Mein erster Ausflug: Wanderungen in Griechenland

Part 13

Chapter 133,306 wordsPublic domain

Wer hat nicht »tausend und eine Nacht« gelesen? Wer hat nicht geträumt von türkischem Luxus, orientalischer Fülle und Pracht? und der mageren Traumgestalt des Schätze tragenden Kamels? Wer hat nicht vom nutzbringenden Hausfreunde des Orientalen, dem fleißigen Langohr gehört? Alles dieses findet der Leser vereinigt in einigen mit Holz und Tüchern bedeckten Straßen von Smyrna, welche die Moslemin Bazar nennen. Als ich mich das erste Mal in diesen langen, hohen, vor der Sonnenhitze geschützten Straßen befand, glaubte ich zu träumen. Alles wogt in bunten Farben und mit dem verwirrendsten Geschrei durcheinander. Auge, Ohr und Nase werden auf einmal in Anspruch genommen, und es braucht lange Zeit, bis man anfängt sich zurecht zu finden; und noch dann verwischt ein Bild das Andere, so daß es mir außerordentlich schwer wird, den Eindruck, den das Ganze auf mich machte, wieder zu geben. -- Der Bazar befindet sich zwischen der Türken- und der Frankenstadt. Er nimmt einen großen Raum ein und seine Gassen kreuzen sich nach allen Richtungen. Inmitten derselben befinden sich auf kleinen Plätzen Moscheen, Baumgruppen mit marmornen Brunnen und öffentliche Badeorte, wodurch bei der unendlichen Anzahl von Buden eine angenehme und malerische Abwechslung hervorgebracht wird. Daß sich diese öffentlichen Gebäude im Mittelpunkt der Kaufwelt befinden, hat darin seinen Grund, daß der Bazar das Leben der Stadt, ja der ganzen Provinz vereinigt. So leer die Gassen der eigentlichen Türkenstadt sind, so überfüllt sind diese Räume. Alle Geschäfte werden hier abgeschlossen, alle Wünsche hier befriedigt. Die Sendboten der entfernten Gegenden sind die genügsamen Kamele, welche unter immerwährendem Läuten der Glocken an ihrem Halse, gewöhnlich zu fünfen hinter einander angebunden, schwer bepackt die Straßen durchziehen; den nöthigen Raum um die Menge zu durchschreiten, verschafft ihnen das Geschrei des mohammedanischen Treibers, welcher, im buntesten Kostüme seinen Tschibuk rauchend, auf einem kleinen Esel die Spitze der Caravane bildet. Oft ist man genöthigt, sich vor einem solchen Zuge in die Buden zu flüchten. Die meisten der Letzteren befinden sich in hölzernen Räumen, welche sich an einander reihen und auf deren oberem Theile sich das Dach stufenweise von einer Seite zur andern aufbaut. Das Gebälke ist überall sichtbar und hat die Naturfarbe. Gegen die Gasse zu befinden sich große breite Oeffnungen, wie bei unsern Jahrmarkt-Buden, nur in einem viel größeren Maßstabe. Der eine Theil derselben erstreckt sich bis auf den Boden und bildet hierdurch die Thüre, welche eine Stufe von der Erde trennt. Vor dem andern Theile befindet sich ein langer kistenartiger Auslagetisch, auf welchem zwischen den aufgeschichteten Waaren gewöhnlich der Mohammedaner mit untergeschlagenen Beinen sitzt, pathetisch seine Nargilé raucht und seinen Kaffee aus kleinem Schälchen schlürft. Den regelmäßig edel gebauten Kopf desselben umgiebt ein aus langen Tüchern graziös gewundener Turban; von dem Kinn wallt der mächtige Bart auf den geöffneten pelzverbrämten Kaftan; die Beine bekleiden bis zu den Knien weite faltenreiche Hosen; der untere Theil ist bei den ärmeren Leuten gewöhnlich entblößt, bei den reicheren mit weißen Strümpfen bedeckt. An den Füßen tragen sie schwarze Schuhe, oder in gebogene Spitzen auslaufende gelbe Pantoffeln. Der Eindruck, den ein Mohammedaner im alten Kostüme, vom Aermsten bis zum Reichsten macht, ist würdevoll und malerisch. -- Die Oeffnung der Kaufläden umgeben hölzerne Stangen, an welchen die Waaren im buntesten Gewirre hängen; die schönsten sind die, in welchen man türkische Stoffe, Teppiche und Kleidungsstücke verkauft. Wir traten in mehrere derselben ein und ergötzten uns an der Ruhe und Unbeweglichkeit, welche die Türken während dem Verkaufe beibehalten. Sie haben ein edles Vertrauen in die Ehrlichkeit des Käufers, während die griechischen Kaufleute von einer außerordentlichen Beweglichkeit und Geschwätzigkeit sind, und schlau jede Bewegung des Käufers mit ihren dunkeln, verschmitzten Augen verfolgen. Die Teppiche, deren wir mehrere kauften, sind meist aus Persien und zeichnen sich durch Frische der Farben und schöne Zeichnung aus; die Weichheit und Wärme derselben ist bekannt.

Kleiderstoffe und Echarpen werden gewöhnlich in einer Fabrik in Brussa verfertigt; sie sind sehr fein und schmiegsam. Der Preis derselben ist außerordentlich niedrig; nur anfangs erschraken wir über die großen Summen von Piastern, welche die Türken für jeden Gegenstand fordern; bald waren wir jedoch hierüber aufgeklärt, indem wir erfuhren, daß zehn dieser Piaster nur 1 Gulden in Conventionsmünze ausmachen.

Eine besonders schöne Auswahl und geschmackvolle Farbenpracht findet man in gestickten Stoffen, welche für Pantoffeln, Kappen, Kissen und Beutel verwendet werden. Eine feine gelbe Seide, mit goldenen Fäden untermischt, giebt ihnen einen lebhaften Schimmer, welcher gegen den schwarzen, rothen oder blauen Grund sehr gut contrastirt. Erst von den Kaufläden aus hatten wir etwas mehr Muße, das Getreibe um uns in den Straßen zu betrachten. Türken, Griechen, Armenier und Juden umwogten uns. -- Die Letzteren stachen gewaltig durch ihren geistreichen, schlauen Ausdruck hervor, welcher zu den gutmüthigen Türken in lebhaftem Gegensatze steht, besonders da beide Nationen fast ein und dasselbe Kostüme tragen. Zwischen dem männlichen Volke erschienen die Frauen der Türken, Stirn, Aug' und Nase mit schwarzem Flor umhüllt, der, wie man mir sagte, mit dem Alter immer undurchsichtiger wird. Von dem Kopfe um das Kinn und den Leib schlingt sich ein weißes Tuch; unter demselben erscheinen beim Knöchel blaue weite Beinkleider, welche in gelben oder violetten Pantoffeln enden. Den Frauen folgen gewöhnlich schwarze Sclavinnen, welche sich nur in ein weißes Tuch hüllen und ihre dicken aufgeschwollenen Gesichtszüge den Blicken der Männer Preis geben. Zu den merkwürdigsten Erscheinungen der Bazarwelt gehören die berühmten türkischen Lastträger. Diese Leute haben ein matratzenartiges Kissen über Rücken und Schultern, auf welchem sie in vorgebeugter Stellung Lasten von fünf Zentnern tragen. Man sagte uns, daß einer auf diese Art ein ganzes Clavier trage. Professor G. begegnete einem, welcher eine complete Hauseinrichtung fortschleppte. Auch zu vieren tragen sie an schweren Stangen kreuzweise außerordentliche Lasten. Oefters trafen wir auf Mohammedaner mit grünem Turban, was besonders gut aussieht; es sind dies Abkömmlinge des Propheten, die jetzt Melonen und Feigen in den Straßen Smyrna's verkaufen; so steigen und sinken die irdischen Größen. --

Wir unternahmen eine vollkommene Entdeckungsreise in die verschiedenen Theile des Bazars. Das erste, was uns auffiel, waren die Vegetabilien, welche hier verkauft werden. Ganze Berge von Melonen häufen sich auf den Straßen, tausende von Schachteln mit Feigen gefüllt, welche die Muselmänner mit dem Daumen kneten, sind für die europäischen Leckermäuler aufgeschichtet. Lager von herrlichen Sultanatrauben, breite Kuchen von Honig und Mehl, alles dies lockt das Auge des Hungrigen an, und bringt gar manchen Piaster zu Tage. Eigenthümlich sind eine Art Restaurateurs, welche in ihren Boutiquen zwei aufrecht stehende Spieße immerwährend drehen. An dem einen derselben befinden sich aneinander gepreßte glühende Kohlen in Säulenform, an dem andern sind hunderte von Fleischstückchen aufgespießt; durch diese zwei beweglichen Colonnen wird das Hammelfleisch für die Moslemin gebraten.

Einige der Bazarstraßen sind mit Juwelieren gefüllt, bei welchen man die schönsten gravirten Steine findet. Ich kaufte mir einige derselben, unter andern einen Talisman, in dem ich mir aber meinen eigenen Namen in türkischen Lettern von einem Mohammedaner in der Nähe einer Moschee einstechen ließ.

Diese kunstreichen Arbeiten werden mitten unter dem Volke in freier Luft gemacht. In den Straßen der Juweliere erfreuten wir uns an einem Zuge türkischer Ehrlichkeit. Fürst J. sah in einem gläsernen Kasten einen silbernen Ring mit grünem Talisman; ihn lockte die Form des Geschmeides, und er gedachte es zu kaufen. Der Besitzer des Ringes war jedoch nicht gegenwärtig. Da kamen die Nachbarn, erbrachen den Kasten und gaben einen Preis an. Der Fürst fand ihn zu hoch, man kam ins Handeln, worauf der Kauf ohne Beisein des Herrn abgeschlossen wurde. Auf dem Wiener Kohlmarkte könnte man sich auf diese Art nicht helfen; gleich würde die Sicherheitswache herbeieilen und über Diebe und Räuber schreien; nur in barbarischen und uncivilisirten Ländern ist so etwas möglich.

Wir mußten sehr lachen, inmitten dieses Geschreies Lärmens und lebhaften Treibens auch eine Schule anzutreffen, welche sich ebenfalls in einem Kaufladen befindet, indem die Schullehrer einen Handel mit der Gelehrsamkeit treiben; doch muß die mohammedanische Jugend viel fleißiger sein, als die unsere, da sie in dem Mittelpunkt des Weltgebrauses koranfest wird. Das Geschrei, welches dem Munde der Jugend entfuhr, war außerordentlich; vielleicht, daß sie auf diese Art die Zerstreuungen der Welt zu übertönen suchen.

Besonders reizend in dem Bazar ist es, wenn der Blick durch die langen, gedeckten, bunt ausstaffirten Räume schweift und am Ende auf einem, von Bäumen beschatteten Plätzchen ausruht, welches der Centralpunkt von vier bis fünf Straßen ist. Einzelne Strahlen der Sonne und blaue Himmelsblicke dringen in diese Lichtungen ein und erhöhen den orientalischen Farbencontrast; doch neugierig späht wieder das Auge unter die Bretterdächer und blickt in das Halbdunkel der sich öffnenden Straßen; überhaupt finden sich die schönsten Farbeneffekte und Wechsel von Licht und Schatten in diesen südlichen Regionen; vom Kleide des Menschen bis zur Wolke am Himmel zeichnet sich alles kräftig und lebendig, und darum findet hier der Maler ein dankbares und doch schweres Feld für seine Kunst; denn nur wenige Bilder habe ich in Europa gesehen, welche den Ausdruck des orientalischen Lebens wahr wieder geben; die wenigen aber, in denen dies gelungen ist werden leicht als übertrieben gescholten.

Aus dem Bazar geriethen wir durch ein Seitengäßchen auf einen Lagerplatz der Kamele. Ein höchst merkwürdiger Anblick, 40 bis 50 dieser Thiere in den verschiedensten Gruppen beisammen zu sehen. Ihre gelbe Erdfarbe vermischte sich geisterhaft mit dem unebenen Boden, auf welchem sie lagerten. Der Raum war von verfallenen schmutzigen Häusern umstellt. Viele ganz junge Thiere schritten pathetisch unter den erwachsenen umher, und komisch war es, wie diese höchstens vier Schuh hohen Kleinen auf ihren langen, mageren Stelzfüßen, sich an ihre großen, unförmlichen Mütter anschmiegten. Einige unserer Begleiter holten eines dieser Jungen aus dem Thierknäuel heraus, so daß wir es ganz in der Nähe besehen konnten. Es hatte einen höchst gutmüthigen Ausdruck und ließ ruhig Alles über sich ergehen; dagegen schoß uns die Mutter wüthende, unheimliche Blicke zu. Die Kamele, deren gegen 10,000 sich in Smyrna und seiner Umgebung befinden sollen, werden aus der Krimm gebracht, wo sich bedeutende Gestüte befinden. Die Höhe dieser Thiere ist sieben Fuß, die Länge vom Kopf bis zum Schweif mag gegen acht Fuß betragen. Der Leib ist erdfarb, zeigt das ganze Knochensystem und ist mit einer dicken räudigen Haut mit sehr wenigen Haaren bedeckt. Zum Reiten werden im Oriente nur die Dromedare benützt, deren es in Smyrna keine giebt. Die Kamele werden nur zum Lasttragen gebraucht. Ihr hoher Höcker wird mit einer Decke umhüllt, an welcher rechts und links große mit Riemen befestigte Körbe herabhängen. Hier werden diese Thiere mit einem getrockneten Brei von schlechtem Mehl und Wasser genährt. Als wir unser Gefallen an der possierlichen Kameljugend dem Dragoman des Pascha's ausdrückten, versicherte er uns, Seine Hoheit Halil Pascha würde uns eins derselben verehren. Einige der Reisegefährten fanden dieses Anerbieten sehr hübsch und den Transport des Thieres auf dem Dampfschiffe sehr leicht ausführbar, die Mehrzahl sträubte sich jedoch dagegen. -- Nach dieser Episode kehrten wir wieder auf den Bazar zurück, um unsere mannigfachen Einkäufe der türkischen Landesprodukte fortzusetzen; ein immer neues Interesse fanden wir an den wechselnden Bildern, welche sich auf einem türkischen Bazar dem Blicke des Beschauers darbieten.

Ein türkisches Bad.

Aus den Moscheen und dem bunten Gewimmel des Bazars begaben wir uns zu dem für uns in Bereitschaft gesetzten Badehause. Dasselbe liegt im Bazar und ist in Kuppelform gebaut, mit einfachen türkischen Verzierungen. Vor dem Eingange befindet sich eine Terrasse, wie bei den Moscheen. Sie war von einer großen Menschenmenge im buntesten Kostüme umringt, welche vermuthlich durch eine Compagnie tückischer Militärs angezogen wurde, die uns zu Ehren vor dem Badehause Wache hielt.

Wir traten etwas befangen in den echt orientalischen Raum; er befindet sich unmittelbar vor dem Badelokal und dient zur Entkleidung. Das Gemach endet in einer schön gewölbten Kuppel; an den Wänden laufen steinerne Ruhebänke herum, welche bestimmt sind den Muselmännern bei den Vorbereitungen zum Bade zu dienen. Ueber denselben sind hölzerne Stangen angebracht, die, wenn man einzelne Abtheilungen zu haben wünscht, mit Wollzeugen überhängt werden. Dem Eingange gegenüber befindet sich ein Empor mit Divans, welches höher gestellten Personen dient. Dasselbe war heute zu unserem Gebrauch mit den herrlichsten orientalischen Stoffen geschmückt. Goldgestickte Polster, Cachemirs, leichte Baumwollzeuge wechselten in den buntesten Farben, und ihre Gruppirung zeigte den lebhaften, graziösen, türkischen Geschmack. Weiche, elastische Teppiche aus Persien waren zur Wahrung des entkleideten Fußes über die marmornen Steinplatten ausgebreitet. An den Stufen des Empors erhebt sich ein Becken, aus dessen oberer Abtheilung ein in elf Strahlen getheilter Springbrunnen das klarste, kühlendste Wasser unter lieblichem Geräusch in den Marmor wirft. An dem Rande des Beckens dufteten die schönsten Blumensträuße mit südlicher, balsamischer Kraft. Der Gouverneur Halil Pascha hatte sie gleich den übrigen luxuriösen Einrichtungen geschickt. Es war ein echtes Bild türkischer Sinnenblendung, ein liebliches Durcheinander, welches doch einen inneren reizenden Einklang hatte. Das Gemach war mit Dienern Halils, welche die kostbarsten Pfeifen und Nargilés bereit hielten, und mit gewöhnlichen Badedienern gefüllt. Man mußte an die Beschreibungen aus Tausend und eine Nacht denken, welche man in unseren Gegenden für übertrieben hält, während sie mehr Wirklichkeit als Traum sind. Man gab uns fortwährend Winke, auf die Divans zu steigen und uns zum Bade zu entkleiden. Ich genirte mich gewaltig, meine Toilette =coram publico= zu machen und mußte mich auch erst etwas an diese lebhaften Eindrücke gewöhnen. Daher fing ich damit an, mich nur auf dem Divan niederzulassen und den vortrefflichen Taback des Paschas aus den reichen Pfeifen zu schmauchen. Diese Rauchapparate kosten, wie man uns sagte, zwischen 1000 und 3000 Gulden. Die Mundstücke sind aus eiergroßem Bernstein, mit funkelnden Diamanten besetzt. Während dieser Zeit versammelte sich unsre ganze Reisegesellschaft, welche noch auf dem Bazar mit Einkäufen beschäftigt gewesen war. Zum Bade entschlossen sich nur Baron K., mein Bruder und ich. Die übrige Gesellschaft war befangen und fürchtete sich vor der Hitze, welche bei einer solchen orientalischen Körper-Reinigung herrschen soll. Alles was nicht Theil nahm, begab sich nun auf die vor dem Badehause befindliche Terrasse, schmauchend und Scherbet trinkend. Mein Princip ist es, auf Reisen Alles mitzumachen, was das Land eigenthümliches bietet, da man ja um zu sehen und um zu lernen reist. Auf dem Divan kam mir die Toilette lächerlich vor, daher begab ich mich mit meinem Kammerdiener und dem mir zugetheilten Bade-Famulus in das erste Vorbereitungsgemach. Beängstigt trat ich ein und wurde von einem Schwall von feuchter Hitze fast erstickt. Zu meiner Beruhigung fand ich Baron K. schon in seinem Badekostüme postirt. Ich entkleidete mich, und die dienenden Muselmänner schlangen mir um die Lenden eine weiche Baumwollbinde und behingen mich mit einem weißen Mantel aus gleichem Stoffe. An die Füße erhielt ich erhöhte Sandalen, die vor dem auf dem Marmor befindlichen Wasser schützen sollen. Ich wurde hierauf auf einem mit Kissen belegten Stein-Divan installirt, und man reichte mir eine Pfeife. Nun hatte ich Gelegenheit das Gemach zu betrachten. Es war von Stein und hatte die Form eines länglichen nicht sehr großen Rechteckes. Längs der Wände waren ebenfalls Ruhebänke angebracht. Den Boden bedeckte eine halbe Zoll hohe Fluth von Wasser, welche, da die Hitze von unten kommt, der Luft einen so hohen Grad von Feuchtigkeit giebt. Kaum war ich in Transpiration, so begann die Arbeit der Badediener. In diesem Vorbereitungszimmer kneten sie den Körper, um ihn in stärkeren Schweiß zu bringen. Es schien hiebei magnetischer Einfluß vorhanden zu sein; auch spricht die äußere Erscheinung dieser Männer sehr für diese Behauptung. Es sind meist junge Leute mit unendlich tiefen, schwarzen Augen, welche im ersten Augenblicke einen nichtssagenden Eindruck machen; das innere Auge ist aber schwärmerisch, melancholisch, und diesen ihren tiefen Blick heften sie unverwandt und starr auf das Opfer, welches sie unter ihren Händen haben. Ihre Gesichtsfarbe ist fein, aber gelblich fahl; es fehlt ihnen jene jugendliche Frische, die ihnen das Leben in der nassen Hitze nimmt. Ihre Gesichtsform ist wie bei allen Muselmännern, lang und eckig. Um den fein geschnittenen, meist geschlossenen Mund, spielt oftmals ein wehmüthig spöttisches Lächeln, das wohl hauptsächlich uns Europäern gegolten haben mag, die wir uns in diese türkischen Gebräuche gewiß recht unbeholfen geschickt haben. Ihre Gestalt ist schlank und schmächtig, die Hände sind durch das Kneten auffallend ausgebildet; die Haare tragen sie, nach mohammedanischer Sitte gegen vorn zu, kurz geschoren. Ihre Bekleidung ist außerordentlich einfach: gleich den Badenden tragen sie um die Lenden blaugraue mit rothen Streifen versehene Wolltücher, auf den Schultern hängt der weiße Mantel und auf dem Kopfe haben sie weiße anliegende Käppchen. Als die Transpiration, während welcher wir immer liegend rauchten und mit Kaffee bewirthet wurden, durch das Kneten und die ungeheuere Hitze den gehörigen Höhepunkt erreicht hatte, legte man uns wieder die Sandalen an die Füße und wir wurden nun, von der türkischen Bedienung gestützt, in das dritte, das Hauptlokal geführt. Unsere europäische Bedienung ließen wir, da sie uns jetzt nichts mehr nützte, in dem früheren Gemache zurück. Die armen Leute, welche ihre Kleidung nicht so leicht einrichten konnten, waren fast vor Hitze vergangen. Die Temperatur in diesem dritten Gemache aber glaubten wir kaum aushalten zu können; doch einmal schon so weit gekommen, wollten wir das Ganze aus Neugierde überstehen. Wir klapperten mit den Sandalen auf dem feuchten Boden muthig vorwärts. Dieser Saal ist wieder von einer großen, kühn gewölbten Kuppel gekrönt. In der Mitte befindet sich eine runde Erhöhung des Fußbodens; sie beträgt nur ungefähr 2 Schuh und dient als Ruheplatz. An vier Punkten der runden Wand sind kleine Bade-Cabinette errichtet; die Wände derselben bilden gegen den Mittelpunkt des Hauptgemaches zu schiefe Winkel, welche mit kleinen Eingangsbögen endigen: sie dienen nur zur Absonderung; denn gleich spanischen Wänden beträgt ihre Höhe höchstens 1½ Klafter. Der obere Theil ist gegen die Kuppel offen. Wir wurden nun jeder in ein solches Cabinet geführt. Im Inneren desselben befand sich eine hölzerne Pritsche und zwei Hähne für warmes und kaltes Wasser, welche in ein Marmorbecken mündeten. Die steinerne Wand war mit tausenden von Schwaben tapeziert, welche aber bei der menschlichen Annäherung, Gott sei Dank, flohen. Mein Badediener nahm mir den Mantel ab, nachdem er sich auch des seinigen entledigt hatte; ich mußte mich auf die Pritsche ausstrecken, worauf er meine Glieder mit einer blauen weichen Bürste tüchtig rieb. Nachdem er das einige Zeit so fortgetrieben hatte, nahm er ein großes Bündel aus Aloefasern, erzeugte in demselben, mittelst warmen Wassers und Seife, eine große Menge weißen Schaumes, deutete mir mit Zeichen an, die Augen zu schließen und übergoß mich nun wiederholt vom Wirbel bis zur Zehe, indem er immer den Schaum mit heißem Wasser wegspülte. Während dieser Operationen, reichte er mir mit indolenten Gebärden ganz vortreffliche Scherbet-Limonade, welche in diesem furchtbaren Dunst sehr erfrischend wirkte. Bei diesem Reinigungsvorgang kamen die Dragomanen öfter zu den kleinen Cabinetten, um nach unserem Befinden zu fragen. Mehrmals wiederholten sie, ob wir das Bad gänzlich nach türkischer Sitte nehmen wollten? Ich versicherte sie fortwährend, daß es unser Wunsch sei, und ließ daher alles lautlos über mich ergehen. Als der Badediener mich für gehörig gereinigt hielt, schlang er mir ein weißes Linnentuch turbanartig um die feuchten Haare, machte mir durch Zeichen begreiflich, aufzustehen, warf mir den Mantel um die Schulter, reichte mir die Sandalen und führte mich nun in das allererste Gemach, wo die erhöhten Divans zeltartig mit weißen Baumwollstoffen umgeben waren, um uns den Blicken der Neugierigen zu entziehen. Carl und ich streckten uns auf die schwellenden Kissen, ließen uns mit goldgestickten Tüchern behängen und sollten uns nun nach der ungewöhnlichen Transpiration etwas abkühlen. Man reichte uns Pfeifen, Kaffee, Scherbet und vortreffliches Wasser. Die Badediener knieten an unserer Seite, uns knetend und bedienend. Das Ganze war stattlich und gab uns ein recht lebhaftes Bild von orientalischer Ueppigkeit. Unsere übrigen Reisegesellschafter besuchten uns zuweilen und lachten über unser türkisches Aussehen. -- Da die Transpiration nicht aufhören wollte und wir dem Besuch des Pascha auf unserem Schiffe entgegen sahen, so zogen wir uns an und verließen triefend das Badehaus. Ich könnte nicht sagen, daß das Bad eine angenehme Wirkung auf mich gemacht hätte; man schwitzt so fürchterlich und kommt in eine beängstigende Unruhe und Mattigkeit; für faule Mohammedaner, die nach einer solchen Operation Stunden und Stunden im =dolce far niente= zubringen, ihren Taback schmauchend und den Kaffee in langen Zügen schlürfend, mag es recht gut sein.

Ein Morgen beim Pascha von Smyrna.