsrose.
„Mein Mann bekommt die Gesichtsrose; das ganze Gesicht ist angeschwollen, sieht feuerrot aus; er hat ein heftiges Fieber; es verbreitet sich die Röte über das ganze Gesicht; es zeigen sich an allen Stellen viele kleine Bläschen, und der Jammer ist nicht anzuhören,“ -- so klagte mir eine Gattin. „Schleunigst soll ein Schal umgelegt werden, in warmes Wasser getaucht,“ -- verordnete ich; „drei Viertelstunden lang soll es dauern; dann soll das Tuch hinweggenommen, in frisches Wasser getaucht und wieder übergelegt werden; so dreimal wiederholt -- macht ungefähr drei Stunden aus. Drei bis vier Stunden später soll ein vierfaches Tuch in frisches Wasser getaucht, ordentlich ausgewunden, auf den Unterleib gelegt werden, drei Stunden lang; aber nach jeder Stunde soll das Tuch weggenommen, in frisches Wasser getaucht und wieder aufgelegt werden. Drei Stunden später, nachdem die Wickel entfernt sind, läßt man den Kranken auf ein mehrfach zusammengelegtes Tuch, in kaltes Wasser getaucht, ganz gut ausgewunden, eine Stunde lang liegen. Diese drei Anwendungen können so der Reihe nach vorgenommen werden, bis die ganze Hitze gebrochen und der Krankheitsstoff ausgeleitet ist. Auf der leidenden Stelle im Gesichte wird nichts angewendet als von Zeit zu Zeit, wenn die Spannung der Haut gar zu empfindlich ist, Abwaschungen mit lauwarmem Wasser. Ist der Durst recht groß, so bleibt Wasser oder Zuckerwasser das beste Getränk, aber immer nur in recht kleinen Portionen.“
+Gesichtsrose auf eine andere Art zu heilen+:
Dem Kranken soll täglich zweimal ein Schal umgelegt werden, drei Stunden lang jedesmal, nach jeder Stunde wieder frisch eintauchen; in der übrigen Tageszeit, nach je drei Viertelstunden, Rücken, Brust und Unterleib, am besten den ganzen Körper mit Wasser und etwas Essig daran waschen; darf aber nicht länger als eine Minute lang dauern. Wenn das Fieber bedeutend abnimmt, so reicht es aus, nach zwei bis drei Stunden zu waschen, später nur mehr alle Tage; soll anfangs das Wasser, mit Essig vermischt, warm genommen werden, so gebraucht man später frisches Wasser. Den Schaden im Gesicht darf man immer nur mit lauwarmem Wasser von Zeit zu Zeit waschen. Auf diese zwei Arten sind schon mehrere geheilt worden, ohne daß irgend ein Nachteil zurückblieb.
+Josepha+, 22 Jahre alt, gesund und kräftig, bekommt nach schnell eingetretener Müdigkeit ein heftiges Fieber. Nach außen ist sie voll Hitze, im Innern voll Frost und Kälte; sie leidet großen Durst und ist ganz ohne Appetit. So oft die Hitze groß war, wurde sie anfangs mit warmem, dann mit kaltem Wasser am ganzen Körper gewaschen, und zwar drei Tage hindurch. Dann ließ der Frost nach, der ganze Kopf war angeschwollen, und die Gesichtsrose trat ungewöhnlich stark hervor; im Gesichte zeigten sich große Blasen, und der Mund besonders war stark geschwollen. Vier Tage hindurch, an jedem Tage sechs- bis zehnmal, wurden die Waschungen vorgenommen; auch legte man noch zweimal im Tage den Schal um, zweimal warm, dann kalt. Nach drei Tagen stellte sich großer Schweiß ein, der zwei Tage dauerte, und dann war Josepha geheilt; zweimal wurde im Tage während der Schwitzzeit die Waschung vorgenommen. Der Schweiß kam von selbst, und das Abwaschen beförderte denselben um vieles. Die ganze Kurzeit dauerte acht Tage; eingenommen hat sie gar nichts. Am Kopfe wurde nichts angewendet; nur an den letzten drei Tagen wurde das Gesicht täglich zweimal mit lauem Wasser gewaschen.
Gicht.
Wer zur Herbstzeit ins Allgäu kommt, sieht da und dort die Leute ihren Dünger ausbreiten. In neuerer und neuester Zeit haben sie auch eine neue Methode angenommen, die jedem wahren Landwirt die Galle kitzelt, das Blut aufrührt und in Wallung bringt. Sie verteilen dem hungrigen Boden die Nahrung nicht mehr gleichmäßig wie früher, sondern mit einem nie gesehenen Schlendrian werfen sie aufs Geratewohl der einen Scholle zwei bis drei Portionen hin, die andere lassen sie für ein neues, ganzes Jahr fasten. Die ganze Arbeit gleicht dem leidigen Spiele von Maulwürfen. Das muß ja im Frühjahr faule Moräste abgeben, auf denen die Wucherstellen die übelangebrachte Verschwendung zeigen, daneben armselige und verkümmerte Habenichtse, die infolge der stiefmütterlichen und ungerechten Behandlung auch nichts in die Scheunen tragen.
Dieses Bild paßt mir vortrefflich für die Gichtkrankheit.
Was dem Acker und der Wiese der Dünger, das ist dem Menschen die Nahrung. Ob da in all den verschiedenen Ständen und Lebenslagen Ungleichheit herrscht? Dem einen wird’s täglich und stündlich im Überflusse zugeworfen; ein anderer hat jahraus jahrein Quadragesimalzeit. „Was für eine Mahlzeit?“ fragte einmal einer. Nicht 40-, sondern 365tägiges Fasten! Wenn nun jemand täglich und stündlich seinem Felde (seinem Körper) zu viel, so viel zuführt, daß die Natur es nicht bewältigen, die Organe es nicht verarbeiten und verwerten können, was muß die Folge sein? Die Knochen z. B. brauchen zu ihrem Bau Schwefel und Kalk. Nun aber wird in kräftigen und starken Speisen vielleicht soviel Baumaterial eingeführt, daß es zu zwei, zu drei Körper-Neubauten ausreichte. Was wird, was muß geschehen? Da bilden sich Moräste (dickes Blut), dort Sümpfe (schlechte Säfte), um die Knochen herum Sand- und Schutt- und Kalk- und Steinhaufen.
Die Knöchel schwellen an, entzünden sich, und es ist eine langdauernde, entsetzliche Qual, bis diese verknorpelten und verknöcherten Gichtknoten durch den Schmerz selbst gleichsam verbrannt und anders entfernt sind. Und so arg das Leiden, so gering oft das Mitleiden mit so wohlbehäbigen Podagranern. Es ist nicht ganz christlich, aber manchmal sehr erklärlich. Die Leute sagen: „Er hat das Genießen gehabt; er habe nun auch die Schmerzen, die Folgen des übermäßigen Genusses.“ Indessen können +auch arme Leute+ von der Gicht heimgesucht werden, +ja selbst die Ärmsten+.
Einmal stellte sich mir ein armer und überaus fleißiger Dienstbote vor; er bekam die Gicht im höchsten Grade. Ursache war bei ihm, daß er aus lauter Diensteifer die +Pflege des Körpers vernachlässigt+ hatte. Ein windbrüchiger Blasbalg arbeitet den Blas, die Luft, nicht in die Orgelpfeifen, sondern zu den Löchern hinaus. Geschwächte, halbkranke Organe schaffen, arbeiten oftmals statt am Fleisch an der Geschwulst, statt am Bein am Überbein.
+Weitere Ursachen+ können sein: +allzu große Anstrengung+, +Vernässung+, +Erkältung+ u. a. +Gicht im hohen Grade+ quält viele, +Gicht+ im geringeren Grade unzählige Menschen. Sie quält die einen an den +Zehen+, die andern im Kopf, viele am +Äußern+, viele im +Innern des Körpers+.
+Einfache, noch nicht allzusehr geschwächte Leutchen+, die gerne folgen und nicht den Flohstich spüren, heile ich recht gerne und meistens sehr leicht. +Bei den Podagranern+ der ersteren und vornehmeren Gattung gebe ich mich nie Täuschungen hin. Sie sind mir ein Kreuz und mit Wasser meistens nicht zu heilen; denn sie folgen nicht, weil sie bereits unter dem Doppeljoche der Verweichlichung und der Wasserscheu seufzen; heilbar wären sonst auch sie wie die anderen Gichtkranken.
+Ein Herr von Stand+ litt seit vier Wochen an heftigen Fußschmerzen. Seine Bekannten nannten ihn scherzhaft ein weiteres Mitglied der Bruderschaft der Podagraner. +Schwitzen+ kurierte ihn dieses Mal. Doch nach einem Jahre kehrte das Leiden wieder und fesselte ihn zwölf Wochen ans Bett. Es brannte tüchtig, und er schwitzte tüchtig; aber dieses Wasser allein heilte das zweite Mal nicht. Er ließ mich befragen und erklärte, er werde alles tun, was immer verlangt werde, wenn nur diese fürchterliche Krankheit nicht noch einmal wiederkehre. In wenigen Wochen war die Hauptkur vorüber. Wie wenn Wasser auf ungelöschten Kalk kommt und dieser aufschwellt und zerbröckelt, so vergingen die Gichtbeulen unter den verschiedenen Anwendungen. Später wiederholte der Patient von Zeit zu Zeit die eine oder die andere Wasserübung, und soviel ich weiß, hat das Übel seit den letzten Jahren ihn nicht weiter belästigt. Die Anwendungen selbst lerne der geneigte Leser beim folgenden Falle kennen.
Ein +Priester+ sandte zu mir mit der Nachricht, seine Füße brennen ihn wie lebendiges Feuer, er müsse fast verzweifeln, was er doch tun könne? Ich riet, er solle in heißem Wasser +angeschwellte+ und hernach +ausgepreßte Heublumen auf ein Linnen bringen+, die +schmerzenden Füße mitten drein legen+ und den +warmen Heublumenwickel+ gut zubinden. +Nach zwei Stunden+ solle er die aufgelegten Heublumen von neuem in den Heublumenabsud +eintauchen+, auspressen und nochmals umbinden. Ob die Heublumen das zweite Mal lau oder ziemlich kalt oder ganz kalt umgebunden werden, bleibt sich ganz gleich. Der kranke Priester tat so die folgenden Tage. Nach dem ersten halben Tage schon waren die Hauptschmerzen entfernt, nach zwei bis drei Tagen war der Kranke ganz frei von Schmerzen.
Fehlen einem Kranken die Heublumen, so siede man +Haberstroh+ und tauche die zu umwindenden +Fußwickel+ in den Absud. Auch dieses ist bei unserem Übel von vorzüglicher Wirkung. +Man beachte+, wie ich bei diesem Leiden +mit Vorzug erwärmend einwirke, vielmehr auflöse+.
+Vor einer Täuschung+ muß ich +hier warnen+. Sobald den Kranken die Füße nicht mehr schmerzen, so meint er natürlich, er sei schon völlig kuriert. Man beginge einen großen Fehler, wenn man jetzt nachgiebig wäre. Den Fußwickeln müssen wenigstens +einige Anwendungen auf den ganzen Körper+ folgen, um wo möglich allen krankhaften Stoff daraus zu entfernen. Am besten dienen während der drei ersten Wochen +wöchentlich zwei bis dreimal der spanische Mantel+ (je 1½-2 Stunden), im folgenden Monat +einige Warmbäder mit Absud+ von +Heublumen+ oder +Haberstroh+ und +dreimaligem Wechsel+.
Ein +Taglöhner+ hatte sich ein schweres Gichtleiden zugezogen. Er ging +wöchentlich dreimal in den Sack+, den man in +heißen Haberstrohabsud+ eingetaucht hatte; dann wurden ihm +in der Woche zwei Fichtenreis-Bäder+ bereitet von 33 bis 35° ~R.~ mit dreimaligem Wechsel. +Jede zweite Nacht wusch er sich vom Bett aus kalt.+ Nach drei Wochen war er ziemlich geheilt, benützte jedoch noch für einige Zeit +in der einen Woche zweimal den Sack+, in der +anderen+ das beschriebene +warme Bad+. Bald trat er neugekräftigt seinen Dienst an, den er bis heute gut versieht.
Ein +Brunnenmacher+ zeigte mir die +Gichtknoten+ an +seinen Fingern+ und +an seinen Zehen+, die ihn bisweilen, wie er sagte, unausstehlich brannten, -- +Gicht durch Vernässung+.
+Jeden zweiten Tag+ ein eben beschriebenes +warmes Bad+, jeden +dritten+ oder +vierten Tag+ die Anwendung mit dem +Sack+ haben den Mann in kurzer Zeit gänzlich von seinem Übel befreit. Die +Hände+ hat er sich +über die Nacht in angeschwellte Heublumen+ eingebunden.
Ein +armer Hausvater+ bekam heftiges Gliederreißen. Ob es von der Gicht oder von einem anderen Übel herrührte, wußte er nicht; er fühlte nur entsetzliche Schmerzen, die ihn berufsunfähig machten.
Es war gerade die +Heuernte+. Ich riet ihm, er solle +auf seinen Heustock gehen+, der eben in +Gärung sei+, dort eine Art Grube in das heiße Heu machen und sich in das +heiße Heugrab+ legen, mit heißem Heu auch sich zudecken, so daß nur mehr der Kopf herausschaue. Er tat’s und schwitzte in einer Viertelstunde schon dergestalt, daß der ganze Körper wie im Wasser schwamm. +Sechsmal innerhalb zehn Tagen+ stieg der Bauer +in so ein Heubad+, und es hat ihn gründlich kuriert.
Nicht einem jeden würde ich solches raten. Aber nur derjenige, der es selbst probiert, kennt die +große+ und +auflösende Kraft solchen Heudampfes+. Recht alte, tief eingewurzelte Übel können oft durch solchen unschädlichen Dampf ausgeleitet werden. Nach meiner Praxis würde +derjenige+ diesen Heudampf +am wirksamsten+ brauchen, der +unmittelbar vom Dampfbade weg ganz rasch ein kaltes Halbbad+ nähme mit Waschung des Oberkörpers. Letzteres kräftigt zugleich ungemein.
Das ist +nicht so dumm+ und +überspannt+, wie manchem dünken möchte. Das bewiesen neben vielen anderen einmal besonders zwei hohe Praktikanten. Zwei Herren aus hohem Stande haben sich durch ungefähr fünfzehn solcher Heudampfbäder dermaßen erholt, daß es ihnen unbegreiflich vorkam, wie durch so einfache Mittel, in so einfacher Weise eine Um-, gleichsam Neuschaffung im Organismus zustande gebracht werden könne.
Ich stehe nicht an, zu behaupten, daß +schwächere Rheumatismen+, +Krämpfe+, gewöhnlich Überreste und Überbleibsel nach schweren Krankheiten, leicht durch zwei bis vier solche Heudampfbäder vollständig zu entfernen wären.
Du siehst, mein lieber +Landmann+, was für Schätze du im Hause hast! Probier’s einmal! Im Sommer, im Heuet, wenn du recht müde bist, wirf ein paar Handvoll Heu oder Heublumen in heißes Wasser und laß es lau werden! So ein Fußbad von fünfzehn Minuten wird dir die Müdigkeit aus allen Gliedern ziehen.
Und wenn du einmal so ein Reißen oder Brennen verspürst, sei vernünftig! Du gönnst das Heilkraut jeden Tag deinen Vierfüßlern. Laß dessen Heilkraft auch mal deinen eigenen Körper kosten!
Ein Wirt erzählt:
„Ich habe oft so reißende Schmerzen im Kopfe, besonders wenn das Wetter anders wird, daß ich unfähig bin, meinem Berufe nachzukommen. Es kommen die Schmerzen in den Rücken, besonders auch in die Oberschenkel; wenn sie aber in die Füße kommen, kann ich nicht mehr gehen. Trinke ich ein Glas Bier, so kommt der Schmerz ganz schnell in den Kopf. Weil ich es schon Monate hindurch so stark habe, ist mir jede ordentliche Arbeit unmöglich, und das Leben wurde mir schon oft recht entleidet.“
Die Anwendungen waren folgende: 1) In der Woche zwei warme Haberstrohbäder, 30° ~R.~, von einer halben Stunde; darauf kräftig abwaschen oder ein kurzes kaltes Bad. 2) Jeden Tag einen Oberguß mit Knieguß. 3) In der Woche dreimal ganz waschen, so rasch als möglich, im Schweiß oder im Bette nachts. 4) Täglich am Morgen und am Abend eine Tasse Tee von fünf bis sechs frischen Holderblättern, fein zerschnitten, fünf Minuten lang gekocht.
In vier Wochen war dieser Wirt vollständig gesund, so daß seine Bekannten sein Aussehen als geradezu verjüngt erklärten.
Damit weiterhin diese Krankheit sich nicht wieder einniste, kann er alle Monate ein solches Bad nehmen und jede Woche ein- bis zweimal sich ganz waschen im Schweiß oder in der Nacht vom Bett aus.
Ein Gewerbsmann kommt und erzählt: „Bei mir sind beide Füße stark angeschwollen, ganz steif, und ich bin nie ohne Schmerzen, kann oft nicht eine Stunde in der Nacht schlafen; besonders in den Gliedern ist der Schmerz am heftigsten; meine Arme sind auch ganz steif und tun mir recht wehe; Appetit hätte ich; aber wenn ich esse, treibt es mich auf, so daß ich kaum mehr zu atmen vermag; ich kann fast gar nicht mehr gehen und bin so voll Schwindel, besonders beim Aufstehen, daß ich kaum mehr weiß, wo ich bin. Ärzte habe ich viele gehabt, habe recht viel eingenommen, aber soweit ich urteilen kann, hat sich meine Lage bei allem, was ich versucht habe, nur verschlimmert; ich habe mir schon oft den Tod gewünscht.“ Der Betreffende war ziemlich stark und sah mehr einem wohlgenährten Bräumeister gleich als einem Gewerbsmann, obwohl er nur einfache Kost hatte und nicht besonders viel Bier trank. Er war ungefähr fünfzig Jahre alt. Nach Aussage der Ärzte sollte Herzverfettung die erste Ursache zu diesem Elende sein.
In fünf Wochen war dieser Kranke von seinen vielen Übeln befreit, und er freute sich, seine Gesundheit wieder vollständig erlangt zu haben. Was hat ihm geholfen? 1) Die Füße wurden zuerst jeden Tag, dann jeden zweiten und später jeden dritten Tag mit Heublumen eingebunden, nämlich die Heublumen kamen auf die bloße Haut, ein Tuch wurde darüber gewunden, und zwar warm, zwei bis drei Stunden lang. 2) Jeden zweiten und später jeden vierten Tag mußte er ein Hemd anziehen, in Heublumen-Absud getaucht. Als die Geschwulst an den Füßen großenteils verschwunden war, bekam der Kranke jeden Tag einen Oberguß und Knieguß und auch Halbbäder. Dies wurde fünf Wochen fortgesetzt.
=Grieß-= und =Steinleiden=.