Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit

Part 18

Chapter 183,578 wordsPublic domain

Ein Lehrer berichtet: „Meine Krankheit wird von den Ärzten bezeichnet als „nervöser Reizzustand der Blase und des Unterleibes“. Seit ungefähr 15 Jahren leide ich an Urinbeschwerden, bald mehr, bald weniger. Mit Beginn dieses Frühjahres stellte sich das Leiden wieder in besonders hohem Grade ein. Oft mußte ich in einer Nacht 15-20mal unter heftigem Drang den Harn lassen. In dem reichlichen Niederschlage fanden sich viele Salzkristalle, später auch Schleim. Dabei litt ich an hartnäckiger Stuhlverstopfung, Blähungen, oftmals, besonders nachts, an heftigem Erzittern des Körpers, hauptsächlich des Unterleibes, verbunden mit Kältegefühl, zuweilen auch an nervösen Zuckungen in den Beinen. Vollständige Appetitlosigkeit und Schlaflosigkeit haben mich sehr geschwächt.“

Die Anwendungen waren folgende:

1) in jeder Nacht Ganzwaschung;

2) den einen Tag einen kurzen Wickel, den andern ein in warmes Salzwasser getauchtes Hemd anziehen;

3) täglich eine Tasse Zinnkrauttee, worin 20 zerstoßene Wacholderbeeren mit abgesotten waren, trinken; so drei Wochen lang.

In kurzer Zeit stellten sich Schlaf und Appetit ein, und +eine+ Krankheitserscheinung schwand nach der anderen. Nur blieb noch Mattigkeit und Schmerz in den Beinen zurück. Dagegen folgendes:

1) früh ein Oberguß;

2) nachmittags ein Knieguß;

3) manchmal ein Halbbad.

Die letzten Reste der Krankheit waren bald verschwunden.

Blasenstein.

Ein Herr in den schönsten Jahren erkrankte. Er bekam heftige Schmerzen in den Nieren, und es wollte durchaus kein Wasser mehr abgehen. Herbeigerufene Ärzte erklärten, es sei ein Stein in der Blase, der aber nur durch Operation entfernt werden könne. Der Kranke wollte sich dazu durchaus nicht verstehen.

Den kranken Herrn besuchte ein Bekannter, um sich über sein Leiden zu erkundigen. Diesem klagte der Patient seine Not und erhielt den Rat: mittags, abends und morgens ein warmes Sitzbad von Zinnkraut zu nehmen und vor jedem Bad eine Tasse Tee von Zinnkraut zu trinken. In 36 Stunden ging ein Stein ab in beinahe Haselnußgröße. Plötzlich war aller Schmerz weg und der Mann gesund.

Blattern.

Was Scharlach im kleinen, das sind die Blattern im großen. Giftig ist schon der Scharlach, giftiger sind die Blattern, seien es die weißen oder die schwarzen. Die Behandlung bleibt für alle Fälle dieselbe. Man sagt gewöhnlich, wenn die Blattern nicht hervortreten, so müsse der Kranke daran sterben. Darum kann nichts Besseres getan und sorgfältiger getan werden, als +so schnell wie möglich den Blatternstoff an die Oberfläche der Haut zu leiten+, um so im Inneren die ärgste Vergiftung zu verhüten und eine rasche Ableitung vorzunehmen.

+Sechs Personen+, die an den +weißen Blattern+ erkrankten, wurden geheilt, indem dieselben +so oft gewaschen wurden, als die Hitze recht groß+, die Bangigkeit fast nicht auszuhalten war. +Anfangs+ war es +jede Stunde+ notwendig, später alle zwei Stunden, nach längerem Verlauf im Tage nur noch zwei- bis dreimal. Am siebenten Tage waren die sechs Kranken vollständig gesund. +Gegessen+ haben sie fast nichts, was am besten ist, getrunken ziemlich viel, was nicht schadet, wenn nur in kleinen Portionen getrunken wird. Daß alle Patienten dies beachteten! Viel Trinken auf einmal löscht den Durst nicht nachhaltig und vermehrt die Bangigkeit.

Ich selbst mußte oft staunen, wie durch obige Behandlungsweise, durch die einfachen Waschungen, die Blattern +stets auf der Oberfläche der Haut+ erschienen. Sie zeigen sich als kleine, spitzige Erhöhungen, aus der Haut hervortretend, ähnlich den Fröschen, die über das Wasser hervorschauen. +Man wasche ohne die geringste Scheu!+ Je bälder und pünktlicher solches geschieht, desto schneller entwickeln sich die Bläschen, desto rascher wird der Giftstoff ausgeleitet. Ehe er zu den Geschwüren sich entwickeln kann, wird er, wenn ich so sagen darf, gleichsam weggewaschen.

+Noch eines+: Man gönne den Kranken auch die +frische Luft+, die ehedem so sehr mißgönnte und gefürchtete. Immer sei eine, wenn auch kleine Stelle geöffnet, bei der sie eindringen kann.

Das Waschen geschehe so schnell, +daß höchstens eine Minute zu einer Waschung gebraucht werde+. Auf diese Weise können +bei Erwachsenen+ ebenso leicht die +Blattern+ wie bei den Kindern der +Scharlach+ geheilt werden. Bemerkt sei noch, +daß die gelindeste Anwendung die beste ist+.

+Vier Personen+ litten an denselben Blattern. Sie wurden geheilt, indem sie statt der Waschungen +täglich zwei- bis dreimal ein nasses Hemd+ anzogen, welches der spanische Mantel gut ersetzt hätte. Nach einer Stunde wurde das Hemd abgenommen und erst wieder angelegt, wenn Hitze und Bangigkeit groß waren. Die letzten Tage geschah dieses höchstens noch ein- bis zweimal. Nach acht Tagen war die ganze Kur vorüber, und von den schrecklichen Narben, die manches Antlitz fürs ganze Leben entstellen, war keine, auch nicht die geringste Spur zu sehen.

+Fritz+ kann nicht mehr gehen, er ist todmüde an allen Gliedern. Sein Aussehen ist zum Erschrecken. Heftiges Kopfweh und lästige Übelkeiten befallen ihn, und es drückt ihn gewaltig auf der Brust. Man ruft den Arzt. Dieser erklärt, das seien sichere Anzeichen der Blattern; es brauche indes zur Entwicklung derselben noch drei Tage. Ein Abführmittel könne nicht schaden, sonst aber lasse sich nichts tun. Fritz war damit nicht zufrieden, und da er vom Wasser gehört, ließ er sich eine Wanne mit Wasser ins Zimmer bringen, unmittelbar neben das Bett. +Jede Stunde steigt er ins Wasser+ und wäscht sich mit einem rauhen Handtuche kräftig ab; in ganz kurzer Zeit, in kaum einer Minute, ist jedesmal die Arbeit fertig. Innerhalb 18 Stunden hat sich der Kranke achtzehnmal gewaschen.

Bevor der Arzt wieder kam, war Fritz gesund und von seinem Blatternansatz gründlich geheilt. Gegessen hat er in dieser Zeit nichts und getrunken nur das liebe Wasser.

Soeben höre ich von einem Freunde, daß er, meinem Rate folgend, ganz auf diese Weise +4-5 Personen+, die plötzlich vom Fieber befallen worden waren und bei denen mit Grund der Ausbruch der Blattern befürchtet wurde, in wenigen Tagen heilte.

+Herrschen an irgend einem Orte die Blattern, Scharlach, Ausschlagkrankheiten+ und zeigen sich Krankheits-Erscheinungen, so beginne man möglichst bald mit der Anwendung. Ein +zuwartendes, rein beobachtendes Verfahren+, „was da wohl sich entwickeln möge“, +ist stets vom Übel+. Das Feuer greift weiter und verzehrt rasch die Kräfte. Wer sofort löscht, löscht am leichtesten. Nach wenigen Tagen schon kann die Rettung zu spät kommen.

Sobald ein Kind oder ein Erwachsener über +Kopfweh+, +Beengung+, +schweren Atem+, +Husten+ klagt und sagt, daß aller Mut gebrochen, alle Kraft gelähmt sei, so sind dieses ebenso viele Fingerzeige, daß die Zeit der Anwendung gekommen. Selbst in Fällen, in denen man sich täuschte, können letztere (die Anwendungen) nie Schaden bringen.

Im allgemeinen wiederhole ich an dieser Stelle +folgende Regeln+:

+Die Waschungen seien so kurz als möglich+ und erstrecken sich +auf den ganzen Körper+ des Patienten.

Das +Zudecken+ (Abschließen der äußeren Luft) nach der Anwendung geschehe +sorgsam+, nicht zu übermäßig. Man sorge für stete +Erneuerung der frischen Luft+ (gute Lüftung) und verhüte nur, daß der Luftstrom dem Kranken direkt in das Gesicht wehe.

Die +Wiederholung des Waschens+ bei jedesmaligem Steigen der Hitze und der Bangigkeit werde +genau eingehalten+.

+Niemals dränge man+ einen Kranken, insbesondere einen Schwerkranken zum +Essen+. Der Magen kündigt durch Hunger an, wann er zur Arbeit wieder aufgelegt ist. Aufgedrungene Speisen läßt er unverändert liegen. Sie belästigen und sind zuweilen ein Haupthindernis der Genesung, zuweilen die einzige Ursache eines Rückfalles.

+Welche Torheiten werden in dieser Beziehung oft+, sehr oft aus Unwissenheit, +besonders auf dem Lande, begangen+! Alles kommt zum Krankenbett und nötigt in übelverstandenem Eifer und in schlimm wirkender Wohlmeinung das Essen, das Trinken auf. Man bringt dem Kranken Süßigkeiten u. a., was in solchem Zustande die Wirkung des Giftes tut. Man begeht, wie gesagt, unglaubliche Torheiten und sündigt unwissend schwer gegen die Gesundheit.

+Meldet sich der Appetit+, bittet der Kranke um Festes, um Flüssiges, so gebe man +ja recht wenige, einfache+ (nicht viel gesalzene, nicht gewürzte), +milde, leicht verdauliche Speisen+, niemals bis zur vollen Sättigung. Ich empfehle als Beigabe namentlich +gut eingekochte Früchte+. +Wasser mit etwas Wein+, +Wasser mit Milch+ und später +Milch allein+ sind das beste Labsal. Man hüte sich, den Konditor, den Zuckerbäcker zum Krankenfütterer zu machen.

Man hat bereits mancherorts begonnen, bei +Blattern-Epidemien+ das Wasser als Heilmittel anzuwenden, in vielen Fällen leider viel zu schroff und abschreckend. Es wäre nur zu wünschen, daß die Anwendung noch viel allgemeiner und in der Praxis viel gelinder, leichter[29] würde; zahlreiche Menschenleben könnten so gerettet werden. Nach meinen bisherigen Erfahrungen wage ich die Behauptung: kein an Blattern Erkrankter, der nicht außer den Blattern ein anderes schweres Leiden hat, würde (wenige Fälle ausgenommen) dieser Krankheit unterliegen. So oft ich lese, wie in einem Jahre Hunderte und Tausende von dieser Seuche, vielmehr der ihr vorangehenden und sie begleitenden Fieberhitze hinweggerafft werden, wandelt mich große Schwermut an. Das Löschmittel steht parat, aber oftmals wird kein Tropfen zur Kühlung, zum Auslöschen der Hitze verwendet. Wer versteht solches? Daß doch die Wirkung und Heilkraft des Wassers endlich zur vollen Geltung käme!

+Die Heilung der Blattern durch Wasser+ hat noch den +speziellen Vorteil+, daß der Giftstoff nie tief einfrißt und daß deshalb nach solcher Behandlung +niemals die entstellenden Blatternnarben+ das Gesicht fürs ganze Leben kennzeichnen.

Die +Waschungen+, welche wir in unseren obigen Fällen verordnet haben, können +ersetzt+ werden durch den +spanischen Mantel+, den man täglich zweimal, bei großen Hitzen dreimal umlegt je 1-1½ Stunden lang. Man +versäume es nie+, nach jeder Anwendung den Mantel sorgfältig auswaschen zu lassen; er enthält jedesmal eine Menge giftiger Stoffe.

Eine weitere Anwendung besteht darin, daß man, zu Bette liegend, ein zweifach zusammengelegtes grobes Linnen ins Wasser taucht, es auf Brust und Unterleib legt in Form des +Oberaufschlägers+ (s. Aufschläger) und nachher in derselben Weise den +Unteraufschläger+ folgen läßt. Bei großer Hitze kann dieses Verfahren in einem halben Tage zwei- bis dreimal wiederholt werden.

Blutarmut (Bleichsucht).

Weil der ganze Körper aus Blut gebildet ist und der ganze Körper seine Größe, seine Kraft und Ausdauer vom Blute hat, so darf ich den Satz aufstellen: wer gesund bleiben und lang leben will, der muß gutes Blut und hinlängliches Blut haben. Die Natur bereitet aus Speise und Getränk das notwendige Blut, und man kann mit Recht sagen: wer gutes Blut hat, ist gesund, und wer viel Blut hat, ist ausdauernd, und wo wenig oder schlechtes Blut bereitet wird, werden alle möglichen Krankheiten eintreten können.

Zu einer guten Blutbildung ist vor allem notwendig eine gute, gesunde Luft, viel Licht, eine gute, entsprechende Nahrung, welche gutes Blut geben kann, und die erforderliche Bewegung oder Tätigkeit des Körpers. Gehen diese notwendigen Bedingungen ab, dann wird auch das Blut abnehmen, und sind die Nährstoffe nicht gut, dann wird zur Blutabnahme auch noch krankhaftes Blut bereitet werden.

Blutarmut kann auch eintreten, wenn man Blut verloren hat durch Verwundungen, Aderlaß und andere Blutverluste.

Wer blutarm ist, der ist auch schwächlich oder krank.

Ein Bild der Blutarmut ist der Bleichsüchtige. Das Gesicht des Bleichsüchtigen ist blaß, bleich, oft gelblich, bräunlich; besonders sind die Lippen und das Zahnfleisch abgestanden; die Augenlider sind matt, und so ist vorherrschend überall Schwäche, Magerkeit, Mangel an Wärme, gebückte Haltung -- somit ein Bild der Krankheit. -- Die weiteren Folgen sind: Herzklopfen, schwerer Atem, besonders beim Treppensteigen, Kopfweh, Kreuzschmerzen, Ohnmacht, Krämpfe, Magenkrampf, Verdauungsschwäche. Neigung bekommen solche Leute oft zu Speisen, die weder der Natur zuträglich sind noch ein gutes Blut geben können.

Als Heilmittel ist einzig sicher, daß der Kranke möglichst viel in frischer Luft verweilt, wenig im Zimmer, und dieses sei nur spärlich geheizt; die Kleidung sei ja nicht zu warm und +schließe sich nie fest+ an den Körper an, damit überall die Luft eindringen kann. Solche Kranke sollen womöglich vermeiden: dumpfe Luft, wie im Keller, geschlossene Räume, rauchige Zimmer!

Solche Kranke sollen nur gute, leichtverdauliche Nahrung genießen: Milch, gutes Brot, gekochte Brotsuppe und von ganz einfachem Mehl bereitete Speisen; sie sollen recht wenig auf einmal essen; 2-4 Löffel voll Milch, und dieses öfter, ist am besten; weil wenig Magensäfte vorhanden, wird sie nicht schnell verdaut und darum schlecht im Magen. Bewegung und Arbeit im Freien (aber nie über die Kräfte arbeiten!) ist gut zur Vermehrung des Blutes, und die Gesundheit kommt dann von selber.

Die Anwendungen mit Wasser sind folgende: In der Woche drei- bis viermal in der Nacht vom Bett aufstehen, sich ganz waschen und gleich wieder ins Bett; ins Wasser stehen bis über die Waden, eine Minute lang; gleich darauf kommen auch die Arme ins Wasser, in der Woche ungefähr zwei- bis dreimal.

Ist der Bleichsüchtige recht schwach und hat er wenig Naturwärme, so soll anfangs nur warmes Wasser genommen werden, sowohl für die Waschungen als für die Bäder; in das Wasser kann auch Salz oder Essig gemischt werden. Um den Appetit zu fördern, ist es recht gut, täglich dreimal, jedesmal 2-3 Eßlöffel voll, Wermuttee einzunehmen. Ein vorzügliches Mittel gegen Bleichsucht ist auch, täglich zweimal, jedesmal eine Messerspitze voll, Kreidemehl in 4-6 Löffeln Wasser einzunehmen.

Hat sich durch die bezeichneten Anwendungen der ganze Zustand gebessert, dann können statt der Waschungen und Fußbäder Halbbäder in der Woche zwei- bis dreimal genommen werden; dann werden Ober- und Knieguß, nicht zu oft angewendet, ihre Dienste tun.

Ein armes Dienstmädchen wird nicht leicht bleichsüchtig.

+Blutarmut bei einem Kinde+: Eine Mutter bringt einen Knaben, 5 Jahre alt. Der Knabe ist wohlbeleibt, hat eine recht gute Haltung, ist also recht gut gebaut, aber im Gesicht so bleich, daß die Farbe mehr die eines Toten ist als die eines gesunden Kindes. Das Kind hat weder Leben noch Mut, ist ohne Appetit, hat auch keine Kraft, kurz, das Kind ist so blutarm und der ganze Organismus so untätig, daß es mehr einem Greise ähnlich sieht. Mehrere Ärzte haben das Kind behandelt, geholfen hat nichts. Zwei Ärzte haben recht viel Wein zu trinken befohlen; doch der Zustand blieb der gleiche, und das Kind hatte gegen den Wein wie gegen alle Kost die größte Abneigung. Was ist hier zu tun?

1) Jeden Tag dem Kinde ein Hemd anziehen, in warmes Wasser getaucht, in welchem Heublumen gesotten wurden;

2) jeden Tag den ganzen Knaben waschen mit Wasser und Essig;

3) womöglich im Zimmer barfuß gehen lassen; auch ins Freie, in die frische Luft gehen. Zu essen und zu trinken gebe man einfache Hausmannskost: Wasser, Milch (aber immer nur kleine Portionen, 2-3 Löffel voll); so 14 Tage lang. Nach dieser Zeit:

1) Täglich in nicht zu kaltem Wasser gehen lassen bis über die Waden, 3-5 Minuten lang;

2) täglich einmal ganz waschen mit Wasser und Essig;

3) in der Woche ein- oder zweimal ein Hemd anziehen, in Salz- oder Heublumenwasser getaucht.

Mit diesen Anwendungen 14 Tage fortmachen und dann dieselben höchstens halb so oft gebrauchen.

=Blutbrechen= und =Blutsturz=.

Wenn sich eine Blutung einstellt, so fragt es sich, +ob das Blut aus dem Magen oder aus der Lunge+ kommt. Auf +Lungenblutung+ kann man schließen, wenn das Blut unter Husten entleert wird und hellrot und schaumig aussieht; hingegen auf +Magenblutung+, wenn es durch Erbrechen entleert worden und von dunkelbraun-roter, kaffeesatzartiger Farbe, klumpig und geronnen ist. Blutbrechen ist stets erschreckend und +erheischt Vorsicht+, da es immer größere oder geringere Gefahren in sich schließt.

+Kommt das Blut aus dem Magen+, wer weiß, welches Äderchen gelitten hat, ob und wann das Brechen sich wiederholen wird? Eine Vernachlässigung könnte Blutarmut oder eine schwere Krankheit zur Folge haben. Man suche darum die wunde Stelle schnell zu heilen, dann hat das Blutbrechen aus dem Magen keine Bedeutung.

Von +größerer+, oft recht großer +Gefahr ist das Blutbrechen aus der Lunge+. Man schaffe deshalb möglichst schnelle Abhilfe!

Bei beiden Arten des Blutbrechens ist +Tee von Zinnkraut immer+ ein erstes Hauptmittel wegen seiner zusammenziehenden Kraft. Ergießt sich das Blut aus der Nase, so ziehe man nach Können öfters solchen Tee durch die Nase ein. Kommt es aus dem Munde, so nehme man alle 10-15 Minuten ein paar Löffel solchen Tees ein. -- In der Regel stillt derselbe sehr schnell. Der Tee werde selbst nach vollständiger Stillung noch eine gute Zeit genommen. Mir persönlich ist kein Fall bekannt, in dem Zinnkraut nicht rasche Hilfe gebracht hätte.

Stellt sich das +Blutbrechen öfter+ ein, so müssen die +Ursachen+ erforscht werden. Es ist dann entweder die Lunge krank, und der Patient gehört zu den Schwindsüchtigen; oder es findet ein zu starker Blutandrang nach dem Kopfe statt, der gehoben werden muß (s. „Kongestionen“), oder es rührt von Magengeschwüren her.

Der Blutsturz, den die Verletzung eines edleren Blutorganes zur Folge hat, sei hier nur erwähnt. Da hat gewöhnlich alle Hilfe ein Ende. Meistens tritt plötzlicher Tod ein.

Hier ein Wort über das +Nasenbluten+. Viele Menschen haben sehr häufiges Nasenbluten und machen sich nichts daraus, weil es ihnen darauf „wohl“ wird. Dennoch ist und bleibt dieser Zustand ein ungesunder, dem sicher früher oder später eine schwere Krankheit folgen wird. Abgesehen von allem andern muß notwendigerweise allmählich Blutarmut, schwaches Blut usw. eintreten und damit die bekannten Zustände: Angst, Furcht, Erschrecken, Ängstlichkeit, Skrupulantentum der verschiedensten Art. Als +gute stillende Mittel+ beim Nasenbluten werden häufig gepriesen: den Betreffenden ohne sein Wissen zu erschrecken, ihm Wasser ins Genick zu gießen, ihn verschiedene Haltungen des Kopfes einnehmen zu lassen.

Ich bin gegen all diese oft das Gegenteil bewirkenden Manöver. Das einzig Richtige scheint mir zu sein, daß man den +Blutlauf in geregelten Gang+ zu bringen sucht, das übermäßig zum Kopfe steigende Blut in den Unterleib und in die Füße lenkt, die bei solchen Zuständen regelmäßig blutarm sind, woraus sich dann später allerhand Schwächen und Gebrechen ergeben.

Zu dieser +Ableitung des Blutes+ nach unten helfen vortrefflich: anfangs ein warmes +Fußbad mit Asche und Salz+, 15 Minuten lang, in der Woche zwei- bis dreimal; desgleichen wöchentlich 2-3maliges +Gehen auf nassen Steinen+ und 2-3 +kurze Wickel+. Ist die Natur erst erstarkt, so tun weiter vorzügliche Dienste der +Ober- und Unterguß+ und +Halbbäder+ mit Waschung des Oberkörpers, wöchentlich je eine Anwendung.

Ein +Nasenbluten+ gibt es, das nicht bloß bedenklich ist, sondern leicht den Tod bringt. Ein Mädchen von 15 Jahren, das in der Zeit der Entwicklung war, verblutete vollständig innerhalb 2 Stunden. Wie durch eine Röhre strömte alles Blut aus der Nase, das Bluten endete mit dem Tode (sog. Bluterkrankheit).

+Mir selbst kam der Fall vor+, daß ein Mädchen von 16 Jahren in ungefähr 1½ Stunden durch die Nase drei Lavoirs reines Blut verlor. Die zunehmende Totenblässe und die anrückende Schlafsucht ließen das Ärgste befürchten. Nachts 2 Uhr wurde ich schleunigst gerufen, die Verblutende zum Sterben vorzubereiten. Alle Hausmittel waren erschöpft, ein Arzt nicht zur Stelle. Ungesäumt ließ ich ½ Gießer mit Wasser auf den Kopf spielen, die andere Hälfte auf den oberen Rücken. Fast augenblicklich hörte das Bluten auf. Das Mädchen lag mehrere Stunden ruhig, aber in seiner Schwäche mehr oder weniger bewußtlos da. Kaum hatte es sich etwas erholt, so meldete sich das Nasenbluten wieder. Der Guß wurde wiederholt und erzielte dieselbe Wirkung. Zur Hebung der Schwäche nahm die Kranke -- Appetit und Durst fehlten gänzlich -- jede halbe Stunde 2-3 Löffel Milch; nach 2 Tagen konnten bereits Kraftsuppen folgen, die, im Wechsel mit Milch und in überaus geringen Portionen genommen, allmählich dem so arg geschwächten Körper etwas aufhalfen. Der +Oberguß+ wurde +täglich pünktlichst+ vorgenommen. Die Blutungen blieben aus, dagegen meldete sich binnen kurzem ein recht guter Appetit. In 4-6 Wochen erholte sich die Kranke sichtlich, in einem halben Jahre fühlte sie wohl im Innern noch Schwäche, im Äußern war das Aussehen blühend wie früher. Die beginnende Entwicklung mag, wie im ersten Fall, Ursache der Blutung gewesen sein.

Blutfluß.

Ein Hausvater kommt und erzählt folgendes:

„Meine Frau hat schon länger den Blutfluß und ist am Sterben; bis ich heimkomme, ist sie vielleicht schon gestorben. Ärztliche Hilfe gibt es keine mehr. Gibt’s denn gar kein Mittel?“

Ich gab dem Manne den Rat: Die Frau soll 1) anfangs nach je ¼ Stunde 2-3 Eßlöffel voll Zinnkrauttee nehmen, später täglich je 2 Löffel voll; 2) auf den Unterleib ein Tuch legen, in halb Wasser und halb Essig getaucht, 2 Stunden lang, und innerhalb dieser zwei Stunden nach je 20 Minuten wieder frisch eintauchen. Die Blutung hörte rasch auf, und das Weib hatte bloß noch zweimal, jedesmal eine halbe Stunde, einen solchen Überschlag anzuwenden.

Um wieder Blut zu bekommen, hat die beste Wirkung hervorgebracht: in jeder Stunde zwei Eßlöffel voll Milch zu der gewöhnlichen Hausmannskost. Nach vier Wochen konnte dieses Weib ihren Hausgeschäften wieder nachkommen.

Bemerkt sei hier, daß solche Anwendungen nur im Notfalle angezeigt sind, bis ein Arzt zur Stelle ist.

Blutvergiftung.

Eine Hausmutter hatte sich an einem Finger ganz unbedeutend geritzt, sie wußte nicht, ob an einem Nagel oder Holzsplitter, -- beachtete diese Kleinigkeit gar nicht und ging am Abend ins Bett, ohne den Schaden näher anzusehen; er schien ihr zu unbedeutend. In der Nacht schon wacht sie auf, empfindet im Finger einen schmerzhaften Krampf, große Übelkeit, Brechreiz bis zum Erbrechen. Der Schaden war an der linken Hand, und sie empfindet auch Schmerz und Krampf am rechten Fuß. Die Hand schwillt stark an bis an den Ellbogen, wird feuerrot, und innerhalb 10 Stunden tritt am ganzen Arm ein fast unausstehlicher Schmerz ein. Die Adern bis zu dem Ellenbogen treten stark hervor und sind ganz dunkel. Arzt war keiner im Ort, und es war sichtbar die höchste Gefahr im Verzug, es werde die Blutvergiftung die Herrschaft bekommen. Die Röte war bereits über den Ellenbogen schon zur Hälfte auf den Oberarm gekommen.

+Heublumen+ wurden mit siedendem Wasser übergossen, und die ganze Hand wurde mit so heißen Heublumen, als sie dieselben nur ertragen konnte, eingewunden. Der ganze Arm wurde mitsamt dem Verband in das heiße Heublumenwasser gelegt, acht Stunden lang. Diese Heublumen zogen wie ein Zugpflaster am ganzen Arm, und so ist es denselben gelungen, die Giftstoffe aus dem Blut auszuziehen, mithin wieder ein Beweis, wie schleunigst eingewirkt werden soll, wenn die Zeichen einer Blutvergiftung sich zeigen. Vielleicht wäre nach 1-2 Stunden die Hausfrau schon ein Opfer des Todes geworden. Bemerkt soll noch werden, daß selbst die Zunge schon eine bläuliche Farbe bekommen hatte. Nach 36 Stunden war auf der flachen Hand die Haut von allem Fleisch so abgelöst, daß sie hätte abgezogen werden können. Als die Krämpfe in dem Finger nachließen, hörte auch natürlich alle Übelkeit auf.

Blutzersetzung.