Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit

Part 14

Chapter 143,416 wordsPublic domain

Eines noch liegt mir am Herzen. Ich kenne einen Herrn von mehr als achtzig Jahren. Dieser bereitet sich seinen +Tischwein+ täglich selbst. Er gießt einen Eßlöffel echten Honig in siedendes Wasser und läßt dieses eine Weile kochen. Der Trank ist fertig; er soll gesund sein, kräftigen und vortrefflich munden. „Meine Gesundheit und meine Rüstigkeit in solchem Alter,“ meinte der Greis, „verdanke ich diesem Honigwein.“ Mag sein! Soviel kenne ich aus eigener Erfahrung (ich habe sehr viel +Honigwein+ bereitet, sehr viel trinken sehen, selbst auch manchmal ein Glas getrunken): dieser Wein wirkt lösend, reinigend, nährend und stärkend. Nicht nur dem schwachen, auch dem starken Geschlechte würde so ein Trank alle Ehre machen. Ich denke dabei stets an den +Honigmet+ der alten Deutschen. Diesem unverfälschten Biere schrieben sie, wie Tacitus erzählt, hauptsächlich ihre Gesundheit und ihr hohes Alter zu. Wer als echter Sohn urdeutscher Väter sich einmal also gestimmt fühlt, kann das Rezept dieses außer Gebrauch gekommenen Getränkes auf Seite 161 finden.

=Huflattich.= (~Tussilago farfara L.~)

Der Schöpfer hat manches Kraut und manche Pflanze wachsen lassen, die man wenig achtet oder gar verachtet, so daß man eine Freude hat, einer solchen Pflanze einen Fußtritt geben zu können. Dieses Schicksal trifft auch den Huflattich, weil er gewöhnlich als das reinste Unkraut gilt. Wer aber diese Pflanze kennt, wird sie hochschätzen und als vorzügliches Hausmittel behandeln.

Zum Reinigen der Brust und zum Säubern der Lungen ist es sehr ratsam, Lattichtee zu trinken. Engbrüstigkeit und Husten kann recht leicht durch diese +eine+ Pflanze gehoben werden, besonders wenn eine Anlage zur Schwindsucht vorhanden ist. Diese Blätter können, auf ein Tuch geheftet oder auch ohne dasselbe, auf die Brust gelegt werden. Sie ziehen die Hitze aus, hemmen Schwächen oder entfernen die Fieber. Vorzüglich wirken diese Blätter auf offene Geschwüre gelegt; sie nehmen die Hitze, den Zuschlag (Röte) und ziehen die schädlichen Stoffe nach außen.

Ganz besonders wirksam zeigen sich die Blätter bei offenen Füßen, wenn die Stellen blau und schwarz, stark entzündet sind; sie nehmen die Hitze und den Schmerz, und wiederholt aufgelegt sind sie ein ausgezeichnetes Heilmittel. Also bei hitzigen Geschwüren, bei Rotlauf, Gesichtsrose und ähnlichen Zuständen haben wir im Huflattich ein vorzügliches Mittel. Diese Huflattichblätter können auch im Schatten getrocknet, zu Pulver gerieben und als solches eingenommen werden; täglich zwei- bis dreimal jedesmal ein bis zwei Messerspitzen voll; dieses Pulver kann sogar in der Kost genommen werden.

=Johanniskraut.= (~Hypericum perforatum L.~)

Das Johanniskraut führte seiner großen Wirkungen wegen früher den Namen +Hexenkraut+. Heutzutage sind seine Leistungen und es selbst ganz vergessen.

Dieses Heilkraut übt besonderen Einfluß aus auf die Leber; sein Tee ist ihr vorzüglichstes Heilmittel. Eine kleine Beimischung von Aloëpulver erhöht die Wirkung, die sich im Urin zeigt, der oft ganze Flocken unreiner Krankheitsstoffe mitschwemmt.

+Kopfleiden+, die von wässerigen Stoffen oder Verschleimungen im Kopfe, auch von zum Kopfe dringenden Gasen herrühren, +Magendrücken+, leichte +Verschleimungen von Brust und Lunge+ heilt Tee von Johanniskraut in Bälde.

Mütter, denen kleine +Bettnässer+ viel Arbeit und Sorge bereiten, wissen von der stärkenden Wirkung solchen Tees manches zu berichten.

In Ermangelung von Johanniskraut wende man für all die genannten Zustände die Schafgarbe (~Achillea millefolium L.~) an.

=Kamille.= (~Matricaria chamomilla L.~)

+Kamillentee+ wird bei Erkältungen, besonders wenn diese fieberartige Zustände begleiten, bei +Grimmen+ (heftigem Leibweh), +Krämpfen+, starken +Kongestionen+ usw. verwendet; die +Kamillensäckchen+ sodann, die trefflichen Wärmer bei verschiedenen Zuständen, sind in jedem Hause so liebe Bekannte, daß es überflüssig erscheint, darüber ein Weiteres zu sagen.

=Kampher.= (~Laurus Camphora L.~)

Die Anwendung von Kampher ist eine allgemein bekannte und geübte. Derselbe wirkt lindernd, erweichend, schmerzstillend.

Zur Verwendung kommt der Kampher im Kampherspiritus und im Kampheröl.

Der +Kampherspiritus+ wird bereitet, indem man ein Stück Kampher, so groß wie eine Haselnuß, in einem viertel Liter Spiritus auflöst, und dient nur +äußerlich zum Einreiben bei Quetschungen, Verrenkungen, rheumatischen und krampfhaften Zuständen+. Viele benützen ihn zur +Stärkung und Kräftigung irgendeines Gliedes+; sie tun vollkommen recht.

Kampher, in Baumöl, Salatöl oder Mandelöl so lange gerieben, bis er aufgelöst ist, gibt das +Kampheröl+. Es erweist sich als vortrefflich zu +Einreibungen+ bei +Rheumatismus+ und Rückenschmerzen und lindert die großen Schmerzen, welche +Gichtarten+ und ähnliche Geschwülste und Verknorpelungen verursachen.

=Kleie.=

Wie unbegreiflich wir Menschen uns in manchen Stücken benehmen, das zeigt so recht, wenn auch nur in einem kleinen, unscheinbaren Punkte, die Behandlung der Kleie. Jede Dienstmagd wirft die Kleie den Schweinen vor, die Kleie, die, ich möchte sagen, gesündere und kräftigere Nährstoffe enthält als das Mehl selbst. Viel vernünftiger würde diejenige Hausmutter handeln, welche die nahr- und heilkräftige Kleie sorgfältig in selbsteigenen Verwahr nähme und dieses edle, nahrhafte und gesunde Heilmittel ihren schwachen Kindern gönnte.

+Schwächlingen+, +Rekonvaleszenten+ und +Kindern+ ist nichts lieber als leichtverdauliche Speisen. Was die schwächste Natur noch verarbeiten kann, ist ein +Absud der Kleie+, gleichsam der Extrakt der Frucht selbst.[24]

Man nehme +Weizen-+ oder +Kornkleie+ und koche sie drei Viertelstunden in heißem Wasser. Dann presse man die Kleie aus, +mische in den Absud Honig+ und lasse die Mischung nochmals eine Viertelstunde aufkochen. Von dem fertigen Kleientrunke nehme der Patient zweimal im Tage je einen Viertelliter. Semmelbrot, das er in den süßen Saft taucht, wird ihm sehr gut schmecken.

Für +Kinder+ und +alte Leute+ weiß ich kaum einen besseren Trank; mit Dank werden dieselben stets dieses Labsal begrüßen.

Daß wir alle doch wieder einfacher, genügsamer, natürlicher zu werden strebten! Gott gebe es; viel hängt davon ab!

=Knochenmehl.=[25]

Von diesem +Knochenkohlenpulver+ bereite ich mir stets drei Sorten. Die +erste Sorte+ ist das sogenannte

=~a~) Schwarze Pulver.=

Ich nehme gesunde Knochen eines gesunden, geschlachteten Stückes Vieh und setze dieselben so lange der Glühhitze aus, bis die Knochen zu Kohle verbrannt sind. Diese schwarzen Knochenkohlen werden fein zerstoßen, und das überaus einfache und unschädliche schwarze Pulver ist fertig.

Als +zweite Sorte+ verwahre ich das sogenannte

=~b~) Weiße Pulver.=

Ich brenne die Knochen wie Kalk, d. h. so lange, bis sie das Aussehen haben wie frischgebrannter Kalk. In der Tat habe ich ja auch der Hauptsache nach Kalk vor mir; denn die beigemengten Salze oder anderen Stoffe bilden bei weitem den kleinsten Teil. Die verkalkten Stoffe werden wieder pulverisiert, d. h. zu Pulver zermalmt, und ich habe ein Pulver, welches das Ansehen hat wie Kreidemehl, das sogenannte weiße Pulver.

Eine +dritte Sorte+ nenne ich das

=~c~) Graue Pulver.=

Ein Teil weißes Pulver, ein Teil schwarzes Pulver, ein Teil zerstoßener weißer Weihrauchkörner dürften in der Farbenmischung ungefähr auf grau herauskommen. Daher der Name.

Wer meine Bemerkungen zu der Rubrik „Kreidemehl“ gelesen hat, wird verstehen, weshalb das Knochenkohlenpulver in meiner Hausapotheke eine Rolle, und zwar eine sehr +wichtige Rolle+ spielt.

Nach +schweren Krankheiten+ und +bei Patienten, die recht geschwächt, an Kräften tief heruntergekommen sind+, ist die Wirkung am auffallendsten. Ich selbst konnte manchmal mein Staunen nicht unterdrücken.

Unklar könnte erscheinen, weshalb ich +drei verschiedene Pulver+ von denselben Knochen bereite. Die drei Arten des Knochenkohlenpulvers entsprechen verschiedenen Arten der Schwäche, an welcher die Patienten leiden.

+Rekonvaleszenten+, die eine +Kräftigung des Gesamtorganismus+ notwendig haben, selbst +Kinder+, die wie verkümmerte Waldbäumlein ein +elendes Dasein+ fristen und, man weiß nicht warum, mit den Jahren doch nicht an Kraft zunehmen (hieher zählen besonders die +Kinder+, welche an der sogenannten +Englischen Krankheit+ leiden), bekommen das +schwarze Pulver+ täglich in Wasser oder in der Speise, ein bis zwei Messerspitzen.

+Patienten+, bei denen ich sehe, daß die Maschine nur langsam und träge arbeitet, daß es mit der Verdauung und Blutbildung schlecht bestellt ist, daß manche Bestandteile des Körpers nur karg und unregelmäßig das bekommen, was sie zum Wachstum, zum Ansatze notwendig brauchen, daß insbesondere das +Knochengerüste+ wie ein baufälliges Mauergerüst wackelt und am Zusammenbrechen ist, solche bekommen das +weiße Kalkpulver+. Wie die Mutter dem ganz Kleinen Mehlbrei gibt, der dem noch zahnlosen Milchkindlein mund- und magengerecht ist, so bediene ich sozusagen die armen, hungrigen Knochen mit Knochenmehl, auf daß sie einzeln und im Ganzen wieder zusammenhalten.

Wie die Beimischung des Weihrauches besagt, wird das +graue Pulver+ insbesondere denjenigen Patienten oder Rekonvaleszenten verabreicht werden, bei denen die +inneren Gefäße in großem Schwächezustande+ sind.

Nun hast du, lieber Leser, das Geheimnis vom schwarzen, weißen und grauen Pulver, von dem viele, sehr viele Patienten zu erzählen wissen, und worüber schon so viel geraten und disputiert worden ist. Glaube mir, durch diese Pulver allein hätte ich ein reicher Mann werden können! Ich verabscheue und verurteile im Prinzip die Geheimmittelei und stimme vollkommen jenen bei, welche dieselbe als Pfuscherei und Quacksalberei brandmarken und verdammen. Meine Mittel brauchen das hellste Tageslicht nicht zu scheuen. Jeder prüfe und wähle das Beste!

=Kohlenstaub.=

Kohlenstaub wird stets aus Holzkohle bereitet. Den feinsten und besten liefert das +Lindenholz+, den selbst manche Apotheker bereiten. In Ermangelung von Lindenholzkohlen reicht jede +Holzkohle+ aus. Je +frischer+ sie ist, desto +bessere Dienste+ tut sie. Die frischeste Kohle ist die soeben aus dem Feuer geholte. Zerdrücke sie fein und du hast den oben genannten Kohlenstaub!

Nach Krankheiten, in denen die +Verdauungsorgane+ schwer gelitten haben, erleichtert diese unsere Kohle die Arbeit um ein gutes Stück. Es klingt vielleicht sonderbar, aber es ist so. Am leichtesten nehmen solche Rekonvaleszenten den Kohlenstaub in Milch mit etwas Zucker. Das Quantum darf täglich +einen mittleren Eßlöffel+ ausmachen und auf einmal oder in zwei Malen genommen werden.

+Auszehrende+ dürfen täglich im ganzen zu verschiedenen Zeiten zwei Schoppen Milch trinken und in jeden Schoppen (Glas) einen Löffel Kohlenstaub mischen.

Besondere Wirkung erzielt man bei +Leberkrankheiten+. Das Pulver werde wieder in Milch genommen.

Auf +alle eiternden, netzenden Geschwüre+ gepudert, täglich ein- bis zweimal, saugt der Kohlenstaub auf und befördert und beschleunigt durch diese Auftrocknung die +Neubildung der Haut+.

=Kreidemehl.=[26]

Wer hat nicht schon gesehen, wie nicht allein die Hühner, sondern auch andere Haustiere Körnchen von Kalk oder Mörtel verschlucken? Und wer hat nicht schon gehört, wie es notwendig geworden ist, vor manchem Kinde die Schulkreide zu verstecken, weil es sonst dieselbe entwendet und mit leidenschaftlichem Behagen das Stück wie Zucker zerbeißt und ißt?

+Sollte die Kreide bei manchen Zuständen dem Menschen in der Tat dienlich sein?+ Obige Vorkommnisse mahnen zu reiflichem Nachdenken. Ich habe Kreidemehl in großen Quantitäten selbst angewendet und viele es anwenden lassen. Die Erfolge waren ganz merkwürdige, d. i. überaus günstige.

Die Kreide enthält Kalk, Schwefel und andere Stoffe oder sagen wir lieber Baumaterialien, welche der menschliche Körper notwendig braucht, insbesondere zum Bau des Knochengerüstes, dieses herrlichen und kunstfertigen Baues des tüchtigsten Baumeisters.

Bei +Schwächlingen+ könnte der Bau mißraten oder an Festigkeit einbüßen; es fehlt ihnen gleichsam der gute Kalk, der alles andere, Sand und Steine, bindet.

Diesen, selbst +Kindern+, die +recht schwach+ sind, gebe ich Kreidemehl, täglich eine Messerspitze in Wasser oder in der Speise. Da das Mehl geschmack- und geruchlos ist, nimmt man es sehr leicht.

Wer an +schwacher Verdauung+ leidet, wer überhaupt bei aller Pflege nicht recht wachsen oder gedeihen will, probiere einmal täglich das oben angegebene Quantum Kreidemehl.

„Hier ist gegypst,“ ließ Franklin mit solchem oder wenigstens ähnlichem Kreidestaub auf ein herrlich prangendes Kleefeld in großen Lettern schreiben. „Bei diesem oder jenem wurde gekreidet,“ könnte ich von vielen Patienten sagen, die mir unter die Hände geraten sind.

Vor allen anderen Kranken empfehle ich diesen weißen Staub +Bleichsüchtigen+, die jeden Tag nicht eine, sondern zwei Messerspitzen -- die eine in der Frühe, die andere abends -- nehmen sollen. Ihr Weiß wird dieses Weiß bald wieder ins gesunde, lebensfrische Rot verwandeln.

Wirksamer noch als Kreidemehl ist Knochenmehl.

=Kümmel= (~Carum Carvi L.~)

siehe oben unter „Fenchel“ S. 128.

=Lavendel=, =Spike= (~Lavandula vera DC.~)

siehe unten S. 147 bei „Spiköl“.

=Lebertran.=

Ein tüchtiger Militärarzt tat mir gegenüber einst den Ausspruch: „Mit Lebertran wird großer Unfug getrieben, und schlechter Lebertran hat oft schon recht bittere Folgen nach sich gezogen. Es gibt Inseln, dort wirkt er bei skrofulösen Zuständen. Sonst aber verachte ich ihn.“

Niemand ist an dieses Urteil gebunden. Ich für meine Person verwende denselben nie. Als Heilmittel gilt er mir nicht, und da ich schlechten Lebertran als Nährmittel fürchte, gebe ich zur Nahrung anderes, welches das reichlich ersetzt und bringt, was Lebertran bringen soll.

=Leinsamen.= (~Linum usitatissimum L.~)

Die Leinsamenumschläge oder Aufleger sind allbekannt und allgemein in Übung. Mit denselben erzielt man ähnliche Wirkung (kühlend, aufweichend, lösend, ausziehend) wie mit ~Foenum graecum~. Ich gebe letzterem den Vorzug, da es mit mehr Kraft und Energie den Feind angreift.

=Lindenblüten.= (~Tilia grandifolia~ und ~parvifolia Ehrh.~)

Fast nur noch ältere Leute der alten Schule sammeln die einst so beliebten Lindenblüten. Sie haben ganz recht und mögen nur treu und konservativ bleiben.

Der Lindenblütentee ist neben dem Holunderblütentee der bekannteste +Schwitztee+. Über das Schwitzen, wie es in der Regel betrieben, vielmehr dem mißhandelten Körper ausgepreßt wird, habe ich meine für dasselbe nicht günstigen Sonderansichten. Dagegen verwende ich die Blüten sehr gerne für die den Schweiß erzeugenden und das Schwitzen ersetzenden Dämpfe.

Trefflich wirkt solcher Tee bei +altem Husten+, bei +Verschleimungen+ der Lunge und Luftröhre, bei +Unterleibsbeschwerden+, die ihren Ursprung in der Verschleimung der Nieren haben.

Statt der Lindenblüten verwende ich vielfach das Johanniskraut mit oder ohne Mischung von Schafgarbe; siehe Johanniskraut oben Seite 136.

=Lungenkraut=

siehe unten S. 148.

=Malve oder Stockrose.= (~Althaea rosea L.~)

Unter den Blumen im Garten dürfen die Malven nicht fehlen. Als der gute Schöpfer ihre uns erfreuende Blüte malte, hat er mit der Farbe in jedes Blättchen einen Tropfen Heilsaft gegossen.

Die Malvenblüten, besonders die der schwarzen Malve, als +Tee+ bereitet, heilen +Halsgebrechen+ und lösen +Verschleimungen+ auf der Brust. Gewöhnlich mischt man diese Blüten mit jenen des Wollkrautes.

Zu +Dämpfen+, mögen dieselben zum +Einatmen+ oder insbesondere als Ohrendämpfe dienen, erweist sich die Malve als sehr nützlich.

=Mandelöl.=

Das süße Mandelöl soll unter den Ölen der Hausapotheke einen der ersten Plätze einnehmen. Dasselbe wirkt bei verschiedenen Leiden und Gebrechen, innerlichen wie äußerlichen, lindernd, kühlend, lösend.

Bei +Verschleimungen+ in der +Luftröhre+, im +Magen+ löst es auf und stellt in letzterem Falle den Appetit und die Verdauung wieder her.

Bei +Entzündungen+, besonders bei der gefürchteten +Lungenentzündung+, kühlt es. Solche Kranke sollen täglich drei- bis viermal je einen Kaffeelöffel Mandelöl einnehmen.

Äußerlich angewendet dient dieses Öl vorzüglich bei den verschiedenen +Ohrenleiden+. Bei +Ohrensausen+, +Ohrenreißen+, +Ohrenkrampf+, bei +verhärtetem Ohrenfett+ ist Mandelöl das beste mir bekannte schmerzstillende, eventuell auflösende Mittel. Man gieße sechs bis acht Tropfen in das leidende Ohr und verstopfe dieses mit Baumwolle.

Wer durch +Erkältung+, +Zugluft+, +rheumatische Zustände+ am Gehör gelitten hat, gieße den einen Tag in das eine Ohr sieben bis acht Tropfen, den andern Tag in das andere ebensoviel und verstopfe jedesmal die Öffnung. Nach einigen Tagen kann er, mit lauwarmem Wasser das innere Ohr ausspülend, nach dem Erfolge forschen. Besser noch ist +der+ Patient daran, welcher sich durch einen Sachverständigen sachte mit einem Ohrenspritzchen behandeln läßt.

+Geschwülste mit großen Hitzen+ (Entzündungen) sollen mit Mandelöl zart eingerieben werden; es lindert den stechenden Schmerz und kühlt die brennende Hitze.

Die sogenannten „+Schrunden+“ der Landleute, die manchmal recht wehe tun, die +durch Sitzen+, +Liegen+, +Reiten+ usw. +entstandenen Wunden+, mögen diese was immer für einen Körperteil peinigen, werden durch Anwendung (gelindes Einreiben) mit süßem Mandelöl vortrefflich behandelt.

Wer unser Öl nicht besitzt, nehme statt dessen Salatöl; siehe unten Seite 146.

=Minze, Pfeffer- und Wasser-Minze.= (~Mentha piperita L.~ und ~Mentha aquatica L.~)

Pfeffer- (im Garten) und Wasser-Minze sind verwendbar und in ihren Wirkungen wenig verschieden. Der Wasserminze, die stärker wirkt, gebe ich den Vorzug. Die Minze zählt zu den +Hauptmitteln+, welche den +Magen stärken+ und die +Verdauung befördern+. Schon der würzige Geruch zeigt an, daß dieses Kräutchen bezüglich seiner Heilkraft einen vornehmen Platz einnehmen müsse.

Wer Minzenkräuter bei +heftigem Kopfweh+ auf die Stirne bindet, wird bald schon ein Nachlassen und eine Beruhigung fühlen.

+Minzentee+, jeden Morgen und jeden Abend eine Tasse, befördert die +Verdauung+ und macht das +Aussehen+ gesund und frisch.

Denselben Dienst tut das +Pulver+, wenn ich täglich ein bis zwei Messerspitzen desselben in Speisen oder in Wasser nehme.

Durch +Krankheit+ sehr +Geschwächte+, bei jeder Kleinigkeit vom +Herzklopfen+ Befallene, viel an +Übelkeiten+ und +häufigem Erbrechen+ Leidende sollen den Tee und das Pulver der Minze recht oft gebrauchen.

Minzen-+Tee+, in +halb Wasser+ und +halb Wein+ bereitet, mehrere Tage hindurch täglich eine Tasse genommen, nimmt den +übel-+ und +faulriechenden Atem+.

Minzenabsud, +mit Essig+ bereitet, von Zeit zu Zeit löffelweise (ein bis zwei Kaffeelöffel) genommen, stillt das +Blutbrechen+.

Minzen, in +Milch+ wie Tee bereitet und warm getrunken, benehmen die +Unterleibsschmerzen+.

Daß doch jede Hausfrau diesen wohledlen Pflänzchen neben der Raute ein Eckchen im Garten anweisen möchte! Sie lohnen die Mühe allein schon durch den ungemein erfrischenden Wohlduft, den sie bei jeder Berührung freigebigst in unsere Hand legen.

=Mistel.= (~Viscum album L.~)

Diese Schmarotzerpflanze, die insbesondere auf alten Bäumen gut gedeiht, ist gleichwohl eine treffliche Heilpflanze. Ihre Heilwirkungen erstrecken sich in erster Linie aufs Blut, und ich kann den Müttern nicht genug ans Herz legen, recht gute Bekanntschaft mit diesem Kraute zu machen.

+Tee+ von Mistel stillt +Blutflüsse+. Ich könnte eine Reihe von Fällen aufzählen, bei denen eine einzige Tasse zur Stillung genügt hat.

Auch bei anderen +Störungen im Blutumlaufe+ kann diese Pflanze und ihr durchaus unschädlicher Tee zu Rate gezogen werden.

Mit Misteln kann man (zur Hälfte) +Zinnkraut mischen+; auch +Santala+, ein rotes Pulver, dient gut zur Beimengung; siehe „Santala“ unten S. 146.

=Nelkenöl.=

Das Nelkenöl wirkt ähnlich wie das Mandel- und das Salatöl, mit denen es auch häufig vermischt wird.

Als besonders dienlich hat es sich mir erwiesen gegen +faule Gase+ und +verdorbene, faule Säfte+ und +Stoffe+ im Magen.

In der Regel nimmt man das Nelkenöl auf Zucker, täglich ein- bis zweimal, je 4 bis 6 Tropfen.

=Raute, Garten- oder Wein-Raute=. (~Ruta graveolens L.~)

Diese edle, heilkräftige Pflanze ist leider noch allzu wenig bekannt, das heißt in ihren vorzüglichen Wirkungen anerkannt. Die Pflanzen reden zu uns durch ihren Geruch. Wie klar und durchdringend meldet die Raute ihren guten Willen, uns Menschen, für die sie geschaffen, zu helfen, verschiedenes Leid zu lindern, als wenn jedes der kleinen Blättchen gleichsam ein Zünglein wäre. Daß wir dieses Sprechen stets verstünden!

Die Raute wirkt, wie und wo immer sie angewendet wird, stärkend und kräftigend.

Wer nur ein Blättchen kaut, kann diese Wirkung alsbald auf der Zunge verspüren. Dazu erquickt sein Geschmack die ganze Mundhöhle; er tut wohl und hält an wie Weihrauchduft, der ein Haus erfüllt.

Bei +Kongestionen+, das ist +Blutandrang+ zum Kopfe +bei Eingenommenheit des Kopfes+, +bei Schwindel+ bewährt sich +Tee von Raute+ vortrefflich; nicht minder bei +Atmungsbeschwerden+, +Herzklopfen+ und allen +Unterleibs- Beschwerden+ und +-Zuständen+ (Krämpfen usw.), die in Schwäche des Gesamtkörpers oder einzelner Organe ihren Grund haben. Ich empfehle diesen Tee insbesondere allen jenen Personen, die zu den genannten +Schwächen+, zu +Krämpfen+, +Hysterie+ usw. Anlage verraten.

Wer Raute in +Spiritus+ ansetzt, kann statt des Tees bei den bezeichneten Übeln täglich (höchstens) zweimal 10 bis 12 Tropfen auf Zucker nehmen.

+Rautenöl+ wird ebenso genommen. Die +Bereitung+ des letzteren geschieht folgendermaßen: Gedörrte Rautenblättchen werden zerquetscht und in ein Glas gebracht. Daran gießt man feineres Salatöl und stellt das Glas längere Zeit an die Wärme. Später gießt man den Inhalt ab und nimmt ihn, wie angegeben, tropfenweise.

=Rosmarin.= (~Rosmarinus officinalis L.~)

Ein Sträußchen von Rosmarin darf am Hochzeitstage keinem Gaste, bei solennen Festlichkeiten keinem rechten Teilnehmer fehlen. Eine Schande aber wäre es nicht minder, wenn dem Sammler für die Hausapotheke dieses würzige Kraut entginge.

Rosmarin ist ein vorzügliches +Magenmittel+. Als +Tee+ zubereitet und getrunken reinigt er den Magen von +Verschleimungen+, bewirkt guten Appetit und gute Verdauung. Wer gerne das Medizinglas auf seinem Tisch oder Stuhl prangen sieht, diesen Tröster in Krankheiten, der fülle ein solches mit Rosmarintee und nehme morgens und abends je zwei bis vier Eßlöffel voll. Der Magen wird bald Raison annehmen, d. i. nicht mehr lange in der Verschleimung stecken bleiben.

+Rosmarinwein+ sodann, in kleinen Portionen getrunken, hat sich als treffliches Mittel gegen +Herzgebrechen+ bewährt. Er wirkt beruhigend und bei +Herzwassersucht+ stark auf Ausscheidung durch den Urin.

Dieselben Dienste leistet solcher Wein bei der +Wassersucht+ überhaupt.

In beiden Leiden nehme man täglich morgens und abends 3 bis 4 Eßlöffel oder ein kleines Weingläschen von dem angenehmen Tranke, an den man sich bald gewöhnen wird.

Zur überaus einfachen +Bereitung+ schneide man eine Handvoll Rosmarin möglichst klein, bringe das Zerschnittene in eine Flasche und gieße diese mit gutem, gelagertem (am besten Weiß-) Weine auf. Nach einem halben Tage schon ist der Abguß als Rosmarinwein verwendbar.

Dieselben Blättchen können zu einem neuen Ansatze nochmals verwendet werden.

=Salatöl.=

Salatöl ist jede Sorte (Art) von Öl, die zur Bereitung der Speisen, besonders des Salates verwendet wird. Im Handel nennt man es gewöhnlich Tafelöl, Tischöl oder Speiseöl. Die edelste, vorzüglichste dieser Sorten bildet das reine, feine Olivenöl.

Man lese das über das Mandelöl Gesagte nach; wenn dieses abgeht, kommt Salatöl in Verwendung. Bei geringem Vorrate von Mandelöl kann ihm Salatöl beigemischt werden.

Das hier genannte Salatöl soll reines +Provenceröl+ oder wenigstens reines +Repsöl+ sein.

Die Art der Verwendung (das Wie und Wo) ist dieselbe wie jene des Mandelöles.