Mein buntes Buch: Naturschilderungen

Part 7

Chapter 73,598 wordsPublic domain

Immer noch begleitet fertiger Torf, geringelt oder aufgemietet, den Damm. Hinter dem allerletzten Hause, neben dem hohe Sonnenblumen eine fremde Farbe in das Land bringen, hört er dann auf. Noch einige Kleewiesen grünen, eine Roggenstoppel schimmert goldig, reifender Buchweizen schiebt sich bis an den Weg, durchsetzt mit den hohen, rosenroten Blütenrispen des Weidenröschens, und dann ist hier nichts als Moorhalm und Moorhalm und Moorhalm, dichtstehend, als habe Menschenhand ihn gesät.

Braune Lieschgrasfalter tanzen über den Weg, Trauermäntel spielen um die Stämme der Birken, Libellen flirren dahin, Sandkäfer blitzen auf. Stumm flattert ein bräunlicher Vogel von dem alten Wurzelknorren davon; der Steinschmätzer ist es, silbern leuchtet sein Schwanzgrund. Über dem alten Abstiche rüttelt der Turmfalk, auf eine Maus lauernd. In der Ferne schaukelt eine helle Weihe langsam dahin.

Die braunen Moorhalme machen der rosenroten Heide Platz. Stärker wird das Geläute der Bienen. Überall flattern winzige blaue und ab und zu auch ein goldroter Falter. Rundherum geigen die Grillen, zirpen die Moormännchen. Dann und wann flattert ein weißer Schmetterling dahin. Der Schrei einer dahinstreichenden Krähe sticht hart ab von den vielen kleinen, zu einer großen eintönigen Weise verbundenen Stimmen.

Zur Linken, wo der Handweiser steht, führt ein Querdamm. Hinter ihm ist die ganze Fläche von einem einzigen, grellleuchtenden Rosenschein erfüllt. So rot blüht die Heide nicht, und so hoch bollwerkt sie nicht. Weidenröschen sind es, Millionen, die das Moor bedecken und in Zauberfarben hüllen. Es sieht aus als wäre das Morgenrot auf den Boden gefallen und dort liegengeblieben. Ein einziges himbeerrotes Blumenbeet ist die weite Fläche.

Denn da war im vorigen Jahre der große Brand, der von Pfingsten bis in den Winter hinein währte. Dreihundert Morgen Moor verkohlten bis auf den Sandgrund. Alle Arbeit war vergebens; es währte weiter, brannte noch unter dem ersten Schnee langsam fort. Die Menschen konnten nur dafür sorgen, daß das Feuer den Damm nicht übersprang; dann wäre bei der Trockenheit das gesamte Moor ausgebrannt, und aus wäre es gewesen mit der blühenden Torfindustrie in der ganzen Gegend.

Endlich erstickten Regen, Schnee und Frost den Brand, der ein halbes Jahr gewütet hatte. Auf die schwarze Torfkohle und die gelbe Asche flogen, vom Winde getrieben, die wolligen Samen des Weidenröschens von allen Seiten, klebten dort fest und warteten, bis es Frühling wurde. Dann keimten sie und bedeckten den schwarzen, gelbgefleckten Brandplan mit frischem Grün. Als es dann Sommer war, sprossen daraus lange Rispen, ganz mit rosigen Knospen bedeckt. Die sprangen dann auf und da, wo es im Jahre vorher rot flackerte und weiß qualmte und dann schwarz starrte, blüht und glüht und leuchtet es nun von morgenrotfarbigen Blumen.

Wunderschön sieht das aus, doch der Bauer, der uns begegnet, blickt mit bösen Augen danach hin. Milliarden von weißflockigen Samenkörnchen wird der Herbstwind über das Moor führen und da abladen, wo später Hafer und Buchweizen wachsen soll; das wird ein schlimmes Dreschen werden, wenn sich die Samenwolle in das Getriebe der Maschinen setzt und ihr Staub die Lungen der Menschen erfüllt, daß sie vor Atemnot bei der Arbeit umfallen. Schon hat hier und da eine Staude die roten Blumen in weiße Flocken verwandelt, dort hinten sieht eine ganze Fläche aus, als läge Schnee darauf, und bald wird das ganze weite, breite, rosige Blumengefilde ein weißes Feld sein, und hinterher wird ringsherum das Moor silbern schimmern von den verwehten Samenfederchen.

Noch aber blüht es in rosiger Pracht über der schwarzen, von Algenanflug und Jungmoos seltsam und unheimlich gefärbten Fläche. Gespenstig starrt dort ein hoher, verkohlter Baumstrunk in die Luft, von dem der Raubwürger Umschau hält und mit klirrendem Warnruf weiterstreicht, wie wir ihm uns nähern. Das aber, was da schwarz und steif wie ein verbrannter Stamm das große rosige Blumenbeet überschneidet, ist der Schäfer, der da, auf seinen Stab gelehnt, steht und strickt. Neben ihm liegt sein gelber Hund und die Schnucken weiden die junge Heide ab, die zwischen den verkohlten Stengeln ausgeschlagen ist.

Schlimm hat das Feuer gewütet. Der Damm ist bestreut mit armdicken, verkohlten Knüppeln, den Resten der in langer Arbeit hergestellten Befestigung der Moorstraße. Daneben steht ein verkohlter Stuken bei dem andern. Bis auf den Sand, auf dem der von dem Torfmoose begrabene Wald stand, ist der Torf ausgebrannt, so daß die Sümpfe nach jahrhundertelanger Verborgenheit wieder zutage traten. Drei Jahrzehnte wird es dauern, ehe hier wieder abbaufähiger Torf gewachsen ist. Der zarte grüne Anflug, der den schwarzen Grus und die gelbe Asche überzieht, ist der Anfang dazu. In einigen Jahren werden hier zwischen den Binsen und dem Wollgrase die hellen Torfmoospolster schwellen, nach unten absterben, nach oben weiterwachsen, und langsam zu einem einzigen großen, nassen Kissen zusammenquellen.

Hier in den alten Abstichen wächst der Torf schon wieder. In dem einen schwimmen, von den goldgelben Lippenblüten des Wasserschlauchs überragt, dichte Torfmoosballen. Der andere daneben ist ganz ausgefüllt von den saftiggrünen Blättern und den breiten weißen Löffelblumen des Schweineohrs. Was vermodert und zu Boden sinkt, wird erst Schlamm und dann Torf, und darauf wächst das Torfmoos, bis es den Rand des Kolkes erreicht hat, über ihn hinausquillt und immer höher wächst, die Binsen und das Risch an seinen Ufern überwuchert und höher und weiter wächst, und sich mit den benachbarten Torfmoospolstern vereinigt. Wo man jetzt trockenen Fußes geht, da wird es dann feucht und unwegsam, und je höher das Moor wächst, um so nasser und tiefer wird es werden. Da, wo jetzt das goldrot in der Sonne leuchtende Reh durch die rosenroten Blumen zieht, wird der Brachvogel stelzen und die Heerschnepfe brüten, und wo sich jetzt in dem Brandgrus das Birkwild badet, wird die Ente einfallen und im Mai wird dort, wo heute eine rote Rispe neben der anderen steht, das Wollgras das Moor mit dichten weißen Flocken bedecken, daß es wie überschneit aussieht.

Dann, nach Jahrzehnten, wird der Torf wieder reif sein, und die Bauern werden ihn stechen, ringeln, in Mieten häufen und, wenn es dürr genug ist, einfahren, wenn nicht, wie im letzten Sommer, wieder Feuer auskommt und alles hier eine rote Glut unter dem Boden und ein weißer Rauch über ihm ist, denn ein brennend fortgeworfenes Streichholz genügt schon, um das trockene Gras zum Brennen und das Moor zum Glimmen zu bringen. Unter dem Heidkraut glüht der Brand dann in aller Heimlichkeit weiter, frißt und frißt und wächst und wächst, bis er so groß ist, daß an kein Löschen mehr zu denken ist und dem Menschen nichts mehr übrigbleibt als dafür zu sorgen, daß es nicht das meilenbreite Moor verzehrt.

Die Strahlen der Abendsonne fallen auf das große Blumenbeet; herrlicher als zuvor prangt es, und glüht und leuchtet und verschwimmt, als wolle es sich von dem Boden losreißen, gen Himmel steigen und als Abendröte mit den Wolken verschmelzen. Und dabei ist es ein rosenrotes Leichentuch, das die Stätte bedeckt, wo die Birkhenne auf dem Nest verbrannte und das Rehkitz in die unterirdische Glut fiel und verkohlte, und um das herum die Bauern standen mit schwarzen, von Schweiß mit Striemen durchzogenen Gesichtern und rußigen Händen, mit bitteren Mienen in den Rauch starrten, aufseufzten und dann wieder darangingen, dem Brande zu wehren, damit er nicht weiterfräße und über das Jahr, soweit man sehen kann, alles ein einziges, wunderbares, rosenrotes Leichentuch sei.

Der Quellbrink.

Oben auf dem Kopfe des Heidberges herrschen Magerkeit und Dürre.

Zwei alte, hohe, krummgewachsene Föhren stehen dort, ein halbes Dutzend schiefer Birken und eine Menge spitzer oder krauser, alter und junger Machandeln.

Wo nicht der gelbe, an buntem Geschiebe überreiche Sand zutage tritt, bedeckt der Schafschwingel mit bläulichgrünen Borsten den Boden oder andere büschelige Gräser, brechdürres silbergraues Renntiermoos und sparsam blühendes, von den Schnucken niedriggehaltenes Heidkraut.

Selbst wenn es tagelang geregnet hat und der Wind streicht hinterher nur einige Stunden über den Heidberg, sieht es da so dürr und so trocken aus wie vordem. Doch die kräftigen Eichen, die beiden mächtigen Buchen und die stattlichen Fichten, die den an der Flanke des Hügels gelegenen alten Schafkoben beschützen, beweisen, daß der Berg nicht so wasserarm ist, wie es den Anschein hat, und einige hundert Schritte davon sieht es schon anders aus.

Da ist die Heide kniehoch und mit Doppheide gemischt, und zwischen den runden Bülten zeigen sich kleinere und größere, nackte, schmierige Flächen schwarzbraunen Moorbodens. Stellenweise macht die Heide dem Wollgrase und dem Moorhalme Platz, ist immer mehr mit Torfmoos durchflochten, wird immer nasser, bis sie schließlich hinter den hohen Wacholdern, krummen Birken und krüppelhaften Föhren zu einem einzigen großen Quellbrinke wird, auf dem es überall quillt und träufelt und rieselt und fließt von dem klarsten Wasser.

Hier steht eine alte, windschiefe Eiche mit wunderlich gebogenem Gezweige. Unter ihren seltsam gestalteten knorrigen, dicht mit den Wedeln des Engelsüß bedeckten Tagwurzeln trieft und tröpfelt es unablässig und bildet einen schmalen Wasserfaden, der sich hier mit einem anderen vereinigt, der zwischen einem hohen, ulkig geformten Machandel und einer putzigen, krummen Fichte hervorkommt, und der bei der alten, dicken, wie eine riesige Harfe aussehenden Hängebirke zwei andere aufnimmt und mit ihnen zusammen einen kleinen, tief in das Torfmoos eingeschnittenen, vielfach gekrümmten Wasserlauf bildet, der in einem Quellbecken mit schöngeschwungener Borde endigt.

So klein dieser Tümpel ist, so reizend ist er. An dem einen Ufer faßt ihn hellgrünes, an dem anderen goldgelbes, blutrot gemustertes Torfmoos ein. Seine Ränder sind ganz dicht mit den lichtgrünen spitzen Blättern des Beinheils besäumt, das mit grünlichgelben, kupferrot angelaufenen Fruchtrispen geschmückt ist. Die Einschnitte des Beckens, die von den eindringenden Wasserfäden gebildet sind, füllen die purpurnen, silbern glitzernden Blattbüschel des großen Sonnentaues aus. Auf dem weißen Sande, der den Boden des Beckens bildet und in dem es an einigen Stellen fortwährend quillt und wühlt, schlängeln sich wie große Würmer die schwarzgrünen oder rostroten Ranken des Quellmooses.

In der Mitte des Quellkumpes hat sich aus dem Stumpfe einer alten Eiche eine hohe, runde, aus blutrotem, am Rande goldgrünem und gelbem Torfmoose gewachsene Insel gebildet, in deren Mitte ein hoher, spitzer Fubusch wächst, dessen harte, dornige Blätter das Sonnenlicht in silbernen Blitzen zurückgeben. Das Torfmooskissen unter ihm ist von der Moosbeere durchflochten, aus deren zierlichem Laube die roten Beeren hervorfunkeln. Hohe, bleiche Simsen mit silberigen Blüten heben sich von dem starren Blattwerke des stolzen Strauches wirksam ab und ein großer Fliegenpilz lodert davor, wie eine glühende Flamme.

Alte Machandeln umgeben im Kreise die Quelle, als hüteten sie ein Geheimnis. Einige davon bestehen aus einem einzigen Stamme, der in einem spitzen Wipfel oder in eine runde Krone ausläuft, andere sind aus vielen, auf gespenstige Weise verreckten Stämmen gebildet, oder auf putzige Art verbogen und in ulkiger Weise gestaltet. Zwischen ihnen wuchert das Torfmoos in fußhohen, nassen Polstern, von der Doppheide überragt, die dort, wo es trockener ist, der Sandheide Platz machen muß, die sich hier zu drei Fuß hohen Sträuchern entwickelt hat, um deren reiche Blütenfülle es von Bienen summt und brummt, zwischen denen hier und da ein zierlicher blauer Falter flattert.

Aus der Quelle quält sich ein schmales Wässerchen unter dem Mooskissen her, bekommt von allen Seiten Zulauf und bildet bald darauf wieder ein Becken, in dessen Sandgrunde es heftig wogt und wirbelt und dessen bleichgelbe und blutrot gesprenkelte Moosufer von zwei herrlichen großen Königsfarnen beschattet werden, zwischen denen sich ein putzwunderlich gewachsener Schneeballstrauch mit rot angelaufenen Blättern und scharlachfarbigen Beeren hervorwindet, und unter ihm ein Faulbaumbusch, ganz und gar mit schwarzen blanken Früchten behangen. Vor dem Abflusse dieses Beckens wuchert die zierliche Krötenbinse und bildet ein kleines, tief blutrotes Beet auf dem nassen Sande, und mitten zwischen ihr sitzt ein knallgrüner Laubfrosch und meckert lustig, während über dem Tümpel eine große, himmelblaue Wasserjungfer auf und ab schießt und bei jeder Wendung mit den goldbraunen Flügeln laut knistert.

Unter diesem Becken steigt der Boden an, so daß das Wasser seitabwärts sich seinen Weg suchen muß. Nach der einen Seite müht es sich durch ein verworrenes Machandeldickicht hin, um, sobald die Büsche ihm Raum lassen, einen winzigen Teich mit steilen Mooswänden zu bilden, der noch von vier Seiten Zufluß bekommt. Zwischen den beiden oberen Rinnsalen liegt ein mächtiger Findelstein aus weißlichem Granit, hinter dem sich ein alter, vielverästelter Rosenbusch hervorreckt, der so dicht mit dicken scharlachroten Früchten bedeckt ist, daß das Blattwerk dazwischen fast verschwindet, und unter dem Steine sprießen die hellgrünen Wedel eines zierlichen Farns aus dem blutroten fußhohen Moospolster hervor, auf dem ein grellgestreifter Moorfrosch hockt, der ab und zu die rote Zunge nach einer Mücke oder Fliege vorschnellt, blitzschnell sich dabei umdrehend. Da diese Quelle in der vollen Sonne liegt, flirrt und flattert es von vielen goldenen und roten Schillebolden über ihrem Spiegel, der rundherum unter dem Moose von den schirmförmigen runden Blättern des Wassernabels umschlossen wird.

Der andere Wasserlauf, der aus dem oberen Becken hervortritt und sich dann im tiefen Moose verläuft, hat einstmals auch einen offenen Pump gebildet; da er aber ganz von Weidengebüsch umschlossen ist, so wuchs einmal das Moos so üppig, daß es ihn bis auf ein tiefes Wasserloch zudeckte, und dann siedelte sich das Schweineohr in ihm an und wucherte so stark, daß es ihn ganz ausfüllte, so daß nichts mehr von ihm zu sehen ist, sondern er gänzlich verschwunden ist unter dem hohen und dichten Gewirre von dicken, fleischigen Stengeln, breiten, saftigen Blättern und großen, weißen Blüten, von denen manche schon zu dicken Fruchtkolben geworden sind, deren feuerrote Giftfarbe seltsam von dem Untergrunde absticht. In diesem feuchten, kühlen Grunde lagert sich das Birkwild gern, wenn es gar zu heiß ist, und äst sich an den Früchten der Moosbeere, die die nassen Polster unter den Weidenbüschen dicht berankt hat.

Rund um das Buschwerk ist der Boden mit fußhohem Moose, Wollgras und Farnkraut bedeckt, und ist selbst im heißesten Sommer immer naß. Dann hebt er sich zu einer dicht mit Machandeln bestockten, heidwüchsigen Sandwelle, aus deren anderer Seite ein halbes Dutzend Wässerchen herausquellen, die ein weites, offenes und tiefes Becken bilden, das von der Höhe her noch drei Zuflüsse bekommt. Die Ufer dieses Pumpes sind stellenweise recht steil und tief eingeschnitten. Auf den moosigen Landzungen recken stolze Farnen ihre Wedeltrichter und in den oberen Buchten wuchern Beinheil und Sonnentau, in den unteren ein hellgrünes Laichkraut, das sich mühsam aus dem angespülten Sande hervorarbeiten muß. Am Kopfe des Beckens steht eine junge, krumme, von einem alten Gaisblattbusche halb erdrosselte Eiche, die eine Unmenge wachsgelb und hellrot gemusterter Blumenbüschel trägt, zwischen denen die Beeren wie Rubine funkeln. In dem Gewirre des Busches hat der Hänfling sein Nest, der auf dem Gipfel des hohen, spitzen Machandels, der gegenüber der Eiche auf der anderen Seite der Quelle steht, lustig schwatzt, aber nun dem Raubwürger Platz machen muß, der von da aus auf eine Maus lauert.

Die Abflüsse dieses Beckens rinnen um drei schlanke Birken her, bilden zwischen einem halben Hundert alter Machandeln ein kleines Moor, das von der Sandheide rosenrot gefärbt und von den dürren Blüten der Doppheide rostrot gesprenkelt ist, und treten dann wieder in allerlei von Porstbüschen, Weiden und Brombeeren umwucherten und vom Torfmoose halb erstickten Tümpeln heraus, deren Wässer sich unter der Erde sammeln und bei einer vom Blitze der halben Krone beraubten kernfaulen Eiche einen kleinen, drei Fuß tiefen Teich entstehen lassen, bei dem sieben hohe spitze Machandeln Wache halten, und in dem ein krummer Ebereschenbaum seine roten Früchte spiegelt. Der weiße Grund des Pumpes ist in fortwährender Bewegung; bald hier, bald da öffnet er sich und ein silberner Strudel quillt daraus hervor und bewegt die langen, rosenroten Wasserwurzeln der Ellernstockausschläge, die die Ufer umgeben, hin und her. Allerlei schöne Blumen blühen hier, blaue Enzianen und Knaulen, gelber Weiderich und Hahnenfuß, weiße Dolden und Spierstauden und hohe Sumpfdisteln, um deren rote Köpfe die Hummeln brummen und weiße und rostrote Falter flattern, und auf die vielerlei Fliegen, die hier surren, macht die schlanke Waldeidechse Jagd, die sich auf dem Goldmoospolster an dem Fuße der Eiche sonnt.

Noch eine ganze Anzahl von quelligen Tümpeln, Wasserlöchern und Kuhlen sind über den Quellbrink zerstreut, dem eigenartigsten Fleckchen Land, das es hier weit und breit gibt, und das dem, der es oft besucht, jedesmal neue Überraschungen bietet. Denn hier schlüpft die Schlingnatter, lauert der Eisvogel, zwitschert die Wasserspitzmaus; der Hase scharrt sich sein Lager unter dem Machandel und der Bock birgt sich im Weidicht; gern pirscht der Fuchs hier, das Raubwiesel stellt den jungen Wiesenpiepern und die Otter den Mäusen nach, Sperber, Habicht, Lerchenfalk suchen hier nach Raub, auch die Kornweihe und die Eule, und wenn nachts das Rotwild aus dem Forst tritt und zu Felde zieht, tränkt es sich gern an den klaren Quellen, und in aller Frühe schleicht der Waldstorch dort umher, der heimliche Vogel aus der wilden Wohld da hinter dem Bruche.

Immer ist es schön hier und reich an allerlei Leben, sowohl im Vorfrühling, wenn der Porst aufbricht und die Moormännchen zirpen, späterhin, wenn das Wollgras weiße Wimpelchen wehen läßt und die Heidlerche singt, zur Heuezeit, wenn die Doppheide anfängt zu blühen und das Beinheil mit goldenen, rotgezierten Sternchen bedeckt ist, die betäubend nach Honig riechen, im Erntemond, wenn die Immen um die blühenden Heidbüsche summen, und noch später, wenn die Birken wie goldene Springbrunnen im Winde wallen und die Krammetsvögel scharenweise auf den Machandelbüschen einfallen.

Sogar wintertags, wenn der Schnee auf der Heide liegt und Rauhreif die Bäume und Sträucher eingesponnen hat, lohnt es sich, den Quellbrink zu besuchen, dessen viele Wässerchen auch um diese Zeit nicht erstarren, sondern zwischen Eis und Schnee aus dem Boden quellen und sich sammeln und schließlich zu dem Bächlein werden, daß sich dort unten durch die Wiesen hinschlängelt.

Die Durchfahrt.

An drei Stellen wird das Flüßchen, das durch das Wiesenland zwischen dem Dorfe und dem Forste hinflutet, von Fahrwegen geschnitten, auf denen die Bauern das Heu von den Wiesen, das Holz aus dem Walde und den Torf von dem Moore abfahren.

Die beiden ersten Straßen gehen mit Brücken über das Wasser. Die dritte, die am weitesten von dem Dorfe entfernt ist und nicht so viel benutzt wird wie die beiden anderen, hat keine Brücke, sondern nur eine Durchfahrt. Damit die Fußgänger sich nicht nasse Füße zu holen brauchen, ist unterhalb der Strömung zu beiden Seiten das Ufer hoch aufgeschüttet und zwischen vier starken Pfählen eine lange, dicke Eichenbohle befestigt, die an der einen Seite mit einem einfachen Geländer versehen ist. Drei dicke Pfähle, einer immer einen halben Fuß höher als der andere, die dort eingerammt sind, wo der schmale Fußsteig sich aus dem Rasen den Anwurf hinaufwindet, bilden eine kunstlose Treppe. Auf der einen Seite des Steges hat sich Weidengebüsch angesiedelt, auf der anderen erhebt sich eine vom Winde zerzauste Eiche über dem Ellernstockausschlag zu ihren Füßen.

Obgleich sowohl das Brückchen als auch der Baum und die Büsche an und für sich in keiner Weise bedeutend sind, fallen sie in dem weiten, flachen Wiesengelände doch sehr auf und wirken viel größer, als sie in Wirklichkeit sind, zumal der Bach an dieser Stelle viermal so breit als in seinem übrigen Laufe ist und in regnerischen Zeiten beiderseits weit in den Weg hineinreicht. Da zudem in und bei dem Buschwerk die Blumen und das Schilf vor der Sense geschützt sind, der Mist der Pferde und Kühe, die hier die Wagen durchziehen, allerlei kleines Getier anlockt, auch die Fischbrut sich an den seichten Stellen sonnt und die Strömung totes und lebendiges Gewürm und auch wohl abgestandene Fische und verendete Mäuse anspült, so geht es bei der Durchfahrt immer lebhaft zu.

Abends, wenn die letzten Wagen durchgefahren sind, steht der Reiher gern vor dem Stege und lauert auf Fische. Späterhin streicht der Waldkauz vorbei und sieht zu, ob er nicht einen Häsling oder einen anderen Fisch greifen kann, der sich zu nahe an die Oberfläche wagt. Allnächtlich fallen die Wildenten dort ein und suchen Gewürm, und der Uferläufer kommt mit lautem Getriller angeschwebt, trippelt an dem Rande des Wassers umher und fischt nach den winzigen Krebstierchen, die in ganzen Wolken in dem Seichtwasser auftauchen, bis ein leises Plantschen ihn davontreibt, das von dem Otter herrührt, der auf der Jagd dort auftaucht und eine Weile auf dem Sande ausruht, ehe er wieder in den Bach gleitet.

Ist es dann Tag geworden, so kommen die Gabelweihen, die hinten im Walde horsten, angeschaukelt, denn sie finden ab und zu einen abgestandenen Fisch hier, und bevor die ersten Wagen erscheinen, fußt der Bussard auf dem Tritte und lauert auf die Wühlmäuse, die am Ufer hin und her huschen. Tag für Tag saust der Sperber um die Büsche herum, um zu versuchen, ob es ihm nicht gelingt, eine Bachstelze, einen Schmätzer oder einen Ammer zu fangen; meistens muß er aber leer abziehen, weil die Schwalben, die über der Furt ganz besonders gern jagen, ihn früh genug melden und mit schrillem Geschrei von dannen treiben. Genau so machen sie es mit dem Lerchenfalken, der sich ebenfalls ab und zu hier sehen läßt. Rüttelt aber der Turmfalke, der großen, grünen Heuschrecken wegen, die in dem Gesträuche zirpen, dort, so bleibt er unbelästigt von den wachsamen Vögeln, denn sie wissen, er tut ihnen nichts.

Am meisten machen sich die Krähen bei der Durchfahrt zu schaffen. Entweder gehen sie in der Wiese umher und fangen Grashüpfer und Käfer, oder sie waten in das niedrige Wasser hinein und sehen zu, was es dort für ihre Schnäbel gibt, oder sitzen eine neben der anderen auf dem Geländer, glätten ihr Gefieder und geben scharf acht, ob sich nicht etwas Verdächtiges nähert. Kommt ein Bauer an, oder ein Gespann, so fliegen sie stumm ein Endchen weiter und kehren bald zurück. Läßt sich aber der Förster sehen, so erheben sie einen gewaltigen Lärm, streichen zum Waldrande, fußen dort auf den Bäumen und warten, bis der Grünrock verschwunden ist. Läßt es sich der Habicht einmal einfallen, bei der Furt zu jagen, so fallen sie mit gellendem Geplärre über ihn her und treiben ihn von dannen. Um den Bussard und um die Kornweihe, die hier jeden Tag vorbeigaukelt, kümmern sie sich aber kein bißchen.