Part 29
Noch schlimmer war das im Männerkreis, dem sich oft ganz kleine Knaben angliederten, von denen einige die Hanswürste machten, schrien, lachten, den Tanz störten und jubelnd Purzelbäume schlugen.
In den _Klöstern_ waren immer die _Kirchen_ besonders interessant, soweit sie alt waren und früheren Jahrhunderten entstammten. Dann war die Bauweise von besonderem Interesse und weckte Gedanken an die Geschichte des Landes. Und zwar waren es meist bulgarische Traditionen, welche aus den alten Bauten zu einem sprachen. Die Kapitel über _Prilep_ und _Ochrida_ werden Gelegenheit geben, auf sie zurückzukommen.
Während des Feldzugs waren auch deutsche und bulgarische Archäologen und Kunsthistoriker an der Erforschung und Katalogisierung der historisch, kulturell oder künstlerisch wertvollen Bauwerke und Kunstdenkmäler tätig. Ihnen will ich nicht ins Handwerk pfuschen, wenn ich der Bauten und ihrer Ausschmückung gedenke, welche auf meinen Pfaden mir begegneten. Vielmehr will ich der Anregungen gedenken, die von ihnen ausgingen und mich veranlaßten, mit offenen Augen auch diese Zeugnisse der Entwicklung der Balkanvölker anzuschauen.
Während Kirchen späteren Ursprungs vielfach als Basiliken gebaut sind, sind alte Kirchen, wie die von _Neresi_, meist als Kuppelkirchen mit einer großen _zentralen Kuppel_ und _vier Randkuppeln_ angelegt. Diese Grundform wird meist als byzantinische Bauweise bezeichnet, wenn sie auch offenbar älter ist als die byzantinische Kunst und, wie _Strzygowski_ gezeigt hat, auf armenische Ursprünge zurückzuführen ist. Dem altarmenischen Konchenquadrat entspricht der Grundriß der Kirche von Neresi, wenn auch hier durch Anbauten an der Portalseite und am Chor eine Längsachse geschaffen ist. Sehr reizvoll sind in Neresi die Einfassungen der Fenster, ganz typisch der Gegensatz des achteckigen Zentralkuppelturmes zu den quadratischen Ecktürmen.
Das Innere mit dem freien Raum für die Gemeinde, anschließend an das Hauptportal, zeigt die übliche Trennung des Allerheiligsten durch den _Ikonostas_, die Bilderwand mit reicher Schnitzerei und Vergoldung und Heiligenbildern von nicht sehr hervorragender alter Malerei. Einige Steine und Säulenteile im Innern deuten auf hohes Alter der Kirche hin. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert. Alte freskenähnliche Temperamalereien sind in den Ecktürmen und in der Apsis erhalten; weniger wertvolle Malereien aus neuerer Zeit finden sich im Hauptraum. In der Hauptsache gehen die gottesdienstlichen Handlungen hinter der bildgeschmückten Schranke vor sich. Deren drei Türen spielen im Ritus eine große Rolle. Der meist schöne Gesang der Priester im Wechsel mit den in der Kirche antwortenden Chören geben dem Gottesdienst eine feierliche Weihe. Sehr groß ist der Prunk im slavischen Ritus. Ein Aufgebot von zahlreichen Priestern mit oft sehr prunkvollen bunt- und goldgestickten Gewändern macht auf das Volk einen starken Eindruck.
Tradition spielt in der griechischen Kirche eine sehr große Rolle. Das ist ja in Religionen die Regel; aber gerade in der Balkankirche ist sie wohl ganz besonders streng. So ähneln sich die Balkankirchen in Bauweise, Einrichtung, Schmuck außerordentlich untereinander. Damit ist natürlich infolge der Nachahmung guter alter Vorbilder auch ein gewisses Niveau gewahrt. So kann es einen oft erstaunen, in einer Dorfkirche eine ganz merkwürdig gute Ausschmückung anzutreffen.
Als Beispiel möchte ich die kleine Dorfkirche von _Gradeč_ im Wardartal etwas oberhalb Hudowa anführen. Sie liegt als einfacher Bau mit viereckigem Glockenturm und niederem Ziegeldach in einem Hain von grünen Bäumen. Die Kirche ist von einem gedeckten Umgang mit einfachen Holzsäulen umgeben. Wie denn sonst die Innenwände von bulgarischen Kirchen gänzlich von Temperamalereien auf Kalkflächen bedeckt zu sein pflegen, die wie Fresken aussehen, so ist hier die durch das Dach des Umgangs geschützte Außenwand der Kirche vollkommen mit teilweise gut erhaltenen Malereien überzogen. Sie stellen Szenen aus der heiligen Geschichte, Adam und Eva im Paradies, den Sündenfall, das jüngste Gericht, die heilige Dreifaltigkeit und Scharen von Heiligen dar.
Es scheint, daß die Bilder auf alten Grundlagen immer wieder neu übermalt sind. Die Grundlage scheint aber höchst anständig gewesen zu sein und so finden wir in dieser kleinen Kapelle in dem Dorf von höchstens 20-30 Häusern eine schön und reich geschmückte Kirche. Was mag der Balkan an solchen Dingen beherbergt haben, die jetzt durch die unablässigen Kämpfe der Nationen, der Religionen und Konfessionen zerstört sind!
FÜNFUNDZWANZIGSTES KAPITEL
BIENEN MAZEDONIENS
Als ich nach Mazedonien zog, wußte ich schon, daß von den wilden Bienen der Balkanhalbinsel noch sehr wenig bekannt war. Und noch dazu wußte ich, daß unser bester Bienenkenner, Dr. _H. Friese_ in Schwerin, meine Ausbeute bearbeiten würde. So wurde denn um alle Standquartiere und auf allen Wanderungen sorgsam auf Bienen geachtet und soviel beobachtet und gesammelt, als Zeit und Kräfte mir und meinen Helfern erlaubte. So kam eine Sammlung von etwa 1800 Bienen zusammen, von denen bisher 205 Arten und Varietäten bestimmt sind; dabei fanden sich eine ganze Anzahl neuer Arten und Formen und für viele Arten stellte sich ein neues Verbreitungsgebiet heraus. Auch für die Ökologie der Arten wurden manche neue Beobachtungen gemacht.
Bisher waren _Hymenopteren_ in Istrien, Dalmatien, Bosnien, der Herzegowina, von den griechischen Inseln und aus Griechenland selbst bekannt geworden, aber noch kaum etwas aus den zentralen Teilen des Balkan und vor allem wenig aus den Hochgebirgen. Daß meine Sammlung trotz aller Arbeit und Aufmerksamkeit noch viele Lücken in unserer Kenntnis der mazedonischen Bienen übrig läßt, hat wohl seinen Hauptgrund darin, daß ich mich oft zur besten Zeit nicht in den für Bienenbeobachtung günstigsten Gebieten aufhalten konnte. Wie schade, daß nicht ein guter Bienenspezialist mich auf den Reisen begleiten konnte; es wären dann ganz andere Resultate erzielt worden.
Bei meiner Darstellung will ich mich zunächst an meine eigenen Beobachtungen halten. Als alter Bienenfreund habe ich die _Honigbienen_ nicht vernachlässigt und versucht, festzustellen, welche Rassen dieses Haustieres in Mazedonien vorkommen und in welcher Weise sie dort gezüchtet werden. Beachtenswert ist, daß vier verschiedene Formen der Honigbiene von mir beobachtet wurden, nämlich außer den überall vertretenen, der gewöhnlichen _dunkeln Biene_ (+Apis mellifica+ L.) und der hellen, gelblichen _Italiener Biene_ (+Apis mellifica+ var. +ligustica+ Spin.) fanden sich zwei weitere Bienenformen. Relativ häufig begegnete mir die _krainer_ Biene (+Apis mellifica+ var. +carnica+ Poelm), seltener die griechische oder Hymettusbiene (+Apis mellifica+ var. +cecropia+ Kiesew.).
Davon kamen die dunkle deutsche Biene bei Üsküb und Kaluckova, die italiener Biene an der Mala Rupa und bei Prilep vor. Die krainer Biene fing ich am häufigsten und in den weitest auseinander liegenden Orten. Ich stellte sie fest von Koinsko, Kaluckova, Üsküb bis Bucin und zum Prespasee. An diesem letzteren Fundort kamen drei der Bienenformen vor, die deutsche, die griechische und die krainische; die griechische war vor allem längs des Wardar weit verbreitet.
Das zeigt, daß die Bienenzucht mit einer gewissen Intensität in Mazedonien betrieben wird. Um so überraschter war ich über den ursprünglichen Stand, auf dem die Zuchtmethoden geblieben sind. Ich habe nur eine dunkle Erinnerung, ein oder zweimal moderne Bienenstöcke mit Wechselrähmchen, wie sie in Deutschland wohl jetzt seit 50 Jahren fast jeder Bienenzüchter besitzt, gesehen zu haben. Da das aber in größeren Ortschaften an der großen Verkehrsstraße war, so kann ich nicht sagen, ob die Bauten Eingeborenen oder etwa deutschen oder anderen Soldaten gehörten.
Jedenfalls kann die neuere Bienenzuchtmethode in Mazedonien keinen breiteren Boden gewonnen haben; denn wo ich mir Bienenstöcke genauer ansah, handelte es sich stets um die alten primitiven Bauten. Bei uns werden solche seit Einführung der Wechselrahmen nur mehr in den Heidegegenden verwendet, da der Heidehonig sich meist nicht zentrifugieren läßt. So gibt es bei uns in Hannover, Friesland und in Holland den alten strohgeflochtenen Stülpkorb. In Mazedonien wird aber der Wabenbau der Bienen beim Ernten des Honigs immer noch zerstört und den Bienen wird nicht die große Arbeitsersparnis gegönnt, welche die nach dem Zentrifugieren immer wieder verwendbaren Waben der Wechselrahmen ermöglichen. Hier findet man meist als Bienenhäuser verschieden gestaltete Lehmgefäße verwendet. Man sieht diese auf Brettern unter dem Dachrand an der Außenwand des Hauses aufgestellt, gelegentlich auch auf Brettgestellen im Hof. Eine ganz große Bienenzucht bekam ich auf meinen Wanderungen in Mazedonien nicht zu sehen. Ob alle Völker Mazedoniens Bienen züchten, konnte ich nicht feststellen. Vielleicht ist es nur ein Zufall, daß ich Bienenstöcke vorwiegend bei Griechen und Aromunen, auch bei Bulgaren fand.
Eigenartige, glockenförmige Bienenstöcke, aus Weiden geflochten, außen mit Lehm und Mist überschmiert, stellt das Bild aus einem Bauernhofe in _Koinsko_ dar (Abb. 185). Ähnliche Stöcke sah ich in Krusevo bei einer Aromunenfamilie.
Bei der primitiven Bienenpflege in Mazedonien kann es nicht verwundern, daß man nicht selten auf wilde Bienenvölker stößt, welche in hohlen Stämmen alter Bäume sich niedergelassen haben. Ein solches in einer Edelkastanie angesiedeltes sehr starkes Volk habe ich im vorigen Kapitel erwähnt (s. S. 354).
Eine eigenartige Methode, Bienenschwärme einzufangen, beobachteten wir an einem lehmigen Hang nicht weit vom Dorfe _Taor_, südlich vom _Katlanovosee_. An dem Steilhang eines Hügels waren in der glatten, senkrechten, und daher vegetationslosen Lehmwand einige tiefe Gruben mit kreisrunder Öffnung eingebohrt, die mit Kuhmist ausgeschmiert waren. Die fast ½ m im Durchmesser erreichenden Löcher waren zum Teil außen mit Brettern zugenagelt; eines der Bretter enthielt ein kleines Flugloch. Die Einwohner der Umgebung bezeichneten sie als Lockmittel für durchgegangene Schwärme, die häufig hierher fliegen sollen und von dort heimgebracht würden. Es scheint dies vielfach der Brauch zu sein. Speziell in der Gegend des Katlanovosees sahen wir öfter solche „Bienenschwarmfallen‟ (Abb. 186).
Die Balkanvölker scheinen alle den Honig sehr zu lieben; alle haben Gerichte und Konfekte, die aus ihm bereitet sind. Ich erinnere nur an die verschiedenen Formen des türkischen Honigs, der auch bei uns früher auf Jahrmärkten feilgeboten wurde. Bei Begrüßungen wurde von Bulgaren nicht selten auf Tellerchen Honig gereicht, den man mit kleinen Löffeln aß.
Wie häufig Bienenstöcke und wilde Bienenvölker in Mazedonien sein müssen, sah man an den Massen von sammelnden Honigbienen, die man auf jeder blühenden Wiese, an jedem blumenbedeckten Baum oder Strauch antraf. Nur im Hochgebirge fehlten die Bienen vollkommen.
Nicht ganz so zahlreich wie die Honigbienen, aber immerhin in stattlichen Mengen waren die _Hummeln_ vertreten. 40 Arten und Varietäten von Hummeln und Schmarotzerhummeln brachte ich mit. Ich denke gern an die Geschäftigkeit der bunten, wolligen Tiere zurück, wie sie brummend die Blumen umflogen oder in Löcher im Boden, zwischen Baumwurzeln, in Spalten der Gartenmauern einschlüpften. Die durch meine Funde festgestellte reiche Hummelfauna Mazedoniens macht nach _Frieses_ Angabe einen alpinen Eindruck, erinnert an diejenige unserer Alpen. Dabei ist wieder, wie bei fast allen Tiergruppen, hervorzuheben, der Einschlag von typischen _Steppen_hummeln. Eine solche ist z. B. +Bombus eversmanni+ var. +steveni+ Rad., die ausschließlich in dem südlichen Flachland zwischen Hudova und dem Doiransee gefunden wurde, jener Gegend, die auch sonst an Steppentieren reich ist. Eine weitere typische Steppenhummel ist +Bombus haematurus+ Kriechb., die im _Nikolatal_, also auch noch im südlichen Flachland, allerdings auch einmal im Gebirge bei _Gopes_ gefunden wurde. Eine dritte Steppenform ist +B. niveatus+ var. +vorticosus+ Gerst., die von _Kaluckova_ und der _Plaguša Planina_ bis nach _Prilep_ und _Kalkandelen_ verbreitet ist, selbst im Schardakh an der _Kobeliza_ in über 1200 m Höhe vorkam.
Während viele der Hummelarten von der Ebene bis zu Höhen von etwa 1500 m in den Hügeln und Bergen verbreitet waren, habe ich schon früher im 14. Kapitel das Vorkommen typisch nordisch-alpiner Formen in Höhen von 2000-2400 m an der Kobeliza im Schardakh erwähnt. Dort fing ich in der Übergangszone von 1400-1800 m +Bombus lapponicus+ var. +pratincola+ Nyl., auf den Alpenmatten über 2000 m die var. +alpestris+ Friese, var. +helveticus+ Friese und var. +balcanicus+ Friese. Die var. +helveticus+ kam auch in der Gipfelregion des Peristeri vor.
Soweit ich _Hummelnester_ beobachten konnte, befanden sie sich stets im Boden, zwischen Baumwurzeln oder unter Steinen.
Am 28. Juli 1917 konnte ich in Plauš einen eigenartigen Vorgang bei einer Hummelart beobachten; es war ein _Hochzeitsflug_, vergleichbar demjenigen der Bienenkönigin. An der Wand eines Hauses flog ein Schwarm von 15-20 Hummeln stürmisch unter lautem Summen umher. Voraus flog stets das große starke Weibchen, umgeben, umschwirrt von der Schar ihrer Drohnen. Sie flog immer an der Wand des Hauses entlang, schlüpfte in Löcher hinein, kam wieder hervor, immer verfolgt von den Männchen. Diese folgten ihr zum Teil in das Loch hinein, während die anderen, die ihre Spur verloren hatten, planlos vor der Wand herumbrummten, bis sie wieder auftauchte; dann schlossen sie sich von neuem ihrem Gefolge an. Schließlich gelangte ein Männchen zur Begattung. Es war nicht ganz klar, ob nicht mehrere Männchen die Begattung noch versuchten. Ich fing einige der Männchen; schließlich kam die Königin aus einem Loch nicht mehr hervor. Die Männchen zerstreuten sich und es trat Ruhe ein. Die Art war +Bombus eversmanni+ var. +apicalis+ Mor.
Leider konnte ich die Hummelkönigin nicht aus ihrem Loch herausbringen um festzustellen, ob das zur Begattung gelangte Männchen wie die Bienendrohne nach dem Akt sofort abstirbt.
Wo Hummeln flogen, da fanden sich auch fast immer _solitäre Bienen_. Die vielgestaltigen, so interessanten einsam lebenden Bienen waren, wenn auch an Artenzahl nicht so überwältigend, wie man vom Balkan vielleicht erwartet hätte, doch in ganz großen Individuenzahlen vertreten. Überall im Lande traf ich sie an, von den Seen und den Flußtälern bis in die höchsten Bergesregionen. Auf fast jeder Seite meines Tagebuches findet sich die Notiz „Bienen‟. In der Nähe von Kaluckova, im Wardartal, auf der Plaguša Planina, bei Üsküb, am Wodno, ist mir die Erinnerung an manchen Pfad und Wegrand mit den Bildern fliegender Bienen verknüpft, welche da ihre Nestlöcher aufsuchten. Und diese Löcher mit den feingearbeiteten kreisrunden Eingangsöffnungen habe ich ja an manchen Stellen dieses Buches erwähnt. Schon in den ersten Tagen meines Aufenthaltes in Mazedonien freute ich mich an den +Eucera+-Arten, mit ihren langen, leise zitternden Fühlern, wenn sie die Blüteneingänge abtasteten oder eine fleißige +Anthophora+ verdrängten, die vor ihnen in die Blume eindringen wollte. Beim Absuchen der Ameisennester sah ich auf den Hügeln bei Kaluckova, an den lehmigen und tonigen Wänden der Schluchten und Hohlwege hunderte ihrer Bauten und sah die unermüdlichen Tiere an ihnen arbeiten und in sie eintragen.
Da kamen die +Osmien+ und andere _Bauchsammler_ und hatten ihre Unterseite dick eingepudert mit dem weißen, gelben oder roten Blütenstaub, den die reichen Fluren ihnen darboten. Viel häufiger als solche waren aber überall in Mazedonien die _Beinsammler_, welche bei der Heimkehr ihre Hinterbeine weit vom Leib abspreizen mußten, so dick waren sie von den Pollenhöschen, die sie sich unterwegs beim Besuch der Blumen angezogen hatten.
Gut vertreten waren in allen Gegenden von Mazedonien, die ich aufsuchte, die +Anthophorinen+, von denen ich 31 Arten in etwa 200 Exemplaren mitbrachte. Bei der Gattung +Anthophora+ konnte durch meine Sammlungen zum ersten Male das Vorkommen von zwei Generationen im Jahr festgestellt werden. Die erste fand sich bei +Anthophora acervorum+ L. im Februar, März und April bei Kaluckova und auf dem Wodno bei Üsküb, die zweite an denselben und anderen Orten, so Gopes im Juli und August. Ebenso wurde von +Anthophora crinipes+ Sm. die erste Generation im April bei Üsküb und Kaluckova, die zweite an denselben Orten im Juli nachgewiesen.
Selbst in den Dörfern und ihren Straßen konnte man viele solitäre _Apiden_ beobachten. Da bauten sie vielfach in den Lehmwänden der Häuser und Gärten. Eine Art sah ich da z. B. als Baustelle immer den Mörtel der Steinhäuser benutzen. Andere liebten die Stengel der Brombeerbüsche der Schluchten, manche bauten in den dürren Stengeln von Disteln und Königskerzen.
Auch die Obstbäume der Gärten und die Maulbeerpflanzungen boten vielen Bienen, besonders den Holzbewohnern, Wohnung. Ende April traten im Wardartal viele der schönen stahlblauen und violetten Holzbienen aus der Gattung +Xylocopa+ auf; ganze Schwärme von ihnen belebten die blütenreiche Ebene. Unter ihnen war besonders auffallend +Xylocopa olivieri+ Lej. durch ihren wundervollen rotbraunen Pelz. Ebenso schön waren +Xylocopa valga+ Gerst. (Abb. 187) und andere Formen der Gattung. Etwas später im Juni und Juli traten die Arten der Gattung +Ceratina+ auf.
Auf Steinen und Felsen fanden sich in der Plaguša Planina nicht selten die aus Lehm aufgebauten Nester der Mörtelbiene (+Chalicodoma muraria+ var. +nigerrima+ Perez), welche aussahen wie eine an den Felsen geworfene Handvoll Lehm, der dort getrocknet war.
Zu gleicher Zeit mit den +Xylocopa+-Arten traten in der Nähe von Kaluckova große Mengen von _Wespen_ auf, von welchen ähnlich wie jene, die großen schwarz-gelben +Scolia+-Arten sich sehr bemerkbar machten und wegen ihres Stiches sehr gefürchtet wurden. +Polistes+- und +Vespa+-Arten waren häufig und ihre Papiernester sah man viel an den Hausdächern und in Bäumen. Wir segneten sie als Fliegenfänger. In einem anderen Kapitel habe ich die Fliegenplage in Mazedonien geschildert und erwähnt, daß diese vielfach Essen im Freien unmöglich machte. Das wurde oft noch dazu kompliziert, daß um unseren Eßtisch sich hunderte von Wespen versammelten und uns oft noch von der Gabel vor dem Mund die Fliegen wegfingen, um sie zur Ernährung ihrer Larven ins heimische Nest zu tragen.
Im 23. Kapitel habe ich bei Schilderung meiner Streifzüge am und auf dem Wodno bei Üsküb die wundervolle Bienenwand im Markovatal beim Kloster Markova beschrieben (S. 348). Dort befindet sich auch ein Bild dieser großen Kolonie von +Anthophora parietina+ F. (Abb. 172, S. 351). Ich füge hier noch ein weiteres Bild bei, welches einen Überblick über diese große Stadt von Bienennestern bietet.
Meinen dortigen Angaben möchte ich hier noch einiges zusetzen. Als ich mich mit meinen Begleitern länger an der Bienenwand aufhielt und mir dort zu schaffen machte, mit dem Netz Bienen fing, konnte ich eine Beobachtung machen, welche zeigt, daß auch bei diesen vollkommen einsam lebenden Bienen gelegentlich Ansätze von sozialem Handeln vorkommen. Plötzlich umschwärmte uns mit lautem Summen ein großer Schwarm der Bienen; sie flogen hastig auf uns los und prallten gegen uns, so daß wir aus Angst vor ihren Stichen instinktiv zurückfuhren. Ähnliche Beispiele gemeinsamer Verteidigungsaktionen sind von _Friese_ und _Alfken_ bei +Andrena ovina+ Klug und gerade bei +Anthophora parietina+ F. beobachtet worden. Meine Beobachtung schließt sich also vollkommen den Angaben dieser Forscher an und bestätigt, daß während diese solitären Bienen sich sonst gegenseitig gar nicht beachten und sie sich gegenseitig niemals helfen, ein sie gemeinsam bedrohender übermächtiger Angriff eine Vereinigung vieler Individuen zur Abwehr veranlaßt. Wenn es sich damit auch nicht um echtes soziales Zusammenwirken handelt, so müssen doch Instinkte durch Warnungslaute oder sonstwie geweckt werden, welche bei den sozialen Insekten bestimmt sind, eine große Rolle zu spielen.
Außer den solitären Bienen flogen emsig vor der Lehmwand bei Markova andere Hymenopteren umher. Das waren die _Schmarotzerbienen_, welche in die Nester der +Anthophora+ einzudringen suchten, um da ihre eigenen Eier an dem aufgespeicherten Futter und bei dem Ei der rechtmäßigen Eigentümerin des Nestes abzulegen. Es waren dies schwarz-weiß gefärbte Bienen der Arten +Crocisa scutellaris+ Lep. und +Coelioxys rufescens+ Gef. Das sind die typischen Nestparasiten der +Anthophora parietina+ F.
Die verhielten sich ganz anders zu den Nestern; trieben sich unruhig vor den Eingängen herum, ängstlich vor den Besitzern ausweichend und machten den Eindruck von richtigem Diebsgesindel. Derartige Brutschmarotzer waren in Mazedonien den großen Mengen der solitären Bienen entsprechend auch sehr viel und oft zu beobachten. Ich habe in früheren Kapiteln schon die Schwebfliegen der Gattungen +Anthrax+ und +Bombylius+ erwähnt, welche am Boden an den Eingängen der Bienennester hinflogen. Auch die _Goldwespen_, die ähnliche Instinkte haben, habe ich oft an den Lehmwänden vor Erfüllung ihrer bösen Absichten weggefangen.
An vielen Orten habe ich _Schmarotzerhummeln_ aus der Gattung +Psithyrus+ beobachtet und auch die +Nomada+-Arten, jene Bienen, die besonders bei den +Osmia+-Arten parasitieren. So gelang auf der _Mala Rupa_ ein interessanter Fund. Da fing ich +Panurgus banksianus+ am selben Tag und am selben Ort, wie die schon als ihr Nestschmarotzer verdächtigte +Nomada similis+ Mor., so daß dadurch eine neue Bestätigung dieses Abhängigkeitsverhältnisses erbracht wurde.
_Gebirgsbienen_ gehörten überhaupt zu den interessantesten Bestandteilen unserer Ausbeute an Bienen. Die Balkanfauna an Bienen zeigte wie die anderen Tiergruppen außer eigenen Formen eine Zusammensetzung aus _nördlichen_ und _südlichen_ (mediterrane) Elementen, zu denen sich nicht wenig östliche _Steppenformen_ gesellen. Dazu kommen die wohl als Eiszeitrelikte zu deutenden Hochgebirgstiere. Von Interesse ist von den letzteren die neu von uns entdeckte +Osmia bulgarica+ Friese, welche ich am Pepelak und Liseč in der Golesniza Planina bei etwa 1800-2000 m Höhe fing. Sie lehnt sich an +Osmia inermis+ Zett. an, welche außer in den Alpen in Finnland, Lappland und Schottland lebt. Solche Alpentiere, aber ohne eiszeitliche Beziehungen, stellen z. B. +Megachile analis+ Nyl. von der Mala Rupa und +Andrena ephippium+ var. +macedonica+ Friese dar und wohl manche anderen Bienen meiner Sammlung.
SECHSUNDZWANZIGSTES KAPITEL
DIE ERFORSCHUNG DER GOLESNIZA PLANINA