Lieder von Lessing

Chapter 2

Chapter 23,952 wordsPublic domain

Der Wein, der Wein macht nicht nur froh, Er macht auch zum Astronomo. Hört! hört, ihr Sternenfahrer, hört, Was mir der Wein, der Wein gelehrt! So kann der Wein den Witz verstärken! Wir laufen selbst, ohn es zu merken, Von Osten täglich gegen West! Die Sonne ruht. Die Welt steht fest!

Der philosophische Trinker

Mein Freund, der Narr vom philosophschen Orden, Hat sich bekehrt, und ist ein Trinker worden. Er zecht mit mir und meinen Brüdern, Und fühlet schon in unsern Liedern Mehr Weisheit, Witz und Kraft, Als Jacob Böhm und Newton schafft. Doch bringt er seine spitzgen Fragen, Die minder als sie sagen, sagen, Noch dann und wann hervor, Und plagt mit Schlüssen unser Ohr. Jüngst fragt er mich am vollen Tische, Warum wohl in der Welt der Fische, In Flüssen und im Meer, Nicht Wein statt Wassers wär? Ohn Ursach, sprach er, kann nichts sein. Die Antwort fiel mir schwer; Ich dachte hin und her, Doch endlich fiel mirs ein. "Die Ursach ist leicht zu erdenken", Sprach ich mit aufgestemmtem Arm. Und welche? schrie der ganze Schwarm. "Damit, wenn Esel davon tränken, Die Esel, nur verdammt zu Bürden, Nicht klüger als die Menschen würden." Die Antwort, schrie man, läßt sich hören. Drum trinket eins der Weltweisheit zu Ehren!

Der schwörende Liebhaber

Ich schwör es dir, o Laura, dich zu hassen; Gerechten Haß schwör ich dir zu. Ich schwör es allen Schönen, sie zu hassen; Weil alle treulos sind, wie du. Ich schwör es dir, vor Amors Ohren, Daß ich--ach! daß ich falsch geschworen.

Der trunkne Dichter lobt den Wein

Mit Ehren, Wein, von dir bemeistert, Und deinem flüßgen Feur begeistert, Stimm ich zum Danke, wenn ich kann, Ein dir geheiligt Loblied an.

Doch wie? in was für kühnen Weisen Werd ich, o Göttertrank, dich preisen? Dein Ruhm, hör ihn summarisch an, Ist, daß ich ihn nicht singen kann.

Die 47ste Ode Anakreons

Alter tanze! Wenn du tanzest, Alter, so gefällst du mir! Jüngling, tanze! Wenn du tanzest, Jüngling, so gefällst du mir.

Alter, tanze, trotz den Jahren! Welche Freude, wenn es heißt: Alter, du bist alt an Haaren, Blühend aber ist dein Geist!

Nachahmung dieser Ode

Jüngling, lebst du nicht in Freuden, Jüngling, o so haß ich dich! Alter, lebst du nicht in Freuden, Alter, o so haß ich dich!

Jüngling, trauerst du in Jahren, Wo die Pflicht sich freuen heißt?-- Schäme dich! so frisch an Haaren, Jüngling, und so schwach an Geist!

Die Abwechslung

Ich trinke nicht stets einen Wein. Das möchte mir zu ekel sein. Wein aus Burgund, Wein von der Mosel Strande, Einheimschen Wein, Wein aus dem Frankenlande, Die wechsl ich täglich mit Bedacht, Weil Wechseln alles süßer macht.

Und mich soll nur ein artig Kind, Wenn mehrere zu finden sind, Durch süßen Zwang gepriesner Liebe binden? Oh, dies zählt ich mit unter meine Sünden. Nein, nein, ich folge meinem Brauch, Mit artgen Kindern wechsl ich auch.

Die Antwort

Der Nachbarin Climene Schrieb ich von Lieb und Glut. Die christlich holde Schöne War allen Menschen gut. Sie hat den Brief bekommen, Voll Sehnsucht angenommen, Geküßt und aufgemacht, Gelesen und gelacht. Ach Gott, das gute Kind!

Sie wird wohl wieder schreiben? Nein; schreiben kann sie nicht. Nur sich die Zeit vertreiben, Ist ihre Kunst und Pflicht. Doch ohne Trost mich lassen, Hieß meine Liebe hassen; Drum kömmt sie selbst zu mir, Durch unsre Hintertür. Ach, gar zu gutes Kind!

Die Beredsamkeit

Freunde, Wasser machet stumm: Lernet dieses an den Fischen. Doch beim Weine kehrt sichs um: Dieses lernt an unsern Tischen. Was für Redner sind wir nicht, Wenn der Rheinwein aus uns spricht! Wir ermahnen, streiten, lehren; Keiner will den andern hören.

Die Betrübnis

Der Dichter und sein Freund.

Der Freund. Freund! welches Unglück, welche Reue Macht dir so bittern Schmerz?

Der Dichter. Ach Freund! sie flieht, die Ungetreue! Und sie besaß mein Herz.

Der Freund. Um eine Falsche dich betrüben? Du bist ja klug genug.

Der Dichter. O schweig! das heißt nicht lieben, Läßt uns die Liebe klug.

Die Biene

Als Amor in den goldnen Zeiten Verliebt in Schäferlustbarkeiten Auf bunten Blumenfeldern lief, Da stach den kleinsten von den Göttern Ein Bienchen, das in Rosenblättern, Wo es sonst Honig holte, schlief.

Durch diesen Stich ward Amor klüger. Der unerschöpfliche Betrüger Sann einer neuen Kriegslist nach: Er lauscht in Rosen und Violen; Und kam ein Mädchen sie zu holen, Flog er als Bien heraus, und stach.

Die Diebin

(1745)

Du Diebin mit der Rosenwange, Du mit den blauen Augen da! Dich mein ich!--wird dir noch nicht bange? Gesteh nur, was ich fühlt und sah!

Du schweigst? Doch deine Rosenwange Glüht schuldig, röter, als vorhin, O Diebin mit der Rosenwange, Wo ist mein Herz, wo kam es hin?

Die Einwohner des Mondes

Die Mägdchen die in sechzehn Jahren Noch nicht das leckre Glück erfahren, Wozu sie ihre Mütter sparen; Das Stutzerchen, das was gelernt; Das Weib, das nie sich aus den Schranken Der ehelichen Pflicht entfernt, Und um den Mann die Welt vergißt; Der Bettler, der bei dem Bedanken So höflich wie beim Bitten ist; Der Dichter, welcher nie gelogen, Dem stets der Reim, und niemals er, Dem lieben Reime nachgezogen; Der Pfaffe, der stolz auf sein Amt, Um Kleinigkeiten nicht verdammt, Und weiß durch Taten zu ermahnen; Der Edle, der von seinen Ahnen In unzertrennter Ordnung stammt, Ohn daß ein wackrer Bauerknecht Nicht oft das Heldenblut geschwächt; Ein Arzt, der keinen tot gemacht; Der Krieger, der mehr kämpft als fluchet; Der Hagestolz, der in der Nacht, Was er am Tage flieht, nicht suchet; Das fromme Weib, das nie geschmält; Der reiche Greis, dem nichts gefehlt; Und hundert andre schöne Sachen, Die unsern Zeiten Ehre machen: Wo trifft man die?--Vielleicht im Mond, Wo jedes Hirngespinste wohnt.

Die Ente

Ente, wahres Bild von mir, Wahres Bild von meinen Brüdern! Ente, jetzo schenk ich dir Auch ein Lied von meinen Liedern.

Oft und oft muß dich der Neid Zechend auf dem Teiche sehen. Oft sieht er aus Trunkenheit Taumelnd dich in Pfützen gehen.

Auch ein Tier--o das ist viel! Hält den Satz für wahr und süße, Daß, wer glücklich leben will, Fein das Trinken lieben müsse.

Ente, ists nicht die Natur, Die dich stets zum Teiche treibet? Ja, sie ists; drum folg ihr nur. Trinke, bis nichts übrig bleibet.

Ja, du trinkst und singst dazu. Neider nennen es zwar schnadern; Aber, Ente, ich und du Wollen nicht um Worte hadern.

Wem mein Singen nicht gefällt, Mag es immer Schnadern nennen. Will uns nur die neidsche Welt Als versuchte Trinker kennen.

Aber, wie bedaur ich dich, Daß du nur mußt Wasser trinken. Und wie glücklich schätz ich mich, Wenn mir Weine dafür blinken.

Armes Tier, ergib dich drein. Laß dich nicht den Neid verführen. Denn des Weins Gebrauch allein Unterscheidet uns von Tieren.

In der Welt muß Ordnung sein. Menschen sind von edlern Gaben. Du trinkst Wasser, und ich Wein: So will es die Ordnung haben.

Die Faulheit

Fleiß und Arbeit lob ich nicht. Fleiß und Arbeit lob ein Bauer. Ja, der Bauer selber spricht, Fleiß und Arbeit wird ihm sauer. Faul zu sein, sei meine Pflicht; Diese Pflicht ermüdet nicht.

Bruder, laß das Buch voll Staub. Willst du länger mit ihm wachen? Morgen bist du selber Staub! Laß uns faul in allen Sachen, Nur nicht faul zu Lieb und Wein, Nur nicht faul zur Faulheit sein.

Die Gespenster

Der Alte O Jüngling! sei so ruchlos nicht, Und leugne die Gespenster. Ich selbst sah eins beim Mondenlicht Aus meinem Kammerfenster, Das saß auf einem Leichenstein: Drum müssen wohl Gespenster sein.

Der Jüngling Ich wende nichts dawider ein; Es müssen wohl Gespenster sein.

Der Alte Als meiner Schwester Sohn verschied, (Das sind nunmehr zehn Jahre!) Sah seine Magd, die trefflich sieht, Des Abends eine Bahre, Und oben drauf ein Totenbein: Drum müssen wohl Gespenster sein.

Der Jüngling Ich wende nichts dawider ein; Es müssen wohl Gespenster sein.

Der Alte Und als mein Freund im Treffen blieb, Das Frankreich jüngst verloren, Hört seine Frau, wie sie mir schrieb, Mit ihren eignen Ohren Zu Mitternacht drei Eulen schrein: Drum müssen wohl Gespenster sein.

Der Jüngling Ich wende nichts dawider ein; Es müssen wohl Gespenster sein.

Der Alte In meinem Keller selbst gehts um. Ich hör oft ein Gesause; Doch werden die Gespenster stumm, Ist nur mein Sohn zu Hause. Denk nur, sie saufen meinen Wein: Das müssen wohl Gespenster sein.

Der Jüngling Ich wende nichts dawider ein; Doch wünscht ich eins davon zu sein.

Der Alte Auch weiß ich nicht, was manche Nacht In meiner Tochter Kammer Sein Wesen hat, bald seufzt, bald lacht; Oft bringt mirs Angst und Jammer. Ich weiß das Mädchen schläft allein; Drum müssen es Gespenster sein.

Der Jüngling Ich wende nichts dawider ein; Doch wünscht ich ihr Gespenst zu sein.

Die Gewißheit

Ob ich morgen leben werde, Weiß ich freilich nicht: Aber, wenn ich morgen lebe, Daß ich morgen trinken werde, Weiß ich ganz gewiß.

Die Haushaltung

Zankst du schon wieder? sprach Hans Lau Zu seiner lieben Ehefrau. "Versoffner, unverschämter Mann"--– Geduld, mein Kind, ich zieh mich an-- "Wo nun schon wieder hin?" Zu Weine. Zank du alleine.

"Du gehst?--Verdammtes Kaffeehaus! Ja! blieb er nur die Nacht nicht aus. Gott! ich soll so verlassen sein?-- Wer pocht?--Herr Nachbar?--nur herein! Mein böser Teufel ist zu Weine: Wir sind alleine."

Die Küsse

Der Neid, o Kind, Zählt unsre Küsse: Drum küß geschwind Ein Tausend Küsse; Geschwind du mich, Geschwind ich dich! Geschwind, geschwind, O Laura, küsse Manch Tausend Küsse: Damit er sich Verzählen müsse.

Die Küsse

Ein Küßchen, das ein Kind mir schenket, Das mit dem Küssen nur noch spielt, Und bei dem Küssen noch nichts denket, Das ist ein Kuß, den man nicht fühlt.

Ein Kuß, den mir ein Freund verehret, Das ist ein Gruß, der eigentlich Zum wahren Küssen nicht gehöret: Aus kalter Mode küßt er mich.

Ein Kuß, den mir mein Vater giebet, Ein wohlgemeinter Segenskuß, Wenn er sein Söhnchen lobt und liebet, Ist etwas, das ich ehren muß.

Ein Kuß von meiner Schwester Liebe Steht mir als Kuß nur so weit an, Als ich dabei mit heißerm Triebe An andre Mädchen denken kann.

Ein Kuß, den Lesbia mir reichet, Den kein Verräter sehen muß, Und der dem Kuß der Tauben gleichet: Ja, so ein Kuß, das ist ein Kuß.

Die Kunstrichter und der Dichter

Die Kunstrichter Ihr Dichter! seid des Stoffes voll, Den eure Muse singen soll: Alsdann gerät das Lied euch wohl.

Der Dichter Wohl! wohl! ihr Herren Richter, wohl! Seht her! ich bin des Stoffes voll, Den meine Muse singen soll; Ich bin, ich bin des Weines voll: Und doch gerät kein Lied mir wohl.

Die Kunstrichter Du bist des Stoffes allzu voll, Den deine Muse singen soll: Darum gerät kein Lied dir wohl.

Die Liebe

Ohne Liebe Lebe, wer da kann. Wenn er auch ein Mensch schon bliebe, Bleibt er doch kein Mann.

Süße Liebe, Mach mein Leben süß! Stille nie die regen Triebe Sonder Hindernis.

Schmachten lassen Sei der Schönen Pflicht! Nur uns ewig schmachten lassen, Dieses sei sie nicht.

Die Musik

Ein Orpheus spielte; rings um ihn, Mit lauschendem Gedränge Stand die erstaunte Menge, Durchs Ohr die Wollust einzuziehn. Ein Trinker kam von ungefähr, Und taumelte den Weg daher. Schnell faßt' er sich, blieb horchend stehn, Und ward entzückt, und schriee: Schön! So schön, als wenn bei meinem wackern Wirte Das helle Paßglas klirrte!

Die Mutter

Strenge Phyllis dich zu küssen, Dich ein einzigmal zu küssen, Hab ich dich nicht bitten müssen! Und doch darf ich dich nicht küssen. Sagst du? "Meine Mutter spricht: Phyllis, Tochter küsse nicht!" Ist es so was Böses, küssen? Liegt kein Trieb dazu im Blut? Doch--weg mit den schweren Schlüssen! Laß sie warnen! kurz und gut; Was geht der die Mutter an, Die selbst Mutter werden kann?

Die Namen

Ich fragte meine Schöne: Wie soll mein Lied dich nennen? Soll dich als Dorimene, Als Galathee, als Chloris, Als Lesbia, als Doris, Die Welt der Enkel kennen?

Ach! Namen sind nur Töne: Sprach meine holde Schöne. Wähl selbst. Du kannst mich Doris, Und Galathee und Chloris, Und--wie du willst mich nennen; Nur nenne mich die Deine.

Die Planetenbewohner

Mit süßen Grillen sich ergötzen, Einwohner in Planeten setzen, Eh man aus sichern Gründen schließt, Daß Wein in den Planeten ist: Das heißt zu früh bevölkern.

Freund, bringe nur zuerst aufs reine, Daß in den neuen Welten Weine, Wie in der, die wir kennen, sind: Und glaube mir, dann kann ein Kind Auf seine Trinker schließen.

Die Planetenbewohner

Mit süßen Grillen sich ergötzen, Einwohner in Planeten setzen, Eh man aus sichern Gründen schließt, Daß Wein in den Planeten ist: Das heißt zu früh bevölkern.

Freund, bringe nur zuerst aufs reine, Daß in den neuen Welten Weine, Wie in der, die wir kennen, sind: Und glaube mir, dann kann ein Kind Auf seine Trinker schließen.

Die Redlichkeit

So weit sich läßt die Welt durchwandern, Klagt ein verlarvter Schelm dem andern Die selbstverschuldte Seltenheit Der nie geübten Redlichkeit.

Und doch flucht ihre Lust zum Schätzen-- Da seht die Torheit ihrer Herzen! Seht, klagen sie nicht bloß zum Schein? Doch fluchen sie auf dich, o Wein!

So klagen, und dem Trinken fluchen, Heißt Zwecke sonder Mittel suchen. Nun, Brüder, red ich nicht gelehrt? Wie man es kaum von Wolfen hört.

Wer hat die Redlichkeit erhoben Ohn unsre Väter mit zu loben? Ja, ja, die trunken wacker Wein, Wie konnten sie nicht redlich sein?

Drum, Brüder, bleibet euern Ahnen, Die euch, so oft euch durstt, ermahnen, An Treu und Trunke kindlich gleich. Trinkt redlich aus und küsset euch!

Die Schöne von hinten

Sieh Freund! sieh da! was geht doch immer Dort für ein reizend Frauenzimmer? Der neuen Tracht Vollkommenheit, Der engen Schritte Nettigkeit, Die bei der kleinsten Hindrung stocken, Der weiße Hals voll schwarzer Locken, Der wohlgewachsne schlanke Leib, Verrät ein junges artges Weib.

Komm Freund! komm, laß uns schneller gehen, Damit wir sie von vorne sehen. Es muß, triegt nicht der hintre Schein, Die Venus oder Phyllis sein. Komm, eile doch!--O welches Glücke! Jetzt sieht sie ungefähr zurücke. Was wars, das mich entzückt gemacht? Ein altes Weib in junger Tracht.

Die Sparsamkeit

Von nun an muß ich sparsam werden. Warum denn das? Der Wein schlägt auf. So gehts, das Beste dieser Erden Erhält man nur durch teuren Kauf.

Wer pocht? Ei der verwünschte Schneider Macht mich fast durch sein Mahnen toll. Da seht die Menschenliebe! leider, Daß man doch stets bezahlen soll.

"Beliebet morgen einzusprechen. Die Wechsel laufen später ein." Er geht? Geh! geh! nun kann ich zechen. Seht! seht! so muß man sparsam sein.

Die Stärke des Weins

Wein ist stärker als das Wasser: Dies gestehn auch seine Hasser. Wasser reißt wohl Eichen um, Und hat Häuser umgerissen: Und ihr wundert euch darum, Daß der Wein mich umgerissen?

Die Türken

Die Türken haben schöne Töchter, Und diese scharfe Keuschheitswächter; Wer will kann mehr als eine frein: Ich möchte schon ein Türke sein.

Wie wollt ich mich der Lieb ergeben! Wie wollt ich liebend ruhig leben, Und--doch sie trinken keinen Wein; Nein, nein, ich mag kein Türke sein.

Die Versteinerung

Holz und Beine Werden Steine Durch des Wassers Kraft. Werden Holz und Beine Durch des Wassers Kraft, Werden die zu Steine: Sagt, ihr Wasserfreunde, Sagt, ihr Rebenfeinde, Werden eure Herzen Nicht versteinert sein?

Mark und Beine Fühlen, Weine, Eures Feuers Kraft. Wenn mein Liebster trinket, Trinkt er Rebensaft, Bis er sich betrinket. Sollt ich ihn nicht lieben? Ja, ich will ihn lieben, Weil sein Herz erhitzet, Nicht versteinert wird.

C***

Die Wetterprophezeiung

Das Wetter ist veränderlich, Veränderlich, wie meine Schönen. Umsonst, o Freund, bemüht man sich, Nach Regeln beide zu gewöhnen. Drum laß dein Wetterprophezein, Wie ich mein treues Lieben, sein.

Doch, kannst du deiner Wissenschaft, Gelehrter Wolkenseher! trauen: Wohl gut! so laß von ihrer Kraft Mich stracks ein kleines Beispiel schauen. Du sollst--du sollst mir prophezein: Wird heuer ein gut Weinjahr sein?*

L.

* Ja!

Die drei Reiche der Natur

Ich trink, und trinkend fällt mir bei, Warum Naturreich dreifach sei. Die Tier und Menschen trinken, lieben, Ein jegliches nach seinen Trieben: Delphin und Adler, Floh und Hund Empfindet Lieb und netzt den Mund. Was also trinkt und lieben kann, Wird in das erste Reich getan.

Die Pflanze macht das zweite Reich, Dem ersten nicht an Güte gleich: Sie liebet nicht, doch kann sie trinken; Wenn Wolken träufelnd niedersinken, So trinkt die Zeder und der Klee, Der Weinstock und die Aloe. Drum, was nicht liebt, doch trinken kann, Wird in das zweite Reich getan.

Das Steinreich macht das dritte Reich; Und hier sind Sand und Demant gleich: Kein Stein fühlt Durst und zarte Triebe, Er wächset ohne Trunk und Liebe. Drum, was nicht liebt noch trinken kann, Wird in das letzte Reich getan. Denn ohne Lieb und ohne Wein, Sprich, Mensch, was bleibst du noch?--Ein Stein.

Die lügenhafte Phyllis

Mein Damon spricht: Kind, lüge nicht! Sonst werd ich strafen müssen, Und dich zur Strafe küssen. Er droht mir, sieht verdrüßlich aus, Und strafet mich schon im voraus.

Sonst log ich nicht. Nur seit er spricht: Du sollst mir fein mit Küssen Die losen Lügen büßen, Red ich kein wahres Wörtchen mehr. Nun, Schwestern, sagt, wo kömmt das her?

Die lehrende Astronomie

Dank sei dem Schöpfer, der mein Haupt Auf hohe feste Schultern baute, Und mir die Pracht zu sehn erlaubt, Die nie ein hängend Tieraug schaute! Hier lern ich mich und ihn erkennen, Und hier mich nichts, ihn alles nennen. Was bin ich? Ich bin groß genung, Bin ich ein Punkt der Welt zu nennen. Mein Wissen ist Verwunderung; Mein Leben leichter Blitze Brennen. Und so ein Nichts, verblendte Toren, Soll sein zum Herrn der Welt geboren?

Der Stolz, der Torheit Eigentum, Verkennt, zu eignem Trost, sich gerne; Die Demut ist des Weisen Ruhm, Und die lernt er bei euch, ihr Sterne! Und wird nur groß, weil er euch kennet, Und euern Gott auch seinen nennet.

Auch wenn sein Unglück ihn den Weg, Den harten Weg der Prüfung führet, Und wenn, auf dem einsamen Steg, Sich Lieb und Freund von ihm verlieret, Lernt er bei euch, durch süße Grillen, Oft allzuwahre Schmerzen stillen.

O Tugend! reizend Hirngedicht, Erdachte Zierde unsrer Seelen! Die Welt, o Tugend, hat dich nicht: Doch wirst du auch den Sternen fehlen? Nein, starbst du gleich bei uns im Abel, Du selbst bist viel zu schön zur Fabel.

Dort seh ich, mit erstauntem Blick, Ein glänzend Heer von neuen Welten; Getrost, vielleicht wird dort das Glück So viel nicht, als die Tugend, gelten. Vielleicht dort in Orions Grenzen Wird, frei vom Wahn, die Wahrheit glänzen!

"Das Übel", schreit der Aberwitz, "Hat unter uns sein Reich gewonnen." Wohl gut, doch ist des Guten Sitz In ungezählten größern Sonnen. Der Dinge Reihen zu erfüllen, Schuf jenes Gott mit Widerwillen.

So, wie den Kenner der Natur Auch Quarz und Eisenstein vergnügen, Nicht Gold- und Silberstufen nur In Fächern, voller Lücken, liegen: So hat das Übel Gott erlesen Der Welt zur Füllung, nicht zum Wesen.

O nahe dich, erwünschte Zeit, Wo ich, frei von der Last der Erde, In wachsender Glückseligkeit, Einst beßre Welten sehen werde! O Zeit, wo mich entbundne Schwingen Von einem Stern zum andern bringen!

Gedanken! fliehet nur voran! Verirrt euch in den weiten Sphären, Bis ich euch selber folgen kann. Wie lang, Geschick, wird es noch währen! O Lust, hier seh ich schon die Kreise, Die Wege meiner ewgen Reise!

Drum kränkt der blinde Damon sich Nur in der Nacht um sein Gesichte. Geruhig, Tag, vermißt er dich, Und deine Eitelkeit im Lichte; Und wünscht sich, von der Weltlust ferne, Ein fühlend Aug nur für die Sterne.

O selge Zeit der stillen Nacht, Wo Neid und Bosheit schlafend liegen, Und nur ein frommes Auge wacht, Und sucht am Himmel sein Vergnügen! Gott sieht die Welt in diesen Stunden, Und spricht, ich hab sie gut gefunden!

Berlin. L.

Die schlafende Laura

Nachlässig hingestreckt, Die Brust mit Flor bedeckt, Der jedem Lüftchen wich, Das säuselnd ihn durchstrich, Ließ unter jenen Linden Mein Glück mich Lauren finden. Sie schlief und weit und breit Schlug jede Blum ihr Haupt zur Erden, Aus mißvergnügter Traurigkeit, Von Lauren nicht gesehn zu werden. Sie schlief, und weit und breit Erschallten keine Nachtigallen, Aus weiser Furchtsamkeit, Ihr minder zu gefallen, Als ihr der Schlaf gefiel, Als ihr der Traum gefiel, Den sie vielleicht itzt träumte, Von dem, ich hoff' es, träumte, Der staunend bei ihr stand, Und viel zu viel empfand, Um deutlich zu empfinden, Um noch es zu empfinden, Wie viel er da empfand. Ich ließ mich sanfte nieder, Ich segnete, ich küßte sie, Ich segnete, und küßte wieder: Und schnell erwachte sie, Schnell taten sich die Augen auf. Die Augen?--nein, der Himmel tat sich auf.

Die schlimmste Frau

Die Weiber können nichts als plagen. Der Satz sagt viel und ist nicht neu. Doch, Freunde, könnt ihr mir nicht sagen, Welch Weib das schlimmste sei?

Ein Weib, das mit dem Manne scherzet Wie ein gebildter Marmorstein, Das ohne Glut und Reiz ihn herzet, Das kann kein gutes sein.

Ein Weib, das wie ein Drache geizet, Und gegen Kind und Magd genau, Den Dieb, mich zu bestehlen reizet, O eine schlimme Frau!

Ein Weib, das gegen alle lachet, In Liebesstreichen frech und schlau Uns täglich neue Freunde machet, O eine schlimmre Frau!

Ein Weib, das nichts als bet und singet, Und bei der Kinder Zeitvertreib Mit Seufzen ihre Hände ringet, O ein noch schlimmer Weib!

Ein Weib, das stolz aufs Eingebrachte, (Und welche nimmt der Stolz nicht ein?) Den Mann sich gern zum Sklaven machte, Das muß ein Teufel sein!

Ein Weib, das ihrem Manne fluchet, Wenn er Gesellschaft, Spiel und Wein, Wie heimlich sie Liebhaber, suchet, Das muß--ein Weibsbild sein!

Die verschlimmerten Zeiten

Anakreon trank, liebte, scherzte, Anakreon trank, spielte, herzte, Anakreon trank, schlief, und träumte Was sich zu Wein und Liebe reimte: Und hieß mit Recht der Weise.

Wir Brüder trinken, lieben, scherzen, Wir Brüder trinken, spielen, herzen, Wir Brüder trinken, schlafen, träumen, Wozu sich Wein und Liebe reimen: Und heißen nicht die Weisen.

Da seht den Neid von unsern Zeiten! Uns diesen Namen abzustreiten! O Brüder, lernet hieraus schließen, Daß sie sich stets verschlimmern müssen; Sie nennen uns nicht weise.

Die wider den Cäsar verschworne Helden

Cassius. Decimus. Brutus. Cimber.

Cassius. Jetzt, Helden, laßt uns rühmlich sterben, Eh Rom noch Königsfesseln trägt. Wer sollte nicht mit Lust verderben, Wenn ihn der Staat mit niederschlägt?

Decimus. Ja--aber ohne Rache sterben, Und ohne Nutz dem Vaterland-- Freund, das heißt pöbelhaft verderben. Und wozu hätt ich Mut und Hand?

Cassius. O Brutus! voller tiefen Sorgen Seh ich dein Herz für Rom zerteilt. O Freund! noch einen freien Morgen, So hat die Knechtschaft uns ereilt.

Brutus. Wenn Cäsar Rom will unterdrücken, Muß Brutus ihn zur Strafe ziehn. Ich will den Dolch ins Herz ihm drücken: Mit Zittern zwar, doch drück ich ihn.

Cassius. Du? deinem Freunde? Brutus! Götter! Rom steht, wenn Brutus Brutus ist. Schon war ein Brutus Roms Erretter; Komm! zeige, daß du beide bist.

Cimber. Auch ich will alles mit euch wagen; Auch ich muß ohne König sein. Denn könnt ich einen Herrn ertragen, Ertrüg ich allererst den Wein.

Eine Gesundheit

Trinket Brüder, laßt uns trinken Bis wir berauscht zu Boden sinken; Doch bittet Gott den Herren, Daß Könige nicht trinken.

Denn da sie unberauscht Die halbe Welt zerstören, Was würden sie nicht tun, Wenn sie betrunken wären?

Für wen ich singe

Ich singe nicht für kleine Knaben, Die voller Stolz zur Schule gehn, Und den Ovid in Händen haben, Den ihre Lehrer nicht verstehn.

Ich singe nicht für euch, ihr Richter, Die ihr voll spitzger Gründlichkeit Ein unerträglich Joch dem Dichter, Und euch die Muster selber seid.

Ich singe nicht den kühnen Geistern, Die nur Homer und Milton reizt; Weil man den unerschöpften Meistern Die Lorbeern nur umsonst begeizt.