Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit

Part 21

Chapter 213,651 wordsPublic domain

Kommt ein derartiges größeres Geschwür nicht zur Entwicklung, zum Aufbrechen, „wills“ nach dem Volksmund „nicht heraus“, so färbt sich nach und nach die kranke Stelle blau und rotbraun. Das Blut steht ab, und das abgestandene Blut wird und wirkt giftartig. +Ein Biß+ der unheimlichen Klapperschlange, ein Tropfen Schlangengift ins Blut, und nach einigen Minuten tritt der Tod ein. Solches Blut ist Gift. Mischt es sich mit dem gesunden Blute, so vergiftet es auch dieses, es beginnt eine Blutvergiftung. Kann sie nicht aufgehalten werden, so endet sie stets mit dem Tod. +Nicht anders haben wir uns den Prozeß im Inneren zu denken.+ Die Vergiftung vollzieht an edlen Organen ihr Werk nur schneller und wütet unheilvoller und schrecklicher. „Er unterlag einer Blutvergiftung,“ wie die heutige Sprache sich ausdrückt, oder: „Er ist am Brand gestorben,“ wie die alten und gemeinen Leute sagen -- das sind beides nur verschiedene Ausdrücke für dieselbe Sache.

Martin, ein schöner, starker Mann, bekommt heftiges Fieber. Zuerst schüttelt ihn entsetzlicher Frost. Dann quält ihn brennende Hitze. Der Kopf ist so heiß, daß der Arzt auf eine Gehirnentzündung schließt. Das ganze Innere steht in Flammen; diese schlagen durch den glühenden Atem gleichsam zum Munde heraus, oder besser: wie die innere Glut den Holzhaufen verbrennt, so arbeitet die Glühhitze schrecklich, die inneren Organe in raschem Tempo zu verkohlen. Die Vorboten des Übels waren Kopfweh, Abgeschlagenheit, Mattigkeit und Frost. Außer dem Fieber aber fühlt der Kranke jetzt an keiner einzelnen Stelle besonderen Schmerz. Nach 10 Tagen war der Mann eine Leiche, und beim Sezieren stellte es sich heraus, daß das Gehirn intakt, unverletzt, daß der Arme vielmehr an einer Lungenentzündung gestorben war.

„+Wie hätten Sie diesen Fall behandelt?+“ fragte man mich. Zuerst eine +Vorbemerkung+. Dieser Fall zeigt sonnenklar, wie leicht die Diagnose (die Kunst, nach den Erscheinungen die Krankheit zu unterscheiden und zu finden) täuschen kann. Bei Lungenentzündung ist fast regelmäßig Stechen, Brennen in der Lungengegend, Husten und Brechreiz vorhanden. Unser Kranker fühlte davon nichts. Wie hart tut in derlei Fällen -- vielleicht komme ich später einmal in die Lage, davon mehreres zu sagen -- der Allopath! Und wohlgemerkt, es ist oft die höchste Zeit, die Feuersbrunst hat schon große Dimensionen (Ausdehnungen) angenommen. Die Feuerspritze darf das Feuer nicht verfehlen, sonst ist’s geschehen. Auch tropfen- und löffelweise kann ich da nicht mehr zu Werke gehen, die Tropfen zehrt das Feuer augenblicklich auf. +Mein einfacher Grundsatz+ in solchen verzweifelten Fällen -- und es wird ihn wohl niemand anfechten -- heißt: Wenn’s brennt, so lösche; lösche zuerst, wo es am meisten brennt; ist der ganze Körper +ein+ Brand, so lösche auch am ganzen Körper! Vielleicht wirst du Herr des ganzen Feuers; jedenfalls schwächst du es und hast zu weiterer Überlegung Ruhe und ein freies Ausschnaufen.

Dem Kranken hätte ich +während 3-4 Stunden jede halbe Stunde Rücken, Brust+ und +Unterleib+ waschen lassen. Die Wut des Feuers wäre so um vieles gedämpft worden. Dann hätte ich weiter gelöscht mit +Ober- und Unteraufschlägern+ -- Unteraufschläger zum Daraufliegen recht dick (mehrfach zusammengelegt) -- und mit +nassen Socken+ oder Tüchern bis über die Knöchel, letztere nach jeder Stunde neu eintauchend. Hatte der Kranke sonst gesunde Lungen, -- und mir scheint solches der Fall zu sein, wenn er im höchsten Stadium der Lungenentzündung keine Schmerzen fühlt, -- so sollte er menschlich gesprochen, d. h. wenn Gott in seinen ewigen Ratschlüssen nicht anders bestimmt hat, gerettet werden.

Epilepsie.

+Derart Heimgesuchte+ lasse ich nie berichten. Ich +frage sie nur+, wie lange sie dieses Übel schon haben, ob sie den Anfall, die Vorzeichen desselben jedesmal bemerken, wie alt sie seien, ob die Geisteskräfte noch frisch oder schon tief heruntergekommen seien.

Nach meiner Überzeugung hat auch diese Krankheit ihren +Hauptsitz im Blut+, sei es nun Blutarmut, krankhaftes, verdorbenes Blut oder ungeregelter Blutlauf. Meine Ansicht wird unterstützt durch die +oft+ sich wiederholende Tatsache, daß hervorgelockte Ausschläge, gleichsam die Niederschläge, die Ausdünstungen des Blutes, solchen Kranken stets dauernde und sichere Hilfe gebracht haben, daß ferner sogenannte Unheilbare stets durch Aufgedunsenheit, blaue Farbe (das sind Anstauungen von verdorbenem Blute) sich kenntlich machen.

Lauten die Antworten auf sämtliche Fragen günstig, was in der Regel bei jungen Leuten im Alter von 8-20 Jahren bei mir zutraf, so betrachte ich das sogenannte hinfällige oder fallende Weh als +krampfhafte Zustände+, anschließend an den Veitstanz, und als +heilbar+. Recht vielen konnte ich Hilfe bringen, selbst solchen, welche das +Übel von ihren Eltern geerbt hatten+.

Wurde insbesondere die Frage nach dem Wahrnehmen der Vorzeichen verneint (Zeichen der geschwundenen Geisteskräfte), war das Übel alt und mehr oder weniger schon Blödsinn eingetreten, so hatten die bemitleidenswerten Kranken, die zum Glück ihr Unglück nie tief fühlen, von mir nie etwas zu erwarten.

+Nach diesen Grundsätzen+ richtete ich jederzeit die +Behandlungsweise+ ein, die stets auf Verbesserung des Blutes und Regelung des Blutumlaufes abzielte. Ich suchte die Kranken vor +allem zur Abhärtung+ anzuleiten, besonders zu recht fleißigem +Barfußgehen+. Zur Sommerszeit ließ ich dieselben zuweilen ein +kaltes Bad+ nehmen, nie länger als eine Minute; zur Winterszeit wurde dieses Bad (ein bis zwei Minuten dauernd) etwas erwärmt. Dazu kam in der Woche zweimal ein +nasses Hemd+, in +Salzwasser+ getaucht.

Die durch letztere Anwendung oft zutage geförderten +Ausschläge+ werden behandelt nach den an eigener Stelle (siehe Ausschläge) angegebenen Regeln. Junge Leute ermahne ich jedesmal, sich doch an einfache, vernünftige, nicht verweichlichende +Kleidung+ zu gewöhnen, die Mädchen insbesondere, das verwerfliche, unnatürliche, krankhafte und krankmachende Einschnüren aufzugeben. Das tägliche Brot, das Essen sei einfach. Alle geistigen Getränke, wie Wein, Bier, Kaffee usw. müssen sorgfältigst gemieden werden. Die Arbeiten seien nie Kunststücke oder Kraftleistungen, sondern stets so, daß sie dem Vermögen und der Kraft angepaßt sind.

Fieber.

Anton kommt ins Zimmer und erzählt: „Ich bin nur mit Mühe noch über diese Stiege heraufgekommen. Meine Kraft ist ganz gebrochen; ich bin schon zweimal umgefallen. Auch habe ich schreckliches Kopfweh und bin bald wie eiskalt, dann folgt eine arge Hitze. Bisweilen fühlte ich ein Stechen, das wie der Blitz im Körper herumfährt. Ich merkte es schon einige Zeit; aber seit fünf bis sechs Tagen steigert es sich so, daß ich nichts mehr tun kann.“

Anwendung: Gehen Sie, Anton, nach Hause; legen Sie sich sogleich ins Bett, und wenn Sie ganz warm sind, waschen Sie sich mit kaltem Wasser den ganzen Körper, und ohne abzutrocknen legen Sie sich wieder ins Bett! So waschen Sie sich alle zwei Stunden, und wenn Sie stark in Schweiß kommen und der Schweiß eine halbe Stunde gedauert hat, waschen Sie sich wieder!

Anton kommt am dritten Tage und berichtet: „Mir ist’s schon ziemlich leicht; ich habe einigemal recht stark geschwitzt. Kälte und Hitze sind geschwunden; das Kopfweh hat aufgehört. Der Appetit will sich wieder einstellen. Ich fühle mich wohl, aber müde.“ Anton hat fernerhin ungefähr zehnmal innerhalb vierzehn Tagen sich gewaschen und erfreute sich dann voller Gesundheit. Er ist zirka 40 Jahre alt.

Flechten.

Viele Tausende von Menschen werden von Flechten gequält, ob sie es eingestehen oder nicht. Diese überaus lästigen Schmarotzer und Vampire verkriechen sich +sehr gerne unter die Haare+, auf den Rücken, die Brust usw. Sie scheuen aber auch das Tageslicht nicht und hängen sich wie Blutegel an die Arme, die Füße, und besonders gern zwischen die Finger fest. Diese Ausschläge können ein +Erbteil+ sein, aber auch die +Folgen schlechter Kost+ und +schlechter Getränke+, welche die Säfte ruinieren, nicht weniger die +Folgen ungeordneter Lebensweise+.

Sehr +bedenklich+ und +gefährlich ist’s+, diesen unsauberen Gast mit +scharfen Mitteln+, seien dieselben zum Waschen oder Einreiben (grüne Seife usw.) oder zum Einnehmen (Quecksilber, Arsenik u. a.), anzugreifen. Gar leicht können die Flechten verdrängt werden; aber bei zurückgedrängten Flechten sind die letzten Dinge viel ärger als die ersten, ganz abgesehen von Zerstörungen, welche scharfe, ätzende Mittel an und in der Haut anrichten.

Als +Regeln für die Heilung+ stelle ich folgende auf:

+Äußerlich+ darf +gar nichts+ angewendet werden als +lauwarmes Wasser+, um den Schmutz wegzuwaschen. Alles übrige ist vom und zum Übel.

+Speise+ und +Trank+ für solche Kranke seien leicht verdaulich, einfach, nicht wählerisch, aber so, daß sie gute Säfte abgeben und die vorhandenen verbessern. Alles Saure, scharf Gesalzene und Gewürzte, alle geistigen Getränke werden soviel wie möglich vermieden. Es sind wahrlich der Schärfen genug im Blute. Die +eigentliche Wasserbehandlung+ sei folgende: Man lasse den Kranken am ersten Tage einen +Kopfdampf+ nehmen und den +spanischen Mantel+ anziehen, am zweiten Tage den +Fußdampf+ und einen +Unterwickel+, am dritten Tage früh neuerdings den +spanischen Mantel+, nachmittags den +kurzen Wickel+. Am vierten Tag sei Ruhetag! Den fünften Tag hüte er das Bett und +wasche nach je zwei Stunden den ganzen Körper schnell kalt ab+! Im Verhinderungsfalle soll er außer Bett die Waschung morgens, mittags und abends vornehmen und sich darauf Bewegung machen oder an eine Handarbeit schreiten. +Die Anwendungen lassen in dem Grade und in der Zahl nach+, als die Flechtenbildung d. i. das Ausschwitzen und Ausströmen der unreinen Säfte von innen nach außen aufhört und die Neubildung der Haut fortschreitet.

+Noch eine Bemerkung+ finde hier ihre Stelle:

Die Unterscheidung der +Flechten+ in +nasse+ und +trockene+ hat auf deren Behandlung, beziehungsweise auf das Heilverfahren keinen Einfluß. Ich denke mir: beide Bezeichnungen werden ein und dasselbe Ding ausdrücken. Die trockenen Flechten sind jene, die weniger stark fließen, so daß die Flüssigkeit auf der Oberfläche der Haut sofort als Kruste vertrocknet. Die nassen Flechten sind die stark fließenden; deshalb lästiger, gefährlicher und schwerer zu heilen.

+Die Folgen von zurückgedrängten Flechten+ (überhaupt kranker, giftiger Säfte) sind +unberechenbar+. Schwere Krankheiten, die nächsten Folgen, bereiten ein langsames Siechtum vor, das den Tod bringt oder, was noch schlimmer ist, sehr oft, wie die Erfahrung zeigt, zum Wahnsinn führt.

Ein +Theologe+ hatte eine wie mit dem Zirkel gezogene +runde Platte+ an der linken Wange. Die Platte bestand aus einer Kruste, welche gleich dem Deckel das rohe Fleisch zudeckte und sich öfters in einer Stunde öffnete, nur um zwei bis drei Tropfen Eiter ausfließen zu lassen. Das Gesicht des Herrn war voll; am Kopfe konnte man mehrere kleine Pusteln wahrnehmen. Der Patient hatte mehrere Ärzte befragt und verschiedenes angewendet, aber ohne Erfolg.

Meine Frage, ob er sich vielleicht verwundet habe, verneinte er; +die Sache sei von selbst gekommen+. Jetzt schien alles klar zu sein. Die blasse, kranke Gesichtsfarbe, noch mehr der Massenausfluß von Unrat benahmen den letzten Zweifel. Der +Giftstoff kam aus dem Körper+.

Noch vor 20-25 Jahren machten sich viele Menschen künstlich sogenannte Fontanellen, d. h. sie gruben sich an einem Arme oder an einem Fuße eine Quelle, richtiger Kloake (einen wunden Fleck, den sie nie zuheilen ließen), in welchen der Körper allen Abschaum, alle schlechten Säfte abführte, weshalb die Stelle auch immer eiterte. In unserem Falle hat die kräftige Natur sich selbst eine solche Öffnung gebohrt und mit dem passenden Deckel versehen.

+Vierzehn Tage+ hindurch mußte der Kranke +jeden zweiten Tag+ einen +Kopfdampf+ nehmen, ebenso oft einen +Fußdampf+. Sodann kamen der +kurze Wickel+ und der +spanische Mantel+ zur Anwendung, so daß auf jeden Tag zwei, oft drei Anwendungen fielen. +Tee von Salbei+, +Wermut+ und +Minzen+ halfen innerlich zu raschem Erfolge mit. Unter der Kruste bildete sich schon bald ein zartes Häutchen, das sicherste Zeichen der vollendeten Auflösung und Ausleitung, d. i. der Heilung. Nach drei Wochen konnte man kaum mehr unterscheiden, auf welcher Wange die Kruste gesessen hatte.

Ein Mädchen, 25 Jahre alt, erzählt: „Ich habe am ganzen Kopfe einen starken Ausschlag, viele kleine Geschwüre unter den Haaren; meine Ohren sind voll großer Schuppen, und wenn sie von Zeit zu Zeit wegfallen, dann hat das Ohr keine Haut mehr. Kopfweh habe ich von Zeit zu Zeit stark, manchmal gar nicht. Die Augen brennen wie Feuer, und meistens läuft schmieriges Wasser heraus. Durch die Nase kann ich schon längere Zeit gar nicht mehr atmen. An meinem ganzen Körper habe ich ein so heftiges Beißen und Brennen, daß es mich im Schlafe oft aufweckt.“

+Anwendung+: 1) In der Woche zwei warme Bäder von gesottenem Haberstroh, 30 Grad, mit zweimaligem Wechsel; zuerst fünfzehn Minuten ins warme Bad, dann eine Minute ins kalte oder doch ganz mit kaltem Wasser waschen. 2) In der Woche zwei Kopfdämpfe, 20 bis 25 Minuten. 3) Zweimal in der Woche ganz waschen. 4) Täglich zweimal jedesmal 25 Wermuttropfen in acht bis zehn Löffel voll Wasser einnehmen.

In vier Wochen waren die Flechten und die ungesunden Stoffe im ganzen Körper so ziemlich beseitigt, und zur weiteren Ausscheidung und Kräftigung reichte aus, noch vierzehn Tage lang dieselben Anwendungen halb so oft vorzunehmen. (Siehe Kopfflechten.)

Ein ziemlich gut beleibter Gewerbsmann, zirka 40 Jahre alt, erzählt:

„Ich habe an den Vorderarmen und Händen, die Finger ausgenommen, seit zwei Jahren starke Flechten, auch an den Schenkeln, sowie Flecken auf Rücken und Brust und kann deshalb oft Nächte hindurch höchstens ein bis zwei Stunden schlafen. Sonst habe ich guten Appetit und Kraft.“

Die Anwendungen sind folgende: 1) In jeder Nacht ganz waschen. 2) In der Woche zwei warme Bäder von Haberstrohabsud, eine halbe Stunde lang, 28° ~R.~, nach je vierzehn Minuten ganz waschen und auch am Schluß des Bades. 3) Jeden Tag ein Oberguß und unmittelbar darauf ein Knieguß; dazu täglich zwei Messerspitzen voll weißes Pulver.

Nach vier Wochen kam der Mann vollkommen gesund zurück; um aber vorzubeugen, daß das Übel nicht mit der Zeit wiederkehren würde, mußte derselbe in jeder Woche sich zweimal in der Nacht ganz waschen und in jedem Monate ein oben genanntes Bad nehmen. Dazu erklärte er: „Wenn diese Anwendungen auch nicht notwendig sind, so werde ich sie doch vornehmen, um bei meiner dadurch gewonnenen Kraft und Frische zu bleiben.“

Fußgeschwüre.

Ein armer Taglöhner hatte viele Monate hindurch einen offenen Fuß, an welchem eine Öffnung war, so lang wie ein Finger und drei Finger breit. Dieser Mann, noch in den schönsten Jahren, hatte fast immer große Schmerzen und konnte nur selten einige Stunden schlafen. Sein Aussehen war recht krank und aller Mut verschwunden. Dem Patienten gab ich den Rat, er solle auf die wunden Stellen gekochtes ~Foenum graecum~, auf Flecken aufgestrichen, wie ein Pflaster auflegen, darüberher den ganzen Fuß von ober dem Knöchel bis über die Waden mit frischen Huflattichblättern umlegen und darüber die Strümpfe anziehen. Jeden Morgen und jeden Abend mußte er Pflaster und Blätter frisch umwinden und vom ~Foenum graecum~, zu Tee gesotten, nach je zwei Stunden zwei Löffel voll einnehmen. Dabei konnte er seinen Geschäften ohne Unterbrechung nachgehen. In vierzehn Tagen nach diesen Anwendungen waren zwei Dritteile dieser Wunde schon geheilt. Der Mann sah ganz gesund und frisch aus, hatte keine Schmerzen mehr und konnte gut schlafen. Drei Wochen später war der Fuß vollkommen geheilt. Zum Einnehmen des ~Foenum graecum~ wird ein kleiner Löffel voll in ungefähr einem Schoppen Wasser eine Minute lang gesotten, dann abgegossen und so löffelweise, wie bemerkt, eingenommen. Es nimmt die innere Hitze und wirkt heilend von innen heraus.

Fußleiden.

Ein +Beamter+ klagt über einen lange schon +offenen Fuß+, der ihm im Berufe recht hinderlich sei. „Die Wunde unten an der Wade,“ so erzählt er, „ist bedeutend, und es fließt täglich viel Unrat aus derselben; schrecklicher noch als die Wunde und Entzündung kommt mir vor die Farbe des Fußes. Derselbe ist um und um schwarzblau. Ärzte befragte ich mehrere. Neben anderem ließen sie mich viel Mineralwasser trinken. Alles vergebens!“

Der Mann, gegen 45 Jahre zählend, zeigt kräftigen Körperbau, etwas Anlage zur Korpulenz. Das Aussehen ist ziemlich gerötet; ich erkannte sofort den Bierfreund. Die Augenwinkel waren trüb, die Augen selbst etwas gelb, die Ohren hochrot. Auf die Frage, ob er sich sonst gesund fühle, entgegnete er: „Mir fehlt gar nichts, ich habe den besten Appetit, ein Trinker bin ich nicht; es schmecken mir täglich meine zwei bis drei Glas Bier recht gut. Mein Leiden ist ein rein lokales, eines der so häufigen Fußleiden.“

+Alle derartigen Kranken+ -- eine Ausnahme ist so selten wie ein weißer Rabe -- +klagen stets nur über die wehtuende oder fließende Stelle+ und +halten dafür, diese müsse zuheilen+ und so gesunden. Das +umgekehrte Verfahren+ indessen +ist das richtige+. Erst muß man den Körper heilen, erst alle unreinen Säfte aus ihm entfernen, und die Mündung der Kloake, die Fußwunde heilt dann von selbst zu. In der Tat existiert nach meinem Dafürhalten keine verderblichere Blindheit und keine schädlichere Torheit, als einen Fleck, eine Öffnung heilen, eine Pforte verschließen zu wollen, durch welche der kranke Körper sich oft allein noch retten kann. In den Bergen sammeln sich die Wasser; sie brechen durch, und es fließt ein kristallheller Quell. Ähnlich geht es in manchem Körper zu; es strömen die ungesunden Säfte nach einer Stelle hin und drängen und treiben, bis ein Durchbruch geschehen ist.

Die Natur selbst zeigt an, wie sie sich helfen kann und will. Wir binden ihr sozusagen Hände und Füße, verstopfen und versalben ihr die Rettungswege. Wenn da das Ende Untergang und Verderben der Natur, des Körpers ist, wer will sich wundern?

Dem Beamten riet ich, er solle +vierzehn Tage lang täglich+ einen +Unterwickel+ nehmen, je 1½ Stunden lang, und zweimal im +Tage den Oberkörper kräftig waschen+; dazu +wöchentlich einen Kopfdampf+ von 20 Minuten. Diese Anwendungen sollten den Körper reinigen, zugleich zur Ausscheidung der kranken Säfte kräftigen. Nach vierzehn Tagen kam der Kranke wieder; seine ersten Worte waren: „Ich habe das letztemal gesagt, ich sei nicht krank; jetzt aber weiß ich, daß ich recht krank war. Ich konnte nurmehr mit Mühe die Treppen steigen, so hart ging der Atem. Stets war ich ungewöhnlich aufgetrieben. Als ich dieses voll Angst dem Arzte sagte, meinte er, ich möge doch nur bedenken, daß ich allmählich älter werde. Jetzt aber,“ fuhr der Mann fort, „fühle ich mich ganz anders, wie neugeboren. Das Atmen geht leicht, und mir ist so wohl. Die Launenhaftigkeit hat mich früher fast zugrunde gerichtet; jetzt aber habe ich den heitersten Humor, und Essen und Trinken schmeckt mir wie nie zuvor. Daß man mir aber dieses früher nie gesagt hat! In diesen vierzehn Tagen,“ so schloß der Patient, „ging ungemein viel Urin ab; im Körper, besonders im Unterleib fühle ich mich viel leichter; schon lassen auch die Schmerzen im Fuße etwas nach, und der Schaden scheint gleichfalls zu heilen. Was muß ich weiter tun, damit der Fuß vollends heil werde wie der Körper?“

Der Beamte nahm +wöchentlich noch zwei Unterwickel+ auf je eine halbe Stunde und +täglich+ einen kräftigen +Oberguß+. +Auf den Fuß+ legte er täglich ein drei- bis viermal in lauem Wasser neu angefeuchtetes leinenes Läppchen. Sonst durfte am Fuße absolut nichts geschehen. Wenn die Quelle nicht mehr gespeist wird, hört das Fließen von selbst auf, und sie versiegt. Nach weiteren 14 Tagen kam der erfreute Beamte wieder; am gesunden Körper hatte er auch wieder einen gesunden Fuß. Seitdem hat er nie aufgehört, die Heilkraft des Wassers zu loben. +Ein so Geheilter soll+ (und dieses ist sehr wichtig), um die Ansammlung neuer Krankheitsstoffe zu verhüten, +die eine oder andere+ der erprobten +Anwendungen+ noch +längere Zeit+ hindurch +vornehmen+. Er wähle unter den Übungen jene, deren Wirkung er als die wohltätigste verspürte.

+Agatha+ litt seit Jahren an einem kranken Fuße, der von Zeit zu Zeit aufbrach, dann wieder von Zeit zu Zeit zuheilte. Über die unvermeidlichen Salbereien verliere ich kein Wort mehr, es würde mich nur aufregen. Der Arzt versprach der Kranken Heilung, wenn sie längere Zeit hindurch getreulich tun wolle, was er bestimme. Der Fuß wurde in ziemlich hohe Lage gebracht, so daß er im Bette etwas höher zu liegen kam als der Unterleib. Fast augenblicklich ließen die Schmerzen nach. Man brachte an die Wunde eine Kleinigkeit, ich weiß nicht was, und band sie gut ein. Der Kranken ging es vortrefflich; sie war ohne alle Schmerzen in dem kranken Gliede, und die Heilung machte große Fortschritte. Die Fußwunde war geschlossen. Plötzlich fühlte Agatha einen schweren Kopf und etwas Schwindel; doch sie machte sich nicht viel daraus. Nachts indessen überfiel sie eine solche Schwäche und Ohnmacht, daß der herbeigerufene Arzt erklärte, es trete schneller Marasmus ein, mit Agatha nehme es ein baldiges Ende. Nachts 12 Uhr noch mußte die Kranke versehen werden; fünf Tage lang lag sie regungslos da. Sie atmete mühsam und war geistesabwesend, wie betäubt. Am sechsten Tage kehrte die Besinnung wieder, mühsam brachte sie auch einige Worte zusammen. +Ohne Geheiß+ legte sie selbst +nasse Wickel um den Leib und den kranken Fuß+. Den zweiten Tag schwoll der Fuß bedeutend an und begann heftiger zu schmerzen. Der Kopf aber und die Besinnung wurden besser. Agatha wickelte den Unterleib und den Fuß mutig weiter ein. Der halbe Fuß entzündete sich heftig, und nach fünf Tagen brach er auf. Die Heilung, wie oben angegeben, war ein leichtes. Agatha erhielt ihre frühere Gesundheit wieder.

+Was aber hatte wohl der Anfall zu bedeuten?+ Am allerwenigsten einen Marasmus. Dem Knaben, der sich auf den Kopf stellt, muß das Blut zum Kopf strömen. Die vom Fuße gewaltsam (durch die erhöhte Lage) zurück und nach oben getriebenen Säfte stiegen der Brust und dem Kopfe zu und bewirkten die fatalen Erscheinungen. Die Wickel leiteten sie wieder nach unten, das Wasser öffnete die Wunde, und die kranken Stoffe, die ihre früheren Wege und Ausgänge offen fanden, ließen die Brust frei atmen und den Kopf frisch und leicht denken.

Daß jeder dieses recht beherzigte, der mit solchen „Bresten“ behaftet ist! Ich weiß gut: viele Ärzte der neuen Schule denken da ganz anders. Bei vielen Ärzten indessen, auch bei mir bleibt in dieser Beziehung alles beim alten. Ich halte und nenne +jede offene Stelle+, welche die Natur selbst sich gräbt, um das Ungesunde auszuwerfen, solange dieselbe fließt, eine +Gesundheits-+ und +Lebensversicherung+. +Wer kennt nicht Fälle genug+, daß Leute nach zugeheilten Füßen schnell gestorben sind? Und wer weiß nicht, daß, wenn solche offene Füße im Alter sich schließen, der Sensemann kein ferner Gast mehr ist?

+In einem mir vorliegenden Briefe+ steht wörtlich: „Mein Fußleiden ist wieder im Beginne. Das rheumatische Kopf- und Zahnleiden, an welchem ich vor vierzehn Tagen zum Rasendwerden litt, hat mich, seitdem ich am Fuße leide, gänzlich verlassen. Der eine oder andere Teil an meinem Körper ist immer leidend. Es herrscht bei mir ein +doppeltes Leiden+; entweder habe ich heftige Schmerzen im Körper, besonders in den Zähnen, oder wenn mich diese verlassen, arge Fußschmerzen, so daß ich nicht sagen kann, welches Übel ärger ist. Und ist eines von diesen zwei Leiden nicht in besonderer Stärke und Größe da, so bin ich am +ganzen+ Leibe nicht gesund.“ Soweit der Bericht.