Meeresfische

Part 5

Chapter 52,622 wordsPublic domain

Es gibt nämlich, obwohl man das früher stark angezweifelt hat, tatsächlich =giftige Fische=, und ihre Zahl ist sogar durchaus nicht gering, wenn auch die meisten davon in ihrer Verbreitung auf tropische und subtropische Gewässer beschränkt sind. Entweder sitzen die sackartigen Giftdrüsen im Maule und treten beim Bisse des Tieres in Wirksamkeit, wie es z. B. bei den von den Fischern des Mittelmeers deshalb sattsam gefürchteten Muränen der Fall ist, oder sie befinden sich am Grunde durchbohrter oder gefurchter, besonders harter und spitziger, bisweilen auch wie sprödes Glas abbrechender und in der Wunde stecken bleibender Stacheln an den Kiemendeckeln, Rücken- oder Schwanzflossen. So vermag auch das Petermännchen mit seinen scharfen Rückenstacheln recht empfindlich zu verletzen, und das dann in die Wunde eindringende Gift zieht etwa dieselben Folgen nach sich, wie ein tüchtiger Skorpionstich, während sie bei gewissen exotischen Formen noch weit unangenehmer sind. Obwohl das Fleisch des Petermännchens recht wohlschmeckend und auch durchaus bekömmlich ist, wollen deshalb die Fischer nicht viel von dem an sich recht hübschen Fisch wissen, sondern werfen ihn in vielen Gegenden, wenn er einmal zufällig mit in ihre Netze geriet, wieder ins Meer zurück, gewissermaßen als eine Art Opfergabe für Petrus, den Fischerschutzheiligen, wodurch sich auch der auffällige Name des eigentümlichen Geschöpfs erklären mag. Es bewohnt sandige, aber nicht zu flache Stellen unserer Meere und wühlt hier seinen stark zusammengepreßten, messerartigen Leib gewöhnlich so weit im Boden ein, daß nur die vorstehenden, nach oben gerichteten Augen herausragen. Sowie sich aber eine Garnele oder ein kleines Fischchen in der Nähe blicken läßt, schnellt der Räuber mit einem plötzlichen Ruck hervor, erhascht und verschlingt sein Opfer und läßt sich dann mit zierlichem, wellenförmigem Schwung wieder zum Boden herabtaumeln, indem er gleichzeitig durch hastige Bewegungen der langen Bauchflosse eine Sandwolke erzeugt und sich geschickt in diese einbettet. Gefürchteter noch als unser Petermännchen ist der gleichfalls zu den Panzerwangen gehörige =Zauberfisch= (_Synancéja verrucósa_), der im Roten, Indischen und Stillen Meere vorkommt. Wie das Petermännchen hält sich auch diese Art zwischen Steinen und Seetangen, halb im Schlamm vergraben, am Meeresgrunde versteckt und ist für die nackten Füße der zum Baden oder Schwimmen ins Wasser gehenden Strandbewohner um so gefährlicher, als seine warzige Haut in ihren Farbentönen so genau der Umgebung entspricht, daß auch das schärfste Auge ihn kaum von ihr zu unterscheiden vermag. Sobald aber jemand auf ihn tritt, erhebt er sich, spreizt die Rückenstacheln und bohrt sie tief in den Fuß des Unglücklichen. Klunzinger lernte Fälle kennen, wo ein solcher Stich sofortige Ohnmachtsanfälle zur Folge hatte, ja sogar Todesfälle sollen vorkommen, wenn auch wohl nicht unmittelbar durch den Stich, sondern wahrscheinlicher durch Brandigwerden der vielleicht schlecht behandelten Wunde. Bei diesen beiden Arten wie auch bei dem von den französischen Fischern bestgehaßten =Vipernfisch= (_Trachínus vípera_) stellt sich das Gift dar als eine bläuliche, leicht opalisierende Flüssigkeit, die namentlich auf Herz und Rückenmark einwirkt. Bei anderen Fischen scheint das ganze Blutwasser wenigstens zeitweise giftige Eigenschaften zu besitzen, weshalb auch ihr Genuß schwere Gesundheitsstörungen nach sich ziehen kann. Doch scheinen dabei auch örtliche Verhältnisse eine noch wenig aufgeklärte Rolle zu spielen, indem das Fleisch der gleichen Fischart je nach seiner Herkunft sehr gefährlich oder völlig unschädlich sein kann. So fand Johannes Müller auf den Marschallinseln einen von den Eingeborenen »=Langi=« genannten makrelenartigen Fisch, dessen Fleisch, wenn es in der Lagune erbeutet war, heftige Vergiftungserscheinungen zeitigte, sich dagegen als wohlbekömmlich erwies, wenn die Fische dem freien Meere entstammten. Auch die Lagunenfische verloren ihre unangenehme Eigenschaft, wenn man sie vor dem Abtöten für einige Wochen in Brackwasser setzte. Müller vermutet, daß das Stagnieren des Lagunenwassers mit der Giftwirkung in Zusammenhang stehe, die ihrerseits in ihren Erscheinungen stark an Alkoholgift erinnere. Die giftigsten Geschöpfe des Ozeans sind ohne Zweifel die verschiedenen Arten von Seeschlangen, die freilich nicht etwa mit den berüchtigten Seeschlangen seefahrender Münchhausens gleichbedeutend sind. Auch von dem üblen Rufe dieser gefürchteten Tiere haben gewisse Fische durch eine weit getriebene Mimikry Nutzen gezogen. Selbst ein so geübter Forscher wie Dahl hielt den ersten derartigen Fisch aus dem Indischen Ozean, der ihm zu Gesichte kam, zunächst für eine Seeschlange und erkannte erst bei näherer Untersuchung seine Fischnatur. Der Körper war ganz schlangenartig, das Flossenwerk bis auf einen schmalen, kaum wahrnehmbaren Saum rückgebildet, und auch die prachtvolle Färbung der in den gleichen Meeresteilen lebenden Seeschlangen, hellblau mit tiefschwarzer Ringelung, fehlte nicht.

Die oben erwähnten =Muränen=, die den römischen Schlemmern als ein ausgesuchter Leckerbissen galten und auch heute noch auf den Fischmärkten der Mittelmeerländer sich großer Beliebtheit erfreuen, haben auf ihrem glatten, aalartigen und schuppenlosen Fettleib gleichfalls recht hübsche Zeichnungen aufzuweisen. So ist =Muraéna hélena=, die häufigste Art, auf gelblichem Untergrunde in reizender Musterung dunkelbraun marmoriert. Über den Charakter dieser am Meeresgrund in zerklüftetem Gefels und zwischen Steinblöcken in der Nähe der Küste hausenden Fische ist aber wenig Rühmliches zu sagen, denn sie gehören zu den zänkischsten, boshaftesten und gefräßigsten Tieren, worauf schon ihr tief gespaltener, zahnstarrender Rachen hinweist. Ungeschickte Fischer (man pflegt die Muränen zu angeln) haben schon oft durch die langen und spitzen Zähne der wütenden und sich nach Kräften wehrenden Gefangenen empfindliche Verwundungen davongetragen. Das offene, sich unablässig bewegende Maul sieht aus, als ob es beständig keife, und es klingt ganz glaubhaft, daß diese Biester, wenn sie nicht genug Tintenschnecken und Krebse zur Stillung ihres gewaltigen Hungers finden, sich gegenseitig die Schwänze abknabbern. Noch aalartiger als die dazu etwas zu hoch gebauten Muränen sieht der 3 kg lang und 50 kg schwer werdende =Meeraal= (_Cónger vulgáris_) aus, der gleich unserem Flußaal ein jugendliches Larvenstadium als Leptocephalus durchmachen muß und schon dadurch seine nahe Verwandtschaft zu ihm erweist. Auch der Meeraal ist ein gefräßiger Raubfisch, selbst jedoch wenig schmackhaft, hält sich aber dafür gut im Aquarium. Gefangen wird er hauptsächlich in dunklen Nächten an mit Pilchards geköderten Legangeln, und da sein Fleisch sehr niedrig im Preise zu stehen pflegt, findet es immerhin willige Abnehmer.

Nicht so häufig wie des Giftes bedienen sich einzelne Fische der =elektrischen Kraft= zur Abwehr oder zur Lähmung ihrer Beute, und sie stehen in dieser Beziehung im Tierreiche einzig da. Am meisten ist die Fähigkeit, elektrische Schläge auszuteilen, bei zwei Süßwasserfischen ausgebildet, dem südamerikanischen, von Humboldt so glänzend geschilderten Zitteraal und dem afrikanischen Zitterwels, aber auch einer der gewöhnlichsten Charakterfische des Mittelländischen Meeres, nämlich der =Zitterrochen= (_Torpédo marmoráta_) gehört hierher. Dieser flach, plump und breit gebaute, 1-1/2 kg lang, 1 kg breit und 30 kg schwer werdende Fisch war gerade seiner allerdings nicht richtig gedeuteten elektrischen Eigenschaften wegen schon den Alten bekannt und spielte in ihrer Arzneikunst eine nicht geringe Rolle; namentlich Claudius Galenus, nächst Hippokrates der berühmteste Arzt des Altertums, empfahl im 2. Jahrhundert n. Chr. das Auflegen von Zitterrochen auf den kranken Körperteil, weil sie eine heilsame magnetische Wirkung ausüben sollten. Die Griechen nannten den Zitterrochen wegen der durch seinen Schlag hervorgerufenen Lahmlegung des ihn berührenden menschlichen oder tierischen Körpers Narke, d. h. der Betäubende (daher auch narkotisieren = betäuben), die Römer Torpedo, d. i. der Lahmleger. In der Tat vermag ein kräftiger alter Zitterrochen durch seinen Schlag den Arm eines Mannes zu lähmen, wenn seine elektrische Kraft auch nicht an die des Zitteraals heranreicht, und es ist deshalb beim Baden in an Zitterrochen reichen Meeresteilen immerhin eine gewisse Vorsicht angebracht. Nach mehreren, kurz aufeinander folgenden Entladungen läßt aber die Kraft des Fisches nach, und schließlich vermag er nur noch ein leises Zittern hervorzurufen und bedarf dann geraumer Zeit, um seine elektrische Batterie wieder in leistungsfähigen Zustand zu versetzen. Im Wasser wirkt der Schlag stärker als in der Luft, und er wird um so heftiger empfunden, je größer die berührte Fläche ist. Um ihn auszulösen, müssen die positiv-elektrische Rücken- und die negativ-elektrische Bauchseite des Fisches gleichzeitig berührt werden, wobei aber schon die Herstellung einer mittelbaren Verbindung durch ein Stück Tau oder dergleichen genügt, und zwar ist die Wirkung an der dicksten Körperstelle des Fischleibes am merklichsten. Die Entladung ist aber auch vom Willen des Tieres abhängig, stellt sich also erst dann ein, wenn man es genügend reizt. Daß es sich bei alledem wirklich um elektrische Erscheinungen handelt, ist nicht nur durch die physiologischen Wirkungen, sondern auch durch chemische Versuche (Wasserzersetzung, Zerlegung von Jodkalium, Wärmeentwicklung) unzweifelhaft nachgewiesen. Erzeugt wird die Elektrizität in einem besonderen, sehr umfangreichen Organ, das zu beiden Seiten des Rückenmarkes einen beträchtlichen Raum im vorderen Teile des Fischkörpers ausfüllt und aus zahlreichen, nach Art der Bienenzellen aneinandergereihten Scheiben oder Platten besteht, die heute von den meisten Gelehrten als abgeändertes Muskelgewebe gedeutet werden. Vom vierten Lappen des Kleinhirns entsendet der lobus electricus eine Reihe von Nervenpaaren in dieses Organ, die sich daselbst rasch aufs feinste verzweigen, und als eine körnig-schleimige Masse in Form kleiner Kugelzellen endigen. Die einzelnen Scheibchen sind zu Säulen zusammengestellt, und zwar beim Zitterrochen so, daß ihre Achsen von der Rücken- zur Bauchseite gerichtet sind, während sie beim Zitteraal und Zitterwels in der Längsrichtung des Fischkörpers verlaufen. D'Arsonval, dem wir die wohl beste und einleuchtendste Erklärung der ganzen, in ihren Einzelheiten noch rätselhaften Erscheinung verdanken, ist der Ansicht, daß die Tausende von Zellen im elektrischen Organ bei einer stärkeren Reizung des Tieres einer augenblicklichen Formveränderung des Protoplasmas unterliegen, und wenn auch der Spannungsunterschied jeder einzelnen noch so gering ist, muß doch ihre Gesamtheit eine immerhin bedeutende Wirkungskraft hervorrufen, wie sie nach den Untersuchungen Lippmanns stark genug ist, den elektrischen Strom auszulösen. Die erzeugten Wechselströme verdanken also ihre Entstehung molekularen Formveränderungen, und damit ist auch ihre Abhängigkeit vom Willen des Tieres erklärt. Du Bois-Reymond, der sich viel mit den »galvanischen Batterien« dieser Fische beschäftigte, hat die ganz begründete Frage aufgeworfen, wie es wohl kommen möge, daß die Zitterfische nicht selbst die ersten Opfer ihrer Entladungen werden. Eine befriedigende Erklärung für diese merkwürdige Erscheinung konnte noch nicht gefunden werden, man muß sich daher einstweilen mit der auch durch Versuche nachgewiesenen Tatsache begnügen, daß diese merkwürdigen Geschöpfe nicht nur gegen ihre eigenen, sondern auch gegen von außen zugeführte elektrische Entladungen gänzlich unempfindlich sind.

Die sehr kleinen Jungen des Zitterrochens kommen lebend zur Welt und gleichen nach Körperbau und Bewegungsart jungen Haien, haben also noch nicht die flache Rochengestalt. Deren Wirkung wird noch dadurch stark gesteigert, daß die paarigen Flossen mächtig entwickelt und seitlich weit ausgebreitet sind, fast wie Fledermausflügel, während Schwanz- und Afterflosse fehlen und die verkümmerten Rückenflossen dem dünnen, langen Schwanze aufsitzen, der als ein schmächtiges Anhängsel dem breiten Leibe entwächst. Der quergestreckte Mund ist ganz auf die Unterseite gerückt, noch etwas rückwärts und seitwärts von ihm liegen die großen Kiemenspalten. Über die Lebensweise, die derart gestaltete Fische führen müssen, kann von vornherein kein Zweifel sein. Es sind träge Bodenfische, die meist ruhig auf oder im Sande ruhen und nur plötzlich hervorschießen, wenn sich ihren spähenden Augen etwas Genießbares beut. Zumeist ist übrigens die Nahrung der Rochen auf Krebstiere und Jungfische beschränkt, da sie trotz ihrer Größe wegen des eigenartigen Mund- und Zahnbaues umfangreichere Bissen nicht zu bewältigen vermögen. Wohl aber schwimmen sie mit ihren breiten Seitenflossen vorzüglich und schießen durchs Wasser wie Vögel durch die Luft. Das Gebiß ist furchtbar, denn auch die härtesten Panzerkrebse werden zwischen den kraftvollen Kiefern ohne Umstände zermalmt. Hauptwaffe der Rochen ist ihr langer Schwanz, mit dem sie bei Gefahr nach allen Richtungen hin wütend die Fluten durchpeitschen und dem Gegner die empfindlichsten Verletzungen beibringen, zumal bei manchen Arten dieses Glied noch mit spitzen, angelartigen Stacheln besetzt ist, nicht selten sogar hinzutretende Blutvergiftung die geschlagenen Wunden lebensgefährlich macht. Dies wird schon von dem kleinen, kaum meterlangen =Nagelrochen= (_Rája claváta_) unserer Küsten berichtet, bei dem sich die dräuenden Stacheln auch auf der Mittellinie des Rückens noch fortsetzen (Abb. 11). Diese Art, deren Fleisch im südlichen England während der Wintermonate gern gegessen wird, pflanzt sich durch Eier fort, doch ist deren Zahl auf 6-10 beschränkt, und das ist gut so, denn wenn die geringe Fortpflanzungsfähigkeit der Rochen nicht wäre, würden diese schädlichen Raubfische vermöge ihrer furchtbaren Bewaffnung bald ein schädliches Übergewicht in den Meeren erlangen. So aber schafft die Natur immer wieder den nötigen Ausgleich und stellt das harmonische Gleichgewicht her. Bei der Nahrungssuche schweift der Nagelrochen unter wellenförmigen Schaukelbewegungen niedrig über dem Meeresboden dahin, und sowie seine äußerst empfindliche Unterseite etwas Genießbares berührt, deckt er es mit seinem breiten Leibe und den großen Seitenflossen und zermalmt es zwischen seinen harten Kiefern. Im Spielen kommen diese seltsamen Fische bisweilen aber auch an die Oberfläche empor, indem sie senkrecht auf- und niedertauchen und dabei zierlich tänzelnde Bewegungen vollführen. Der gefürchtete =Stechrochen= (_Trygon pastináca_) der tropischen Küsten hat an seinem langen, dünnen Schwanze zwar nur einen einzigen Stachel, aber dieser ist sägeartig gezähnt. Kommt dem gewöhnlich im Sande oder Schlamm bis an die Augen vergrabenen Fisch etwas Verdächtiges zu nahe, so schwingt er seine Waffe wie eine Peitsche, und der Stachel verursacht dann gar böse und schmerzhafte, sehr schwer heilende Wunden. Die sagenumwobenen =Teufelsrochen= (im Mittelmeer findet sich noch am ehesten _Diceróbatis giórnae_) haben zwar auch den Schwanz zu einer Peitschenschnur ausgezogen, aber die Stacheln fehlen, denn für diese Meerungeheuer ist schon ihre fabelhafte Größe genügender Schutz. Hat man doch schon solche »Seeteufel« von 3-5000 kg Gewicht gefangen, in deren Maule ein sitzender Mensch bequem Platz hatte und deren Breite 6-9 kg betrug. Dabei schießen diese mit schier dämonischer Kraft begabten Ungetüme doch außerordentlich behend durchs Wasser und bewegen sich in ihm mit Hilfe ihrer zu riesenhaften Fledermausflügeln umgewandelten Seitenflossen in förmlichen Raubtiersprüngen vorwärts. Harpunierte Teufelsrochen schnellen sich sogar im Sprung aus dem Wasser heraus, und wenn sie dann auf das Boot niederfallen, wird dieses durch ihr ungeheures Gewicht unrettbar zerschmettert. Man verwendet deshalb bei dieser gefährlichen Jagd ganz besonders gebaute und ausgerüstete Boote mit luftgefüllten Zinnbehältern. Kennzeichnend für die in kleinen Trupps zusammenlebenden Teufelsrochen sind zwei armsdicke, meterlange, fleischige, beständig in Bewegung befindliche Taster am Kopf in der Nähe der Augen. Vielleicht hat Schiller an dieses so vorsintflutlich anmutende Scheusal des Meeres gedacht, als er in seinem »Taucher« von »scheußlichen Klumpen« sang, denn der unförmlich breite Leib mit dem langen Peitschenschwanz und der widerwärtige Schleimüberzug der schmutzig gefärbten Haut machen diese furchtbaren Riesenrochen in der Tat zu höchst abschreckenden Erscheinungen.

Die Rochen gehören wie die Haie zu den Knorpelfischen; den Übergang zwischen diesen beiden großen Gruppen mögen uns »des Hammers greuliche Ungestalt« und der abenteuerlich geformte =Sägefisch= (_Prístis antiquórum_) vermitteln. Dieser gehört seinem Aussehen nach zu den Haien, nach seinem inneren Körperbau aber zu den Rochen und ist sehr ausgezeichnet durch den zu einer bis 2 kg langen Doppelsäge ausgezogenen Oberkiefer. Mit dieser furchtbaren Waffe soll der Sägefisch kleinere Fische förmlich zersäbeln, aber auch größeren, selbst Delphinen und Walen bei lebendem Leibe ganze Stücke Fleisch herausreißen oder die Eingeweide zum Hervorquellen bringen, um sie zu verschlingen. Sicheres darüber wissen wir nicht, sind überhaupt über die Lebensweise dieser absonderlichen Fische erst höchst dürftig unterrichtet. Kann man den Sägefisch als einen Rochen in Haigestalt bezeichnen, so darf umgekehrt der auch in der Nordsee gelegentlich vorkommende =Meerengel= (_Rhína squátina_) ein Hai in Rochengestalt genannt werden. Er ist ein stumpfsinniger und träger Bodenfisch, ein wahres Faultier des Meeres und macht seinem schönen Namen wenig Ehre. In diesem Zusammenhange sei auch gleich noch die verwandte =Seekatze=, Chimäre oder Spöke (_Chimaéra monstrósa_) erwähnt, ein gar absonderlicher Fisch mit mächtigem Dickkopf, kegelförmiger Schnauze, aufrichtbarem, gestacheltem Stirnfortsatz (daher auch »Königsfisch«), dünnem Fadenschwanz (»Seeratte«), flügelartigen Brustflossen, auffallend stark ausgeprägter Seitenlinie und in metallischem Grün funkelnden Augen. Sie hat schon im Devon, wahrscheinlich sogar schon im Silur unmittelbare Vorfahren gehabt, stellt also ein uraltes Geschlecht dar. Heute fürchten die Fischer ihr zermalmendes Gebiß, schätzen aber ihre ölreiche Leber zur Bereitung von Wundsalben. Der =Hammerfisch= (_Zygaéna málleus_) endlich konnte kaum einen anderen Namen erhalten, weil sein ungefüger Kopf unwiderstehlich an die Hammergestalt erinnert und um so auffallender wirkt, als die Augen an den äußersten Enden der knorpeligen Seitenvorsprünge sitzen. Diese wilde und verwegene scharfbezahnte Bestie wird über 4 kg lang, 2-300 kg schwer und hält sich zumeist auf schlammigem Meeresboden auf, wo sie heißhungrig auf die kleineren Rochenarten Jagd macht.