Mein kleiner Chinese: Ein China-Roman
Part 16
»Schlaf' in Frieden, du mein lieber, kleiner Chinese!« flüsterte ich zärtlich. »Du hast nun abgestreift den Körper, den dein Vater dir gegeben hat, doch das Stücklein Seele, das du von mir erhalten, von deiner europäischen Mutter, die fühlen und leiden und entsagen konnte, das hast du hinübergerettet, wo es kein Leid mehr gibt. Mit deinem Scheiden, süßer kleiner Engel, hast du das Band zerschnitten, das deine unglückliche Mutter an Chinesen knüpfte, das sie in fremden Landen bei grausamen Menschen zurückhielt. Hab' Dank und schlaf' in Frieden hier in fremder Erde! Deinen zarten Körper muß ich zurücklassen, dein Seelchen aber bleibt mit mir verbunden, bis der Engel Gottes einst die Toten weckt!«
Ich brach einen kleinen Zweig von einem Teakbaum, dann ging ich wieder, begleitet von dem immer gelassenen Mandarin, durch den Hof und die vielen Pforten zurück. Weder Li Bai noch sonst irgend jemand kam mir nahe, aber als ich an dem Hause meiner gelben Schwiegermutter vorbeiging, schien es mir, als ob ein Vorhang bewegt worden wäre -- vielleicht täuschte ich mich auch.
»Auf morgen!« sagte der Mandarin.
»Auf morgen -- und Dank!« entgegnete ich leise.
Und fried- und heimlos wie einst, wanderte ich zum englischen Hospital zurück.
=Y prosigo mi senda, hacia, adelante, Viendo lo que más ansio más distante Y mi ventura yá desvanecida.=
=Cúanto me vuelvo más á lo pasado, Hallo la vida un sueño mal sonado, De quien ni sueña que es soñar la vida.=
=Mucio Teixeira.=
XVIII.
Die Scheidung war ohne Schwierigkeiten durchgeführt worden. Beim Konsul hatten die Berichte des Doktors sehr den Weg geebnet, und bei den chinesischen Behörden tat sowohl das Ansehen als auch die weislich verteilten Bestechungen (im Orient noch mehr als im Okzident gilt das Sprichwort: »Wer schmiert, der fährt«) des Mandarins das ihrige. Die Vermögensbestimmungen waren schon vorher besprochen worden, so daß ein kurzgefaßter Bericht alles erklärte, und da keine Kinder da waren, fiel auch diese stets so schwer zu entscheidende Frage gänzlich weg. Noch ehe am 1. November die Mittagsmahlzeit die Angestellten den Berufspflichten entzog, war ich wieder frei, konnte gehen und tun, wie es mir gefiel.
Schweigend fuhren wir zur Bahn, und als das Zeichen zur Abfahrt gegeben worden war, reichte mir der Mandarin noch einmal die Hand, mit der gleichen unerschütterlichen Ruhe und den unbeweglichen Zügen, die ich so oft an ihm gefürchtet und bewundert hatte, wünschte mir eine angenehme Heimreise und wies meinen Dank für seine freundliche Hilfe und den Schutz, den er mir hatte angedeihen lassen, ruhig zurück.
Ich reichte Li Bai die Hand, aber er wies sie zurück und sprang auf den sich eben in Bewegung setzenden Zug, während der Mandarin noch einmal eine grüßende Handbewegung machte und dann unseren Blicken entschwand.
»Ich begleite dich bis Hongkong!« sagte er entschieden.
Wie einst, als er noch mein Schüler im nun so fernen Westen gewesen war, half er mir so oft es nur möglich, bediente mich, als wir in Peking speisten, und war der vollendete europäische Kavalier, den ich in Europa so nett gefunden. Selbst das kindliche Wesen war unverändert. Er konnte über die Mitreisenden ebenso treffende Bemerkungen machen wie einst in London, und keine Spur von »=miserable=« war sichtbar.
Wir mußten die ganzen Abend- und Nachtstunden in den unbehaglichen chinesischen Zügen verbringen, und nur Li Bais fortwährende Bestechungen des Zugpersonals hatten zur Folge, daß wir wenigstens eine Art Wärmeflaschen einfachster Gattung erhielten, die unsere Füße und Hände vor dem Erstarren bewahrten.
Als einige der Mitreisenden ausgestiegen waren, neigte sich Li Bai über mich und sagte mit etwas von jener Weichheit und Zärtlichkeit in der Stimme, die in den allerersten Wochen unserer unglücklichen Ehe zuweilen durchgeklungen war, wenn er mir »=No nai ni=«, das chinesische »Ich liebe dich!« zuflüsterte:
»Ich möchte dich noch einmal küssen, Käthe, es ist ja das allerletzte Mal im Leben, daß wir zusammen sind.«
Zum letztenmal! Es liegt immer etwas Trauriges und zugleich etwas weich Versöhnendes in so einem »zum letztenmal«. Ich hob mein Gesicht schweigend zu dem seinen. Armer, lieber, kleiner Chinese! Es war wohl nicht seine Schuld, daß er so wenig »europäisch« war, und er konnte wohl ebensowenig dafür, daß er weder ein Herz noch eine Seele besaß, oder daß die beiden, falls er sie dennoch hatte, nie zum Vorschein kamen. --
Am folgenden Tage kamen wir in Hongkong an, dessen wunderschöne Lage und vollständig europäisches Gepräge mich angenehm überraschten, und bald brachten zwei Jinrikshas uns hinaus zum Hafen, wo der »Albatros« verankert lag. Meine Koffer waren schon an Bord gekommen und die Kajüte sah einladend, wenngleich so klein als nur denkbar, aus. Wir sollten zuerst in Singapore eine Woche verbleiben, dann zum Kap der Guten Hoffnung weitersegeln, und endlich, nachdem wir auch die Kanarischen Inseln besucht hatten, nach Norwegen fahren. In etwa zwei Monaten dürfte das Schiff in den Hafen von Christiania einlaufen.
Vier Stunden später verkündigte die schrille Dampfpfeife, daß der »Albatros« seine Reise anzutreten beabsichtigte. Li Bai legte die eben von ihm gekauften Früchte und Kuchen auf meinen Deckstuhl, breitete fürsorglich den Reiseplaid für mich aus und reichte mir dann die Hand zum Abschied.
Man scheidet nie leicht von dem Manne, dem man alles gegeben, was man zu geben hat, an den uns Bande knüpfen, die nur äußerlich getrennt werden können, die aber innerlich nie zerreißen. Der Name unseres Gatten steht auf der Platte unserer Erinnerung mit ehernem Griffel eingeritzt, gleich unverlöschlich, ob das, was darunter steht, zu seiner Ehre oder Schande lautet.
»Laß uns unsere Schwächen vergessen und nur des Guten gedenken, Li Bai!« bat ich, als ich zum letztenmal die zarte Hand in der meinen fühlte.
Unverständlich wie immer, wenn es sich um seelische Empfindungen handelte, klangen ihm meine Worte, die Lider deckten wie damals, als er mich bat, seine Frau zu werden, die schwarzen rätselhaften Augen, die Züge waren kalt und unbeweglich, wie immer, wenn nicht Zorn oder Lachen sie verzerrten.
»Leb' wohl, Käthe -- und glückliche Reise!«
Das letzte Glockenzeichen ertönte. Er berührte mit seinen Lippen ebenso scheu und flüchtig wie an meinem Geburtstage meine Wange zum Abschied, drückte noch einmal leicht meine Hand und lief dann hurtig den Landungssteg hinab, der eingezogen wurde.
Die Schiffsschraube setzte sich langsam in Bewegung, mehr und mehr drehte sich das große Fahrzeug, bis es in die richtige Lage kam, und dann setzte die Maschine mit voller Kraft ein und dampfte der fernen Heimat zu.
Unten aber, auf der Mole der chinesischen Hafenstadt, stand eine kleine Gestalt, die ein blauseidenes Taschentuch aus einem europäischen Anzuge (Li Bai hatte sich zur Reise europäisch gekleidet) gezogen und winkte -- winkte -- gerade so wie in London, wenn die große Elektrische sich in Bewegung setzte und er noch einmal zu mir zurück grüßte.
Ich drängte die Tränen gewaltsam zurück, um so lange als möglich diese zierliche Gestalt sehen zu können, die unbeweglich auf der Mole stand und winkte, bis das Schiff weit, weit vom Strande die Wogen teilte und mein kleiner Chinese nur mehr ein Punkt am Horizont war.
»Was für eine hübsche Gestalt und welch nette Umgangsformen dieser kleine Chinese hatte, der von jener Dame Abschied nahm!« hörte ich einen älteren Herrn unweit von mir zu seinem Mitreisenden sagen.
»Ach, lieber Unbekannter, du hast recht, aber die zarte Gestalt und die netten Umgangsformen sind auch alles, was dieser kleine Chinese sein eigen nennt, und noch von diesen beiden Gaben ist seine Gestalt das einzige, was sich nie verändert,« dachte ich.
Die anderen Reisenden sahen vorwärts, weit hinweg über die schäumenden Wogen, ich aber blickte zurück auf die Küste, wo nicht nur mein Gatte einer, wie ich hoffte und wünschte, besseren Zukunft entgegenging, sondern wo unter Teakbäumen und gewaltigen Bambusstämmen die Reste eines Körperchens lagen, das ein Teil meines Ichs -- vielleicht mein bester Teil -- gewesen. Li Bai würde schnell verwinden und vergessen, aber ein Mutterherz vergißt nie -- auch nicht ein gelbes Kind, das nur drei kurze Monate lang an der Mutterbrust gelegen!
»Schlaf' in Frieden, mein toter Sohn!«
=Laissons gronder en bas cet orage irrité, Qui toujours nous assiège; Et gardons au-dessus notre tranquillité Comme le mont sa neige.=
=Va, nul mortel ne brise avec passion Vainement obstinée, Cette âpre loi que l'un nomme Expiation Et l'autre Destinée.=
=Victor Hugo.=
XIX.
Sechs Monate waren vergangen. Wochenlang hatte ich nur die glitzernden Wogen geschaut, die mächtig heranrollten, sich mit donnerndem Geräusche an den starken Planken des Schiffes brachen und in Schaum zerplatzten.
Wie sie, eilen wir alle auf das endlose Ziel zu, und wie sie vergehen wir, um vielleicht wiederzukommen, gerade wie die zerstäubten Wassermassen sich zu neuen Wogen, oft zu mächtigeren, formen.
Ueber mir hatte der blaue Himmel sich wolkenlos gewölbt, und diese Einförmigkeit der Umgebung, dieses matte Dahinträumen hatte nach und nach die Stürme meiner Seele eingeschläfert.
Ich hatte gelernt, was ich früher nie begreifen wollte, daß wir nur auf uns rechnen dürfen, nicht auf unsere Umgebung, daß wir den Frieden nur in der Ruhe finden, die oberhalb von Wünschen und Fürchten liegt. Ich kämpfe nicht mehr gegen den Strom des Lebens, ich lasse seine Wogen mich hinwegheben über alle Hindernisse, die guten wie die bösen, und gleite so ohne tiefe Schmerzen und aber auch ohne große Freuden dem Ziele zu. Einmal erklingt wohl selbst für mich das Aveläuten!
* * * * *
Eine Zeitlang war ich in Südafrika verblieben, mehrere Wochen verbrachte ich in Las Palmas auf den herrlichen Kanarischen Inseln, und einen Monat verweilte ich im hohen Norden, wo die stolzen, unbeugsamen Tannen sich allerlei wundersame alte Märchen zuflüstern. Den Rest der Zeit sah ich nur über die unendliche Wasserfläche und lernte die schwere, ach so schwere Kunst des Vergessens.
War ich auch scheinbar von den Reichen des reinen Glückes verbannt, so blieb mir mein Wissen, eine Quelle unversiegbarer Schätze. Mir standen die Literaturen vieler Nationen offen, eine reiche Geisteswelt lag vor mir und Freunde warteten meiner, die weder Falschheit noch Untreue kannten. Zu ihnen konnte ich flüchten, sooft und auf wie lange ich es wünschte. Sie wollten mir die Einsamkeit ertragen helfen, nicht so vollkommen vielleicht, als Menschen es zu tun imstande sind, wenn wir die rechten daheim oder in der Fremde gefunden haben. Aber sie verursachten mir dafür auch niemals Seelenpein, wie sie die besten Menschen zuweilen uns zuzufügen nicht vermeiden können -- oder wollen.
Es gibt verschiedene Musikinstrumente auf der weiten, weiten Welt und verschiedene Arten, ihnen Töne zu entlocken, denn Töne geben sie alle von sich -- und so sind auch wir Menschen Instrumente, die je nach der Berührung, die schrecklichsten und schrillsten Mißtöne oder die herrlichste Melodie von sich geben. Einige Menschen ähneln Trommeln, andere Trompeten, wieder andere Harfen oder Geigen. Auf einer Trommel kann bald jemand spielen, aber es gehört ein Meister dazu, der Harfe oder der Violine harmonische Töne zu entlocken. Es ist schwer, den Meister zu finden, sehr schwer. Aber man kann -- wenn man weise ist -- verhindern, daß unkundige Hände die Saiten zum Springen bringen, indem wir niemand gestatten, das Instrument zu berühren.
Besser keine Töne, als Mißtöne.
* * * * *
Seit zwei Wochen weile ich bei Jenny, die mich sehr lieb aufgenommen hat und mich behalten will, bis ich wieder Kräfte gesammelt habe, um in die Ferne zu ziehen, denn ruhelos wie der ewige Jude treibt es mich von Ort zu Ort.
Auf den Wunsch meines Schwagers hin habe ich die Geschichte von meinem kleinen Chinesen geschrieben, die ein Warnungsruf an die Mädchen meiner Rasse sein soll. Chinesen haben wie wir ihre Licht- und Schattenseiten -- nicht weniger Lichtseiten als wir --, aber sowohl Licht als auch Schatten ist verschieden im Osten wie im Westen, das möge immer bedacht sein.
Nur einem entsetzlichen Unfall verdankte ich meine Freiheit, sonst wären es wohl die Tore des Todes gewesen, die meiner Seele den Ausflug zur ewigen Freiheit eröffnet hätten.
Soeben kommt meine Schwester mit meinem entzückenden Nichtchen auf den Armen durch den Garten und der Doktor geht an ihrer Seite und hält sie umschlungen, als könnte jemand plötzlich seinen Schatz entführen, falls er nicht seinen Arm so fest -- so innig fest um sie legen würde.
Wie glücklich die beiden Menschen doch geworden sind!
»Weißt du, Kather,« ruft sie mir, die ich in der Hängematte liege (für mich der bescheidene Begriff erreichbarer irdischer Glückseligkeit) und diese Blätter noch einmal durchsehe, fröhlich zu, »daß ich selig bin zu wissen, daß die gelbe Gefahr auf immer beseitigt ist?«
»Ja,« lächle ich müde, denn mein Nichtchen erinnert mich an mein totes Kind, »das ist ein Traum, der ausgeträumt ist.«
Jenny versteht mich, ihr Glück hat sie vertieft, veredelt. Sie streicht liebkosend über meinen Arm und preßt unwillkürlich ihren blonden Liebling fester an sich, der Doktor aber, der rührend lieb gegen mich ist und eine ernste Stimmung nicht aufkommen lassen will, zieht sein schönes, junges Weib und das süße Kindchen zärtlich an sich und sagt mit der Eitelkeit und dem Selbstbewußtsein, die jedem Manne des Westens wie des Ostens eigen:
»Es gibt ja auch noch ganz nette Europäer.«
Und Jennys glückstrahlende braune Augen sagen »Amen«.
Im Verlag
Deutsche Buchwerkstätten Dresden
ist ferner erschienen:
Der Hof des Schweigens
Roman von _Anny Wothe_
Es ist ein heiliges Land, das wir hier in diesem so glänzend geschriebenen Roman der gefeierten Erzählerin betreten. Es ist das Eis- und Feuerland, das Land der alten Göttersagen, das Land der Sagas und der holden Frauen, das Land der nach Freiheit dürstenden Söhne des starren Eislandes mit seinen tausend Wundern. Island, das noch so wenige kennen, tut uns in diesem Roman weit seine herrlichen, unbekannten Zauberwelten auf, daß wir erschauern vor der seltsamen Schönheit dieser Wunderwelt. Anny Wothe gibt uns in dem Roman »Der Hof des Schweigens« ein glänzendes Gemälde von Land und Leuten der herrlichen Insel im starren Nordlandsmeer. Die Verfasserin hat mit dem feinen Fühlfaden der Seele und offenem künstlerischen Blick, gepaart mit gründlicher Kenntnis der Bewohner des Landes, in diesem Roman ein Seelengemälde von so künstlerischer Eigenart und erschütternder Tragik geschaffen, daß wir nicht müde werden, dieses herrliche Buch immer und immer wieder zu lesen.
Verlag Deutsche Buchwerkstätten / Dresden
Im Verlag
Deutsche Buchwerkstätten Dresden
ist ferner erschienen:
Kains Entsühnung
Roman von _Luise Westkirch_
Der Roman führt in ein Stück Oedland, Neuland, eine Wildnis mitten im Herzen Deutschlands. Uralter Menschenschlag haust dort wie auf einer einsamen Insel, abgeschnitten von der modernen Kultur und den Hütern ihrer Gesetze. Hart ist das Leben der Leute, rauh und gewaltsam ihr Sinn. Ihre Leidenschaften toben ungebrochen sich aus in ursprünglicher Kraft und Wildheit. Ein rechtschaffener Mann hat in verspäteter Liebesraserei für ein Weib, das ihn lächelnd betrügt, seinen liebsten Freund getötet. Wie er in strenger Selbstüberwindung und hartem Kampf mit dem eigenen Herzen diese Tat sühnt vor seinem Gott und dem eigenen Gewissen, das bildet die Grundidee des Werkes, das durch die sympathischen Gestalten eines glücklicheren Liebespaares erhellt und belebt wird.
Verlag Deutsche Buchwerkstätten / Dresden
Im Verlag
Deutsche Buchwerkstätten Dresden
ist ferner erschienen:
Der Marquis von Weyermoor
Roman von _Luise Westkirch_
Die Geschichte einer Ehe im »Teufelsmoor« erzählt dieser Roman, die Geschichte eines leichtsinnigen, nach mühelosem Genießen haschenden jüngeren Sohnes, der seine Liebe und seine Freiheit der reichen Bäuerin verkauft für die Wonne, Geld ausstreuen zu können mit vollen Händen, und der dann im errafften Reichtum darbt und gern aufhören würde, der »Marquis« von Weyermoor zu sein, wie seine Landsleute ihn im Spott getauft haben, -- wenn er frei und arm als einfacher Arbeiter leben dürfte an der Seite des Mädchens, das er nicht aufgehört hat zu lieben. In diese Läuterung und Wandlung im Charakter des Helden spielt, begangen am Sankt Niklastag in der Vermummung des Sankt Niklas, ein dunkler Mord, der die Schicksalsfäden zuerst verwirrt und endlich zerreißt.
Verlag Deutsche Buchwerkstätten / Dresden
Im Verlag
Deutsche Buchwerkstätten Dresden
ist ferner erschienen:
Der Kampf um den Dollar
Ein Auswanderer-Roman
von _Arthur Zapp_
Durch den Versailler Vertrag ist das Auswanderungsproblem erneut aufgerollt worden. Der Zappsche Roman gibt ein getreues Spiegelbild von den Aussichten, Zufällen und Ueberraschungen, die des Einwanderers in Amerika harren. Wir erleben, wie sich der deutsche Unternehmungsgeist in großzügiger Weise betätigt, wie ihm ruinöse Rückschläge nicht erspart bleiben, wie aber starkes Zielbewußtsein sich schließlich durchsetzt. Allerdings gelingt es nur einem von drei jungen Auswanderern, die Verhältnisse zu meistern. Der zweite, ein schwacher Charakter, ist zu zart besaitet, um in diesem Lande des rücksichtslosen Erwerbssinnes Wurzel zu fassen. Eine romantische, reizende Liebesgeschichte, die sich durch das ganze Buch hindurchzieht, verklärt die Laufbahn dieses Mannes, dem auf verschlungenen Wegen zum wahren Glück die unangenehmsten Erfahrungen mit den amerikanischen Gesetzen über das Eheversprechen nicht erspart geblieben sind. Vollends im Banne der Räuberromantik geht der dritte ehemalige Freund unter. Die Handlung ist spannend bis zum Schluß und gibt einen vollendeten Abriß über die augenfälligsten Erscheinungen im Lande des rollenden Dollars.
Verlag Deutsche Buchwerkstätten / Dresden
[ Hinweise zur Transkription
Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.
Darstellung abweichender Schriftarten (ausgenommen römische Zahlen):
_gesperrt_ : =Antiqua= .
Der Schmutztitel wurde entfernt.
Die sechs ganzseitigen Illustrationen wurden verschoben, um den Lesefluss nicht zu hemmen, nämlich
1. von der Position vor der Titelseite vor das Kapitel XIII, 2. von der Position hinter Seite 48 vor das Kapitel VI, 3. von der Position hinter Seite 96 vor das Kapitel IX, 4. von der Position hinter Seite 176 vor das Kapitel XII, 5. von der Position hinter Seite 200 an das Ende von Kapitel XIII, 6. von der Position hinter Seite 264 vor das Kapitel XVII.
Die aus verschiedenen Sprachen stammenden Verse an den Kapitelanfängen wurden einschließlich der Rechtschreibfehler unverändert übernommen.
Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden Ausnahmen,
Seite 20: "dieser" geändert in "diese" (dem Gleichmut, der diese Klasse weiblicher Wesen auszeichnet)
Seite 44: "daß" geändert in "das" (setzte er ein Gesicht auf, das einen zum Tode Verurteilten)
Seite 150: "den" geändert in "dem", "»" und "«" eingefügt (auf dem mit russischen Buchstaben »Europa -- Asia« stand)
Seite 158: "laïmatischen" geändert in "lamaïtischen" (werden von den lamaïtischen Priestern)
Seite 166: "»diese goldenen" geändert in "diese »goldenen" (immer nur auf diese »goldenen Lilien« küssen)
Seite 180: "dort so," geändert in "dort, so" (und wird dort, so wie bei uns Wollstoffe)
Seite 189: "deinen" geändert in "deinem" (als rote Vogelscheuche wirklich zu deinem Gatten gehen)
Seite 214: "." eingefügt" (dem Mandarin sehr angenehm war.)
Seite 221: "ihre" geändert in "Ihre" (Mein Plan mißlang -- durch Ihre Schuld.)
Seite 230: "," eingefügt (Man ist Paria, »=one has lost caste=)
Seite 255: "Wort" geändert in "Worte" (ein dicker Doktor sprach ermutigende Worte)
Seite 255: "sie" geändert in "Sie" (Sie werden zu Kräften gelangen)
Seite 256: "beweißt" geändert in "beweist" (Das beweist, daß jedes Ding auf Erden)
Seite 276: "das" geändert in "daß" (das allerletzte Mal im Leben, daß wir zusammen sind) ]