Mein Lied

Part 3

Chapter 33,634 wordsPublic domain

Ich mach' in meinem Leben kein Gedicht mehr an ein Mädchen, Das ich nicht darf lieben. Es ist zu gefährlich, um das Licht zu schwärmen, Das bestimmt ist, andere zu wärmen. Wer hatt' mich auch dazu getrieben? -- Wo Auserwählter war mein liebster Freund, Und sie des liebsten Freundes Auserwählte. Und ich? Ich war nebstbei so da, und wie es scheint Ein wenig lecker auch. Und sieh, da stellte Der Knirps von einem Amor mir die Falle. Dem Freund zulieb und seiner Maid zu Ehre Gedacht ich ein Gedichtchen ihr zu weihn. Aus Eigennutz war's nicht, denn ich begehre, So dachte ich, dafür das bißchen Heiligenschein Des Ruhmes nur. War noch erklecklich eitel Und meint', mit einem Vers müßt' ich beglücken Ein Mädel von der Zehe bis zum Scheitel, Und mindestens dem Erdball es entrücken. Gedacht, getan, ich schrieb ihr ein Gedicht In leichten Jamben. Für eines andern Liebe Sind Jamben gut genug. Schweres tauget nicht. Was anders, wenn ich eine Ode schriebe Im tiefen Seufzertakte eines Romeo! Dann allerdings schwerschreitende Trochäen. Doch, was wollt' ich nur sagen? -- Ei ja so! Ich schrieb der Liebsten meines Freunds, Um mich verbindlich bei ihr einzustellen. Sie war zu herzig, traun, sie war's wohl wert, Der holden Muse warm sie zu empfehlen. Begann zu dichten, wie's ein Herz begehrt, Beschrieb die zarten Reize, sagte ihr auf Ehre, Wie ich an ihrem Glücke Anteil nähme, Und daß als Freund ich gar imstande wäre, Dergleichen selber -- wenn die Stunde käme -- Zu gönnen mir. Doch müßte auch mein Püppchen So lieblich sein wie sie. Es stünde immer Mein Sinn nach solchen Wänglein, solchen Grübchen Und solchen Äuglein auch, wie man sonst nimmer Sie gesehn auf dieser Welt, als -- im Vertrauen Nur sei's gesagt -- an ihr, der Treuen Meines lieben, einzigen Freundes, sind zu schauen. Unmöglich, sang ich, wäre zu bereuen Eine Wahl, wie diese. Ließ es ihr auch merken, Daß sie, nur sie allein, die Schönste sei der Schönen. Und es gelang mir, solches zu bestärken, So gründlich, daß -- bevor ich es konnt' wähnen -- Diese kunstvoll hübsch gedrehten Liebesphrasen Ich selber treulich glaubte. Und bevor Das Liedchen fertig noch, begann ich schon zu rasen, Aus purer Leidenschaft, die bis ans Ohr Mir tückisch heiß tat steigen -- -- Was dann geschah! -- Ach, laßt mich schweigen. --

Und hast du einen Freund, das lehret die Moral, So schicke seinem Liebchen nie ein Liedel, Auch wenn er's selbst erlaubt, wie's hier der Fall, Sonst gibt es einen Tanz nach seiner Fiedel. Und hast du weidlich Pfeile zu verschießen, Ich gratulier' dazu, doch mußt du wissen, Auf welche Scheibe du mit Recht darfst zielen, Denn Amor, dieser Wicht, er läßt mit sich nicht spielen.

Diese Mädels!

Als ich dem Liebel im Stübel gestand, Ich würd' es küssen müssen, Da gab's ein Bildchen mir in die Hand, Daß ich was hätt' zum Küssen.

Es war der heilige Antonius, Der Findpatron zum Glücke; Hatt' ich verloren des Liebchens Herz, So bracht' er mir's zurücke.

Dann, als sie sah, wie glühend ich Das Amulett tat küssen, Da hat sie's heftig, zornig, wild Mir aus der Hand gerissen.

Nun hab' ich gewußt, was zu geschehn, Die Eifersucht zu kühlen. Die Mädels, die mögen das Küssen nicht sehn, Aber fühlen, fühlen, fühlen.

Belehrung für einen Dichter.

Du beklagst dich, daß dein Weibchen Nicht will deine Lieder lesen. Schreib in Küssen, statt in Versen, Wird sie's immer wieder lesen. Bist du ferne, wird sie gerne Lieder unterm Flieder lesen. Doch, wenn selber singt der Vogel, Wozu im Gefieder lesen? Wisse, sie hat nicht die Richtung Literarisch weiser Richter; Lieber, als die größte Dichtung, Ist dem Weib der junge Dichter. Deshalb ist, seid ihr beisammen, Nicht die Zeit zum Liederlesen.

Amors Rat.

Wenn du, mein Freund, zur wonnigen Mundlust Den kühlen Schnabel des Krugs an den Mund tust, So halte zur lieblichen, süßen Geleitschaft Den glühenden Schnabel der Maid in Bereitschaft.

Gewohnheit.

Der Hüttenrauch[B], das Küssen auch, Das sind zwei schlimme Dinge. Wer's einmal tut genießen auch, Der kann es nicht mehr missen auch, Selbst wenn er am gewissen Brauch Zuletzt zugrunde ginge.

[B] Arsenik.

Schon dreißig Jahre bin ich alt!

Schon dreißig Jahre bin ich alt, Und noch allein geblieben. Und seh' die Knaben mannigfalt Wohl ihre Schätzlein lieben.

Ich seh', wie sie sich froh einand Die Hochzeitskränze winden; Ich wandre durch das weite Land Und kann meinen Schatz nicht finden.

Ich such' ihn, wo bei Herdesglanz Die holden Mädlein blühen, Ich such' ihn, wo bei Kirmestanz Die Dirnen alle glühen.

Ich seh' die Jahre rascher ziehn Und fühl' die Jugend schwinden, Und suche ihn und rufe ihn, Und kann meinen Schatz nicht finden.

Und sie, die mir bestimmt muß sein Für meine Lebensfahrten, Wird irgendwo allein, allein Mit Bangen auf mich warten.

Der Alte hier, die Alte dort Wird einsam einst begraben, Zwei, die sich treu und heiß geliebt Und nie gesehen haben.

Ein Rosenblatt.

Was das Rosenblatt bedeutet, Das in sich zusammenkauernd Vor dem Hauch des Mundes schauernd Auf der Hand mir liegt gebreitet?

Kann ich nicht dem toten, süßen Rosenblatt mit Sehnsuchtsbeben Noch einmal ein junges Leben Minnend in die Adern gießen?

Oh, vor meinem heißen Kusse Wird es nimmer frischen können, Wird es, ach, nur still verbrennen, Asche, Asche sein zum Schlusse.

Rosenblatt, warum alleine Kommst du mir von =ihr= geflogen, Ach, daß du nicht mitgezogen Sie, die Holde, die ich meine!

Jene Süße, von den Musen Ahnend mir so lang verheißen. Nächtig, wenn die Sterne gleißen, Möcht' ich ruhn an ihrem Busen.

Möcht' ins scheue Aug' ihr sehen, Ihr ins tiefe Herz mich graben, Möcht' in heißer Glut mich laben Und in Liebeslust vergehen.

Soll ich warten, bis die Tage Wachsen und die Nächte schwinden, Die so lockend, Lieb' zu finden? Rosenblatt, flieg hin und frage.

Soll ich warten auf die Tage, Wo zur Form wird, was heut Kuß ist, Und zur Pflicht, was heut Genuß ist? Rosenblatt, flieg hin und frage.

Denk an deine Maientage, Rosenblatt, du kennst das Leben; Kennst der Liebe Pein und Beben. Nun, so flieg zu ihr und frage.

Was in deiner Seele spinnt ...?

Wie nah, mein schönes, süßes Kind, Ist mir dein holdes Angesicht, Ich trinke deinen Atemhauch Und deines Auges lächelnd Licht; Doch was in deiner Stirne sinnt, Und was in deiner Seele spinnt, Ich weiß es nicht.

Ich weiß den von Jahrtausenden Emporgebauten Erdengrund, Ich kenne das mit Sternenwelten Reich geschmückte Himmelsrund; Doch was in deiner Stirne sinnt, Und was in deiner Seele spinnt, Ist mir nicht kund.

Entzückt von deiner Zunge Klang, Und doch in tiefster Einsamkeit, Mein Lippenpaar an deins gepreßt: Und dennoch mir unendlich weit Ist, was in deiner Stirne sinnt, Und was in deiner Seele spinnt Für alle Zeit.

Denn das, worauf ich wollte baun, Hat mich getäuscht, die Träne dein. -- Es müßte denn dein Herzblut, traun, Der opferfrohe Bote sein, Daß Lieb' mir deine Seele spinnt Und Treu mir deine Stirne sinnt, Dann bin ich dein.

Sie liebt dich von Herzen!

Einst tat ich im Walde spazieren gehn, Da sah ich im Wald ein Maßlieb stehn. O Herzlieb, du bist mein Entzücken! Doch Maßliebchen, die kann man pflücken. Ich tat's und fragt' es inniglich: Verrat's, mein Schätzel, liebt es mich? Da log es mir frech ins Angesicht: Dein feines Schätzel, das liebt dich nicht. -- Ich grub mit dem Messer ein tiefes Grab Und warf das böse Blümlein hinab, Und wälzte darauf einen schweren Stein, Sollst ewig und ewig vergessen sein.

Dann tat ich sinnend weitergehn Und sah ein Schlüsselblümlein stehn. O Mädel, du bist mein Entzücken! Und Blumen die kann man zerpflücken. Ich tat's und fragte inniglich: Verrat's, meine Traute, liebt sie mich? Die Blume in Sterbensschmerzen: Sie liebt dich, sie liebt dich von Herzen! -- Ich grub mit der Hand ein Beetlein auf Und tat die zerrissene Blume darauf.

Doch als sie lag auf der Totenbahr, Da ward sie lebendig, erhob sich gar, Das eine Blättchen, es jauchzte aufs neu: Sie liebt dich von Herzen, sie liebt dich treu! -- Dann wuchsen der Blume in Kranzesflor Die Blätter all von neuem hervor, Schneeblendend weiß, die Spitzen rot, Wie Unschuld und Liebesmärtyrertod. Und jegliches blinkte mir traulich zu: Sie liebt dich von Herzen! O Glücklicher, du! -- Nun kam ein Sturm und knickte die Bäume, Und Blitze durchzuckten die himmlischen Räume; Die Blume wiegte ihr Haupt und rief mich: Sie liebt dich von Herzen! Sie liebt dich, sie liebt dich! -- Dann nahte der Winter und senkte im Schnee Auf alle Gefilde ein eisiges Weh. Doch sieh, die Blume hold und weiß, Sie blühte hervor aus Schnee und Eis, Und nickte mir zu in Ernsten und Scherzen: Sie liebt dich von Herzen! Sie liebt dich von Herzen! --

Und als von neuem der Frühling kam, Da führte zum Wald mich ein tödlicher Gram, Ein tödlicher Gram, eine höllische Pein, O selig, glückselig, gestorben zu sein! -- Auf grünendem Beete die Blume stand, In üppiger Blüte mir zugewandt, Und winkte und flüsterte süß und innig: Sie liebt dich von Herzen! Sie liebt dich unsinnig! --

Ich hob meinen Fuß und trat sie tot, Die gleißnerisch Blume, so weiß und rot. Und ging noch tiefer in den Wald hinein, Und suchte das Grab mit dem schweren Stein, Und habe geweint und habe geklagt: =Du= hast es gesagt! =Du= hast es gesagt!

Rosen pflanzt man nicht auf Herzen.

Ach, du klagst, daß deine Schöne Nicht dein Herz auf Rosen bette, Sondern statt mit Blumenkette Es mit spitzen Dornen kröne.

Nur Geduld, einst wird sie kosen Deinen Strauß bei Grabeskerzen, Rosen pflanzt man nicht auf Herzen, Nur auf =Erde= pflanzt man Rosen.

Heb dich weg und küß mich nicht!

*

Heb dich weg und küß mich nicht! Du nicht, ich bitte dich, Ein Kuß von dir -- o küß mich nicht! Ein Kuß, er wär' mein Tod. Kleine Schelmin, lächle nicht! Du nicht; -- blick mich nicht an! Das traute Du, o nenn es nicht! Sprich nichts, kein Wort zu mir! O laß mich gehn, berühr mich nicht! Ich weiß, mein Kind, du liebst mich nicht. Und ist nicht auch die Seele mein, Den Leib allein, den mag ich nicht.

In alten grauen Tagen.

In alten grauen Tagen, Da hat sich's zugetragen, Da tat ein Knab' das Maidlein schaun, Das Maidlein tat dem Knaben traun, In alten, grauen Tagen.

Der Knab' tat nit lang bitten, Nahm 's Mädl um die Mitten Und hub mit ihr ein Tänzlein an, Der Atem tat ihr stille stahn In alten grauen Tagen.

Und als er satt am Tanzen, Da nahm er seinen Ranzen, Und ließ die Maid zu zwein -- allein. -- Das Märchen soll geschehen sein In alten grauen Tagen.

Weib.

Schicksal im langen Haar, Herrin, mir graut vor dir! Reiß von der Heimat mich, Raube die Freunde mir. Brich meinen Tatenmut. Höhne, verrate mich, Schände die Ehre mir, Hass' und verkaufe mich. Foltere die Seele mir, Hetz in die häßlichsten Laster des Lebens mich, Stürz in die ewigen Peinen der Hölle mich: Anbeten! Anbeten! Anbeten muß ich dich, Wonniger, göttlicher Dämon -- ich liebe dich!

Die Schrift im Sande.

Als man dem Herrn Die Sünderin verklagt, Da hat er bloß gesagt: Wer selber sich weiß rein, Der werfe seinen Stein! Dann schrieb er etwas in den Sand ... Sie gingen hin und guckten, was da stand.

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Verstanden hat's wohl jeder, Der's geschaut. Doch keiner hat sich's Zu sagen getraut.

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Mit erbarmendem Lieben Hat er es auf Sand geschrieben, Wo es der Wind verweht.

Huldigung.

Die Frauen, Sie bauen An unserm Vertrauen Im Spinnen Und Sinnen Am schneeweißen Linnen. Die Süßen, Wir müssen Sie ehren und küssen. Die Feinen Und Reinen Sind es, die wir meinen.

Bei mir stimmt's einzig nicht.

»Bei mir stimmt's einzig nicht, was steht geschrieben, Daß Lieb' und Leidenschaft sich einig wissen. Die ich genoß, war mir zu schlecht, zu lieben, Und die ich liebt, zu =wert=, sie zu genießen.«

Seelisch Liebe.

Ich lieb' an einem Weib Nicht bloß den feinen Leib, Noch mehr die reine Seele. Ist ihre Seel' nicht mein, Auf ihren Leib allein Verzicht' ich leicht und schnelle.

Als ich um sie gefreit War's für die Ewigkeit Und nicht für kurze Blüte; Die wahre Liebe keusch Plangt nicht so sehr nach Fleisch, Vielmehr nach Herz und Güte.

Wer für Gestalt nur Sinn, Für den sind bald dahin Des süßen Glückes Triebe. Doch auf der Jahre Höhn Wird erst die =Seele= schön In Ahnung =ewiger Liebe=.

Schon fleißig, lieber Goldschmied?

Schon fleißig, lieber Goldschmied? Guten Morgen! Ein bißchen, Herr Nachbar, guten Morgen! -- Klopf, klopf! Was wird denn geschmiedet so laut? Ich schmiede ein Ringlein meiner Braut. Das Ringlein wird glänzend und klar, Ich führe sie bald zum Altar, -- Klopf, klopf, klopf!

Noch fleißig, lieber Goldschmied, guten Abend! Ich bin nicht mehr Goldschmied, guten Abend! -- Klopf, klopf! Was wird denn geschmiedet so laut? Ich schmiede ein Kreuzlein meiner Braut, Ein eisernes Kreuzlein fürs Grab, Wir senken sie morgen hinab. Klopf, klopf, klopf!

Wenn du gehst von mir ...

Wenn du gehst, wenn du gehst von mir, mein Lieb, So ist es aus mit mir, Ich wandre dir nach durch die halbe Welt, Und such' und ruf' nach dir. Ich frage den Jäger im grünen Wald, Den Schäfer auf blumiger Au: Hast du nicht gesehn eine schöne Maid Mit hellen Äuglein blau?

Ich frage den Vogel im Tannenhag, Den Fisch im Meeresgrund: Hast du nicht gesehn eine schöne Maid Mit rosenrotem Mund? Ich frage den Gräber am Kirchhoftor, Den Priester am hohen Altar: Hast du nicht getraut eine schöne Braut Mit krausem, güldnem Haar?

Und weiß ich dich schlafen im tiefen See, Dann jauchz' ich mit hellem Mut, Und tauche, mein Lieb, zu dir hinab In die weiche, kühlende Flut. Und weiß ich dich eines andern Braut Mit runden Wängelein rot, Dann leg' ich mich auf die Erden hin Und weine, und weine mich tot.

Und wenn ich an Lieb' gestorben bin, So graben sie ein tiefes Grab, Und legen ein Kreuz mir auf die Brust, Und senken mich still hinab. So hast du dich, Kind, von mir gewend't, Und ich bin blieben dein. Gott mit dir, Gott mit dir, du hartes Lieb! Ich leb' und sterb' allein.

Halbverklungene Heldenkunde.

Halbverklungene Heldenkunde Weiß zu sagen von dem Paare, Das nach grausen Hunnenschlachten Auf dem Roß, dem kampfesmüden, Vor den grimmen Türken fliehet.

Unterwegen rast der Flüchtling Ob des Vaterlandes Jammer. Angstvoll hütet er sein Weib noch Vor der wilden Gier der Feinde. Sieh, da stürzt das treue Rößlein.

»O verdammt!« so ruft der Reiter, »Daß sie höhnend mich ermorden, Ist beim Himmel nicht das Schlimmste, Doch in ihre Hände fallend =Du=, mein Weib, du Heißgeliebte ...«

»Das wird nimmermehr geschehen, Ich bin dein und will's verbleiben!« So das Weib, die Brust entblößend. »Zieh den Dolch und rette, Liebster, Freudig mich vor den Barbaren.«

Nächtige Brände fester Burgen Glühn am schwerbewölkten Himmel. Schnaubend nahn die wüsten Horden, Sehn zwei purpurrote Brünnlein Springen auf der dürren Heide.

Des Landmanns Saat.

Der Landmann säet das Weizenkorn. »O Maid, ich bin dir gut!« Er mäht das reife Weizenkorn Und küßt sie bis aufs Blut. Der Stein zermalmt das Weizenkorn, Die Maid liegt auf der Bahr'. Als Hostie thront das Weizenkorn Auf heiligem Altar. Wie stiegst du hoch, mein Weizenkorn! Und wer und wo blieb ich! O Brot, der ewigen Liebe Born, Erbarme dich!

O sei mir gegrüßet, du grünender Baum!

O sei mir gegrüßet, du grünender Baum, Wo ich mein Liebchen sah, Die Myrt' in den Locken, auf blumigem Saum, So nah! So nah! So nah!

Wie küßte ich heiß ihren rosigen Mund! Am Baum ein Vöglein sang. O Wonne des Herzens, glückselige Stund'! Wie lang, wie lang -- wie lang!

Sie fällten den Baum, und sie bauten den Sarg, Im Mai, im holden Mai. Sie schlossen den Schrein, der mein Himmelreich barg. Vorbei, vorbei, vorbei!

Gedenken.

Aller Sonnenschein auf Erden Ist ein traurig Ding, Wenn nicht schwebt der Einzigen Schatten Auf dem Wiesenring.

Könnt' ich einmal noch vernehmen Ihrer Stimme Klang, Wollt' ich gerne stumm und taub sein Auf mein Leben lang.

Alle Rosendüfte, welche Da den Mai durchziehn, Gäbe ich für einen Hauch Ihres Mundes hin.

Alles, was ich noch genieße, Was ich bin und hab', Ist nicht wert des blassen Staubs Auf ihrem Grab.

O Herrgott, wieviel an Liebe!

Es sinken vom Baum die Blätter, Der Sommer ist vorbei. Mein Mund ist noch rot und will küssen Wie einst im Mai.

Es fallen vom Haupt die Locken, Mich schrecket der Eule Schrei, Ich flüchte bange zum Mädel, Wie einst im Mai.

O Herrgott, wieviel an Liebe, Und ach, wie wenig Zeit! Die Lieb' ist nicht auszuschöpfen In Ewigkeit.

Welt

Mein Ideal.

*

Ein schöneres Ideal hat noch niemand geträumt, Als meine sehnende Seele es hegt, Ich seh' ein Paradies auf Erden erstehn, Das wieder die =Freude=, die =Liebe= trägt.

Ich sehe die Völker des Erdenballs Im Glanze der glorreichen Einheit stehn, Ich seh' auf den Zinnen der Treue, des Rechts, Der Bildung, die Fahne des Friedens wehn.

Ich seh' nur die Waffe des Geistes gezückt Zum Trotze dem Mordblei, zum Trotze dem Schwert; Ich sehe das Eisen dem Baue des Felds, Der sausenden Werkstatt zugekehrt.

Ich sehe die Frau am häuslichen Herd, Keine Sklavin der Willkür, der Mode mehr. =Eine Priesterin, traun, der wärmenden Glut=, An der Liebe Altar, des Hauses Ehr'.

Ich ahne -- ich sehe die herrliche Zeit, Ich sehe zur Wahrheit die Schönheit sich reihn, Die Völker in Liebe verschlungen und frei, Ich sehe die Menschen -- =Menschen= sein!

Wir weichen nicht von unsren Idealen!

Wir weichen nicht von unsren Idealen, Sie schmücken, adeln dieses Erdenwallen, Sie ehren uns, Der Niederträchtigen Hohn wird uns zum Ruhm. Ums welterlösende geweihte Heiligtum Wir wehren uns!

Der Völker, Rassen, Religionen Streit Vergeht im warmen Glanz der Menschlichkeit. Wir kehren uns Zum treuen, ewigen Geist, der alle zählt, Und wehe dem, der Haß statt Liebe wählt! Wir wehren uns!

Doch nicht mit Schwert und Feuer, wie Barbaren; Denn unsrer Philosophen heilige Scharen, Sie lehren uns, Trotz Korybantenlärms von Schelm und Wicht, Mit heiterer Ruh und lächelndem Gesicht Zu wehren uns.

Mein Erz.

Mein deutscher Sang ist euch zu zahm, Anstatt mein geliebtes Volk zu segnen, Soll fluchen ich der Feinde stramm, Dem Nachbar stets mit Trutz begegnen.

Mein Herz ist froh, mein Erz ist rein, Es dient dem Tod nicht, nur dem Leben; Wie, muß denn alles Kanone sein? Mag's nicht auch klingende Glocken geben?

Mein Ehrgeiz.

Die Ehr' ist jenes Gut, Das mir am höchsten frommt, Doch nicht die flüchtige Ehr', Die nur von außen kommt.

Ein großer Dichter, traun, Das hört sich süß und fein; Doch höher stünd' mein Stolz: Ein großer Mensch zu sein.

Die Ehre, flach geweht Hin über Länder weit, Ist nichts gleich eines Menschen Tiefer Dankbarkeit.

Wer nur um Ehre schafft, Der ist zwar wert der Ehr', Der äußeren bunten Zier, -- Doch sonst auch nicht viel mehr.

Wenn einst ich sterben muß, Soll keine Trauerschar Von Gleisnern folgen mir Zu meiner stillen Bahr'.

Nicht Nekrolog, nicht Stein, O Gott, man kennt die Weis'; Sie ehren Tote bloß Zu ihrem eigenen Preis. --

Nur =eines= wollt' ich, daß Ein Braver sagen kann An meinem schlichten Grab: Er war ein braver Mann.

Ein Becher, füllt ihn Gott mit Wein ...

Ein Vater lag im Sterben, Drei Söhne sollten erben. Der eine war ein Bauersmann, Der pflügen, säen und ernten kann, Der erbte die Höfe, die Felder, Die Gärten, die Wiesen, die Wälder. Der andre war ein Hammerschmied, Dem gab der Vater, als er schied, Die Hämmer und all die Geräte, Auf daß er Werkzeug hätte. Der dritte war ein munterer Knab' Mit Sängerkehl' und Wanderstab, Nach Vaterswill' dem verbliebe Sein Menschenherz voll Liebe. --

Und als vorbei der Jahre zehn, Da hat man schon das Ziel gesehn. Der eine sorgte Tag und Nacht, Bis endlich er's zu Geld gebracht; Der andre sorgte Stund' um Stund', Daß nur sein Haufen Geld nicht schwund; Der dritte zog von Sorgen frei Mit Sang an Not und Geld vorbei, Und schöpft' mit Wonne, teilt mit Lust Die Lieb' aus seiner Dichterbrust, Und streut' ohn End' von Haus zu Haus Die Gab' an Arm' und Reiche aus. -- Ein Becher, füllt ihn Gott mit Wein, Wird ewig unerschöpflich sein.

Ewiges Lied.

Im tiefen, dunkeln Felsental, Da rauscht ein ewiger Wasserfall. Ein Wandrer horcht der Melodei, Es wird ihm wohl und weh dabei, Und kann doch nichts verstehen.

Er macht ein feines Sinngedicht, Das klar die schönsten Worte spricht. Doch sieh, ob dieser Poesei Wird keinem wohl und weh dabei, Und kann es doch verstehen.

Und -- eh das Jahr von hinnen zieht Ist schon verstummt des Sängers Lied. Was man verstand und nicht empfand, Das klingt nur einmal durch das Land. -- Ewig rauschen die Wasser.

Die Harfe.

Unser Herz ist eine Harfe, Eine Harfe mit zwei Saiten. In der einen jauchzt die Freude, Und der Schmerz weint in der zweiten. Und des Schicksals Finger spielen Kundig drauf die ewigen Klänge, Heute frohe Hochzeitslieder, Morgen dumpfe Grabgesänge.

Die Hand an meiner Rechten.

*

Die Hand an meiner rechten Seiten Ist lobenswert zu jeder Stunde, Sie holt das Brot aus allen Weiten Und führt es zärtlich mir zum Munde.

Und ballt die Linke, Unerzogne, Sich hinterm Rock, wenn Gäste nahen, So weiß die Rechte, Wohlgepflogne, Mit edlem Anstand zu empfahen.

Und nahen schlechtgesinnte Mächte, So greift sie rührig zu den Waffen, Und weiß mit ritterlichem Rechte Mir Schutz und Frieden zu verschaffen.

Und weil sie gütig von dem Hehren Als treue Freundin mir gesendet, So ist sie auch in allen Ehren Der Küsse wert, die man ihr spendet.

Und trotzdem leider ist sie heute Der Linken weit zurückgeblieben, Denn dreist hat sie, und nicht gescheute, Ihr eigenes schales Lob geschrieben.

Meine Taschenuhr.

Wie fühl' ich dich an meinem Herzen schlagen, Du starkes, reges, goldnes Herz der Zeit! So wandern wir selbander sonder Zagen Den dunklen Stundenweg der Ewigkeit.

Der Zeiger kreiset stetig in der Runde, Ein Sinnbild, wie das Weltenuhrwerk kreist; Dein =Herz=, o Mensch, ist endlich wie die Stunde, Unendlich wie die Runde ist dein =Geist=.

Ungeduld.

*