Part 10
Die Waschungen teilen sich in +Ganzwaschungen+ und in +Teilwaschungen+. Von beidem wird im folgenden die Rede sein. Im +allgemeinen+ kann vorausgeschickt werden, daß die Grundsätze bezüglich des Frottierens, des Nichtabtrocknens auch hier gelten. +Bei einer jeden Waschung+ liegt die +Hauptsache+ (der +Schwerpunkt+) darin, daß der ganze Körper oder der einzelne zu waschende Teil +gleichmäßig naß+ werde. Vom Gerieben-, Geknetetwerden ist nirgends die Rede. Wenn zuweilen bei den Krankheiten von kräftiger Abwaschung gesprochen wird, so verstehe ich darunter stets eine schnelle Handlung, bei der man nicht zögert und zaudert. +Diejenige Ganz-+ oder +Teilwaschung+ wird die +beste sein+, +die am gleichmäßigsten geschieht+ und am +kürzesten dauert+; über 1, längstens 2 Minuten darf keine währen. Darnach mag man beurteilen, wie sehr mein Verfahren von den in gewissen Anstalten geübten verschieden ist, und man verschone mich mit dem Vorwurfe, daß ich die Patienten unmäßig lange im kalten Wasser belasse, was den also Mißhandelten Rheumatismen, Gelenkrheumatismen u. a. notwendigerweise zuziehen müsse. Ich sündige wahrlich nicht durch ein Übermaß.
Noch sei bemerkt und +eingeschärft+ wie beim kalten Vollbade: +wessen Körper kalt ist+, +wen fröstelt+ oder +friert+, der nehme +nie eine Waschung+, vor allem nie eine Ganzwaschung vor. Die ohnedies geringe Naturwärme würde so noch bedeutend geschwächt und nur schwer und lange nicht ersetzt werden. Fieber, Katarrh und anderes müßten die unausbleiblichen Folgen sein.
1. Die Ganzwaschung.
~a~) Die Ganzwaschung für Gesunde.
Die Ganzwaschung erstreckt sich, wie der Name besagt, auf den ganzen Körper (den Kopf ausgenommen), welcher von oben bis unten in einem Zuge gewaschen wird.
+Am leichtesten geschieht sie in folgender Weise+:
Man nimmt ein rauhes, grobes Handtuch (mit dem kleinen Badeschwamm geht es zu langsam), taucht es ins kalte Wasser und beginnt die Waschung an Brust und Unterleib. Dann kommt die Reihe an den schwerer zugänglichen Rücken. Eine Regel über das „Wie“ der Rückenwaschung läßt sich nicht geben. Ein jeder wird bald selbst den Vorteil finden, wie er dem ganzen Rücken schnell und leicht beikommt. Den Abschluß bildet die Waschung der Arme und Beine (Füße). Alles muß in einer, längstens in zwei Minuten fertig sein. Jede Waschung, die darüber währt, kann vom Übel sein. Zudem hüte man sich, die Waschung an einem Orte vorzunehmen, an dem der Körper der freien Luft ausgesetzt ist. Das hieße sich absichtlich verderben wollen.
Ohne abzutrocknen zieht man möglichst rasch die Kleider an und sucht Arbeit oder Bewegung bis zur völligen Erwärmung und Trocknung der Haut.
+Wann und wie oft können Gesunde die Ganzwaschung vornehmen?+
Einmal, in der Frühe nämlich, wäscht sich jedermann Gesicht und Hände. Auch die Ganzwaschung wäre in der +Morgenfrühe+ gleich beim Aufstehen vortrefflich angebracht. Da ist die Naturwärme, weil durch die Bettwärme gesteigert, am stärksten; die Waschung wäre eine angenehme Abkühlung, Auffrischung, die sofort den Halbschlaf vertreiben und schon beim Beginne des Tagewerkes tüchtig, lebendig und frisch machen würde. Von Zeitverlust kann da nicht die Rede sein, denn in einer Minute ist die Ganzwaschung geschehen und es kann sofort zur Arbeit geschritten werden.
Wie mancher in der Stadt macht im Frühjahr und im Sommer seinen +Morgenspaziergang+! Er probiere +vor demselben+ die Ganzwaschung. Ich bin überzeugt, ich brauche ihn zum zweiten Male +nicht+ aufzumuntern.
Solche, welche nach dem Ganzbade weder Bewegung machen noch an eine Arbeit gehen können und darin eine Entschuldigung suchen, tun unklug. Sie sollen die Ganzwaschung ruhig vornehmen und sich nach derselben noch ein Viertel- oder ein halbes Stündchen zu Bette legen. Auch dieses geht an.
Wer es über sich bringt, -- es ist eine so kleine Überwindung! -- eine Zeit lang täglich oder wenigstens alle 2-3 Tage seinem Körper diesen Dienst zu erweisen, der dient demselben in Wahrheit gut und erwirbt sich selbst den besten Lohn.
Hat jemand in der Morgenfrühe keine Zeit, so ist +jede Tagesstunde+ eine gute Stunde zur Waschung. Man ziehe sich zwei, drei Minuten in seine Schlafkammer, in die Waschküche usw. zurück, und die wohltuende Arbeit ist vorüber. Daß wir doch nicht so überaus bequem und wasserscheu wären!
Wenn der Schmied und Schlosser seine Werkstatt schließt, so wäscht er sich den Ruß und den Kohlenstaub vom Gesichte; wenn der Landmann, der auf Reinlichkeit was hält, vom Felde heimkehrt, so wäscht er sich die Hände und nimmt zur heißen Sommerszeit vor jeder andern Erfrischung einen Schluck Wasser, um sich Mund und Gaumen auszuspülen. Wie gut wäre es erst, wenn beide nach +dem ermüdenden Tagewerke+ den letzten Schweiß sich in einer Ganzwaschung abwischen würden! Ich wünschte, diese erquickende und stärkende Übung wäre vielmehr bekannt.
+Nachts vor dem Schlafengehen+ kann nicht jeder eine Wasseranwendung vornehmen, da diese manche Personen aufregt. Wer sie ertragen mag, verliert gerade da die wenigste Zeit und wird fester und ruhiger schlafen, als er sonst gewöhnt ist.
Gar +vielen, welche nachts nicht einschlafen konnten+, habe ich statt der Ganzbäder die leichtere Ganzwaschung und meistens mit gutem Erfolge empfohlen.
Zur +Winterszeit+ rate ich stets an, zuerst ungefähr zehn Minuten ins Bett zu liegen und erst, nachdem der ganze Körper warm geworden, die Waschung vorzunehmen.
~b~) Die Ganzwaschung für Kranke.
Gerade bei Kranken habe ich stets die Erfahrung gemacht, nicht nur wie wenig die Reibungen, Frottierungen usw. nützen, sondern auch wie sie vielmehr gar oft schaden durch ungleichmäßige Erwärmung, durch Aufregung u. a.
Vor allem +dringe+ ich bei der Ganzwaschung der Kranken +darauf+, einmal, +daß der ganze Körper+, die Fußsohlen sogar inbegriffen, +gewaschen+ werde, und dann, daß er +gleichmäßig gewaschen+ werde: gleichmäßig sowohl in Bezug auf das an alle Stellen des Körpers verwendete Quantum Wasser, als auch in Bezug auf die Reibung, die mit jedem, selbst dem gelindesten Waschen verbunden ist. So nur wird die Naturwärme sich gleichsam natürlich, ungezwungen, gleichmäßig bilden; bei den angedeuteten Unregelmäßigkeiten müßte ihr Eintreten ebenfalls unregelmäßig, an den verschiedenen Stellen verschieden und, wenn nicht gerade von schädlicher, doch weniger günstiger Wirkung sein.
An +Kranken+ lasse ich die Waschungen +stets in folgender Weise+ vornehmen: Der Kranke setzt sich im Bette auf oder wird, wenn er allzu schwach ist, aufgesetzt und gestützt. Man wasche ihm schnell den Rücken, die ganze Wirbelsäule auf und ab. Das ist die Arbeit einer halben Minute, und der Kranke legt sich nieder. Jetzt wäscht man Brust und Unterleib; noch kräftige, nicht allzusehr geschwächte Personen tun dieses in der Regel selbst. In längstens einer Minute ist auch dies geschehen. Nun kommen die Arme an die Reihe und endlich die Beine. In drei, längstens vier Minuten ist alles vorüber, und der Kranke fühlt sich wohl, ja wie neugeboren.
Wie ich +jedem+, selbst +dem schwer Erkrankten+ täglich Gesicht und Hände waschen kann, gerade so leicht kann ich mit gutem Willen und mit liebevoller Sorgfalt diese Waschung vornehmen. Das zweite und dritte Mal wird auch die Praxis schon eine bessere und größere sein.
Sollte einem Schwerkranken die Waschung des ganzen Körpers in der Tat auf einmal zu viel sein, dann +teilt man die Ganzwaschung+ in zwei oder +gar drei Teilwaschungen+. Man wäscht in der Frühe Brust, Unterleib und Arme, nachmittags den Rücken und die Füße; oder man wäscht in den Morgenstunden die Brust und den Unterleib, gegen Mittag den Rücken, nachmittags die Arme und die Beine.
Eine vorsichtige, schnelle Waschung kann niemals schaden, selbst, wenn sie mit dem frischesten Wasser, -- was das Beste ist -- vorgenommen wird.
+Wann und wie oft+ bei Kranken die Ganzwaschung zu geschehen habe, ist bei den einzelnen Krankheiten angegeben.
Ich bemerke hier nur noch, daß namentlich +bei heftigem Fieber+, dann bei allen von heftigem Fieber begleiteten Krankheiten, besonders beim +Typhus+ und den +Blattern+ die Ganzwaschungen eine Hauptrolle spielen und stets an die Stelle der kalten Ganzbäder treten, wenn diese aus irgend einem Grunde nicht genommen werden können.
Beim Fieber zeigen die sich steigernde Hitze und die damit verbundene Bangigkeit stets selber die Zeit der jedesmaligen Wiederholung der Waschung an, die unter Umständen jede halbe Stunde geschehen kann.
Viele Krankheiten, wie Katarrh, Schleimfieber, Blattern, Typhus und andere, habe ich durch die Ganzwaschungen allein geheilt.
Bei +schwächlichen Naturen+ verwende ich zur Waschung statt des Wassers sehr oft den +Essig+ (mit Wasser verdünnt). Abgesehen davon, daß er gründlicher die Haut reinigt, die Poren öffnet, kräftigt, stählt er auch.
Gar oft bekommt man zu hören, daß +Waschungen mit Wein, Spiritus+ (den Essig nehme ich aus) usw. ganz außerordentliche Wirkung hervorbringen sollen. Ich habe solche Waschungen recht oft probierend und forschend vorgenommen, bin aber über das Niveau (Bereich) der ordentlichen, manchmal der recht mittelmäßigen Wirkung nie hinausgekommen. Manchmal hat mich ein Versuch ohne jeglichen Erfolg gelassen.
Vor Jahren galt der Franzbranntwein als unübertreffliches Waschungsmittel; tausende von Flaschen wurden verkauft und gekauft. Die Sache ruhte dann einige Jahre und erst seit den letzten Jahren macht dieser Geist wieder in der ganzen Welt die Runde.
Derlei Mittel kamen und verschwanden zu verschiedenen Zeiten wie die Kometen. Sie ziehen oft einen großen Schweif nach sich, dann aber verschwinden sie für immer. Es sind nicht die regulären, die gewohnten Sterne, die allnächtlich auftauchen und ruhig aber ohne Unterbrechung und ohne Aufhören leuchten. Mit letzteren möchte ich das Wasser vergleichen. Es wirkt, und seine Anwendungen werden bleiben, wenn derlei „außerordentliche“ Strömungen längst aufgehört haben zu fließen, zum Teil, weil sie die Probe nicht bestanden.
Ich wünschte nur recht lebhaft, daß das Wasser sich allgemein Bahn bräche, besonders in die Kreise hinein, die zu seiner nutz- und segensvollen Verbreitung und Anwendung alles tun könnten.
2. Die Teilwaschung
betrifft nicht den ganzen Körper, sondern einen Teil desselben.
Dieselbe +wird vorgenommen+ mit der Hand oder einem gröberen Handtuch und frischem Wasser. Im weiteren gelten ganz die gleichen Regeln wie oben.
Ob der Finger oder die Zehe, der Fuß oder die Hand oder was immer entzündet sei, -- überall und stets lösche man, wo es und wann es brennt.
Etwaige nähere Bestimmungen, wann solche Teilwaschungen notwendig erscheinen, stehen bei den einzelnen Krankheitsfällen selbst.
~F.~ Wickelungen.
Unter den Wickelungen sei zuerst genannt
1. Der Kopfwickel.
Dieser Wickel kann auf +zweifache+ Art genommen werden.
Der ganze Kopf, Gesicht und Haare, werden gewaschen, ganz naß gemacht. Das Wasser soll durchdringen bis auf die Haut; doch dürfen die Haare nicht vom Wasser triefen. Das wäre des Guten zu viel.
Darüber (über den ganzen Kopf) bindet man ein trockenes Tuch, in der Art, daß es gut anliegend, luftdicht abschließt und nur die halbe Stirne mit den Augen sichtbar läßt.
Nach einer halben Stunde schon, selten erst nach einer Stunde, sind die Haare trocken.
Es kann sodann die Waschung und der Umschlag ein-, zwei-, ja dreimal erneuert werden. Man sehe nur darauf, daß das den nassen Kopf bedeckende Tuch beim Wickeln recht trocken ist. Die zweite und dritte Anwendung werden je eine halbe Stunde währen; man achte indessen genau darauf, daß vor jeder neuen Anwendung die Haare stets vollständig getrocknet seien.
Am Schlusse der letzten Anwendung gewöhne man es sich an, Hals und Kopf leicht, kurz und kalt abzuwaschen und wie beim Waschen in der Frühe abzutrocknen.
+Besser+ noch +geschieht+ die +Anwendung+ auf folgende Art, besonders in Fällen, in denen man starke Ausscheidungen erzielen will.
Man wäscht den Kopf, wie oben angegeben wurde. Das Wickeln geschieht dieses Mal mit zwei Tüchern, mit dem luftabschließenden Tuche der ersten Art der Anwendung, dann noch mit einem leichteren, ebenfalls gut anliegenden und abschließenden Wolltuche.
Wäre die Hitze des Kopfes sehr groß, so könnte außer den Haaren die unter dem Wolltuche liegende Umhüllung auch genäßt werden.
Soll die ganze Anwendung längere Zeit dauern, so säume man nicht mit dem Wechsel; er wird im höchsten Falle 25 bis 30 Minuten aufgeschoben werden können.
Die Anwendung wird beschlossen wie oben.
+Kopfleiden+, hauptsächlich +rheumatischer Art+, die durch Verkühlung, Erkältung, raschen Temperaturwechsel entstanden sind, +zahlreiche Schuppen+, trockene +Ausschläge+, +kleine Geschwüre auf dem Haarboden+, werden mit Erfolg durch den Kopfwickel behandelt.
2. Der Halswickel.
Die +gelinde+ Form des Halswickels besteht darin, daß man mit der Hand oder mit einem Handtuche den ganzen Hals naß macht und ihn mit einer trockenen groben Linnenbinde in 3-4 Windungen („Umgängen“) sorgfältig, aber nicht zu fest umwindet. Es soll eben der Zutritt der frischen Luft zu der benetzten Stelle verhindert werden.
Die +zweite Art+ der Wickelung geschieht also, daß ein weiches Handtuch in frisches Wasser getaucht und um den Hals gelegt wird. Das nasse deckt ein trockenes Handtuch und beide eine Woll- oder Flanellbinde. Wer diese nicht besitzt, kann jedweden trockenen Wollstoff verwenden und soll nur stets für luftdichtes Abschließen besorgt sein.
Nach meiner ganzen bisherigen Erfahrung muß ich +im Allgemeinen gegen langwährende Anwendungen+ sprechen; sie bewirken sehr oft das Gegenteil von dem, was sie bezwecken: Verschlimmerung statt Besserung. Das ist denn sehr oft mit ein Hauptgrund, daß die Anwendungen überhaupt den Kredit, das Vertrauen einbüßen. Ein derart abgeschreckter, weil getäuschter Kranker bleibt stets schwer zu bekehren, alle Überredungs- und Überzeugungkünste scheitern.
Diese allgemeine Bemerkung möchte ich jetzt insbesondere auf die Wickelungen beziehen, den Halswickel nicht ausgenommen.
+Sämtliche Wickel wollen+ und +sollen+ vorzüglich +dahin wirken+, übermäßiges, ungeordnetes Strömen des Blutes nach irgend einer Stelle hin zu verhindern, das Blut abzulenken, wegzuziehen von dieser Stelle, sodann sehr große Hitze aus- und abzuleiten.
Wenn ich den Wickel nun allzu lange, z. B. eine ganze Nacht an der kranken Stelle belasse, so wird diese Stelle warm und immer wärmer, es strömt mehr Blut zu, sie wird zuletzt oft fürchterlich heiß, und die Entzündung, das Übel, muß verschlimmert werden.
Die Folgerungen, welche sich hieraus für den Halswickel ergeben, liegen auf der Hand.
+Ich bin durchaus gegen vielstündige oder gar ganznächtige Anwendungen.+ Eine vollständige Anwendung dauert bei mir 1, höchstens 1½ Stunden, und es soll nach jeder halben Stunde, unter Umständen nach je 20 Minuten, der nasse Umschlag erneuert, das ist von neuem eingetaucht und nach obiger Weise umwunden werden. Dieses Neueintauchen kann also innerhalb einer Anwendung 2-4 mal geschehen. Es ist nicht bei jedem Patienten gleich und hängt ab von der geringeren oder größeren Hitze, welche derselbe verspürt. Das Gefühl einer gewissen Unlust und Bangigkeit darf als der beste Zeiger gelten, der die Zeit zum Wechseln angibt.
Bei +Halsentzündungen+, +Schlingbeschwerden+, bei +manchen Kopfleiden+ ist der Halswickel vorgeschrieben; zu gleicher Zeit wird man suchen, durch Anwendungen auf andere Körperteile, z. B. die Füße (nasse Socken), oder auf dem ganzen Körper ihm entgegenzuarbeiten.
=3. Der Shawl= (sprich: Schal).
Der Shawl ist eine +spezielle Anwendung für die Brust+ und den +oberen Teil des Rückens+. Jede Frau und jedes Mädchen kennt das unter diesem Namen besonders auf dem Lande gebräuchliche Kleidungsstück. Es ist ein viereckiges, größeres Wolltuch, welches, einmal und zwar im Dreieck zusammengefaltet, so über die Schultern geworfen wird, daß der größere Winkel auf den Rücken, die beiden kleinen spitzen Winkel auf die Brustseite zu liegen kommen.
Der +Shawl als Wickel+ ist ausgebreitet ein grobes quadratförmiges Leinwandstück (Fig. 21), 1 bis 1½ m lang und ebenso breit. Als gleichschenkeliges Dreieck zusammengelegt (Fig. 22) und nach der oben angegebenen Art über die Schultern gebreitet, kommt der größere, der rechte Winkel auf den Rücken zu liegen und reicht bis unter das Kreuz, die beiden spitzen Winkel fallen über die Brust herab und schließen gleich oben am Halse gut zusammen und kreuzen sich auf der Brust. (S. Abbildung.)
Der Wickel wird in kaltes Wasser getaucht, ausgewunden, auf den bloßen Körper gelegt und mit trockener Linnen- oder Wollhülle luftdicht abgeschlossen.
Sehr bald fühlt man, wie eine angenehme Wärme sich entwickelt, wie das nasse Tuch warm, ja allmählich heiß wird.
Die Anwendung des Shawles kann ½-1½, in seltenen Fällen bis 2 Stunden +dauern+; letzteres dann, wenn stärkere Ableitungen gewünscht werden. Bei längerer Dauer darf man die +Erneuerung+, d. i. Neueintauchung des Wickels nicht übersehen. Dieses geschieht nach ungefähr ½-¾ Stunden, in der Regel dann, wenn die Hitze stark, der Wickel warm, heiß wird.
Bei +Hitzen+, +Kongestionen+ und +beginnenden Entzündungen+ an oder im Kopfe, bei +fieberhaften Katarrhen+ bei +Verschleimungen+ im Hals, in der Luftröhre, auf der Brust wirkt unser ganz unschuldiger Wickel auflösend und ableitend.
Die größten und auffallendsten Dienste hat er stets +gemüts- oder geisteskranken Personen des schwachen Geschlechtes+ erwiesen. In Verbindung mit einer andern, ebenso leichten Anwendung reichte der Shawl vollkommen aus, den Blutandrang zum Kopfe aufzuheben, den überfüllten Kopf zu entbluten.
Diese zweite Anwendung bestand gewöhnlich in nassen Socken oder in Fußwickeln oder in einem warmen Fußbade mit Asche und Salz.
4. Der Fußwickel.
Dieser Wickel ist stets eine wichtige Nebenanwendung, d. h. ein Hilfsmittel, welches anderen Anwendungen helfend entgegenarbeitet. Wir unterscheiden einen doppelten Fußwickel, nämlich:
~a~) Den eigentlichen Fußwickel.
Landleute, welche mehr beschränkt sind in Zeit und Mitteln, nehmen diesen Wickel am einfachsten, indem sie +ein paar nasse Socken+ und darüber trockene Wollstrümpfe anziehen und sich dann während der Anwendungszeit ins Bett legen unter eine gute Zudecke.
Wem dieses nicht behagt, der tauche +grobe leinene Lappen+ oder +eine Linnenbinde in halb Wasser, halb Essig+, umwinde damit die Füße bis über die Knöchel, bringe den trockenen Umschlag, am besten eine Woll- oder Flanellbinde, darüber und decke sich im Bette ordentlich zu.
Die Anwendung dauert 1-1½-2 Stunden und schreibt stets das Bett vor.
Entwickelt sich starke Hitze, und handelt es sich bei der betreffenden Anwendung gerade um deren Ableitung wie z. B. bei der Lungen-, der Brustfellentzündung, bei Entzündung im Unterleibe, so soll der Wickel wiederholt, bei jeder größern Hitze neu eingetaucht werden.
In allen Fällen, in denen es sich darum handelt, +krankhafte Säfte aus den Füßen+ auszuziehen, bei +Entzündungen+ die Hitze zu nehmen, das Blut vom oberen Körper +nach unten zu ziehen+, leistet dieser Fußwickel treffliche Dienste.
+Man verwechsle ihn nicht mit dem Fußbade+ und seinen Wirkungen! Wie die Dauer des Fußbades eine bedeutend kürzere, so ist seine Wirkung eine beschränktere. Wohl leitet auch es die Wärme, das Blut in die Füße; aber eine Reinigung, eine Ausleitung verdorbener Säfte aus den Füßen vermag kein kaltes und kein warmes Fußbad zustande zu bringen.
Eine Anwendung dieses Wickels darf ich nicht vergessen.
Wer diese Wasserübungen am Abend ertragen kann, der ziehe +nasse Socken an beim Schlafengehen+, darüber natürlich stets trockene. So verliert er absolut keine Zeit; er wird prächtig schlafen und braucht auf keine bestimmte Zeitdauer acht zu haben. Nur das eine merke er sich, daß er beim Aufwachen in der Nacht oder in der Morgenfrühe die nassen Socken ungesäumt weggibt.
+Landleuten, die abends recht müde sind+, zieht dieser Sockenwickel alle Müdigkeit aus den Füßen, noch gründlicher als das kalte Fußbad.
Wer an +kalten+ Füßen leidet, probiere einmal diese Nachtwickel. +Auch Fußschweißlern+ habe ich dieselben oft mit Erfolg angeraten, jedoch erst nachdem mehrere Fußdämpfe vorangegangen waren.
~b~) Den Wickel über die Knie.
Kräftiger als der eigentliche Fußwickel in der unter ~a~) beschriebenen Weise wirkt ein Wickel bis über die Knie.
Die nasse Linnenbinde, welche beim Fußwickel bis über die Fußknöchel reicht, wird fortgesetzt, fortentwickelt bis über die Knie und gut mit trockener, am besten wollener Umhüllung versehen.
+Die Dauer dieses Wickels+, auch das andere Verhalten ist dasselbe wie beim Fußwickel a.
+Zur Ausleitung von Hitze im Oberkörper+, +zur Hebung großer Müdigkeit+, speziell zur +Lösung quälender Winde+, +versessener Gase+ empfehle ich den Wickel angelegentlich.
Man verwechsle ihn nicht mit dem bei den Halbbädern genannten „ins Wasserstehen bis über die Knie“. Diese Anwendung ist rein stärkender, nie ableitender Natur.
5. Der Unterwickel
führt seinen Namen aus dem Grunde, weil er +hauptsächlich gegen Gebrechen des Unterleibes und der Füße+ gerichtet und deshalb der speziell dem Unterleibe zugedachte Wickel ist. Er beginnt unter den Armen und reicht bis über die Fußspitzen. Der oberste Teil des Oberkörpers, die Schultern mit den Armen, die frei bleiben, sind unberührt und müssen, wenn der Behandelte zu Bette liegt, gut mit dem Hemde, besser noch mit wärmerer Bekleidung bedeckt werden, daß von oben her nicht etwa Luft eindringe.
Der Unterwickel +wird also bereitet und genommen+: Auf das die Matratze oder den Strohsack bedeckende Leintuch wird der Länge nach eine möglichst breite Wolldecke ausgebreitet. Das zum Wickel bestimmte Linnen soll so groß sein, daß es zum mindesten zweimal, in manchen Fällen 3-4 mal um den Körper und bis über die Fußspitzen hinaus reicht (2-3-4fache „Fätschung“). Man nimmt es am besten doppelt gefaltet, taucht es in kaltes Wasser, windet es aus, so daß es nicht mehr triefet, und legt es in Form eines Rechteckes auf den bereit liegenden Wollteppich ins Bett. Auf der nassen Unterlage nun nimmt man Platz, schlägt sie rechts und links ein, aber so, daß Naß über Naß geht und keine Stelle des Unterleibes unbedeckt bleibt. Darüber wird die unter dem nassen Linnen gebreitete Wolldecke als schützende und luftabschließende Hülle zusammengezogen und das Ganze mit dem Federbett sorgfältig zugedeckt. Die Füße werden meistens noch eine Extrazudecke erfordern. (Siehe Abbildung.)
Die Sache ist nicht so verwickelt, wie es beim Lesen erscheinen könnte, der ganze Hergang kann dadurch erleichtert werden, daß der Behandelte außer Bett, vielleicht mit Badehosen bekleidet, den nassen Wickel vorschriftsmäßig um sich hüllt und sich derart eingehüllt auf die ausgebreitete Wolldecke legt. Jetzt kann ihm, damit alles rasch ohne Verzug geschieht, daß er möglichst geringe Zeit der Luft ausgesetzt ist, leicht jemand behilflich sein, das ist den nassen Wickel etwas glätten, zurecht legen, die Ränder anschließend machen, besser übereinander legen, den Patienten endlich sorglich zudecken.
Freilich ist die Sache stets etwas umständlich, doch wie mir scheinen will, einfacher und leichter als ein Umwickeln mit eigens dazu bereiteten Binden, welche ich bei größeren und den größten Wickeln nie verwende.
Bei einiger Praxis ergibt sich ein Vorteil nach dem andern. Ich kenne viele, die ohne Mühe und in kürzester Zeit (das ist eine Hauptsache) sämtliche größeren Wickel sich selbst allein zu bereiten und umzulegen wissen.
Hier schon möge eine +Bemerkung+ Platz finden, die manchen das beim Lesen empfundene Schauern oder Kaltüberrieseln nehmen wird.
+Wer die Furcht vor dem kalten Wasser+ nicht überwinden kann, wer wenig Naturwärme, zartere Nerven usw. hat, tauche den Wickel ganz ruhig in +heißes Wasser+ ein.