Part 19
Auf der Heimreise von einer Fastenpredigt besuchte ich einen +Pfarrer+. Ich hatte auf dem Wege zufällig erfahren, daß man sein baldiges Ende erwarte. Ich trat ein. Der geistliche Herr saß im Lehnstuhle und erzählte: „Ich habe 25 Löcher und Wunden am Leibe. Sie sehen hier im Gesicht 5 Pflästerchen. Deren habe ich 20 am Leibe. Ganz schnell entstehen kleine Geschwüre mit brauner Flüssigkeit. Setze ich ein Pflästerchen auf, so hält es einen Tag; beim Wegnehmen bleibt gewöhnlich etwas abgestandenes, faules Fleisch hängen. So leide und dulde ich schon seit Monaten, und Hilfe bekomme ich keine mehr. Quälender noch als die Wunden am Körper empfinde ich den entsetzlichen Ekel im Gaumen, den ich niemanden beschreiben kann. Teurer geistlicher Mitbruder, wissen Sie einen guten Rat für einen Armen, dann geben Sie ihn bald; -- mir scheint es höchste Zeit.“ Ich riet dem Bedauernswerten, er solle +täglich alle 2 Stunden+ 4-6 Löffel +Tee von Salbei+ und +Wermut+ nehmen, daß ihm der Ekel aus dem Gaumen schwinde. Dann verließ ich ihn auf Wiedersehen in der Ewigkeit.
Nach fünf Tagen kam wirklich ein Bote, doch nicht mit der erwarteten Todesnachricht, sondern mit der Freudenkunde, der +Ekel+ sei aus dem Gaumen entfernt, und der Kranke spüre schon Verlangen nach Speise. Der erste Rat habe so vortrefflich gewirkt, ich möchte bald einen zweiten geben. Ich ließ ihm melden, er solle +während 14 Tagen täglich+ mit frischem Wasser +Ganzwaschungen+ vornehmen oder vornehmen lassen, die einzelnen Waschungen so kurz wie möglich. Von neuem kam die Meldung, der Zustand mache sich, der Appetit sei im Steigen. Ich verordnete als weitere Anwendungen durch einige Wochen abwechselnd den einen Tag den +spanischen Mantel+, den andern eine +Ganzwaschung+. Nach 14 Tagen las der Pfarrer wieder die erste hl. Messe. Es folgten noch +wöchentlich je ein Kräuterbad+ zu 28° ~R.~ aus +Heublumen+ bereitet, am Schlusse mit kalter Abwaschung, und +kalte Halbbäder+ (mit Waschen des Oberkörpers) im Wechsel mit Ganzwaschungen, den einen Tag die erste, den andern die zweite Anwendung. Der geistliche Mitbruder genas vollkommen und lebte noch 24 Jahre berufsfreudig in seinem Amte als Pfarrer bis zum Ende seines Lebens.
Ein Mann kommt und erzählt: „2½ Jahre bin ich krank, und niemand kann mir helfen. Vor zwei Jahren sind mir beide Füße stark geschwollen und wurden bis zu den Knien hinauf ganz blau. In jeden Fuß brachen zwei Löcher, aus denen viel Blut und Eiter lief. Als die Füße etwas besser wurden, schwoll der rechte Arm stark an, wurde ebenfalls ganz blau, und auch in ihn brachen Löcher. Der Arm ist jetzt wieder besser; ich habe aber eine Geschwulst und Schmerzen auf dem Rücken, auf dem obern Kreuz. Manchmal ist mir der Leib stark aufgetrieben, und ich habe darin große Schmerzen. Aber noch viel ärger als die erzählten körperlichen sind meine geistigen Leiden. Ich soll oft schon ganz verwirrt geredet haben. Wenn’s erlaubt wäre, hätte ich schon oft meinem Leben ein Ende gemacht. Man hat oft gesagt, es sei mir angetan. Doch sei ihm, wie ihm wolle, ich kann nicht mehr elender werden.“
Ich verordnete: „Sieden Sie Haberstroh, tauchen in solches Haberstrohwasser einen Getreidesack und schlüpfen hinein wie in ein Beinkleid bis unter die Schultern. So werden Sie eingewickelt in eine Wolldecke, bleiben zwei Stunden darin und gehen dann, so gut Sie können, Ihren Geschäften nach. Den zweiten Tag tauchen Sie ein grobes Hemd ebenfalls in solches heißes Wasser, ziehen es ausgewunden an und lassen sich in eine Wolldecke einwickeln. Am dritten Tag nehmen Sie einen kurzen Wickel, getaucht in warmes Haberstrohwasser, 1½ Stunden lang. So wird 14 Tage fortgemacht.“ Nach 14 Tagen waren alle Geschwülste beseitigt; ein Fuß war geheilt, der andere hatte noch eine kleine Öffnung; der Appetit stellte sich ein, und der Bauer mußte jeden dritten Tag eine von den drei Anwendungen im Wechsel vornehmen. Nach drei Wochen war Körper und Geist in Ordnung.
Bruchleiden.
Ein +besonderes+ hervorragendes und +häufiges Leiden unserer Zeit+ sind die Leibschäden, Brüche der verschiedensten Art. Oft erscheinen sie plötzlich wie die Schwämme im Walde über Nacht, oft künden sie sich am Körper durch besonders schmerzende Stellen an. Alle damit Behafteten zählen unter die Bresthaften, d. h. unter diejenigen, die nicht mehr zu allen Arbeiten fähig sind; denn jeder Bruch schließt stets die +Gefahr+ nicht nur heftiger Leiden, sondern bei Unvorsichtigkeit sogar die des Todes in sich.
Diese Zustände kommen +hauptsächlich bei schwächlichen Naturen+ vor. Deshalb kann das Zeitalter der Verweichlichung viele solche Früchte aufweisen. Ich bin der vollsten und festen Überzeugung: wenn eine +vernünftige Abhärtung+ gepflegt würde von Jugend an, wenn nur reelle, nahrhafte, vernünftige Kost genossen würde und keine verkünstelte, verfeinerte und so vielfach verdorbene, so träten alle diese Übel höchst selten auf und meistens nur in Fällen, in denen gewaltsame Einwirkungen auf den Körper geschehen durch Schlag oder Stoß.
Vor 50 Jahren kannte man wenig „gebrochene Leute“ in einem Dorfe; in einem Städtchen konnte man die Zahl an den Fingern zählen. Heutzutage kommen vielleicht zwanzig Personen zusammen, und 3-4 derselben haben einen Leibschaden. Gewöhnlich suchen die Betroffenen zu allem Unglück hin ihr Übel soviel wie möglich +verborgen zu halten+. Man hört’s nicht gern, wenn es heißt: Der hat einen Bruch. Bei manchen klingt dieses fast wie eine Ehrenbeleidigung, die ihn rot macht bis über die Ohren. Torheiten! Es unterbleibt so die notwendige Pflege, und das kleinere Übel wird zum größeren. Bruchleiden triffst du nicht bloß bei solchen, die Tag für Tag mit schwerer Arbeit sich abmühen müssen; Bruchleiden genug findest du auch in den besseren und höheren Ständen. Wie leicht und schnell ist’s geschehen! A. bekam seinen Leibschaden auf dem Abort. B. hüpfte über einen kleinen Graben, er war gebrochen. E. litt viel durch übermäßige Gasbildung. Ein Unbedeutendes, eine Kleinigkeit, und das Bauchfell hatte einen Riß. D., ein Priester, predigte soeben begeistert; mit einem Bruch stieg er von der Kanzel.
+Mich schmerzt es jedesmal tief+ (gerade weil großenteils so leicht vorgebeugt werden könnte), wenn ich höre, daß ein sonst gesunder, kräftiger Körper diesen Schaden gelitten, daß wieder ein Mann im schönsten, kräftigsten Alter zu den Invaliden gehöre. Fast muß ich es so heißen; denn eine große Anzahl Bruchleidender muß das Berufsleben vor der Zeit verlassen, oft schon mit 40, mit 50 Jahren, und selten ist solchen eine Woche gegönnt, in welcher die Beschwerden des Bruches nicht den Hauptbalken am täglichen Kreuze ausmachen. Wer es erfahren hat, weiß, daß ich nicht fasele, nicht übertreibe. Man sollte sich wahrlich mehr Mühe geben, nach den +Ursachen+ des gewaltigen Überhandnehmens gerade dieses Übels zu forschen, mit anderen Worten: man sollte der verweichlichten, geschwächten Menschheit aushelfen. Wohin sollen wir denn kommen?
Ich habe schon von einer +vernünftigen, gemäßigten Wasserkur+ gesprochen. Es lohnt sich wahrlich der kleinen Mühe und der geringen damit verbundenen Opfer, wenn durch sie nur diesem einzigen Übel gesteuert wird.
Der Bruch ist ja (Ausnahmen abgerechnet; siehe unten, wo wir von Kindern reden) doch nicht angeboren oder angeschaffen, sondern erst eingetreten in +Folge von angeborener oder später eingetretener Schwäche+. Gar leicht hätte diese durch Abhärtung, speziell durch Abhärtung mit Wasser, ferngehalten oder beseitigt werden können. Ob die sogenannte „bessere Welt“ endlich klug wird? Ich zweifle daran. Dir aber, braver und wackerer Landmann, wenn du diese Zeilen gläubig liesest, rate ich: Nimm +in der Woche ein- oder zweimal ein Halbbad oder ein paar kalte Sitzbäder+ (jedes Schaff ist gut genug)! Bald wirst du deren kräftige Wirkung erfahren. Zu derlei Bädern brauchst du keine bestimmte Zeit abzuwarten. Jede Stunde ist gut, und alles in allem: Ausziehen, Baden, Wiederanziehen dauert nicht länger als 4, höchstens 6 Minuten. Von der Arbeit weg kannst du das Bad nehmen, und unmittelbar darauf kannst du wieder an deine Arbeit gehen. -- Doch ich bin +im größten Schweiße+! Auch das hindert nicht; bade ruhig, du hast nichts zu fürchten! Über diesen Punkt habe ich mich bei den Halb- und Ganzbädern des nähern ausgesprochen. Jedes Wort bei dieser verantwortungsvollen Sache ist reiflich erwogen, und erst ward lange Jahre versucht und praktiziert (gehandelt), bevor gesprochen und geschrieben wurde. Gehe bis zur Brust ins Wasser und wasche rasch und kräftig den Oberkörper ab; dann kleide dich, ohne abzutrocknen, an und gehe rüstig wieder an deine Arbeit! Nach 3-4 solchen Bädern brauchst du keine Aneiferung und keinen herzhaften Vorsatz mehr; das Bad oder die Waschung wird dir fast Bedürfnis, und du erweisest deinem Körper diesen Liebesdienst mit Freuden. Und das Werk (der Erstarkung, Feiung) wird seinen Meister loben.
Ein +Bauer klagte+ mir einmal über arge +Schmerzen etwas oberhalb der Weichen+. Der Arzt habe erklärt, es sei ein Leibschaden im Anzuge. Ich riet ihm, fleißig +Ober-+ und +Unteraufschläger+ zu nehmen. Bald ließ der Schmerz nach. Der Bauer enthielt sich kurze Zeit der schwersten Arbeit und blieb von dem angekündigten Übel frei. Diese Warnung hat ihn zur Besinnung gebracht und klug gemacht, er wurde von nun an ein eifriger Wassermann.
Zum Schluß noch die Frage: +Können Leibschäden gar nie geheilt werden?+ Mehrere neue Leibschäden habe ich, selbst bei Erwachsenen, dadurch geheilt, daß die gebrochene Stelle mit +Kampferöl+ kräftig eingerieben und darüber ein +Pechpflaster+, das Pech auf Wachsleinwand gestrichen, aufgelegt wurde. +Fuchsfett+ sodann ist und galt zu jeder Zeit als eines der allerbesten Mittel zur Heilung eines jungen Bruches. Man reibe alle zwei bis drei Tage die Bruchstelle mit solchem Fett ein und lege stets das Pechpflaster darüber. Auf solche Weise heilte ich einmal einen Bruch, der bereits sieben Wochen alt war.
+Bei Kindern kommen Bruchschäden verhältnismäßig häufig+ vor. Die Ursache ist meistens, daß sie durch die Kost stark aufgetrieben werden, und daß so das Bauchfell an einer Stelle springt. Einem solchen Kinde bereite man +täglich ein Haberstrohbad+, ebenso +täglich einen Ober-+ und +Unteraufschläger+, klein natürlich, wie sie für das kleine Geschöpf passen, und so lange, bis die Heilung eingetreten ist. Man reibe nebenbei sachte die leidende Stelle mit Kampferöl oder noch besser mit Fuchsfett. Solche Leibschäden heilen in kurzer Zeit, wenn sie nicht allzu große Ausdehnungen haben, in welchen Fällen kaum an Heilung zu denken ist. Für solche Leidende bleibt kein anderer Ausweg übrig, als daß ihnen ein +Bruchband+ beschafft werde, das sie nach Anweisung des Chirurgen tragen.
Gerade die +Mütter+ sollten alles aufbieten, -- auch das nenne ich in diesem Punkte allein die wahre Mutterliebe, -- +derlei Gebrechen von Anfang an und von Grund aus vorzubeugen+. Es hängt viel davon ab, oft das ganze spätere glückliche oder unglückliche Leben ihres Kindes, der Schmerz oder der Trost der Eltern. Wenn Gott mir das Leben gibt, werde ich den Müttern einmal einige Winke und Ratschläge aufschreiben, wie sie ihre Kleinen von Geburt an vernünftig abhärten und pflegen sollen. Sie mögen nicht erschrecken vor dem kalten Wassermann; er hat für die Erziehung und für alle, die dabei beteiligt sind, ein recht warmes Herz. An solche Mütter, die schwache Nerven haben und ihren „Engeln“ vor lauter Einmummung und Einbauschung in Samt und Seide und Wolle nicht einmal die frische Luft gönnen, werde ich mich nicht wenden. Nur solchen gilt’s, denen daran gelegen ist, zur Heranbildung einer wieder lebensfähigen, starken Generation das Ihrige beizutragen. Auch alten Kindern dürfte die Lektüre der betreffenden Ratschläge nicht schaden. Doch wie gesagt, kommt Zeit, kommt Rat. Vielleicht macht der Herr des Lebens mir einen Strich durch die Rechnung. Und dann -- ist’s auch so recht und gut, und ich bin damit zufrieden.
Brustfell-Entzündung
siehe unten Seite 210.
Cholera.
Wie gefürchtet ist die Cholera! Vor einigen Jahren trat sie in mehreren Ländern als schreckliche Heimsuchung auf, und sie überlieferte dem Sensenmann zahllose Opfer. Um gegen Überschwemmungen sicher zu sein, wirft man Dämme auf, man reguliert die Flüsse. Bei einem Waldbrande zieht man Gräben, daß das verheerende Element nicht weiterfresse. Ein solcher Damm und Graben gegen die Cholera, diesen entsetzlichsten Feind des Menschenlebens, ist +das Wasser+. Es rettet aus der Gefahr und umgibt den oder die, so es richtig anwenden, mit einem Damm oder Graben.
Bei der Cholera herrscht der +Grundsatz+: Wer bald in Schweiß kommt, der ist gerettet. Wer nicht in starken Schweiß gerät, der ist verloren.
Einmal wurde ich nachts elf Uhr zu einer armen Magd gerufen. Schon zwanzigmal hatte sie Erbrechen gehabt, zwanzigmal schon an starkem Durchfall gelitten. Der Arzt war zwei Stunden weit entfernt. Die Magd wollte zum Tode vorbereitet werden; denn, sagte sie, sie fühle nur zu gut, daß sie dieser schrecklichen Krankheit erliegen müsse. Hände und Füße waren einer Eismasse gleich, das Gesicht blaß, die Gesichtszüge eingefallen, die Zeichen der Auflösung waren da. Sofort versuchte ich die Sterbenskranke in Schweiß zu bringen, von dessen Zustandekommen nach meinem Urteile alles abhing, Leben oder Tod. Schleunigst brachte die Hausfrau zwei große, grobe Leintücher. Ich ließ dieselben in heißes Wasser eintauchen, mehrfach zusammenlegen, auswinden und die fast +heiße, dicke Überlage auf Brust und Unterleib+ decken. Unter dieselbe, +auf den bloßen Leib+, kam zuvor ein +einfaches Tuch+, das in +heißen Essig getaucht+ war, zu liegen. Die nasse, heiße Auflage umhüllte und schloß nach außen ab ein Federbett, alles so warm und schwer, wie es die Kranke nur ertragen konnte. Schneidend drang die Hitze in den Choleraleib, und in 15 Minuten war der ganze Körper durchwärmt. Nach weiteren 20 Minuten perlten schon Schweißtropfen vom Gesichte. Ich ließ die heiße Decke nochmals in heißes Wasser tauchen. In ganz kurzer Zeit hörten alle Krämpfe auf, das Erbrechen und der Brechreiz verloren sich. Um der von außen wirkenden Wärme nach innen entgegenzukommen, bekam die Kranke eine +Tasse Milch mit Fenchel+ (ein Löffel voll gemahlener Fenchel wird drei Minuten in Milch gesotten) so warm als möglich zu trinken.[30] Die Kranke kam in reichlichen Schweiß, und sie war gerettet.
Es durfte und darf in solchen Fällen nicht vernachlässigt werden die Ausheilung, die nicht schwierig ist, aber wichtig. Es soll der +Rekonvaleszent+ (der Genesende) +täglich einen Unteraufschläger+ (ein mehrfach zusammengelegtes Tuch unter der ganzen Rückenlänge) nehmen, ein Stunde lang; gleichfalls +täglich+ einmal eine Stunde lang +einen Oberaufschläger+ (dasselbe Tuch auf Brust und Unterleib), jedesmal gut zugedeckt. Auch unsere Kranke tat so, und in 10-12 Tagen war sie hergestellt. Ein zweiter Fall wurde ebenso und mit demselben Erfolge behandelt.
+Zwei Bemerkungen+ will ich hier nicht unterdrücken.
Wenn die oben angeführten Symptome (Kennzeichen) der Krankheit wie heftiges Abführen, Erbrechen, Krämpfe usw. erscheinen, so soll man nicht säumen, solche Kranke +alsbald ins Bett+ zu bringen. Landleute sind in dieser Beziehung gegen sich oft zu hart und deshalb unklug. +Nach innen+ gebe man +einen warmen Trunk+. Drohen +krampfhafte Zustände+ einzutreten, oder wollen die +Füße eiskalt+ werden, so bringe man alsbald eine +warme Überlage auf den Leib+, nicht länger als zirka drei Viertelstunden. Ebenso lange lege man sich auf eine ebenfalls warme Unterlage. Wiederholen sich die Krämpfe, so können die Überlage und die Unterlage wiederholt werden. Treten Wärme und Schweiß ein, so hat man’s gewonnen.
+Vorsichtig sei+ man, bis alles wieder in Ordnung ist, mit +Essen+ und +Trinken+. Von der gewohnten einfachen Kost wähle man das Leichtere aus. Als Getränk diene am besten warme Milch, die Heil- und Nährmittel zugleich ist.
+Wütet die Cholera an einem Orte+, so vertraue auf Gott und sei unverzagt! Wasche zur Vorsicht jeden Morgen und jeden Abend kräftig die Brust und den Unterleib; kaue täglich zehn bis zwölf Wacholderbeeren, und sollten diese dir abgehen, so kaufe dir Pfefferkügelchen! Für 20 Pfennig erhältst du eine große Anzahl. Täglich zweimal je fünf solcher Pfefferkügelchen erwärmen den Magen, unterstützen die Verdauung und leiten die Gase aus.
Cholerine.
Fast in jedem Orte zählt man jedes Jahr einige Fälle von Cholerine; mir selbst sind jährlich solche Kranke genug vorgekommen. Die Cholerine ist die +Cholera im Kleinen+, ein recht unlieber, wenn auch weniger gefürchteter Gast. +In ihrem Gefolge+ sind heftiges Abführen, starkes Erbrechen, zuweilen stärkere oder schwächere Krämpfe.
Meine Anwendungen bei Cholerine sind genau dieselben wie bei der Cholera, an Zahl und Stärke klug und verständig geregelt, je nach dem Heftigkeitsgrade der Krankheit. Auf einmal wurden so vierzig mit Cholerine Behaftete mit gleich gutem Erfolge behandelt und geheilt.
Congestionen.
Ein Beamter klagt folgendes:
„Ich leide an schwerem Atem, Krämpfen im Halse und sehr großen Kopfschmerzen. Oft ganze Nächte ist es mir wegen Congestionen und Schmerzen im Kopfe nicht möglich, zu schlafen. Stuhl erfolgt seit Jahren nur durch Medikamente. Außerdem besteht viel Krampf auf der Brust, und wenn dieser in den Unterleib kommt, empfinde ich sehr große Schmerzen. Gegen Kälte weiß ich mich gar nicht mehr zu schützen, Hände und Füße sind gewöhnlich kalt. Meine Lebensstellung wäre eine angenehme, wenn ich nicht fortwährend von Leiden gequält wäre. Ich besuchte schon mehrere Bäder, fand aber keine Hilfe. Statt der früheren Korpulenz ist nun Abmagerung eingetreten. Wenn nun Wasser keine Hilfe bringt, klagte er wehmütig, so bin ich verloren.“
Die Behandlung war folgende:
1) täglich morgens und abends längere Zeit im Gras und auf Fußwegen barfuß gehen, -- was ihm eine unbeschreibliche Erquickung brachte und sein Kopfleiden ableitete;
2) in der Woche zwei kurze Wickel;
3) einmal den spanischen Mantel.
Um Stuhlgang zu befördern, mehrere Tage hindurch jede halbe Stunde einen Eßlöffel voll Wasser und bei größeren Beschwerden: Aloë, eine Erbse groß, mit einem halben Löffel voll Zucker, das Ganze in warmem Wasser aufgelöst, und auch dieses jede Stunde löffelweise genommen.
Darm-Entzündung.
Ein Verwalter erzählt: „Ich habe Jahre lang heftige, mitunter fast unausstehliche Schmerzen, viel Bauchweh und Grimmen. Ich kann schon längere Zeit gar nichts mehr essen ohne heftige Schmerzen und habe regelmäßig Abweichen darauf. Ich habe recht viel eingenommen, Hilfe wenig oder höchstens auf kurze Zeit bekommen.“ Das Aussehen dieses Mannes in den schönsten Jahren ist recht krankhaft. Er ist abgemagert, hat blasse Farbe und trübe Augen. Was mag helfen?
Dieser Mann hat in jeder Woche 1) drei Sitzbäder genommen, 2) jeden Morgen und Abend Brust und Unterleib mit Essig und Wasser kräftig eingewaschen, 3) in der Woche ein Halbbad genommen, eine Minute lang.
In vier Wochen war der arme Mann von seinem Magenleiden befreit. Eingenommen hat er bloß täglich zweimal jedesmal zwölf Wermut-Tropfen im warmen Wasser.
Darmkatarrh (Abweichen, Diarrhöe).
Es gibt Leute, welche ohne besondere Veranlassung Diarrhöe bekommen. Die Wiederholung kann +regelmäßig+, z. B. zu gewissen Zeiten, ein- bis zweimal im Jahre, oder +unregelmäßig+ stattfinden. Die Betroffenen fühlen sich vor und nach den Anfällen wohl und gut. Die regelmäßigen Diarrhöen rühren daher, daß die kräftige Natur all die gesammelten überflüssigen Stoffe auswirft. Wie ruhig arbeitet man, wenn an einem Dampfkessel ein Sicherheitsventil angebracht ist! Wie ruhig darf man sein, wenn die Natur gleich diesem Kessel das „Zuviel und Ungesund“ ausspeit!
Gegen derlei Diarrhöe habe ich durchaus nichts zu verordnen; ich warne sogar, dagegen etwas zu tun. +Meistens+ kommen diese Ausscheidungen im +Herbst oder Frühjahr+ vor, und uns scheint, daß die Luft, die Temperatur gut einwirken und mithelfen.[31]
+Beachtenswerter+ sind die +unregelmäßigen Diarrhöen+, die +mit oder ohne Schmerzen+ stattfinden können. Es sind Mahnungen für solche Leute, daß in ihrem Körper sich krankhafte Stoffe angesammelt haben, die, wenn sie nicht entfernt werden, häufig Verderben anrichten. Man macht in der Tat die Erfahrungen, daß bei derart Heimgesuchten meistens das eine oder andere Organ krank ist, und daß solche Kranke sehr oft früh sterben oder wenigstens nicht besonders alt werden. Oft sind die Diarrhöen +Vorboten von schweren Krankheiten+. +Bei der Heilung muß vor allem auf den Unterleib gewirkt+ werden, doch stets +im Wechsel mit Anwendungen auf den ganzen Körper+. +Plötzliche Stillung+ der Diarrhöe ist +nie zu empfehlen+; es sollen die faulen Stoffe allmählich entfernt und die inneren Organe so gekräftigt werden, daß die Natur solch faule Stoffe gar nicht aufkommen läßt oder sie zur rechten Zeit ausscheidet.
+Nach innen+ wende man +Tee an von Wermut+ mit +Salbei+, von +Tausendguldenkraut+ mit Salbei, von +Schafgarbe+ mit +Johanniskraut+, täglich ein bis zwei kleine Tassen; oder man nehme täglich sechs bis zehn +Wacholderbeeren+. Alle die genannten Mittel befördern die Verdauung, unterstützen die Magensäfte und enthalten zugleich Nährstoffe.
Sollte die Diarrhöe +stark+ sein und schon länger dauern, so werde +zweimal täglich ein halber Löffel voll Heidelbeergeist+ (in warmem Wasser) eingenommen.
Als +äußerliche Anwendungen+ genügen im Anfange wöchentlich +drei bis vier Aufschläger auf den Unterleib+ von je 1½ Stunden (ein vierfach zusammengelegtes Tuch werde zu diesem Zweck in Wasser mit Essig oder in einen Absud von Fichtenreisern getaucht und auf den Unterleib gelegt oder gebunden), ebenfalls wöchentlich +ein kurzer Wickel+. So fahre man +vierzehn Tage+ fort. Nach vierzehn Tagen können zur Kräftigung in der Woche ein bis zwei +Halbbäder+ folgen mit Waschung des Oberkörpers und gleichfalls wöchentlich ein bis zwei +Ganzwaschungen+ nachts vom Bette aus. Dieses für die folgenden drei bis vier Wochen. Wenn es +dann+ zur Regel würde, +keine Woche ohne+ wenigstens eine +Ganzwaschung+ oder ein +kaltes Halbbad+ mit Waschung des Oberkörpers vorübergehen zu lassen, müßte der ganze Organismus kräftiger und gesünder werden und der berührte Ausnahmezustand (wenn er nicht tieferliegende Ursachen hat) aufhören.
Ein Herr, 48 Jahre alt, erzählt: „Seit vielen Jahren habe ich mit wenig Unterbrechung +Abweichen+, ich mag essen, was ich will; habe von den Ärzten recht viel eingenommen, auch manches Hausmittel gebraucht, wurde in mehrere Bäder geschickt, doch -- alles vergebens. Besonders stark ist das Abweichen, wenn ich trinke, sei es Wasser, Bier oder Wein. Recht trockene Kost ist mir am zuträglichsten. Weil mir alles zu rasch und zu wenig verdaut abgeht, bin ich nie bei Kraft, und bin ich auch nicht ganz abgemagert, so sind doch meine Muskeln nur welk.“
Die Anwendungen waren folgende:
1. täglich zweimal Oberguß,
2. täglich einmal im Wasser gehen und
3. einmal Knieguß.
In der zweiten Woche:
den einen Tag Oberguß und im Wasser gehen,
den anderen Tag Halbbad.
Nach diesen zwei Wochen fühlte sich der Kranke frischer, kräftiger und wohler, aber das Abweichen blieb.
In der dritten Woche bekam er:
1. täglich ein vierfach zusammengelegtes Tuch, in Wasser und etwas Essig getaucht, auf den Unterleib, 1½ bis 2 Stunden lang,
2. den einen Tag Oberguß und Schenkelguß,
3. den andern Tag Halbbad und Oberguß.
Nach dieser Woche hatte sich der Stuhlgang vollständig geändert.
Eine weitere Woche:
1. jeden Tag ein Halbbad,
2. jeden zweiten Tag ein Tuch auf den Unterleib wie oben.
Zur weiteren Erhaltung der Kraft und Gesundheit reichten aus:
in der Woche zwei Halbbäder und
ein- bis zweimal ein wie oben beschriebener nasser Umschlag auf den Unterleib.
Zum innerlichen Gebrauch wurden verwendet:
~a.~ Wermuttropfen,
~b.~ Wacholderbeeren, im Wechsel.
Es könnte mancher fragen, warum gerade diese Reihenfolge in den Anwendungen eingehalten wurde.
Darauf ist zu erwidern: