Mein Lied

Part 5

Chapter 53,397 wordsPublic domain

Doch was andres will ich wagen Mit Verstattung noch zu sagen. Trotz des Sportes, aufzuklären, Ist es finster, bleibt es finster, Gute Lehren, Leut' bekehren, Das sind blaue Hirngespinster. Sagt's Mephisto oder Faust, Wie man auf der Erde haust, Es klingt nach in unserm Ohr, Und wir bleiben wie zuvor. Selbst Erfahrung wirkt bedingt Nur so lange, als sie zwingt. Wir sind hartgesottne Sünder, Und ihr Frommen seid's nicht minder.

Doch, es wird spät. Ich trinke den garstigen Trank zur Neige, Und schweige. Wie schön zu schauen auch der Götter Leben, Es ist verzweifelt schwer, ihm nachzustreben. Ich betracht' und beklag' als betrogener Zecher Noch einmal die Welt, Und schleudere den schillernden Becher An der Ewigkeit eherne Wand, Daß er zerschellt. --

Wie bin ich noch wirr, obschon aufgewacht. Ich merke wohl, der giftige Trank Hat mich betäubt gemacht, Todesbetrübt und krank. Und sollte doch jauchzen, daß er endlich leer ist, Der vertrackte Humpen, und nicht mehr schwer ist. Sollte ihn mit sanft laugendem Lethe ausspülen, Ihn mit meiner eigenen Seele ausfüllen, Mit der guten und schönen, Wie sie im törichten Wähnen Sich selber so gerne tat nennen; Und sollt' mit solch köstlichem Inhalt Den Becher stolz himmelwärts tragen! -- Wer ist verwegen? Wer darf das wagen? Ich bin es nicht, kann es nicht sein. Meine Seele hat von Welt getrunken Und ist nicht mehr rein. Auch hat sie Liebe mit Undank betrogen, Hat Haß mit erkünstelter Sanftmut belogen, Torheit mit Torheit aufgewogen. --

O meine Seele, der Abend naht. Willst du mir nicht das Scheiden verschönen Mit herzfroher, tapferer Tat? Willst du dich nicht mit der Welt versöhnen? Wenn es ihr recht ist Und du ihr nicht zu schlecht bist. Im Grunde seid ihr doch einander würdig Und ebenbürtig. Gott Vater war schalkhaft, als er euch schuf, Nun ist Irrtum und Torheit euer Beruf. Ihr krochet hervor aus Sumpf und Schlamm, Woher auch die Lotosblume kam, Und ist doch der Sonne liebstes Kind. Laßt euch nur den Spaß nicht gereuen: =Verzeihen, erneuen, sich freuen!= Dann seid ihr, wie die Götter sind. Nehmt nur nichts schwer und auch nichts krumm; Seid nicht zu klug und nicht zu dumm, Und bildet euch doch ja nicht ein, Das rechte so mit Klugheit zu erfragen. Ist schon die Weisheit zu erjagen, So kann's eher noch mit einer Torheit sein. Jeder forsche, was ihm tauge, Vor jeder Wahrheit, die dich quält, Verschließe ruhig Ohr und Auge, Und =dichte= dir die Welt Wie sie dir gefällt. Und träume weiter ....

Es kommt dereinst ein dunkler Tag.

O freue dich, mein Brüderlein, An deines Lebens Sonnenschein, Doch trau ihm nicht. Es kommt dereinst ein dunkler Tag, Noch eh in unnennbarer Klag' Dein Auge bricht.

Die Werke dein so stolz erstehn, Du wirst sie einst zerfallen sehn Und sein ein Mann; Doch schläft ein treues Herz im Schrein, Dem du sein kurzes Erdensein Hast weh getan:

Dann wirst du fröhlich nimmermehr, Wirst um des Toten Wiederkehr Vergeblich flehn. Am Grabe werden Röslein blühn, Dein armes Herz wird welken hin Und still vergehn.

Grab ein!

Grab ein, grab ein In unsrer Mutter reichen Schrein, Für alle Sorge und Beschwerde Erliegt dein Lohn in treuer Erde. Grab ein, grab ein.

Grab einen Schuh Mit starker Hand, so findest du Dein Stücklein Brot aus Halmen sprießen, Oh, mögest fröhlich es genießen! Grab einen Schuh!

Grab zwei Schuh ein, So wird dich einst ein Baum erfreun, Der hier so tief die Wurzel breitet, Und dessen Dach dir Schutz bereitet, Grab zwei Schuh ein!

Grab drei Schuh ein, So sammelt sich darinen rein Vielleicht die Quelle frisch und helle, Zur guten Lab' für Leib und Seele, Grab drei Schuh ein!

Grab vier Schuh ein, So ist's der Grund zum ersten Stein, Wenn emsig du ein Haus dir bauest Und hoffend in die Zukunft schauest, Grab vier Schuh ein!

Grab fünf Schuh ein, So blitzt wohl gar des Silbers Schein, Und tausend goldne Fäden weben Sich herrlich durch dein ganzes Leben, Grab fünf Schuh ein!

Grab sechs Schuh ein, Wie leer mag da die Grube sein; Oh, nimmermehr, da findest du Das Beste, eine sanfte Ruh', Grab sechs Schuh ein!

Volkslied.

Es springt ein guldener Bronnen Aus heißem Herzen auf, Und spiegelt in der Sonnen Des Menschen Lebenslauf.

Es steigt ein ewiges Klingen Zu Gottes Himmel an, Das Höchste muß man singen, Weil man's nicht sagen kann.

Kein Adler mag sich heben So hoch zum Himmelszelt, Als deine =Lust= am Leben Im Jauchzen aufwärts gellt.

So tief legt sich der Müde Zur letzten kühlen Rast, Als du dein =Leid= im Liede Zur Ruh' gebettet hast.

Lorbeer und Palme.

Strebst du nach Ruhm, o Sänger, so reize die Mitwelt nicht. Siehe, im Fluch des Volkes welket der Lorbeerkranz. Gibst du den Lorbeer doch für des Märtyrers Palme hin, Dann erst grüß' ich dich jauchzend, Sohn der Unsterblichkeit.

Davongeflogene Seelen.

Ich komme just vom Leichensaal, Dem schattengrauen, dem kalten. Dort liegen die Kadaver all, Die blassen Lehmgestalten. Die Freund und Bruder ich genannt Auf langen, fröhlichen Fahrten, Die sind mir jetzt ganz unbekannt, Wie Erde aus fremdem Garten. So wird's im dunkeln Leichenhaus Ein erstes Mal uns helle: Die =Seele= macht den Menschen aus, Die ewige, heilige Seele. -- Die Nester leer, die Seelen fort Auf unbekannten Straßen -- Wohin, wohin? Kein Sterbenswort Sie haben sagen lassen. Ich starre in der Blumen Glut, Ich horche der Vöglein Lieder, Da wehet leis durch Lebensflut Ein Hauch der Toten wieder. Und während die Seelen ohne Rast Ich such' mit bangem Mute -- Sitzen im Herzen sie mir zu Gast Und trinken von meinem Blute.

Klingende Funken.

Immer glühen edle Herzen, Leidversunken, freudetrunken, Und selbst schnöde Alltagskerzen Sprühen manchen Sternenfunken.

Lasset uns mit Äthersträngen Glocken an die Sterne hängen, Damit sie die stillen Feuer Weitersenden in Gesängen.

Für das, was uns am höchsten steht, Für das, was uns am nächsten geht, Ward uns kein Lied zu eigen. Da hat man nur ein fromm Gebet Und -- Schweigen.

Ich bin ein Kind Und bleib' ein Kind, Weil ich nur so Den Himmel find'.

Dem wahren Spaziergänger schlägt keine Uhr. Ein Glücklicher ist er im Reich der Natur. Er denkt nicht an Zeit, und er frägt nicht nach Ziel, Seine Lust ist der Weg -- führt er hin, wo der Will'.

Durchs Kornfeld streicht der Städter, Er kann sein Aug' nicht wenden Vom purpurroten Mohne. Die violette Rade, Die deutsche blaue Blume, Und all die bunten Blüten Entzücken seine Seele. -- Der Bauer aber wettert: Der Teufel soll es holen, Das gottverdammte Unkraut!

Ich hol' mir die Ehren vom Felde! Sagt der Soldat; Da gibt es Mord und Brand. Ich hol' mir die Ähren vom Felde! Sagt der Bauer; Da gibt es Lust im Land.

Der Pflug und das Schwert sind feindliche Brüder, Die Wag' ihrer Siege geht auf und nieder. Sie hungern nach Brot, sie dürsten nach Ruhm Und tasten irrend im Kreis herum. Was ist doch des Feldes Ehrenzeichen? Sind's goldige Garben? Sind's blutige Leichen? O möchte die Menschheit sich wählen ganz Zum Ehrenkranz -- den Ährenkranz!

Tut dein Herz dir Gottes kund, Nimm ihn nicht aus fremdem Mund, Bau sein Haus auf deinem Grund.

Was ich aus Trutz vollbracht, Wuchs voll Pracht über Nacht Und ward -- verregnet. Was ich aus Lieb' gesäet, Keimte stät, reifte spät Und ist gesegnet.

Der opferfrohen Güte Gelingt auch kaum viel mehr, Als daß sie das Gemüt Nicht öde läßt und leer. Genießer deiner Labe Sind selten doch entzückt, Nur daß gegebne Gabe Dein eigenes Herz beglückt.

Auf alle Wiegen sollt' man's schreiben, In alle Särge sollt' man's schneiden: Just so, wie's die Menschen treiben, Just so müssen sie's auch leiden.

*

Was ist der Sinn und Endgewinn Der großen irdischen Sendung? Die Königin und die Bettlerin, Sie haben die gleiche Endung.

»Wissen ist Macht!« Wie schief gedacht! Wissen ist wenig, Können ist König!

Wie wenig an Ungewöhnlichkeit Verherrlicht die weite Erde! Das Genie nur ist Persönlichkeit, Alles andere ist Herde.

Geh kühl vorüber an des Reichtums Stätte. Der die Welt hat, ist ärmer, Als der sie -- gern hätte. Traue nicht den trügenden Gaben, Das Hoffen ist köstlicher als das Haben.

In jedem Haus Vor allem wert Drei Dinge sind: Eine starke Faust, Ein warmer Herd, Ein kleines Kind.

*

Bleibe, o Musensohn, eigen, wie die Natur dich gemacht hat, Ziehe nicht fort mit dem Weltstrom des täglichen Lebens; Sonst geht es dir, wie dem starken, dem mächtigen Bergfluß: Sobald er dem Strom sich ergießt, verliert er den Namen!

*

Nach innen leben, Nach außen weben, Nach unten schauen, Nach oben streben.

Ich sag' dir, armes Vögelein: Der Liebling dieser Menschen sein Ist schwerer Fehl, und wird bestraft Mit lebenslanger Kerkerhaft.

O laßt das Denkmalsetzen gehen, Bis letztes Wort gesprochen ist. Ein Bild aus Erz kann erst entstehen, Wenn das aus Ton zerbrochen ist.

Ich würde mich mit Leuten nie versöhnen, Die nicht dienen wollen und nicht herrschen können.

Wer noch die Menge nicht als Bestie kennt, Der seh' einmal die blutigen Bahnen, Die unsere Weltgeschichte trauernd nennt, Er wird es ahnen. Den Volksbefreier preist sie jubelnd heut, Und morgen den Tyrannen.

Zur Bändigung des Pöbels, laßt mal sehen, War höllisch schwer des Teufels zu entraten. Der Teufel kam auch billiger zu stehen Als jetzt -- die Million Soldaten.

Sei nie bloß Parlamentarier, Sei schaffender Autokrat. Worte sind Proletarier, Und Fürstin ist die Tat.

In wichtigen Dingen indifferent, Um nichtige schweifen und keifen, Ein solches Geschlecht soll man -- mordselement! -- Statt salben und täufen -- ersäufen.

Zur Gründung von Vereinen Sind die Deutschen stets bereit. Nur für eines gründen sie keinen, Für -- deutsche Einigkeit.

Feste feiern, Lieder singen, Reden halten, Gläser klingen, Spielen, sporten und flanieren, Tanzen, flirten und charmieren -- Ist mit solchen guten netten Dingen unser Volk zu retten? -- Arbeit, Arbeit ohne Ruh', Taschen auf und Fäuste zu! Trotzig dem Geschicke stehen, Oder -- feig zugrunde gehen!

Laß dich nicht ein mit der Kanaille, Die dir auf irdischer Wander Das Leben verdirbt, Man setzt sich mit ihr Höflich und klipp auseinander, Indem man stirbt.

O nein, mein Freund, das will ich nicht, Auf Menschenherzen ziel' ich nicht. Mit Lust und Leiden spiel' ich nicht. Viel lieber mit dem eiteln Tropf, Dem aufgeblasenen hohlen Kopf, Den nehm' ich manchmal gern beim Schopf.

In Fieberdurst lechz' ich nach kühler Labe, Nach einem Tropfen edler Rebengabe, Ein Freund erhebt den Becher schäumend voll Und -- trinkt auf mein Wohl!

Wenn du den Leuten Übles tust, So hängen sie dich, Oder im großen Gutes tust, So kreuzigen sie dich; Und wenn du ihnen gar nichts tust, Verdrießen sie dich.

Wenn dich die Leut' verdrießen Und Wehmut dein Herz beschleicht, So tu ihnen rasch was Gutes, Dann ist dir wieder leicht.

Wenn du dich selber verdrießest, Dein Herz ist lahm und wirr, So wart' auf ein großes Leiden, Das bringt dich wieder zu dir.

Wer heute Herr, ist morgen Knecht. Wie Armut stärkt, so Reichtum schwächt.

*

Feinde zu verderben Ist ein froher Ritt; Um das Bräutchen werben Ist ein banger Schritt; Sterben, sterben, sterben Ist ein' bittre Freud'; Erben, erben, erben Ist ein süßes Leid. Süßes Leid, ich mag dich nicht, Bittre Freud', ich klag' dich nicht, Banger Schritt, ich wag' dich nicht, Mit Menschenbrüdern schlag dich nicht.

Wen stets die Güte und die Freude flieht, Der wird sich bald gealtert sehen. Wer seine Stirne oft in Falten zieht, Dem bleiben sie beizeiten stehen.

Ist dir dein Bett nicht recht, So kannst du dir's besser richten, Ist dir die Welt zu schlecht, So magst du dir eine bessere dichten.

Idealismus allein Ist weder gut noch klug. Vom Realen das beste Ist ideal genug.

Der siegfrohe Herr, der rüde Gesell, Sie herrschen nach ihrer Weise; Der Feldwebel, traun, der schreit den Befehl, Der König -- der sagt ihn leise.

Ach, die Lyriker sind eigen, Wenn sie nichts zu sagen finden, Müssen sie es laut verkünden, Daß -- sie schweigen.

Im Leben es bunt zu treiben Ist Brauch bei der Jugend; Das Streben, gesund zu bleiben, Ist auch eine Tugend.

Wie jagt der Mann nach fernsten Dingen Und strebt und strebt ohn' Unterlaß, Doch nimmer wird das Ringen bringen, Was einst er ohne Müh' besaß.

Alles Leben ist ein Wunder, Alles Totsein ein Geheimnis. Lebst du ewig, ist ein Weilchen Grabesschlummer kein Versäumnis.

Auf Höhen, wo die Sonne quillt Aus Gottes Angesichte, Hab' ich mein Herz mit Glut gefüllt Und mein Aug' mit Lichte. Nun find' ich mich talaus, talein Zurecht auf dunkeln Straßen Und hoffe wieder stark zu sein Zum Lieben und zum Hassen.

Wer dieser Erde Pracht und Macht, Befreit und rein, verachten mag, Dem wird zur Weihnacht jede Nacht Und jeder Tag zum Ostertag.

Vater unser! diesen Ruf senden wir den Sternen zu. Mutter unser! damit sinken müde wir zur Erdenruh'. Mutter unser! laß uns schlafen süß an deiner warmen Brust, Vater unser! weck uns wieder auf zu Licht und Himmelslust. Eines in des andern Arme legt die Kindlein treu und weich. Vater unser! Mutter unser! Zu uns komme euer Reich!

Als Kind hab' ich gespielt mit Scherben Und bunte Steinchen froh geschichtet. Als Mann hab' ich den Bau, den derben, Des Lebenszieles aufgerichtet. Und wenn nach Kämpfen und nach Kümmern Der stolze Bau zugrunde fiele? Dann werd' ich wieder Kind und spiele Gar fröhlich mit des Glückes Trümmern.

Ihr spaltet Haare, Ich kitte Steine, Wer tut das Wahre Für die Gemeine?

Geistig Verfeinern Lähmt alle Stärke, Trennen, Zerkleinern Gibt keine Werke.

Jedoch, das meine Steht tausend Jahre, Ich kitte Steine, Ihr spaltet Haare.

Ihr meßt mich mit den Kleinen, Da besteh' ich. Ich meß mich mit den Großen, Da vergeh' ich. Aus der Tiefe aufgeschwungen, Doch die Höhe nicht errungen, Soviel seh' ich.

Soll die jüngste Literatur man lesen? Trinken jungen Wein, eh er verjesen? Wartet, bis es zehnmal sich gejährt hat, Was dann übrig bleibt und sich geklärt hat.

Seit auf dem Sarg ich des redlichen Schusters Den Lorbeer gesehen, Flüstert jeglicher Lorbeerkranz, Den sie mir spenden: Freund, du hast -- Stiefel geschrieben!

Vor deiner Nasen Soll ich Nesseln grasen; Hinter deinem Rücken Will ich Trauben pflücken, Solltest um dich wenden, Will ich' s rasch vollenden: Und vor deiner Nasen Wieder Nesseln grasen.

Schwarz-rot-gold immerdar! Schwarz ist ihr Augenpaar, Rot ist ihr süßer Mund, Gold ist ihr Haar!

Ich bat das schöne Weib um einen Kuß, Es hat versagt. Ich zielt' nach meiner armen Brust den Schuß, Er hat versagt. Ich dachte, was das erstemal nicht wird, Ist bloß vertagt. Und war, als daß ich's noch einmal probiert, Viel zu verzagt.

Das Weib ist eine Nuß, Die man aufbeißen muß, Dem Mann Gott genad, Der keine Zähne mehr hat!

Das Schwert will nicht geschossen, Es will geschliffen sein. Das Lied will nicht verschlossen, Es will gepfiffen sein.

Der Pfeil will nicht geschliffen, Vielmehr geschossen sein. Die Welt will nicht begriffen, Sie will genossen sein.

Zu Straßburg trinkt man Schlechtesten und Besten, Zu Danzig bin ich nüchtern nie geworden. Getrunken wird im Osten und im Westen, Gesoffen wird im Süden und im Norden. Der Deutsche schwingt sich nicht mehr in die Sphäre Der hohen Musen Thalia, Urania; Ein goldner Becher kreist vom Fels zum Meere, Und im Becher badet Frau Germania.

Wohlan, wer einstens dräute Und nur den Waffen traute, Sich selbst als Mensch nicht scheute, Mit Trotz auf jeden schaute, Und seiner Ehre Beute Auf Säbelschneiden baute.

Doch Gassenbub', wer heute Aus Vorwitz um sich haute. -- Ich schlage nicht die Leute, Ich schlage nur die Laute.

*

Heute pocht sein Herze metrisch, Heute klingelt seine Zungen, Heute tanzen alle Musen Um den ruhmesdurstigen Jungen. Heute steigt er zum Parnasse, Heute, glaubt er, glückt es sicher. Sieh, da drehn sie ihm die Nase Und entfliehen mit Gekicher.

Manches Genie Ist vernünftig nie, Immer Genie. In Geistesbeschwerden Ruft's ach und weh aus, Fühlt sich fremd auf Erden Und daheim -- im Kaffeehaus.

In einem Eisenbahngelaß Ein altes, stilles Männlein saß. Und neben ihm zwei schwarze Herren, Die wollten fleißig ihn bekehren, Mit feinem Witz, mit leisem Hohn, Und dann mit dringlichem Sermon; Gestanden es auch endlich ein, Daß sie -- schon um den Heiligenschein -- Von der Gesellschaft Jesu sei'n. »Von der Gesellschaft Jesu,« fragt Der Alte, dem das nicht behagt, »Doch von der ersten, ihr Geschätzten, Oder etwa von der letzten?« »Wieso?« darauf die klugen Herrn. Der Alte, der erklärt sich gern: »Nun, Ochs und Esel oder Schächern, Den welchen mögt nach Art und Fächern Ihr gern euch füglich zugesellen?« -- Und was geschah? Sich zu empfehlen Beeilten sich die beiden schnelle, Schon bei der nächsten Haltestelle.

Kecklich mit dem Schelm zu spaßen Sollten Schelme bleiben lassen.

*

Siehe, Siziliens südliche Sonne Scheint schön! So strahlt sie, Schnee schmelzend, seit Sommern. Sentimentale Seelen sind selig, Sehen sie solcher Sonne schweren Schaden? Segenslos sengt sie sämtliche Saaten, Schadet schmächtigen Setzlingen sehr, Selbst starken, strotzenden Stämmen. Schmachtende Sänger -- sonst singend -- Siechen, sinken, schreien sterbend: Schreckliche Sonne!

»Wieder ist ein Jahr verflossen In das Meer der Ewigkeit!« Also dichten Dichterlinge Jedes Jahr zur selben Zeit.

Doch dem Geist im Setzerkasten Ward das Späßchen endlich fade, Heimlich tat er in der Lade Nach den falschen Staben tasten.

»Wieder ist ein Meer verflossen In das Jahr der Ewigkeit.« -- Ob des niederträchtigen Wichts Hat der Dichter sich erschossen, Doch die Leser -- merkten nichts.

Wie die Welt verschieden richtet, Habt ihr's schon einmal erwogen? Lügen wir, so heißt's gedichtet, Dichtet ihr, so heißt's gelogen.

Hölle

Eines Sünders Reuelieder.

I.

Die süßeste von allen meinen Sünden, Die hab' ich, schönes Kind, mit dir begangen; Die härteste von allen harten Strafen, Die hab' ich, böses Weib, um dich empfangen.

Geblendet von der Schönheit deines Leibes, Und dann verzehrt von deiner Liebe Gluten, So starb ich hin und ließ den Geist verlöschen, Und ließ in Seligkeit das Herz verbluten.

Der Jüngling starb, das Weib gebar den Mann Zu neuer Sehnsucht und zu neuer Lust, Doch fand er keine mehr, so süßen Wehs, Als jenes Sterben war an deiner Brust.

Und heiß durchwühl' ich alle Lebenstiefen, Den Funken Glücks noch einmal zu ergründen, Und büß' mit ewig unerfüllter Sehnsucht Die süßeste von allen meinen Sünden.

II.

Ach, daß ich den ersten reinen Engelfrommen Kuß im Leben Einem Mädchen hab' gegeben, Schuldbefleckt, und nicht dem meinen!

Was soll ich dem Bräutchen sagen, Wenn es schuldlos, reingesittet Um den ersten Kuß mich bittet, Den ich schon zu Grab getragen!

Ach, ich will mit meinen Lippen Nun den scharfen Dornstrauch küssen, Um das giftige Blut zu büßen, -- Dann erst an den ihren nippen.

III.

Ich fand in dieser Nacht dein Bette leer. -- »Beim kranken Kinde hättest du gewacht.« Ich hab' gelobt dir Liebe bis zum Tod; Mein Herz, das starb in dieser Nacht.

Die Stunden, da das Kind allein verschmacht, Hat sie bei einem fremden Mann verbracht. Ich hab' gelobt ihr Liebe bis zum Tod; Mein Herz, das starb in dieser Nacht.

Ein Särglein für mein Herz und für mein Kind. Und in der Jasminlaub' ein glücklich Paar! Als Gott, der liebe Herr, das Weib erschuf, Ob er wohl auch bei Troste war?

Herr Graf, du hast mich lieb gehabt.

Herr Graf, du hast mich lieb gehabt, Das arme Bauernkind, Und dort, wo junge Dirnen auch Von altem Adel sind.

Ich war dein lieber süßer Schatz, Und du mein trauter Franz, Jetzt trägst du deine goldne Kron' Und ich den Dornenkranz.

Herr Graf, du hast mich lieb gehabt, Wir hatten zwei ein Bett. Wenn ich von deinen Hunden jetzt Den Bretterkobel hätt'!

Du hast der Köche zwei und drei, Der Kellermeister vier; Wer reicht die harte Krume Brot, Den Wassertrofen mir?

O Herr, du hast mich lieb gehabt, Und unser Kind verschmacht, Der Vater fährt ins hohe Schloß, Die Mutter in den Schacht.

Wenn einst sich auf die Gräber tun, Die Schlösser stürzen ein, Dann wird, du stolzer Bräutigam, Wohl unsre Hochzeit sein?

Neuer Sang mit altem Klang.

Ich weiß ein Lied zu singen Von einer schönen Maid, Die hat ein weißes Hemde Und güldenes Geschmeid. Das güldene Geschmeide, Das tat mir nichts zuleide. Das Hemde war so lind.

Ich such' am linden Hemde Daß ich den Herzschlag find', Dann stoß' ich in den Busen Das Messer ihr geschwind. Der harte Stahl tat klingen, Das heiße Blut tat springen Mir in das Angesicht.

Dann beicht' ich meine Sünden Und gehe zum Gericht, Um meinen Lohn zu finden Auf hohem Blutgerüst. Vom Leben will ich scheiden, Statt Liebespein zu leiden Ob einer falschen Maid.

Ein Streitgesang.

Die größte Schmach, die je mir werden kann, Vermaledeit sei sie, tut der mir an, Der von mir sagt, ich hätte keinen Feind. So kläglich arm, zu haben keinen Feind! Hat je gelebt so arm ein braver Mann?