Part 16
Inhalt einer kleinen Hausapotheke.
=I. Tinkturen=
von
Arnika, Enzian, Heidelbeeren, Rosmarin, Wacholderbeeren, Wegwart, Wermut.
=II. Tee= von
Angelika, Anserine, Attich, Augentrost, Baldrian, Bitterklee, Brennessel, Dornschlehblüten, Eibisch, Eichenrinde, Erdbeeren, Hagebutten, Hollunder, Huflattich, Johanniskraut, Kamille, Lindenblüten, Lungenkraut, Malve, Minze, Mistel, Raute, Rosmarin, Salbei, Schafgarbe, Schlüsselblume, Spitzwegerich, Tausendguldenkraut, Veilchen, Wacholderbeeren, Waldmeister, Wegwart, Wermut, Wollkraut, Wühlhuber, Zinnkraut.
=III. Pulver= von
Alaun, Aloë, Angelika, Attich, Augentrost, Baldrian, Fenchel, Kampfer, ~Foenum graecum~, Huflattich, Leinsamen, Minze, Salbei, Santala, Wermut;
ferner
Knochenpulver, Kohlenstaub, Kreidemehl.
=IV. Öle= von
Anis, Fenchel, Kampfer, Raute, Wacholderbeeren;
ferner
Mandelöl, Nelkenöl, Salatöl, Spiköl.
Kraft-Nährmittel und Verwandtes.
Rezept zur Bereitung des Kleienbrotes.
Man läßt in der Mühle den Weizen mahlen mitsamt der Kleie. Die Müller tun dieses nicht gerne aus naheliegenden Gründen;[27] man soll deshalb die erhaltene Ware stets gut mustern.
Von dem Kleienmehle nimmt man 1, 2, 3 bis 4 Kilo (je nachdem man für wenige oder mehrere Personen zu backen hat) in eine Schüssel und macht mit heißem Wasser einen Teig an, der über die Nacht an einem mäßig warmen Orte stehen bleibt. +Weder Sauerteig+, +noch Salz+, +noch anderes Gewürz+ darf an den Teig kommen.
Am andern Tage formt man aus dem Teige kleinere, länglich runde Laibchen oder Wecken, bringt sie in den wie zum Backen gewöhnlichen Brotes geheizten Backofen und läßt sie 1¼-1½ Stunden in der Hitze.
Sogleich beim Herausnehmen stößt man das gebackene Brot auf 3-4 Sekunden in siedend heißes Wasser, dann kommt es gleich wieder zur Trocknung in den Ofen.
Diese letztere Manipulation habe ich von einem Prior der Trappisten erfahren, der sagte, er habe das Backen solchen Brotes lange und auf verschiedene Weise probiert und gefunden, daß diese Art des Backens die beste sei, indem so aus der Kleie aller Nähr-, insbesondere Zuckerstoff ausgezogen werde.
Ich kenne viele Männer, die mit Vorliebe solches Brot gegessen haben, jetzt noch essen und sagen, daß es bei Magen-, bei Verdauungs-, insbesondere bei +Hämorrhoidal-Beschwerden+ vorzügliche, einzige Dienste leiste.
Andere habe ich gekannt, die das geschmack- und gewürzlose Brot beim ersten Verkosten sonderbar fad fanden, die aber später, ich kann sagen, mit fast leidenschaftlicher Vorliebe darnach gegriffen haben.
Das gebackene Brot werde an einem kühlen Orte aufbewahrt und, sollte die Kruste zu hart sein, mit einem feuchten Tuche umwunden.
Etwas über die „Kraftsuppe“.
Ich bin der Ueberzeugung: wenn die Kraftsuppe erkannt und benützt wird, kann man eine große Anzahl unglücklicher Menschen beglücken. Gerade die Kraftsuppe ist nicht bloß wegen ihrer außerordentlich guten Nährstoffe zu empfehlen, sondern auch weil sie sehr wohlfeil und leicht zu bereiten ist.
Ein Herr von Stand, der diese Kraftsuppe kennen gelernt hatte, kaufte bei einem Bauern zwei große schwarze Laibe Brot. (Das schwarze Brot ist bekanntlich nur von Roggenmehl bereitet und wird für die Landleute genau eingemahlen, so daß nur wenig Kleie zurückbleibt und mithin aller Nährstoff des Roggens ausgenutzt wird.) Diese zwei Laibe Brot ließ der Herr in kleine Schnittchen schneiden und auf eine blecherne Platte bringen, welche auf den heißen Herd gestellt wurde, um das Brot soviel als möglich auszutrocknen. So recht hart getrocknet wurde es in einem Mörser zu einem groben Pulver gestoßen. Wollte er eine Kraftsuppe, so rührte er zwei bis drei Löffel voll von diesem Brotpulver in siedende Fleischbrühe, tat ganz wenig oder gar kein Gewürz, ebenso nur wenig Fleischbrühe daran. In zwei Minuten war die Suppe fertig. Sie schmeckt vorzüglich, gibt sehr gute Nahrung und bewirkt keine oder doch nicht viel Gase. -- Statt Fleischbrühe hat der Herr öfters Milch genommen und, wenn diese im Sieden war, das Brotmehl eingerührt. Nach zwei Minuten war auch diese Suppe fertig. Dieselbe hat noch einen großen Vorzug vor der mit Fleischbrühe bereiteten, weil ja die Milch die meisten Nährstoffe hat.
Hatte der Herr gerade keine Milch und keine Fleischbrühe, so ließ er Wasser sieden und ins siedende Wasser dieses Brotmehl einrühren. Es kam dann etwas Gewürze und Rindschmalz dazu, und auch diese Suppe verdient den Namen Kraftsuppe.
Eines Tages, in der Kirchweihwoche, kommt dieser Herr in ein Haus, wo die Bäuerin Brot aus Spelz gebacken hatte, der dem Weizen ähnlich ist. (Auch dieses Getreide wird bei den Landleuten möglichst genau eingemahlen.) Er kaufte sich zwei solcher Brote und verfuhr wie beim schwarzen Brot. Er mischte dann das gewonnene Brotmehl mit dem früher genannten durcheinander und ließ sich von dieser Mischung die Kraftsuppe machen, wie vorhin beschrieben ist. So bekam er sechserlei verschiedene Suppen, die auch selbst in ihrer Kraft verschieden sind. Der Wechsel mit denselben ist sehr gut, damit die Suppe nicht so leicht widersteht.
Diese Kraftsuppe ist ganz vorzüglich für recht +schwache Kinder+, weil sie leicht verdaulich und recht nahrhaft ist und keine Gase bewirkt. Sie ist auch der schwachen, +heranwachsenden Jugend+ zu empfehlen, um die Blutarmut zu heben, durch welche der Körper sehr leidet.
Diese Kraftsuppe ist ferner gut +für die Kranken+, weil sie der heruntergekommenen Natur viel Nährstoff bringt. Endlich ist sie besonders dem +hohen Alter+ zu empfehlen. Wenn die Zähne fehlen, um die festen Speisen gut zerkauen zu können, so soll man sich an diese Suppe halten. Es sollte keine Familie geben, wo die Kraftsuppe nicht eingeführt ist. Ich habe sie einst einem hohen Beamten geraten, der mir später versicherte, er kenne keine gesündere und nahrhaftere Suppe.
Bereitung des Honigweins.
(Sehr empfehlenswert für Gesunde und Kranke.)
Die alten Deutschen hatten wenig oder auch keinen Wein. Das braune Bier kannten sie nicht, weil es noch keines gab. Ihre Speise war sehr einfach, und dennoch waren sie ein mächtiger Volksstamm; sie erreichten ein hohes Alter und erfreuten sich einer außerordentlichen Gesundheit. Dieses hohe Alter und diese außerordentliche Gesundheit schrieben sie dem Met (Honigweine) zu. Es ist nur schade, daß dieses edle Getränk so wenig bekannt und an dessen Stelle das allgemein verbreitete Braunbier als Getränk gekommen ist, das durch die vielen Verkünstelungen oft nicht mehr als gesundes Getränk betrachtet werden kann. Es sind in den größeren Werken über Bienenzucht gewöhnlich auch Rezepte, wie der Honigwein bereitet werden könne. Man hört aber auch oft die Klage, daß man Versuche gemacht habe, diese Rezepte nachzumachen, aber nie zu einem glücklichen Resultate gekommen sei.
Ich lasse ihn gewöhnlich bereiten, wie folgt: Ich lasse in einen recht reinlichen kupfernen Kessel 60-65 Liter weiches Wasser bringen. Ist dasselbe ziemlich warm geworden, so werden zirka 6 Liter Honig darangerührt. Nun läßt man Wasser und Honig recht gelinde 1½ Stunden sieden. Zeitweilig wird der schmutzige Schleim, der sich oben ansetzt, weggeschöpft. Ist die Zeit des Siedens vorbei, dann wird dieses Honigwasser ausgeschöpft in blecherne oder irdene Geschirre. Ist dann selbes so abgekühlt, daß es noch mehr Wärme hat als das Wasser, das an der starken Sonnenhitze erwärmt wurde, dann wird es in ein sorgfältig gereinigtes Faß gebracht. Der Spund wird daraufgelegt, aber nicht befestigt. Ist der Keller ziemlich warm, dann beginnt nach 5-10 Tagen die Gärung. Nach ungefähr 14 Tagen Gärungszeit wird dieser junge gegorene Honigwein in ein anderes Faß abgezogen. Die Hefe bleibt natürlich weg. Im zweiten Faß dauert die Gärung ungefähr 10-14 Tage, und wenn der Honigwein ganz ruhig wird, daß man im Fasse nichts mehr hört, dann wird das Spundloch geschlossen. Nach 3-4 Wochen wird er hell und ist trinkbar. Wird er dann in Flaschen abgezogen, gut verstöpselt und in kalten Sand gebracht, so moussiert er in einigen Tagen ziemlich stark. Dieses Getränk ist sehr kühlend; deshalb trinken es die Fieberkranken recht gerne. Wenn Kranke weder Wein noch Bier trinken können, so ist ihnen ein solcher Honigwein ein Labsal. Er ist aber auch den Gesunden ein gutes Getränk; er soll jedoch nur in kleinen Portionen getrunken werden, sonst widersteht er.
Dritter Teil.
Krankheiten.
Einleitung.
Die folgenden Krankheitsfälle beruhen nicht auf Einbildung und Erdichtung. Es sind lauter aus dem Leben gegriffene +Tatsachen+, und für jede in denselben genannte oder angedeutete Persönlichkeit stehe ich jederzeit ein. Sie wollen nicht Lärm schlagen oder groß tun, sondern unterrichten und im Leben dienen.
Nur zu gut weiß ich selbst, welch +mangel-+ und +lückenhaftes Stückwerk+ dieser dritte Teil bildet, wie wenig er die Krankheiten erschöpft, d. i. vollständig aufzählt. Zum Teil hat die Zeit solches nicht erlaubt; in der Hauptsache aber wollte ich es gar nicht anders haben. Ich wollte nämlich nicht trocken die einzelnen Übel und deren Heilmittel herbuchstabieren; ich wollte mit Absicht und mit Rücksicht auf den mir zunächst vor Augen schwebenden Leserkreis die gewählten Fälle mehr in +Unterhaltungsform+ beschreiben, doch so, daß jeder Einzelfall zugleich Winke und Lehren gibt über die Zeichen (Symptome) der betreffenden Krankheit, über die gute Auswahl der Anwendungen usw.
Wie der im Garten einen Strauß windende Gärtner nicht von allen Blumen pflückt und nicht von jeder Sorte die gleiche Anzahl, so suchte ich auch auf dem Krankheitsfelde die am häufigsten unter uns vorkommenden Krankheiten und unter diesen diejenigen Fälle aus, welche mir besonders lehrreich zu sein schienen. Ob und inwieweit ich’s getroffen -- der Wille war gut! Und ich denke, wer mit gutem Willen ohne Voreingenommenheit liest, kann auch im Sande manches Goldkörnchen finden.
Über die +Schreibform+ im allgemeinen habe ich in der Vorrede gesprochen; ich bemerke hier nur, daß kleine Wiederholungen, vorzüglich in der Art der Anwendungen, der Klarheit wegen geschahen. Bezüglich der letzteren wolle man stets den ersten Teil zu Rate ziehen.
+Krankheiten+ sind +Kreuze+, lieber Leser! Jeder von uns wird früher oder später zum mindesten ein solches Kreuz zu tragen bekommen, vielleicht bis zum Absterben. Wir dürfen uns diese Kreuze zu erleichtern suchen. Schon zu Naaman, dem aussätzigen Syrerfürsten, sprach der Prophet Elisäus: „Geh’ hin und wasche dich siebenmal im Jordan, und dein Fleisch wird wieder gesund und du rein werden!“
Möge der Herr die gute Absicht, manchem recht schwer schleppenden Kreuzträger unter die Arme zu greifen, segnen!
Alphabetisches Verzeichnis der Krankheiten.
Abweichen.
Ein Mann von 48 Jahren kommt und erzählt: „Ich habe beständig Abweichen, heute schon siebenmal, weil ich gereist bin, zu Hause täglich ein- bis sechsmal. An diesem Übel leide ich bereits seit ¾ Jahren.“ Das Aussehen dieses Mannes war sehr gut, weder mager noch zu stark, die Farbe frisch. -- Dieser Kranke bekam: 1. jeden Morgen und jeden Nachmittag einen Oberguß, 2. jeden Morgen im Wasser gehen und jeden Nachmittag einen Knieguß.
Die Wirkung dieser Anwendungen war, daß nach fünf Tagen der Mann den ersten Stuhlgang bekam. Eingenommen hatte er nichts außer täglich sechs bis acht Wacholderbeeren.
Warum wohl hier diese Anwendungen gegeben wurden, die doch ganz verschieden sind von den sonst üblichen, so könnte mancher Leser fragen. Antwort: Weil dieser Mann gesund und kräftig aussah, auch das Auge frisch und gut, so war dies ein Beweis, daß noch gute Naturkraft vorhanden war; wird dieselbe nun unterstützt und noch mehr Wärme durch die Wasseranwendungen hervorgebracht, dann ist der innere Schaden bald durch die Naturkraft verdrängt, und somit findet hier das Sprichwort seine Anwendung: Ein guter Wirt wirft seine Lumpen selbst hinaus.
Als weitere Anwendungen würde ich empfehlen: in der Woche entweder 2-3mal ein Halbbad oder ebenso oft einen Oberguß mit Knieguß.
Asthma.
Ein Herr erzählt: „Ich bin 46 Jahre alt. Seit zwanzig Jahren leide ich an Asthma. Ich wandte mich an verschiedene Ärzte: allein sie erklärten meine Krankheit für unheilbar und verordneten mir nur Beruhigungsmittel, die alle erfolglos waren. So blieb mir nichts anderes übrig, als mein Kreuz zu tragen, bis mich Gott davon befreien wird. Dieses Kreuz war oft recht schmerzlich. Recht oft traten die Atembeschwerden, besonders zur Nachtzeit, in einem so heftigen Grade ein, daß ich ganze Nächte, auch bei der größten Winterkälte, an dem offenen Fenster stehen mußte, um nicht zu ersticken. -- Solch ein Anfall konnte mehrere Tage nacheinander fortdauern. Alle gebrauchten Mittel waren ohne Wirkung. Zu diesem langen Leiden kam noch Appetitlosigkeit, große Abnahme der Kräfte, so daß ich einsehen mußte, daß es so nicht mehr lange gehen könne. Endlich erbarmte sich der Himmel. Das Buch „Meine Wasserkur“ kam in meine Hände, und es kam mir als Helfer in der größten Not. In acht Tagen wurde ich geheilt. Es ist kaum glaublich, wie das Wasser eine Natur in kurzer Zeit so umwandeln kann. Die Anwendungen waren: 1) Oberguß, darauf Knieguß -- Wassergehen; 2) Rückenguß -- Schenkelguß; 3) Sitzbad --- Oberguß -- Halbbad; 4) Oberguß -- Rückenguß -- Wassergehen; 5) Halbbad -- Oberguß -- Sitzbad; 6) Vollbad -- Oberguß; 7) Schenkelguß -- Oberguß. Dazu täglich eine bis zwei Stunden im Gras barfußgehen. Es war Sommer, und meine Lage wurde von Stunde zu Stunde leichter.“
Atmungsbeschwerden.
Ein Priester macht folgende Angaben: „Ich bin gut gebaut, war stets gesund und kräftig; doch seit ¾ Jahren bin ich so verschleimt, daß ich recht viel Atemnot habe, und wenn der Husten kommt und die Atemnot, glaube ich, ich müsse ersticken. Ich hatte früher eine vorzügliche, klangvolle Stimme, und jetzt kann ich mich kaum mehr verständlich machen; auch werde ich so müde, daß ich fast nicht zu gehen vermag. Mehrere konsultierte Ärzte erklären es teils als Luftröhrenkatarrh, teils als Brustkatarrh.“
Anwendungen:[28] Täglich dreimal, auch viermal einen Oberguß und täglich zweimal im Wasser gehen bis über die Waden; so vier Tage lang. Nach diesen vier Tagen täglich zwei Obergüsse, einen Rückenguß und ein Halbbad. Zudem täglich noch im Wasser gehen; so fünf Tage lang; dreimal wöchentlich einen Shawl. Nach diesen fünf Tagen täglich ein Halbbad, einen Rückenguß, einen Oberguß und einen Knieguß. Nach kurzer Zeit war die ganze Kur vorbei. Es hat sich bei diesem Herrn eine ganz unglaubliche Masse Schleim abgesondert. Tag für Tag wurde das Aussehen besser, der Atem leichter, die Stimme reiner, die Gemütsstimmung heiterer. Nachteilig war für ihn früher die zu warme Bekleidung und Mangel an Bewegung.
Augen (-Katarrh).
Ein berühmter Militärarzt sagte mir vor zirka 35 Jahren: +Der Katarrh ist ein Übel, aus dem sich alle möglichen Krankheiten entwickeln können+, wie Schleimfieber, Nervenfieber, Typhus, Ruhr, Abzehrung, Schwindsucht usw. Darum härte man seine Natur gut ab, damit man bei all den unzähligen Anlässen und Gelegenheiten, die ganz dazu angetan sind, einem einen Katarrh anzuhängen, gesichert und gefeit sei. -- Hat man einen Katarrh, so soll man nicht eher ruhen, bis er vollständig ausgeheilt ist.
Bedeutet gänzliche Erblindung soviel als Elend, so sind die verschiedenen Augenleiden immer Führer zum Elend. Die Augen gleichen kostbaren Perlen in der Schädelschale. Aber es sind ihrer nur +zwei+. Ein unersetzlicher Verlust ist’s schon, wenn eines verloren geht. Sei darum wohl auf der Hut und hüte beide gut! Augenleiden kommen häufig schon bei +kleinen Kindern+ vor, die wenige Wochen alt sind, bei +Schulkindern+ noch häufiger. Wir können sagen, in jedem Alter und Geschlecht trifft man Augenleidende genug.
+Meistens+ stammt das Leiden +aus dem Körper+. Bei gesunden Menschen werden alle überzähligen Flüssigkeiten im Körper durch die Transpiration (Ausdünstung), durch das Atmen und anderes ausgeschieden. Wunderbar ist das Arbeiten dieser wunderbarsten aller Maschinen. +Anders+ kommt es, +wenn der Mensch krank wird+. Die Flüssigkeiten, welche der schwache Körper nicht mehr ausscheiden kann, sammeln sich an im Leibe, im Kopfe usw. +Was im Kopfe+ sich ansammelt, +wählt so gerne den Ausgang durch die Augen+. Die austretenden Flüssigkeiten sind scharf und ätzend, das Auge dagegen und alle Teile, die es bilden, überaus zart. Daher erklärt sich das +heftige Brennen+, welches der Ausgang der Flüssigkeit regelmäßig erzeugt. Das Brennen ist zugleich ein Zeichen, daß das Auge und die Gefäße im Auge +von der scharfen Jauche angegriffen werden+. Wird ihr Austreten gehindert, so +entzünden sich+ die Augen; sie werden oft +blutrot+, und das schmerzhafte und geschwächte Auge kann keine Helle, kein Licht mehr ertragen. +Heilung ist nur möglich+, wenn die Flüssigkeit so schnell als möglich ausgeleitet wird. Das Auge an und für sich und alle seine Teile sind gesund, die Jauche allein und ihre ätzenden Stoffe machen es krank.
+Die einen Augenleidenden sehen schon fast nicht mehr+ oder nur wie durch einen Schleier oder Nebel; andere glauben, es schwirren +Mücken+ und +Fliegen+ vor den Augen; andere sehen +Feuerbündel+, wieder andere anderes. +Alle+ diese +Übel+ quellen aus derselben Giftquelle, sind Blüten derselben Giftpflanze, rühren +von demselben Giftstoffe+ her. Entferne diesen Giftstoff, stärke das verwundete Auge, und es ist geheilt! +Ein Beispiel+ möge das Gesagte klarmachen.
+Das kleine Mädchen Antonia+, 5 Jahre alt, sieht recht blaß aus. Das Gesicht ist aufgedunsen, das ganze Aussehen krankhaft. Das Kind hat +entzündete+ Augen und kann die Helle nicht mehr ertragen. Auch der Appetit ist nicht gut; in der Nacht schläft es nicht, es weint nur viel. Was tun? Das Kind soll +täglich in ein Handtuch eingewickelt+ werden von unter den Armen an. Das Tuch werde zuvor in +lauwarmes Wasser+ eingetaucht, in dem +Haberstroh+ gesotten wurde. Das nasse wird mit einem trockenen gut umwunden. Wenn das Einwickeln zu einer Zeit geschieht, in der das Kind sonst zu schlafen pflegt, wird es bald einschlafen. Schläft es, so lasse man es ruhig bis zum Selbstaufwachen in der Umhüllung ruhen. Schläft es nicht ein, oder wacht es bald wieder auf, so soll es eine Stunde lang die Einfetschung tragen. Dieses Verfahren dauert +eine Woche lang+. In der +zweiten Woche+ bereite man dem Kinde ein +warmes Bad mit Absud von Haberstroh+ (zirka 24-26°), in dem es 15-20 Minuten bleibt. In der letzten Minute werde es mittels einer kleinen Gießkanne mit gewöhnlichem, nicht zu kaltem Wasser schnell +übergossen+ und sofort angezogen. Auch bei Kindern ist diese erfrischende Übergießung nach einem warmen Bade höchst wichtig. Die kranken Stoffe werden durch das warme Bad aufgelöst und ausgeleitet; durch den kalten Guß tritt Stärkung und Schließung der Poren ein. Das Kind wird das erstemal jammern und weinen, wie Kinder tun; hat es aber die Sache einige Male durchgemacht, so wird ihm unter Ermutigungen der Mutter das Besteigen der Wanne später ein leichtes sein. +Jeden zweiten+ oder +dritten Tag+ werde das Bad +wiederholt+. Das Kind wird sich bald frischer, kräftiger, gesunder fühlen; auch das Auge wird reiner werden. Wünscht die sorgende Mutter noch ein Mittel direkt für das Auge, so nehme sie ein Stückchen +Alaun+, so groß wie vier Gerstenkörner, löse ihn in einem halben Schoppen Wasser auf und wasche täglich drei- bis viermal die Augen der Kleinen. Alles wird recht werden. Auch +nach Entfernung+ des Übels versäume die Mutter es nicht, in der einen Woche das genesene Kind wenigstens einmal nach obiger Art zu waschen, in der anderen demselben so ein Bad zu richten.
Ist der kleine Patient nicht fünf Jahre, sondern erst +fünf Wochen+ alt, so darf die besorgte Mutter nicht erschrecken, wenn ich denselben Wickel und dasselbe Bad auch diesem Kleinsten anempfehle.
+Der kleine Anton+ mit vier Jahren ist +skrophulös+, hat Ausschlag am Kopfe, in den Haaren; auch um den Mund herum ist es nicht rein, die Augen sind entzündet. Die Mutter hat immer gemeint, das Kind sterbe; indessen es leidet, stirbt aber nicht. Die Mutter soll dem Kinde +täglich+ vor dem Schlafengehen ein +Hemdchen+ anziehen, das in Wasser, mit etwas Salz gemischt, eingetaucht wurde. Hernach soll sie das Kind schlafen legen und mit einer Decke gut umhüllen. Tut die Mutter dieses +in der ersten Woche+ alle Tage, +in der zweiten Woche+ jeden zweiten, in der +dritten+ jeden dritten, +in der vierten+ jeden vierten Tag, und gibt sie dem kleinen Anton noch täglich an die Kost oder in das Getränk eine kleine Messerspitze +Kreidemehl+, so wird der Bube gesund werden, und die Mutter wird sich ihres gesunden Kleinen freuen.
+Berta+ geht in die Schule, sieht aber recht leidend aus, hat fast jede Woche oder doch recht oft „+böse Augen+“, so daß sie nicht lesen kann. Die Augen sind ganz rot und brennen heftig. Die Mutter soll dem Kinde +innerhalb zehn Tagen sechsmal+ ein nasses +Hemd anziehen+, und reicht dieses Mittel nicht aus, so soll sie dem Kinde noch Bäder bereiten mit ungefähr 24° und zugegossenem Absud von Fichtenreisern, stets abschließend mit raschem kaltem Abguß. Nebenher kann als +Augenwasser+ dienen das +Aloë-Wasser+ (eine Messerspitze Aloë wird in ein Medizinglas gebracht und mit heißem Wasser aufgegossen), womit täglich dreimal die Augen ausgewaschen werden. Letzteres heilt das entzündete Auge und stärkt es.
+Wilhelm+, eine Knabe von neun Jahren, hatte Augenleiden. Er konnte nicht mehr lesen, kaum mehr ordentlich die Menschen unterscheiden; der Kleine war mehr als halb blind. Gegen 400 Mark hatten die Eltern schon für diese Augen verwendet. Nichts wollte helfen, nicht Doktor, nicht Apotheker. So verkümmert die Augen waren, so verkümmert war auch das ganze Kind: die Hände und Füße stets kalt, der Magen ohne Appetit, der Körper abgemagert, die ganze Gestalt traurig und gedrückt. Im Elende steckten nicht nur die Augen, im Elende steckte das ganze Menschlein. Blaue Brille und Führer bestätigten dieses auch nach außen hin.
In vier Monaten war Wilhelm völlig gesund am Körper sowohl wie an und in den Augen. Der Kleine mußte +in der Woche zwei warme Bäder+ nehmen. Viermal wöchentlich ließ ich ihn +ein Hemd+ anziehen, das in kaltes, mit etwas Salz gemischtes Wasser getaucht war. In der Umhüllung blieb er 1-1½ Stunden lang. Dazu hieß ich den Kleinen recht fleißig im nassen Grase oder bei Regen barfuß gehen. Nach Verlauf der ersten vier Wochen nahm Wilhelm in jeder +weiteren Woche drei bis vier Bäder+, nur mit 15 Grad und nie länger als eine Minute mit stets folgender Bewegung. Auch dieses währte einige Wochen. Dazu wusch der Knabe täglich zweimal seine Augen mit +Alaunwasser+ (eine Messerspitze Alaun zu einem halben Schoppen Wasser). Gleichen Schritt mit dem gesundwerdenden, neu auflebenden Körper hielten die wieder erwachenden Augen. Sie öffneten sich endlich ganz und leuchteten und strahlten zuletzt im gesunden und frischen Gesichte des Knaben, als wenn ihnen nie auch nur das geringste gefehlt hätte.
+Christine+, 24 Jahre alt, sieht aus wie die Blüte des Lebens, hat aber immer mit Augenleiden zu tun. Sie hat zu viel Blut im Kopfe, zu wenig Blut in den Füßen, deshalb auch stets kalte Füße.
Patientin nimmt +jeden zweiten Tag ein lauwarmes Fußbad+ mit Asche und Salz untermischt. Dieses zieht ihr das Blut vom Kopfe nach unten. +Dreimal in der Woche+ geht sie bis unter die Arme ins kalte Wasser (+Halbbad+), eine halbe Minute lang. Bei der Arbeit ist sie viel barfuß. Der Blutandrang zum Kopfe nimmt ab, hört allmählich ganz auf, und das Augenleiden verschwindet.
Augenleiden.