Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit

Part 23

Chapter 233,556 wordsPublic domain

+Arme Eltern+ brachten ihren Knaben von zehn Jahren und erzählten folgendes: „So oft man zur Kirche läutet, fängt der Bube an zu toben und in der heftigsten und gräßlichsten Weise die entsetzlichsten Flüche auszustoßen, Flüche und Schwüre, die wir in unserem Leben noch nie gehört haben. Er flucht so lange, als er die letzte Person auf dem Kirchwege sieht. Dann hört er auf. Sobald aber nach vollendetem Gottesdienste der erste Andächtige die Kirche verläßt, fängt er auch schon wieder an, zu schwören, und er schwört und flucht fort, bis er niemanden mehr erblicken kann. Wenn wir beten, so flucht er; hören wir auf, so hört auch er auf. Hochwürden, es ist schrecklich. Man mag anwenden, was man will, helfen tut gar nichts, am wenigsten das Einreden; das macht ihn nur noch heftiger. Seine Mutter packte er einmal mit beiden Armen wie mit Krallen und schüttelte sie derart, daß man nicht glauben sollte, wie ein Knabe so viel Kraft entwickeln könnte. Ärzte sind mehrere befragt worden, geholfen hat nichts. Benediziert wurde er auch; da hat er noch am ärgsten geflucht usw.“

Der Knabe hatte ein ganz +sonderbares Aussehen+: abgestandene Gesichtsfarbe, im höchsten Grade wildaussehende Züge; die Haare standen, wie beim Igel die Stacheln, senkrecht in die Höhe. Ich unterstand mich, seine Hand anzufühlen; er wollte mir sofort ins Gesicht springen. Zwei Priester, welche den schrecklichen Zustand gesehen hatten, sagten: „Wer an eine Besessenheit glaubt, muß sagen: hier ist sie.“

Ich faßte das Leiden von Anfang an +ganz natürlich+ auf und täuschte mich auch dieses Mal nicht; in sechs Wochen war das arme Kind vollständig geheilt. Ich ließ den Knaben täglich auf 1 bis 1½ Stunden +ein Hemd+ anziehen, das in Wasser (mit etwas Salz) getaucht war, ebenfalls +täglich einmal+ mit einer Mischung von +Wasser und etwas Essig ganz waschen+. Beides dauerte +vierzehn Tage+ lang. In der dritten Woche bekam er den einen Tag ein (oben beschriebenes) +Hemd+ angezogen, den andern Tag auf eine halbe Stunde ein +warmes Bad+ von 28° ~R.~ im Wechsel mit einem kalten (eine halbe Minute), am dritten Tage eine +Ganzwaschung+. Dieses waren die Übungen der dritten und vierten Woche. In der fünften reichte aus ein +nasses Hemd+, in der sechsten und letzten ein +warmes Bad+ mit rascher kalter Abwaschung.

Die Umänderung und Besserung vollzog sich rasch. Der ganz kalte Knabe wurde wieder warm, der verlorene Appetit kehrte wieder, und er ließ sich die Milch- und Mehlkost, welche die armen Eltern mit Freuden ihm reichten, trefflich schmecken. Aller Spuk war wie weggeblasen.

Einer der Leser wird vielleicht fragen: „Warum denn wendet der Pfarrer +bei solchen Kranken keine Güsse+ an, da doch in unseren Irrenanstalten die Tobsüchtigen besonders mit Douchen usw. behandelt werden?“ Nach meiner unmaßgeblichen Meinung darf ein Jäger (doch vielleicht ist’s Jägerlatein?), der einen Fuchs aus seiner Höhle locken will, unmittelbar vor das Loch hin nicht schießen. Besser wird’s sein, den listigen Reinecke mit einer Lockspeise (etwa einem Huhn oder Spanferkel) zum gefälligen Herauskommen einzuladen. Nun höre, mein lieber Leser! Wo eine Krankheit drinnen steckt, da steckt auch Krankheitsstoff. Diesen auflösen und ausleiten, das heißt den Fuchs locken und fangen. Eine Douche aber löst nicht auf, leitet aber auch nicht aus. Ist einmal aufgelöst und ausgeleitet, dann hat die leichtere Douche einen Sinn, dann laß ich sie mir auch recht wohl gefallen.

Vor neun Jahren kam +ein Mädchen+ zu mir und erzählte, wie folgt: „Mein Bruder ist schon mehr als ein Jahr im Irrenhause. Er wurde für unheilbar erklärt. Nun bekomme ich ganz dieselben Zeichen, die mein Bruder vor dem Ausbruch der Krankheit hatte. Ich hatte bisher gedient, mußte aber meinen Dienst verlassen; denn ich kann nicht mehr arbeiten. Wenn ich keine Hilfe erhalte, komme ich in Bälde zu meinem Bruder in die Irrenanstalt.“

Auf +verschiedene Fragen+ erhielt ich den Bescheid, daß der Appetit sehr wechsle, manchmal gut sei, manchmal ganz fehle; daß ferner, sobald das heftige Gliederreißen nachlasse, ebenso heftige Brustschmerzen folgen, daß die früher dichten und langen Haare schon mehr als zur Hälfte ausgefallen seien. Sofort war mir klar, daß hier +recht verdorbene Säfte+ ihr Unwesen trieben, und daß das sicherste Zeichen ihres gänzlichen Ausscheidens darin bestehe, wenn die Haare auf dem halbkahlen Schädel wieder festen Fuß faßten und in alter Stärke von neuem weiter wüchsen.

Die Kranke +wendete+ nacheinander +folgende Übungen+ an: zuerst +täglich das nasse Hemd+, getaucht in Salzwasser oder in Wasser mit Essig gemischt; ebenso +täglich lauwarme Halbbäder+ mit kräftiger kalter Waschung des Oberkörpers (höchstens eine Minute). Es war Sommerszeit. So ging sie +jeden Tag viel barfuß+ mit großem Erfolge, besonders im Morgentau. Dieses dauerte drei Wochen hindurch. Es folgten jetzt +warme Bäder im Wechsel mit kalten, sodann der Unterwickel+ (die Kranke bediente sich des Sackes), in Absud von +Heublumen+ getaucht. Die +ganze Kur+ währte bis zu vollständiger Herstellung +drei Monate+. Der starke und solide Haarwuchs wies auf gründliche Heilung. Die Person hat später geheiratet und ist gesund bis zum heutigen Tage.

+Ein Pfarrer+, in seiner Gemeinde hochgeschätzt und geliebt, kam vom Ausland ganz entmutigt zu mir. Er könne, so meinte er, seiner Pflicht gar nicht mehr nachkommen. Dieser Zustand, der sich in +großer Traurigkeit+, +in Mißmut+, +in Unfähigkeit zum Studieren+ äußerte, hatte früher schon einmal die Nachbarsgeistlichen veranlaßt, den Armen in eine Anstalt zu bringen. Daselbst verblieb er mehrere Wochen und kehrte ruhiger, aber ungeheilt in seine Heimat zurück. Er beriet mich, was doch zu tun sei, ob er die Pfarrei verlassen oder was er anfangen solle. Der Herr sah gesund, frisch und kräftig aus, was bei solchen Kranken so leicht täuscht und so viele harte, ungerechte und lieblose Urteile veranlaßt.[36] Wer näher zusah, konnte wohl bemerken, daß das Auge trüb, die Farbe verbleicht, die Haare erstorben waren.

Die +Anwendungen+ waren +dreifacher Art+: der +Kopf-+ und +Fußdampf+, +kalte Ober-+ und +Untergüsse+, +häufiges Gehen auf nassen Steinen oder ins Wasser stehen+, drei bis vier Minuten lang. Nach einigen Tagen folgten +warme Bäder+ im Wechsel mit +kalten Ober-+ und +Untergüssen+. Am sechsten Tage der Wasserkur zeigte sich ein +bläulicher Ausschlag+ auf dem Rücken. Je mehr dieser heraustrat, um so besser fühlte sich der Kranke. Als der Krankheitsstoff gänzlich ausgeleitet war, war der Pfarrer gesund. Das ganze Heilverfahren +dauerte vierzehn Tage+. Mit neuem Mut kehrte der seeleneifrige Priester heim in seine Gemeinde.

Gelbsucht.

Die Gallenblase liegt an der Leber und ist eine Art Sammelbehälter für die aus den Lebergängen herausfließende Galle. In den innerhalb der Leber gelegenen Gängen oder in der Gallenblase können sich Verhärtungen der Galle bilden, Gallensteine genannt, die entweder in der Leber oder bei der Weiterwanderung in dem Gallengange die Entleerung der Galle hindern. Aber auch durch Druck, durch Stoßen und ähnliche Übelstände können Zuschwellungen des Gallenganges eintreten, und dadurch kann die Galle ins Blut geraten. Dann entsteht die Gelbsucht. Sie entsteht auch gerne nach schweren Krankheiten, wie Typhus, starkem Fieber usw. Es kann aber auch die Leber krank sein und infolgedessen das Blut krankhaft oder gar nach und nach vergiftet werden. Kommt die Gelbsucht nur von Störungen her oder auch von anderen Krankheiten, so hat dies meistens wenig Bedeutung; kommt aber die Gelbsucht von einer Krankheit der Leber her, so bringt sie gerne den Tod. Die ersten Zeichen der Gelbsucht erblickt man im Weißen des Auges, dann in der Haut selber, im Stuhlgang und Urin; der Appetit läßt gewöhnlich nach, und auch der Geschmack ändert sich meistens. Ist die Leber gut, so hat diese Krankheit im Heilen keine Schwierigkeit. Nach innen ist besonders zu empfehlen: täglich drei- bis viermal, jedesmal drei bis vier Löffel voll, Wermuttee oder dreimal eine Messerspitze voll Wermutpulver in sechs bis zehn Löffeln voll warmen Wassers einnehmen. Salbei mit Wermuttee tut treffliche Dienste.

Täglich sechs Pfefferkörner mit der Speise verschluckt ist ebenfalls ein Mittel zu guter Verdauung. Im Essen und Trinken mäßig sein ist zu empfehlen. Die Milch als Nahrungsmittel ist vorzüglich.

Die besten Anwendungen mit Wasser sind: In der Woche zwei- bis dreimal ein kurzer Wickel und eine Waschung zur Nachtzeit vom Bett aus und gleich wieder ins Bett. Die gelbe Farbe bleibt oft Wochen hindurch, hat aber durchaus keine Gefahr. Wie man aus einem Stoffe nicht schnell eine Farbe herausbringt, so geht es auch bei der Gelbsucht. Geht aber die gelbe Farbe nach und nach über in braune und schwärzliche, nimmt der Appetit stets ab, ist ein allgemeines Beißen und Brennen in der Haut und steigert sich die Abmagerung mehr, dann ist aller Grund da, zu fürchten, die Leber sei unheilbar, und es trete Leberverhärtung, Leberkrebs oder eine ähnliche Krankheit ein.

Ganz besonders wirkt auf kranke Leber und Gelbsucht, jeden Morgen und jeden Abend eine Tasse Milch trinken, mit welcher ein Löffel voll Kohlenstaub mit Zucker vermischt ist.

Gelenkrheumatismus.

Es kommt +ein Herr+. Sein Aussehen ist krankhaft. Verschiedenes und schweres Unbekannte hat seinen Zügen eine tiefe Wehmut eingedrückt. Mir stieg beim ersten Anblick unwillkürlich der Gedanke im Kopfe auf: Der Mann leidet viel oder hat viel gelitten. Die ungesunde +Gesichtsfarbe+ zeigt ein unheimliches Gelb, +der Kopf+ nur mehr wenig (kaum den zwanzigsten Teil von früher) Haare. Der Mann selbst ist noch nicht vierzig Jahre; es ist ein Bild des Ernstes, großer Ruhe, aber auch, wie gesagt, ein +Leidensbild+. +Sein eigener Bericht+ lautet also: „Es stellten sich bei mir öfters Unterleibsleiden mit heftigen Kolikanfällen und Diarrhöen ein. Später bekam ich eine Nierenkrankheit, wie die Ärzte es nannten. Wenn die unsäglichen Schmerzen kamen, drehte es mich um wie eine Spindel, wie einen Kreisel. Nach Jahren verlor ich dieses Übel, dafür aber bekam ich diesen Gelenkrheumatismus. Mir ist’s, als wenn die Summe alles früher erlittenen Schmerzes in die Glieder gefahren wäre und jedes Glied eigens gepeinigt werde. Ich gebrauchte viele ärztliche Mittel. Das Ende war stets nicht die ersehnte Hilfe, sondern das alte Leiden. Mit großer Überwindung und großen Opfern konnte ich meinem Berufe bis zuletzt vorstehen; geklagt habe ich niemandem, es verstand mich ja weder der Arzt noch sonst jemand. Derjenige, welcher den Leidenden die Krone versprochen hat, weiß allein, was ich gelitten. Eines noch wäre vielleicht meinen Worten beizufügen. Ich hatte Fußschweiß; die angeratenen und angewendeten Mittel vertrieben ihn, aber mir war nicht gut. Auch Mineralbäder habe ich auf Verlangen des Arztes gebraucht; doch sie steigerten mein Übel. Peinlicher fast als aller Schmerz quälte mich im Innersten die Wahrnehmung, daß mancher meinte, die Sache sei doch nicht so arg; die Empfindsamkeit spiele bei mir eine große Rolle, man müsse sich überwinden und über derlei Dinge hinwegsetzen. Leiden tragen ohne Teilnahme heißt doppelt leiden.“

Die Erzählung hat lange gedauert, freundlicher Leser; aber sie war und ist lehrreich. Daß wir +gegen Kranke doch nie hart und ungerecht+ werden! Ein sonst tüchtiger Mann wird ja nicht plötzlich und ohne Grund wie eine feige Memme jammern.

Wer mag die +Wurzel all dieser Übel+ uns nennen, das Innere dieses recht kranken Körpers uns erschließen? Das Geheimnis ist nicht schwer zu erraten. Die Vordersätze hat uns der Kranke selbst in seinem Berichte gegeben; wir brauchen nur den Schluß daraus zu ziehen. Die gelbe Farbe, die häufigen Kolikanfälle, der zurückgedrängte Fußschweiß lassen auf einen +giftigen Stoff+ schließen, der, wie die Schlange im Versteck, im Körper lauerte, zuweilen züngelte und zischte, jetzt aber, bei dem letzten Anfall auf seine Beute schießt, d. i. alle Glieder erfaßt und sie mit seinem Biß bis hinein in die Gelenke und in das Knochenmark selbst vergiftet. Auch die +Haare+ fallen von einem sonst dichten und starken Haarboden nicht ohne Grund aus. Es muß sie ein innerer Sturm ausschütteln, wie der Herbstwind die fahlen und dürren Blätter von den Bäumen schüttelt. Oder ein giftiger Wurm, d. i. ein Giftstoff, muß deren Wurzeln töten.

Eine solide Heilung wird nur möglich sein, wenn dieser Giftstoff, der alles durchfressen hat, aufgelöst, ausgeleitet und der Körper dergestalt gekräftigt ist, daß er solche fatale Säfte nicht mehr aufkommen läßt. Mäuse vertilgt man mit Mausgift. Und das Gegengift für +unser Gift+, in welcher Materialienhandlung ist es zu kaufen? Mancher würde es gut bezahlen. Für künstliche Mittel ja, besonders wenn sie noch neu und unbekannt sind, zahlt man sein teures Geld; für die natürlichen und besten Mittel aber weiß man dem Geber alles Guten oft kaum ein kaltes „Deo gratias“, „Gott sei Dank!“

Im klaren Quell, im Bache, im Brunnen fließt das vielvermögende Heilmittel, das wir meinen. +Es ist das Wasser.+ Wie soll das Wasser heilen? So höre! Wenn die Hausmutter ihre Leinwand bleichen, d. i. ihr das blendende Weiße geben will, so taucht sie selbe ins Wasser, begießt sie öfters und läßt dann die liebe Sonne darauf scheinen. Das oftmalige Gießen weicht die sogenannten Rohstoffe auf, und die Sonne zieht sie alle aus. Das Linnen ist gebleicht auf der einen Seite, dasselbe Verfahren bleicht es auf der anderen. Durch und durch müssen zu gründlicher Bleiche der Wasser- und der Sonnenstrahl dringen, dann aber trübt das blendende Weiß, den Stolz der Hausfrau, auch nicht +ein+ trüber Fleck. Das ist klar. Machen wir die Anwendung! Der Körper unseres Kranken mit seinem gelben Hautüberzug gleicht wahrlich so einem ungebleichten Linnenstück. Ein Teil der Wasseranwendung muß die Feuchtigkeit, welche die Roh- d. i. die Giftstoffe auflöst, nach und nach bis ins Innerste eindringen machen; der andere Teil muß Wärme entwickeln, welche der Sonnenwärme gleich das Aufgelöste herauszieht. Noch eines. +Auch der Lauge+ bedient sich zuweilen die Hausfrau, welche nachhaltiger und schneller die Dienste des Wassers tut bei ihrem Linnen. Laugen können als +stärkere Auflösungsmittel+ auch wir bereiten. Wir kochen im Wasser verschiedene Vegetabilien, Pflanzen, und die trefflichste Lauge für die Körperbleiche ist fertig.

Doch kehren wir zurück zu unserem Falle! +Der kranke Herr+ mußte zuerst den +spanischen Mantel+ anlegen. Diesem folgte ein +Kopfdampf+ mit kräftiger Abwaschung, hernach ein +Fußdampf+. Beide Dämpfe ersetzten die beste Lauge (man kann mir glauben) und durften erst nach ordentlichen Zwischenräumen einander ablösen. Je schonender nämlich der Körper behandelt wird, um so leichter kann die Natur es aushalten und selbst mithelfen, die Krankheitsstoffe auszuleiten. Darauf nahm der Kranke +einen kurzen Wickel+ und, um die Natur zu stärken, einen +Ober-+ und +Unterguß+, von +sämtlichen Anwendungen abwechselnd täglich eine+; dazu +jede Nacht vom Bette aus eine Ganzwaschung+. So wurde drei Wochen fortgefahren. Die vierte und fünfte Woche erhielt er je +zwei Halbbäder+, +einen Kopf-+ und +Fußdampf+ und +einen spanischen Mantel+; die sechste Woche endlich zwei +warme Bäder+ im Wechsel mit kalten, ein +Halbbad+ und einen +Ober-+ und +Unterguß+. Für die weitere Zukunft empfahl ich dem Patienten wöchentlich +ein paar Ganzwaschungen+, +einen Ober-+ und +Unterguß+, monatlich ein warmes Bad ohne Wechsel.

Das Wasser strafte auch in diesem heiklen Falle das Vertrauen nicht Lügen. Das schwere Leiden, das ohne Zweifel einen frühen Tod gebracht hätte, verschwand. Das frische Aussehen, die verlorenen Kräfte kehrten wieder; an Stelle des gebrochenen Mutes trat neue Begeisterung zum Berufsleben. Die Stimme tönte klangvoll wie früher. Oft wiederholte sie mir das herzliche „Vergelt’s Gott!“ Demjenigen aber, von dem allein alles Heil und Gelingen kommt, sang sie ein freudiges und dankbares ~Gloria~: die Ehre sei Gott!

Ein Mann von ungefähr 40 Jahren hatte im rechten Fuß solche rheumatische Schmerzen, daß er nur mit Hilfe eines Stockes ganz kurze Strecken gehen konnte. Zeitweilig hatte er auch Schmerzen in den Armen und Schultern. Angewendet wurde schon verschiedenes, jedoch ohne Erfolg. Er nahm die Zuflucht zum Wasser, und in sechs Tagen fühlte er sich so ziemlich befreit, setzte die Anwendungen noch fort und wurde vollständig geheilt.

Die Anwendungen waren folgende:

1) Sechs Tage hindurch täglich zwei Obergüsse und zwei Schenkelgüsse, einmal in der Woche ein Wickel unter den Armen. Täglich zweimal im Wasser gehen bis über die Waden 1-3 Minuten. Jeden Tag ein Rückenguß und Grasgehen.

2) Nach diesen sechs Tagen Oberguß mit Knieguß im Wechsel mit Halbbad, letzteres +eine Minute+ lang.

Ein Bursche von 28 Jahren erzählt: „Ich habe bereits zwei Jahre keinen einzigen Tag, an welchem ich schmerzlos bin; der Anfang war auf dem Rücken, wo ich ein heftiges Brennen und Stechen empfunden habe, bald in schrecklicher Weise, dann erträglicher, nach und nach zog sich der Schmerz mehr in den rechten Schenkel bis hinunter; ich kann oft ganze Nächte nicht zwei Stunden ordentlich schlafen; bald peinigt mich die Hitze, bald kommt ein Kältegefühl, daß es mich schüttelt. Ich gebrauchte anfangs mehrere Ärzte ganz erfolglos; es wurden auch Einspritzungen vorgenommen, worauf die Schmerzen eine kurze Zeit gemildert wurden, aber gewöhnlich bald darauf viel ärger auftraten. Weil mir die Ärzte nicht helfen konnten, habe ich Pfuscher gebraucht; ich bekam Einreibungen, geistige Einwaschungen; aber alles, was ich getan, half mir nichts. Jetzt möchte ich den Versuch mit Wasser machen.“

Die Anwendungen waren folgende:

1. jeden Morgen um 8 Uhr ein Oberguß mit 2-4 Gießern voll kaltem Wasser,

2. um 10 Uhr ein Schenkelguß,

3. nachmittags 2 Uhr ein Schenkelguß und

4. abends im Wasser gehen.

So am ersten Tage. Am zweiten Tage: des Morgens Wassergehen, um 10 Uhr Schenkelguß, nachmittags 2 Uhr Rückenguß, abends 5 Uhr Sitzbad.

Am 3. Tage: Am Morgen Halbbad, um 10 Uhr Oberguß, nachmittags 2 Uhr Schenkelguß, um 5 Uhr Wassergehen.

Am 4. Tage: Am Morgen Schenkelguß, um 10 Uhr Halbbad, nachmittags Rückenguß und abends Wassergehen.

So wurde 12 Tage lang fortgemacht, und der Kranke war gesund. Um aber den Körper zu stärken, der durch die Schmerzen viel Kraft verloren hatte, mußte der Geheilte noch längere Zeit in der Woche ein- bis zweimal ein Halbbad nehmen und ein- bis zweimal im Wasser gehen.

Gelenkrheumatismus, chronischer.

Herr Graf N. leidet seit 35 Jahren an Rheumatismus. Im Jahre 1854 gebrauchte er die Bäder in Aachen, damals mit günstigem Erfolge. Im Feldzuge 1870/71 bekam er durch das viele Lagern auf freiem Felde wieder rheumatische Schmerzen am ganzen Körper in hohem Grade; auch diesmal erwies sich eine Badekur in Aachen recht günstig. Bald jedoch traten Rückfälle ein. Patient suchte berühmte Ärzte auf, aber ohne Erfolg; er machte eine Badekur durch in Aibling, später wieder in Aachen; diesmal wurde er indes durch die dortigen heißen, langdauernden Bäder außerordentlich geschwächt und ganz elend. -- Zuletzt, nachdem alles Angewandte fruchtlos gewesen war, entschloß er sich zur Wasserkur.

Am 20. Juni 1887 kam der Kranke nach unmittelbar vorausgegangenem zweimonatlichen Krankenlager hier an mit Rheumatismus am ganzen Körper, in den Fuß- und Kniegelenken, Hand- und Schultergelenken. Der rechte Arm war von den Fingern bis über den Ellenbogen dick aufgeschwollen, die Gelenke ganz unbeweglich; die Knie, ebenfalls geschwollen, konnten nicht gebraucht werden. Den kräftig gebauten, stattlichen Herrn hatte das lange schmerzhafte Leiden ziemlich stark angegriffen.

Die Behandlung bestand in folgendem:

1. Zweimal in der Woche +Wicklung+ von unter den Armen an bis zu den Füßen ganz hinunter, 1½ Stunden lang, das Tuch in 30° ~R.~ warmes Wasser getaucht, in welchem Haferstroh, Heublumen und Fichtennadeln gesotten wurden;

2. jeden Morgen und Abend den angeschwollenen Arm in solchem Absud eine bis zwei Stunden lang einwickeln;

3. in der Woche 2 Kräutervollbäder mit dreimaligem Wechsel;

4. dreimal wöchentlich einen Schal umlegen, eine Stunde lang.

Nach 14 Tagen war bereits wesentliche Besserung bemerklich.

Fernerhin gebrauchte Patient zu Hause:

1. Einwicklung des Armes wie bisher;

2. wöchentlich ein Kräutervollbad mit Wechsel;

3. dreimal in der Woche ein kaltes Halbbad, eine halbe bis eine Minute lang;

4. drei- bis fünfmal in der Woche ein Sitzbad von zwei Minuten Dauer.

Durch Gebrauch dieser Anwendungen erfolgte eine gänzliche Abschwellung des kranken Armes und der Knie und Wiederherstellung der Beweglichkeit.

Zur weiteren Ausheilung wurden im September 1887 angewendet:

1. ein warmes Handbad, Einwicklung der Hand in angeschwellte Heublumen und gleich darauf kalte Abwaschung der Hand;

2. in der Woche drei- bis viermal ein Halbbad;

3. viermal wöchentlich ein Oberguß.

Der Erfolg dieser Kur gestaltete sich sehr günstig. Die Gelenke wurden ganz frei von Schwellung und Schmerz und vollkommen beweglich; das Gesamtbefinden und der Lebensmut des Herrn Grafen waren seitdem ausgezeichnet. Derselbe befindet sich so wohl, daß er stundenlang ohne Ermüdung zu marschieren vermag, und nachdem er -- ein passionierter Weidmann -- Jahre lang krankheitshalber auf die Jagd hatte verzichten müssen, konnte er im nämlichen Herbst wieder neun Tage lang eine Jagd mitmachen zum Erstaunen der anderen hohen Herren.

Um gesund zu bleiben, ist täglich eine der Abhärtungsanwendungen vorzunehmen: ein Halbbad oder Vollbad oder Wassergehen.

Gemütsleiden.

„Seit mehreren Jahren leide ich an Gemütsverstimmungen, Kopfweh, krampfhaften Gesichtsschmerzen, viel Rheumatismus, viel Schwitzen am ganzen Körper. Mehrere Ärzte wollten mir Hilfe bringen, aber umsonst.“

In vierzehn Tagen waren diese traurigen Zustände beseitigt; um den Körper für die Zukunft zu stärken und abzuhärten, genügte in der Woche ein Halbbad und eine Ganzwaschung. Die Anwendungen der ersten vierzehn Tage waren: 1) In der Woche zweimal ein Hemd anziehen, in Salzwasser getaucht, um die krankhaften Stoffe auszuleiten. 2) Zweimal in der Woche ein Halbbad, um den Unterleib zu stärken. 3) Zweimal wöchentlich eine Ganzwaschung, um den Körper zur Tätigkeit zu bringen.

„Ich komme, um mich bei Ihnen wegen einer gemütskranken Person zu befragen. Ein Weib, 38 Jahre alt, mag nichts mehr tun und kann auch nichts mehr tun. Sie lebt so traurig dahin, bekümmert sich nicht mehr um ihren Mann und ihr ganzes Hauswesen. Sie flieht, wo möglich, alle Leute und geht gar nicht mehr aus dem Hause. Sie ist schon ziemlich abgemagert und was man ihr bisher eingegeben hatte, war ohne Wirkung.“

Anwendungen: 1) Jeden Abend, wenn die Kranke im Bett warm ist, den ganzen Körper mit Wasser und etwas Essig ganz waschen. 2) Täglich zweimal ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, vierzehn Minuten lang. 3) Täglich zweimal jedesmal zwanzig Wermuttropfen in Wasser einnehmen. Nach drei Wochen war der Zustand ziemlich gut. Weitere Anwendungen: 1) In der Woche zwei kurze Wickel. 2) Zweimal wöchentlich eine Ganzwaschung. Vierzehn Tage später bloß in der Woche einmal ganz waschen und drei- bis fünfmal wöchentlich im Wasser gehen.

Geschwüre.[37]