Lichtbild- und Kino-Technik Lichtbühnen-Bibliothek Nr. 1
Part 5
Zunächst wollen wir einmal zusehen, wie die photographische Aufnahme eines solchen Filmbandes bewirkt wird, und darüber können wir uns am besten klar werden, indem wir eine einfache Filmkamera, z. B. einen Kodak, zur Hand nehmen. Die Anordnung ist in Fig. 32 schematisch dargestellt. Auf der Rolle #M# sitzt ein lichtempfindliches Filmband; es ist zur Rolle #N# geführt, worauf es sich, wenn man die Rolle dreht, aufwickelt. #O# ist das Objektiv und #S# die Verschlußscheibe. Um eine Aufnahme zu machen, gibt man der Verschlußscheibe eine Umdrehung. Es bewegt sich dann die Öffnung #T# am Objektiv vorbei, läßt Licht zu und verursacht damit eine Belichtung. Nun soll ein zweites Bild gemacht werden. Dazu muß zunächst der Film durch Drehen der Rolle #N# um ein Stück, so groß wie das Bildchen #a#, weitergezogen werden. Wenn das geschehen ist, wird der Verschlußscheibe wieder eine Umdrehung gegeben. Ein drittes, viertes, fünftes Bild usw. erfordert immer wieder dieselben Handgriffe: stets wird zuerst der Film weitergezogen und dann die Verschlußscheibe gedreht.
Denken wir uns nun in die Kamera einen Mechanismus eingebaut, der diese Handgriffe selbsttätig ausführt, so haben wir den kinematographischen Aufnahmeapparat, wie er in Fig. 33 dargestellt ist. Man braucht nur eine Kurbel zu drehen, dann schießt der Apparat wie ein Schnellfeuergeschütz los und macht auf das Filmband in rascher Folge eine große Anzahl von Aufnahmen -- wie wir hörten, durchschnittlich 16 in der Sekunde.
Von dem erhaltenen Negativfilm wird durch Kopieren der Positivfilm hergestellt, wovon Fig. 31 ein Stück zeigte. Diesen Positivfilm bringen wir nun in den Lichtbilderapparat, um ihn als lebendes Bild auf die Wand zu werfen. Die allgemeine Projektionsanordnung ist in Fig. 34 dargestellt. Links haben wir die Laterne mit der Lichtquelle, am besten einer Bogenlampe; in der Vorderwand bei #K# die beiden Kondensierungslinsen, welche die Lichtstrahlen aufnehmen und in einem Kegel vorne in das Objektiv #O# leiten. Das Objektiv dirigiert die Strahlen derart weiter, daß von dem an der Belichtungsstelle befindlichen Bildchen a auf der Projektionswand ein scharfes Lichtbild entsteht.
Die Vergrößerung dabei ist eine beträchtliche. Wenn der Projektionsschirm beispielsweise 2-1/2 #m# breit ist, so erhalten wir von dem 2-1/2 #cm# breiten Filmbildchen der Linie nach eine 100fache, der Fläche nach eine 10000fache Vergrößerung; bei 5 #m# breitem Schirm ist die Flächenvergrößerung gar eine 40000fache. Es ist leicht verständlich, daß wir hier ein Objektiv kürzerer Brennweite brauchen als zur Projektion von Glasbildern. Da die Filmbilder linear etwa ein Drittel so groß sind als die handelsüblichen Diapositive, so muß die Brennweite des Kinematographenobjektivs unter sonst gleichen Verhältnissen (gleicher Abstand und Schirmgröße) etwa ein Drittel so lang sein als das Objektiv des Lichtbilderapparats.
Um nun auf dem Projektionsschirm die richtige Wirkung zu erhalten, müssen wir das Filmband in der gleichen Weise ruckweise weiterbewegen, wie dies vorher bei der Aufnahme in unserm Kodak geschah, den wir uns mechanisch betrieben dachten: der Film bleibt jedesmal einen Augenblick an der Belichtungsstelle ruhig stehen, dann springt er um ein Bild weiter, steht wieder ruhig, springt weiter und so fort. Die Verschlußscheibe #S# mit der Öffnung #T# brauchen wir auch hier; sie soll nämlich das Objektiv immer in dem Moment verschließen, wo sich der Film weiterbewegt, damit wir das Rutschen der Bilder nicht wahrnehmen.
Wir müssen uns also auch in den Lichtbilderapparat einen Mechanismus einbauen, der das Filmband ruckweise weiterbewegt und bei jedem Bildwechsel das Objektiv verschließt. Nehmen wir an, ein solcher Kinematographmechanismus wäre beschafft. Wenn wir dann die Kurbel des Werkes zunächst ganz langsam drehen, so werden wir folgenden Vorgang wahrnehmen. Der Film steht einen Augenblick still, trotzdem wir gleichmäßig drehen; nun wandert er um ein Stückchen weiter; jetzt steht er wieder still, und so geht's immer ruck, ruck, ruck vorwärts. Dabei bringt jede Bewegung des Filmbandes ein neues Bild an die Belichtungsstelle, das dort eine gewisse Zeit stehen bleibt. Blicken wir nun, während wir langsam weiterdrehen, auf den Projektionsschirm, so sehen wir daselbst den gleichmäßigen Wechsel: Bild -- dunkel -- nächstes Bild -- dunkel -- nächstes Bild -- dunkel usw. Wir beobachten, wie jedes Lichtbild einen Augenblick stehen bleibt, um dann dem nächsten Platz zu machen. Von der Weiterbewegung des Filmbandes können wir aber nichts merken; denn während dieser Zeit blendet immer die Verschlußscheibe die Lichtstrahlen ab; daher das »Dunkel«.
Jetzt wollen wir das Werk rascher drehen und dann noch rascher. Da kommt ein Moment, wo unser Auge die dunkeln Zwischenpausen nicht mehr unterscheidet; die einzelnen Bilder verschmelzen ineinander; das Lichtbild gewinnt Leben, die Figuren bewegen sich.
Das Flimmern und die Mittel zur Abhilfe
Aber der ewige Wechsel zwischen hell und dunkel, der doch tatsächlich auch jetzt noch besteht, bleibt dem Auge nicht völlig verborgen, er macht sich durch ein mehr oder minder starkes Flimmern bemerkbar. Da fragt es sich: durch welche Maßnahmen kann man das Flimmern abschwächen. Wie ein Versuch zeigt, und wie wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt haben, wird diese störende Erscheinung um so geringer, je schneller man den Mechanismus dreht; es wird dann eben eine raschere Folge hell-dunkel herbeigeführt. Aber dieses Mittel kann uns praktisch nichts helfen; denn die Darstellung wird dann unwahr, die Bewegungen werden überstürzt -- es sei denn, daß man die kinematographische Aufnahme mit entsprechend größerer Geschwindigkeit macht, daß man also anstatt 16 Bilder in der Sekunde beispielsweise deren 32 herstellt. Das würde aber eine Verdoppelung der Länge und des Preises des Filmbandes bedeuten, die man auf jeden Fall vermeiden will. Es muß also ein anderes Mittel gesucht werden, und zu diesem führt folgende Überlegung. Wir müssen zur Abschwächung des Flimmerns eine möglichst große Zahl von Wechseln hell-dunkel herbeiführen -- setzen wir uns als Ziel einmal 32 solcher Wechsel in der Sekunde. Dabei soll aber die Zahl der Bilder, die in der Sekunde gezeigt werden, nicht über 16 hinausgehen. Die Verdunkelungen werden durch die Blendscheibe bewirkt. Lassen wir diese nun mit der normalen Geschwindigkeit (16 Umdrehungen in der Sekunde) laufen, so muß sie, um 32 Wechsel hell-dunkel zu bewirken, zwei Flügel haben, also eine Form besitzen, wie sie Fig. 35 zeigt. Innerhalb der Zeit, wo diese Blende eine Umdrehung ausführt, wird ein Filmbildchen projiziert und dieses Bild gegen das nächste ausgewechselt. Der Bildwechsel (das Weiterrutschen des Filmbandes), muß aber in der Zeit geschehen, während welcher sich einer der beiden Flügel, z. B. #A#, vor dem Objektiv beendet; für die Filmbewegung bleibt mithin eine verhältnismäßig kurze Zeit übrig, die nur ein Viertel der Umdrehungszeit ausmacht, welch letztere wiederum 1/16 Sekunde beträgt, so daß wir für die Filmbewegung von Bild zu Bild 1/64 Sekunde zur Verfügung haben. Während der übrigen 3/4 der sechzehntel Sekunde steht der Film still, und in dieser Zeit schlägt der zweite Flügel #B# -- scheinbar nutzlos -- dazwischen. Aber wir kennen seine Aufgabe: er soll durch Vermehrung der Verdunkelungsperioden das Flimmern verhindern.
Nun können wir unser Ziel noch höher stecken und sagen: wir wollen das Flimmern weiter reduzieren und 48 Verdunkelungen in der Sekunde vornehmen. Dazu brauchen wir die in Figur 36 dargestellte Blende mit drei Flügeln. Der Bildwechsel muß hier in der kurzen Zeit geschehen, innerhalb welcher der Flügel #A# in Tätigkeit tritt, und da dieser 1/6 der Kreisscheibe ausmacht, so steht für die Filmbewegung nur 1/6 von 1/16 Sekunde = 1/96 Sekunde zur Verfügung. Prinzipiell könnten wir noch weitergehen und eine Blende mit acht oder noch mehr Flügeln anwenden; aber da wird schließlich die Anforderung an den Transportmechanismus, der die sprungweise Bewegung vollführt, zu groß, und auch der Film würde durch die heftigen, ruckweisen Zerrungen zu stark mitgenommen werden. In der Praxis findet man die Theaterapparate in der Regel mit der dreiteiligen Blende (Fig. 36) ausgerüstet, während kleinere Apparate vielfach die zweiteilige Blende (Fig. 35) besitzen.
Die Konstruktion des Transportmechanismus
Nachdem wir nun die Anforderungen, welche an den Transportmechanismus gestellt werden, kennen gelernt haben, wollen wir die verschiedenen Konstruktionsanordnungen betrachten. Man unterscheidet hauptsächlich vier Apparattypen, und zwar bezeichnet man diese kurz als Malteserkreuz, Schläger, Greifer und Klemmzug (oder Nockenapparat). Das Malteserkreuz wird heute bei den Projektionsvorrichtungen am meisten angewandt; in zweiter Linie der Schläger, während Greifer und Klemmzug weniger benutzt werden. Aufnahmeapparate hingegen rüstet man meistens mit dem Greifer aus, da diese Type für Kameras besonders geeignet erscheint. Die Malteserkreuzeinrichtung zunächst ist in Fig. 37 dargestellt. Der Film läuft um die Zahntrommel #W#, die mit ihren Zähnen in die Löcher des Bandes eingreift, und die es somit zwingt, alle Bewegungen der Trommel mitzumachen. Auf der Achse der Zahntrommel sitzt eine Sternscheibe (das Kreuz), und dieser wird durch eine rotierende Stiftscheibe #A B# mit dem Stift #E# periodisch eine Viertelumdrehung erteilt. Dabei schlägt die Zahntrommel gleichfalls um ein Viertel herum und zieht den Film immer genau um ein Bild weiter. Wie man beim Malteserkreuz ein stärkeres Tempo erzielen kann, um dadurch das Flimmern geringer zu machen, deutet Fig. 38 an. Man braucht nur die Eingriffscheibe #A B# recht groß zu nehmen. Solange die Sternscheibe mit dem schraffierten Teil der Scheibe #A# in Berührung ist, steht sie still; der Wechselvorgang wickelt sich ab in der kurzen Zeit, wo der Eingriff bei dem nicht schraffierten Teil in Tätigkeit tritt.
Die Wirkungsweise des Schlägersystems, welches Fig. 39 schematisch andeutet, ist folgende. Der Film läuft, nachdem er aus der Belichtungsstelle #B# kommt, um den Stift #T# einer rotierenden Exzenterscheibe #S# und dann um eine ebenfalls rotierende Zahntrommel #B#. Der Stift schlägt, jedesmal, wenn er sich nach unten bewegt, auf den Film und zieht ihn dabei um ein Bild vorwärts. Während der Stift sich aufwärts bewegt und die Zahntrommel den vom Stift geschlagenen Bausch verzehrt, ist der Film an der Belichtungsstelle in Ruhe. -- Der Greifer, von welchem Figur 40 die einfachste Form zeigt, besteht aus einer sich auf- und niederbewegenden Gabel; diese greift oben angekommen in die Löcher des Filmbandes ein, zieht es bei der Abwärtsbewegung mit, und zwar genau um ein Bild, läßt in der untersten Stelle den Film los und geht »leer« hoch, um das Spiel in gleichmäßigem Gange zu wiederholen. Beim Klemmzug endlich (Fig. 41) geschieht die ruckweise Fortbewegung des Filmbandes durch zwei rotierende Trommeln #Ww#, die so weit auseinanderstehen, daß der dazwischenlaufende Film normalerweise nicht mitgenommen wird. Die größere Trommel besitzt nun an ihrem Umfange ein aufgesetztes Segment #E#. Sobald dieses Segment an die Berührungsstelle kommt, wird der Film eingeklemmt und mit fortgezogen. Die Größe des Segments ist auf ein Bild berechnet. Jedoch genügt diese Anordnung nicht für einen exakten Transport -- daher ist oberhalb der Belichtungsstelle #B# eine Zahntrommel #R# angebracht, die während jeder Umdrehung der Reibungstrommeln den Film um ein Bild vorschiebt und mithin nur so viel frei gibt, als unten fortgezogen werden darf.
Die Vervollständigung des Kinematographmechanismus
Zu einem vollständigen Kinematographmechanismus gehören nun noch allerlei Teile; sie sind in Fig. 42 schematisch zusammengestellt, und zwar für einen Malteserapparat. Die Antriebsräder sowie auch die Malteserkreuzeinrichtung, das Objektiv und die Blendscheibe sind der Übersicht halber fortgelassen. Das Filmband sitzt auf der Spule #A#, läuft um die Zahntrommel #B#, gegen welche es durch einen federnden Rollenhalter gedrückt wird. Diese kontinuierlich laufende Trommel führt den Film der Belichtungsstelle #D# gleichmäßig zu. An der Belichtungsstelle wird das Band in einer Türe eingeklemmt, und zwar besitzt der aufklappbare Teil Federn, die sich gegen die gelochte Randpartie des Bandes pressen. Damit die Bildschicht nicht aufschleift und verkratzt wird, ist die Auflagefläche in der Breite des eigentlichen Bildes vertieft, so daß nur die Randstücke wie auf Schienen laufen. Unterhalb der Belichtungsstelle befindet sich die kleine Zahntrommel #E#, welche von dem nicht dargestellten Malteserkreuz den periodischen Antrieb erhält und dabei den Film jeweils um ein Bild aus der Türe herauszieht. Zwischen Türe und oberer Trommel #B# muß das Band einen Bausch #C# bilden. Unten läuft der Film, nachdem er ebenfalls einen Bausch #F# gebildet hat, wiederum über eine große Zahntrommel #G#, um durch diese der Aufwickelvorrichtung mit der Spule #K# gleichmäßig zugeführt zu werden. #H# und #J# sind kleine Laufrollen. An der Trommel #G# ist die zum Antrieb mit der Hand vorgesehene Kurbel angebracht.
Fig. 43 zeigt die perspektivische Ansicht eines Schlägermechanismus, bei welchem die ruckweise Weiterbewegung durch den unterhalb der Türe angeordneten Exzenterstift, den Schläger, bewirkt wird. Der Lauf des Filmbandes durch die verschiedenen Teile des Werkes von der obern Spule bis zur untern Aufwickelspule ist deutlich zu erkennen. Vorne sitzt auf einer sich ständig drehenden Achse die Blendscheibe, welche bei der dargestellten Ausführung zweiflügelig ist; sie befindet sich vor dem Objektiv. Das Objektiv läßt sich mit Hilfe eines Hebels der Höhe nach verstellen und gleichzeitig damit wird ein kleines Fensterchen verstellt, welches das in der Belichtungsstelle sitzende Filmbildchen genau einrahmt. Diese Stellvorrichtung hat folgenden Zweck. Es kommt vor, daß der Film, sei es von vornherein beim Einspannen oder während der Vorführung infolge falschen Zusammenklebens zweier Filmteile so in die Türe zu liegen kommt, daß das Bildchen zu hoch oder zu tief in der Umrahmung sitzt. In solchem Falle also stellt man die Umrahmung selbst nebst dem Objektiv nach. Bei manchen Apparaten erfolgt diese Verstellung mit Hilfe eines Zahntriebes. Andere Modelle wiederum korrigieren die falsche Bildeinstellung in der Weise, daß der ganze Bewegungsmechanismus oder ein Teil davon mitsamt dem Film gehoben bzw. gesenkt wird, während Fensterrahmen und Objektiv stehen bleiben.
Die Aufrollvorrichtung wird bei dem abgebildeten Apparat durch einen Spiralzug angetrieben. Ein starrer Antrieb ist hier nicht verwendbar, da die Aufwickelspule, je mehr Film daraufkommt, je größer also die Rolle wird, um so langsamer laufen muß. Wendet man eine Zahnrad- oder Kettenradübersetzung an, wie dies namentlich bei den Theaterapparaten mit ihren großen Filmspulen geschieht, so muß auf der Achse unten eine Friktionsscheibe eingesetzt werden, die nachgibt in dem Maße, wie die Spule sich vollwickelt. Die Stärke der Friktion läßt sich dabei durch eine Regulierschraube einstellen.
Ein für Dauerbetrieb geeigneter Malteserkreuzapparat ist in Fig. 44 wiedergegeben. Die Malteserkreuzeinrichtung, welche sich -- wie die Abbildung veranschaulicht -- nach Lösung des Lagerblocks entfernen und auseinandernehmen läßt, läuft in einem Ölbade, wodurch ein ruhigeres Arbeiten und eine geringere Abnutzung dieser Teile herbeigeführt werden soll. Ist doch die Beanspruchung des Kreuzes, auf welches der Eingriffstift 60000mal in der Stunde einschlägt, eine außerordentlich große.
Das Ölbad ist bei vielen Ausführungen ein geschlossenes, während bei der dargestellten Anordnung das Öl aus einem oben angebrachten Vorratsgefäß gewissermaßen als Dusche auftropft und aus der »Badewanne« überläuft, wenn ein gewisser Stand erreicht ist. Die Malteserkreuzeinrichtung läßt sich ferner verstellen, indem man den Lagerblock dreht; dadurch nähert bzw. entfernt sich das Kreuz von der Eingriffscheibe, und man kann nun die Teile so einrichten, daß sie exakt und ohne Spiel aufeinander arbeiten.
Feuerschutzeinrichtungen
Links von der geöffneten Türe (Fig. 44) ist noch eine viereckige Platte sichtbar: die Feuerschutzscheibe. Diese sperrt, solange der Apparat stillsteht, das Licht ab, so daß keine Strahlen den Film treffen können. Das aus Zelluloid bestehende Filmband ist nämlich leicht entzündlich und kann durch die von dem intensiven Bogenlicht ausgehenden Strahlen leicht in Brand gesetzt werden, wenn diese Zeit haben, darauf zu wirken. Sobald man das Werk in Betrieb setzt und der Film läuft, geht die Platte selbsttätig hoch und gibt die Belichtungsstelle frei, um aber sofort wieder herunterzufallen, wenn der Mechanismus still gesetzt wird. Die Vorrichtung zum selbsttätigen Anheben der Feuerschutzscheibe besteht beispielsweise aus einem Regulator mit zwei schwingenden Kugeln, wie man ihn bei Dampfmaschinen hat. Die Scheibe braucht übrigens nicht alle Strahlen abzusperren: wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, daß durch eine gitterartige Scheibe ein ausreichender Wärmeschutz bewirkt wird; eine solche läßt genügendes Licht durch, um nach dem Einspannen des Bandes das Filmbild mit Ruhe scharf einstellen zu können -- ja sie erlaubt, mitten aus dem Film an beliebiger Stelle einzelne Bilder als »stehende Lichtbilder« zu projizieren, was namentlich bei der Erklärung wissenschaftlicher Filme von Nutzen ist. Man braucht dazu nur die Drehung des Werkes zu unterbrechen: die Gitterscheibe fällt und schützt das projizierte Bildchen während der längern Belichtung.
Außer dieser Einrichtung sind für die bei öffentlichen Vorführungen angewandten Apparate sogenannte feuersichere Trommeln vorgeschrieben, welche die beiden Filmspulen umschließen und den Film nur durch einen schmalen Schlitz heraus- bzw. hereinlassen. Es soll dadurch die Übertragung eines Brandes auf die Filmrollen verhindert werden. Während früher die Trommeln bis auf den Schlitz vollständig geschlossen sein mußten, bringt man jetzt Luftlöcher an; man hat nämlich gefunden, daß das Zelluloid auch in der geschlossenen Büchse weiterbrennen kann, und zwar flammenlos unter Entwicklung giftiger, explosionsgefährlicher Dämpfe, und daß es viel weniger schlimm ist, wenn der Film unter Luftzutritt mit Flamme wegbrennt. Es steht zu erwarten, daß mit der Zeit der leicht entzündliche Zelluloidfilm durch ein schwer brennbares Filmmaterial, wie es im Zellit heute schon vorliegt, verdrängt wird.
Verbindung von Lichtbilderapparat und Kinematograph
Wir kennen jetzt den Kinematographmechanismus und kommen zu der Frage: Wie wird der Mechanismus mit dem Lichtbilderapparat in Verbindung gebracht? -- Besitzen wir eine gewöhnliche Projektionslaterne, so mag in der Weise verfahren werden, wie es Fig. 45 veranschaulicht. Der Mechanismus wird vorn auf ein Bodenbrett geschraubt, welches so lang ist, daß die Laterne darauf Platz findet, und letztere wird nun hinter den Kinematographmechanismus gesetzt, nachdem man das Objektiv eventuell nebst Objektivträger entfernt hat. Wenn die Verbindung von Lichtbilderapparat und Kinematograph von vornherein vorgesehen wird, so zieht man vielfach eine Anordnung vor, welche einen raschen Übergang von einer Projektionsart zur andern gestattet. Fig. 46 zeigt, wie dies in einfacher Weise geschieht. Das Laternengehäuse ist auf der breiten Bodenfläche seitlich verschiebbar angeordnet; in der abgebildeten Stellung befindet sich das Gehäuse hinter dem Kinematographmechanismus, und der Apparat ist bereit zur Projektion von Filmen. Schiebt man nun die Laterne herüber, so kommt sie hinter das Glasbilderprojektionsobjektiv zu stehen, welches neben dem Mechanismus angebracht ist, und man kann nun »stehende Lichtbilder« auf den Schirm werfen. Diese Einrichtung, welche auch bei den Theaterapparaten meist angewandt wird, ist bequem, wenn man bei einem Vortrage Glasbilder und Filme durcheinander oder rasch nacheinander zu zeigen hat.
Das Kinematographenobjektiv
Zunächst das Objektiv. Es wurde schon gesagt, daß man mit Rücksicht auf die kleinen Filmbilder und die erforderliche starke Vergrößerung ein Objektiv kürzerer Brennweite braucht als zur Glasbilderprojektion, und daß die Brennweite etwa ein Drittel von derjenigen des normalen Projektionsobjektivs betrage. Auch für diese Kinematographenobjektive wird in der Regel der bekannte Typus des Petzvalschen Porträtobjektivs angewandt (Fig. 5); für höhere Leistungen benutzt man lichtstarke anastigmatische Objektive, welche allerdings ein gut Teil teurer sind. Es sollte aber nicht vergessen werden, daß vom Objektiv die Wirkung in hohem Grade abhängt, und man sollte bei einer kinematographischen Einrichtung, die oft in die Tausende kostet, nicht rund 100 #M# an diesem wichtigen Instrument sparen.
Das Stativ
Für den kinematographischen Apparat ist vor allem erforderlich ein kräftiges Stativ, in dessen Ermangelung man einen stabilen Tisch nehmen muß. Es ist nämlich zu bedenken, daß infolge der sehr starken Vergrößerung auch ein geringes Zittern der Unterlage sich auf dem Schirm störend bemerkbar machen muß. Die Theaterapparate werden in der Regel mit einem Eisenstativ ausgerüstet, welches eine neigbare Rahmenplatte besitzt. Fig. 47 zeigt eine solche Einrichtung; die verschiebbare Laterne ist mit Rücksicht auf die mit hoher Stromstärke brennende Bogenlampe recht geräumig gehalten. Der Antrieb erfolgt bei Apparaten dieser Art mit Hilfe eines Elektromotors, der mit einem kleinen Regulierwiderstand verbunden ist, damit man die Geschwindigkeit nach Bedarf ändern kann. Wo es sich um die Demonstration einzelner Films handelt und nicht um fortlaufende, stundenlange Vorstellungen wie im Theater, kann der Antrieb des Werkes mit der Hand bewirkt werden.
Die Umrollvorrichtung
Die vorgeführten Films müssen, ehe sie nochmals gebraucht werden können, umgewickelt werden; denn der Anfang sitzt ja jetzt innen. Dieses Umrollen kann nötigenfalls mit dem Kinematographmechanismus selbst geschehen, wobei man folgendermaßen verfährt. Die Spule mit dem aufgewickelten Film wird auf den obern Filmhalter gesteckt, während die leere Spule unten auf die Achse der Aufrollvorrichtung kommt. Man zieht nun das Ende des Filmbandes direkt von der obern Spule (nicht durch das Werk hindurch, sondern davor her) zur untern Spule, klemmt es darauf fest und dreht die Kurbel, wobei die Umwicklung erfolgt. Ständig arbeitende Unternehmen können eine besondere Umrollvorrichtung, wie sie Fig. 48 zeigt, nicht entbehren. Mit dem Umroller wird vielfach noch ein Zähler zum Messen der Filmlänge verbunden.
Handhabung des Kinematographen