Mein Lied

Part 1

Chapter 12,765 wordsPublic domain

Mein Lied

Von

Peter Rosegger

Erstes bis zehntes Tausend

Leipzig 1911 / Verlag von L. Staackmann

Alle Rechte vorbehalten.

_Copyright 1911 by L. Staackmann, Leipzig._

Druck von Grimme & Trömel in Leipzig.

Inhaltsverzeichnis

Seite Vorstellung 13

Heimat. Das Mutterherz 17 Mein Vaterhaus 18 Ich bin ein armer Hirtenknab'! 18 Ich bin daheim auf waldiger Flur 19 Kindesgebet 20 Das Kind in seiner jungen Zeit 20 Mein süßes Kind, du weißt noch nicht 21 Zum Weihnachtsbaum 22 Einst wirst du die Träne fliehen 24 Die Erweckung 25 Es kann einem wunderlich träumen 26 Ich bin ein großer Herre! 27 Habt Dank, ihr guten Leute! 28 Ich will nichts von dir 29 Urwaldstimmung 30 Wenn alle Wälder schlafen 30 Ruh' im Walde 31 Wollte heim in meine Berge 32 Alpenrose -- Edelweiß 32 Meine Lust ist Leben 33 Gruß aus Italien an die Heimat 34 Vergib mir, o Süden! 34 Ein Freund ging nach Amerika 36 Daheim! 37 Wir grüßen dich! 37 Steiermark 38 Echte Tracht 39 Singet, jauchzet eure Lieder! 39 Dem Heimatlande 40 Ein Lied, ein Schwert und einen Gott! 42 Heimatsegen 42 Gebet 43

Liebe. Amors Arsenal 47 Und sie gefielen mir beide 47 Eine Jungfrau wollt' er suchen 48 Das bestohlene Hannchen 50 Die Einfältigen 50 Er will mich nicht verstehen 51 Der Stern im See 52 Deine schönen Augen 53 Zur Rosenblühzeit 53 Wenn ich der Himmel wär' 54 Weißt du, Mädchen, daß ich sterbe? 55 Wenn ich durch den Winter geh' 56 Frage 56 Was du dir denkst 57 Waldabenteuer 57 Der Verlassenen Fluch 58 Amor, dieser Wicht 59 Diese Mädels! 61 Belehrung für einen Dichter 62 Amors Rat 62 Gewohnheit 63 Schon dreißig Jahre bin ich alt! 63 Ein Rosenblatt 64 Was in deiner Seele spinnt ...? 66 Sie liebt dich von Herzen! 67 Rosen pflanzt man nicht auf Herzen 69 Heb dich weg und küß mich nicht! 69 In alten grauen Tagen 70 Weib 70 Die Schrift im Sande 71 Huldigung 72 Bei mir stimmt's einzig nicht 72 Seelisch Liebe 72 Schon fleißig, lieber Goldschmied? 73 Wenn du gehst von mir 74 Halbverklungene Heldenkunde 75 Des Landmanns Saat 76 O sei mir gegrüßet, du grünender Baum! 76 Gedenken 77 O Herrgott, wieviel an Liebe 78

Welt. Mein Ideal 81 Wir weichen nicht von unsren Idealen! 82 Mein Erz 82 Mein Ehrgeiz 83 Ein Becher, füllt ihn Gott mit Wein 84 Ewiges Lied 85 Die Harfe 86 Die Hand an meiner Rechten 86 Meine Taschenuhr 87 Ungeduld 87 Wilder Waldespsalm 88 Das Geheimnis 90 Allseliges Leid 90 Erprobter Rat 91 Dichters Wunsch 92 Welch ein Los! 93 Wie bin ich so reich an Ehr' und Ruhm! 94 Nimmer will ich weinen! 95 Ein Eselslied 96 Einkehr 96 Mißratener Fluch 98 Der Büßer 99 Erbschaft 100 Erwartung 101 Gedenken 101 Stimmungen 102 Der Verbitterte 104 Der Glückliche 106 Wo wird es sein? 106 Der unbegreifliche Muskel 107 Es mahnt 108 Herbst 108 Der Tag, der wird schon spat 109 Wandlung 109 Ich bereue nichts 110 Erwägung 110 Ich bin Mensch geworden 110 Des Weltkindes Besinnen 111 Es kommt dereinst ein dunkler Tag 115 Grab ein! 115 Volkslied 117 Lorbeer und Palme 117 Davongeflogene Seelen 118 Klingende Funken 119

Hölle. Eines Sünders Reuelieder 137 Herr Graf, du hast mich lieb gehabt 138 Neuer Sang mit altem Klang 139 Ein Streitgesang 140 Gott und Volk gehört zusammen 141 An die Naturalisten 142 Leute gibt es allerlei 144 Der Schwindel an das Publikum 145 Der Besessene 147 Der Reiche 148 Der Übermensch 149 Die Dichter und die Leute 153 Unterricht für moderne Poeten 154 Des Sängers Verzweiflung 155 Eine Stimme in der Wüste 157 Ständchen 159 Kräftigung 160 Gen Himmel hinauf 160 Anklage 160 Fürsprache 161 Dem Dichter 161

Himmel. Die Gottsucher 165 Willst du jene Höh' erreichen 166 Wie keimt dein Geschick 167 Stimmung 167 Ist der Mensch nicht wie die Schwalbe? 167 Mir graut vor dem Gemeinen 168 Die Sehnsucht 169 Steigende Bahn 169 Zu Gastein am Wasserfall 170 Es war einmal ein Bettelmann 170 Der Blinde 171 Den Armen 173 Drei himmlische Schreine 174 Letzter Wunsch 174 Ruhendes Sein 175 Unfaßbar 176 Ewiges Sein 177 Auch der andre, der bist du 177 An Gottes Herz 178 Wanderlied 179 Die Stunde 179 Sei gegrüßt, du himmlischer Knabe! 180 In einer Waldkapelle 183 _Ora pro nobis_ 185 Ans Menschenherz 187 Hymne eines Glücklichen 189 Am Grabe eines Idealisten 191

Anhang. Das Singen des Tages. An Tirol 195 Das Erdbeben in Steiermark 197 An den Lehrer 198 Ahasver an seinen verklärten Dichter 198 Festgruß 199 Wiens Genius 201 Heimgartens silberne Hochzeit 203 Sonnengruß 204 Es zieht ein Segen von Haus zu Haus 205 Ruf zur Hilfe 207 Festgruß 209 Zum Kongreß der Schwachsinnigenfürsorge in Graz 211 Gruß den Touristen 211 Dichter der Heimat 212 Dichtergassen 213 Musiksegen 214 Dem Tiere zu Schutz und dem Menschen zu Nutz 214 Zwei Millionen! 216 Gruß-Sprüche und Allotrias 217 Einem dramatischen Volksführer 231 Flüchtiges 231 Sylvester 232 Nagelprobe 232

Vorstellung.

Mein Name ist Mensch, meine Losung ist Fried', Doch zeigen sich Feinde, so findet sich Rat, Meine Lust ist das Sein, meine Tat ist das Lied, Und singt man sich selbst, ist das Lied eine Tat.

Und schrillet bisweilen ein falscher Ton Aus heiterer Kehle, das Lied ist doch echt. So singet der sündige Adamssohn Im Streiten und Siegen gleich schlecht und recht.

Ich bin ein Geselle, der lacht und trutzt, Der weder nach Titel und Knittel hascht, Der nicht Magnaten die Stiefel putzt Und nicht Proleten die Hemden wascht.

Der nicht vor Launen der Großen bebt Und nicht um Beifall der Menge wirbt, Der nicht für die Götzen des Tages lebt Und nicht für die Schatten der Götzen stirbt.

Der Menschheit Herzschlag ist mein Motor, Der Menschheit Seheraug' mein Fanal; Ich seh' das Geheimnis durch jeden Flor, Und kenne die Sünde mit ihrer Qual.

Umhüll dich mit Seiden, mit Kutten dicht, Stehst doch als nackter Adam vor mir. O Menschenbruder verbirg dich nicht, Ich weiß es: du bist halb Gott, halb Tier!

Ich kränze dein Elend mit Blumen des Hags, Und taumelst du nieder zu Nacht und Gericht, So heb ich dich jauchzend zur Höhe des Tags, Zur Freiheit, zur Liebe, zum seligen Licht.

Heimat

Das Mutterherz.

*[A]

Willst du auf die Erde, Sprach der Herr zu mir, Brauchst du Liebe, Die dich schützet, Brauchst du Treue, Die dich nicht verläßt.

Doch du wirst auf Erden Finden nicht so bald Lieb' und Treue Echt und heilig; Darum geb' ich dir Von =meiner= mit.

Und ich will sie legen, Liebes Menschenkind, Daß du findest In der Trübsal Diese Gaben, In das Mutterherz!

[A] Die mit * bezeichneten Gedichte stammen aus früher Jugendzeit des Verfassers.

Mein Vaterhaus.

Mein Vaterhaus ist alt und arm, Mein Vaterhaus ist klein, Und schließt doch meine ganze Welt Und meinen Himmel ein.

Mir brennt ins Herz die Zähre, die Vom Mutterauge rinnt, Denn fort von heim, weit in die Welt Zieht hin ihr liebstes Kind.

Der Platz ist leer am kleinen Tisch, Der Sohn ist in der Fern', Ihr Tischgebet gilt sein, und sie Empfiehlt ihn Gott dem Herrn.

Dort draußen, wo die Sünde lockt, Und viel Gefahren drohn! Sie kann nichts tun als weinen still Und beten für den Sohn.

O nein, ich will mich nicht der Welt Und ihren Lüsten weihn; Das Vaterhaus, das Mutterherz Soll mir der Himmel sein.

Ich bin ein armer Hirtenknab'!

*

Ich bin ein armer Hirtenknab', Der Wald, das grüne Feld, Mein Brotsack und mein Birkenstab Ist meine ganze Welt.

Und zieht mein Schäflein grasend hin Auf grüner, frischer Au, So gras' auch ich für meinen Sinn Im hohen Himmelsblau.

Und bricht die dunkle Nacht herein, So schau ich dort hinauf: Es blühet in der Sterne Schein Die Liebe Gottes auf! --

Ich bin daheim auf waldiger Flur.

Ich bin daheim auf waldiger Flur, Mein Hüttchen ist ein grüner Baum, Mein Ruhebett der Wiesensaum Am Herzen der Natur.

Ein Rehlein kommt durch Zweige dicht, Mir dringt ans Ohr sein weicher Laut, Es sieht mich an, es spricht so traut, Und ich versteh' es nicht.

Nun kommt ein blühend Mädchen noch, Und sinnend steht es auf der Flur; Es sieht mir stumm ins Auge nur, Und ich versteh' es doch.

Kindesgebet.

Da hat mir einmal ein Vöglein erzählt, Wenn fromm ein Kind im Abendgebet Voll Liebe für Vater und Mutter fleht, Da klinge ein Lied durch die ganze Welt, Da säusle ein Mai'n durch die Lüfte hin, Da strahlten die Felsen im Alpenglühn, Da steige der Ewige niederwärts Und schließe Eltern und Kind ans Herz!

Das Kind in seiner jungen Zeit.

Das Grünen ist ein Auferstehn, Das Reifen ist ein Sinken. Drum laß' das Kind zu seiner Zeit Die reinen Freuden trinken.

Das Kind in seiner jungen Zeit Ist Brennpunkt aller Sonnen, Des Daseins hold begrenztes Ziel, Des heiligen Glückes Bronnen.

Wächst es heran, ist nichts mehr sein, Muß um die Wette laufen, Mit jedem Tag und jeder Plag' Sein Leben neu erkaufen.

Der erste Drang der Lieb' ist schon Des Todes erstes Fodern, Ein Korn, das junge Keime treibt, Fängt selbst schon an zu modern.

Das Grünen ist ein Auferstehn, Das Reifen ist ein Sinken, Drum laß' das Kind zu seiner Zeit Die reinen Freuden trinken.

Mein süßes Kind, du weißt noch nicht ...

Da hüpft mein liebes, lockiges Kind Im grünen, sonnigen Rosenhag, Umblüht von Knösplein schwellend hold, Umschallt von hellem Lerchenschlag. Sein Äuglein strahlt, sein Mündchen jauchzt In unbewußter Lebenslust. Mein süßes Kind, du weißt noch nicht, Wie bald du wieder sterben mußt. Wie sieht sich doch im Wahn des ewigen Lebenstags ein Frühling an? Du fühlst, was aufblüht -- doch was welkt? Zu Grabe sinkt? Du denkst nicht dran. Ein junger Gott bist heute noch; Wie wirst du dich entsetzen, Kind, Wenn dir die erste Botschaft kommt, Daß alle Wesen sterblich sind. Ach, ich verschweig' dir, was ich weiß, Nur blick mir nicht ins Aug' hinein, Es könnt' sich spiegeln drinnen noch, Was ich gesehn im schwarzen Schrein. -- O, leb in Glück, mein Kind! Und erst Wenn du von allem, allem satt, Erst dann vernimm, was Gott für dich In seiner Lieb' bereitet hat.

Zum Weihnachtsbaum.

Ein Herzensgruß allen kindlichen Gemütern.

*

Friede war im Wald und jeder Baum beglückt Durch schöne, reife Frucht, womit der Herbst geschmückt Die Äste all, daß jeder Zweig sich bieget, Bis hoch hinauf, wo leis' die Krone wieget. Doch höret: wo's zum Segen will gedeihn, Da findet sich auch gern der Hochmut ein Und selbst der Neid. Und jeder wollt' sich prahlen, Daß =seine= Frucht die schönste sei von allen; Und jeder hing an seine längsten Äste Als stolzes Aushängschild der Früchte beste. Es war ein herrlich Wogen bis zur Spitze, Ein Wetten, wer das Feinste wohl besitze. -- Nur Eines litt im Wald viel Weh und Gram Und barg sich ins Gesträuch voll tiefer Scham. Ein Tannenbäumchen war's, gar schmächtig, schlank, Wohl aller Früchte, auch der ärmsten, blank; Und während andere stolz im vollen Prangen, Hatt' es an seinem Stamm nur Nadeln hangen, Nur dunkelgrüne Nadeln, zart und spitz; Sie stachen leicht, doch schärfer stach der Witz Der andern, und ihr Höhnen, schal und widrig, Dieweil das Bäumchen, ach, so arm und niedrig. Es flüsterte der Wald sich in die Ohren Vom Taugenichts, der da umsonst geboren, Und warf ihm boshaft gar zu Spott und Schmach Die ersten gelben, dürren Blätter nach. Das schnitt dem Bäumchen tief ins junge Herz, Es wollte schier vergehn in Leid und Schmerz Und weinte, tiefbedrängt vom Weh, dem schweren, Das Harz heraus, die bittersten der Zähren. -- So duldete das Bäumchen still und fromm; Da zog hernieder durch den nächtigen Dom Ein Engel aus des Himmels heiligen Hainen, Der sah den armen Dulder schmerzlich weinen. Er ließ sich erdenwärts vom weiten Raum Zur armen Tanne, sprechend: »Liebster Baum! Du warst bisher verachtet und verflucht, Doch tragen wirst du noch die schönste Frucht, Die je ein Baum getragen hier auf Erden, Du sollst der Baum der höchsten Freude werden!« -- Wie wurde jetzt der Himmel trüb und grau. Es blies ein kalter Wind auf Heid' und Au, Er heulte durch den Wald voll herber Hast Und rüttelte die letzte Frucht vom Ast. Wie bald war jeder Baum, der einst geprahlt, Der Frucht und Blätter bar -- gar kahl und alt, Es fielen Flocken, und es krächzten Raben, Und sieh, der stolze Wald war wie begraben. Nur jenes Bäumchen steht noch frisch und frei Und grünt und flüstert sanft, wie einst im Mai. -- Und als die heilige Nacht gekommen war, Da schwebte durch den Wald die Engelsschar Zum Bäumchen zart und trug es durch die Nacht In festlich aufgegangener Strahlenpracht. -- Wie Flammen sich zu Sternenkränzen reihn! Und Früchte, die im Himmel nur gedeihn, Die reifen auf dem Baum, und Gottes Herz Sank liebevoll erlösend erdenwärts. -- So trägt der Baum, dereinst verschmäht, verflucht Wie unser Heiland selbst, die schönste Frucht. Und wo er kommt, da kommt er nicht allein, Da bringt er Gaben mit für groß und klein, Er führt den Jubel ein ins stille Haus Und streckt die hundert vollen Arme aus, Und bei dem Kindsgemüt im trauten Raum, Da ist er recht daheim, der Weihnachtsbaum. -- -- O, hört ihr säuseln es in seinen Zweigen, O, hört ihr klingen sie, die Himmelslieder? O, seht die Engelsschar in lichten Reigen, Sie steigt zum lieben Kindesherzen nieder. Dann grünt und blüht sie auf, die Lieb', im reinen Allseligen, alleinzigen Erdentraum. O sei mir hoch gegrüßt, du Freund der Kleinen, Du Himmelsbote, heiliger Weihnachtsbaum!

Einst wirst du die Träne fliehen.

O weine, liebe Jugend, weine, Solang die Träne dir noch süß ist, Ein Bote milder Herzensreine, Und nicht der herben Kümmernis ist.

Denn einst wirst du die Träne fliehen, Und lachend laut, trotz innrer Peinen sein, Doch bittrer wird dein schrilles Lachen, Als heut dein stilles Weinen sein.

Die Erweckung.

Die Mutter schläft in der Friedhofsruh'. Da kommt ihr ältester Sohn auf Besuch Und ruft mit freudiger Stimme aus: »Liebe Mutter, komm in mein schönes Haus, Ich habe ein holdes, ein fröhliches Weib Und Kinder so frisch wie die Rosen im Mai, O Mutter, Mutter, ich lade dich ein, Komm, und hilf uns glücklich sein.« Die Zypressen schweigen -- die Mutter schläft.

Dann kommt der zweite Sohn geritten, Mit stolzer Würde und feinen Sitten. »O Mutter, könntest du auferstehn, Um selbst zu sehen, was mir ist geschehn. Der König hat mich zum Minister erwählt, Es jubelt mir zu die halbe Welt. Mutter, o komm, nimm teil an der Ehr', Die deinem Sohn so reich widerfährt.« Die Zypressen schweigen -- die Mutter schläft.

Da kommt der jüngste Sohn gegangen, Hat rote Augen, fahle Wangen. Sein Ton ist heiser, sein Wort ist müd, Er weiß von Glück und Ehren kein Lied. »O Mutter, ich bin so ganz allein, So seelenverlassen und ganz allein, Und Hunger --« Am Hügel rieselt der Sand -- die Mutter wacht auf.

Es kann einem wunderlich träumen!

Nun wollt' ich schlafen. Das Tagwerk ist recht hart gewesen. Bin ich erschaffen Für Bauernbrot und Bauernnot? =Das= ist meine Frag' gewesen. Da seh' ich ein Häuslein wohl schön gebaut, Und ein Weib in Huld zum Fenster ausschaut; Der Fenster waren eben drei, So schauten aus auch Kindlein zwei Und riefen: Vater! -- Ich tat mich heimen. -- Es kann einem wunderlich träumen!

Dann ging ich dichten. Und die Leute taten mir Kränze winden. Und muß berichten: Eine Maid sagt: Du bist mein =allein=, Ich will dir Sträußlein im Lenze binden. Ich sag': Was soll mir dein Blumengruß, Wenn ich ein Geheimnis verschweigen muß, Daß Fraue du zu aller Frist Mein' herzallerliebste Freude bist! Drauf tat sie mit Küssen nit säumen. -- Es kann einem wunderlich träumen!

Jetzt kamen Freunde Und taten mich in die Ferne führen. Mein Lieb, das weinte. Ich steig' zum Glück, sie bleibt zurück Und klagt: »Ich wollt' dich gerne führen!« -- Ich finde Freude, Gut und Geld Und alle hohe Ehr' der Welt. -- Endlich die Lieb' mich zur Heimat ruft, Da find' ich die Maid in der Totengruft. Drum sollst du dein Herz nicht versäumen. -- Es kann einem wunderlich träumen!

Ich bin ein großer Herre!

Ich gebe mir die Ehre Und sing' ein Liedel fein, Ich bin ein großer Herre, Die ganze =Welt= ist mein.

Der Landmann, der mag säen Und ernten Korn und Lein; Doch Feldesblühn und -wehen Zur Maienzeit ist mein.

Die Karner mögen tauschen Und nutzen Baum und Stein, Doch Waldesgrün und -rauschen Und Waldesruh ist mein.

Wie arm sind doch die Reichen, Vom Herzensfrieden fern, Oft Knechte sondergleichen Sind diese hohen Herr'n.

Sie streiten sonder Labe Mit Schwert um Land und Meer; Ich zieh' mit meinem Stabe Erobernd hinterher.

Wie lustig ist das Wandern, Die Sorgen sind ja klein; Die =schwere= Welt ist andern, Die =schöne= Welt ist mein.

Habt Dank, ihr guten Leute!