Mein erster Ausflug: Wanderungen in Griechenland

Part 17

Chapter 172,880 wordsPublic domain

Durch Weingärten und Haine bald steigend, bald sinkend, kamen wir endlich zum Fort =spaniol=, welches Castelnuovo krönt. In der Nähe desselben sahen wir ein verlassenes, dachloses Haus, dessen Wände dermaßen mit Epheu bewachsen waren, daß das Haus, wie die französischen Hecken, aus Bäumen geschnitten schien. Gleich daneben saß auf dem Wege ein uraltes Weib, eine hexenartige Gestalt; sie ging uns um Almosen an; als wir sie näher betrachteten, fanden wir, daß ihr ganzes Gesicht mit kleinen Kreuzchen bemalt war. Sie versicherte uns, der Pfarrer hätte sie so gezeichnet; vermuthlich geschah dies, um die arme Frau vor dem Aberglauben des Volkes, welches in diesem Punkte in Dalmatien noch sehr zurück ist, zu schützen. Vielleicht ist dies Mütterchen der böse Geist, der in dem verfallenen, mit Epheu besponnenen Gebäude haust. Auf dem der Sonne ausgesetzten Castel war eine glühende, drückende Hitze. Doch erfreute uns der so lange entbehrte Anblick österreichischer Soldaten. Die Weißröcke nehmen sich halt überall gut aus, im tiefsten Süden wie im höchsten Norden. Wir besahen die einzelnen Theile der Befestigungen, welche unter Carl =V.= von spanischen Truppen gegen die Muselmänner gebaut wurden, nachdem der Kaiser das Städtchen Castelnuovo den Venezianern genommen hatte. Die vier Eckthürme sind von einer außerordentlichen Festigkeit. In dem einen derselben befindet sich eine sehr gut gebaute Cisterne; über dem Eingangsthore ist eine sehr schön ciselirte türkische Inschrift, welche von den Mohammedanern gesetzt wurde, als sie das Fort den Spaniern abgerungen hatten. Beim Eingange der Stadt befindet sich ein freier Raum, von welchem die Volkstradition erzählt, er sei für die oft vorkommenden Zweikämpfe zwischen Spaniern und Muselmännern bestimmt gewesen. Die Stadt ist ärmlich und klein, mit engen und steilen Gäßchen. Am Ende derselben, gegen das Meer, liegt abermals ein aus starken Quadern erbautes Fort, welches in türkischen Händen war; wir besuchten es ebenfalls. Auf allen diesen erhabenen Punkten genießt man der schönsten Aussicht. Die innere Stadt ist ebenfalls mit einer hohen Mauer umschlossen, durch die ein sehr steiles Eingangsthor führt. Ueber diesen abschüssigen, schlecht gepflasterten Thorweg soll einst ein Bey im gestreckten Laufe hinunter gesprengt sein, man findet es fast unglaublich; doch so unbehülflich ein Türke zu Fuße ist, so gewandt und keck ist er auf dem schuhartig beschlagenen Wüstenrosse. Man zeigt auch dem Reisenden eine roth bemalte Stelle der Stadtmauer, auf welcher die Moslemin die blutigen Köpfe der Christen dem schaudernden Volke wiesen. Wir verließen die Stadt, fast verschmachtend vor Hitze, und kehrten durch die kühlenden Haine bei sinkender Sonne an den Mauern des uns so lieb gewordenen Klosters vorbei, zum Lazareth zurück. Nun ging es sich gar lieblich im stillen, friedlichen Abend. Erde, Meer und Lüfte ruhten vom schaffenden Tagesleben aus; und so thaten auch wir. Wir kehrten auf unser Schiff zurück und stärkten unsere müden Körper durch das auf dem Verdecke aufgetragene Mittagsmahl. Nach Tisch verfingen wir uns in einen politischen Streit, welcher einen Theil der Gesellschaft noch bis gegen eilf Uhr wach erhielt. Des andern Tages in der Frühe setzte sich unser Dampfschiff wieder in Bewegung, um uns in die übrigen Theile der Bocche zu bringen. Kaum hat man die Bucht, in welchem sich Kloster und Lazareth befinden, aus dem Auge verloren, so öffnet sich ein neuer, vom Meere gebildeter See. An Schönheit wohl der geringste, aber dennoch lieblich und freundlich. Die Berge, die ihn umgeben, sind sanfter gewölbt, und sind Vegetation und Cultur üppiger; fruchtbare Olivenwälder und reiche Weingärten, in denen sich die heiteren Campagnen befinden, bedecken die sanft aufstrebenden Ufer. Dieser Theil trägt mehr das Bild einer naiven Landschaft; den Gegensatz dazu bildet die nächstkommende Bocche. Das Meer verengt sich zu einem mit hohen Felsen umgebenen Canal; die laue Luft wird kalt und fast beengend, man glaubt sich in ein Felsenlabyrinth ohne Ausweg verirrt zu haben. Plötzlich erweitert sich das schroffe Ufer und man befindet sich in einem stillen melancholischen Gewässer, welches einem abgelegenen Gebirgssee vergleichbar ist. Die kahlen, rauhen Felsen zeichnen sich wiederspiegelnd in den tiefen blauen Fluthen ab. Dem Eingang gegenüber hängt ein niedlicher Ort an der steinigen Wand. Auf diesem freundlichen Punkte ruht das Auge mit Wohlgefallen; er gleicht einem zierlich gebauten Neste, an ernster Kirchenwand. Auf dem blauen Spiegel ruhen zwei Inseln, auf welchen sich Kirchen befinden. Der sonntägige Glockenschall begrüßte uns mit christlichem Ernste; da wir auch eine Messe hören wollten, hielten wir mit dem Dampfer, setzten uns in ein Boot und steuerten diesem Orte, Namens Perasto, zu. Derselbe ist von den Venezianern erbaut und erinnert im Kleinen an einzelne Theile der Hauptstadt des kaufmännischen Volkes. Die Sitze der Nobili, zierlich erbaute Paläste mit Balkonen und maurisch gemischten Fenstern, wechseln im lieblichen Gewirre mit einer für diesen Ort sehr großen Anzahl schön erbauter Kirchen, zwischen welchen sich einige schlanke Cypressen erheben. Als wir an das Land stiegen, fanden wir eine ziemliche Menge Volkes am Quai versammelt. Einzelne unter ihnen zeichneten sich durch ihr schönes eigenthümliches Kostüme aus. Die Trachten in Dalmatien sind, wie überall im Süden, sehr mannigfach und originell. Als wir nach einer Messe fragten, verwies man uns auf eine spätere Zeit. Wir benützten daher die Gelegenheit, einen Besuch auf einer dieser Inseln zu machen, welche durch ihre Madonnenkirche berühmt ist. Das ganze kleine Eiland gleicht einer schönen Terrasse, auf welcher die mit einer Kuppel versehene Kirche im byzantinischen Styl ruht. -- Ein Fischer fand der Legende nach das Madonnenbild auf einem kleinen unter der Terrasse befindlichen Felsen; nachdem durch dieses Bild einige Wunder geschehen waren, beschloß man, auf dem Gestein eine Kirche zu erbauen; da aber der Raum zu klein war, warfen die frommen Bürger von Perasto so lange Steine in das Meer, bis sich aus dem Grunde hervor die kleine Insel bildete, auf der sie nun die Kirche bauen konnten, welche in ihrem Innern mit sehr hübschen marmornen Altären geschmückt ist. Doch damit die Fluthen nicht wieder verschlingen, was mühselig zusammen geschleppt wurde, muß jeder Schiffsbesitzer sein mit Steinen gefülltes Fahrzeug bei der Insel in die Fluthen ausladen. Als wir nach Perasto zurückkehrten, kündigte man uns an, daß wir die Messe für heute versäumt hätten. Wir bestiegen wieder unseren Dampfer und fuhren gen Cattaro. Aus dieser felsigen, melancholischen Bocche kommt man in eine andere, an deren einem Ufer die schroffen Felswände bis Cattaro fortlaufen, während sich an dem andern eine der reizendsten Landschaften dem Auge darbietet. Welcher dieser Bocche der Vorzug gebührt, ist schwer zu entscheiden; unstreitig ist aber die letzte die belebteste, denn Haus an Haus steht längs dem Abhange, mit zierlichen Gärten umgeben, in denen Palmen mit Cypressen und Orangenbäume mit Granaten wechseln. Einen besonderen Eindruck macht die Cypresse, welche bei den so häufigen griechischen und katholischen Kirchen überall gen Himmel zeigt. -- Die Häuser, welche im frischesten Grün liegen, deuten alle auf Wohlstand; sie gehören auch meist reichen Schiffskapitänen, deren Weiber zu Hause am Spinnrocken plaudern, während die Männer in den amerikanischen Gewässern mit den Wogen kämpfen. Neben manchen Gebäuden sieht man auch Schiffe, welche auf eine glückliche Zurückkunft deuten sollen, in kleinen, gerade für die Größe des Fahrzeugs passenden Docks liegen. Ganz am Ende dieser großen, langen und schönen Bocche liegt das Städtchen Cattaro an einer Felswand angelehnt, auf welcher sich in schwindelnder Höhe das Fort befindet. Neben demselben geht eine, von der österreichischen Regierung gebaute, sehr kunstreiche Straße nach Montenegro, die bestimmt ist, den Verkehr zu erleichtern; -- die Montenegriner aber lassen sie unbetreten und ziehen es vor, die steilen Felsen hinunter zu klettern. Da Cattaro eine Festung ist, sieht man beim Ankommen nur wenig von der Stadt, die auf einen sehr engen Raum gebaut ist; man wäre fast geneigt, es für das Ende der Welt zu halten, so umgeben es die drohenden Felsenmassen. Wir ließen unser Fahrzeug auf einige Stunden halten. -- Auf der Rhede waren mehrere Schiffe, unter andern der Dampfer Curtatone von der Kriegsmarine. Als wir gelandet hatten durchliefen wir die Stadt, welche außer einem hübschen, halb gothischen, halb byzantinischen Domportale und einigen im venezianischen Style erbauten Häusern nichts Bedeutendes aufzuweisen hat. Gegen vier Uhr kehrten wir auf dem Wege, den wir am Morgen gekommen waren, bei der herrlichsten Abendbeleuchtung zurück. Das Licht war gemildert und die Konturen zeigten sich schärfer. Die verschiedenen Gegenstände hatten noch den südlichen Anstrich, wenn gleich nicht in der Stärke und Wärme wie Griechenland. Dem felsigen Ufer, welches wir des Morgens unberücksichtigt gelassen hatten, nahten wir uns jetzt mehr und sahen, daß es große Naturreize aufweist, und an mehreren Orten mit den freundlichsten Dörfchen geschmückt ist. Abends ankerten wir wieder in der Bucht des Lazarethes. Das Gefühl, welches sich in uns beim Anblick der Bocche geregt hatte, war Staunen, daß man bei uns in der Heimat nicht mehr von dieser herrlichen Gegend wisse. Alles strömt nach Nizza, Florenz und andern halb südlichen Gegenden, während man nicht ahnt, daß man im eigenen Vaterlande so viel Schönes hat, welches allen Reiz der Vegetation vereinigt, und sich des herrlichsten, immer sanften Klima's erfreut. Die venezianischen Paläste stehen leer, sie verlangen nur um 800 bis 1000 Gulden gekauft, und dann bewohnt zu werden, um den Besitzern die herrlichsten Räumlichkeiten und lieblichsten Aussichten darzubieten; aber nein, man rast in die Ferne, läßt sein Geld in Massen unter fremden Völkern aufgehen, und begnügt sich mit einer schlechten Wohnung, nur um in der Fremde zu sein; fühlt sich glücklich weil man sich modern findet und seufzt über das uninteressante langweilige Vaterland. Freilich ist die Civilisation in diesen südlichen Gegenden von Oesterreich nicht sehr fortgeschritten. Entschließt sich aber einmal ein reicher, an Comfort gewöhnter Mann, seine Wohnung hier aufzuschlagen, so ist der Grund gelegt, und die Gescheidten werden sich glücklich fühlen, ein solches Paradies, wo Palme und Eiche brüderlich wachsen, ihr eigen nennen zu können.

Ragusa.

Während des frühsten Morgens, im besten Schlummer, fuhren wir in den Hafen von Gravosa ein, dem Hauptankerplatz der Stadt Ragusa. Als wir das Verdeck erstiegen, sahen wir uns von sehr lieblichen Ufern umgeben; sanfte begrünte Hügelketten schlingen sich um die tiefblaue Fluth, am Strande des Meeres erheben sich Villen im venezianischen Geschmacke, umgeben von Cypressen und andern südlichen Gewächsen. Man kann nicht sagen, daß die Gegend großartig imposant ist, aber sie ist sanft und lieblich. Den Anblick der Stadt Ragusa deckt die Höhe von Bella vista, wir mußten uns daher an dieser Gegend begnügen lassen, was übrigens für einen Freund der Natur, wie ich es bin, vollkommen lohnend war; der prachtvolle Morgen war blau, mild und wonnig. Erst gegen Mittag besuchten wir die Stadt. So sehr ich mich auf den Anblick dieses historisch interessanten Ortes freute, war ich doch recht froh, den Morgen in der würzigen frischen Luft, umgeben von der freundlichen Gegend, auf dem Verdecke zuzubringen; wie sehr ich auch auf Reisen dafür bin, jeden Augenblick zu benützen, um sich umzusehen und seine Kenntnisse zu bereichern, so ist es mir doch nicht unlieb, zuweilen einige Stunden unter angenehmen Eindrücken in Ruhe zu verleben; denn es muß dem Reisenden, der die Reise genießen will, die Möglichkeit werden, die erlebten Begebnisse an seinem Geiste vorbeiziehen zu lassen, und sie in sein Tagebuch aufzuzeichnen; nur durch solche Mittel prägen sich die gesehenen Gegenstände fürs Leben in das Gedächtniß ein, und wenn man lange wieder am heimischen Herde sitzt, so blühen dann lebhaft und frisch die Erinnerungen an das Erlebte auf. Ich machte es so, und arbeitete fleißig an meinem Tagebuch. Mein Bruder mußte leider diesen prächtigen Tag im Bette zubringen, da er sich in der Bocche di Cattaro an dem Abend, als wir Castelnuovo besahen, erkältet hatte. =Dr.= F. blieb den ersten Theil des Morgens bei ihm, später wanderte er mit K. über die Bella vista in die Stadt. Fürst J. und Baron K. waren schon seit dem Morgen dort, um sich die dem Lande eigenthümlichen Waffen zu kaufen und den, auf dem Schiffe in folge des ziemlich großen Verbrauches mangelnden Wein, durch sehr schlechten Dalmatiner zu ersetzen. Graf C. und ich blieben allein bei meinem Bruder. Der aufmerksame =Dr.= F. hatte kaum die Stadt besehen, so kehrte er wieder zurück und löste uns beim Kranken ab. Wir ruderten nun in einer kleinen Barke auch dem Lande zu, und setzten uns in eine Calesche, dem einzigen Wagen von Ragusa, um auf der vortrefflich gebauten, aber wie früher erwähnt, ziemlich unnützen Kaiserstraße die Hügelspitze Bella vista zu erreichen. Mit Recht führt der Punkt diesen wohlklingenden Namen, da dort oben das Meer dreimal dem entzückten Blick erscheint. Von dem Punkt aus stürzen rasch die Felsen in die See hinunter, welche brausend und schäumend gegen die braunen zackigen Massen tobt. Auf denselben wachsen hunderte von Aloën, welche das Gepräge des Südens erhöhen; zur Rechten sieht man den lieblichen Hafen von Gravosa, ein Bild des Frohsinns; zur Linken erscheinen die Kuppeln der Stadt, welche in einem kleinen Raume, am Fuße einer Anhöhe erbaut ist. Auf dieser stehen Villen an Villen mit den freundlichsten Gärten umgeben, deren Zierde Palmen, Lorbeeren, Granaten, Sensitiva's und andere südliche Gewächse sind. An der äußersten Spitze der Stadt ragt ein hoher Felsen aus dem Meere, auf welchem das Fort S. Pietro liegt. Der kahle Kamm der Anhöhe ist von dem Fort Napoleone (oder Fort =imperial=) gekrönt. Dies liebliche, durch das herrlichste Wetter hervorgehobene Bild erinnerte mich lebhaft an die Beschreibungen und Zeichnungen von Sicilien, während es von den griechischen Ansichten ganz verschieden war. Auf dieser hier ruhte der Stempel des grandiosen und doch lieblichen Italien, während die allgemeine Auffassung von Hellas schönen, melancholischen, sehnsüchtigen Ernst ausdrückt. Wir waren aus dem Wagen gestiegen und legten unsern Weg nach der Stadt zu Fuße zurück. Die Straße senkt sich ziemlich rasch, von Villen eingefaßt, zu den mächtigen venezianischen Stadtmauern hinab. Man machte uns aufmerksam, daß die Landhäuser durch eine Strecke leer und leblos aussehen; sie wurden 1805 von Russen und Montenegrinern vereint geplündert. Die Franzosen vertheidigten sich damals im Innern der Stadt. Da das Land arm und die Macht der Nobili gebrochen ist, diese aber, weil ihre Besitzungen Majorate sind, dieselben nicht verkaufen können, so sind die nackten Mauern der langsamen Zerstörung der Zeit ausgesetzt. Durch zwei schief hinter einander stehende massive Steinthore gelangten wir in eine breite, mit weißen Quadern gepflasterte Straße der innern Stadt. Wir glaubten nach Venedig versetzt zu sein. Gleich am Beginne steht das im byzantinisch-gothischen Style erbaute Kloster der Franziskaner; demselben folgt die schönste Reihe von Palästen der alten Nobili. Ragusa war im Kleinen eine Republik wie Venedig, von Adeligen beherrscht, an deren Spitze ein Doge stand, welcher jedoch alle Monate neu aus den Senatoren gewählt wurde. Während der kurzen Dauer seiner Würde durfte er die Räume des schön eingerichteten Dogenpalastes nicht verlassen; nur bei einer bestimmten Festlichkeit zeigte er einen seiner Füße außerhalb der Thüre; diese Freiheit ist für einen Präsidenten der Senatoren fast einem Gefängniß zu vergleichen; und doch riß sich jeder um die Würde. Damit aber keiner der Adeligen im Staate übermächtig werde, mußte ein Jeder seinen Besitz im Gebiete der Ragusanischen Republik an verschiedenen Theilen zerstreut haben. In der Blüthezeit französischer Herrschaft wurde dieses aristokratische Institut aufgehoben; mit den übrigen venezianischen Landen kam auch diese einst selbständige Stadt mit ihrem Gebiete an die österreichische Krone. Nun lebt nur mehr der Name der Nobili in deren Söhnen, die sich in den Prachtgebäuden ihrer Väter ärmlich erhalten. Der Glanz ist geschwunden, aber der Haß zwischen den einzelnen Parteien der Republik lebt noch in den machtlosen Enkeln fort. Wie sich alle inneren Feindseligkeiten ausgleichen, wenn es gilt, sich gegen eine dritte Macht zu vereinigen, so kokettirte im Jahre 1848 auch eine Partei in Ragusa mit dem aufrührerischen Venedig, mit dem die Stadt sonst in der größten Feindseligkeit lebte. Von der an Palästen reichen Straße ziehen sich schmale, finstere Gäßchen in die übrige Stadt, und selbst diese engen Verbindungen sind wieder durch schöne Paläste gebildet. Die breite Straße, deren gutem Pflaster man ansieht, daß es nie befahren wird, mündet auf den pittoresken Platz der Moneta. Auch hier kann sich das Auge an der schönen Architektur nicht satt sehen. Am bemerkenswerthesten ist das Münzgebäude, mit den leichten venezianischen Bogenfenstern; die Hauptwache und neben derselben ein schöner steinerner Brunnen, in dessen zierlich gearbeitete Becken leichte Springquellen das klarste und beste Wasser werfen; eine architektonisch schöne, wenn auch nicht große Kirche, dem heiligen Blasius, Schutzpatron von Ragusa, geweiht. Wir besuchten das Innere derselben, in welchem mir am meisten die Stellung der Orgel auffiel, da sie unmittelbar hinter dem Hochaltar an der Wand schwebt. Wir begaben uns dann auf die =Piazza del duomo=, auf welcher der Dogenpalast, das Miniaturbild des venezianischen und die Domkirche stehen; diese ist aus einem weißlichen Steine im römischen Style gebaut. Man führte uns in eine mit Goldzierrathen überfüllte Kapelle in der Nähe des mittleren Schiffes, in welcher sich eine unendliche Masse von Reliquien befinden, die durch Alter und geschmackvolle Fassung merkwürdig sind. Etwas unangenehm zu sehen war der ganze Körper eines Heiligen, dessen Hülle, mit Farbe und Wundmalen des Todes in Wachs bossirt gezeigt wird. Die Geistlichkeit schien jedoch den Leib dieses Heiligen besonders zu verehren. Mit Stolz zeigte man uns diese Sammlung und wirklich habe ich auch noch nie so viele heilige Reliquien auf einem Orte vereinigt gesehen. Unter den vielen sehenswerthen Dingen fiel mir eine goldene Kanne nebst Becken auf; in diesem befanden sich die Symbole des Meeres in dunklem Metall auf das zierlichste gearbeitet. Man sah Fische, Eidechsen, Krebse, Molche und dergleichen Gethier. Ein Geistlicher drückte mir sein Bedauern aus, daß die Maschinerie dieses Kunstwerkes verdorben sei, indem einst bei den Waschungen, in dem Augenblick als das Wasser auf das Becken traf, die Thierchen durch die Kraft des Wasserdruckes lieblich kreisten.