Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit

Part 20

Chapter 203,596 wordsPublic domain

Die Anwendungen in der ersten Woche suchen den Körper, oben und unten angefangen, zu kräftigen;

die der zweiten Woche stärkten, wie den Körper im allgemeinen, so die Organe im Innern;

die der dritten Woche wirkten hauptsächlich auf die Kräftigung des Magens und der Gedärme.

Auf diese Weise wurde der +ganze+ Körper ausgebessert. Die Anwendungen der vierten Woche umfaßten den ganzen Organismus in allen seinen Teilen, und so ist die Ausheilung auch bei diesem Körper gelungen. -- Was innerlich gebraucht wurde, ist teils zur Aufbesserung der Verdauung, teils zur Kräftigung der inneren Organe geschehen.

Darmleiden.

Ein Priester, 45 Jahre alt, gibt an:

„Seit mehr als 25 Jahren leide ich an hartnäckiger Stuhlverstopfung und einige Jahre auch an Magenbeschwerden. Vor zirka acht Jahren machte ich eine Kaltwasserkur durch. Dieselbe besserte wohl meinen Magen, aber die Verstopfung blieb. Im Jahre 1885 trat auch Nierenleiden mit überschüssiger Harnsäurebildung und Grießbildung ein, wogegen mir der Arzt eine Traubenkur und nach dieser eine zehntägige Kur mit Glaubersalz verordnete, welche Kuren jedoch einen recht heftigen Dickdarmkatarrh zur Folge hatten. Nachdem ich mich allen möglichen Kuren vergeblich unterzogen hatte, wurde mir erklärt, mein Leiden sei unheilbar und könne wohl gelindert, aber nicht geheilt werden. Es quälten mich Schlaflosigkeit, Mangel an Appetit, Müdigkeit, Schwere in den Beinen, Unlust zur Arbeit, Schmerz und Druck in der Nierengegend und hochgradige Stuhlverhaltung mit Aufblähungen und Spannung des Unterleibes; die Füße waren stets kalt, der Kopf heiß, der übrige Körper leicht und stark schwitzend. -- In diesem Zustande entschloß ich mich nun doch zum kalten Wasser, vor welchem man mich so sehr gewarnt hatte.“

Dem Herrn wurde folgendes verordnet:

Täglich ein Oberguß, ein Rückenguß, ein Sitzbad; dazu je nach Bedarf ein Halbbad, Knieguß, im Wasser gehen. Am durchgreifendsten aber hat der spanische Mantel gewirkt, der ihm ein lieber Freund geworden ist. Nach 12wöchentlichem Kurgebrauche kam die Verdauung vollkommen in Ordnung ohne besondere Diät; der Ernährungszustand wurde vorzüglich, das Körpergewicht hatte um 13 Pfund zugenommen.

Diphtheritis.

Wer überfallen wird von Diphtheritis, muß bemüht sein:

1. die angehäuften Krankheitsstoffe sobald wie möglich zu lösen,

2. auf die ganze Natur einzuwirken, daß die ungeregelte Strömung des Blutes und der Säfte, welche der Barometer des Fiebers anzeigt, zur Ordnung komme. Man lasse einen solchen Kranken zuerst einen +Kopfdampf+ nehmen und nach je 20-24 Minuten den +ganzen Körper waschen+. Nach 6-8 Stunden soll er einen +Schal+ überlegen, 1½ Stunden lang, nach jeder halben Stunde denselben von neuem in frisches Wasser eintauchend. Dann nehme der Kranke einen +Fußdampf+, gleich darauf ein +Halbbad+ (ganz kalt) mit Waschung des Oberkörpers. In höchstens einer Minute kann das Halbbad und die Waschung vollendet sein. Es folgt von neuem der +Schal+, 1½ Stunden lang anzulegen, wie oben angegeben. Sind diese Anwendungen vorgenommen, so wiederhole man sie von vorne, auf jeden halben Tag +eine+ derselben verteilend. Der Kranke +gurgle+ nebenher fleißig mit +Zinnkrauttee+, täglich zum mindesten vier- bis fünfmal. Das garstige Übel wird sich in Bälde heben.

Alle die genannten Anwendungen sind so +schuldlos+, daß sie nie schaden können.

Hat der Kranke (es ist dies eine allgemeine Regel) +zur Nachtzeit+ Ruhe, tritt Schlaf ein, so soll man denselben +ja nicht stören+. Denn eingetretener Schlaf ist ja ein Beweis, daß die Natur in Ordnung (zur Ruhe) kommt, und seine stärkende Wirkung macht, daß die Anwendungen selbst um so bessere Erfolge erzielen.

Bei dieser Gelegenheit sei noch bemerkt, daß, wenn während irgend einer Anwendung, die das Bett vorschreibt, +ein Kranker in Schlaf+ kommt, man denselben +nie wecken soll+. Hat das Mittel, die Anwendung ihre Wirkung getan, so wacht der Kranke regelmäßig von selber auf.

+Ein Vater+ kommt und erzählt: „Mein Kind, 11 Jahre alt, kann gar nicht mehr schlucken und schon volle drei Tage kaum mehr atmen. Es ist voll Hitze und phantasiert. Wohl habe ich der Schwerleidenden ein nasses Tuch um den Hals gebunden, aber es geht noch nicht besser. Was soll ich tun, damit das Kind mir nicht ersticke?“ Der Jammer des bekümmerten Vaters, noch mehr die mißglückte Anwendung bewog mich, ihn zum Krankenlager zu begleiten. Da lag das Kind, ein Jammerbild, allem Anscheine nach verloren. Denn schon waren Zeichen da, die kaum mehr auf Rettung schließen ließen. Wagen wir es dennoch in Gottes Namen! +Jede halbe Stunde+ wurde während eines Tages +Rücken+, +Brust+ und +Unterleib+ mit +kaltem Wasser+ gut gewaschen. Da die entsetzliche Fieberhitze nicht weichen wollte, +kam auf den Unterleib+ nichts weiter als +ein in kaltes Wasser getauchtes Tuch+. Die Hitze mußte brechen. Am folgenden Tage kommt der Vater wieder und erzählt: „Das Kind ist bereits imstande, etwas zu schlucken, aber zu beiden Seiten des Kopfes schwellen die Backen (Wangen) gegen die Kinnlade zu ziemlich stark an. Das Reden ist kaum verständlich; doch freue ich mich namenlos, daß die Kleine wieder reden kann.“ Der Vater wurde angewiesen, rechts und links am Kopfe die Geschwülste mit Lappen einzubinden, die in Wasser, das mit Essig vermischt war, eingetaucht worden, und diese Umschläge nach jeder halben Stunde zu erneuern. Zudem soll er das Kind in der oben angegebenen Weise so oft an Brust, Rücken und Unterleib waschen, als sich dasselbe heiß und bange fühle. Am dritten Tage befand sich die Kleine außer aller Gefahr. Man setzte die Waschungen noch kurze Zeit fort, so oft die Hitze zu steigen begann.

+Gurgelungen+ mit +Tee+ von +~Foenum graecum~+ (ein Kaffeelöffel ~Foenum graecum~ in einem halben Schoppen Wasser gesotten und der im Bette sitzenden Kleinen öfters löffelweise gereicht) hatten vorzügliche Wirkung. +Tee der Malve+, +der Schafgarbe+, des +Wollkrautes+ würden dieselben Dienste erfüllen. Sehr gut ist auch, täglich drei bis vier Kaffeelöffel voll Baumöl (Salatöl) einzunehmen. Dieses nimmt die innerliche Hitze auffallend schnell.

Das Kind wurde gerettet und erfreut sich bis heute der besten Gesundheit.

Emphysem der Lungen.

Es kommt sehr häufig vor, daß Leute, welche noch im schönsten Alter stehen, sehr an Atembeschwerden leiden und nicht selten in die peinlichste Lage und Angst kommen, ersticken zu müssen.

Gewöhnlich sind solche Leute +ziemlich korpulent+, und die Lebensweise hilft auch noch als Nebenursache dazu, den Zustand ärger zu machen. +Hauptgrund des Übels+ ist gewöhnlich, daß der +Organismus an allgemeiner Schwäche+ leidet, matt und schlaff ist, wenig Blut hat und infolge der Untätigkeit und Schlaffheit die Blutvermehrung nicht so stattfindet, wie sie für den Körper notwendig wäre. Ich möchte solche Leute mit einer Maschine vergleichen, an der Rad zu Rad paßt, die gut in Ordnung, aber zu schwach ist für die Forderungen, die an sie gestellt werden. Ein +weiterer Grund+ sind fast regelmäßig die Gase, welche sich im Unterleibe anhäufen und einen Druck auf die +Organe+ des Oberkörpers üben. Dadurch werden diese mehr angestrengt, als sonst ihre Aufgabe es erheischt. Sie leiden unter diesem Drucke, und es tritt allseitige Beengung ein. +Das Übel wird gehoben+ einmal dadurch, daß die +Gase aus dem Körper verbannt+ werden, und dadurch, daß der +ganze Körper abgehärtet+ und durch Auswahl einer einfachen, guten, nahrhaften Kost gekräftigt wird. Meine mehr als 35jährige Erfahrung belehrte mich, daß gerade bei diesem Leiden die Brightsche Krankheit leicht die Oberhand gewinnt, d. i. daß der ohnehin schon geschwächte Körper durch diese Krankheit vollends aufgelöst, aufgerieben wird.

+Ein Herr+, ziemlich korpulent, noch nicht 40 Jahre alt, bekommt von Zeit zu Zeit solche Erstickungsanfälle, daß er der Überzeugung lebt -- der Arzt bestätigte ihm dieselbe --, er werde, wenn der Anfall noch zweimal wiederkehre, unterliegen. Die Atemnot war so groß, daß der Kranke, resp. sein Nach-Atem-Ringen, im unteren Stockwerke des Hauses gehört wurde. Oft meinte er, wie er sagte, er müsse vor Schmerzen und Todesangst an den Wänden hinauf. Diese Atemnot dauerte bei jedem Anfalle ziemlich lange und erschöpfte den Körper also, daß er sich jedesmal darnach ganz krank fühlte. Hatte er sich in kurzem wieder erholt, so fühlte er sich gesund und frisch. Die Anfälle blieben oft einige Tage aus, um so mehr aber steigerte sich ihre Heftigkeit.

Der genannte Herr besaß die größte Wasserscheu und konnte sich zur Wasserkur erst dann entschließen, als ihm keine andere Hilfe mehr blühte. Sechs Wochen hindurch gebrauchte er verschiedene Anwendungen. Die Heilung war eine so vollständige, daß die Anfälle niemals wiederkehrten und der Herr sich stets - es sind heute ungefähr 21 Jahre her -- der besten Gesundheit erfreute.

Der Patient nahm +mehrere Tage hindurch einen Tee von Dornschlehblüten+, der einen recht gelinden, aber ergiebigen Stuhlgang beförderte; dann gebrauchte er den +kurzen Wickel+, +Ober-+ und +Unteraufschläger+ und zuletzt +Halb-+, auch +Ganzbäder+ von der Dauer einer Minute. Unter den Anwendungen tat auch der +spanische Mantel+ gute Dienste. Am wirksamsten erwiesen sie sich in folgender Ordnung:

Erst der +kurze Wickel+; er beginnt die Gase auszutreiben und die Ursache der Gase zu lösen;

sodann der +Ober-+ und +Unteraufschläger+, eine Fortsetzung der ersten Anwendung, zugleich auf Kräftigung abzielend;

im weiteren der +spanische Mantel+; dieser leitet die verlegenen Stoffe aus der Haut;

endlich +Halbbäder+, welche den Organismus stärken.

Ein anderer Herr litt dermaßen an Atemnot, daß die Ärzte erklärten, es habe sich die +Herzwassersucht+ angesetzt. Dieser Herr war, wenn auch gut genährt, nicht besonders korpulent; gleichwohl konnte er nur mit größter Anstrengung eine Stiege steigen. Appetit war fast gar nicht vorhanden, der Schlaf recht unruhig; niemals war der Herr ohne Angst und Furcht. In seinem Berufe hatte der Patient früher reichliche Bewegung gehabt; später kam er in eine Kanzlei, und dieses sitzende, untätige Leben brachte ihn nach und nach in den eben beschriebenen peinlichen Zustand. Zur Heilung reichten ganz wenige und leichte Anwendungen von Wasser aus. Dieselben helfen auch jetzt noch, sobald das Übel sich von neuem zeigen will. Es hat sich seit zwölf Jahren öfters gemeldet, ist aber jedesmal schnell wieder beseitigt worden. Zu den Wasseranwendungen gebrauchte der Herr noch +Tee+, den er wegen seiner trefflichen Wirkung lieb gewonnen hat. Dieser Tee besorgt lediglich einen geregelten Stuhlgang und die Ausleitung der Gase aus dem Magen, erspart zugleich zahlreichere und stärkere Wasseranwendungen, die der Herr fürchtet, und zu denen manchmal die Zeit fehlt. Der Tee ist der +gelinde Wühlhuber+, und die Anwendungen sind folgende: Erschien das Leiden in einem +niedrigen Grade+, so reichte aus, +dreimal in der Woche einen Unteraufschläger+ zu nehmen, +jeden Morgen+ beim Aufstehen +Rücken+, +Brust+ und +Unterleib kräftig zu waschen+. Trat das +Übel+ etwas +stärker+ auf, so gebrauchte der Herr den +kurzen Wickel+ oder auch ein +Halbbad+. Mit diesen Übungen wurden verbunden +Waschungen+ zur +Nachtzeit+, die stets gute Dienste taten.

Es ist +sonderbar+, und oft +staune+ ich, wenn man +gegen solche Zustände die stärksten Mittel+ gebraucht, Mittel, welche für die Gesundheit niemals gute Folgen haben können; selbst mit Giften traktiert man leider nur allzu oft die armen Geplagten.[32] Letzteres insbesondere blieb und bleibt mir ein bis heute ungelöstes Rätsel. Ich muß mir stets Gewalt antun, um die innere Ruhe zu bewahren.

Ein anderer Fall von Emphysem.

Ein Pfarrer bekam Lungenentzündung in hohem Grade, nach dieser Lungenemphysem (Lungenerweiterung, Lungenblähung) und kam mit solchem Husten, daß er kaum anzuhören war. Das Aussehen war recht krank, Appetit wenig, die Kräfte im Abnehmen. Die Lunge wurde von den Ärzten noch als heilbar erklärt.

Die Anwendungen waren folgende: Vierzehn Tage hindurch 1) jeden Tag zwei Obergüsse; 2) jeden Tag zweimal im Wasser gehen drei bis fünf Minuten lang; 3) dreimal wöchentlich ein Schal; 4) jeden zweiten Tag ein Sitzbad eine Minute lang.

Einzunehmen bekam der Kranke Absud von ~Foenum graecum~ mit Honig gekocht, womöglich jede Stunde einen Löffel voll.

Die Wirkung war: die Aufgüsse kräftigten den oberen Körper. Der Husten war anfangs noch stärker, Schleim ging jedoch sehr viel heraus. Nach drei Tagen verminderte sich Husten und Auswurf, und in zwölf Tagen war nur mehr ein kleiner Rest von Verschleimung übrig. -- Dieser wurde beseitiget durch weitere Anwendungen von Oberguß, Knieguß und Tee von Brennnesseln und Spitzwegerich. Nach etwa drei Wochen trat vollkommene Besserung ein.

Entkräftung.

Ein Schmiedmeister, 46 Jahre alt, kommt und klagt: „Meine Hände haben seit etwa zwei Jahren so an Kraft abgenommen, daß ich mit dem Hammer nicht mehr zurechtzukommen weiß. Wie meine Arme zwei Drittel der Kraft verloren haben, so sind dieselben auch um mehr als die Hälfte dünner geworden; sonst wäre ich ziemlich gesund. Nur fühle ich seit einem halben Jahre auch meine Füße viel schwächer werden, und daß sie besonders gegen Abend wehe tun. Der Appetit ist ziemlich gut, jedoch nicht wie früher. Auf meinem Rücken, am oberen Kreuz merke ich oft eine gewaltige Spannung.“

An den mageren Händen sieht man nur mit Mühe, wo die Adern sind; man erkennt leicht, die Arme werden nicht genährt, daher die Schwäche, Steifheit und Kälte. Blutanstauungen im Nacken und in dessen Umgebung mögen die Ursache sein, daß das Blut nicht nach allen Richtungen hin gelangen kann.

Der Schmied hielt vierzehn Tage hindurch täglich einmal die ganzen Arme in ein Heublumenbad eine halbe Stunde lang und einmal zu anderer Tageszeit zwei Minuten in kaltes Wasser; dazu kam wöchentlich dreimal der Schal. Schon während dieser Kur wurden die Arme fester, die Adern schwollen an, die Anstauungen wurden aufgelöst. Nach 14 Tagen wurde täglich ein Ober- und Unterguß, in der Woche zweimal ein warmes Heublumenbad und zweimal ein Kaltwasserbad für die Arme genommen. Der Mann fuhr damit fort und wurde wieder fähig zu seinem Beruf. Innerlich gebrauchte er während der Kur täglich zwanzig Wermuttropfen in warmem Wasser.

=Entzündung.= (+Allgemeines.+)

Ein Knabe, der kaum recht gehen konnte, sieht, wie die Mutter Licht gemacht hat. Er gibt sich alle Mühe, so ein Hölzchen zu erwischen; er will auch Feuer machen. Es gelingt ihm, und der kleine Übeltäter zündet mit dem Streichhölzchen ein mächtiges Feuer an. Das ganze Haus brennt ab und alles, was darinnen ist.

Wie viele tausend Menschen liegen auf den Gottesäckern, bei denen sich gleichsam so ein +kleiner Funken krankhaften Stoffes im Körper entzündet hat+; der Funken wurde zur Flamme. Von allen Seiten drang das Blut zur entzündeten Stelle und gab neuen Zündstoff. Es goß Öl in die Flamme, und die Flamme wurde zum großen Feuer. Es waren vielleicht nicht die richtigen Anstalten zum Löschen getroffen worden, und die armselige Hütte der menschlichen Seele brannte elendiglich zusammen. Tausende von Tieren gehen so jährlich zugrunde. Abertausende von Menschen ereilt ein gleiches Schicksal. +Wie schnell geht das oft?+ Dein Hals hat an einer Stelle Feuer gefangen, er ist entzündet. Es kommt zufällig ein rauhes Lüftchen und tut Blasbalgdienste; es bläßt das Feuerchen an, die Adern liefern neuen Brandstoff, und in wenigen Stunden steht +der Hals in Brand+. Ist’s nicht so? Was tun? +Was tun die Leute, wenn’s brennt?+ Sie schreien Feurio und suchen zuerst zu retten, was zu retten ist. Dann entfernen sie, wenn es Zeit ist, von der Brandstelle in aller Eile alles, was dem Feuer nur Futter sein kann, und spritzen dann darauf los, bis der Feuersnot oft die Wassernot folgt. Diesen Wink wollen wir verstehen und ausnützen.

Wenn irgend eine Entzündung eintritt, so suche man möglichst bald das auf diese Stelle zuströmende Blut zurückzuleiten. Man rette das noch nicht entzündete Blut. Ebenso wirke man auf die entzündete Stelle ein, damit das zusammengeströmte Blut möglichst verteilt und abgeleitet werde.

Unlängst ging nachts, als ich eben einschlafen wollte, das Holz im Ofen an. „Fatale Geschichte!“ dachte ich; „bis dieser Scheiterhaufen abgebrannt ist und ausgeknistert und ausgeprasselt hat, geht die halbe Nachtruhe hin.“ Mein Nachbar war gescheiter. „Nicht das Knistern, meine Ruhe will ich haben,“ murmelte er. Und was tat er? Er nahm Scheit für Scheit, ob’s flammte, ob’s schon knisterte, heraus. Und aus war alles Feuer. Das ist doch klar.

Doch nun zurück zur +Halsentzündung+! Greif einmal die Füße an und fühle, ob sie nicht vielleicht eiskalt sind! Manchmal trifft dieses zu. Wo mehr Wärme ist, entstehe sie, wo sie wolle, strömt mehr Blut zu. Das Blut in den Füßen ist gleichsam davon- und dem Brande im Halse zugeeilt. Wickle die +Füße+ ein +in linnene Lappen, die in mit etwas Essig vermischtes Wasser+ eingetaucht sind! Bald schon wirst du große Wärme verspüren. Der Fußwickel zieht das Blut nach unten, und +etwas Brennstoff ist dem Feuer schon genommen+. Suche sodann +das Blut weiter abzuleiten in den Unterleib+! Dieses geschieht durch +Auflegen+ eines größeren, in derselben Weise durchnetzten +Tuches auf den Unterleib+. Sollte es recht heiß werden, so tauche es von neuem in ein kaltes Wasser, und zwar so oft, als die Hitze groß und das Tuch warm wird! Mehr Brennstoff als durch die erste Anwendung wird durch diese zweite dem gefährdeten Halse entzogen. Und nun kannst du +den Hals selbst angreifen+, den eigentlichen Feuerherd. Tauche ein Tuch ins kälteste Wasser und binde es um; laß das Tuch aber nicht zu heiß werden;[33] erneuere vielmehr dessen Eintauchen, so oft es recht warm wird!

Lässest du es heiß werden, so entwickelt sich auch am und im Halse wieder mehr Wärme, und das Blut, das zum Teil abgeleitet ist oder noch vollends abgeleitet werden soll, strömt von neuem dem Halse zu und droht die Entzündung frisch anzufachen. Wer diesen letzten Punkt, über den schon soviel gestritten wurde, mit mir also auffaßt, wird nach kurzer Praxis bald sein eigener bester Wärter. Er fühlt am besten, wo Hitze weggetrieben, wann der Aufschlag oder Wickel erneuert werden soll. Darnach appliziert und wiederholt er die Wasseranwendungen. Der Hitzegrad wird ihm der Zeiger an der Uhr: zeigt jener auf Null, d. h. ist das Feuer gedämpft, so läßt er den Körper in Ruhe; zeigt er auf geringere oder höhere Zahlen, d. h. nimmt das Feuer zu, so eilt er ohne Säumen neuerdings zur Feuerspritze.

Entzündung edler Körperteile: Lungen-, Brustfell-, Zwerchfell- und Unterleibs-Entzündung.

+Margareta+ liegt zu Bett. Sie hat heftigen, trockenen Husten, verbunden mit viel Brechreiz, und von Stunde zu Stunde nimmt die Hitze zu. Gewaltiges Stechen und Brennen peinigt die Brust und die eine Seite. Der Arzt erklärt, es sei eine +Lungen-Entzündung+ im Anzug. Wie kann der Kranken geholfen werden? Jedes Kind weiß, daß ein Schwamm ungemein viel Wasser einsaugen und behalten kann. Sollte es nicht auch Mittel geben, welche, wie der Schwamm das Wasser, die Hitze an sich ziehen, gleichsam einsaugen und behalten? Ja, es gibt solche Mittel, und sie liegen nicht ferne. Jede Bauersfrau bei uns auf dem Lande kennt den +Topfenkäs+. Anderwärts nennt man ihn Zieger; er wird gewonnen aus der geronnenen (gestockten) Milch.[34] Solchen Topfenkäs rührt man mit Topfenwasser zu einer feinen Salbe an, streicht ihn etwas mehr als messerdick auf Leinwand und legt das Pflaster auf die stechende oder brennende Stelle, an der das Feuer der Lungenentzündung um sich greifen will. Ich kenne kein Mittel, welches mehr Hitze an- und einzuziehen imstande ist. Die stärksten Hitzen habe ich so dämmen und ganz auslöschen sehen, wenn man +täglich+ zwei- bis viermal, je nach dem Grade der Hitze, so ein Pflaster auflegte. Viele kenne ich, die hauptsächlich bei Lungenentzündung ihr Leben allein dieser so einfachen Auflage verdanken.

+Innerlich+ soll der Kranke jeden halben Tag zur Kühlung einen +Löffel voll Salatöl+ einnehmen.

+Reichen diese zwei Mittel nicht aus+, d. h. sollte die Hitze noch groß bleiben, so können +Wasseranwendungen+ folgen. Man wickle den ganzen Körper des Kranken von unter den Armen an in ein naßkaltes Tuch ein (Unterwickel) und wiederhole dieses täglich zweimal. Von der jedesmal notwendigen Umhüllung spreche ich nicht mehr. Man sehe vorn nach bei der Beschreibung der Anwendungen. Oder man +umbinde beide Füße bis über die Knöchel+ mit in Wasser (eine kleine Beimischung von Essig kann nur gut sein) getauchten Tüchern und erneuere das Eintauchen so oft, als die Tücher recht heiß werden. Statt der Tücher kann man auch +nasse+ Socken anziehen, darüber als Umhüllung trockene.

Wendet die kranke Margareta 3-5 Tage das Pflaster an, gleich beim Beginn der Krankheit, so kann sie in 6-7 Tagen, längstens in 9-10 Tagen wieder gesund sein.

Wie die Lungen sich entzünden, ebenso können auch andere edle Teile des Körpers entzündet werden. Wir sprechen von Brustfell-, Bauchfell-, Unterleibs- und anderen Entzündungen. Bei allen gelten dieselben eben berührten, allgemeinen Grundsätze und dasselbe Heilverfahren: Verteilung, d. i. Ableitung des Blutes, Kühlung der entzündeten Stelle, d. h. Entziehung der Hitze durch Einwirken von Kälte.

Mitternachts wurde ich einst zu einem Kranken gerufen. Er wußte nicht mehr zu atmen. +Husten+ und Brechreiz waren groß. In der Brust, besonders auf der einen Seite -- so klagte er -- gehe es zu, wie wenn man sie mit Messern durchsteche; der ganze Körper glühe schrecklich. Ich providierte den Kranken nicht, wie die Angehörigen baten, und bereitete ihn nicht zum Tode vor. Aber ich ließ ihn von unter den Armen an in nasse Tücher einwickeln (Unterwickel) und auf die schmerzende Stelle ein Topfenpflaster auflegen. Zum Einnehmen erhielt er einen Löffel Salatöl. Das tat wohl. Sechs Tage wurde so fortgefahren, und der Todkranke war außer Gefahr.

+Stirbt jemand an der Lungen-+ oder an einer anderen inneren Entzündung, was ist da im Inneren vor sich gegangen, wie haben wir uns dieses vorzustellen? Im Äußeren spiegelt sich das Innere. Du hast sicherlich schon hie und da bei anderen kleine Geschwüre gesehen -- man nennt sie Karbunkel -- oder solche an einem Arm, Fuß, einer Hand oder auf deinem Rücken, Magen, deiner Brust usw. vielleicht schon selbst empfunden. Wie entwickeln sich diese? Wenn sich so ein Geschwür irgendwo bildet, entsteht an der Stelle erst eine Röte, und man fühlt im Innern ein Brennen. Die Geschwulst nimmt zu, und nach einiger Zeit bemerkt man an jedem dieser spitzen Kegel, seien sie groß oder klein, einen +erhöhten weißen Punkt+. Man sagt: das Geschwür ist reif, zeitig, und schneidet es auf oder drückt es aus. Es kommt Eiter heraus und mit und nach dem Eiter in Fäulnis geratenes Blut. Gut ist’s!

So ein kleines „Blutschwär“ (Blutgeschwür), wie es die Landleute nennen, verursacht meistens große Schmerzen, nicht allein an der Hand, am Fuß usw., wo es sich ansetzt. Man „spürt’s in allen Gliedern“, der „ganze Körper tut weh“. Das ist der deutlichste Beweis, daß der ganze Körper selbst bei solchen unscheinbaren Übeln in Mitleidenschaft gezogen wird, so daß folgerichtig es dem ganzen Körper zugut kommt, wenn derlei Dinge gut ausheilen, und daß er leidet, und daß es sich rächt, wenn sie vernachlässiget werden.