Lichtbild- und Kino-Technik Lichtbühnen-Bibliothek Nr. 1
Part 1
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Lichtbühnen-Bibliothek
Lichtbild- und Kino-Technik
Von F. Paul Liesegang
~Erstes Heft :: Preis eine Mark~
Lichtbild- und Kino-Technik
von F. Paul Liesegang
Lichtbühnen-Bibliothek Nr. 1 Herausgegeben von der Lichtbilderei Volksvereins-Verlag GmbH., M.Gladbach 1913
Inhaltsverzeichnis
(Die beigefügten Zahlen bedeuten die Seiten)
Seite Der Lichtbilderapparat und seine Wirkungsweise 5
Die allgemeine Anordnung (5). -- Der Kondensor (7). -- Das Objektiv (8). -- Zusammenarbeiten von Kondensor und Objektiv (10). -- Einfluß der Lichtquelle (11). -- Ausführungsformen des Lichtbilderapparats (13). --
Die Lichtquellen 15
Das elektrische Bogenlicht 16
Spannung und Stromstärke (16). -- Gleichstrom und Wechselstrom (17). -- Bogenlampe und Widerstand (17). -- Transformator und Umformer (18). -- Ausführungsformen der Bogenlampe (19). -- Die Kohlenstifte (20). -- Zuleitung und Sicherung (21). -- Kleine und starke Bogenlichteinrichtung (22). -- Handhabung der Bogenlampe (24). --
Das elektrische Glühlicht 26
Das Kalklicht 26
Wirkungsweise des Kalklichtes (26). -- Ersatz für Leuchtgas (27). -- Die Kalklichteinrichtung (27). -- Handhabung des Kalklichtes (28). --
Das Azetylenlicht 31
Spiritus- und Gasglühlicht, Petroleumlicht 33
Zubehör zum Lichtbilderapparat 34
Der Bildhalter (34). -- Der Projektionsschirm (34). -- Das Stativ (36). -- Leselampe und Signal (36). --
Anschaffungs- und Betriebskosten des Lichtbilderapparats 36
Die Glasbilder und deren Aufbewahrung 39
Aufstellung und Handhabung des Lichtbilderapparats 40
Die episkopische Projektion (Projektion undurchsichtiger Gegenstände) 43
Wissenschaftliche und mikroskopische Projektion 45
Der Lichtbilderapparat als Scheinwerfer 46
Der Lichtbilderapparat als photographischer Vergrößerungsapparat 46
Die Darstellung lebender Lichtbilder (kinematographische Projektion) 48
Wirkungsweise des Kinematographen (48). -- Das Flimmern und Mittel zur Abhilfe (51). -- Die Konstruktion des Transportmechanismus (52). -- Die Vervollständigung des Kinematographmechanismus (54). -- Feuerschutzeinrichtungen (57). -- Verbindung von Lichtbilderapparat und Kinematograph (58). -- Das Kinematographenobjektiv (58). -- Das Stativ (59). -- Die Umrollvorrichtung (61). --
Handhabung des Kinematographen 61
Behandlung und Pflege des Filmbandes 63
Fehlerhafte Erscheinungen beim Arbeiten mit dem Kinematograph 65
Blaue Flecken oder gelbrote Ränder im Bildfelde (65). -- Verschwommene Lichtbilder (65). -- Ziehen des Bildes (65). -- Vibrieren oder Tanzen des Bildes (66). -- Zerreißen des Filmbandes oder Ausreißen der Perforation (66). --
Das kinematographische Aufnahmeverfahren 66
Die Herstellung der Trickfilme 68
Die wissenschaftliche Kinematographie 70
Sachregister 72
Der Lichtbilderapparat und seine Wirkungsweise
Die allgemeine Anordnung
Der Lichtbilderapparat ist nichts anderes als eine vervollkommnete Form der #Laterna magica# wie wir sie aus der Kinderstube kennen.
Fig. 1 zeigt schematisch die Anordnung und läßt die wesentlichen Bestandteile erkennen: das Gehäuse mit der Lichtquelle, hier einer Petroleumlampe; die Sammellinse #C# in der Vorderwand des Gehäuses; davor die Bildbühne #B#, in welche die Glasbilder eingesetzt werden und weiter vorne, mit dem Gehäuse durch ein ausziehbares Rohr verbunden, eine zweite Sammellinse #O#. Die Linse #C#, welche man Kondensor nennt, hat die Aufgabe, die Lichtstrahlen zu sammeln und in einem Kegel durch das davorstehende Glasbild zu werfen. Die Linse #O# anderseits, die man als Objektiv bezeichnet, soll diesen Strahlenkegel aufnehmen und derart geordnet auf die Wand leiten, daß dort ein vergrößertes, scharfes Lichtbild entsteht. Die Eigenschaften, welche die einzelnen Bestandteile des Apparats besitzen müssen, lassen sich hieraus direkt ableiten: das Objektiv #O# muß zunächst solcher Konstruktion sein, daß es eine scharfe Vergrößerung des Glasbildes entwirft, ferner muß es so groß im Durchmesser sein oder, wie man sagt, eine so große »Öffnung« haben, daß alle vom Kondensor kommenden Strahlen aufgefangen werden. Der Kondensor #C# soll möglichst viele Strahlen der Lichtquelle aufnehmen, er soll das davorstehende Glasbild gleichmäßig beleuchten und die Strahlen in einem spitzen Kegel so nach vorne schicken, daß sie glatt ins Objektiv gelangen. Die Lichtquelle muß kräftig sein, denn von ihrer Intensität hängt die Helligkeit des Lichtbildes direkt ab; dabei soll die leuchtende Fläche eine geringe Ausdehnung haben, weil der Kondensor nur dann die Strahlen in einem hinreichend spitzen Winkel nach vorne werfen kann. Hat die Lichtquelle nämlich eine zu große Ausdehnung, so werden die Strahlen in Form eines breiten Büschels nach vorne geworfen, und das Objektiv kann dann nur einen Teil davon auffassen. Der Apparat muß naturgemäß derart gebaut sein, daß die beiden Linsensysteme in richtiger Stellung zueinander angeordnet (»zentriert«) sind; er muß stabil sein und genügend Platz für die Lichtquelle sowie für die Glasbilder bieten. Das Glasbild (um auch dies hinzuzunehmen) soll klar sein in den Lichtern, kräftig in den Umrissen und reich an Details, und die Projektionswand endlich muß eine ebene, weiße Fläche bieten, die das darauf geworfene Licht gehörig reflektiert.
Diese Forderungen nun, soweit sie an den Apparat gestellt werden, können von den einfachen Linsen der in Fig. 1 dargestellten #Laterna magica# nicht in befriedigender Weise erfüllt werden: die Beleuchtung ist keine ausreichende, indem der Kondensor das zur Verfügung stehende Licht schlecht ausnutzt, und vor allem fehlt es dem Lichtbild an Schärfe. Fig. 2 zeigt nun den verbesserten Apparat, und zwar mit der optischen Ausrüstung, wie sie jetzt in der Regel gebraucht wird. Der Kondensor #C# besteht aus zwei plankonvexen Linsen, während das Objektiv #O# aus vier Linsen zusammengesetzt ist und einen Trieb zum Scharfeinstellen besitzt. Der Gang der Lichtstrahlen ist punktiert eingezeichnet; man ersieht daraus, daß die Strahlen durch die erste Kondensorlinse parallel gemacht und dann durch die zweite Linse gesammelt werden.
Der Doppelkondensor ist im folgenden Bilde unter #A# für sich dargestellt. Daneben sehen wir zwei Formen von dreifachen Kondensoren. Der Zusatz einer dritten Linse bewirkt, daß die Lampe näher an den Kondensor herankommt, und daß infolgedessen mehr Licht aufgenommen wird. Unter #D# und #E# ist dies angedeutet; man sieht, daß der dreifache Kondensor, welcher bei #B# und #E# durch Vorsetzen einer Meniskuslinse, bei #C# durch Zwischensetzen einer bikonvexen Linse hergestellt ist, einen größern Winkel auffaßt als der Doppelkondensor. Die dreilinsige Ausführung wird hauptsächlich bei größern Kondensoren, z. B. solchen von 15 #cm# Durchmesser, angewandt.
Der Kondensor
Der Kondensor muß im Durchmesser so groß sein, daß er die Glasbilder ausbeleuchtet. Die Glasbilder nun, welche man im Handel bekommt, haben das Außenformat 8-1/4 × 8-1/4 oder 8-1/2 × 10 #cm#; das Innenmaß, d. h. die eigentliche Bildgröße, beträgt in der Regel etwa 7 × 7 #cm#. Um ein solches Bild von 7 × 7 #cm# bis in die Ecken zu beleuchten, braucht man, wie Fig. 4 links zeigt, einen Kondensor von 10 #cm# Durchmesser. Man benutzt daher für die gewöhnlichen Projektionsapparate Beleuchtungslinsen von 10 bis 11-1/2 #cm# Durchmesser. Für größere Glasbilder ist ein Apparat mit entsprechend größerem Kondensor erforderlich; aus Fig. 4 rechts ist zu ersehen, daß das Bildmaß 9 × 12 #cm# Linsen von 15 #cm# Durchmesser verlangt. Benutzt man einen Kondensor, der wesentlich größer ist als das Glasbild, so geht nur ein Teil des Lichtes durch das Bild hindurch, und alle übrigen Strahlen gehen verloren. Indessen kann man diesen Lichtverlust in der Weise vermeiden, daß man die Bilder, welche sonst dicht vor den Linsen stehen, weiter nach vorn in den Strahlenkegel bringt, wo dieser enger ist. Es wird dann das ganze Licht darauf konzentriert.
Das Objektiv
Als Projektionsobjektiv wird meistens das von Petzval erfundene Porträtobjektiv benutzt; es besitzt eine große Lichtstärke und läßt sich in ausreichend guter Qualität verhältnismäßig billig herstellen. Das Instrument besteht aus vier Linsen, die in einem Messingrohr sitzen. Die beiden Vorderlinsen sind verkittet, während die Hinterlinsen durch einen schmalen Ring getrennt sind. Man tut gut, sich die Anordnung der Linsen zu merken, damit man sie nach dem Reinigen wieder richtig einsetzt.
Es gibt eine einfache Regel, die lautet: alle Linsen zeigen mit ihrer gewölbten bzw. der am stärksten gewölbten Seite nach vorne. In der normalen Ausführung liefern diese Instrumente eine gute Mittelschärfe. Wenn eine höhere Leistung verlangt wird, so muß man ein besonders sorgsam gearbeitetes Objektiv nehmen, das entsprechend teurer ist. Eine wie man sagt »geschnittene Schärfe« und dabei plastische Zeichnung wird von den modernen lichtstarken Instrumenten geliefert, die man als »Anastigmate« bezeichnet. Die an Lichtbilderapparaten benutzten Objektive haben in der Regel eine mit Zahntrieb versehene Fassung, die ein scharfes Einstellen gestattet. Man fertigt die Instrumente aber auch in glatter, zylindrischer Ausführung und steckt sie dann in eine sogenannte Auswechselfassung, an welcher der Zahntrieb angebracht ist; bei dieser Anordnung ist eine bequeme und rasche Auswechslung gegen eine andere Objektivtube möglich.
Durch das Objektiv wird auch die Größe des Lichtbildes auf einen gewissen Abstand hin bestimmt. Die normalen Objektive liefern ein Bild, das nach Höhe und Breite etwa halb so groß ist, wie der Abstand des Apparates von der Wand. In der schematischen Darstellung (Fig. 6) ist das Objektiv durch eine einfache Linse wiedergegeben. #a b# ist das Glasbild. In dem obern Schema bekommen wir auf 3 #m# Entfernung ein 1-1/2 #m# großes Bild, auf 6 #m# Entfernung ein 3 #m# großes Bild. Unten ist ein anderes Verhältnis dargestellt. Da ist das Lichtbild ein Drittel so groß wie der Abstand: wir bekommen z. B. ein 2-#m#-Bild auf 6 #m# Abstand und ein 3-#m#-Bild auf 9 #m# Abstand. Um ein solches Verhältnis zu erzielen, müssen wir ein anders geschliffenes Objektiv nehmen. Wie ein Vergleich beider Zeichnungen ergibt, steht die Linse unten in einem größern Abstand vom Glasbild #a b# als oben. Dieser Abstand, in den Figuren mit #f# bezeichnet ist ungefähr gleich der Brennweite des Objektivs.
Wenn wir die Geometrie zu Hilfe nehmen, so finden wir, daß in der obern Figur die Brennweite #f# doppelt so groß ist wie das Glasbild #a b#; in der untern Figur dreimal so groß. Ja, es gibt eine allgemeine einfache Regel: die Objektivbrennweite steht in dem gleichen Verhältnis zur Größe des Glasbildes wie der Apparatabstand zur Größe des Lichtbildes. Wenn wir z. B. ein 3 #m# großes Lichtbild auf 12 #m# Entfernung haben wollen, so gibt das ein Verhältnis 1: 4. Mithin brauchen wir ein Objektiv, dessen Brennweite viermal so groß ist wie das Glasbild. Wenn nun die Glasbilder im Lichten durchschnittlich 7 #cm# messen, so muß die Brennweite 4 × 7 = 28 #cm# betragen. Auf diese Weise ist es leicht, für jedes Verhältnis rechnerisch die erforderliche Objektivbrennweite zu bestimmen. Man sieht aus den Zeichnungen gleichzeitig, daß die Glasbilder auf dem Kopf stehen müssen, damit die Lichtbilder aufrecht erscheinen.
Der Begriff der Brennweite läßt sich am leichtesten erklären mit Hilfe des bekannten Experiments: Man hält eine Sammellinse gegen die Sonnenstrahlen und bringt mit der andern Hand ein Blatt Papier dahinter. Wenn man nun das Blatt vor- und zurückschiebt, so wird man bald eine Stelle finden, wo die Strahlen darauf einen helleuchtenden Fleck geben. Dieser Fleck ist nichts anderes als ein Bildchen der Sonne; man hat die Stelle »Brennpunkt« genannt, weil hier auch die mit den Lichtstrahlen vereinigten Wärmestrahlen konzentriert werden, die das Papier in Brand setzen. Den Abstand des Brennpunktes von der Linse oder richtiger von der Mitte des Glaskörpers bezeichnet man nun als »Brennweite«.
Wenn man dies Experiment mit verschiedenen Brenngläsern macht, wird es sich herausstellen, daß deren Brennweiten nicht gleich sind; es wird sich ferner zeigen, daß die stärker gewölbten Gläser eine kürzere Brennweite haben als die flacher geschliffenen. Statt die Linse gegen die Sonne zu halten, kann man sie auch gegen einen gut beleuchteten, weit entfernten Gegenstand, z. B. einen Schornstein richten, wobei man das Papierblatt vor- und zurückschiebt, bis sich ein scharfes Bild des Schornsteins darauf zeigt; das Blatt deckt man möglichst gegen »falsches Licht« ab, um das Bild deutlich erscheinen zu lassen. Es wird dem Beobachter dabei auffallen, daß das Bild auf dem Kopfe steht. Der Abstand des Papiers von der Mitte der Linse ist geradesogroß wie bei dem Experiment mit der Sonne, und wenn wir ihn messen, haben wir also die Brennweite.
Zusammenarbeiten von Kondensor und Objektiv
Der Kondensor muß der Brennweite des Objektivs angepaßt sein. Er soll dem Objektiv, welches in Fig. 7 durch eine einfache Linse wiedergegeben ist, einen Strahlenkegel zuwerfen, in der Weise, daß (wie unter #I#) alles Licht durch das Objektiv hindurchgeht. Wenn nun der Apparat mit einem Objektiv längerer Brennweite versehen wird, wobei dieses in einen größern Abstand vom Kondensor kommt, so wird, wie sich aus der Darstellung #II# ergibt, der Kondensor nicht mehr richtig arbeiten: das Objektiv »kommt zu kurz«, indem es von dem Strahlenkegel nur den mittlern Teil aufnimmt. Damit die richtige Wirkung erhalten wird, müssen wir dem Kondensor ebenfalls eine längere Brennweite geben, so daß er den Strahlenkegel wiederum mit der Spitze gegen das Objektiv wirft. Dies ist unter #III# skizziert: die vordere Kondensierungslinse ist dort durch eine flachere ersetzt. Es ist von größter Wichtigkeit, daß man diese Bedingung für das richtige Zusammenarbeiten von Kondensor und Objektiv beachtet. Bei der Beschaffung eines neuen Objektivs wird es häufig versäumt, die unter Umständen erforderlichen Veränderungen des Kondensors vorzunehmen, und die Folge ist dann, daß man kein reines, weißes Bildfeld erhält: bei der normalen Einstellung der Lampe zeigen sich gelbrote Ränder, während bei vorgeschobener Lampe blaue Flecken entstehen.
Einfluß der Lichtquelle
Aber noch ein Punkt ist beim Zusammenpassen von Objektiv und Kondensor zu berücksichtigen. Man stellt die Wirkungsweise des Kondensors durch die in Fig. 8 unter #I# gegebene Zeichnung dar, wonach die von der punktförmigen Lichtquelle #L# ausgehenden Strahlen durch die Linsen wieder in einem Punkte #M# vereinigt werden. Diese Darstellung ist aber eine ideale. In Wirklichkeit werden die auf den Rand der Linse auffallenden Strahlen stärker gebrochen als die zentralen Strahlen; erstere sammeln sich in #M#_{1}, letztere in #M#_{2} (vgl. Fig. 8 #II#), während die Vereinigungspunkte der übrigen Strahlen zwischen #M#_{1} und #M#_{2} liegen. Wenn wir uns nun in der Figur alle diese Strahlen ausgezogen denken, so bekommen wir das unter #III# wiedergegebene Büschel. Da sehen wir, daß die Linsen des Objektivs #O# einen hinreichend großen Durchmesser haben müssen, damit sie das ganze Strahlenbündel auffassen.
Tatsächlich liegen die Verhältnisse noch ungünstiger. Es steht uns nämlich keine Lichtquelle zur Verfügung, die punktförmig ist. Nehmen wir nun aber gemäß Fig. 9 eine Lichtquelle mit einer leuchtenden Fläche #L# _{1} #L# _{2}, so wird jeder einzelne Punkt für sich ein Strahlenbüschel liefern; für #L# _{1} verläuft dies Büschel nach unten, wie unter #I# angedeutet ist, für #L# _{2} geht es in gleicher Weise nach oben. Und alle diese Büschel vereinigen sich zu einem breiten Büschel, dessen Begrenzung unter #II# dargestellt ist. Das einskizzierte Objektiv #O# faßt hier nicht mehr alle Strahlen auf; ein Teil des Lichtes wird also nicht ausgenutzt und geht verloren. Wir müßten daher in diesem Falle ein Objektiv mit größerm Linsendurchmesser haben. Indes können wir in der Größe des Objektivs nicht beliebig weit gehen; denn über ein gewisses Maß hinaus liefert uns das Instrument kein scharfes Bild mehr.
Es ist weiterhin noch zu beachten, daß das Strahlenbüschel um so breiter wird, je länger man die Brennweite des Kondensors nimmt; der Kondensor muß aber, wie wir oben erfuhren, eine längere Brennweite haben, wenn das Objektiv langbrennweitig ist. In solchen Fällen ist es daher erforderlich, dem Objektiv einen großen Durchmesser zu geben. Während normalerweise Objektive von 43 bzw. 50 #mm# Linsendurchmesser genommen werden, benutzt man für längere Brennweiten Objektivlinsen von 54 bzw. 61 #mm# Durchmesser oder geht erforderlichenfalls noch weiter bis zu etwa 81 #mm#. Es gilt dies namentlich für Lichtquellen, die eine große Leuchtfläche besitzen.
Ausführungsformen des Lichtbilderapparats
Der Projektionsapparat ist je nach den Anforderungen von einfacherer oder komplizierterer Konstruktion. Hauptsächlich kann man unterscheiden solche Apparate, die nur zur Projektion von Glasbildern dienen, und solche, die außerdem zur Darstellung wissenschaftlicher Experimente verwendbar sind. Fig. 10 zeigt einen Apparat der erstern Art. Das Gehäuse, das aus Stahlblech gebaut ist, hat oben einen Kaminaufsatz zum Abzuge der heißen Luft, hinten sowie rechts und links Türen. Das Objektiv wird durch ein ausziehbares Rohrstück getragen. Bei andern Apparaten dieser Art ist für das Objektiv ein schlittenartiger Halter vorgesehen oder aber ein kameraartiger Auszug mit Balgen und Zahntrieb. Diese letztere Anordnung, welche Fig. 11 darstellt, gestattet ohne weiteres die Verwendung von Objektiven kürzerer und längerer Brennweite; sie ist daher beispielsweise praktisch für Wanderredner, die bald in kleinern, bald in größern Sälen arbeiten und dazu Objektive verschiedener Brennweiten verwenden. Der abgebildete Balgenapparat besitzt noch ein zwischen den Kondensorlinsen eingebautes Kühlgefäß, das mit abgekochtem Wasser gefüllt wird; dieses schützt bei sehr intensiven Lichtquellen, welche große Hitze erzeugen, die Glasbilder gegen zu starke Erwärmung.
Ein für wissenschaftliche Projektionen aller Art geeigneter Apparat ist in Fig. 12 wiedergegeben. Er besitzt eine sogenannte optische Bank, worauf man die für die Experimente erforderlichen Instrumente anbringen kann. Wesentlich ist bei diesen Apparaten, daß der Raum vor dem Laterngehäuse frei ist. Man kann hier auch eine Einrichtung zur Projektion von undurchsichtigen Gegenständen, wie Photographien, Ansichtspostkarten usw., anbringen.
Die Lichtquellen
Wir kommen nun zur Lichtquelle. Von dieser wird in erster Linie große Helligkeit verlangt, während eine zweite Forderung darin besteht, daß das Licht möglichst konzentriert sei. An erster Stelle kommt das elektrische Bogenlicht, und wo elektrischer Strom zur Verfügung steht, sollte man ihn benutzen. Auch die Nernstlampe gibt in der für Projektionszwecke gebauten Form eine kräftige Lichtquelle ab. Den besten Ersatz für das Bogenlicht bildet das Kalklicht, welches sich zu einer mächtigen Helligkeit steigern läßt. Es kommen dann der Reihe nach das Azetylenlicht, das Spiritus- und Gasglühlicht sowie das Petroleumlicht. Die nachstehende Tabelle gibt eine Übersicht über die Helligkeit der verschiedenen Lichtquellen. Wenn auch die Zahlen nur ungefähre sind und mit der Art des Brennmaterials schwanken, so gestatten sie doch immerhin einen guten Vergleich.
5 10 15 20 30 Ampères --------------------------------------------- 500 1100 2000 5000 15 000 Kerzen
~Starke Nernstlampe~: bei 110 Volt 600 Kerzen; bei 220 Volt 1400 Kerzen. ~Mittlere Nernstlampe~: bei 110 und 220 Volt 400 Kerzen. ~Kleine Nernstlampe~: bei 110 und 220 Volt 100 Kerzen. ~Kalklicht~: je nach Arbeitsdruck bis zu 2000 Kerzen. ~Azetylenlicht~: dreifacher und vierfacher Brenner: 250 bis 300 Kerzen. ~Spiritusglühlicht~: gewöhnlicher Brenner etwa 80 Kerzen; desgl. ~Drucklampe~: etwa 200 Kerzen. ~Gasglühlicht~ (Starklicht): etwa 80 Kerzen. ~Petroleumlicht~: 3 und 4 Dochtlampe: 70 bis 80 Kerzen.
Das elektrische Bogenlicht
Das elektrische Bogenlicht bedarf zur Darstellung des elektrischen Starkstroms, wie er von der Zentrale durch Leitungen ins Haus geliefert wird. Wer mit dieser Lichtquelle arbeiten will, tut gut, sich mit den Eigenschaften des elektrischen Stromes bekannt zu machen, und dazu mögen die folgenden Ausführungen behilflich sein. Wie man das Wasser in Rohrleitungen auf große Entfernungen hin fortschafft, so läßt man den elektrischen Strom durch »elektrische Leiter« fließen, und als solche eignen sich besonders Metalldrähte, am besten Kupfer. Die Drähte werden, wenn sie nicht wie die Telegraphendrähte frei in der Luft hängen, mit nichtleitenden Stoffen (Gummi, Wolle- oder Seidengespinste) umflochten; diese »Isolation« ist nötig, da sonst bei Berührung des Drahtes mit andern leitenden Körpern (feuchte Erde, Wasserleitungsrohre usw., auch der menschliche Körper) der Strom abfließen würde, wie das Wasser durch ein Leck in der Rohrleitung. Der elektrische Strom muß nun, wenn er Arbeit leisten soll, einen Kreislauf ausführen; wir brauchen daher zwei Drahtleitungen: eine als Zuleitung von der Zentrale her bis zu unserer Lampe und die zweite zurück zur Maschine. Das Ende der ersten Leitung bezeichnet man als positiven Pol (Zeichen +), das der zweiten als negativen Pol (Zeichen -). Die beiden »Kabel« (so nennt man die isolierten Drähte) sind häufig zu einer einzigen Schnurleitung (Doppelschnur) verflochten.
Spannung und Stromstärke