Macbeth

Chapter 2

Chapter 23,782 wordsPublic domain

König. Seht hier unsre edle Wirthin! Die Liebe die uns folgt, macht uns zuweilen Unruh, aber wir danken ihr doch, weil es Liebe ist. Laßt euch dieses zum Beweggrund dienen, uns gerne zu haben, ob wir euch gleich Unruhe machen.

Lady. Alle unsre Dienste, in jedem Stük zweymal verdoppelt, wären noch immer arm und unvermögend, die grosse Ehre zu erkennen, womit Eu. Majestät unser Haus begnadigt. Es bleibt uns nichts übrig, als für die alten Gnaden-Bezeugungen sowol, als die neuen, die über jene aufgehäuft worden, eure armen Fürbitter zu bleiben.

König. Wo ist der Than von Cawdor? Wir folgten ihm an den Fersen nach, und nahmen uns vor, seinen Haus-Meister zu machen: Aber er reitet gut, und seine Liebe zu uns hat ihm so schnelle Flügel angesezt, daß er vor uns angekommen ist. Schöne und edle Wirthin, wir sind euer Gast auf diese Nacht.

Lady. Eure Majestät hat über ihre Diener und alles was ihr ist, als über ihr Eigenthum zu befehlen; wir können nichts geben, das wir nicht von ihr empfangen hätten.

König. Gebt mir eure Hand, und führt mich zu meinem Wirth; wir lieben ihn höchlich, und was wir bisher für ihn gethan haben, ist nur ein Anfang der Beweise unsrer Huld, die wir ihm vorbehalten. Mit eurer Erlaubniß, Wirthin--

(Sie gehen ab.)

Neunte Scene. (Ein Zimmer in Macbeths Schloß.) (Hautbois, Fakeln. Verschiedene Bediente gehen mit Tellern und Speisen über den Schauplaz. Nach einer Weile erscheint Macbeth.)

Macbeth (allein.) Wenn* alles vorbey wäre, wenn es gethan ist, so wär's gut, wenn's schnell gethan würde; wenn der Meuchelmord zugleich die Folgen auffischen könnte, und dieser einzige Streich hier alles enden würde--so möchten wir Muth haben hier auf diesem Sandbank der Zeit über das künftige Leben wegzuspringen. Aber in solchen Fällen empfangen wir gemeiniglich unser Urtheil schon hier, indem wir andern einen blutigen Unterricht geben, der zulezt auf des Erfinders eignen Kopf zurük fällt. Die gleich-messende Gerechtigkeit nöthigt uns, die Hefen unsers eignen Gift-Kelchs auszutrinken--Er sollte gedoppelt sicher seyn; einmal weil ich sein Verwandter und Vasall bin, beydes starke Beweggründe gegen die That: Hernach als sein Wirth, der, anstatt den Streich selbst zu führen, die Thüre vor seinem Mörder verschliessen sollte. Überdem hat dieser Duncan so milde regiert, hat sein grosses Amt so untadelich verwaltet, daß seine Tugenden, wie Engel, mit Trompeten-Zungen tiefe Verdammniß über seine Wegraffung ausruffen werden; und Mitleiden, gleich einem nakten neugebohrnen Kind, oder wie des Himmels Cherubim, auf den unsichtbaren Rossen der Luft reitend, die entsezliche That in jedes Antliz blasen wird, bis Thränen den Wind ersäuffen--Ich habe keinen Sporn, der den Lauf meines Vorhabens treibt, als allein den Ehrgeiz, der sich selbst überspringt, und auf einen andern einstürzt--

{ed.-* Der erste Theil dieser Rede ist auch nach einer Restauration, die wir Popen zu danken haben, eine der dunkelsten in unserm Autor.}

Zehnte Scene. (Lady Macbeth tritt auf.)

Macbeth. Wie steht's? Was giebt's Neues?

Lady. Er hat beynahe abgespeist; warum habt ihr das Zimmer verlassen?

Macbeth. Fragte er nach mir?

Lady. Ich dachte, man hätt' es euch gesagt.

Macbeth. Wir wollen nicht weiter in dieser Sache gehen. Er hat mich kürzlich mit Ehren-Zeichen überhäuft; und ich habe goldne Meynungen von allen Arten von Leuten gekauft, die nun in ihrem neuesten Glanz getragen, und nicht so früh bey Seite geworfen seyn wollen.

Lady. War die Hoffnung trunken, die euch vor kurzem so entschlossen machte? Hat sie seitdem geschlaffen, und erwachte sie nun, um so bleich und grün beym Anblik dessen, was sie vorher liebte auszusehen? Wie? fürchtest du derjenige in der That zu seyn, der du zu seyn wünschest? Strebest du nach dem, was du für die Zierde des Lebens ansiehst, und willst in deinen eignen Augen als eine Memme leben?--Ich habe das Herz nicht, (armseliger Gedanke!) ob ich gleich gerne wollte; gleich der armen Kaze im Sprüchwort, (die gerne Fische fienge, wenn sie nur die Füsse nicht naß machen müßte.)

Macbeth. Ich bitte dich, halt ein. Ich habe zu allem Muth, was einem Mann anständig ist; wer mehr hat, ist keiner.

Lady. Was für ein Thier war denn das, das euch antrieb, mir die erste Eröffnung von diesem Vorhaben zu thun? Als ihr den Muth hattet es auszuführen, da war't ihr ein Mann; und wenn ihr mehr wäret was ihr waret, so würdet ihr um so viel mehr Mann seyn. Damals bot sich euch weder Zeit noch Ort an, und ihr wolltet beyde machen; sie haben sich selbst gemacht, und ihre Bereitwilligkeit schrekt euch ab--Ich habe Kinder gesäugt, und weiß wie zärtlich die Liebe zu dem Säugling ist, der an meiner Brust trinkt; aber ich wollte--ja Macbeth! indem er mich liebkosend angelächelt hätte, wollt' ich meine Warze aus seinem beinlosen Kiefer gezogen, und ihm das Hirn ausgeschlagen haben, wenn ich es so geschworen hätte, wie ihr das geschworen habt.

Macbeth. Wenn es uns mißlünge--

Lady. Mißlingen? Führt es nur mit Standhaftigkeit aus, so kan es nicht mißlingen. Wenn Duncan schläft, (und die starke Tagreise wird seinen Schlaf befördern;) so will ich seine beyden Kammer-Herren mit Wein und Gesundheiten so zurichten, daß ihr Gedächtniß, der Wächter des Gehirns, ein Dunst seyn soll, und ihre Vernunft ein blosser Distillier-Kolbe; wenn in schweinischem Schlaf ihre ertränkten Kräfte wie im Tode ligen, was können nicht ihr und ich mit dem unbewachten Duncan anfangen? Was können wir nicht seinen vollen Bedienten thun, welche die Schuld unsrer That tragen sollen?

Macbeth. Welch ein Weib! bringe mir keine Töchter! aus deinem Metall müssen nur Männer gebildet werden!--Glaubst du nicht, sie werden für die Thäter angesehen werden, wenn wir sie, indem sie schlafen, mit Blute beschmieren, und ihre eigne Dolche zu der That gebrauchen?

Lady. Wer wird, bey dem Geschrey und Wehklagen, das wir erheben wollen, sich unterstehen anders zu denken?

Macbeth. Ich bin entschlossen, Weib, und alle meine Sehnen strengen zu dieser furchtbaren That sich an. Komm, und laß uns unser Vorhaben unter die schönste Larve verbergen!

(Sie gehen ab.)

Zweyter Aufzug.

Erste Scene. (Ein Saal in Macbeths Schlosse.) (Banquo und Fleance, der ihm eine Fakel vorträgt.)

Banquo. Wie weit ists schon in der Nacht? Junge?

Fleance. Der Mond ist unter: ich habe die Gloke nicht gehört.

Banquo. Sie geht auf Zwölfe.

Fleance. Ich denk' es ist später, Gnädiger Herr.

Banquo. Hier, nimm mein Schwert. Man ist häuslich im Himmel; ihre Lichter sind alle aus--Nimm das auch dazu. Eine schwere Schläfrigkeit ligt wie Bley auf mir, und doch möcht ich nicht gerne schlafen. Ihr wohlthätigen Mächte! entfernt die bösen Gedanken von mir, denen die schlummernde Natur wehrlos ausgesezt ist-- (Macbeth und ein Bedienter mit einer Fakel.) Gieb mir mein Schwert-- Wer ist hier?

Macbeth. Ein Freund.

Banquo. Wie, Sir, noch nicht zu Bette? Der König ruht schon. Er ist diese Nacht ausserordentlich frölich gewesen, und hat euern Haus- Officianten grosse Geschenke gemacht; diesen Diamant sandte er eurer Gemalin, die er seine angenehmste Wirthin grüssen ließ, und zog sich über die massen vergnügt in sein Schlafgemach zurük.

Macbeth. Da wir keine Zeit hatten, Zubereitungen zu machen, so sind wir kaum vermögend gewesen, unsern guten Willen zu zeigen--

Banquo. Es war alles wohl. Vergangne Nacht träumte mir von den drey Zauber- Schwestern: Euch haben sie doch etwas Wahres gesagt.

Macbeth. Ich denke nicht an sie; und doch, wenn wir eine gelegne Stunde finden könnten, so möchte ich ein paar Worte von dieser Sache mit euch reden. Nennet nur die Zeit.

Banquo. Nach eurer Gelegenheit.

Macbeth. Wenn ihr meine Maaßnehmungen, nachdem ich sie bey mir selbst festgesezt haben werde, unterstüzen wollt, so sollt ihr Ehre dabey gewinnen.

Banquo. In so fern ich sie nicht verliere, indem ich sie zu vermehren suche, und mein Herz und meine Pflicht dabey frey behalte, so bin ich zu euern Diensten.

Macbeth. Gute Nacht indessen.

Banquo. Ich danke euch, Sir; ebenmäßig--

(Banquo und Fleance gehen ab.)

Macbeth (zum Bedienten.) Geh, sage deiner Gebieterin, wenn mein Trank fertig sey, solle sie die Gloke ziehen lassen, und geh zu Bette--Ist diß ein Dolch was ich vor mir seh, der Griff gegen meine Hand gekehrt? Komm, laß mich dich fassen. Ich habe dich nicht, und sehe dich doch immer. Bist du, fatales Gesichte, nicht eben so fühlbar wie du sichtbar bist? Oder bist du nur ein Dolch meiner Seele, ein täuschendes Geschöpfe des fiebrisch-erhizten Gehirns? Immer seh ich dich, in eben so körperlicher Gestalt als dieser den ich hier ziehe. Du zeigst mir den Weg den ich gehen wollte, und ein solches Werkzeug wie du bist, wollt' ich gebrauchen. Entweder sind meine Augen die Narren meiner übrigen Sinne, oder die andern alle werth--Ich seh dich immer, und auf deiner Klinge Bluts-Tropfen, die zuvor noch nicht waren--Es ist nichts würkliches--es ist das blutige Werk meiner Seele, das sich so in meinen Augen mahlt--Izt scheint auf der Hälfte der Welt die Natur todt, und schlimme Träume mißbrauchen den eingehüllten Schlaf; izt begeht die Zauberey den furchtbaren Dienst der blassen Hecate, und der gräßliche Mord, (von seinem heulenden Wächter, dem Wolf, aufgewekt,) geht mit Tarquins räuberischem Schritte, wie ein Gespenste, seinem Werk entgegen. Du feste, unbewegliche Erde, höre meine Tritte nicht, wohin sie gehen, damit nicht deine Steine selbst dieses schrekliche Stillschweigen unterbrechen, das sich so wol zu meinem Vorhaben schikt, und verrathen, warum Macbeth wacht--Ich drohe hier, und er lebt indessen--

(Die Gloke schlägt an.)

Ich gehe, und es ist gethan; die Gloke ruft mir. Höre sie nicht, Duncan, denn es ist die Gloke, die dich gen Himmel oder zur Hölle citiert.

(Er geht ab.)

Dritte* Scene. (Lady Macbeth tritt auf.)

{ed.-* Der Übersetzer hat die erste mit der zweiten Scene zusammengefaßt.}

Lady. Das, was sie trunken machte, hat mich kühn gemacht; was ihr Feuer auslöschte, fachte das meinige an. Horch! Stille! es war eine Eule, die schrie, der fatale Nachtwächter, der uns die gräßlichste gute Nacht giebt--Er hat es vollbracht--die Thüren sind offen, und die überfüllten Kämmerer spotten ihres Amts mit Schnarchen. Ich habe ihnen einen so kräftigen Schlaftrunk zubereitet, daß Tod und Natur sich um sie zanken, ob sie leben oder gestorben seyen. (Macbeth tritt auf.)

Macbeth. Wer ist hier?--he!

Lady. O weh! ich fürchte, sie sind aufgewacht, und es ist nicht gethan; der Vorsaz, nicht die That wird uns zu Grunde richten--horch! ich legte ihre Dolche neben sie, er mußte sie finden--Hätte er nicht, wie ich ihn schlaffen sah, meinem Vater gleich gesehen, ich hätt' es selbst gethan--Mein Gemahl!

Macbeth. Sie ist gethan, die That!--Hörtest du kein Getöse?

Lady. Ich hörte die Eule heulen, und die Feldgrillen schreyen--Sagtet ihr nicht was?

Macbeth. Wenn?

Lady. Eben izt.

Macbeth. Wie ich herab kam?

Lady. Ja.

Macbeth. Horcht! wer ligt im andern Zimmer?

Lady. Donalbain.

Macbeth (sieht seine Hände an.) Das ist ein trauriger Anblik!

Lady. Ein närrischer Gedanke, es einen traurigen Anblik zu heissen.

Macbeth. Der eine lachte in seinem Schlaf, und einer schrie: Mörder! Sie wekten einander auf; und ich stuhnd und hörte ihnen zu; aber sie sagten ihr Nacht-Gebett her, und schlieffen wieder ein.

Lady. Es sind zween, die beysammen ligen.

Macbeth. Der eine schrie: Gott helf uns! und Amen; der andre, wie sie mich mit diesen Henkers-Händen sahen: Ich hörte zu, aber ich konnte nicht Amen! sagen, wie sie sagten: Gott helf uns!

Lady. Denkt ihm nicht so tief nach.

Macbeth. Aber warum konnt' ich nicht Amen! sagen? Es war als ob es mir im Hals steken bliebe--

Lady. Man muß solchen Thaten nicht auf eine solche Art nachdenken; das würde uns unsinnig machen.

Macbeth. Es war mir auch nicht anders, als hörte ich eine Stimme, die dem Schlafenden zurief. Schlafe nicht länger! Macbeth ermordet den Schlaf, den unschuldigen Schlaf; den Schlaf, der die Stirne des Kummers entrunzelt, die Geburt von jedes folgenden Tages Leben, den Balsam verwundeter Gemüther, die heilsamste Erquikung der Natur, und die nahrhafteste Speise im Gastmahl des Lebens--

Lady. Was wollt ihr mit allem dem?

Macbeth. Es war immer als ob es im ganzen Hause schreye: Wacht auf, schlaft nicht mehr; Glamis hat den Schlaf ermordet, und dafür soll Cawdor nicht mehr schlafen; Macbeth soll nicht mehr schlaffen!

Lady. Wer rief denn so? Wie, mein edler Than, was für fieberhafte, euers Helden-Muths unwürdige Einbildungen sind das? Geht, nehmt ein wenig Wasser, und waschet diese garstige Zeugschaft von euern Händen. Warum brachtet ihr diese Dolche mit euch; sie müssen dort ligen bleiben. Geht, tragt sie wieder hin, und beschmiert die schlaffenden Kämmerer mit Blut.

Macbeth. Ich gehe nicht; ich erschreke vor dem Gedanken was ich gethan habe; seht ihr dazu, ich habe das Herz nicht.

Lady. Schwache Seele! Gebt mir die Dolche; Schlaffende und Todte sind nur Gemählde; nur Kinder fürchten sich vor einem gemahlten Teufel. Wenn er blutet, so will ich die Gesichter der Kämmerlinge damit übergülden; denn sie müssen für die Thäter angesehen werden.

(Sie geht ab.) (Man hört ein Klopfen hinter der Scene.)

Macbeth (auffahrend.) Woher dieses Klopfen!--Was wird aus mir werden, wenn jeder Laut mir zu ruffen scheint: Was für Hände sind das? Ha! Sie reissen mir meine Augen aus! Kan des grossen Neptuns ganzer Ocean dieses Blut von meiner Hand waschen? Nein, eh würde diese meine Hand deine unermeßliche See zu Purpur machen-- (Lady Macbeth kommt zurük.)

Lady. Meine Hände haben die Farbe der eurigen, aber ich schäme mich, ein so weisses Herz zu tragen--

(Ein Klopfen.)

Ich hör' ein Klopfen, von der südlichen Pforte her. Wir wollen uns in unser Gemach zurük ziehn; ein wenig Wasser wird uns von dieser That reinigen. Wie leicht ist sie also? Eure Standhaftigkeit hat euch ganz verlassen--Horcht, es klopft schon wieder! Geht und hüllt euch in euern Schlafrok ein, sonst möcht' uns die Gelegenheit ruffen, und zeigen daß wir gewacht haben; verliehrt euch nicht so armselig in euern Gedanken.

Macbeth. Wollte der Himmel, ich könnte das Bewußtseyn dieser That oder meiner selbst verliehren! Erwache, Duncan, von diesem Klopfen: Wie wollt' ich, du könntest!

(Sie gehen ab.)

Vierte Scene. (Ein Thürhüter tritt auf.) (Man hört klopfen.)

Thürhüter. Das heißt Klopfen, in der That: wenn einer Pförtner am Thor der Hölle wäre, man könnt' ihm's nicht ärger machen--

(Man hört klopfen.)

Knak! Knak! Knak! Wer ist da, in Beelzebubs Namen?--ein Pachter, der sich vor Verdruß daß er nicht reicher werden konnte aufhieng-- Nur herein, aber es wird gut seyn, wenn ihr euch mit Handtüchern versehen habt, denn hier werdet ihr dafür schwizen.

(Abermaliges Klopfen.)

Knak! Knak! Wer ist hier, ins T.. Namen? Mein Treu! ein J*s**t, der vermittelst einer Distinction oder einer doppelten Meynung Ja und Nein beschwören kan, der Verräthereyen genug um Gottes willen begangen hat, und mit allen seinen Subtilitäten sich doch nicht hat in den Himmel hineinlügen können.

(Ein Klopfen.)

Knak! Knak! Knak! Wer ist da?--Sapperment, hier ist ein Englischer Schneider, der hieher geschikt worden ist, weil er aus einer Französischen Hose gestohlen hat: Nur herein Schneider, ihr könnt hier eure Gänse braten--

(Ein Klopfen.)

Knak! Knak! wird das immer so fortmachen? Aber für eine Hölle ist es hier zu kalt; ich will nicht länger den Teufels-Pförtner machen: ich dachte, ich wollte nach und nach alle Profeßionen hereingelassen haben, die den breiten Rosen-Weg zum ewigen Freuden- Feuer wandeln.

(Ein Klopfen.)

Noch einmal; noch einmal; ich bitte euch, vergeßt den Pförtner nicht.

(Er macht auf.)

(Macduff und Lenox treten auf.)

Macduff. Seyd ihr so spät zu Bette gegangen, daß ihr so lange liegt?

Pförtner. In der That, Sir, wir zechten bis zum zweyten Hahnen-Ruf; und Trinken, Sir, ist ein grosser Beförderer von drey Dingen.

Macduff. Was für drey Dinge, zum Exempel, befördert das Trinken?

Pförtner. Sapperment, Sir, rothe Nasen, Schlaf und Urin. Was die Unzucht betrift, Sir, diese befördert es und befördert es auch nicht; es reizt die Begierde, aber es verhindert die Vollbringung. Deßwegen kan man sagen, daß ein Rausch in diesem Stük den Doppel-Sinner mache; er spornt an, und schrekt ab; er überredet, und nimmt den Muth; er wigelt auf, und schlägt nieder; bis sich das Spiel zulezt damit endet, daß er einen zu Boden legt, für todt ligen läßt, und davon geht.

(Hier muß man etliche Zeiten überhüpfen, die in Wortspielen bestehen.)

Macduff. Ist dein Herr schon auf? Unser Klopfen hat ihn aufgewekt, hier kommt er. (Macbeth zu den Vorigen.)

Lenox. Guten Morgen, edler Sir.

Macbeth. Ich wünsche beyden einen guten Morgen.

Macduff. Ist der König schon erwacht, edler Than?

Macbeth. Noch nicht.

Macduff. Er befahl mir, ich sollt' ihn frühzeitig weken lassen, und es ist würklich fast um eine Stunde später.

Macbeth. Ich will euch zu ihm führen.

Macduff. Ich weiß, daß es euch eine angenehme Mühe wäre, aber es ist doch eine Mühe.

Macbeth. Eine Arbeit, die uns angenehm ist, heilt ihre Mühe; hier ist die Thüre.

Macduff. Ich will so frey seyn, und ruffen; denn das erlaubt mir mein Amt.

(Macduff geht ab.)

Lenox. Reist der König heute wieder ab?

Macbeth. So bestellte er's.

Lenox. Diese Nacht war eine unruhige Nacht; in dem Gemach, wo wir lagen, wurde das Camin herunter geweht; und, wie sie sagen, so hörte man ein klägliches Geschrey in der Luft, und gräßliche Todes-Stimmen. Fürchterliche Propheten (im Ohr des Aberglaubens) von Verwirrung, Staats-Veränderungen, Fall, und Untergang. Die Eule schrie die ganze Nacht durch, und einige sagen, die Erde selbst habe in fieberhaftem Schauer gezittert.

Macbeth. Es war eine ungestüme Nacht.

Lenox. Ich bin nicht alt genug, mich einer ähnlichen erinnern zu können. (Macduff zu den Vorigen.)

Macduff. O! Entsezlich, Entsezlich! Entsezlich! Keine Zunge, kein Herz kan es fassen noch aussprechen.

Macbeth und Lenox. Was ist's dann?

Macduff. Der Frevel hat sein Meisterstük gemacht; eine gottesvergessne Mörder-Hand hat den geweyhten Tempel des Herrn aufgebrochen, und das geheiligte Leben daraus gestohlen.

Macbeth. Was wollt ihr damit sagen? das Leben?

Lenox. Meynt ihr seine Majestät?

Macduff. Geht hinein, und erstarret vor einer neuen Gorgone--Verlangt nicht, daß ich es aussprechen soll; seht, und dann redet selbst:

(Macbeth und Lenox gehen ab)

Erwacht! Erwacht! Schlagt die Sturmgloke!--Mord und Hochverrath! Banquo! Donalbain! Malcolm! Erwacht! Schüttelt diesen pflaumichten Schlaf ab, des Todes Ebenbild, und seht den Tod selbst-- Auf, auf, und seht das Vorspiel des grossen Gerichts!--Malcolm! Banquo! Steht wie aus euern Gräbern auf, und schreitet wie Geister daher, die entsezliche Scene anzuschauen--

Fünfte Scene. (Man läutet die Gloke.) (Lady Macbeth tritt auf.)

Lady. Was ist die Ursache, daß eine so fürchterliche Trompete die Schläfer des Hauses auffordert? Redet!

Macduff. Schöne Lady, es taugt nicht für euch zu hören, was ich sagen kan. Ein weibliches Ohr damit zu schreken, würde ein zweyter Mord seyn-- O Banquo! Banquo! (Banquo zu den Vorigen.) Unser König und Herr ist ermordet.

Lady. Hilf Himmel! Was, in unserm Hause?

Banquo. Entsezlich genug, wo es seyn möchte. Macduff, ich bitte dich, widersprich dir selbst, und sag, es sey nicht so. (Macbeth, Rosse und Lenox zu den Vorigen.)

Macbeth. O! wär ich nur eine Stunde vor diesem Unfall gestorben, so hätt ich glüklich gelebt! Denn, von diesem Augenblik an, ist nichts schäzbares mehr in der Sterblichkeit; alles ist nur Puppen-Werk; Ehre und Gnade sind todt; der Wein des Lebens ist abgezogen, und die blosse Hefen ist in dieser Cloak der Welt zurükgeblieben-- (Malcolm und Donalbain treten auf.)

Donalbain. Was für ein Unglük ist dann begegnet?

Macbeth. Ihr seyd verlohren, und wißt es nicht; die Quelle euers Bluts ist verstopft--

Macduff. Euer Königlicher Vater ist ermordet.

Malcolm. Oh! von wem?

Lenox. Seine Kämmerlinge, wie es scheint, sind die Thäter; ihre Hände und Gesichter waren überall mit Blute beschmiert; so waren auch ihre Dolche, die wir unabgewischt, auf ihren Küssen fanden, sie sahen wild aus, und waren nicht bey sich selber, es getraute sich niemand ihnen nahe zu kommen.

Macbeth. O, izt reut es mich, daß ich sie in meiner ersten Wuth umgebracht habe--

Macduff. Warum thatet ihr das?

Macbeth. Wer kan in dem nehmlichen Augenblike weise und verwirrt, ruhig und rasend, getreu und gleichgültig seyn? Niemand. Die Würkung meiner heftigen Liebe überrannte die zaudernde Vernunft. Hier lag Duncan; seine Silber-Haut mit seinem goldnen Blut verbrämt, und seine weitofnen Wunden wie Lüken in der Natur, wodurch das Verderben einbricht; hier, die Mörder, in die Farbe ihres Handwerks gekleidet, ihre Messer unmännlich mit geronnenem Blute bemahlt--Welcher, der ein Herz für seinen König hatte, und in diesem Herzen Muth, diese Liebe zu beweisen, hätte sich da zurükhalten können?

Lady Macbeth. Helft mir von hier, oh!--

(Sie thut als ob sie ohnmächtig werde.)

Macduff. Habt auf die Lady acht--

Malcolm. Warum schweigen wir, wir, die dieses Trauerspiel am nächsten angeht?

Donalbain. Was läßt sich hier sagen, wo unser Verderben, in einem Bohrer-Loch verborgen, alle Augenblike hervorstürmen und uns fassen kan. Hinweg von hier, es ist izt keine Zeit zu Thränen.

Banquo. Sorget für die Lady--

(Sie wird hinweggeführt.)

Und wenn wir erst unsre nakte Gebrechlichkeit verborgen haben, dann laßt uns wieder zusammenkommen, und dieser gräßlichen Blutschuld genauer nachfragen. Furcht und Zweifel erschüttern uns. Hier in Gottes grosser Hand steh ich, und erkläre mich von da den unversöhnlichen Gegner des verhüllten Thäters dieser ungeheuern That.

Macbeth. Das thue ich auch.

Alle. Das thun wir alle.

Macbeth. Sobald wir angekleidet und bewafnet sind, wollen wir in der Halle zusammenkommen.

Alle. Wir sind's zufrieden.

(Sie gehen ab.)

Malcolm. Was habt ihr im Sinn? Ich halt' es nicht vor rathsam, uns ihnen anzuvertrauen. Einen Schmerz zu zeigen, den man nicht fühlt, ist eine Pflicht, die dem Unredlichen nicht schwer ankommt. Ich will nach England.

Donalbain. Ich, nach Irland. Getrennt werden wir beyde sichrer seyn; wo wir sind, seh ich lauter Dolche, unter freundlichem Lächeln verstekt, in jedem Antliz; je näher am Blut, je gefährlicher.

Malcolm. Dieser mördrische Wurfpfeil, der unsern Vater traf, wird noch immer geschwungen; und das sicherste ist, ihm auszuweichen. Also, zu Pferde; laß uns keine Zeit mit Abschiednehmen verliehren; es ist erlaubt sich selbst wegzustehlen, wo der kleinste Verzug den Tod bringen kan.

(Sie gehen ab.)

Sechste Scene. (Ein Plaz vor Macbeths Schlosse.) (Rosse, mit einem alten Mann, tritt auf.)

Der alte Mann. Von Siebenzig Jahren her kan ich mich noch wohl besinnen, und in dieser langen Zeit hab ich fürchterliche Stunden gesehen, und seltsame Dinge: aber diese schrekliche Nacht hat alles was ich vormals gekannt habe, zu Kleinigkeiten gemacht.

Rosse. Ach, guter Vater, du siehst, die Himmel hangen dräuend über diesen blutigen Schauplaz herab; der Gloke nach ist's Tag, und doch dämpft finstre Nacht die wandernde Lampe; Macht es die Übermacht der Nacht, oder die Schaam des Tages, daß dieses nächtliche Dunkel das Antliz der Erde begräbt, wann lebendes Licht es küssen sollte?

Alter Mann. Es ist unnatürlich, wie die That, die gethan ist. Lezten Dienstag ward ein Falke, der im Stolz seines Geschlechts thurmhoch daherschwebte, von einer mausenden Eule angefallen und getödtet.

Rosse. Und Duncans Pferde, (die Sache ist so gewiß als sie wunderbar ist!) diese schönen Thiere, die Zierde ihrer Gattung, wurden plözlich wild, brachen aus ihren Ställen, schossen wütend umher, und kämpften unbändig dem Gehorsam entgegen, als ob sie einen Krieg mit dem Menschen fuhren wollten.

Alter Mann. Man sagt, sie hätten einander ausgefressen.