Märchen (Illustriert von Alfred Kubin)
Part 5
Johannes küßte dem guten, alten König die Hand und sagte, es würde schon gehen, denn er sei entzückt von der schönen Prinzessin.
Da kam die Prinzessin selbst mit allen ihren Damen in den Schloßhof geritten, sie gingen deshalb zu ihr hinaus und sagten ihr guten Tag. Sie war wunderschön anzuschauen und reichte Johannes die Hand. Und er hielt noch viel mehr von ihr wie früher. Sie konnte sicher keine böse Hexe sein, wie alle Leute es ihr nachsagten. -- Dann begaben sie sich in den Saal, und die kleinen Pagen präsentierten ihnen Eingemachtes und Pfeffernüsse. Aber der alte König war betrübt, er konnte nichts essen. Und die Pfeffernüsse waren ihm auch zu hart.
Es wurde bestimmt, daß Johannes am nächsten Morgen wieder nach dem Schlosse kommen sollte, dann würden die Richter und der ganze Rat versammelt sein und hören, wie es mit dem Raten gehe. Würde er gut dabei fahren, so sollte er dann noch zweimal kommen, aber es war noch nie jemand da gewesen, der das erstemal richtig geraten hätte, und dann mußte er das Leben verlieren.
Johannes war nicht bekümmert darum, wie es ihm ergehen würde. Er war vielmehr vergnügt, gedachte nur der schönen Prinzessin und glaubte sicher, der liebe Gott werde ihm schon helfen. Aber wie, dies wußte er nicht und wollte lieber nicht daran denken. Er tanzte auf der Landstraße dahin, als er nach dem Wirtshause zurückging, wo der Reisekamerad auf ihn wartete.
Johannes konnte nicht fertig damit werden, zu erzählen, wie artig die Prinzessin gegen ihn gewesen und wie schön sie sei. Er sehne sich schon sehr nach dem nächsten Tage, wo er in das Schloß sollte, um sein Glück im Raten zu versuchen.
Aber der Reisekamerad schüttelte den Kopf und war betrübt. »Ich bin dir so gut!« sagte er. »Wir hätten noch lange beisammen sein können, und nun soll ich dich schon verlieren! Du armer, lieber Johannes! Ich möchte weinen, aber ich will am letzten Abende, den wir vielleicht beisammen sind, deine Freude nicht stören. Wir wollen lustig sein, recht lustig! Morgen, wenn du fort bist, kann ich ungestört weinen.«
Alle Leute drinnen in der Stadt hatten sogleich erfahren, daß ein neuer Freier der Prinzessin angekommen war, und deshalb herrschte große Betrübnis. Das Schauspielhaus blieb geschlossen, alle Kuchenfrauen banden Flor um ihre Zuckermänner, der König und die Priester lagen auf den Knien in den Kirchen. Es war große Betrübnis, denn es konnte Johannes ja nicht besser ergehen, als es allen übrigen Freiern ergangen war.
Gegen Abend bereitete der Reisekamerad eine große Bowle Punsch und sagte zu Johannes: »Nun wollen wir recht lustig sein und auf der Prinzessin Gesundheit trinken.« Als aber Johannes zwei Gläser getrunken hatte, wurde er so schläfrig, daß es ihm unmöglich war, die Augen offen zu halten, er sank in tiefen Schlaf. Der Reisekamerad hob ihn sanft vom Stuhle und legte ihn in das Bett hinein, und als es dunkle Nacht wurde, nahm er die beiden großen Flügel, die er von dem Schwane abgehauen hatte, und band sie an seine Schultern fest. Die größte Rute, die er von der alten Frau erhalten, welche gefallen war und das Bein gebrochen hatte, steckte er in seine Tasche, öffnete das Fenster und flog so über die Stadt, nach dem Schlosse hin, wo er sich in einen Winkel unter das Fenster setzte, wo es in die Schlafstube der Prinzessin ging.
Es war still in der ganzen Stadt. Nun schlug die Uhr dreiviertel auf Zwölf, das Fenster ging auf und die Prinzessin flog in einem langen, weißen Mantel und mit schwarzen Flügeln über die Stadt weg hinaus zu einem großen Berge. Aber der Reisekamerad machte sich unsichtbar, so daß sie ihn nicht sehen konnte, flog hinterher und peitschte die Prinzessin mit seiner Rute, so daß Blut kam, wohin er schlug. Ach, das war eine Fahrt durch die Luft! Der Wind erfaßte ihren Mantel, der sich nach allen Seiten ausbreitete gleich einem großen Schiffssegel, und der Mond schien durch denselben.
»Wie es hagelt! wie es hagelt!« sagte die Prinzessin bei jedem Schlage, den sie von der Rute bekam, und das war ihr schon recht. Endlich kam sie hinaus zum Berge und klopfte an. Es rollte gleich dem Donner, indem der Berg sich öffnete, sie ging hinein. Der Reisekamerad folgte ihr, denn niemand konnte ihn sehen, er war unsichtbar. Sie gingen durch einen großen, langen Gang, wo die Wände eigentümlich glänzten, es waren über tausend glühende Spinnen, die an der Mauer auf- und abliefen und wie Feuer leuchteten. Da kamen sie in einen großen Saal, von Silber und Gold erbaut, Blumen so groß wie Sonnenblumen, rote und blaue, glänzten an den Wänden, aber niemand konnte die Blumen pflücken, denn die Stengel waren häßliche, giftige Schlangen, und die Blumen waren Feuer, welches ihnen aus dem Rachen heraus brannte. Die ganze Decke war mit leuchtenden Johanneswürmchen und himmelblauen Fledermäusen bedeckt, die mit den dünnen Flügeln schlugen. Es sah ganz schauerlich aus! Mitten auf dem Fußboden war ein Thron, der von vier Pferdegerippen getragen wurde, welchen Zaumzeug von den roten Feuerspinnen aufgelegt war, der Thron selbst war aus milchweißem Glase, und die Kissen waren kleine, schwarze Mäuse, die einander in den Schwanz bissen. Über demselben war ein Dach von rosenrotem Spinngewebe, mit den niedlichen, kleinen grünen Flügeln besetzt, welche wie Edelsteine glänzten. Auf dem Throne saß ein alter Zauberer, mit einer Krone auf dem häßlichen Kopfe und einem Zepter in der Hand. Er küßte die Prinzessin auf die Stirn, ließ sie an seine Seite auf den kostbaren Thron setzen, und dann begann die Musik. Große, schwarze Heuschrecken bliesen auf Mundharmonikas, und die Ente schlug sich auf den Leib, denn sie hatte keine Trommel. Das war ein possierliches Konzert. Kleine, schwarze Kobolde mit einem Irrlichte auf der Mütze tanzten im Saale herum. Niemand aber konnte den Reisekameraden erblicken, er hatte sich hinter den Thron gestellt und hörte und sah alles. Die Hofleute, die nun herein kamen, waren sehr fein und vornehm! Der, welcher sehen konnte, merkte wohl, wie es damit zusammenhing. Sie waren nichts weiter als Besenstiele mit Kohlköpfen darauf, in die der Zauberer Leben gehext und denen er gestickte Kleider gegeben hatte. Aber das machte nichts aus, sie wurden doch nur zum Prunk gebraucht.
Nachdem erst etwas getanzt war, erzählte die Prinzessin dem Zauberer, daß sie einen neuen Freier erhalten habe und fragte deshalb, woran sie wohl denken sollte, um ihn am nächsten Morgen darnach zu fragen, wenn er nach dem Schlosse käme.
»Höre,« sagte der Zauberer, »das will ich dir sagen! Du mußt etwas recht Leichtes wählen, denn dann fällt er gar nicht darauf. Denke an einen deiner Schuhe. Das rät er nicht. Laß ihm den Kopf abhauen, doch vergiß nicht, wenn du morgen Nacht wieder zu mir kommst, mir seine Augen mitzubringen, denn die will ich essen!«
Die Prinzessin verneigte sich tief und sagte, sie würde die Augen nicht vergessen. Der Zauberer öffnete nun den Berg, und sie flog wieder zurück, aber der Reisekamerad folgte ihr und prügelte sie wieder so stark mit der Rute, daß sie tief über das starke Hagelwetter seufzte und sich, so sehr sie konnte, beeilte, durch das Fenster in ihre Schlafstube zu gelangen. Der Reisekamerad dagegen flog zum Wirtshause zurück, wo Johannes noch schlief, löste seine Flügel ab und legte sich dann auch auf das Bett, denn er konnte wohl müde sein.
Es war früh am Morgen, als Johannes erwachte. Der Reisekamerad stand auch auf und erzählte, daß er diese Nacht einen sonderbaren Traum von der Prinzessin und ihrem Schuhe gehabt habe und bat ihn, deshalb doch zu fragen, ob die Prinzessin nicht an ihren Schuh gedacht haben sollte. Denn das war es ja, was er von dem Zauberer im Berge gehört hatte.
»Ich kann ebensogut darnach als nach etwas anderem fragen,« sagte Johannes. »Vielleicht ist das richtig, was du geträumt hast, denn ich vertraue auf den lieben Gott, der mir schon helfen wird. Aber ich will dir noch Lebewohl sagen, denn rate ich falsch, so bekomme ich dich nie mehr zu sehen.«
Dann küßten sie sich, und Johannes ging in die Stadt und nach dem Schlosse. Der Saal war mit Menschen angefüllt, die Richter saßen in ihren Lehnstühlen und hatten Eiderdunenkissen unter den Köpfen, denn sie hatten gar viel zu denken. Der alte König stand auf und trocknete seine Augen mit einem weißen Taschentuche. Nun trat die Prinzessin herein. Sie war noch schöner wie gestern und grüßte alle in anmutigster Weise, aber dem Johannes gab sie die Hand und sagte: »Guten Morgen, du!«
Nun sollte Johannes raten, woran sie gedacht habe, Gott, wie sah sie ihn freundlich an! Aber sowie sie ihn das eine Wort »Schuh« aussprechen hörte, wurde sie kreideweiß im Gesicht und zitterte am ganzen Körper. Allein das konnte ihr nichts helfen, denn er hatte richtig geraten!
Der Tausend! wie wurde der alte König vergnügt, er schoß einen Purzelbaum, daß es eine Lust war. Und alle Leute klatschten in die Hände, ihm und Johannes zu Ehren, der das erstemal richtig geraten hatte.
Der Reisekamerad war auch erfreut, als er erfuhr, wie gut es abgelaufen war. Aber Johannes faltete die Hände und dankte seinem Gotte, der sicher die beiden andern Male wieder helfen würde. Am nächsten Tage sollte schon wieder geraten werden.
Der Abend verging ebenso wie der gestrige. Als Johannes schlief, flog der Reisekamerad hinter der Prinzessin her zum Berge hinaus und prügelte sie noch stärker als das vorige Mal, denn nun hatte er zwei Ruten genommen. Niemand bekam ihn zu sehen, und er hörte alles. Die Prinzessin wollte an ihren Handschuh denken, und das erzählte er wieder dem Johannes, als ob es ein Traum sei. Daher konnte derselbe richtig raten, und es verursachte eine große Freude auf dem Schlosse. Der ganze Hof schoß Purzelbäume, sowie sie es den König das erstemal hatten machen sehen. Aber die Prinzessin lag auf dem Sofa und wollte nicht ein einziges Wort sagen. Nun kam es darauf an, ob Johannes das drittemal richtig raten konnte. Glückte es, so sollte er ja die schöne Prinzessin haben und nach dem Tode des alten Königs das ganze Reich erben. Riet er falsch, so sollte er sein Leben verlieren und der Zauberer seine schönen, blauen Augen essen.
Den Abend vorher ging Johannes zeitig zu Bett, betete sein Abendgebet und schlief dann ruhig. Aber der Reisekamerad band seine Flügel an den Rücken, den Säbel aber an seine Seite, nahm alle drei Ruten mit sich und flog nach dem Schlosse.
Es war finstere Nacht. Es stürmte so, daß die Dachsteine von den Häusern flogen, und die Bäume drinnen im Garten, wo die Gerippe hingen, bogen sich gleich nach dem Schilfe vor dem Sturmwinde. Es blitzte jeden Augenblick und der Donner rollte, als ob es nur ein einziger Schlag sei, der die ganze Nacht währte. Nun ging das Fenster auf, und die Prinzessin flog heraus. Sie war so bleich wie der Tod, aber sie lachte über das böse Wetter und meinte, es sei noch nicht arg genug. Und ihr weißer Mantel wirbelte in der Luft umher, gleich einem großen Schiffssegel, aber der Reisekamerad peitschte sie mit seinen drei Ruten, daß das Blut auf die Erde tröpfelte und sie zuletzt kaum weiter fliegen konnte. Endlich kam sie doch nach dem Berge.
»Es hagelt und stürmt,« sagte sie, »nie bin ich bei solchem Wetter ausgewesen.«
»Man kann auch des Guten zu viel haben!« sagte der Zauberer. Nun erzählte sie ihm, daß Johannes auch das zweitemal richtig geraten habe, würde er dasselbe morgen tun, so hätte er gewonnen, und sie könne nie mehr nach dem Berge hinauskommen, vermöchte nie mehr solche Zauberkünste wie früher zu machen, deshalb war sie betrübt.
»Er soll es nicht erraten können!« sagte der Zauberer. »Ich werde schon etwas erdenken, was er sich nie gedacht hat, oder er müßte ein größerer Zauberer gewesen sein als ich. Aber nun wollen wir lustig sein!« Und dann faßte er die Prinzessin bei den Händen, und sie tanzten mit allen den kleinen Kobolden mit Irrlichtern herum, die in dem Zimmer waren. Die roten Spinnen sprangen an den Wänden ebenso lustig auf und nieder, es sah aus, als ob Feuerblumen sprühten. Die Eule schlug auf die Trommel, die Heimchen pfiffen, und die schwarzen Heuschrecken bliesen auf Mundharmonikas. Es war ein lustiger Ball. --
Als sie nun lange genug getanzt hatten, mußte die Prinzessin nach Hause, sonst möchte sie im Schlosse vermißt werden. Der Zauberer sagte, daß er sie begleiten wolle, da wären sie doch unterwegs noch beisammen.
Dann flogen sie in dem bösen Wetter davon, und der Reisekamerad schlug seine drei Ruten auf ihrem Rücken entzwei. Nie war der Zauberer in solchem Hagelwetter ausgewesen. Draußen vor dem Schlosse sagte er der Prinzessin Lebewohl und flüsterte ihr zugleich zu: »Denke an meinen Kopf!« Aber der Reisekamerad hörte es wohl, und gerade in dem Augenblick, als die Prinzessin durch das Fenster in ihr Schlafgemach schlüpfte und der Zauberer wieder umkehren wollte, ergriff er ihn an seinem langen Barte und hieb mit dem Säbel seinen häßlichen Zaubererkopf bei den Schultern ab, so daß der Zauberer ihn nicht einmal selbst zu sehen bekam. Den Körper warf er hinaus in den See zu den Fischen, den Kopf aber tauchte er nur in das Wasser und band ihn dann in sein seidenes Taschentuch, nahm ihn mit nach dem Wirtshause und legte sich dann schlafen.
Am nächsten Morgen gab er Johannes das Taschentuch und sagte ihm dabei, daß er es nicht aufbinden dürfe, bevor die Prinzessin frage, woran sie gedacht habe.
Es waren so viele Menschen in dem großen Saale auf dem Schlosse, daß sie so dicht standen wie Radieschen, die in ein Bündel zusammengebunden sind. Der Rat saß auf seinen Stühlen mit den weichen Kissen, und der alte König hatte neue Kleider an, die goldene Krone und das Zepter waren poliert: er sah feierlich aus. Aber die Prinzessin war bleich und hatte ein schwarzes Kleid an, als gehe sie zum Begräbnis.
»Woran habe ich gedacht?« fragte sie den Johannes. Und sogleich löste er das Taschentuch und war selbst erschrocken, als er das häßliche Zaubererhaupt erblickte. Es schauderte alle Menschen, denn es war schrecklich anzusehen, aber die Prinzessin saß da wie ein Steinbild und konnte nicht ein einziges Wort sagen. Endlich erhob sie sich und reichte Johannes die Hand, denn er hatte ja richtig geraten. Sie sah weder auf den einen noch auf den andern, sondern sie seufzte laut: »Nun bist du mein Herr! Diesen Abend wollen wir Hochzeit halten!«
»Das gefällt mir!« sagte der alte König. »So will ich es haben!« Alle Leute riefen hurra, die Wachtparade machte Musik in den Straßen, die Glocken läuteten und die Kuchenfrauen nahmen den schwarzen Flor von ihren Zuckermännern, denn nun herrschte große Freude. Drei gebratene Ochsen, mit Enten und Hühnern gefüllt, wurden mitten auf den Markt gesetzt, und jeder konnte sich ein Stück abschneiden, in den Springbrunnen sprudelte der schönste Wein, und kaufte man eine Pfennigbrezel beim Bäcker, so bekam man sechs große Zwiebacke als Zugabe, und die Zwiebacke mit Rosinen darin.
Am Abende war die ganze Stadt erleuchtet, die Soldaten schossen mit Kanonen, die Knaben mit Knallerbsen, und es wurde gegessen und getrunken, angestoßen und gesprungen oben im Schlosse. Alle die vornehmen Fräulein tanzten miteinander, man konnte in weiter Ferne hören, wie sie sangen:
Hier sind viel hübsche Mädchen, Die gern tanzen rund herum, Drehen sich wie Spinnerädchen; Hübsches Mädchen, schwenk' dich um. Tanzt und springet immerzu, Bis die Sohle fällt vom Schuh.
Aber die Prinzessin war ja noch eine Hexe und mochte Johannes gar nicht leiden. Das fiel dem Reisekameraden ein, und deshalb gab er Johannes drei Federn aus den Schwanenflügeln und eine kleine Flasche mit einigen Tropfen darin und sagte ihm dann, daß er ein großes Faß mit Wasser gefüllt vor das Bett der Prinzessin setzen lassen solle, und wenn die Prinzessin hineinsteigen wolle, sollte er ihr einen kleinen Stoß geben, so daß sie in das Wasser hinunterfalle, wo er sie dreimal untertauchen müsse, nachdem er vorher die Federn und die Tropfen hineingeschüttet habe, dann werde sie ihre Zauberei verlieren und ihn recht lieb haben.
Johannes tat alles, was der Reisekamerad ihm geraten hatte. Die Prinzessin schrie laut, als er sie unter das Wasser tauchte, und zappelte ihm unter den Händen wie ein großer, schwarzer Schwan mit funkelnden Augen. Als sie das zweitemal wieder über das Wasser herauf kam, war der Schwan weiß, bis auf einen schwarzen Ring um den Hals. Johannes betete fromm zu Gott und ließ das Wasser das drittemal über den Vogel zusammenschlagen, und in demselben Augenblick wurde dieser in die schönste Prinzessin verwandelt. Sie war noch schöner als zuvor und dankte ihm mit Tränen in ihren herrlichen Augen, daß er den Zauber von ihr gelöst habe.
Am nächsten Morgen kam der alte König mit seinem ganzen Hofstaate, da gab es ein Gratulieren bis spät in den Tag hinein. Zuletzt kam der Reisekamerad, er hatte seinen Stock in der Hand und das Ränzel auf dem Rücken. Johannes küßte ihn viele Mal und sagte, er dürfe nicht fortreisen, er solle bei ihm bleiben, denn er wäre ja die Ursache seines Glücks. Aber der Reisekamerad schüttelte mit dem Kopfe und sagte mild und freundlich: »Nein, nun ist meine Zeit um. Ich habe nur meine Schuld bezahlt. Erinnerst du dich des toten Mannes, dem die bösen Menschen Übles tun wollten? Du gabst alles, was du besaßest, damit er Ruhe in seinem Grabe haben konnte. Der Tote bin ich!«
In demselben Augenblicke war er verschwunden. --
Die Hochzeit währte nun einen ganzen Monat. Johannes und die Prinzessin liebten einander innig, und der alte König erlebte manche frohe Tage und ließ ihre kleinen Kinderchen auf seinen Knien reiten und mit seinem Zepter spielen. Aber Johannes wurde König über das ganze Land.
Das Märchenbuch
Eine Sammlung von Märchenbüchern für Kinder und Erwachsene
Mit Zeichnungen der besten deutschen Maler
Herausgegeben von Bruno Cassirer
Band 1 Deutsche Märchen Illustriert von Max Slevogt Gebunden 10 Mark
Band 2 Deutsche Märchen Illustriert von Graf L. von Kalckreuth Gebunden 8 Mark
Band 3 Genovefa -- Der arme Heinrich Illustriert von W. Klemm Gebunden 8 Mark
Band 4 Aladdin oder die Wunderlampe Illustriert von C. Strathmann Gebunden 8 Mark
Band 5 Zwerg Nase Farbig illustriert von Karl Walser Zweite Auflage. Gebunden 13.50 Mark
Band 6 Rübezahl Illustriert von Max Slevogt Gebunden 10 Mark
Band 7 Das kalte Herz Farbig illustriert von Karl Walser Gebunden 10 Mark
Band 8 Kalif Storch -- Der kleine Muck Farbig illustriert von Karl Walser Gebunden 10 Mark
Band 9 Frau Holle und anderes Illustriert von Bernhard Hasler Gebunden 15 Mark
Band 10 Ali Baba und die vierzig Räuber Illustriert, teils mehrfarbig, von Max Slevogt Zweite Auflage. In Halbleinen gebunden 35 Mark
Von einigen Bänden sind noch wenige Exemplare in Ganzleder mit Goldprägung zum Preise von 200 Mark vorrätig. Hergestellt wurden je 100 numerierte Exemplare
Druck: Hof-Buch- und -Steindruckerei Dietsch & Brückner in Weimar
Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
[S. 23]: ... Bäume und Pflanzen, die so geschmeidig im Stile und in ... ... Bäume und Pflanzen, die so geschmeidig im Stiele und in ...
[S. 37]: ... Berge, auf deren Gipfel der weiße Schnee glänzte, als wären ... ... Berge, auf deren Gipfeln der weiße Schnee glänzte, als wären ...
[S. 58]: ... deine dreihundert Jahre, bevor du zu toten, salzigem Seeschaume ... ... deine dreihundert Jahre, bevor du zu totem, salzigem Seeschaume ...
[S. 74]: ... von allem Möglichem, was existierte, zu erzählen. ... ... von allem Möglichen, was existierte, zu erzählen. ...
[S. 91]: ... wie sah sie ihn freundlich an! Aber sowie sie ihm das eine Wort ... ... wie sah sie ihn freundlich an! Aber sowie sie ihn das eine Wort ...