Meine erste Weltreise

Part 14

Chapter 142,974 wordsPublic domain

Die einzige Stadt, die die Holländer hier gebaut haben, ist Kapstadt. Sie besteht etwa aus hundert Backsteinhäusern, die des Südwinds wegen mit Stroh gedeckt sind. Ziegel und Schiefer könnte man auf dem Dache nicht erhalten. Die Straßen sind breit und bequem, und durchschneiden einander im rechten Winkel. In der Hauptstraße findet man einen zu beiden Seiten mit Eichen bepflanzten Kanal. Die Eichen haben sich gut entwickelt und spenden einen kühlenden Schatten. Sonst sind die Bäume hier stark verkrüppelt. Unter den Bewohnern der Kapstadt überwiegen die Holländer bei weitem. Da die meisten als Hausbesitzer an Fremde und Reisende vermieten, so haben sich ihre Lebensgewohnheiten denen fremder Nationen vielfach angepaßt. Die Frauen aber bleiben ihren holländischen Sitten so treu, daß z. B. jede beim Ausgang eine Magd neben sich hat, die ihr wie in der Heimat zum Fußwärmen den Eisentopf mit glühenden Kohlen nachträgt, was in dem viel heißeren Klima von Kapstadt geradezu deplaciert erscheint und lächerlich wirkt. Im allgemeinen sind die Holländerinnen hier sehr schön und haben eine reine, zarte Haut und eine blühende, gesunde Farbe. Sie geben die besten Ehefrauen von der Welt, die ihr Hauswesen sorgsam leiten und gute, meist kinderreiche Mütter sind. Ein Haus, in dem es nicht von Kindern wimmelt, ist hier selten. Die Luft ist ungemein gesund und heilkräftig.

Was wir über die Eingeborenen dieses Landes hörten, haben wir nur vom Hörensagen, denn von ihrer Lebensweise und ihren ursprünglichen Sitten bekommt man in der Stadt selbst nichts zu sehen. Wer sie daraufhin beobachten will, muß sie in ihren Dörfern, ihrem Kral besuchen. Das nächste Hottentottendorf aber liegt wenigstens vier Meilen von der Stadt entfernt. Diejenigen, die man in der Stadt zu sehen bekommt, sind meistens als Knechte bei den Buren im Dienst oder als Viehhirten tätig, also etwas von der Kultur beleckt. Die Hottentotten sind lange, hagere Gestalten, aber ungemein stark, gelenkig und gewandt. Manche sind 6 Fuß groß; ihr Auge blickt träge und gleichgültig; die Haut ist pechschwarz von Natur und noch mehr von Schmutz. Ich glaube, daß sie ihren Körper niemals waschen, so starrt er von Schmutz und Unreinlichkeit. Das Haar ist gesträhnt, lockig und glänzt von Fett. Die Kleidung besteht aus einem Schaffell, das sie über der Schulter tragen, und aus einem Schambeutel; die Frauen tragen ein Lendentuch, das an einem mit Glaskorallen und Kupferstückchen verzierten Gürtel befestigt wird. Männer und Frauen tragen eine Kette von Glaskorallen um den Hals und ebensolche Armbänder. Die Weiber wickeln Lederringe um die Knöchel, um sich gegen die Dornen zu schützen; vielfach tragen sie Holzsandalen als Fußbekleidung. Die Sprechweise der Hottentotten ist glucksend guttural; ihr Holländisch ist dagegen rein und in der Aussprache fehlerfrei.

Ich habe selten ein so schamhaft schüchternes Volk kennen lernen wie die Hottentotten. Es kostete uns immer die größte Mühe von der Welt, sie dahin zu bringen, daß sie in unserer Gegenwart tanzten. Doch glückte es uns, sie in ihren Tänzen zu beobachten und beim Singen ihrer Lieder zu belauschen. Die Tänze der Hottentotten sind teils üppig lebhaft, teils träge und schläfrig. Die leidenschaftlichen Tänze bestehen aus heftigen, erotischen Bewegungen des Körpers und aus tollen Sprüngen; die andern darin, daß der Tänzer abwechselnd mit den Füßen den Boden stampft, ohne sich von der Stelle zu rühren oder irgendwie sonst den Körper zu bewegen. Es ist ein monotones Tanzen, dem einige ihrer Lieder gleichen, während hinwiederum andre Lieder lebhafte und feurige Melodien haben.

Wir waren gezwungen, um mehr von den Sitten und Gebräuchen der Hottentotten zu erfahren, uns bei den Holländern danach zu erkundigen. Wie wir von unsern Gewährsleuten hörten, gehören die Hottentotten verschiedenen Stämmen an, die sich in ihren Eigentümlichkeiten voneinander unterscheiden. Doch sind sie friedliebend bis auf das im Osten wohnende Volk der Buschmänner, die vom Krieg und vom Raube leben. Die Buschmänner sind die heimtückischsten Viehräuber, die man sich denken kann. Was sie besonders gefährlich macht, ist, daß sie die Spitzen ihrer Lanzen und Pfeile mit dem äußerst gefährlichen Gifte der Kobraschlange vergiften, so daß die kleinste Wunde unbedingt tödlich wirkt. Dabei sind sie gute Schützen, die, einerlei ob sie die Lanze werfen oder den Pfeil abschießen oder den Stein schleudern, ihr Ziel, und sei es auch nur talergroß, auf hundert Schritte zu treffen wissen. Gegen diese unverbesserlichen Räuber, die ihre Raubzüge des Nachts unternehmen, schützen sich die Hottentotten, die viel von ihnen belästigt werden, dadurch, daß sie ihre Bullen die Nacht über frei herumlaufen lassen. Diese vierbeinigen Nachtwächter stellen jeden, der sich nachts ans Dorf heranschleicht, und machen dabei solchen Lärm, daß das ganze Dorf alarmiert wird. Auch den wilden Tieren treten sie geschlossen mutig entgegen.

Die Häuptlinge der Hottentotten gehen in Löwen-, Tiger- oder Zebrafelle gekleidet, die sie mit Fransen und anderm Zierat einfassen. Sie besitzen meist große Viehherden. Das ganze Volk, Männer und Frauen, schmiert sich den Körper mit Hammelfett oder Butter ein. Man versicherte uns, daß die Priester der Hottentotten bei der Vermählung eines Paares dieses mit seinem Urin bespritzen, und daß ohne diese Zeremonie die Ehe ungültig sei. Was nun die sogenannte Hottentottenschürze der Frauen betrifft, die als besondere Schönheit gilt, so wurde sie von einigen geleugnet. Unser Arzt dagegen, der viele Hottentottinnen ärztlich untersucht und behandelt hat, sagte uns, daß unter den vielen Hunderten von Frauen, die er behandelt habe, nicht eine gewesen sei, die nicht diese scheußliche Verunstaltung an ihrem Körper gehabt hätte; bei einigen wäre sie sogar vier und noch mehr Zoll groß gewesen. So viel von den Eingeborenen des Kaplandes.

Die Bai ist groß, sicher und bequem. Der Nordwind kann zwar gerade noch hineinwehen, allein er stürmt selten. Die Südostwinde wehen oft sehr ungestüm; da sie aber in der Richtung nach der See hin blasen, so ist keine Gefahr dabei. Um die Waren bequem aus- und einladen zu können, haben die Holländer einen hölzernen Kai angelegt, der ziemlich weit von der Stadt in die Bai hinausläuft. Auch kann man hier frisches Wasser einnehmen, das dahin gepumpt wird. Der Proviant wird durch Hafenschiffe der Kompanie an Bord gebracht; auch vermitteln diese Schiffe gegen geringe Gebühr den Transport nach der Stadt. Die Bai selbst wird durch ein Fort beschützt, das an der Ostseite der Stadt hart am Strande liegt. Auch sind längs der Küste verschiedene Außenwerke und Strandbatterien zum Schutze der Stadt und des Hafens angelegt. Allein deren Lage ist nicht die sicherste; vom Land aus wie von den Schiffen sind sie leicht zu beschießen. Wider einen mächtigen Gegner, der diesen Forts von der Landseite beikäme, könnten sie sich meines Erachtens nicht lange halten[8]. Die Besatzung besteht aus 800 Mann regulärer Truppen und aus der Landmiliz, zu der jeder zählt, der eine Flinte tragen kann.

[8] 24 Jahre später wurde Kapland von den Engländern unter Admiral Elphinstone und General Clarke erobert; 1814 kam es durch den Pariser Frieden endgültig in englischen Besitz.

Fünfzehntes Kapitel.

Heimreise. -- Eine Sträflingsinsel. -- St. Helena. -- Grausame Behandlung der Sklaven daselbst. -- Wieder zu Hause.

Am 14. April 1771 früh hoben wir den Anker und steuerten aus der Bai hinaus. Um 5 Uhr des Nachmittags befanden wir uns an der Pequin- oder Robininsel, wo wir für die Nacht vor Anker gingen. Da ich am Morgen der Windstille wegen nicht weiter konnte, so schickte ich ein Boot nach der Küste, um einige Kleinigkeiten einzukaufen, die ich am Kap zu kaufen vergessen hatte. Als sich das Boot der Küste näherte, wurde es angerufen und ihm die Landung untersagt. Gleichzeitig erschienen sechs Soldaten am Strand und stellten sich in Reih' und Glied mit angelegtem Gewehr auf. Um ein paar Köpfe Gemüse, denn darum handelte es sich, wollte der das Boot kommandierende Offizier kein Blut vergießen; er kehrte daher zum Schiff zurück. Anfänglich war uns die wenig gastfreundliche Art der Herren Holländer befremdlich, aber dann erinnerten wir uns, daß die Kapholländer ihre schweren Verbrecher auf diese Insel deportierten, wo sie in den Kalksteinbrüchen, deren es hier sehr viele gibt, schwer arbeiten mußten. Auch erinnerten wir uns des Vorfalls, der die Kapregierung bewogen hatte, künftighin jede Landung eines fremden Schiffes auf der Strafinsel zu untersagen. Der Fall war allerdings provozierend genug und macht die Rigorosität der Holländer verständlich. Der Kapitän eines dänischen Schiffes nämlich, dem seine Mannschaft durch Sterbefälle stark dezimiert worden und dem es nicht gelungen war, in Kapstadt so viele Ersatzmannschaften anzuheuern, als er zu seiner Heimreise gebrauchte, hatte die Wachmannschaften auf der Insel überfallen und sich so vieler Verbrecher bemächtigt, als er zur Bedienung seines Schiffes nötig hatte. Diesem Gewaltakt hatten wir es zu verdanken, daß man uns die Landung verwehrte, was wir sehr begreiflich fanden.

Am 25. erst konnten wir bei leichtem Ostwind die Anker heben und wieder in See gehen. Um 4 Uhr starb unser leichtlebiger Steuermann Robert Mollineux. Er war ein junger, sehr befähigter Seemann, aber zu seinem Unglück genoß er die Freuden des Lebens in vollen Zügen, so daß er sich selbst während seiner Krankheit nicht schonte. Aber sein Tod ging uns allen sehr nahe, denn er war die Lebensfreude selbst und in den fatalsten Lagen stets bei guter Laune.

Am 29. April passierten wir den Äquator. Wir hatten nunmehr die Welt von Osten nach Westen her völlig umsegelt. Natürlich veranstalteten wir bei dieser Gelegenheit ganz besondere Festlichkeiten, an denen sogar unsre Kranken und Rekonvaleszenten regen Anteil nahmen. Am 1. Mai erblickten wir bei Anbruch des Tages die Insel Sankt Helena. Am Mittag legten wir uns auf der Reede vor dem Fort James vor Anker, wo wir bis zum 4. Mai blieben.

Herr Banks, der sich vollständig wieder erholt hatte, machte in dieser Zeit eine Rundfahrt um die Insel herum. Sankt Helena liegt fast in der Mitte des Großen Ozeans und ist von der Küste Afrikas 400, von der Amerikas 600 Seemeilen entfernt. Die Insel besteht aus dem Gipfel eines ungeheuren Berges, der steil aus der unergründlichen Tiefe des Meeres hervorragt und nicht über zwölf Seemeilen lang und sechs breit ist. Bekanntlich ist in den Ländern, wo es Vulkane gibt, deren Sitz stets in den höchsten Bergen zu suchen. So ist der Ätna der höchste Berg von Sizilien und der Vesuv der von Neapel. In Island ist der höchste Berg der Vulkan Hekla; in Südamerika liegen die Vulkane in den höchsten Regionen der Anden und in dem berühmten Pik von Teneriffa. Alle diese Vulkane brennen noch. Aber es gibt noch eine Menge ausgebrannter Vulkane; unter diese gehört die Insel Sankt Helena. Ihre Oberfläche ist sehr uneben, bald Berg, bald Tal. Diese Ungleichheiten des Bodens sind dadurch entstanden, daß sich die Erde infolge der Wirkungen des unterirdischen Feuers stellenweise hob oder senkte. Jedenfalls ist die Insel vulkanischen Charakters, wie die dort vorkommenden Gesteinarten beweisen.

Als wir uns der Insel auf der Windseite näherten, sah sie einem ungestalten Haufen Felsen gleich, die nach der See hin fürchterlich steil abfallen und ohne jede Vegetation sind. Als wir noch ziemlich weit von der Küste entfernt waren, glaubten wir, daß uns die große Entfernung die Vegetation verberge; allein je näher wir kamen, desto trostloser sahen die kahlen Felsen aus. Einzelne Felsen neigen sich mit ihren Gipfeln gleichsam über die See, so daß wir unter ihnen hindurchfuhren; es sah geradezu beängstigend aus. Es war uns zumute, als wollten die Felsen herabstürzen. Der Anblick war so furchterregend und bedrohlich, daß wir unwillkürlich die Augen schlossen. Endlich gelangten wir an das Kapellental, das wie ein großer trockener Graben aussieht. Und in diesem traurigen Graben, dessen Boden mit spärlichem, dünnem Graswuchs bedeckt ist, liegt die Stadt.

So sieht auf den ersten Anblick die Insel aus. Hinter den Bergen erst beginnt die Vegetation, die allerdings ebenso reich wie vielseitig ist und die Produkte aller Zonen hervorbringt. Die Stadt liegt hart am Strande. Sie besitzt viele, schlecht gebaute Häuser, eine alte, baufällige Kirche und ein ebenso altes Stadthaus. Alle weißen Einwohner der Insel, die im Besitz der Englisch-Ostindischen Kompanie ist, sind Engländer. Allein da sie für ihre Rechnung keine Schiffahrt zum Zweck des Handels treiben dürfen -- die Kompanie hat dieses Verbot erlassen -- so sind sie auf den Kleinhandel angewiesen, den sie mit den einlaufenden Schiffen treiben. Dennoch könnten sie gute Geschäfte machen, würden sie sich die Lage der Insel, auf der nicht nur alle europäischen, sondern auch alle ostindischen Landesprodukte gedeihen, mehr zunutze machen.

Es gibt zwar Pferde genug auf der Insel, doch dienen sie nur zum Reiten. Als Lasttiere dienen hier die Sklaven, und diese Unglücklichen, die fast aus allen Gegenden der Welt hier zum Verkauf kommen, werden in der fürchterlichsten Weise ausgenützt und durch die schweren Arbeiten, die man ihnen aufbürdet, auf die schnellste Weise aufgerieben. Die unerhörtesten Mißhandlungen und die unglaublich rohe Behandlung, denen die hiesigen Sklaven ausgesetzt sind, machen sie zu den unglücklichsten Menschen unter der Sonne. Es tut mir leid, daß ich die Klagen dieser Unglücklichen für berechtigt halten und daß ich zur Schande meiner Landsleute hier konstatieren muß, daß sie ihre Sklaven weit grausamer und unmenschlicher behandeln als die Holländer am Kap und in Batavia die ihrigen. Und die holländischen Sklavenhalter sind doch dafür bekannt, daß sie aller Menschlichkeit bar sind.

Am 4. Mai lichteten wir die Anker. Um 1 Uhr nachmittags liefen wir in Gesellschaft des Kriegsschiffs »Portland« und von zwölf Ostindienfahrern in See. Mit dieser kleinen Flotte segelten wir bis zum 10. Mai. Da ich aber wahrgenommen hatte, daß wir mit den übrigen Segelschiffen auf die Dauer nicht in der Schnelligkeit konkurrieren könnten, so signalisierte ich dem »Portland«, er möge mir jemand an Bord senden. Der Kapitän erschien in eigener Person, und ich händigte ihm einen Brief an die Admiralität sowie ferner die Schiffsrechnungsbücher und die Tagebücher der verstorbenen Offiziere ein, da er voraussichtlich vor uns nach England kommen würde. Am 23. Mai verloren wir die ganze Flotte aus dem Gesicht. Am Nachmittag starb mein erster Leutnant Hicks an der Schwindsucht, mit der er schon in England behaftet war; seit Batavia nahm die Krankheit zu. Am Abend bestatteten wir ihn feierlich in des Seemanns Kirchhof, dem Weltenmeer. Unser Takelwerk und unsre Segel waren so schlecht geworden, daß sie fast jeden Tag stückweise in Fetzen gingen. Doch setzten wir unsre Reise ohne Unfall fort. Am 10. Juni erblickte Nikolaus Young, derselbe Schiffsjunge, der Neuseeland zuerst entdeckt hatte, Land; es war Kap Lizard. Am 11. liefen wir den Kanal hinauf; am 12. mittags sahen wir uns Dover gegenüber; und um 3 Uhr kamen wir in den Dünen vor Anker und landeten in Deal.

Bei uns ist ferner erschienen:

Quintessenz der Lebensweisheit und Weltkunst.

Lord Chesterfield

Briefe an meinen Sohn.

Ausgewählt und aus dem Englischen übersetzt von

Dr. Karl Munding.

22.-25. Tausend.

In moderner Ausstattung :: Leicht gebunden 3 Mark 60 Pf. In feinem Leinenband mit Goldschnitt 5 Mark.

Der Inhalt dieses Werkes ist weltberühmt.

Ein Vater schreibt seinem Sohne Briefe der allervertraulichsten Art. Der Sohn steht im Begriff, ins praktische Leben einzutreten. Der ihn zärtlich liebende Vater möchte ihm die Wege ebnen. Ein vollendeter Welt- und Menschenkenner, der eine fast fünfzigjährige Erfahrung hinter sich hat, der immer mit offenen Augen, immer sonnenklar in die Welt hineingeschaut, ein Mann, der die Sonde des schärfsten Verstandes an die Menschen legte, spricht zu einem unerfahrenen Jüngling, um ihm diejenige Erkenntnis beizubringen, die in den Stürmen, Nöten und Bedrängnissen des Lebens wohl keinem erspart bleibt, die aber die meisten erst mit ihrem Herzblut erkaufen müssen.

Jahrelang wird die Korrespondenz geführt. Der Inhalt der Briefe wächst allmählich an zu einem ganzen System der Weltkunst und Lebensweisheit. Immer wieder werden neue Saiten aufgezogen. Da stirbt der inzwischen zum Manne herangereifte Sohn. Fünf Jahre später folgt ihm der Vater. Kaum hat sich das Grab über ihm geschlossen, so fliegen auch schon seine Briefe in die Welt hinaus. Die Gattin des Sohnes verkauft sie in Bausch und Bogen einem Buchhändler für die enorme Summe von 30000 Mark. Und schon ein Jahr später sind sie öffentliches Gemeingut. In den Salons der »oberen Zehntausend«, in der ganzen gebildeten Welt spricht man von »Chesterfields Briefen an seinen Sohn«.

Die Briefe Chesterfields sind der Ausfluss einer durch das Alter und zahlreiche Erfahrungen gereiften Lebensweisheit. Chesterfield ist Realist. Er beleuchtet und nimmt die Menschen wie sie sind und zeigt den Weg, der zum Frieden mit ihnen führt. Das Buch enthält einen herrlichen Schatz der feinsten Beobachtungen und Lebensmaximen. Es spricht ein feiner, erfahrener und liebenswürdiger Geist zu uns. Das Buch lehrt, wie man mit den Menschen verkehren soll, was man tun muss und was man nicht tun darf, um in der Welt fortzukommen und sein Glück zu machen. Es ist ein nützliches Geschenkwerk allerersten Ranges, besonders für Jünglinge. Aber selbst auch ein Virtuose der Lebenskunst wird noch vieles daraus lernen.

Schwabacher'sche Verlagsbuchhandlung in Stuttgart.

Bei uns ist ferner erschienen:

Unseren Söhnen.

Ratschläge für ihr äusseres Leben daheim und in der Fremde.

Von

-- M. Grimm. --

Broschiert 3 Mark. Fein gebunden 4 Mark.

_Einige Urteile der Presse_:

»Ein wahrhaft vorzügliches Buch, das besonders allen denen, die aus den sicheren Grenzen des Elternhauses zum erstenmal allein in das Leben hinaustreten (sei es des Studiums oder eines andern Berufs halber) nicht warm genug empfohlen werden kann.«

Deutsche Warte.

»Seit langem haben wir kein so nützliches Buch in die Hand bekommen.«

Frankfurter Zeitung.

»Gewissermassen ein _Lexikon der Praxis_ -- gibt dem jungen Manne Aufklärung über Dinge, über die alle Konversationslexika sich in Schweigen hüllen.«

Weser-Zeitung.

»Ein durchaus prächtiges Buch, dessen Besitz wir jedem in das Leben eintretenden jungen Manne wünschen möchten. Es wird ihm ein guter Berater und bald ein lieber Freund sein.«

Breslauer Zeitung.

Schwabacher'sche Verlagsbuchhandlung in Stuttgart.

+----------------------------------------------------------------+ | Anmerkungen zur Transkription | | | | Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen | | gebräuchlich waren, wie: | | | | älteren -- ältern | | anderen -- andern | | Aufenthaltes -- Aufenthalts | | Botany-Bai -- Botanybai | | größeren -- größern | | inneren -- innern | | Oheteroa -- Oheteroah | | unseren -- unsern | | | | Interpunktion wurde ohne Erwähnung korrigiert. | | Im Text wurden folgende Änderungen vorgenommen: | | | | S. 1 »Funchial« in »Funchal« geändert. | | S. 7 »nacktgehen« in »nackt gehen« geändert. | | S. 33 »sogut« in »so gut« geändert. | | S. 57 »Ulieta« in »Ulietea« geändert. | | S. 124 »streitigmachen« in »streitig machen« geändert. | | S. 135 »Starbordseite« in »Steuerbordseite« geändert. | | S. 162 »Stadthalter« in »Statthalter« geändert. | | S. 164 »konten« in »konnten« geändert. | | S. 180 »fröhnen« in »frönen« geändert. | | S. 180 »parallelläuft« in »parallel läuft« geändert. | | S. 197 »Admiral Elphinestone« in »Admiral Elphinstone« | | geändert (Fußnote). | | | +----------------------------------------------------------------+