Part 2
Habt Dank, ihr guten Leute, Für dieses reiche Mahl, Das ihr mir aufgetragen In buntbekränzten Schüsseln Und Goldpokal.
Mein Herze dürstet nimmer Nach Weltgenuß und Ehr', Im stillen Dorf zu leben Als Mensch bei schlichten Menschen, Was soll ich mehr?
Daß ich im Frieden atme Und dankbar, angesichts Der heiligen Wunder Gottes Mich meines Lebens freue, Sonst will ich nichts.
Ich werde nimmer müde, Des Himmels Glanz zu schaun, Auf seiner Wolken Spiele, Auf seiner Flocken Reigen Mein Lust zu baun.
Der Lüfte sanftes Wiegen Und wild gewaltige Macht, Der Wässer Steigen, Stürzen, Hat stets mir Seligkeiten Ins Herz gebracht.
Und sink' ich einst zu Grabe Von heitrem Tageslicht, Die Erde, ewig Rosen Aus ihrem Schoße sendend -- Ich fürcht' sie nicht.
Ich will nichts von dir.
*
Ich hab' mir erbaut Ein Häuschen allhier, O Leben so laut, Was willst du von mir? O führ mich nicht hin Ins friedlose Feld, Ich bleib', was ich bin, Mir selber die Welt. Mein Glück ist in mir, Behalte du dich; Ich will nichts von dir, Nur lasse mir -- mich!
Urwaldstimmung.
O ruhsamer Wald, wie bist du fein! Wie bist du in Ewigkeit jung und rein! Vom blutigen Kreuzweg der Menschensöhne Entweiht keine Spur deine heilige Schöne. Wohl heut wie zur Urzeit die Stürme tosen, Und wühlen im See und brechen den Baum. Wohl heut wie zur Urzeit blühen die Rosen Und funkelt der Tau am Blütensaum. -- In dir ist Ruh'. Mein Leib will liegen In blumiger Wiegen. Meine Seele kam her aus unendlichen Zeiten, Und wie der wandernde Vogel den Ast, So wählt diesen Leib sie zur kurzen Rast, Ehe weiter sie fliegt in die Ewigkeiten.
Wenn alle Wälder schlafen.
Wenn alle Wälder schlafen Und alle Quellen schweigen, Die Nebel stille steigen, Die Sterne leis' sich neigen, Da ist das einsam Leben Ein selig, selig Sein.
Wenn alle Wipfel flüstern Und alle Vögel singen, Wenn alle Geigen fiedeln Und alle Kehlen klingen, Da ist das einsam Leben Wohl eine harte Pein.
Ob träumen still, ob jubeln Im lauten Kreis der Freuden, Das beste ist, vom Leben Ohn' allen Abschied scheiden. Drum sei das einsam Sterben Gesegnet nur allein.
Ruh' im Walde.
In der Berge Falten tief geschmiegt Und gewickelt in den weichen Wald, Wie das Kindlein in der Wiege liegt, Ist mein liebster Aufenthalt.
Wie die Mutter sang, so singt der Bach, Und in Wipfeln muntre Vögelein Rufen mir der Jugend Märchen wach, Singen mich zum Schlummer ein.
Von den Kronen wehen Blütenreigen, Decken mich im kühlen Schatten zu, Und ein Engel flüstert's allen Zweigen: Leise rauschet seiner Ruh!
Laß mich einstens, Götterlieblingssohn, Finden in der Waldesruh mein Ziel, Kränz mir dort die Stirn, anstatt mit Mohn, Mit dem heiligen Asphodil.
Wollte heim in meine Berge.
Wollte heim in meine Berge, Um den Frieden zu umfassen, Den ich weltlusttrunken einst im Grünen Wald zurückgelassen.
Gab ihn einem muntren Vöglein In Verwahrung, bis ich käme, Und den süßen Jugendfrieden Wieder an den Busen nähme.
Hab' mit meinem heißen Herzen Ruhlos nun den Wald durchzogen. Doch das liebe muntre Vöglein Ist schon längst davongeflogen.
Alpenrose -- Edelweiß.
Edelweiß und Alpenrose, Sinnbild ihr der Menschenlose, Sinnbild unsres höchsten Glücks. Blutige Rose! Liebe, Leben, Nimmermüdes Lustanstreben, Flammenleuchte des Geschicks.
Doch wie bald ist es geschehen, Daß die Rose muß vergehen, Bald sind Erdenfreuden fern. Dann empor zu höchsten Zinken, Dort wird noch dem Wandrer winken Der Entsagung blasser Stern.
Ach, an seinen heißen Gluten Muß zu früh das Herz verbluten, Und zurück, als letzter Preis, Bleibt ein wunschlos kühles Träumen In dem Haupt mit Silbersäumen -- Süßes, seliges Edelweiß!
Meine Lust ist Leben.
Gute Nacht, ihr Freunde, Ach, wie lebt' ich gern! Daß die Welt so schön ist, Dankt' ich Gott dem Herrn. Daß die Welt so schön ist, Tut mir bitter weh, Wenn ich schlafen geh!
Ach, wie möcht' ich einmal Noch von Bergeshöhn Meine süße Heimat Sonnbeleuchtet sehn! Und den Herrn umarmen In des Himmels Näh', Eh' ich schlafen geh.
Wie man abends Kinder Ernst zu Bette ruft, Führt der Herr mich schweigend In die dunkle Gruft. Meine Lust ist leben, Doch sein Will' gescheh, Daß ich schlafen geh!
Gruß aus Italien an die Heimat.
Du treues Haus auf stiller Bergeshöh', Von weichem Mondessilber mild umgossen, Wie grüß' ich dich aus fernem welschem Land, Wo nirgends deine Tannenwälder sprossen. Wo nie ein Wort der heiligen Sprache klingt, Die du zum deutschen Erbe mir gegeben, Und wo man leicht im tollen Fastnachtstanz Verschachert und verjohlt sein heißes Leben. Ein Land, so schön und reich und hochberühmt, Bewohnt von frohem Volk in Bettlerlappen, Das auf den Trümmern seiner großen Zeit Sich kindisch freut an bunten Narrenkappen. Ein Land, ein Märchengarten auf dem Meer, Ein Eden, das sonst nichts mit dir gemein, Du Heimatsmatte auf der Bergeshöh', Als Gotteshimmel mit dem Sonnenschein.
Vergib mir, o Süden!
Vergib mir, o Süden! Ich kann dich nicht lieben, Ich muß dich meiden, Meine Wünsche, meine Freuden Stehn auf dunklem Grund geschrieben. Meine blassen Taten Leuchten nur in nordischem Schatten. In Sturmessausen Und Wälderbrausen, In Schnee und Eiseskern, In düsteren Nebeln Glänzt mein Stern. Du, o Süden, Mit deines Lichtes Grelle, Versengst mir die Seele. Deine kahlen Berge und Schluchten, Deine schattenlosen Buchten, Deine heißen Terrassen Und staubigen Straßen, Deine gekochten Lüfte, Deine einschläfernden Düfte Und übelriechenden Dünste, Deiner schmutzigen Gassen Lautes Sichgehenlassen, Deiner Wirte Kniffe und Künste, All das zusammen Macht mich erlahmen. Wie soll im weltfremden Wesen Der Sohn des stillen Waldes genesen? Dazu des Meeres unendliche Weite, Die Länder der Erde all bespülend, Die Sehnsucht weckend und nicht erfüllend. So muß man am fremden Eiland kleben Wie ein Verbannter, und tatlos leben. O sonniger Süden Mit deinen Rosen, mit deinen Maien! Weltumworbenes Paradies, Ich will dich benedeien; Wärst du meiner Kindheit Trautsame Heimat, Wie wollt' ich in Treuen Selig mich freuen. Doch ich bin Germane, Die sonnige Glut, Der süße, südliche Seim Zersetzt mir das Blut. =Meines= Glückes Kern und Keim Ist deutscher Wald, Und mein Paradies heißt =Nebelheim=.
Ein Freund ging nach Amerika.
Ein Freund ging nach Amerika Und schrieb mir vor einigen Lenzen: Schicke mir Rosen aus Steiermark, Ich hab' eine Braut zu bekränzen!
Und als vergangen war ein Jahr, Da kam ein Brieflein gelaufen: Schicke mir Wasser aus Steiermark, Ich habe ein Kindlein zu taufen!
Und wieder ein Jahr, da wollte der Freund, Ach, noch was anderes haben: Schicke mir Erde aus Steiermark, Muß Weib und Kind begraben!
Und so ersehnte der arme Mann Auf fernsten, fremden Wegen Für höchste Freud', für tiefstes Leid Des Heimatlandes Segen.
Daheim!
Was dies Leben mir beschieden, Es war gut, ich bin's zufrieden. Könnt' ich eines noch erwerben: Nur Daheim, =Daheim= zu sterben. Nicht auf fernen Wanderswegen Möcht' ich mich zur Ruhe legen, Nirgends auf der ganzen Erde, Als Daheim am eignen Herde. Vor des Todes dunklen Schrecken Wollt' ich nimmer mich verstecken Wenn aus Augen schmerzbefeuchtet Liebe mir zu Bette leuchtet, Wenn die Meinen mich umgeben, Atmend mein entschwindend Leben, Und aus gottergebnem Sterben Meines Herzens Frieden erben.
Wir grüßen dich!
Wir grüßen dich, Bergland, du teure Heimat! Wir jauchzen dir zu, wie sehr wir dich lieben. Wir lieben die blühende Flur -- den Brautkranz der Jugend. Wir lieben des Kornes wogenden Feldplan -- den nährenden Vater. Wir lieben der Weinhügel sonnigen Busen -- die säugende Mutter. Wir lieben den Wald, den dämmernden Garten der blauen Blumen. Wir lieben der stillen Heide traumvoll sinnende Muse. Wir lieben den friedlich gebetteten Alpsee, Wo müde gehetzt das Weltkind rastet Weich in des Kahnes schaukelnder Wiege. Wir singen ihm leise ein süßes Schlaflied. -- Vor allem doch euch, ihr stillen Felsen, Ihr schneegekrönten Wächter der Heimat, Mit Ehrfurcht grüßen wir euch. Behütet mit ehernem Wall der Vorfahren heilige Stätte. Behütet, ihr ewigen Berge, den deutschen Enkeln Das Land der Treue und Freude!
Steiermark.
Gottbegnadet Land! Zur Maienzeit Sei dir, Styria, ein Strauß geweiht. Du bist göttlich schön. -- Die Felsenstirn Stolz gekrönet mit diamantnem Firn! Leuchtend als dein Aug' die klaren Seen, Wo als Braun die heiligen Tannen stehn. Hier die goldnen Ähren, dort die Reben Froh um deinen Busen Kränze weben, Und allda, wo anderwärts der Spaten Nichts zu finden weiß, als ewigen Schatten, Tief in deiner Berge treuem Herzen Bist du reich an unschätzbaren Erzen, Deren Kraft der Erde Frucht erneut, Deren Klang das reine Herz erfreut, Deren Droh'n die Feinde macht erbeben. -- Schön bist du und herrlich, mild und stark, Noch im Grabe weltaufbauend Leben Birgst du, hochgeliebte Steiermark.
Echte Tracht.
Mein Steirer, tracht', Daß echte Tracht Wird angewandt Im Heimatland. Nicht kostümiert, Nicht falsch geziert; Im Stoffe echt, Dem Zweck gerecht, Die Form gewahrt Nach Väterart Und mit Bedacht Zu Haus gemacht. -- Ob alt, ob neu: Stets wahr und treu. So wie der Mann, So sein Gewand, Das ist der Brauch Im Steirerland.
Singet, jauchzet eure Lieder!
Singet, jauchzet eure Lieder, Hochgemute Steirerkehlen! In der Steirer Herzen wider Hallt der Jubel eurer Seelen. Deutscher Heimat süße Sänge Klingen in den lauen Lüften, Schlagen an die Felsenhänge, Wehen über Seen und Triften. Auf der weiten Gotteserden Wird kein schöneres Land gefunden; Durch weißgrüne Bande werden Mit dem Himmel wir verbunden. Auf die Scholle sinkt der Sänger, Daß er fromm das Erdreich küsset: O geliebtes, heiliges Waldland Steiermark, sei uns gegrüßet! -- Heimatfreude ist getragen Von des Liedes Ätherschwingen, Unsre Lust ist nicht zu sagen, Darum müssen wir sie singen.
Dem Heimatlande.
Hörst du das Läuten, Freund? Her aus den Weiten, Freund? Weckt es nicht wonnig des Wanderers Drang? -- Glaub diesen Glocken nicht, Laß dich verlocken nicht Von der Sirene Weltpreisendem Sang!
Und mußt du dennoch fort, Jagend von Ort zu Ort, Suchend die Ziele, die Nirgendwo sind: Kehre fein balde um, Freund, in dein Heiligtum, Wo du bist Gatte und Vater und Kind.
Reiße vom Strande dich, Eh' fremde Bande dich Festgewebt; nimmer ihr Sklave sollst sein. Denn deine größte Kraft Und deine Meisterschaft Sproßt aus der heimischen Erde allein. --
Panzre mit Steirererz, Land, deines Sohnes Herz, Heb auf den Schild ihn Des leuchtenden Firn. Kränze mit Lärchenreis Und mit dem Edelweiß Würdig des Älplers Teutonische Stirn. --
Östlicher Rosenhauch, Südlicher Lorbeerstrauch Gleicht nicht des Tannenbaums Duftendem Reis. Was auch in weiter Welt Herrliches aufgestellt, Heiliges Heimatland, Dir sei der Preis!
Ein Lied, ein Schwert und einen Gott!
Vom Ortler bis zum Kahlenberg Am reichen Donaustrand Ist unsrer deutschen Ahnen Haus, Ihr freies Heimatland -- Im Reich der Tannen. Ob's Bayern oder Steiern heißt: Die Drau, die Traun, die Donau fleußt Durchs Hochland der Germanen.
Die wildgewaltige Felsenburg Stellt Ost und Westen gleich. Es pocht ein einig Volkesherz Durchs ganze Alpenreich. Erhebt die Fahnen! Es hat in Fried' und Streit und Not Ein Lied, ein Schwert und einen Gott Das Hochland der Germanen.
Heimatsegen.
Gott grüß dich, teures Heimatland, Du Hort von hoher Alpenwand Bis an die nordischen Meere. Vom Murgestad' bis an den Rhein, O heilige Erde, bist du mein. Behüt dich Gott der Herre!
Er weck in dir die alte Treu, Die alte Kindlichkeit aufs neu Und milderer Tage Sitten, Für die der Ahnen Heldenherz Im frommen Schauen himmelwärts Gelitten und gestritten.
Und bräch' ein böser Feind herein, Ich könnte nimmer fröhlich sein, Ich müßt' vor Wehe sterben. Ach, laß der Väter Lehr und Ehr, Der Brüder Freudigkeit und Wehr, O Herrgott, nicht verderben!
Gebet.
Behüte Gott das deutsche Volk In seiner Ehr' und stolzen Kraft. Behüt es Gott in seiner weisen Treuen Völkerführerschaft! Auf seiner Wacht, daß allerwärts Der Menschen Freiheit sich erneue: Das große Volk, das deutsche Volk, Behüt es Gott in seiner Treue!
Behüte Gott das deutsche Volk In seines Hauses frohem Rat, In seiner Herzensinnigkeit, In seines Fleißes reicher Tat! Behüte Gott, daß nie der Zwietracht Grauser Dämon es berücke! Das freie Volk, das deutsche Volk, Behüt es Gott in seinem Glücke!
Behüte du das deutsche Volk, O Gott, in deiner Liebe Huld Vor zagem Zweifel an sein Heil, Behüt es, Herr, vor aller Schuld! Verleih ihm kindliche Zuversicht, Wie reinen Herzen sie beschieden. Das edle Volk, das deutsche Volk, Behüt es Gott in seinem Frieden!
Das deutsche Volk, behüt es Gott! Bis es in der Vollendung Licht Den Ölzweig wahrer Menschlichkeit Erlösend um den Erdball flicht. In wilder Zeiten Sturm und Not, In Streit und Sieges Morgenrot, =Das schwergeprüfte, hehre Volk, Mein deutsches Volk, behüt es Gott=!
Liebe
Amors Arsenal.
*
Ich ging im Frühling aus, Da stachen die Gräser hervor, Da schlugen die Bäume aus, Da schossen die Halme empor. Ihr Herrn, ich lachte nicht, Ich kam verwundert zurück. Das ist -- ich wette! -- vom Wicht, Dem Amor, ein Schelmenstück!
Und sie gefielen mir beide.
Zur Morgenfrüh' hab' ich erlebt Wohl eine liebe Freude, Zwei Mägdlein standen am Gartenzaun, Das eine war blond, das andere braun; Und sie gefielen mir beide.
Das eine war ernst gegürtet und blaß, Gehüllt in dunkle Seide, Das andre leicht geschürzt und bunt, Mit Veilchenaug' und Rosenmund; Und sie gefielen mir beide.
Da scholl von der Kirche Glockenklang Zum Jubel oder zum Leide, Die eine erglüht und betet leis, Die andre trillert muntere Weis'; Und sie gefielen mir beide.
Da scherzten zu Paaren in Liebeslust Die Schäflein auf grüner Weide, Die eine senkt das Auge mild, Die andre hüpft und jauchzet wild; Und sie gefielen mir beide.
Da kam ein Vöglein geflogen herbei, Sich bergend im nahen Getreide, Die eine horcht dem fröhlichen Sang, Die andre hebt den Arm zum Fang; Und sie gefielen mir beide.
Da neigte ich, bettelnd um einen Kuß, Mich über des Zaunes Scheide; Die eine blickte mit strafendem Stolz, Die andere blinzelte gegen das Holz; Und sie gefielen mir beide.
Eine Jungfrau wollt' er suchen.
Ein Knab' ging hinaus Von Vaters Haus, Eine Jungfrau wollt' er suchen. Er schritt fürbaß Die Heeresstraß', Auf der Straßen lagen die Steine.
Er nahm den Pfad Wohl in die Stadt, Eine Jungfrau wollt' er suchen. Er sah mit Gier Viel goldne Zier, Viel hohe Türme ragen.
Drauf zog er bald Zum grünen Wald, Eine Jungfrau wollt' er suchen. Im Schattenland Manch Blümlein stand, Auf den Bäumen die Vögel sangen.
Zu Berg und Tal, Auf Burg und Wall Eine Jungfrau wollt' er suchen. Sein Wanderstab, Der schliff sich ab, Neun Paar Schuh hat er zertreten.
Mit bloßem Fuß Und müdem Gruß Er ging in eine Hütten. Er sah in der Wiegen Ein Mägdlein liegen, Die Jungfrau hat er gefunden.
Das bestohlene Hannchen.
O Herr, des Nachbars Valentin Der stahl mir gestern meinen Hafer, Er -- stahl ihn mir -- er -- stahl mir ihn, Es war nur -- eine Handvoll -- aber --
Am Hafer hing mein kleines Huhn, Es hat so gern von ihm geklaubt; So hat er mir den Hafer nun Und auch mein kleines Huhn geraubt.
Mein ganzes Herz hing an dem Tier, Es war so fett und schwarz wie Kohlen: Jetzt hat der Strolch das Hühnchen mir Und auch -- mein ganzes Herz gestohlen.
Die Einfältigen.
Du fragst, warum ich gewinkt dir hab', Du fragst, warum ich das Röslein dir gab? -- Ei, das solltest du wissen!
Du fragst, warum man jung sein muß, Du fragst, wozu so verstohlen der Kuß? -- Ei, das solltest du wissen!
»Mein Knab', daß Mägdlein fragen gern Und tun, als läg' ihnen alles fern -- Ei, das solltest du wissen!«
Er will mich nicht verstehen.
Er will mich nicht verstehen. Und wenn ich ihm nicke Mit glühendem Blicke Den Morgengruß zu; Und wenn ich ihm pflücke Ein Blümlein, und schicke Ein Bändchen dazu; So fragt er noch: Warum? Und will mich nicht verstehen!
Er will mich nicht verstehen. Und wenn ich die lose Und blühende Rose Gar minniglich küß'; Und ich ihm dann sage, Halb klage, halb frage: Ist küssen nicht süß? So fragt er kalt: Warum? Und will mich nicht verstehen!
Er will mich nicht verstehen! Und sag' ich auch innig: Ich habe so sinnig Geträumt von dir; Als hätt' ich am Raine Das Häuschen, das kleine, Bewohnt mit dir! So fragt er leis': Warum? Und will mich nicht verstehen!
Er mag mich nicht verstehen. Und wenn ich die Arme Ihm reich', Gott erbarme! Er ist viel zu blöd'! -- -- Ei! wäre ich Mädchen Des Nachbars jung' Gretchen, Er tät nicht so spröd'; Er fragte nicht: Warum? Er würde mich verstehen!
Der Stern im See.
Ein schöner Stern Ganz lockend licht Erglänzt im See so wunderlich. -- Ein Mädchen lacht So süß und spricht: Ich liebe dich!
Gib acht, gib acht, Der See ist kalt, Er =spiegelt= nur Das Himmelslicht -- Ein falscher Stern, Ein falsches Herz; Vertrau ihm nicht!
Vertrau ihm nicht, Wenn es zu bunt In fremder Pracht will blühen voll. Ein echtes Herz Darf funkeln nicht, Muß tief und still erglühen wohl.
Deine schönen Augen.
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Oh nichts gibt es auf Erden, Was mich so sehr entzückt, Als deine schönen Augen, Seit sie mich angeblickt. Sie sind meine Himmelssterne, Die ich so selig schau; Sie sind mein Sonnenschein; Sie sind mein Morgentau; Sie sind meine Frühlingsblumen; Sie sind mein Alpensee, Wo mein Schifflein schaukelt, Und wo ich untergeh'.
Zur Rosenblühzeit.
Noch nie ein so wüster April, wie dies Jahr. Und nie ein so holder Mai. Und nie im Wandern so stolz ich war, So königlich fessellos frei. Wie weit bleibt alles zurück, wie weit, Was sonst mich bekümmert, beschwert. Zur Rosenblühzeit, zur Rosenblühzeit Ist es nicht des Umschauens wert. Das Haupt blüht weiß, die Wange blüht rot, Das Herz aller Freuden voll! Ich frag' mit dem Dichter fast bang, o Gott, »Was da noch werden soll!«
Wenn ich der Himmel wär'.
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Wenn ich der Himmel wär', Blieb' ich dir klar, Legt' dir die Sonne ins Goldige Haar. Käme der Abend dann, Tät' ich zu Ehrn, Mädchen, dir leuchten den Glänzendsten Stern.
Wenn ich die Erde wär', Tät ich schön blühn; Gäb' ich die holde Blum', Mädchen, dir hin! Hätt' ich dann Früchte, recht Süß und recht groß, Legt' ich die schönsten wohl Dir in den Schoß!
Wenn ich die Hölle trüg' Feurig in mir, Tät ich nur brennen aus Liebe zu dir: Müßte dich holen der Teufel herein; Würde die Hölle ein Himmelreich sein!
Weißt du, Mädchen, daß ich sterbe?
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Weißt du, Mädchen, daß ich sterbe, Sterben muß an deinem Blicke, Wenn er weg von mir sich wendet? Weißt du, Mädchen, daß ich sterbe, Daß dein Mündchen mich vergiftet, Wenn es keinen Hauch mir sendet? Weißt du, Mädchen, daß ich sterbe, Und an deinen Armen sterbe, Wenn mich diese nicht umschlingen? Mädchen, schenke mir mein Leben, Daß ich dir dasselbe schenke, Soll das deine ich erringen!
Wenn ich durch den Winter geh'.
Wenn ich durch den Winter geh', Denk' ich mir, es gibt auf Erden Doch nichts Schöneres, als den Schnee, Und er muß zu Wasser werden.
Ruht im Hag die Jungfrau mild, Denk' ich mir, es gibt auf Erden Doch nichts Schöneres, als dies Bild! -- Und sie muß zum Weibe werden.
Tau ich auf dem Röslein seh', Tau an ihrem Augenstern. Tauf' mit Wasser Freud' und Weh, So gewillt es Gott dem Herrn.
Frage.
Mädchen, wenn ich sehnend flehe, Hörst du nichts? Mädchen, wenn das Aug' du senkest, Siehst du nichts? Mädchen, wenn ich sterben gehe, Willst du nichts? Mädchen, wenn du mein gedenkest, Fühlst du nichts?
Was du dir denkst ...
Was du dir denkst, ist längst gedacht, Was ich dich frag', ist längst gefragt, Wenn Wange glüht und Auge lacht, Ist alles, was uns blüht, gesagt.
Oh, sag nicht nein und sag nicht ja, Wenn ich an deinem Busen ruh', Zum Plaudern sind wir uns zu nah, Drum =schweig= mir deine Liebe zu.
Waldabenteuer.
Ich geh' durchs Tal am Waldessaum, Tief unten rauscht der Fluß, Oh, wie ist doch das Wandern, traun, Im Wald ein Hochgenuß! Dort seh' ich stehn ein Mädel fein, Ich wink' ihm meinen Gruß Und ruf' es an: »Feins Liebchen mein, Komm, gib mir einen Kuß! Du hast ein braunes Röckel an, Es deckt kaum deinen Fuß, Das zarte, runde Wädchen kaum, Geh, gib mir einen Kuß. Du hast ein blaues Augenpaar Und Haare wie von Ruß, Dein rosenroter Mund -- ich merk's -- Hat Durst nach einem Kuß. Nur scheint die Sonne viel zu heiß, Mir fällt was ein, ich tu's, Ich führ' dich ins Gehege hin Und geb' dir -- --« fällt ein Schuß. »Juchhe!« schreit jetzt das Mädchen auf, »Das ist Hieronymus!« Ihr Liebster war's, der Jägersmann, Und damit Schluß.
Der Verlassenen Fluch.
Vor des Ewigen Angesichte Klag' ich ihn, o Himmel, richte! Ach, wie hab' ich ihn geliebt, Während er den Tod mir gibt! Möge ihm in dunkeln Tagen Auch die grause Stunde schlagen! Möge er in Qual sich winden, Und kein Herz, kein treues, finden! Mög' der Mensch zum Teufel werden, Dem er hoffend sich auf Erden Voll Vertraun zu eigen gibt! -- Ach, wie hab' ich ihn geliebt! Ein Verworfner mög' er lungern Auf der Heide und verhungern. Welche Lust mir, wenn er schmachtet, Glückverlassen, notumnachtet! Und ich dürfte ihm begegnen, Wie wollt' ich die Stunde segnen! Ihn an meinem Herzen haben, Ihn mit meinem Blute laben! -- Wärst du =meiner= Qual versunken, Hättest =mein= Leid du getrunken, Wüßtest du, was Hölle ist. -- Wollte dich so lange küssen, Bis du wieder selig bist.
Amor, dieser Wicht.