Liebesgedichte

Chapter 1

Chapter 13,650 wordsPublic domain

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Ricarda Huch

Liebesgedichte

Im Insel-Verlag zu Leipzig

DIE ANFÄNGE DER GEDICHTE

Der Becher klingt; mein Herz ist der Becher 3

Ich werde nicht an deinem Herzen satt 4

Wo hast du all die Schönheit hergenommen 5

Was für ein Feuer, o was für ein Feuer 6

Eine Melodie 7

Wie liebten wir so treu in jenen Tagen 8

Still vom Frühlingsabendhimmel 9

Ein Engel hat den vollen Kranz der Liebe 10

Ein Todesengel, göttlich sanft und schön 11

Ach Gott, ein Grablied meinem Herzen stimmt 12

Gestern weint ich in den Schoß des Glückes 13

O blühende Heide, welken wirst du müssen 14

Sinkt nun der Frühlingstraum verwelkt von allen Bäumen 15

Sturmlied. O Brausen des Meers 16

Du, dem ich angehöre, laß, wenn ich gestorben 17

Wie Laodamiens Gatte für drei Stunden 18

Drei Tage kniet ich weinend auf der Schwelle 19

Es bebten Berg und Täler von Gewittern 20

Dein Name, hör ich plötzlich ihn gesprochen 21

Mich band die Liebe an den Pfahl der Pein 22

Du kamst zu mir, mein Abgott, meine Schlange 23

Wie wenn Gott winkt, und die Ströme und Meere der Erde 24

Die Harfe war besaitet ohne Ziel 25

Du gingest durch ein Felsental im Feuer 26

Du reichtest mir den Kelch voll bittrer Flammen 27

Denn unsre Liebe hat zu heiß geflammt 28

Der Liebe Meer versiegte nicht, es schwoll 29

In jener Zeit, da ich dich nicht mehr nannte 30

Schwill an, mein Strom, schwill über deine Weide 31

Ich bin dein Schatten, du bist, der mich schafft 32

Du lässest Duft und Wohllaut, wo du gingest 33

Du warst, o Hand, die Taube, die mich nährte 34

Wenn je ein Schönes mir zu bilden glückte 35

Die Sterbliche, die dem Olympier teuer 36

Wie ein Satrap den Leib der Braut sich schmückt 37

Wie sich der Frühling opfernd vor der Sonne 38

Du warst nur kurze Tage mein Gefährte 39

Du warst in dieser götterlosen Zeit 40

Dem Bettlerkinde gleich, das vor den Türen 41

Du führtest mich zuerst ins Heiligtum 42

Geliebter Herr, du tauftest mich mit Feuer 43

Wir fanden im Zwielicht hohe Wege 44

Die Sage weiß von eines Brunnens Tugend 45

Dir fern und ferner, deiner nicht gedenkend 46

Wie aus des Ostens Dunst im Siegeswagen 47

Wie sich die Erde scheidend von der Sonne 48

Am Klavier. Nie laß mich hören alte Töne 49

O schöne Hand, Kelch, dessen Duft Musik 50

Wie eines Königs Hand Berührtes adelt 51

Die Erde, von des Himmels Macht umrundet 52

Um diese Hügel, die dem Blick entgleiten 53

Sieh mich, das Meer, das dir zu Füßen brandet 54

An unsrer Seite geht Erinnerung 55

Leben. Hell strömt aus Schluchten 56

Wie zwei Tote, die um Liebe starben 57

Da wo der frühen Falter gelbes Lodern 58

Wie lastet mir das Leben ohne dich 59

Musik bewegt mich, daß ich dein gedenke 60

Uralter Worte kundig kommt die Nacht 61

Wir wanderten von junger Liebe trunken 62

Der Becher klingt; mein Herz ist der Becher! Trink Liebe, trinke dich satt! Es zittert; o berauschter Zecher, Der fest in bebenden Händen es hat! Wer hat wie du ein Meer zum Pokale? Ein Meer voll wachsender Glut! Es saugt aus eurem feuchten Strahle, Ihr trunkenen Augen, die himmlische Flut.

Ich werde nicht an deinem Herzen satt, Nicht satt an deiner Küsse Glutergießen. Ich will dich, wie der Christ den Heiland hat: Er darf als Mahl den Leib des Herrn genießen. So will ich dich, o meine Gottheit, haben, In meinem Blut dein Fleisch und Blut begraben. So will ich deinen süßen Leib empfangen, Bis du in mir und ich in dir vergangen.

Wo hast du all die Schönheit hergenommen, Du Liebesangesicht, du Wohlgestalt! Um dich ist alle Welt zu kurz gekommen. Weil du die Jugend hast, wird alles alt, Weil du das Leben hast, muß alles sterben, Weil du die Kraft hast, ist die Welt kein Hort, Weil du vollkommen bist, ist sie ein Scherben, Weil du der Himmel bist, gibt's keinen dort!

Was für ein Feuer, o was für ein Feuer Warf in den Busen mir der Liebe Hand! Schon setzt es meinen zarten Leib in Brand Und wächst an deiner Brust noch ungeheuer. Zwei Fackeln lodern nun in eins zusammen: Die Augen, die mich anschaun, sind zwei Kerzen, Die Lippen, die mich küssen, sind zwei Flammen, Die Sonne selbst halt ich an meinem Herzen.

Eine Melodie Singt mein Herz, die du gesungen. Still auf deinem Knie Lag mein Haupt, von deinem Arm umschlungen.

Schwerer Duft der Nacht Zog mit müdem Hauch vorüber. Bang hab ich gedacht: Sterben müßt ich, hätt ich dich noch lieber.

Liebst du auch so sehr? Warum singst du solche Lieder? Aus verhülltem Meer Läuten Glocken auf und tauchen nieder.

Tief im dunklen Dom Schwanken Weihrauch und Choräle ... Wie ein Tränenstrom Zieht es einsam jetzt durch meine Seele.

Wie liebten wir so treu in jenen Tagen, Fest wie die Sonne stand das Herz uns da. Getrennt, wie hatten wir uns viel zu sagen, Und sagten stets nur eines: Liebst du? Ja! O Liebe, kannst du wie ein Traum der Nächte Vorübergehn, die du unendlich scheinst? Mir ist, als ob er fernher mein gedächte Und fragte: Liebst du mich? Sag ja wie einst!

Still vom Frühlingsabendhimmel Schwebt ein Wolkenkahn zu mir hernieder; Durch das irre Weltgetümmel Zieht er lautlos wie auf Traumgefieder.

Mein Geliebter lenkt den Nachen, Gram und Inbrunst in den schönen Zügen. »Heim ziehn alle, die noch wachen. Komm und laß uns Seel an Seele schmiegen.«

Langsam schwer in Abgrundsferne Sinkt erlöschend der begrünte Hügel, Und das Himmelreich der Sterne Taucht aus seiner Augen dunklem Spiegel.

Ein Engel hat den vollen Kranz der Liebe Einst auf dies töricht junge Haupt gesetzt, Und daß er Rosen überschwenglich triebe, Mit seiner Tränen Flut ihn reich benetzt. Die Sonne sank, seit wir uns Treu gelobten. Wie grün er war, der Kranz ist lang verbleicht -- -- O Scham, Triumph und Demut des Erprobten, Dem Gott die Krone ewgen Lebens reicht!

Ein Todesengel, göttlich sanft und schön, Trägst du gen Himmel mächtig meine Seele. Durch alle Nacht hindurch, wie Stürme wehn, Fühlst du den Weg, den ich allein verfehle. Wie rücken die Gestirne weit, so weit! Der Erde fern und fern der Ewigkeit Nichts faß ich mehr als deines Herzens Schlagen. Ein Adler ist's, der steigt: einst wird es tagen.

Ach Gott, ein Grablied meinem Herzen stimmt, Weil von der Erde nun es Abschied nimmt.

Verschworen hat's den argen Mummenschanz, Den Schleier nimmt es und den Rosenkranz.

Ins Kloster geht's, die Kutte legt es an, Ein Heilger wird's, zu dem man beten kann.

Einst tanzt es als ein Sternlein hoch im Blau; Hernieder fiel es und erlosch im Tau.

Ein Schwärmer stieg's in die entzückte Luft, Versprühte buntes Licht; nun ist's verpufft!

Johanniskäfer war's und glühte schön; Nun ist's ein Würmchen, häßlich anzusehn.

Wie Nachtigall sang's Liebe immerzu; Ein Käuzchen ward es nun und ruft schuhu.

Gestern weint ich in den Schoß des Glückes: Ach, mir fehlt die Sonne deines Blickes!

Laß mich, laß mich deine stolzen süßen Goldnen Augen einmal noch genießen,

Daß ich froh die Blicke wieder wende Auf den Tanz der Weltallsgegenstände,

Und das Glöckchen wieder höre klingen Lieblich in den bunten Erdendingen.

Da erblickt ich in der großen Ferne Eine Wiese voller Blumensterne,

Überrieselt von der Sonne Röte, Bienenübersummt wie Hauch der Flöte,

Und das Glück sprach: Sieh, so wirst du liegen Und dich an zwei traute Lippen schmiegen.

Aber einst, nach langen Sommertagen -- -- -- Und da schwieg es, wollte nichts mehr sagen.

O blühende Heide, welken wirst du müssen! Du Sternenantlitz, mußt du auch vergehn? Es gäb ein andres Glück als dich zu küssen, Und andre Wünsche als dich anzusehn? Ihr Seelenaugen, warmes Licht der Liebe, Erlöschen sollt ihr? nie mehr widerspiegeln Die goldne Bläue über diesen Hügeln? Du wärst dahin, und Erd und Himmel bliebe?

Sinkt nun der Frühlingstraum verwelkt von allen Bäumen, So bebt mein Herz von einem Jubelschrei: Es muß vorübergehn, was lebt in Erdenräumen -- Ich habe dich, und du gehst nicht vorbei. Hoch auf am Ararat der Liebe branden Die wilden Wasser der Vergänglichkeit, Wir sehn die Welt zu unsren Füßen stranden, Umstrahlt vom Himmel, der das Grab der Zeit.

STURMLIED

O Brausen des Meers und Stimme des Sturms Und Irren im Nebelschwarm! In Hafens Ruhe, im Schutze des Turms, Wie eng und arm.

Ich will kein Kissen mir unters Haupt, Kein Schreiten auf Teppichen weich; Hat mir der Sturm auch die Segel geraubt -- Da war ich reich!

O herrliche Fahrt im Windeshauch Hinauf und hinab und zurück! Nur kämpfend, und unterlieg ich auch, Ist Leben Glück.

Du, dem ich angehöre, laß, wenn ich gestorben, Was von mir übrig, meine Asche, bei dir sein. Und deine Hand, um die mein Leben einst geworben, Tauch in den Staub, der einst dein Fleisch war, ein. Läßt du den trüben Strom durch deine Hände fluten, Die einst, wie Frühlings Hauch aufzückt im jungen Stamme, Berührend diesen Leib entzündeten zur Flamme, Fühlst du ihn plötzlich wohl erglühn in alten Gluten.

Wie Laodamiens Gatte für drei Stunden Vom Nebelschoß des Todes losgebunden, Erschienest du, wie einst mir zu gehören; Und da ich noch mit innigstem Beschwören An deinem traumesschweren Leibe sauge, Senkst du in meine Brust zum letztenmal Mit dunkler Kraft das mitternächtge Auge, Und tauchst hinunter in die leere Qual!

Drei Tage kniet ich weinend auf der Schwelle Und rief den Namen an, einst mir so mild. Dann drang ich in des Tempels letzte Zelle Und sah erbebend das verehrte Bild. Das Götterangesicht, das langentbehrte, Enthüllend stand er streng im Flammenschein. Erst als die Glut mich griff, doch nicht verzehrte, Sprach er: Ich kenne dich. Und du bist mein.

Es bebten Berg und Täler von Gewittern, Das Licht erlosch am Himmel in die Nacht. Noch überläuft die fernen Hügel Zittern, Doch löst sich linde schon der Stürme Schlacht. Im frisch entwölkten Blau strahlt durchs Gewimmel Der Sterne stolz ein Schwert mit Schneid und Knauf. O Erde, rolle jauchzend durch die Himmel: Das Sternbild unsrer Liebe ging dir auf!

Dein Name, hör ich plötzlich ihn gesprochen, Scheint aus Gewölken wie ein Blitz zu fallen, Der alle Siegel schmelzend aufgebrochen, Der Tore wirft von nie betretnen Hallen. Du stürzest, schöner Name, nicht entzündend In diese Brust; ein Strahl, ein ewig neuer, Zuckst du hindurch und in der Seele mündend, Vermählst du ihre Flut mit deinem Feuer.

Mich band die Liebe an den Pfahl der Pein, Durchbohrend mit dem Schwerte, das nicht tötet, Mein Eingeweide, bis der scharfe Stein, Auf dem ich kniee, sich mit Blute rötet. Doch neig ich dankend mich den Schmerzenslosen; Denn über mir seh ich wie eine Sonne Die Marterkrone dunkelroter Rosen: Mein Blut in Blüte, die mich krönt zur Wonne.

Du kamst zu mir, mein Abgott, meine Schlange, In dunkler Nacht, die um dich her erglühte. Ich diente dir mit Liebesüberschwange Und trank das Feuer, das dein Atem sprühte. Du flohst, ich suchte lang in Finsternissen. Da kannten mich die Götter und Dämonen An jenem Glanze, den ich dir entrissen, Und führten mich ins Licht, mit dir zu thronen.

Wie wenn Gott winkt, und die Ströme und Meere der Erde Brausend sich wenden, gestürzt vor der Allmacht Gebärde, Stürmt dir mein Blut, wenn du winkst; aus den Schluchten der Seele Quillt es mit Inbrunst, gewendet zu deinem Befehle.

Die Harfe war besaitet ohne Ziel. Kein wehnder Wind erregte sie zu Tönen, Kein Finger konnte sie dem Lied gewöhnen. Du legst die Hand auf das gebannte Spiel: Die Saiten, die sich keinem Griff bequemen, Erzittern unter dir entzückt und bang, Jäh überstürzt von ihrem Klang In raschem Quell und schweren, dunklen Strömen.

Du gingest durch ein Felsental im Feuer, Gebundnen Fußes wie ein Ungetreuer, Verzehrt, verdorrt, verschmachtet, ohne Flucht Vor dreistem Blick und schnödem Hohn der Spötter. Nun da der Tag sich neigt auf unsern Wegen, Und du, das Haupt der heilgen Nacht entgegen, Hervortrittst aus der gnadenlosen Schlucht, Strahlst du unsterblich wie die goldnen Götter.

Du reichtest mir den Kelch voll bittrer Flammen Und ließest mich in dunklen Labyrinthen. Allein, vergessen Heimat und Entstammen, Erlitt ich Dienst und Kampf bei Fremdgesinnten. Ich wanderte verhüllt am Todesflusse Im Schrei des dürren Laubs und hoffte nichts. Da trittst du vor mich hin, ein Gott des Lichts, Und glühst mich jung mit diamantnem Kusse.

Denn unsre Liebe hat zu heiß geflammt, Die wir entrissen alten Göttermächten. Von Sterblichen verdammt Schlug sie empor in unterirdschen Nächten.

Sie loderte wie Fackeln überm Grab. Der Sterne Heer zerschmolz in ihrem Hauch Und troff auf sie herab. So schmolzen schmerzlich unsre Seelen auch.

O Wohlgeruch, o Glut! O Lust und Glanz! O Qual, nie nah genug so nah zusammen! Empfang uns endlich ganz, Abgrund der Nacht, in deinen Liebesflammen.

Der Liebe Meer versiegte nicht, es schwoll, Sich selber speisend, hoch um unsre Wege. Erst netzt es unsre Füße Schaumes voll, Dann hub es sich bis an des Herzens Schläge. Einst kommt der Tag, in seines Schwellens Drang Reißt es vom Gipfel uns, dem kaum errungnen, Und überflutet höchsten Glückes Gang, Und rauscht Gesänge über uns Verschlungnen.

In jener Zeit, da ich dich nicht mehr nannte, Schuf ich ein Weihgefäß aus edler Erde Und barg darin, die einst an dir entbrannte, Die Flamme, daß sie rein gehütet werde. Von der empfangnen Brunst errötend bebte Das Weihgefäß, doch sprang es nicht entzwei. Kein Funken meiner Liebesglut entschwebte! Nun nimm es du, daß es dir heilig sei.

Schwill an, mein Strom, schwill über deine Weide, Umschlinge Haupt und Stamm zu dir hinab. Daß sich kein Blatt aus deiner Flut mehr scheide, Taucht sie die Zweige schluchzend in dein Grab. Daß dich doch dürstete, wie sie verschmachtet! Verzehre sie, wie sie dich trinken will! In dich gebogen, ganz von dir umnachtet, Von dir verschlungen wird die Seele still.

Ich bin dein Schatten, du bist, der mich schafft, Du gibst Gestalt und Maß mir und Bewegen. Mit dir nur kann ich heben mich und legen, Ich dein Geschöpf, du Willen mir und Kraft.

Dir angeschmiegt bin ich in deiner Haft, Wie die von Ketten schwer den Fuß nicht regen. Was du mir tust, ich kämpfe nicht entgegen, Durch dein Gebot belebt und hingerafft.

Doch bin ich dein, auch du gehörst der Deinen. Du kannst mir nicht entfliehn, dich neu gewänn ich, Mich nicht verstoßen, neu würd ich erkoren.

Solange Sonn und Sterne dich bescheinen, Siehst du zu deinen Füßen unzertrennlich Die Liebende, für dich aus dir geboren.

Du lässest Duft und Wohllaut, wo du gingest, Die Luft, die dich umgab, wird süß und trunken. Was du mit deinem goldnen Blick umfingest, Ward überfüllt von reifen Liebesfunken. Es blüht und glüht und schwillt und klingt und leuchtet Um dein Erscheinen her und deinen Namen. Du schüttest aus, von Lebenstau befeuchtet, O Paradiesesfrucht, der Schönheit Samen.

Du warst, o Hand, die Taube, die mich nährte, Mit Milch und Honig, Brot und Wein. Du gabst, was Rausch und Nüchternheit gewährte Und jene Zauber, die zur Liebe weihn. Du hast mir Todesglut ins Herz gegossen, Doch deine Schwinge war der Nacht Geleit; Das Fleisch, das du gespeist, das dich genossen, Betaust du drüben mit Unsterblichkeit.

Wenn je ein Schönes mir zu bilden glückte, War's, weil ich hingegeben deinem Wesen, Mit meiner Seele mich in dich verzückte,

Und, wie der Winzer nach dem Traubenlesen Erglüht und schwankt in Purpurgeist gebadet, Wie Kranke, die nach tiefem Schlaf genesen,

Wie ein Geliebter, den ein Gott sich ladet, Ihm teilt an goldnem Tisch des Nektars Blüte, -- Zurück mir kam mit Harmonie begnadet, Lebendgen Feuers Wogen im Gemüte.

Die Sterbliche, die dem Olympier teuer, In seiner Gottheit Glanz von ihr erfleht, Schmolz, da er kam, sein unerträglich Feuer.

Ich bin die immerdar in Flammen steht. Von deinen Augen götterhaft durchdrungen Entbrannte dieser Leib, der stets vergeht,

Stets von der Glut erneut, die ihn bezwungen. Erlischt die Brunst auch nicht in Lethes Bade, Die Schmerzen fühl ich selig kühl verschlungen,

Noch schwer von Erdenwonne schon in Gnade.

Wie ein Satrap den Leib der Braut sich schmückt, Daß er erschimmert unter Goldgehängen, Ein atmend Bildwerk, so mein Fleisch verdrängen Die Küsse, die dein Mund ihm eingedrückt.

Ambrosisch ward, das du in Glut getaucht, Mit Tränenschnüren hundertfach umschlungen, Das du gebadet hast in Liebkosungen, Darin dein Atem seinen Duft verhaucht.

Es altert nicht und wird dir nie gemein, Entwürdigt durch der Jahre steten Druck. Die Zeit muß dienend meinen Leib verschönen:

Je süßer leuchtet sein verliehner Schein, Je reicher ihn verhüllt der Liebe Schmuck, Und deine Gnaden seine Demut krönen.

Wie sich der Frühling opfernd vor der Sonne Auf Hügeln, süß von Weihrauch, selbst verzehrt, So geb ich dir, o Herr, der mich begehrt, Die deinem Blick erschloßne Liebeswonne.

In deine Flamme warf ich meine Blüte. Dein göttlich Feuer stürmend schnell genießt Den zarten Flor, der mir vom Herzen sprießt: Mich selber denn, da du mich liebst, behüte!

Laß nach, o Glut, daß ich nicht sterbe! Längst Mit immer neuen Opfern dich verehrend, Hab ich, was mein war, deinem Wunsch gegeben;

Verlange nicht, daß du mich ganz empfängst, Mein Leben auch. -- Du schütteltest verwehrend Das Haupt und sprachest: Liebe! wozu leben?

Du warst nur kurze Tage mein Gefährte, Doch ist mein Wesen so von dir durchstrahlt, Und so dein Bild in meinem Tun gemalt, Als ob ein Leben deine Nähe währte.

So kann, ins Glas gesprüht, ein Tropfen Wein Des Wassers Nüchternheit in sich verschlingen Und es mit Süße, Farbe, Duft durchdringen, Daß keins vom andern je mehr zu entzwein.

So schwingen Sterne sich und aber Sterne Um eine Sonne, die sich nie enthüllt, Mit ihrer Kraft und ihrem Licht sie füllt, Und sie regiert aus unermeßner Ferne.

Du warst in dieser götterlosen Zeit, Wo trübe Träumer ohne Lichtgedanken Wie leere Schiffe unterm Himmel schwanken, Der Stern, der mich geführt hat und gefeit.

Die Spur, die du gegangen, zu betreten, Daß ich nicht irrte, war mein hohes Ziel. Von irdischen Geschäften, Drang und Spiel Trug mich empor das Glück dich anzubeten.

Wie nachts ein Segel steuernd heimatwärts Der Leuchte zu die schweren Nebel spaltet Und so gelenkt sich in den Hafen rettet,

Ging ich getrost, den Blick an dich gekettet, Die Hände gläubig auf der Brust gefaltet, Durch Flut und Dunkel an dein strahlend Herz.

Dem Bettlerkinde gleich, das vor den Türen Mit scheuem Mund der Armut Bitte raunt Und andachtsvoll auf fremde Schätze staunt, Die seinem kargen Lose nicht gebühren,

Kam ich zu dir, der meine leeren Hände Mir überhäufte, reichgeboren mild, Mich schmückte wie ein wundertätig Bild, Daß ich nun selbst besitze und verschwende.

Der Herrschaft Zeichen strahlt aus Diademen Von meinem Haupte Demant und Rubin. Doch es erlischt die prahlerische Helle

Vor dir, denn was du gabest, kannst du nehmen, Und immer steht wie einst die Bettlerin Mit nacktem Fuß auf deiner goldnen Schwelle.

Du führtest mich zuerst ins Heiligtum Zu lichter Götter Bildern und Altären, Du lehrtest, was sie weigern und gewähren, Der Menschen Schicksal und der Helden Ruhm.

Du schmolzest sanft mit langem Liebeskuß Der Kindheit Siegel mir von Mund und Augen, Und ließest mich von deinem Blute saugen, Zu meiner mischend deiner Seele Fluß.

So ward mein Blut, Geliebter, dir leibeigen, Von einem Quell des deinen unterjocht, Der es mit Sehnsucht nach sich selbst entzündet.

Nach dir muß es verlangen, stürzen, steigen, Bis es im Meere deines Herzens mündet, Und gleichen Schlag mit seinem Schlage pocht.

Geliebter Herr, du tauftest mich mit Feuer, Die zu beseligen du auserkoren, Daß ich aus eignen Schmerzen neugeboren Dir auferstände reiner, stärker, treuer.

Nicht daß du früher minder mich gewertet, Für mich nur tilgend, was du kaum getadelt. Wie Gold im Flammenbad sein Wesen adelt, Ward meiner Art Gebrechlichkeit gehärtet.

Verbargst du dich mir einst in strengen Falten, Nun gib, Geliebter, deine Liebe ganz! Nicht brauchst du fürder dich zurückzuhalten.

Ergieße Sehnsucht, Inbrunst, Glut und Glanz! Mein Herz empfängt die tödlichen Gewalten, Wie ein vergöttert Haupt den Sternenkranz.

Wir fanden im Zwielicht hohe Wege, Ein trauriger Wind ward fernher rege. Die schwarzen Büsche, die sich bücken, Zerbläst sein Wehn, Der Himmel blitzt weiß durch Blätterlücken, Die schnell vergehn.

Das Herz wird uns schwer, der Fuß wird müde, Wie wenn uns ein Hauch mit Furcht belüde. Die böse Zeit in Schicksalsgründen Für immer schwand; Was kann uns der Wind für Unheil künden, Uns Hand in Hand?

Er kommt von den Hügeln, wo wir klagten, Von Wolken und Winden nur umjagten, Verlornen, wo auf bleicher Erde Nichts wächst, nichts bleibt, Kein wandernder Schäfer seine Herde Vorübertreibt.

Die Sage weiß von eines Brunnens Tugend, So fruchtbar und geheimnisvoll erlaucht, Daß er den Greis, der wankend untertaucht, Verwandelnd schmückt mit neugewirkter Jugend.

Sieh, wie der Leib, der seiner Kraft vertraut, Sich selig hebt aus den erglühten Wogen, Von ihrer Inbrunst schwellend vollgesogen, Mit frischen Lebens Morgenrot betaut,

Bald an sich selbst, bald an der Welt sich weidet, Die Arme breitend nach der Frühlingsflur, Mit wundertätgen Tropfen sie befeuchtend,

So wenn mein Herz aus deinen Armen scheidet, Grüß ich verjüngt die lachende Natur, Von deiner Kraft und deiner Schönheit leuchtend.

Dir fern und ferner, deiner nicht gedenkend, Verhehlend was einst Glück war, Stolz und Ehre, Ging ich durch Täler, über Berg und Meere, In Schutt und Schlamm die müden Füße senkend.

Doch du gingst mir zur Seite unsichtbar, Von deinem dunklen Blick war ich umfangen, Dein Atem hauchte mild um meine Wangen, Daß ich verlassen doch dein eigen war.

So gleitet still der Tod, dem wir gehören, Um unsre Schritte, die sich von ihm wenden, Und wenn verhüllt von blendend bunten Flören

Das Auge noch im Kram des Lebens wählt, Ruht unsre Seele in des Gottes Händen, Des treusten, dem von Anfang sie vermählt.