Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit

Part 1

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Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der 1921 erschienenen Buchausgabe so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler wurden stillschweigend korrigiert; ungewöhnliche und regional gefärbte Ausdrücke bleiben gegenüber dem Original unverändert. Rechtschreibvarianten wurden nicht vereinheitlicht, sofern die Verständlichkeit des Textes dadurch nicht berührt wird.

Die gedruckte Fassung wurde in einer Frakturschrift gesetzt, in der die Großbuchstaben I und J identisch sind. Die Initiale des Arztes ~Dr.~ I. aus Lyon wurde daher vom Bearbeiter willkürlich festgelegt. Weiterhin wird im Alphabetischen Register nunmehr zwischen den Begriffen mit den Anfangsbuchstaben I und J unterschieden, was im Original nicht möglich war.

In der Buchversion wurde für den Begriff ‚et cetera‘ die tironische Note für ‚et‘ verwendet, welche allerdings mit vielen Schriftarten nicht dargestellt werden kann. Aus diesem Grund wurde in der elektronischen Version von der Abkürzung ‚etc.‘ Gebrauch gemacht.

Besondere Schriftschnitte wurden in der vorliegenden Fassung mit den folgenden Sonderzeichen gekennzeichnet:

kursiv: _Unterstriche_ fett: =Gleichheitszeichen= gesperrt: +Pluszeichen+ Antiqua: ~Tilden~

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Meine Wasser-Kur

durch mehr als 40 Jahre erprobt u. geschrieben zur Heilung der Krankheiten u. Erhaltung der Gesundheit

von

~Msgr.~ Sebastian Kneipp

Päpstl. Geheimkämmerer, Pfarrer in Wörishofen (Bayern), Inhaber des Komturkreuzes vom Orden des hl. Grabes.

Mit dem Bildnisse des Verfassers

Jubiläumsausgabe

erschienen im Jahre der 100. Wiederkehr des Geburtstages Kneipps

92. Auflage

Verlag Josef Kösel & Friedrich Pustet

Kommandit-Gesellschaft München Verlagsabteilung Kempten 1921

„Geh’ hin und wasche Dich siebenmal im Jordan, und Dein Fleisch wird wieder gesund und Du rein werden!“

4. Kön. 5, 10.

Sämtliche Rechte, insbesondere Übersetzungsrecht, sind vorbehalten.

Druck von Jos. Kösel, Kempten.

Vorwort zur ersten Auflage.

Als Priester liegt mir vor allem das Wohl der unsterblichen Seelen am Herzen. Dafür lebe ich, und dafür will ich sterben. In den verflossenen vier Jahrzehnten, 30 bis 40 lange Jahre hindurch, haben mir indessen auch die sterblichen Leiber viele Arbeit und opfervolle Sorgen bereitet. Ich habe diese Arbeit nie gesucht. Das Kommen eines jeden Kranken war und ist mir (natürlich gesprochen) eine Last. Nur der Aufblick zu demjenigen, der vom Himmel herabgestiegen ist, unser aller Krankheiten zu heilen, und der Gedanke an die Verheißung: „Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen....; der letzte Trunk Wasser soll nicht unbelohnt bleiben“ waren imstande, die naheliegende Versuchung, alle Bittgesuche ohne Unterschied des Bittstellers in jedem Falle abzuweisen, zu unterdrücken. Diese Versuchung lag um so näher, da nicht Gewinn, vielmehr unberechenbarer Zeitverlust; nicht Ehre, vielfach Verleumdung und Verfolgung; nicht Dank, sondern in gar manchem Falle Undank, Spott und Hohn meine Diäten bildeten. So mußte es gut sein, und ich bin ganz damit zufrieden. Daß ich aber nach solchen Antezedenzien (Vorgängen) nicht besondere Lust verspüre zum Schreiben, begreift ein jeder, zumal bereits das Alter drückt und Geist und Körper sich nach Ruhe sehnen.

Nur das anhaltende und ungestüme Drängen meiner Freunde, die es eine Sünde gegen die Nächstenliebe nennen, wenn meine Erfahrungen mit meinem modernden Körper in die Grube fahren, zahllose Bittschreiben von Geheilten, insbesondere aber das Flehen armer, verlassener Kranker auf dem Lande drücken mir den Schreibgriffel in die widerstrebende, bereits zitternde Hand.

Der ärmeren Klassen, der vielfach verwahrlosten und vergessenen Kranken auf dem einsamen Lande habe ich mich jederzeit mit besonderer Aufmerksamkeit und Liebe angenommen. Diesen vor allen soll mein Büchlein gewidmet sein. Die Sprache ist zu dem Zwecke angemessen, einfach, klar. Mit Absicht suche ich, mit Umgehung jedes gelehrten Firlefanzes, mehr in Unterhaltungsform zu schreiben, als ein dürres, ausgetrocknetes, saft- und kraftloses Gerippe zu geben. Die Breite der einen oder anderen Erzählung, manche Wiederholungen mag man, den guten Zweck, die redliche Absicht im Auge behaltend, nachsichtig übersehen.

Nichts lag mir ferner, als gegen irgendeine der bestehenden medizinischen Richtungen polemisierend, kämpfend aufzutreten, irgendeine Persönlichkeit, deren Wissenschaftlichkeit und Ruf auch nur im kleinsten Punkte anzugreifen.

Ich weiß sehr gut, daß nur dem eigentlichen Fachmanne derlei Veröffentlichungen zustehen; ich lebe indessen der Überzeugung, daß gerade solche dankbar sein werden, wenn einmal auch ein Laie seine vieljährigen Erfahrungen in dieser Beziehung mitteilt. Jedem aufrichtigen Entgegenkommen werde ich stets mit Freuden die Hand reichen, Korrekturen und Winke dankbar annehmen. Um jenen unschweren Tadel und jene gar leichte Kritik aber, welche Parteistandpunkten entfließen, werde ich mich durchaus nicht kümmern und den „Pfuscher“ und „Quacksalber“ ruhig hinnehmen.

Ich selbst habe nichts sehnlicher gewünscht, als daß ein Mann von Beruf, ein Arzt, mir diese schwere Last und drückende Arbeit abgenommen hätte, und ich trage kein innigeres Verlangen und Wünschen, als daß endlich die Leute vom Fach allgemeiner und umfassender auch die Wasserheilmethode gründlich studieren und in die Hand und Aufsicht nehmen mögen. Ein solcher wolle diese Laienarbeit als kleines Hilfsmittel betrachten. An dieser Stelle kann ich versichern daß trotz meines vielfach sehr schroffen und abstoßenden Benehmens das größte Gebäude nicht ausgereicht hätte, all die Kranken und Leidenden, welche ohne Übertreibung nach Tausenden und Zehntausenden zählen, aufzunehmen, daß ich ferner mit Leichtigkeit reich, sehr reich sein könnte, wenn ich nur einen Teil des mir angebotenen Heillohnes hätte annehmen wollen. Viele Patienten kamen und sagten: „Ich gebe 100, 200 Mark, wenn Sie mich gesund machen.“ Der Leidende sucht Hilfe, wo er sie findet, und bezahlt dem Arzte mit Freuden, was ihm zukommt, wenn er ihn heilt, gleichviel ob die Heilung mit der Medizinflasche oder der Wasserkanne geschieht.

Berühmte Männer aus dem Stande der Ärzte haben die Wasserheilmethode mit Entschiedenheit und großen Erfolgen begonnen. Mit ihnen wurden ihre Winke und Ratschläge und Kenntnisse vielfach begraben. Daß endlich einmal dem Morgenrot ein dauernder heller Morgen folge!

Für jeden im Buche genannten oder angedeuteten Namen stehe ich jederzeit mit voller Verantwortung ein und werde nie anstehen, auf Verlangen denselben öffentlich zu nennen. Manche vielleicht harte Ausdrucksweise möge man auf Rechnung meiner etwas herben und derben Gemütsart schreiben. Mit ihr bin ich alt geworden, und es fällt beiden schwer, uns im Alter noch zu verleugnen und zu trennen.

Dem die Wanderung antretenden Büchlein möge vor allem Gottes Segen nicht fehlen!

Und wenn einst meine Wasserfreunde erfahren, daß ich in die Ewigkeit gewandert, dann wollen sie mir den Liebesdienst erweisen und in einem kräftigen Vaterunser einen kühlenden Strahl mir nachsenden, allwo der Arzt der Ärzte die arme Seele in der Feuerkur zum ewigen Leben heilt und läutert.

+Wörishofen+, Eisenbahnstation Türkheim in Schwaben, 1. Oktober 1886.

+Der Verfasser.+

Aus dem Vorworte zur sechsten Auflage.

.... Ich benütze daher diese Gelegenheit, nochmals das Jordanbad bei Biberach in Württemberg bestens zu empfehlen, welches ganz nach meiner Heilmethode anfangs Mai 1889 eröffnet wird unter Leitung des ~Dr. med.~ +Stützle+, eines tüchtigen Arztes, der sich, wie bereits in der 5. Auflage bemerkt, eine gründliche Kenntnis und Erfahrung dahier und somit mein volles Vertrauen erworben hat. Ich lebe der festen Überzeugung, daß +solchen+ Ärzten mein Heilverfahren ebenso zur eigenen Befriedigung wie zum Segen ihrer Patienten gereichen wird.

+Wörishofen+, am Neujahrstage 1889.

+Der Verfasser.+

Aus dem Vorworte zur zwölften Auflage.

.... Besonders aber tröstet mich, daß neue Heil-Anstalten entstanden und entstehen, so daß in den verschiedenen Gegenden die Leidenden nicht zu weit zu reisen haben, um Hilfe durch Wasser-Anwendungen zu bekommen. Das +Jordanbad+ bei Biberach wurde eröffnet; recht viele Kranke haben sich dorthin gewendet, und die Anstalt hat schon viele recht glückliche Kuren aufzuweisen. Eine zweite Gelegenheit ist geboten in +Immenstadt+; auch von dieser Anstalt wird nur Rühmliches gesagt, und deshalb ist gute Aussicht für die Zukunft vorhanden, daß sich dieselbe immer weiter entwickeln werde.

Die dritte Wasserheilanstalt wurde eröffnet in +Ulm+ und wird, wie ich schon öfters gehört, sich nach und nach immer weiter entfalten.

In +Rosenheim+ ist auf allgemeines Verlangen der Stadt eine Anstalt nach meinem System kürzlich eröffnet worden, und ich habe bereits gehört von den guten Erfolgen; denn Herr ~Dr.~ Bernhuber war längere Zeit in Wörishofen Badearzt und besitzt ein herrliches Talent für sein Fach. Er ist nicht bloß ein guter Arzt, sondern auch ein vorzüglicher Operateur; derselbe hat oft erklärt: „Mit Wasser werden Krankheiten geheilt, wo andere Mittel keine Hilfe mehr bringen können.“ Deshalb hoffe ich mit Grund, daß gerade diese Anstalt sich recht segensreich entwickle.

Herr ~Dr.~ Georg Wolf hat in +Traunstein+, wo schon durch das frühere Bad die nötigen Gebäude vorhanden sind, eine neue Anstalt eröffnet. Herr ~Dr.~ Wolf ist ein ruhiger, besonnener und edler Charakter, hat in Wörishofen durch längere Zeit mein ganzes Heilverfahren gründlich kennen erlernt und eingeübt, und ich glaube, daß ich diesen Arzt mit Recht den Patienten für das Heilverfahren meiner Wasserkur aufs wärmste empfehlen kann. So haben meine vielen Freunde und Gäste in der Nähe und in der Ferne, namentlich die in Österreich, eine günstige Gelegenheit, die guten Wirkungen meiner Wasserkur unter seiner Leitung kennen zu lernen; denn gerade Leidende aus Österreich und Ungarn, so weit von hier entfernt, haben mit großer Begeisterung meine hiesige Wasserkur-Anstalt besucht und nach der Heimkehr, in dankbarer Erinnerung an die erzielten Erfolge, mein Heilverfahren weiter verbreitet.

+Wörishofen+, den 3. Dezember 1889.

+Der Verfasser.+

Aus dem Vorwort zur siebenundzwanzigsten Auflage.

Zu den neuesten Anstalten, die nach meinem Prinzipe entstanden sind, gehört ferner die Kaltwasserheilanstalt +Schärding+ in Oberösterreich. Dieselbe wird von einem meiner Schüler, Herrn +Otto Ebenhecht+, geführt und kann ich vorgenannten Herrn jedermann empfehlen.

Eine zweite Anstalt in Österreich hat in Brixen (Süd-Tirol) Herr ~Dr.~ +Otto v. Guggenberg+ jüngst eröffnet. Auch dieses Institut eines meiner eifrigsten und gelehrtesten Jünger empfehle ich angelegentlichst zu fleißiger Frequenz.

Im Monat Januar 1891 hat Herr ~Dr.~ +Wendelin Loeser+ eine Wasserheilanstalt nach meiner Methode in Veitshöchheim bei Würzburg eröffnet. Herr ~Dr.~ Loeser ist ein ruhiger Denker und wird sicher seinem Unternehmen Ehre machen.

+Wörishofen+, 26. Februar 1891.

+Der Verfasser.+

Aus dem Vorworte zur dreiunddreißigsten Auflage.

Beim Erscheinen der 33. Auflage will ich ankündigen, daß in derselben manche Abänderung getroffen wurde. Es gibt Leute, die auch die einfachste Schreibweise und einfachste Darstellung mit Zweifel erfüllt. So wurde bei verschiedenen Anwendungen manches geändert, manches weggelassen, manches ergänzt, so daß das Ganze besser aufgefaßt und sicherer angewendet werden kann. Und so Gott will, wird noch eine gänzlich umgearbeitete Ausgabe dieser verbesserten Auflage folgen.

+Wörishofen+, am 14. August 1891.

+Der Verfasser.+

Aus dem Vorwort zur fünfzigsten Auflage.

Die „Wasserkur“ hat jetzt bereits die fünfzigste Auflage erlebt und möchte gern ein Jubiläum feiern und allen Menschen, besonders den Kranken zurufen: „Lernet das Wasser und seine Anwendungen und Wirkungen recht kennen, und es wird euch Hilfe bringen, wo Hilfe noch möglich ist!“

Was mich betrifft, so kann ich mich nur freuen und wünsche von Herzen, daß fernerhin alle Kranken Linderung und Hilfe bekommen. Ich wünsche besonders, daß die Fachmänner der Medizin das Wasser, diese Gabe des Schöpfers, recht anzuwenden sich beeifern und diesem Stiefkinde ein Plätzlein im Hause und Heilmittelschätze gönnen möchten.

Der fünfzigsten Auflage gebe ich den Auftrag: Nehme dich der Kranken an, daß sie gesund werden! Sei gut Freund den Gesunden, daß sie nicht erkranken! Und weil ich als Priester täglich das heilige Opfer darbringe, so sollen alle diejenigen im heiligen Opfer eingeschlossen sein, welche nach Wörishofen kommen, und auch diejenigen, welche die Kur zu Hause gebrauchen wollen, damit sie den Segen des Himmels zur Genesung erlangen.

+Wörishofen+, am Lichtmeßtage 1894.

+Der Verfasser.+

Vorwort zur sechzigsten Auflage.

Eine brave Familie hatte einen recht gut erzogenen Sohn, der zu den besten Hoffnungen berechtigte und sich auch für seinen Stand und Beruf ziemlich gut ausgebildet hatte. Eines Tages bat er seinen Vater, er möge ihm erlauben, eine große Reise durch die ganze Welt zu machen, und versprach ihm, nach Verlauf von neun Jahren bestimmt wieder zu kommen und alle Erlebnisse zu erzählen, die er mitgemacht habe. Nach dieser Zeit wolle er wieder bei seinen Eltern zu Hause bleiben und sich stets bemühen, ein treuer und guter Sohn zu sein. Die guten Eltern ließen ihren Sohn sehr ungerne fort; denn sie fürchteten, es möchte ihm schlimm ergehen, und er möchte unter schlechte Gesellschaft geraten, wodurch er verdorben werden könnte. Endlich reiste der Sohn, nachdem er noch zuvor den elterlichen Segen erbeten und auch erhalten hatte, ab. Er hatte nur das Beste im Auge und bewahrte sein den Eltern gegebenes Versprechen treu und gewissenhaft. Genau nach neun Jahren kam er wieder nach Hause, und zwar als derselbe gute und brave Sohn, als welcher er das elterliche Haus verlassen hatte. Und wer mit ihm zusammentraf, wollte so gut wie die Eltern selbst seine Lebensschicksale gerne hören.

Dieses Bild paßt gar nicht übel auf „Meine Wasserkur“, die ich vor neun Jahren in der edelsten und besten Absicht auch in die Welt hinausgeschickt habe, damit die Menschen in ihren vielen Mühseligkeiten und Leiden Linderung und Hilfe bekommen und zugleich lernen sollten, wie man zu leben habe, um gesund, berufsfähig und ausdauernd zu bleiben und ein hohes Alter zu erreichen. Die überaus günstige Aufnahme und ungemein rasche Verbreitung meiner „Wasserkur“ gehört sicher zu den Seltenheiten, und es wird nicht leicht ein Buch gefunden werden können, das in so kurzer Zeit 59 Auflagen erlebt hat und nun in sechzigster Auflage erscheint. Nicht minder auffallend und überraschend ist es, wie sich das ehedem so einfache Wörishofen während dieser Jahre so bedeutend verändert hat. Wer Wörishofen in den früheren Jahren gesehen hat und es jetzt sieht, der wird es fast nicht mehr erkennen. Je mehr meine Bücher in allen Ländern verbreitet wurden, um so mehr kamen und kommen noch von allen Himmelsgegenden die Kranken herbei, und dadurch wurde ich gezwungen, obwohl ich es gar nicht im Sinne hatte, eine Wasserheilanstalt zu errichten, damit die Kranken in der „Heimat der Wasserkur“ Trost und Hilfe bekommen könnten. So wenig ich selbst anfangs zur Errichtung einer derartigen Anstalt geneigt war, geradeso sträubte sich auch Wörishofen lange Zeit dagegen; nur das gute Verhältnis zwischen mir und meinen Pfarrangehörigen konnte dies endlich zustande bringen.

Nach neun Jahren kam der Sohn wieder nach Hause und erzählte seine Lebensschicksale. So könnte auch „Meine Wasserkur“ nach diesen neun Jahren manches Schicksal erzählen. Sie ist wohl in den meisten Häusern gut aufgenommen worden, wenn sie auch von manchem mit Unwillen in einen Winkel geworfen wurde. Es wird ihr ergangen sein, wie es allen Unternehmungen ergeht; das Gute wird nicht selten angegriffen, und würde es nicht angegriffen, so wäre es auch nicht gut. So ging es auch mit der „Wasserkur“ und ihrem Verfasser.

Nun geht die sechzigste Auflage in die große Welt hinaus. Möge sie eine höhere Macht führen und ein höherer Beistand ihr immer folgen, wo immer sie angewendet wird!

Ich selbst werde mit dem Buche im Geiste herumwandern in die einzelnen Gegenden und nicht versäumen, den Lenker aller Schicksale anzurufen, er möge allen zuteil werden lassen, was für ihr zeitliches und ewiges Heil nützlich ist.

+Wörishofen+, den 15. März 1896.

+Der Verfasser.+

Inhalts-Verzeichnis.

Seite

Vorwort III

Einleitung 1

Erster Teil: Wasser-Anwendungen.

Allgemeines 15

Abhärtungs-Mittel 21

Wasser-Anwendungen 32

~A.~ Aufschläger:

1. Der Oberaufschläger 32

2. Der Unteraufschläger 33

3. Ober- und Unteraufschläger zusammengenommen 34

4. Auflage auf den Unterleib 34

~B.~ Bäder:

I. Fußbäder:

1. Das kalte Fußbad 39

2. Das warme Fußbad 39

II. Halbbäder 42

III. Sitzbäder:

1. Das kalte Sitzbad 44

2. Das warme Sitzbad 46

IV. Vollbäder oder Ganzbäder:

1. Das kalte Vollbad 47

2. Das warme Vollbad 56

3. Die Mineralbäder 62

V. Teilbäder:

1. Das Hand- und Armbad 65

2. Das Kopfbad 65

3. Das Augenbad 67

~C.~ Dämpfe:

1. Der Kopfdampf 72

2. Der Fußdampf 76

3. Der Leibstuhldampf 78

4. Besondere Dämpfe auf einzelne kranke Stellen 80

~D.~ Gießungen:

1. Der Knieguß 81

2. Der Schenkelguß 82

3. Der Unterguß 83

4. Der Rückenguß 83

5. Der Ganz- oder Vollguß 84

6. Der Oberguß 85

7. Der Armguß 88

8. Der Kopfguß 89

~E.~ Waschungen:

1. Die Ganzwaschung 90

2. Die Teilwaschung 93

~F.~ Wickelungen:

1. Der Kopfwickel 93

2. Der Halswickel 94

3. Der Schal 96

4. Der Fußwickel 97

5. Der Unterwickel 98

6. Der kurze Wickel 100

7. Das nasse Hemd 102

8. Der spanische Mantel 102

~G.~ Trinken des Wassers 105

Zweiter Teil: Apotheke.

Allgemeines und Einteilung 111

Tinkturen oder Extrakte 115

Tee 115

Pulver 116

Öle 116

Heilmittel 117

Inhalt einer kleinen Hausapotheke 158

Kraft-Nährmittel u. Verwandtes:

Rezept zur Bereitung des Kleienbrotes 159

Etwas über die Kraftsuppe 160

Bereitung des Honigweines 161

Dritter Teil: Krankheiten.

Einleitung 165

Alphabetisches Verzeichnis der Krankheiten 166

Alphabetisches Register 365

Einleitung.

Kein Blatt am Baume ist dem andern absolut oder vollkommen gleich, viel weniger ein Menschenschicksal dem andern. Könnte ein jeder vor seinem Sterben sein Leben schreiben, es wären so viele verschiedene Lebensbilder als Menschen selbst. Verworren sind die Wege, die in deinem Leben kreuz und quer sich durcheinander verschlingen, -- zuweilen gleich einem unentwirrbaren Knäuel, bei dem die Fäden ohne Plan und Zweck ungeordnet aufeinander liegen. So scheint es oftmals, in der Tat jedoch ist es niemals so. Das Licht des Glaubens wirft seinen erhellenden Strahl in das wirre Dunkel und zeigt, wie all die verschlungenen Pfade weisen Zwecken dienen und sämtliche auf ein vom allweisen Schöpfer von Anfang an geplantes und gestecktes Ziel hinführen. Wunderbar sind die Wege der Vorsehung.

Wenn ich von der Hochwarte des Alters aus die zurückgelegten Lebensjahre überblicke und die Verschlingungen meiner Wege sehe, so schlängeln diese einigemal scheinbar am Rande des Abgrundes; zuletzt aber münden und führen sie gegen alle Hoffnung auf die Sonnenhöhe des Berufes, und ich habe allen Grund, das liebevolle und weise Walten der Vorsehung zu preisen, umsomehr, als die nach menschlichem Dünken schlimmen und zum Tode führenden Pfade mir und unzähligen anderen den +neuen Lebensquell+ zeigten.