Max Havelaar

Chapter 28

Chapter 283,445 wordsPublic domain

66 sirie, pinang, gambier: die Bestandteile, die zusammen mit Tabak und Kalk den für den Javanen unentbehrlichen Betel-Kautabak bilden. Auch die Frauen sind fast ohne Ausnahme dem Betelgenuss ergeben. Der braune Saft des Tabaks, noch etwas mehr rot gefärbt durch die gambier, färbt aller Lippen und Zähne. Schön steht dies gerade nicht, doch für sehr mundsäubernd wird das Betelkauen gehalten. Der Genuss von sirie mit seinen Zuthaten ist so verbreitet, dass der europäische Begriff "Trinkgeld" durch das Wort wang sirih, d. h. Siriegeld, ausgedrückt wird.--Die sirie ist das Blatt eines Rankengewächses, das nicht viel stärker ist als unsere Erbse und dem Pfefferbaum so ähnlich ist, dass der Uneingeweihte diese beiden Gewächse schwer unterscheidet. Es ist verwunderlich, dass man die sirie so wenig in der Zahnheilkunde anwendet, da sie doch eine säubernde, zusammenziehende Wirkung übt und der Geschmack nicht unangenehm ist. Die gambier hat, wie es scheint, eine Bedeutung erlangt in der Arzneibereitungslehre, von der pinang oder areka weiss ich nichts Sicheres hieraufbezüglich anzugeben. Die pinang oder areka ist eine Nuss, ähnlich einer Muskatnuss. Doch der Baum, auf dem sie wächst, ist eine Palmenart.

66 slamat: Gruss, und in diesem Fall das sehr eigenartige Kompliment--Zusammenfaltung--das in dem Text beschrieben wird. Frage: besteht ein Zusammenhang zwischen dem malayischen slamat, selamat und dem Wörtchen Sela, das so oft in den Psalmen vorkommt? Man weiss, dass nach den Riten des Orients gottesdienstliche Übungen bestehen aus Gebeten und Gesängen, mehrfach unterbrochen durch vielerlei Geberden und Komplimente im ursprünglichen Sinne des thatsächlichen Zusammenklappens, des Sich-Zusammenfaltens. So etwas geschah vielleicht auch beim Vortragen der Psalmen, und diese Vermutung wird verstärkt durch die Beachtung der vermutlich näheren Bedeutung des Wortes slamat oder selamat. In Zusammenhang gebracht mit Slam oder Islam--durch Buchstabenversetzung verwandt mit mosl, muzl = Muselmann--würde vielleicht als ursprünglicher Sinn sich herausstellen: der feierliche, ceremonielle oder rituelle Gruss, und das würde vollkommen der Bedeutung entsprechen, die das Wort Sela in den Psalmen füglich gehabt haben kann. Doch will ich einer anderen Belehrung gern zugänglich sein.

68 kidang: eine Art Hirsch mittlerer Grösse. Viel kleiner, nicht grösser wie ein mittelmässiger Hund, sind die kandjiels, Hirschchen, die sich durch ausserordentliche Behendigkeit und durch Lieblichkeit auszeichnen. Man behauptet, dass sie im Zustande der Gefangenschaft nicht am Leben erhalten werden können. Der kidang jedoch scheint, ebenso wie die meisten Arten unserer Hirsche, sich leicht anzupassen.

71 tudung: die in Form einer grossen, runden Schüssel geflochtene Kopfbedeckung der Javanen; der Tudung schützt sowohl vor Sonne wie vor Regen, vor dem der Inländer eine lächerliche Furcht hat. Man hat in Europa schon Gartenhüte gehabt, die den Tudungs ähnlich sind.

76 Melattiblume: die melatti ist ein kleines weisses Blümchen mit starkem Jasmingeruch; es spielt, wie bei uns die Rose, eine grosse Rolle in Balladen, Sagen und Legenden.

76 kondeh: das auf dem Hinterhaupt zu einem Wulst vereinigte Haar, das jedoch niemals durch ein besonderes Band zusammengehalten wird, sondern stets durch eine Schlinge vom Haar selbst seinen Halt gewinnt. Der Kondeh ist auch niemals 'chignon', sondern stets echtes Haar.

VII. KAPITEL.

84 pajong: Sonnenschirm. Goldener Pajong: die Farbe des Sonnenschirms deutet nach Landesweise, dabei nach offiziell festgelegten Bestimmungen, den Rang des Häuptlings an, dem ein solcher Pajong nachgetragen wird. Durchweg vergoldet deutet er den höchsten Rang an.

85 tandu: Tragstuhl. In anderen Provinzen auch jolek, djuli und ähnlich.

90 Patteh, Kliwon, Djaksa: Inländische Häuptlinge. Der Patteh steht dem Regenten zur Seite als Sekretär, Botschafter, Faktotum. Der Kliwon ist die Mittelsperson zwischen der Verwaltung und den Dorfhäuptern; gewöhnlich hat er die Aufsicht über die Öffentlichen Arbeiten der Gemeinde, Verteilung der Wachtmannschaften, Regelung des Herrendienstes u. s. w. Der Djaksa ist Polizei- und Justizoffizier.

90 mantrie: Inländischer Beamter, etwa: Aufseher.

91 gong und gamlang: Musikinstrumente. Der gong ist ein schweres metallenes Becken, das an einem Strang hängt. Man spielt den gamlang wie unsere Glasharmonika oder wie das bekannte Holz- und Stroh-Instrument. Es hätte an dieser Stelle wohl gleichfalls von anklung gesprochen werden dürfen, einem Gestell nach Art eines Rostes, mit Becken, die auf gespannten Seilen liegen. Es sei darauf hingewiesen, dass die Benennungen von all diesen Instrumenten Onomatopöen sind, die den Klang geschickt nachbilden. Der gong klingt stark, gewaltig und kriegerisch. Anklung und gamlang (gamelan) dagegen sanft und lieblich, doch sehr melancholisch.

VIII. KAPITEL.

106 Dhemang: Distriktshäuptling. Im zentralen und östlichen Java heisst dieser Beamte Wedhono.

107 padie: Reis.

108 Bandung: Abteilung (Regentschaft, Assistent-Residentschaft) in den Preanger-Regentschaften.

108 patjol: Hacke, Karst, meisselartiger Spaten.

108 banjir: Sturmflut, Sturzflut. Über diese Naturerscheinung hat Multatuli ergreifend berichtet in einem Schriftchen: "Zeige mir den Platz, wo ich gesäet habe!", dessen Titel dieser Stelle des "Havelaar" entlehnt ist. Näheres über die Schrift in meinem Biographie- und Auswahlbande, und zwar in der Ersten Auflage auf S. 82 u. 83; bei der veränderten und in Neudruck befindlichen Zweiten Auflage dürfte die Stelle sich etwas verschieben. Der Hauptteil der Schrift wird in einem späteren Bande noch veröffentlicht.

109 dessah: Dorf.

109 kris und klewang: Waffen. Über kris siehe unter Kap. XVII.

112 maniessan: Süssigkeit, Konfituren. Der Genuss desselben beim Thee ist chinesischen Ursprungs.

112 Radhen Wiera Kusuma, Distriktshaupt von Parang-Kudjang: der im "Havelaar" oft wiederkehrende Schwiegersohn und Handlanger des Regenten. In seinem Hause spielte auch die im XVIII. Kapitel vermeldete Vergiftungsaffaire.

120 djimats: Briefe oder andere Gegenstände, die aus dem Himmel fielen und Schwärmern und Bauernfängern zum Kredit verhalfen. Tout comme chez nous!

121 garem glap: Schmuggelsalz. Die Herstellung und der Verkauf von Salz ist in Indien Regie. Es wurde in der That an der Südküste von Lebak viel Salz gemacht, und es war den armen Leuten nicht übel zu nehmen, wenn man bedachte, dass sie vielfach viele Meilen zu laufen hatten, um einen Gouvernements-Debitsplatz zu erreichen, wo sie einen hohen Preis bezahlen mussten. Mir gilt die Monopolisierung der Salzbereitung als unbillig und vor allem grausam gegenüber Strandbewohnern, denen das Seesalz ins Haus spült.

XI. KAPITEL.

157 datu: Inländischer Häuptling.

159 Ophir: Wir finden diesen Namen auf den meisten Landkarten, und--wahrscheinlich weil der Berg, der so bezeichnet ist, weit von der See her zu sehen ist--auf allen Seekarten. Doch das Wort Ophir ist bei den Inländern unbekannt. Sie nennen den Berg, der ungefähr in der Mitte der Breite des Landes, eben nördlich der Linie liegt: Gunung Passaman. Wie also die Kartographen, die offenbar einander nachgeschrieben haben, die Benennung Ophir verantworten können, weiss ich nicht. Eine andere Frage ist, ob man diesen Berg mit der Gegend in Zusammenhang bringen will, von wo der Tyrische König Hiram für Salomos Tempelbau Gold, Ebenholz und Edelsteine holen liess (I. Könige, IX, 28; X, 11). Es ist sehr gewagt, dies auf Grund eines einzigen Wortes zu thun. Und überdies, woher stammt das Wort Ophir? Wer hat den Gunung Passaman zuerst so genannt? Der f-Klang lässt an Araber denken. In den "Arabischen Erzählungen" wird Sumatra von Sindbad dem Seefahrer besucht.

165 baleh-baleh: Ruhebank aus Bambus, Pritsche.

165 klambu: Gardine.

165 pajong: Sonnenschirm. Unterscheidungsmerkmal für den Rang.

166 banjir: Sturmflut.

XII. KAPITEL.

169 traussa: ist nicht nötig!

XIII. KAPITEL.

196 sambal-sambal: allerlei Zuspeise, durch deren Mannigfaltigkeit sich Indien auszeichnet. Die Beschreibung von den sambals, die dort genossen werden, würde Bände füllen. In wohlhabenden Familien erfordert diese Unterabteilung des täglichen Menüs die ausschliessliche Hingebung eines Bedienten, und bei Reichen ist hierfür eine Person nicht einmal hinreichend. Als Material dient alles, was essbar ist, so viel als möglich unkenntlich gemacht, und auch vieles, das Uneingeweihten nicht essbar vorkommt, z. B. unreife Früchte und verdorbener Fischlaich. Die Bereitung all dieser Gerichte nach den Regeln der Kunst erfordert ein wahres Studium. Auch ist für baren (Neulinge) bisweilen einige Übung nötig, um sie schmackhaft zu finden, doch Eingeweihte geben der indischen Küche den Vorzug vor den vielerlei Arten europäischer Küche.

XIV. KAPITEL.

199 Jang (njang) di Pertuan: "Er, der herrscht". Wenn ich mich nicht irre, ist auf ganz Sumatra nur ein Häuptling, der diesen Titel trägt. Tuankus (myn-heer, mon-seigneur) giebt es viele. Beide Benennungen sind malayisch--die letzte Silbe des Wortes Tuanku kommt mir gar javanisch vor--und da der Jang di Pertuan ganz speziell der vornehmste Häuptling in den Battahlanden ist, so scheint diese Würde ursprünglich durch malayische Unterjocher eingeführt zu sein. Die Wurzel der Benennungen von autochthonen Würden und Titeln müssen stets in der ältesten Sprache des Landes gesucht werden. Sie sind nur von verhältnismässig jüngerem Ursprung als die unwillkürlichen Laute, die durch äussere Ursachen Lunge und Kehle entfahren, als die vielerlei Benennungen für "Wasser", als die Andeutung von Terrainbesonderheiten oder Naturerscheinungen, und als die allgemeine Klangnachbildung.

201 Padries: wir nannten so die Atjinesen, die damals kurz vorher die Battahlande zum Islam bekehrt hatten. Das Wort muss wohl Pedirees bedeuten, nach Pedir, einem der kleinen Staaten von Atjin. Auch das Wort 'Atjin' ist eine durch Sprachgebrauch allgemein angenommene Entartung. Aus 'Atjeh' machten wir 'Atjehnese' oder 'Atjinese', wodurch das Grundwort selbst in 'Atjin' sich veränderte. Litterarischer Purismus ist hier nicht angebracht.

Die Beweise für den im Text berührten Fanatismus laufen übrigens ins Unglaubliche. Gleichwohl muss man zugeben, dass die Einführung des Islam--der zugleich Vermehrung des Salzgebrauchs zur Folge hatte--dem Menschenfressen grossen Abbruch gethan hat. Dass diese Gewohnheit in der Gegend von Penjabungan--dem Zentrum unserer Herrschaft in den Battahlanden--noch zur Zeit bestanden haben soll, als Ida Pfeifer diese Gegenden besuchte (1844? 1845?), halte ich für eine Lüge. Sie knüpft an das Erlebnis, das sie in dieser Sache gehabt zu haben behauptet, eine Anekdote, die den Stempel der Unwahrheit an der Stirn trägt. Man habe sie geschont, erzählt sie, wegen der Spasshaftigkeit ihrer Bemerkung: sie sei "eine bejahrte Frau und deshalb zu zäh". Als sie, einige Jahre nach mir, mit Battahleuten in Berührung kam, war die Anthropophagie in diesen Gegenden ausgerottet, und zwar durch den Einfluss derselben Völker, die wir jetzt im Namen der Civilisation bekriegen. Wann und wo hat Niederland je mit seiner Religion und mit seinen Waffen wie in diesem Fall sozusagen im Umsehen einen ganzen Volksstamm von Kannibalen zu ruhigen Menschen gemacht?

204 sewah: die Waffe der Bewohner Sumatras, wie auf Java der kris. Der sewah ist ein krummer Dolch mit sehr kleinem Griff, die Schneide an der Binnenseite der Krümmung. Die ursprüngliche Absicht bei dieser Formgebung wird wohl gewesen sein, dass der Griff vollkommen in der Hand verborgen werden kann, während der sehr stumpfe Rücken gegen den Puls anliegt und so die Waffe durch den Arm verdeckt wird. Der Angefallene merkt also nicht eher, dass sein Gegner bewaffnet ist, als bis dieser--nach einer eigenartigen, behenden Bewegung von Puls und Arm in drei Tempis--ihn trifft. Ganz abgesehen von dieser Geeignetheit als Mordwerkzeug ist der sewah das symbolische Merkmal der Freiheit und Männlichkeit. Wer ein malayisches Haupt gefangen nimmt--wie es unter den auf S. 205 beschriebenen Umständen meine verdriessliche Aufgabe war--fordert ihm seinen sewah ab.

Eine andere Waffe auf Sumatra, die anderswo wohl nicht bekannt ist, heisst krambièh und dient ausschliesslich als Mordwaffe. Sie ist kleiner und noch viel krummer als der sewah. Der Griff besteht aus nicht viel mehr als einer ringförmigen Öffnung, in die der Mörder seinen Daumen steckt, während die Klinge ganz in oder hinter der Hand verborgen bleibt.

226 tikar: kleine Matte. Die Benutzung von fein geflochtenen Matten auf den Bettmatratzen ist in Indien ziemlich allgemein, und wird, weil sie kühl bleiben, für gesund gehalten. Die Herstellung dieser Matten und anderen Flechtwerks bildet eine nicht unwichtige Industrie, in der sich vor allem die Makassaren auszeichnen.

227 klapper: Kokosnuss. Auch klappa, kelappa.

227 pukul ampat: "vier Uhr". Dies ist der Name eines Blümchens, das des Nachmittags um diese Stunde sich öffnet und gegen die Morgenstunde sich wieder schliesst; ampat heisst: vier, pukul: schlagen, Schlag, Glockenschlag.

227 Saudien oder Sudien für Si-Udien: ein sehr häufig vorkommender malayischer Name. Udien, Udin (das arabische Eddin) ist wahrscheinlich verwandt mit gleichartigen nordischen Namen in Europa. Über das sehr gebräuchliche Praefix si wäre viel zu sagen, mehr als mir jetzt der Raum zulässt.

XV. KAPITEL.

233 Patteh: Häuptlingstitel, des Regenten Sekretär, Botschafter, Faktotum.

XVI. KAPITEL.

250 dessah: Dorf.

250 Saïdjah: dieser Name ist mit einer kleinen Buchstabenversetzung der "Liste von gestohlenen Büffeln" in den "Liebesbriefen" entlehnt (deutsche Ausg. S. 149 u. 150). In derselben findet man auch die Namen der Dörfer Badur und Tjipurut.

252 Orang Gunung: Bergbewohner, doch auf Java ganz besonders der Bewohner der Berge in der Westecke.

253 Alfur: das Wort aliforu, alifuru, hari furu hat in der Nordecke von Celebes, im ganzen molukkischen Archipel und auf Neu-Guinea auch eine Bedeutung wie Orang Gunung: Bergbewohner, oder mindestens die von: Bewohner der Binnenlande. Es ist also eigentlich kein Volks- oder Stammname, wie manche meinen, aber er wird--ebenso wie das Wort: Niederländer--häufig als solcher gebraucht.

258 kendang: Umfriedigung von rohem Pfahlwerk.

XVII. KAPITEL.

268 sawah: durch künstliche Bewässerung unterhaltenes Reisfeld, in Gegensatz zu gagahs und tipars, die, was die Befeuchtung angeht, ganz vom Regen abhängen.

268 lombong: Bergeraum für Reis, enthülsten wie unenthülsten. Meistens ist der lombong ausserhalb des Hauses gegen eine der Wände angebaut.

268 kris: die volkstümliche Waffe des Javanen, die als solche zu seiner vollständigen Kleidung gehört, wie bei uns in früherer Zeit der Degen. Der kris ist ein schlangenförmiger, platter Dolch mit sehr kleinem Heft. Gewöhnlich sind die Krisse aus Streifen weichen Eisens zusammengeschmiedet und darnach mit Hülfe von Büffelhufen gestählt. Sie werden vor Rost bewahrt durch Einreibung mit djerook (einer Zitronenart), dem Arsen zugesetzt ist, welches dem Eisen einen eigentümlichen matten Schein verleiht. Der Aberglaube behauptet, dass man, wenn man einen Kris besehen will, diesen vollständig aus der Scheide ziehen müsse. Wer ihn nur zum Teil von der Scheide frei macht, stellt sich grossem Unglück bloss. Über bezauberte Krisse sind zahllose Erzählungen in Umlauf.

268 pusaka: Erbstück, hier--wie öfter--im pietätvollen Sinne: heiliges Erbstück.

269 Klambu-Haken: klambu ist: Gardine. In den platten, sehr breiten Haken, womit die Gardinen gehalten werden, wird einiger Luxus entwickelt. Auch bei den ungünstigst Gestellten sind sie doch gewöhnlich von Messing.

270 patjol: die Hacke, das Werkzeug, das der Javane für den Spaten gebraucht. Das Blatt sitzt lotrecht auf dem hölzernen Stiel. Es wird also damit gehauen, nicht gegraben, was vielleicht dem Umstande zuzuschreiben ist, dass der Inländer barfuss geht.

270 user-useran: das Wort wird in dem Text erklärt. Vermeintliche Besonderheiten in der Beschaffenheit der Haarwirbel, vor allem wenn sie sich auf dem Scheitel eines Kindes zeigen, liefern Stoff zu allerlei Weissagungen (siehe z. B. S. 113, 117, 118.).

270 penghulu: Priester.

270 ontong: Glück, Vorteil.

271 galangans: kleine, schmale Deiche, die das Wasser auf den sawahs halten.

271 Alanggras (allang-allang): Riedgras, Riesen- oder Prairiegras. Es ist oft so hoch, dass ein berittener Mann sich darin verbergen kann. Auf Sumatra nennt man es auch riembu, was dort auch Wildnis im allgemeinen bedeutet.

272 sarong; batik; kapala: Der sarong ist das eigenartige Kleidungsstück der Javanen, der Männer wie der Frauen. Es ist ein aus kapok gewobenes Stück Zeug, dessen Enden aneinandergenäht werden. Die Anwendung von Seide ist Ausnahme. Eines dieser Enden heisst kapala, d. h. Kopf, und ist mit einem breiten Rand bemalt, gewöhnlich bestehend aus ineinander verschlungenen Dreiecken. Dieses Bemalen heisst batik und geschieht aus freier Hand. Das Gewebe wird zu diesem Zwecke in einen Rahmen gespannt, und die Farbe befindet sich in einem kleinen Werkzeuge von Blech, das--sehr verkleinert--die Form eines Theetopfes hat oder eines antiken Lämpchens. Sarongs ohne kapala, und deren Enden nicht aneinander genäht sind, heissen slendangs. Man trägt diese Kleidungsstücke um die Hüften, und die Männer schürzen sie mehr oder weniger auf, bisweilen auch vollständig. Auch wird der slendang häufig ganz zum Gürtel zusammengerollt, in welchem Fall die Männer eine Hose tragen, sehr gegen die eigentliche javanische Gewohnheit, was mehr und mehr die Oberhand gewinnt bei den Javanen, die viel mit Europäern in Berührung kommen. Als eine Besonderheit mag bemerkt werden, dass die Anwendung von Hosen unter den sarongs bei Frauen allein in dem Nordwinkel von Sumatra vorkommt. Ich wenigstens habe diese Sitte nur dort angetroffen. Sie ist atjinesischen Ursprungs, weshalb auch diese Kleidungsstücke serawak atjeh heissen: atjinesische Hose.

Was übrigens die sarongs und slendangs angeht, seit etwa dreissig Jahren (1881 von M. geschrieben. D. Übers.) haben sich europäische Fabrikanten darauf gelegt, das javanische batik nachzumachen, und es wurden denn auch jährlich in diesem Artikel Fabrikate im Werte von Millionen umgesetzt. Doch wird das Tragen eines gedruckten Kain (kahin: Kleid, der generelle Name für all solche Kleidungsstücke) stets für ein Zeichen von Armut oder wenigstens geringeren Wohlstandes gehalten.

273 matah-glap, amokh. Das Wort (matah-glap = verdunkelten Auges) deutet den Zustand jemandes an, der in Raserei alles, was ihm begegnet, niederschlägt, bis er selbst erschlagen wird. Ich nannte es irgendwo "Selbstmord in Gesellschaft" und weiss auch jetzt noch keinen besseren Namen dafür. Der Unglückliche, der von dieser Wut gepackt wird, kennt weder Freund noch Feind. Ursache ist gewöhnlich Eifersucht oder zu lang verhaltener Groll über Misshandlung. Der Javane ist, wie die meisten anderen Inländer, sanftmütig und nachgiebig von Art. Doch allzu tief verwundet oder zu andauernd gekränkt, bricht seine Wut in amokh aus. Dass gleichwohl auch der amfiun (Opium) hierbei eine Rolle spielt--sei es als Ursache des Leidens, oder sei es als ein Mittel, das durch seinen Reiz der Wut nachzugeben veranlasst--versteht sich von selbst.

273 atap: eine Art Wasserpalme, deren Blätter zum Decken geringer Häuser verwandt werden.

273 bendie: Chaise, Tilbury, leichtes, unbedecktes Kabriolett.

274 djati, ketapan: zwei Arten von grossen Bäumen. Der erstere Baum liefert ein sehr dauerhaftes Holz. Warum Botaniker ihm den Namen Quercus indica gegeben haben, weiss ich nicht, da er in keiner Weise mit unserer Eiche übereinkommt.

274 melatti: unter Kap. VI erklärt.

274 Reisblock: schwerer, hölzerner Trog, worin der padie durch Stampfen von der Hülse befreit wird. Dieses Stampfen heisst--Klangnachbildung wieder!--tumbokh.

275 tudung: siehe unter Kap. VI. In der Bestimmung der Tageszeit nach dem Schatten, den sein tudung auf seinem Antlitz zeichnete, folgte Saïdjah einem allgemeinen indischen Brauch.

276 lalayang: ein Spielzeug wie unser Papierdrache. Auf Java ergötzen sich nicht ausschliesslich Kinder mit ihm. Er hat keinen Schwanz und beschreibt allerlei unsichere Kurven, die durch Nachgeben, Einholen und Schiessenlassen des Bindfadens durch die Person, die ihn in der Hand hält, einigermassen beherrscht werden. Die Aufgabe bei diesem Spiel ist, der Schnur von dem Drachen des Gegenspielers in der Luft zu begegnen und sie zu durchschneiden. Aus den vielerlei lebhaften Anstrengungen hierbei entsteht eine Art Gefecht, das sehr ergötzlich anzusehen ist und die Zuschauer zu lebendiger Teilnahme zwingt. Die von Saïdjah hingestellte Möglichkeit, demgemäss "der kleine Djamien" die Niederlage durch geschilderten betrügerischen Eingriff herbeigeführt haben sollte, ist, was die dabei erforderliche Geschicklichkeit im Werfen angeht, ein Indiismus.

277 "er hat einen grossen Mund gehabt": spezifischer Malayismus.

277 "Salzmachen an der Südküste": siehe unter Kap. VIII: garem glap: Schmuggelsalz.

277 matah-glap: rasend. Näheres weiter oben erklärt.

277 "den Brand, das Feuer töten": spezifischer Malayismus.

278 klappa: Kokosnuss. Klappabaum also: Kokospalme.

278 Klagefrauen: beim Sterben eines Javanen wird schreckliches Geheul gemacht, nicht--wie früher bei uns--durch bezahlte "huilebalgen", sondern von Verwandten, Bekannten und Nachbarn.

279 kamuning: feines, gelbgeflammtes Holz, das nur aus der Wurzel des so benannten kleinen Bäumchens gewonnen wird, und das also nie gross im Stück sein kann. Es ist sehr teuer.

279 kahin: der zum Gürtel gerollte slendang.

280 'Grossvater' des Susukunan von Solo: der Sus. v. Solo ist der Kaiser von Surakarta. Er giebt in seinen offiziellen Korrespondenzen dem Generalgouverneur u. a. auch den Titel eines 'Grossvaters'.

280 kondeh ... im eigenen Strick gefangen: siehe unter Kap. VI.

281 kabaai: ein leichtes, nachlässiges Gewand, das indische Hauskleid, auch Schlafgewand; ein Négligé.

281 pontianak: Spuk, der sich in Bäumen aufhält und auf Frauen sehr ergrimmt ist, besonders auf schwangere. Ich weiss nicht, ob ein Zusammenhang zu suchen ist zwischen der Bedeutung dieses Wortes und dem Namen der Niederländischen Befestigung an der Westküste von Borneo.

283 pelitah: Lämpchen.

284 rottan oder rotan: spanisch Rohr.

285 badjing: javanisches Eichhörnchen. Dies Tierchen kam mir immer kleiner vor als sein europäischer Artgenosse. Es lässt sich leicht zähmen.

285 Bauch für 'Magen': Malayismus.

289 boaja: Kaiman, eine Krokodilart. Das Opfern besteht darin, dass man abends Bambuskörbchen oder Näpfchen voll Reis und anderer Speise, mit einem kleinen Licht versehen, stromabwärts treiben lässt. Wenn gerade viel auf den Flüssen geopfert wird, bieten die ruhig dahintreibenden Leuchtschiffchen einen reizenden Anblick.

290 baleh-baleh: Pritsche, Ruhebank aus Bambus.

291 "... und also in Flammen stand": dieses blutige "also" (im Holländ.: "dus") hat nach Erscheinen des "Havelaar" erregte Kontroversen zum Gefolge gehabt. Multatuli hat es mehrfach verteidigt.

XVIII. KAPITEL.

301 pundutan: Lebensmittel und andere Artikel, die ohne Bezahlung erhoben werden.

301 pantjens und kemits: unbesoldetes Wacht- und Dienstvolk.

XIX. KAPITEL.

313 Patteh: der Inländische Häuptling, der die Vertrauensstellung eines Sekretärs, Botschafters beim Regenten einnimmt.

XX. KAPITEL.

325 tongtong (tomtom, tamtam): ein grosser, hängender, ausgehöhlter Block von Holz, auf dem man die Stunden anschlägt. Der Name ist wieder eine Onomatopöe.

335 kampong: Dorf.

ANMERKUNGEN

[1] Multatuli. Auswahl aus seinen Werken in Übersetzung aus dem Holländischen, eingeleitet durch eine Charakteristik seines Lebens, seiner Persönlichkeit und seines Schaffens. Von Wilhelm Spohr. Mit Bildnissen und handschriftlicher Beilage. Minden i. W., J. C. C. Bruns' Verlag.