Part 17
Agatha kommt und klagt: „Drei Jahre lang war ich von heftigen Kopfschmerzen geplagt, so daß ich oft ganze Nächte hindurch nicht schlafen konnte. Meine Füße sind beständig kalt; läßt der Kopfschmerz etwas nach, dann habe ich solche Schmerzen auf dem Rücken, daß ich oft ganz steif bin. Auf viele Stunden weit habe ich alle Ärzte aufgesucht; helfen konnte keiner. Seit einem halben Jahre wird mein Augenlicht so schwach, daß ich kaum mehr die Häuser sehe, und wenn’s noch einige Zeit so fortgeht, werde ich stockblind.“
Agatha mußte
1. in jeder Woche zweimal ein Hemd anziehen, in Salzwasser getaucht, und in eine Decke eingewickelt 1½ Stunden lang bleiben;
2. in der Woche zweimal einen kurzen Wickel, in Wasser getaucht, worin Heublumen gesotten worden, warm 1½ Stunden lang nehmen;
3. täglich eine Minute lang Wasser auf die Knie gießen und darauf Bewegung machen; so zwei Wochen lang.
In der dritten Woche mußte sie täglich einen Oberguß und Knieguß des Morgens nehmen und nachmittags ein Halbbad, außerdem täglich drei Minuten im Wasser gehen; so auch in der vierten Woche. Nach vier Wochen war der heftige Blutandrang zum Kopf verschwunden; das Augenlicht war wieder hergestellt, weil die Ursache (der Blutandrang) gehoben war; die Füße waren warm, und die Kranke war geheilt.
Als weitere Anwendung mußte Agatha in der Woche drei Halbbäder nehmen zur Kräftigung des Körpers.
Augen-Star.
Ein Beamter brachte einen Knaben von neun Jahren, der augenleidend war. Beide Augensterne gaben so spärliches Licht, daß der arme Kleine nur mit Mühe allein gehen konnte. „Wie kommen Sie zu mir?“ „Ja, mein Kind“, sagte der Vater, „war längere Zeit in einer Augenheilanstalt; es wurde aber entlassen mit der Erklärung, das Leiden sei der unheilbare +graue Star+. Das ist schrecklich: Neun Jahre alt und blind!“ Das eine Auge erschien schon derart getrübt, daß man den Stern nur mit recht gutem Auge noch teilweise unterscheiden konnte; eine totale Finsternis war es für den Kleinen. Auf dem anderen Auge lag eine Wolke, und wie der äußere Sonnenrand, ehe der Ball hinter den Wolkenbergen verschwindet, nochmals aufleuchtet, so glänzte noch ein letztes Streifchen des ehedem lichtvollen Auges vor seinem gänzlichen, elendiglichen Untergange.
Der bedauernswerte Knabe +litt nicht allein an den Augen+, das sagte mir sein erster Anblick. Der ganze kleine Organismus war aufs tiefste heruntergekommen, elendiglich zugerichtet, so verkümmert, daß jedermann der Gedanke kommen mußte, dieses Kind ist durch und durch krank, fast, so scheint es wenigstens, abzehrend; kein Appetit, kein Leben, abgemagert, die Haut ganz trocken; rasch gestrichen stäubt diese förmlich. Also nicht die Augen allein, der ganze Körper ist krank, recht krank. Suchen wir zuerst diesen zu heilen, vielleicht öffnen sich dann auch die Augen wieder.
Wir begannen, nachdem wir zuerst die bislang getragene Brille entfernt. Der Knabe mußte +täglich soviel wie möglich im nassen Grase oder auf nassen Steinen+ barfuß gehen, und täglich wurden im Anfang +Rücken, Brust und Unterleib+ ein- bis zweimal kräftig gewaschen. Nach einiger Zeit traten an Stelle der Waschungen +Halbbäder+, endlich +Ganzbäder+, nie länger als eine Minute. Dazwischen hinein fiel +abwechslungsweise der Wickel+ oder +das nasse Hemd+, in Salzwasser getaucht, auf 1½ Stunden. Alle diese Anwendungen bezweckten, neue Tätigkeit, neues Leben in den Körper zu bringen, mit anderen Worten, den Körper zu heilen und zu kräftigen.
+Speziell für die Augen+, d. i. zu deren Reinigung und Stärkung, verwendete ich +mehrere Augenwasser+: zuerst das +Aloëwasser+ (man nimmt eine Messerspitze Aloëpulver und kocht dasselbe ein paar Minuten in einem Schoppen = ¼ Liter Wasser). Drei- bis fünfmal täglich wurden damit die Augen gut ausgewaschen, besonders im Innern. Aloë löst auf, reinigt und heilt. Später folgte diesem +Alaunwasser+ (zwei Messerspitzen Alaun werden in einem Schoppen Wasser gemischt), zu täglich drei- bis viermaligem kräftigem Auswaschen. Alaun ätzt und reinigt. Noch später nahm ich +Honig-Augenwasser+ (ein halber Löffel Honig wird in einem Schoppen Wasser fünf Minuten lang gesotten) zu täglich drei- bis fünfmaliger Waschung namentlich des inneren Auges. Der Knabe gedieh körperlich so kräftig, daß von Woche zu Woche seine Kräfte zunahmen, sein Aussehen frischer, gesünder, blühender wurde und Geist und Körper allmählich in die richtige Verfassung zurückkehrten. In dem blühenden Kopfe +erblühen auch wieder die so lange geschlossenen Augen+; sie leuchten zur Freude der Eltern hell und klar. Der Knabe sieht so gut wie seine Schulkameraden. Niemand würde glauben, daß das Kind je so armselig gewesen.
+Ich bin der festen Überzeugung+: die arg verkümmerten Augen waren nur ein Bild, eine Folge des noch ärger verkümmerten Körpers. Und wie vom welk werdenden Stamme die Blätter und der Blütenschmuck abfallen, so müssen im siechen Körper auch krank angelegte Augen vorkommen. Treibt der Stamm von neuem, dann treiben und grünen und blühen auch frisch und neu Blätter und Blüten.
Ausschläge.
Darunter verstehen wir +alle jene unnennbaren+ und unbezeichenbaren +Haut-Unreinigkeiten+, die oft in einer Nacht, in einem Tag kommen und vergehen. Man schenkt denselben wenig oder gar keine Acht. Zuweilen indessen können sie recht lästig werden und plagen dann die Brust, den Rücken, die Arme, die Beine oder andere Stellen des Körpers. +Jahrelang+ kann man die Last tragen, ohne daß sie den Träger krank macht oder auch nur in auffallender Weise in den Berufsarbeiten stört. Doch kenne ich Personen, bei denen stets Geistesstörungen eintraten, so oft der Ausschlag verschwand. Selbst zwei Fälle von Tobsucht sind mir bekannt, welche ausbrach infolge schnell zurückgetretenen Ausschlages. Anwendungen, wie sie bei Flechten und Geschwüren angegeben sind, lockten den Ausschlag von neuem hervor, wodurch die Störungen gehoben waren. +Diese Kleinigkeiten sind also doch nicht so kleinlich+; sie können, vernachlässigt, insbesondere in der Reinlichkeitspflege, +große+ und +schwere Folgen+ haben. Neben +Geistesstörungen+ entwickeln sich insbesondere gerne +Abzehrung+, +Schwindsucht+, +Leber-+, +Nierenleiden+ und anderes mehr. Wo der fressende Gesell und seine Giftstoffe sich einnisten, da verwüsten, zerfressen und zerstören sie.
+Jedem derart Geplagten+ möchte ich raten, er solle früh genug, jetzt, wo er noch keine der genannten Folgen spürt, +wöchentlich+ (jeden dritten Tag z. B. eine) +ein paar leichte Anwendungen mit Wasser+ vornehmen. Solche sind der Reihe nach: die +kalten Ganzwaschungen+, der +spanische Mantel+ und der +kurze Wickel+. +Man erschrecke nicht, wenn+ nach der einen oder nach der anderen Anwendung +der Ausschlag stärker+ auftritt. Das ist ja ein trefflicher Beweis ihrer Wirkung. Man stelle die Anwendungen nur nicht ein, sondern fahre um so entschiedener damit fort!
Wer den Rat befolgt, wird an sich erfahren: Das Ende jeder Anwendung gut, aller Ausschlag gut. +Jeder Unparteiische+ urteile selbst, ob es besser sei, zu derartigen Reinigungen die häßlichen und abscheulichen Salben, heißen sie nun Schönheitsmilch, Wunderbalsam usf., zu gebrauchen oder das reine, kristallklare Wasser. Was mögen derlei ausgeschriene und jetzt bald in jedem Zeitungsblatte ausgehängte Salbereien für Zeug enthalten! Mancher und manche würden rot werden vor Scham, wenn seine Herren Kollegen, wenn seine hohen Verwandten wüßten, daß auch er oder sie unter die Quacksalber gegangen. Doch das hilft alles nichts, ich weiß es wohl. Die Welt hat gesalbt, und die Welt salbt. ~Mundus vult decipi~, d. h. die Welt wird weiter schmieren und salben. ~Habeat sibi!~
Ein Landwirt erzählt: „Ich habe schon mehr als zwei Jahre einen Ausschlag im Gesicht und am ganzen Körper. Manchmal sieht man wenig, dann kommt er aber stellenweise recht stark heraus. Ich bin sonst gesund; aber wenn sich dieser Ausschlag noch mehr verbreitet, wie es den Anschein hat, dann weiß ich nicht, welches Schicksal mich noch treffen wird. Ich habe schon vieles und verschiedenes dagegen gebraucht, doch alles umsonst.“
Anwendungen: 1) In der Woche zwei warme Haberstrohbäder mit zwei Wechseln, jedesmal 15 Minuten ins warme, eine Minute ins kalte Wasser, oder sich kräftig abwaschen. 2) Dreimal in der Woche in der Nacht vom Bett aus oder beim Aufstehen den ganzen Körper mit kaltem Wasser waschen. 3) Täglich eine Messerspitze voll weißes Pulver, wie in der Apotheke beschrieben. So 3-4 Wochen fortmachen, dann jede Woche ein- bis zweimal den ganzen Körper waschen oder, statt zu waschen, ein Halbbad nehmen.
Auszehrung.
Wir kennen viele Menschen, die außerordentlich schnell beleibt werden. Man fürchtet dieses im allgemeinen, weil die oftmals begründete Meinung herrscht, daß solche Leute meistens nicht lange leben. Desgleichen sind uns +viele+, Männer, Frauen und Kinder, +bekannt+, bei denen gerade das Gegenteil stattfindet, +deren Kräfte auffallend rasch abnehmen+. Sie gleichen dem Gras auf dem Feld, das heute grünt und morgen dörrt, und das Merkwürdige an der Sache ist, daß solche Kranke sehr häufig gar kein besonderes Leiden fühlen. Sie klagen meist nur über Mattigkeit, wenig guten Humor und entweder sehr großen oder gar keinen Appetit. Kommt man da nicht bald mit der Hilfe, so welken solche schon halbdürre Pflanzen nach und nach ganz ab; sie löschen aus wie ein schwachbrennendes Nachtlichtlein. Vielleicht kommt noch eine akute Krankheit dazu, die dem glimmenden Dochte rasch ein Ende macht. Kranke dieser Art kommen mir, um ein Bild aus dem alltäglichen Leben zu gebrauchen, vor wie ein Haus, das gebaut wurde aus schlechtem Kalk und Mörtel, das bald baufällig wird und bei dem in kurzem alles aus den Fugen geht. Er ist an der Brightschen Krankheit gestorben, hört man oft sagen. Das war so ein Zusammenbrechen eines morschen, baufälligen Körpers. Verschiedene Bezeichnungen für eine und dieselbe Sache! Gut essen und trinken hilft da nichts mehr. Wirf an ein zerfallendes Haus an diesen oder jenen Fleck noch einige Kübel Mörtel -- jeder Vernünftige wird lächeln! +Die Auszehrung unterscheidet sich von der Schwindsucht+ dadurch, daß bei dieser die Krankheit von einem Organe ausgeht, sei es von der Lunge, der Brust, dem Kehlkopf usw., und von diesem Punkte weitere Kreise zieht, bei jener aber mehr eine allgemeine Auflösung, ein Ruin des ganzen Körpers stattfindet. +Oft sucht+ man den +Hauptsitz+ oder den +Ausgangspunkt+ der Auszehrung in den +Nieren+, im +Unterleibe+; vielfach ist jede genaue Bestimmung vor der Sektion unmöglich; gar oft täuschen die scheinbar bestimmtesten und sichersten Zeichen.
1. +Ein ziemlich korpulenter Herr+ erfreute sich stets der besten und ausdauerndsten Gesundheit. Seine Lebensweise und Diät waren wohl geordnet. Plötzlich merkte er, daß seine Kräfte und seine Korpulenz schwinden. Er fühlte Schwindel im Kopf und getraute sich nicht mehr zu stehen, ohne sich festzuhalten. Peinlich vor allem war ihm der Gedanke, auf dem Boden ausschreiten, gehen zu sollen, ohne daß die Füße einen besonderen Halt hätten. Kaum sechs Wochen waren vergangen, und der Patient hatte 72 Pfund am Körpergewicht abgenommen. Der große und selten schöne Mann von ehedem wankte und schwankte daher wie ein geknicktes Rohr, leblos und tot wie ein Dürrling (dürrer Baum) im Walde. Alle ärztlichen Mittel wollten nichts helfen; der Kranke sah seiner baldigen Auflösung mit sicherem, aber wehmütigem Auge entgegen.
In diesem Zustande und in dieser Stimmung kam er zu mir; ich erkannte ihn nicht wieder, obwohl er mir sonst ein lieber Bekannter war. Ich selbst zweifelte an der Möglichkeit eines Wiederaufkommens. Doch riet ich, +einen letzten Versuch mit Wasser+ zu machen.
Die +Natur+, die in ihrer Selbstvernichtung begriffen war, +mußte gestärkt+ und dem selbstmörderischen Treiben gesteuert werden. Täglich zwei- bis dreimal ging der Kranke +barfuß im nassen Gras+ oder +auf nassen Steinen+. +Jeden weitern Tag+ nahm er einen +Ober-+ und +Unteraufschläger+, in der Woche einmal den +spanischen Mantel+. Diesen Anwendungen folgten +wöchentlich zwei Halbbäder+, ein +kurzer Wickel+ und +ein Ober- und Unteraufschläger+. Die Halbbäder lösten sodann +Ganzbäder+ ab, und zwar +kalte+ von je einer Minute Dauer und +warme mit zweimaligem Wechsel+, von beiden Arten +je eines+ in der Woche; ebenfalls +wöchentlich eine Ganzwaschung+. Zur +Ausheilung+ und zur Bewahrung vor einem Rückfall verordnete ich wöchentlich ein kaltes Ganzbad, einen Oberguß mit Knieguß und hin und wieder den spanischen Mantel. Das Bier wurde von vier bis fünf Glas auf zwei reduziert; die Kost mußte einfach und nahrhaft sein.
Schon nach +Schluß der ersten acht Tage+ war +Besserung+ eingetreten: +Stillstand der Kräfte-Abnahme+ und +Erstarkung+. Nach acht Wochen konnte der Genesene wieder seinen Berufspflichten vorstehen. Er nahm zu wie an Kraft, so auch wieder an Korpulenz und ist heute noch ein gesunder, stattlicher und kräftiger Mann.
2. +Eine Mutter+, blühend wie das Leben, verlor in wenigen Wochen die Frische des Aussehens und alle Kraft. Allgemein war über sie schon das Todesurteil gefällt worden, zumal die ärztlichen Mittel ohne Wirkung blieben. In ihrer Not flüchtete sie zum Wasser.
+Zweimal in der Woche+ zog sie +ein nasses Hemd+ an und wickelte sich in die trockene Wollumhüllung, in der sie je eine Stunde blieb. Dann nahm sie ebenfalls +wöchentlich zwei Halbbäder+ und setzte beide Übungen +14 Tage lang fort+. Der Zustand besserte sich. An Stelle der früheren Anwendungen traten jetzt +wöchentlich ein kurzer Wickel+ und +einmalige kalte Ganzwaschung+ vom Bette aus. Die vollständige Gesundheit ward der Mutter, die gesunde Mutter den erfreuten Kindern wieder geschenkt.
Bei +derartig Leidenden+ kann man (wie oben bei den Krankheits-Erscheinungen schon gesagt wurde) die +Bemerkung+ machen, daß sie bald zu viel Nahrung einnehmen, so daß die geschwächte Natur dieselbe nicht in der rechten Ordnung zu Säften, Blut, Knochen, Fleisch usf. verarbeiten kann. Es müssen schlimme Folgen eintreten, wie anormale Fettbildung, Anstauungen von Blut, von Säften usw. Die gut verteilten Wasseranwendungen lösen auf, leiten Unbrauchbares ab, regeln und ordnen den Blutumlauf, kräftigen und stärken den Organismus.
+Noch ein Fall ist möglich.+ Die Nahrung wurde eingenommen, geht aber ohne die gehörige Ausnützung wieder ab. Die Organe sind schwach und matt, untätig und arbeitsunfähig; sie sind in ihren Funktionen ganz geschwächt. Auch da müssen große Störungen im Körper entstehen, die Gesundheit muß untergraben werden. Schneide, welcher Pflanze du willst, die Saugwurzeln ab, sie muß zugrunde gehen. Den Saugwurzeln gleichen die Organe. Das Wasser kräftigt, erfrischt sie. Du kennst das oberschlächtige Wasserrad. Es kommt der Sturzbach, die ganze Maschine gerät in Bewegung und Tätigkeit, alle Schaufeln drehen sich. So rüttelt das Wasser, das in geordneter Weise den untätigen Körper trifft, alle Organe aus ihrer Schläfrigkeit und Schlaffheit. Sie arbeiten wieder, und neues Leben pulsiert im neu auflebenden Körper.
+Wie viele junge Leute+ tragen heutzutage derlei sieche Leiber, wahrhaft schon halbe Leichname, mit sich herum! Ich wünsche allen von Herzen, daß sie zur rechten Stunde noch die rechte Hilfs- und Heilquelle auffinden mögen!
Beinfraß.
Ein Herr von Stand bekam eine +kranke Zehe+; er glaubte, der Nagel sei etwas beschädigt worden, und hielt die Sache keiner weiteren Beachtung wert. Die Zehe indessen entzündete sich und machte es notwendig, den Arzt herbeizuziehen. Dieser verordnete während mehrerer Wochen verschiedene Mittel. Die Zehe sei gut, meinte er, obschon die Entzündung an Ausdehnung gewonnen hatte und der ganze Fuß mächtig angeschwollen und zum Gehen und Stehen durchaus unbrauchbar war. Der Kranke ahnte nicht, was eingetreten war, bis sich eines Tages +zwei kleine Beinchen aus- und ablösten+. Daraufhin bekam er Mißtrauen zu seinem Fuße und zu all denen, die denselben bislang für ganz ausgezeichnet gehalten und erklärt hatten. Der Herr kannte mich und bat mich, nachzusehen. Es war +Beinfraß+ eingetreten. Alsbald ließ ich +Zinnkraut+ in Wasser sieden und den kranken Fuß, soweit die Geschwulst reichte, mit in den Absud getauchten Tüchern überschlagen. Innerhalb ganz kurzer Zeit war die Geschwulst und der noch junge Beinfraß gehoben; der Fuß heilte wieder zu, und sein Herr gebrauchte ihn wie früher.
+Nach ungefähr einem Jahre meldete sich das fatale Leiden von neuem+, diesmal +an dem anderen Fuße+, und zwar genau wieder an der großen Zehe. Der Arzt durchschnitt die Zehe und wendete scharfe Mittel an, welche die Zehe zuheilten. Während des Heilens spürte der Patient am anderen Fuße einen ähnlichen anhaltenden Schmerz wie früher vor dem Auftreten des ersten Leidens. Die Heilung der Zehe schritt indessen weiter und wurde schließlich als fertig und gelungen erklärt, wenn auch die durchschnittene und geheilte Zehe um die Hälfte dicker und immer etwas gerötet blieb. Der berufseifrige Herr konnte gehen und arbeiten, und was wollte er auch mehr? Als einer, der mit der Wahrheit nicht hinter dem Berge hält, sondern immer gerade herausrückt, wurde ich gemieden und nicht weiter gefragt. Mir war das lieb; denn meine Antwort hätte lauten müssen: Die Krankheit ist teilweise gehoben, aber nicht entfernt. Die Folge wird sein, daß früher oder später der Beinfraß weiterfrißt. Ich hatte mich nicht getäuscht; so kam es. +Wie mußte dieser Fuß behandelt werden?+ Notwendig müssen +beide Füße zugleich+ in Behandlung kommen, so lange, bis kein Fleckchen von besonderer Röte mehr zu sehen und keine Spur von Schmerz mehr zu fühlen ist. Sie sind zu behandeln mit in +Haberstrohabsud+ eingetauchten +Fußwickeln+, in der Art, daß die Füße täglich einige Male umwickelt werden und die Wickel über die kranken und schmerzhaften Stellen etwas hinausreichen. Die vollständige und wirkliche Heilung wird nicht allzulange währen.
+Wie kommt es wohl+, daß in unserem Falle +gerade in den Füßen der Beinfraß sich festsetzte+? Weshalb nicht z. B. in den Händen oder Armen? -- Dieser Herr hatte früher eine schwere, langwierige Krankheit durchgemacht, als deren Folge eine große Schwäche, besonders in den Füßen, zurückblieb. Möglich, daß darin kranker, giftiger Stoff liegenblieb. Sicher ist, daß bei dem dermaligen Rekonvaleszenten die Füße wegen ihrer schweren Arbeit (sie allein tragen stets den Körper, und oft was für einen!) sich nie gehörig erholen konnten und so als der schwächere Teil den Angriffen des Giftstoffes leicht erlagen.
Der Herr lebt noch. Er darf recht achthaben, wenn er vom Beinfraß nicht mehr will heimgesucht werden. +Bei den geringsten Anzeichen+ möge er alsbald meinen freundlichen und gutgemeinten Rat befolgen und mit den Umschlägen von Zinnkraut- oder Haberstrohabsud nicht zögern. ~Sero venientibus ossa!~ Der Herr ist Lateiner, er lächelt und versteht mich. Wer nicht Latein kennt, soll nicht grübeln und sich kein graues Haar wachsen lassen, wenn ich diesmal gegen meine Gewohnheit die Fremdwörter nicht verdeutsche.
Andere Fälle mit geheiltem Beinfraß übergehe ich, da sie jüngere Personen betreffen, bei denen im Beginn des Leidens die Heilung leicht und schnell zustande kommt.
Bettnässen.
Dieses Übel kommt bei der heranwachsenden Jugend beiderlei Geschlechtes häufig vor. Auch gibt es viele Erwachsene, die bis in die 20er Jahre und noch länger daran leiden. Man findet in Zeitungen allerlei Mittel ausgeschrieben und angepriesen; gewöhnlich ist’s nur Schwindel. Leider, daß diese oft sehr schädlichen Mittel angewendet und solche unglückliche Kinder noch mit Rute und Stock gezüchtigt und verhöhnt werden, was doch gewiß nicht helfen, sondern das Übel nur ärger machen kann. Mir wurde von einer Anstalt erzählt, daß die betreffenden Kinder jedesmal vor dem Schlafengehen bestraft wurden. Die armen Geschöpfe können vor Angst und Furcht nicht sogleich einschlafen, geraten dann um so tiefer in Schlaf, und um so sicherer behauptet das Übel die Herrschaft. Der Grund des Leidens liegt in der Schwäche der Natur; wird diese gekräftigt, so muß jenes in Bälde weichen.
Sechs Kindern von 8 bis 13 Jahren riet ich, sie sollen täglich in einer Badewanne mit so viel Wasser, daß es bis an die Waden reicht, hin und her gehen 3-5 Minuten lang, dann im Zimmer oder im Freien rasche Bewegung machen, damit die Naturwärme schnell wiederkehre. Nach fünf Tagen passierte nur noch zwei Kindern das Unglück; in wenigen weiteren Tagen waren auch diese geheilt.
Eine zweite Anwendung bestand darin, daß sie nach dem Gehen im Wasser auch die Arme zwei Minuten in kaltes Wasser hielten, was sichtlich nicht bloß gegen fraglichen Fehler wirkte, sondern den zuvor krank aussehenden Kindern eine gesunde Gesichtsfarbe verlieh.
Auch bei Erwachsenen kann das angegebene Mittel ausreichen. Nur wenn durch Schwäche auch die Säfte mit dem Blute sehr heruntergekommen sind, empfiehlt es sich, täglich eine Tasse Schafgarbentee zu trinken, die eine Hälfte am Morgen, die andere am Abend.
Bemerkt sei hier, daß das kälteste Wasser am wirksamsten ist. Ich machte bei solchen Kindern den Versuch mit warmen Bädern und erreichte das Gegenteil
Blasenkatarrh.
Ein Herr berichtet: „Ich bin 30 Jahre alt, leide nun schon drei Jahre an Blasenkatarrh und habe mir dieses Leiden infolge von Überanstrengung im Beruf und besonders durch allzu langes Aufhalten des Harns zugezogen. Im Anfange verrichtete ich noch zwei Monate lang die mir obliegenden Arbeiten unter großen Schmerzen, bis ich bei Tische plötzlich einmal vor Schwäche und Schmerz zusammenbrach. Vier Monate lang bin ich krank im Bette gelegen und so elend geworden, daß mein Körper einem Totengerippe gleich war, -- mein Körpergewicht betrug bloß mehr 82 Pfund. Der Arzt verordnete mir nun Wildunger-Wasser, wovon ich etwa 100 Flaschen getrunken habe, und warme Sitzbäder. Ich bekam zudem noch einen sehr heftigen Magen- und Darmkatarrh. Nach vier Monaten, als es Frühling wurde, ging es besser. Im Sommer sodann ging es mir erträglich, wiewohl ich immer noch zeitweise große Schmerzen verspürte und der Urin sehr oft, ja beinahe täglich noch trübe war. Der Winter aber brachte mir wieder ein ganzes Heer von Schmerzen; erst der folgende Frühling und besonders der Sommer halfen mir wieder auf die Beine. Aber im Winter 1887 steigerten sich die Blasenschmerzen wiederum mit jedem Tage; der Urin floß immer spärlicher, ward trüber, und ich mußte drei Wochen das Bett hüten. Meine körperlichen Kräfte schwanden immer mehr, so daß man glaubte, eine Art Abzehrung habe sich eingestellt. Am Unterkörper war ich zumeist kalt und konnte mich trotz des geheizten Zimmers, der fünf Unterbeinkleider und der drei Paar Strümpfe nicht erwärmen; es ging abwärts mit mir. Der Arzt sagte, ich solle mich nur recht warm halten, und gegen das Blasenleiden verordnete er teils Wildunger-, teils Kronenquell-Wasser, wovon ich etwa 150 Flaschen leerte. Auf vielseitges Anraten entschloß ich mich, sobald die Witterung es erlaubte, nach Wörishofen zu gehen.“
Der Patient sah sehr abgemagert und elend aus, hustete aber nicht. Ich gab ihm gute Hoffnung auf Wiederherstellung. Schon am dritten Tage bekam er eine bessere Gesichtsfarbe, die Schmerzen nahmen von Tag zu Tag ab, der Urin floß reichlicher und heller, und nach vier Wochen erklärte er: „Nun bin ich wieder der frohe, heitere, gesunde Mensch wie ehedem, -- dies hat das Wasser getan.“
Der Erfolg war ein außerordentlich günstiger. Ein Arzt, der sich speziell mit Blasenleiden beschäftigt, erklärte den Herrn für vollständig hergestellt und war ganz erstaunt über den Heilerfolg.
Die Anwendungen waren: Anfangs einigemal Leibstuhldampf mit Zinnkrautabsud; ferner drei Wochen lang vor- und nachmittags Oberguß und Wassertreten; später Sitzbäder und Oberguß, täglich abwechselnd; außerdem anfangs Tee von Zinnkraut und Wacholderbeeren.
Blasenleiden, nervöses.