Lexikon baltischer Künstler

v. Maydells tätig war, aber beschäftigte sich vorherrschend mit der

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Lithographie. 1841 übernahm er das Amt eines Zeichenlehrers an der adeligen Kreisschule in Arensburg. Seit 1861 war er auch an dem aus der Kreisschule hervorgegangenen Progymnasium tätig. Von ihm: Ansichten aus der Livländischen Schweiz: Ruine der Katharinenkirche zu Wenden. Schloss Treyden, 1833. Lith. von F. Schlater. 4^o. -- Ansicht von Werro. Lith. gr. fol. 1838 in Riga ausgest. -- Zwei Ansichten aus Arensburg: Adelige Kreisschule und Marktplatz. Lith. qu. 8^o. -- Vier Ansichten aus Arensburg: Ritterhaus, Marktplatz, bischöfliches Haus, Festung. Lith. 1859 qu. 8^o. -- Die Trachten der 12 Kirchspiele des Oeselschen Kreises. Farb. Lith. in gr. 8^o (a-b. Anseküll; c-f. Jama; g. Karris; h-i. Kielkond; k-l. Mohn; m-p. Mustel; q-r. Pyha). Erschienen 1858-1864.

Inland 1838 S. 460; 1840 S. 427; 1841 S. 254; 1844 S. 500; 1847 S. 352; 1853 S. 118; 1859 S. 459, 525; 1861 S. 187.

=Stever=, ~Gustav Kurt~. Historien- und Genremaler. Geb. 16. Mai 1823 in Riga; gest. 6/18. März 1877 in Düsseldorf, bezog 1847 die Kunstakad. in Berlin, ging 1850 nach Stockholm, um Bildnisse für den Hof und die Universität Upsala zu malen. Von Stockholm wandte er sich nach Paris, wo er Schüler von Couture wurde. Nach Deutschland zurückgekehrt, lebte er längere Zeit auf dem Gute Basthorst des Grafen Schack, hauptsächlich für den Schweriner Hof beschäftigt und liess sich dann in Hamburg nieder. 1865 ging er nach Düsseldorf, um die Kartons zu den Glasmalereien im Chor der Klosterkirche zu Dobbertin und für die neue Paulskirche in Schwerin zu entwerfen. Langjährige Krankheit verhinderte ihn an der Vollendung vieler seiner Arbeiten. Von ihm: König David und Abisag. -- Ermordung des Wendenkönigs Gottschalk am Altar der Kirche zu Lenzen. (Im Mus. zu Schwerin). -- Eine Auferstehung Christi in der Johanneskirche zu Bremen. -- Jan Gossaert malt sein schlafendes Kind etc. Er erhielt den Professortitel und war Komtur des Mecklenburgischen Hausordens. (Sein Vater Heinrich Kurt St., geb. 14. Oktober 1789 in Rostock; gest. 21. April 1827 in Riga, war Professor der Jurisprudenz in Dorpat und lebte seit 1820 als Advokat in Riga).

Rigasche Ztg. 1877 Nº 59, 61. -- Katalog der Schweriner Galerie.

=Storno=, ~Johann Rudolf~. Kaiserl. Hofmaler in Wien in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh., begleitete 1661 und 1662 den Kaiserlichen Gesandten Freiherrn Mayer v. Mayerberg nach Moskau und fertigte zu dessen Beschreibung dieser Reise 131 Blatt Zeichnungen, die sich jetzt im Besitz der Königl. Bibliothek zu Dresden befinden. Die ersten acht Blätter enthalten 16 Ansichten aus Kur- und Livland. Auf Veranlassung des russischen Reichskanzlers N. P. Rumjänzew wurden die Blätter in Dresden kopiert und in Lithographie mit einem Kommentar von Fr. v. Adelung herausgegeben unter dem Titel: Augustin Freiherr v. Mayerberg und seine Reise nach Russland usw. Petersburg 1827.

Balt. Schriftstellerlexikon III. S. 222/23. -- Manuskriptsammlung des Mitauer Mus. Nº 240 S. 104 und 105. (J. Döring).

=Strauss=, ~Helene Julie Marie~. Malerin. Geb. 1834 in Mitau, Schülerin von E. D. Schabert, seit 1851 von Jul. Döring und seit 1866 der Dresdner Akad., wo sie unter M. Kitscher arbeitete und in der Galerie kopierte. 1872 erteilte ihr die Petersburger Akad. einen Künstlergrad. Von ihr mehrere Porträts.

J. Döring.

=Stryk=, ~Wilhelm v.~ Architekt. Geb. 24. Januar 1864 in Dorpat, besuchte das Polytechnikum in Riga, studierte dann im Auslande und wurde Lehrer an der Bauschule in Höxter. Seit 1896 Professor am Polytechnikum in Riga. Zu seinen grösseren Bauausführungen gehören die Markthallen zu Reval und die Filialkirche der St. Gertrudgemeinde in Riga.

=Sturm=, (~Stürmer~) ~Michael~. Maler, malte im Jahre 1679 das Bildnis Karls XI. von Schweden für den Rigaschen Rat, der mit ihm einen Kontrakt schloss, worin dem Rat das Recht zugestanden wird das Bild zurückzuweisen, wenn es ihm nicht gefallen sollte. Sturm wird übrigens als ein braver Künstler bezeichnet, der auch bei den besten Künstlern Stockholms gearbeitet habe.

=Swalberch=, (~Swalbart~) ~Heinrich~. Baumeister, wird als Erbauer des Klosters der heil. Birgitta bei Reval genannt, begonnen 1407, geweiht 1436. S. trat als frater in den Klosterverband.

Nottbeck u. Neumann, Gesch. u. Kunstdenkmäler der Stadt Reval II S. 130.

T

=Teuffel=, ~Jürgen~. Baumeister und Steinmetz. Geb. im ersten Viertel des 17. Jahrh. in Lübeck, stand in Diensten des Lübecker Rats und wurde auf Ansuchen des Rigaschen Rats am 28. Aug. 1666 nach Riga beurlaubt, um beim Neubau des eingestürzten Turmes der Petrikirche behilflich zu sein. Er wird bereits im folgenden Jahre seinen Verpflichtungen entbunden und wendet sich nach Narva, wo Nachkommen von ihm 1736 und 1769 genannt werden.

Sitzungsber. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alt. 1891 S. 50 ff. -- W. Neumann. Das mittelalterliche Riga S. 34 ff.

=Thum=, ~Heinrich~. Kupferstecher, lebte im ersten Viertel des 17. Jahrh. in Riga, wo er von 1602 bis 1622 nachweisbar ist. Er war vielfach für die Offizin des ersten Rigaschen Buchdruckers Niclas Mollyn beschäftigt. Von ihm: Vor- und Rückseite eines Titelblatts zu einem Mollynschen Druck v. J. 1602 4^o bez. Heinricus Thum. sculp. Auf der Rückseite das grosse Wappen des Königs v. Polen Sigismund III. -- Exlibris mit dem Wappen der Familie zur Horst, v. J. 1604 fol. bez. Heinr. Thum scul. Ein Abdruck vom J. 1805 nach der jetzt verlorenen Originalplatte im Dommus. zu Riga. -- Exlibris mit den Wappen der Familien vom Hoff, Schoninck, Warnecken und Greuter. Enthalten in einem Manusk. des Rigaschen Rechts v. J. 1567. Bez. links unten: Heinr. Thum inven: et fc., rechts: Riga 1605 (?) -- Ihm zuzuschreiben ist der grosse Stich einer Ansicht der Stadt Riga v. J. 1612, der bisher nur in einem nicht völlig erhaltenen Exemplar bekannt ist, im Dommus. zu Riga. Photogr. Reprod. dess. im Katal. d. kult. hist. A. in Riga 1883 u. in W. Neumann, das mittelalt. Riga. Berlin 1892. -- Desgl. ein in Kupfer gestochener Plan von Riga mit der Überschrift: Adumbratio obsidionis Civitatis Rigen: etc. erschienen als Beilage zu einem Mollynschen Druck, betitelt: De expugnatione Civitatis Rigensis Livoniae Metropolis, etc. 1622. 4^o.

Arend Buchholtz, Geschichte der Buchdruckerkunst in Riga.

=Tielker=, ~Johann Friedrich~. Maler und Kupferstecher. Geb. 13. Juni 1763 in Braunschweig; gest. 11. August 1832, war anfangs Silhouetteur, dann Miniaturmaler und am Darmstädter Hofe, später am Berliner Hofe beschäftigt. In der Folge legte er sich auf die Landschaftsmalerei, den Aquatintastich und schliesslich auf die Herstellung von Panoramen. 1808 kam er nach Kurland und nahm angeblich den Maler Eggink (s. d.) mit sich auf seinen Reisen durch Russland, wo seine Panoramen von Petersburg und Moskau grossen Beifall fanden. Mit dem Panorama von Petersburg machte er eine Gesandtschaftsreise nach China mit. Von seinen Porträts ist die Mehrzahl von seinem Bruder Franz Karl gestochen, der besonders die Schwarzkunstmanier mit Erfolg übte. T. lebte längere Zeit in Petersburg und ist 1828 noch in Riga nachweisbar. Von ihm: Das Portr. des livl. Gouvern. Prokureurs G. Petersen. Pastell, 1810. (Dommus. Riga). -- Grosse Ansicht von Riga. (Vue panoramique etc.) vor 1812. In Aquat. von Prof. Frick. Vom Künstler seinen Freunden in Riga gewidmet. -- Portr. des Fürsten W. S. Golitzin. -- Portr. des J. Th. Krusenstern. -- Portr. des Prof. I. A. Fessler. (Stiche). Portr. des Kapitäns A. Krusenstern, gest. von F. Tielker als Schwarzkunstblatt. -- Portr. des livl. Generalsuperintendenten Dr. K. G. Sonntag. Pastell, 1828. (Dommus. Riga). Lith. v. G. C. Scharlow. -- Portr. des Dichters C. F. Petersen. Pastell. (Dommus. Riga.)

Rigasche Stadtblätter 1821 S. 265, 292; 1828 S. 305. -- Provinzialblatt 1828 Nº 36 S. 148. -- D. A. Rowinsky IV. Подробн. словарь русских граверовъ.

=Tiesenhausen=, ~Baronesse Nadeshda v.~ Geb. 1868, hat ihre Studien an der Akademie in Florenz gemacht, die sie 1892 absolvierte. Sie lebt in Italien und hat mehrfach italienische Ausstellungen beschickt. 1894 Bronze Med. Florenz, desgl. 1898 Barcelona und silb. Med. Turin. Neben ihrem Hauptfach der Porträtmalerei beschäftigt sie sich mit Vorliebe auf kunstgewerblichem Gebiet.

=Tiesenhausen=, ~Baron Paul v.~ Maler. Geb. 10. Januar 1837 auf dem Gute Itfer in Estland; gest. 12/24. November 1876 in München, war Militär und nahm an dem Krimfeldzuge teil. Nach dem erbetenen Abschiede zog er im Herbst 1859 nach München, wo er anfangs Schüler von K. Millner, dann (1869) von A. Lier wurde. Er hat sich vorherrschend mit der Marinemalerei beschäftigt. Viele seiner Bilder in balt. Privatbesitz. Das städt. Museum zu Riga besitzt von ihm zwei Marinen und eine Landschaft.

Rigasche Ztg. 1870 Nº 35, 120, 170; 1876 Nº 270. -- W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer d. 19. Jahrh. S. 152-153.

=Timm=, ~Ernst~. Architekt. Geb. 27. November 1819 in Riga; gest. 1867 in Mariapol in Südrussland, Bruder des Malers Joh. Adolf T., studierte von 1838-42 in München und setzte seine Studien dann in Petersburg fort. Er war grösstenteils im südlichen Russland tätig.

=Timm=, ~Georg Wilhelm~. Maler. Geb. 9. Juni 1820 in Riga als Sohn des Bürgermeisters Fried. T.; gest. 26. März (7. April) 1895 in Berlin, bezog 1835 die Kunstakad. in Petersburg als freier Zuhörer und schloss sich an den Schlachtenmaler A. Sauerweid an. Nachdem er durch mehrere militärische Darstellungen sich den Künstlerrang und die gr. silb. Med. erworben hatte, trat er 1843 eine Studienreise nach Frankreich an und wurde Schüler von Horace Vernet, mit dem er eine Studienreise nach Algier unternahm. 1846 kehrte er nach Petersburg zurück. Er beschäftigte sich anfangs mit Illustrationsarbeiten und gründete nach einer zweiten Reise nach Frankreich und einer Studienfahrt in den Kaukasus in Petersburg ein illustriertes Kunstblatt, das von 1851-62 unter dem Titel „Русскій художественный листокъ“ unter Beigabe vieler seiner Lithographien erschien, auch war er vielfach im Allerhöchsten Auftrage tätig. Ein durch angestrengtes Arbeiten eingetretenes Augenleiden veranlasste ihn 1862 nach Berlin überzusiedeln. Hier begann er sich mit der Malerei auf Porzellan und Fayence zu beschäftigen und es gelang ihm auf diesem Gebiet viel Neues und Interessantes zu schaffen. 1855 war er von der Petersburger Akademie zum Akademiker ernannt worden. Kaiser Wilhelm I. erteilte ihm den Rang eines Professors. Eine reiche Anzahl seiner Studien, viele Aquarelle und Gemälde im Besitz des städtischen Museums zu Riga.

W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. des 19. Jahrh. S. 101-102. Derselbe in „Rigaer Tageblatt“ 1906, Nº 296. (Auch als Separatabdruck ersch.).

=Timm=, ~Johann Adolf~. Maler. Geb. 14. Juli 1825 in Riga, Sohn des Kaufmannes Joh. Ulrich T., Vetter des Vorigen; gest. 11. Juni 1899 in Riga, war zum Kaufmann bestimmt, trat aber im Oktober 1846 in die Dresdner Akad. 1854 liess er sich in Mitau als Porträtmaler nieder, ging aber 1863 zu weiterer Ausbildung nach München, wo er Studien zu grossen Historienbildern machte, die zum Schmucke des Treppenhauses im Gebäude der Grossen Gilde in Riga bestimmt waren. Eintretende Geistesumnachtung führte ihn ins Irrenhaus. Von ihm: Das Portr. des Oberpastors am Rigaschen Dom W. Hillner. Lithogr. -- Die Niederlage der Schwertbrüder durch die Litauer. -- Sieg des Grossfürsten Alexander Newski über den Deutschen Orden am 5. April 1242. (Skizzen zu den Treppenhausgemälden der Grossen Gilde in Riga. Photogr. im Bes. der Stadtbibliothek, Riga).

Inland 1854 S. 653. -- Rigasche Stadtbl. 1873 S. 65. -- Kurländische Gouvernements Ztg. 1854 Nº 75. -- Rigasche Ztg. 1871 Nº 40. -- Rigaer Tagebl. 1899 Nº 130. -- W. Neumann, Balt. Maler u. Bildh. v. 19. Jahrh. S. 102.

=Tode=, ~Ernst Friedrich~. Maler. Geb. 28. Mai 1858 in Pargola bei Petersburg, widmete sich anfangs dem Studium der Architektur im Polytechnikum zu Riga, wandte sich dann aber in München unter Otto Seitz der Malerei zu. Von 1885-87 lebte er in Charkow als Porträtmaler und ging dann zu weiterer Ausbildung nach Düsseldorf. Von 1891-96 wirkte er als Lehrer an der Rigaschen Kunstgewerbeschule. 1895 gründete er eine Glasmalereianstalt, die sich aus bescheidenen Anfängen in überraschend kurzer Zeit unter seiner Leitung zu einem hervorragenden Kunstinstitut aufgeschwungen hat. Zu den bedeutendsten Arbeiten der Anstalt gehören: Die Fenster der Sakristei der Petrikirche in Riga, die Altarfenster der katholischen Katharinenkirche in Petersburg, die Fenster der reformierten Kirche daselbst, die Altarfenster in der Kirche der Chevalier-Garde daselbst, die Apsidenfenster in der Synagoge in Kiew, die Fenster im Chor der St. Johanneskirche in Riga und die grossen Transeptfenster im Dom zu Riga. Auch mehrere monumentale Arbeiten für Privatbauten in Riga, Moskau und Odessa sind aus der Anstalt hervorgegangen.

W. Neumann, Balt. Maler u. Bildhauer d. 19. Jahrh. S. 136, 142.

U

=Ulprecht=, ~Ernst Markus~. Dilettant. Geb. 28. November 1770; gest. 2. Dezember 1831 in Dorpat, war ein Stiefsohn des Professors Joh. Chr. Brotze und besass wie dieser ein bedeutendes Zeichentalent. Er studierte in Dorpat, wurde später Konservator des Naturalien-Kabinetts der Universität und hielt Vorlesungen über Mineralogie. Er hat viele hübsche Ansichten livländischer und finnländischer Gegenden gezeichnet, davon mehrere von K. A. Senff und J. A. Darnstedt in Kupfer gestochen und zum Teil in der „Livona“ und in „Livona’s Blumenkranz“ veröffentlicht sind.

Rigasche Stadtbl. 1831 S. 401. -- Dörptische Beiträge I. 206 ff.

=Ungern-Sternberg=, ~Alexander Freiherr v.~ Maler und Schriftsteller. Geb. 10. April 1806 auf dem Gute Noistfer bei Reval; gest. 24. August 1868, auf dem Gute Dannenwalde bei Stargard in Mecklenburg-Strelitz; studierte von 1826-30 in Dorpat und ging dann nach Petersburg, wo sein hervorragendes Zeichentalent die Aufmerksamkeit der Kaiserin erregte, die ihm zu seiner weiteren Ausbildung eine Unterstützung angedeihen liess. Er widmete sich in Dresden der Malerei und trat hier zu Ludwig Tieck in nahe Beziehungen. Während seines Studienaufenthalts in Stuttgart wurde er mit Gustav Schwab bekannt und durch diesen mit Cotta, auch zu Lenau trat er in ein freundschaftliches Verhältnis. Seit dieser Zeit gab er sich ganz der Schriftstellerei hin und schrieb unter dem Pseudonym A. v. Sternberg.

Baltisches Dichterbuch, herausg. v. J. E. v. Grotthuss.

=Ungern-Sternberg=, ~Johann Karl Emanuel Freiherr v.~ Geb. 23. Januar 1773 auf dem auf der Halbinsel Nucken bei Hapsal belegenen Gute Paschlepp; gest. 30. März 1830 in Reval, zeigte schon als Knabe eine bedeutende künstlerische Veranlagung, die namentlich durch seinen Lehrer Renatus Frühauf im Erziehungsinstitut zu Barby a. d. Elbe eifrig gefördert wurde. Trotzdem wählte er die juristische Laufbahn und bekleidete in der Folge verschiedene Ämter im Dienste der estländischen Ritterschaft, beschäftigte sich aber in seinen Mussestunden mit Zeichnen und Malen und erteilte selbst Unterricht im Zeichnen an der Ritter- und Domschule in Reval. Erst 1806 entschloss er sich dazu sich ausschliesslich mit der Kunst zu beschäftigen. Er begab sich nach Dresden und trat in das Atelier des Professors T. L. Pochmann und arbeitete zugleich unter der Leitung des Professors J. D. Schubert. Er kehrte dann nach Estland zurück, wo er mehrfache Porträtaufträge ausführte. Ein Versuch sich in Petersburg ein ausgiebigeres Tätigkeitsfeld zu verschaffen misslang ihm. 1810 unternahm er eine grössere Reise durch die baltischen Provinzen, um Studien zur Herausgabe einer Sammlung baltischer Ansichten zu machen, auch beschäftigte er sich mit der heimischen Kunstarchäologie durch Zeichnen von Wappen, Siegeln, Grabsteinen usw., geriet dabei jedoch in bedrängte Umstände, so dass er sich genötigt sah, das ihm von der estländischen Ritterschaft angetragene Amt eines Kurators der Revaler Domschule anzunehmen. Ein Versuch, die Bildnisse Dorpater Professoren in Lithographie herauszugeben, schlug fehl durch die Schuld des Druckers. Nur wenige dieser Bildnisse kamen in die Oeffentlichkeit und zwar die der Professoren Jäsche, Dabelow, Deutsch, Lenz und Osann. Ebenso verunglückte die Lithographie einer Innenansicht der Olaikirche nach dem Brande von 1820, von der nur 20 Exemplare in den Handel kamen.

H. Neuss in der Estona 1830 S. 179, 184 und 192. -- Balt. Monatsschrift XL. S. 335. Die dort mitgeteilte Erzählung von dem Bilde der Seeschlacht zwischen Russen und Schweden auf der Revaler Reede ist apokryph.

=Ungern-Sternberg=, ~Peter Georg Franz v.~ Malerdilettant. Geb. 15. Juli 1785; gest. 12. Januar 1868, studierte von 1802-5 Kriegswissenschaften in Dorpat und trat dann in die russische Armee, nahm aber als Stabsrittmeister seinen Abschied, um sich der Malerei zu widmen. Man kennt von ihm mehrere Porträts und Kopien nach alten Meistern.

C. Russwurm, Nachrichten über die Familie Ungern-Sternberg II S. 11, 153.

=Unverhau=, ~Martha~. Malerin. Geb. 1. November 1868 in Mitau, empfing den ersten Unterricht in der Jung-Stillingschen Zeichenschule in Riga, arbeitete dann in Berlin unter W. Döring und Ludw. Dettmann. 1894 setzte sie ihre Studien in München unter Ludw. Herterich fort und arbeitete später noch unter Schmied-Reutle und Friedr. Fehr. Tätig in Mitau.

W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 176.

=Urbanowicz=, ~Christophor v.~ Malerdilettant. Geb. 25. Februar 1785 zu Berken in Kurland; gest. im März 1839 in Mitau, diente als Artillerieoffizier in der russischen Armee, beschäftigte sich nach seiner Entlassung aus dem Militärdienste mit der Porträtmalerei und wirkte als Lehrer des Zeichnens und der Mathematik an verschiedenen Orten des Landes. Das Mitauer Museum besitzt von ihm ein grosses Manuskript, betitelt „der mathematische Kartonzeichner“.

Biographie von Pastor Friedr. Wilhelm Wagner in Nerft. Manusk. im Mus. zu Mitau. (Jul. Döring.)

V

=Vegesack=, ~Anna v.~ Malerin; lebte um die Mitte des 18. Jahrh. in Riga; gest. vor 1779. Der Berliner Akademiker Joh. Bernoulli rühmt in seiner Reisebeschreibung (VI S. 16) ein von ihr gemaltes livländisches Wappenbuch. (s. a. Gadebusch, Bibliothek, Art. Vegesack).

=Viertelshauser=. Maler; ist in Kurland um 1750 nachweisbar. Es gibt von ihm Jagdstücke und Stilleben.

(Jul. Döring.)

=Villebois=, ~Franz Karl v.~ Bildhauer. Geb. 19. Juni 1836 in Livland; gest. 30. Januar 1890 in Dorpat, studierte von 1856-59 an der Universität Dorpat, wandte sich dann aber, trotz mancher sich ihm entgegenstellenden Schwierigkeiten der Kunst zu. 1868 Schüler der Münchener Akademie und von M. v. Widnmann. Von 1874-80 lebte er in Dresden, dann in Dorpat. Sein Hauptwerk ist: Der Flussgott; in München mit einem Preise gekrönt; in Bronze gegossen von Bierling in Dresden. Erworben von Frau v. Grünwaldt, geb. Gräfin Medem und von ihr der Universität Dorpat übergeben. Die auf dem Domberge in Dorpat aufgestellte Gruppe wurde von ruchlosen Händen verstümmelt, was ihre Beseitigung und darauf die Rückforderung durch die Stifterin zur Folge hatte.

Rigasche Ztg. 1873 Nº 227; 1875 Nº 114; 1876 Nº 44; 1879 Nº 265; 1881 Nº 211, 212 und 215. -- Ztg. f. Stadt und Land 1875 Nº 253, 293. -- W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 86-87.

=Volz=, ~August Franz Leberecht~. Bildhauer. Geb. 27. Februar 1851 in Magdeburg, wurde dort Schüler des Bildhauers Habs und kam dann nach Berlin, wo er unter Alb. Wolff arbeitete und die Akademie besuchte. Unter der Oberleitung des Baurats Ende beteiligte er sich an der dekorativen Ausstattung mehrerer grösserer Berliner Monumentalbauten und kam 1875 nach Riga, wo er die plastischen Arbeiten des von Ende entworfenen Pfab’schen Hauses in der Suworowstrasse ausführte. Seit jener Zeit ist er in Riga ansässig. -- Neben der Ausführung von plastischen Arbeiten für Fassaden und Innendekorationen hat V. mehrere Reliefporträts, monumentale Grabdenkmäler und Salonfiguren (diese für die Ausführung in Bronze) geschaffen. Von ihm auch der Nymphenbrunnen vor dem Theater, der Rolandbrunnen auf dem Marktplatze und der Ritterbrunnen auf dem Basteiplatze. Die beiden letzten nach Entwürfen von W. Neumann.

=Vowsak=, (Vousack Vawgesack) ~Johann~. Maler in Reval; gest. um 1500, malt 1489 für die Nikolaikirche ein Madonnenbild, wofür ihm 530 Mark bezahlt werden. Am 27. Februar 1501 trägt der Bischof Johann