Part 3
Nun hab ich schon genug! schweig, trauriges Gerüchte, Das Herze sagt es mir, mein Kind sei nicht mehr mein. Der unverhoffte Riß nimmt Regung und Gesichte Mit stummer Ungeduld und blassem Schrecken ein. Mich deucht, ich höre schon die neuen Hochzeitlieder, Ja, ja, ich höre schon der Hoffnung Leichenklang; Die Angst durchwandert mir das Mark der starken Glieder, Um die sie kurz vorher die falschen Armen schlang. Du Kind der Ewigkeit und Mutter alles Guten, O Liebe! stehst du gern verliebten Dichtern bei, So gib, da Aug' und Herz in süßer Wehmut bluten, Daß diese schwere Last nur noch erträglich sei. Du weißt, ich diene dir mit unverfälschtem Herzen; Du weißt, ich habe stets das böse Volk verflucht Und bloß, das Elendsweh im Leben zu verschmerzen, Ein Kind von frommer Art und gleicher Treu' gesucht. Wie tust du das an mir und stürzest mein Vergnügen, Worauf ich soviel Zeit und Müh und Fleiß gewandt? Warum erlaubst du nicht, an dieser Brust zu liegen, Mit der mich deine Macht so lang und stark verband? Ja, wenn mir alle Welt auf solchen Fall geschworen, Ja, wenn ein Engel selbst dergleichen prophezeit, So hätt' ich wohl gedacht: sie reden wie die Toren Und kennen wohl noch nicht der Liebe Zärtlichkeit. Ach, allerliebstes Kind! so muß ich dir noch schreiben, Indem ich doch sobald mein Herz nicht trennen kann; Wie magst du solchen Scherz mit Eid und Schwüren treiben Und warum hast du so und noch an mir getan?
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Als sie ihm untreu wurde
Bleib, wer du bist und willst, Selinde, Ich bleibe gleichfalls wer ich bin, Dein Herz besteht wie Rohr im Winde, Dafür bedankt sich nun mein Sinn. Und wünscht dir zu der guten Zeit Nichts weiter als Beständigkeit.
Du hängst dich, wie ich seh, an alle Und siehst das Herze nicht mehr an, Ich geh und räume deinem Falle, Er kommt, der Hochmut kommt voran. Spott aber, Reue, Gram und Schmach Folgt wie der Rauch dem Brande nach.
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Mit was für Ruh' und für Gewissen Gedenkst du, falsches Kind, der Lust In fremden Armen zu genießen? Wobei du allzeit fürchten mußt, Itzt trenne Donner, Blitz und Streich Kuß, Mund und Herzen unter euch.
Ein andrer würd' es wünschen können, Ich aber bin nicht aufgelegt, Den Feinden meinen Zorn zu gönnen; Die Liebe, so mich treibt und regt, Läßt fahren, was nicht bleiben will, Und schweigt, wie fromme Kinder, still.
Genug, daß du dich selbst betrogen, Und etwas wider dich getan: Bedenk', ich war dir so gewogen, Als keiner ist und werden kann, Ich zeigte dir durch wahre Treu', Was Leben und was Lieben sei.
Die Eintracht zwo vertrauter Herzen Macht aus der Welt ein Himmelreich, Ihr reiner Kuß verbeißt die Schmerzen, Ihr Auge kommt der Sonne gleich, Die Wolk' und Regen um sich sieht Und doch davon nichts in sich zieht.
Den Vorschmack hast du schon genossen, Betrachte Felsen, Bach und Wald, Wo ich dich oft in Arm geschlossen Und unser Scherz noch widerschallt; Die Vögel wurden selbst erweckt Und durch Exempel angesteckt.
Du wußtest damals vor Vergnügen Oft selbst nicht, wo dein Herze wär'; Du bliebest vor Entzückung liegen Und sagtest, deucht mich, ohngefähr: Kind, daß mich nicht der schöne Tag An deiner Brust entseelen mag.
Ich mag nichts mehr davon gedenken, Sonst leid ich mehr dabei als du. Die Zeit weiß alles so zu lenken, Damit sie keinem unrecht tu', Und wird vielleicht zu deiner Pein Bald zwischen uns ein Richter sein.
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Die verworfene Liebe
Ich habe genug! Lust, Flammen und Küsse Sind giftig und süße Und machen nicht klug; Komm, selige Freiheit, und dämpfe den Brand, Der meinem Gemüte die Weisheit entwandt.
Was hab' ich getan! Jetzt seh' ich die Triebe Der törichten Liebe Vernünftiger an; Ich breche die Fessel, ich löse mein Herz Und hasse mit Vorsatz den zärtlichen Schmerz.
Was quält mich vor Reu? Was stört mir vor Kummer Den nächtlichen Schlummer? Die Zeit ist vorbei. O köstliches Kleinod, o teurer Verlust! O hätt' ich die Falschheit nur eher gewußt!
Geh, Schönheit, und fleuch! Die artigsten Blicke Sind schmerzliche Stricke. Ich merke den Streich, Es lodern die Briefe, der Ring bricht entzwei Und zeigt meiner Schönen: Nun leb' ich recht frei.
Nun leb' ich recht frei Und schwöre von Herzen, Daß Küssen und Scherzen Ein Narrenspiel sei; Denn, wer sich verliebt, der ist wohl nicht klug: Geh, falsche Sirene, ich habe genug!
An die Schweidnitzer Leonore
So sollt' und mußt' es sein: die Strafe folgt der Sünde, Und so, verführter Geist, geschieht dir eben recht: Es läßt dich endlich auch die nette Philirinde, Dies ist es, was dein Herz mit neuem Kummer schwächt, Dies ist auch, was dich jetzt mit Nachdruck lehren kann, Wie weh' du Lenchens Brust durch Flucht und Bruch getan.
Ach! freilich tut es weh, wenn solche Ketten springen; Brecht, süße Fessel, brecht! Ich bin genug gedrückt! Mich soll kein frischer Kuß in neue Bande zwingen, Da Philirindens Zorn die letzte Glut erstickt: Und da mich ihre Flucht auf Erden elend macht, So sag' ich auf einmal der Liebe gute Nacht!
Der Liebe gute Nacht und auf einmal zu sagen? Mein Herz, besinne dich und schätze diesen Schluß Und wisse, daß ein Mensch bei allen Unglücksplagen Durch wahre Lieb' allein den Gram versüßen muß: Laß sein, daß dieses Kind den treuen Wunsch betrügt, Wer weiß, wie bald dich noch was Artiger's vergnügt!
Vergnügt mich diese nicht, so darf mich nichts vergnügen! Dies ist ein blinder Wahn betörter Weichlichkeit; Zwei Mittel geben Rat, den Kummer zu besiegen: Gebrauche der Vernunft, vertrau den Schmerz der Zeit! Und willst du ja noch mehr und _bald_ getröstet sein, So nimm mit Buß' und Reu' die alten Flammen ein!
Ja, ja, ich fühle schon die Rückkunft erster Triebe, Mein Blut erinnert sich der damals reinen Treu', Es wallt und jauchzt vor Lust und wählt die alte Liebe, Damit sie dermaleinst des Ehstands Himmel sei! -- Was denkst du dir, mein Herz? O gib dir selbst Gehör: Du suchest Lenchens Gunst, sie liebt dich ja nicht mehr.
Ich weiß, sie liebt mich noch und kann mich nicht verlassen! Die Neigung gleicher Art verband uns gar zu scharf: Komm wieder, liebster Schatz, nun will ich dich umfassen, Solang ich nur noch hier der Luft genießen darf; Ist etwas, das uns trennt, so ist's der Leichenstein: So stärkt der Riß das Band: so sollt' und mußt' es sein!
Auf der Abreise von Dresden in sein geliebtes Schlesien
Kommt, tröstet mich, ihr alten Tage, Und laßt euch einmal wieder sehn, Sonst muß ich bei so scharfer Plage Den Tod um Hülf' und Rettung flehn. Ihr martert mein bedrängtes Herze, Ihr seid es, was mein Leid verstärkt, Denn wüßt' ich nichts von eurem Schmerze, So hätt' ich kaum die Not gemerkt.
Ihr habt mir dort durch Lenchens Küsse Mund, Sehnsucht und Geschmack verwöhnt, Sobald mir die geneigten Schlüsse Den Weg ins Paradies gebähnt. Auf Zucker wächst des Wermuts Schärfe, Wie jetzt mein Kreuz auf eurer Lust, Denn wenn ich dies in mir entwerfe, So ächzet die gedrange Brust.
Dort saß ich noch im Rosengarten Dort wünscht' ich nichts als Ewigkeit, Der süßen Arbeit abzuwarten, Mit der mich Lenchens Gunst erfreut. Dort spielt' ich mit dem lieben Kinde Früh, mittags, abends, durch die Nacht Und hielt den Augenblick vor Sünde, Den ich und sie getrennt vollbracht.
Kein Platz war unserm Lager enge, Kein Winkel unsrer Lust zu klein; Wir hatten ganz besondre Gänge Und nennten Glück und Angst gemein. Viel Wächter stunden uns im Lichte, Doch Arglist ward durch List berückt, Da wurden die verbotnen Früchte Mit größrer Sehnsucht abgepflückt.
Wieviel vergnügt- und gute Lieder Gerieten mir an ihrer Hand! Ich ging die Weistritz auf und nieder, Bis daß ich sie am Ufer fand; Hier scherzten wir in allem Wetter, Oft eh der Tag die Wolken brach, Und rauschten denn die Erlenblätter, So ahmten unsre Küsse nach.
Kehrt, güldne Zeiten, kehrt zurücke Und führt mich gleich persönlich hin, Da, wo ich mit entferntem Blicke Und sehnlichen Gedanken bin. Wie? Hat mein Wunsch ein solch Vermögen? Ich seh', ihr kommt bereits gerannt, Doch nein! Ich zieh' euch selbst entgegen Und seh' bereits ins Vaterland.
Dies ahnt vielleicht dem holden Kinde, Weil Neigung die Gemüter zieht; Wer weiß, wie brünstig und geschwinde Ihr Blick auf alle Straßen sieht! Mein Engel, laß dich nicht verlangen, Die Freude bringt das Warten ein, Es malt sich mir auf deinen Wangen Des bessern Glückes Morgenschein.
Nun gute Nacht, du edles Sachsen, Behalt die Tränen meiner Qual! Wieviel davon schon Gras gewachsen, Das weiß dein Speck- und Rosental. Ich will dir gern mein Leid vergeben, Nur gib dem kleinen Lorchen Ruh, Denn weil die Sterne widerstreben, So sag' ich ihm nur Freundschaft zu.
Du aber, seliges Gefilde, Sei hunderttausendmal gegrüßt. Nun seh' ich, wie gerecht und milde Des Himmels weise Führung ist: Nunmehr erfahr' ich dessen Freude, Der dort den Rauch von Ithaka Nach glücklich überstandnem Leide, Wie ich mein Striegau, wiedersah.
Du weis- und ewiges Erbarmen, Das überschwenglich ist und tut, Vergnüge mich in Lenchens Armen Und schenk' uns nur ein kleines Gut; Erhalt mir Weisheit, Kunst und Dichten, Und laß mich, wenn mein Körper fällt, Kein blind und giftig Urteil richten: So neid' ich keinen auf der Welt.
Rückkehr nach Schweidnitz, wo Leonore nicht mehr wohnt
Du ehmals liebster Ort der treuen Leonore, Wie zärtlich rührt mich nicht der Anblick deiner Tore, Wodurch ich damals oft an ihrer Hand spaziert! Dort merk' ich schon den Raum, worauf wir uns versprochen, Dort blickt der Altan vor, auf dem wir sechzig Wochen Die Wächter hinter's Licht geführt.
Seid tausendmal gegrüßt, ihr Felder, Sträuch' und Bäume, Ihr kennt wohl diesen noch, von dem ihr soviel Reime, So manches Lied gehört, so manchen Kuß gesehn; Besinnt euch auf die Lust der heitern Sommernächte! Was meint ihr, wenn mein Wunsch nur eine wieder brächte? Das wird wohl nimmermehr geschehn!
Wo find' ich aber nun mein Allerliebstes wieder, Verrät mir gar kein Gras das Lager ihrer Glieder? Ich spüre keinen Schritt, die Sommerstub' ist leer, Wie traurig scheinst du mir, du nicht mehr schöner Garten! Du hast ja zween gehabt, was soll ich einsam warten, Ach! stell' auch beide wieder her!
Du schickst mich in die Stadt; die treff' ich desto schlimmer: Der Wirt, das Volk ist neu, ein Gast entweiht das Zimmer, Worein sonst nichts als wir und unsre Liebe kam: Mein Gott, wie ändert sich soviel in wenig Jahren! Was wird nicht noch geschehn? O, sollt' ich dies erfahren! Wie war mir, daß ich Abschied nahm!
Ich geh' den Tempel aus, ich suche durch die Gassen, Ich such' auch, wo sie sich wohl niemals finden lassen, Ich ruf' ihr um den Wall, der Wall hat schlecht Gehör: Steig', Schweidnitz, steig' und sei ein Phönix in den Flammen, Bau' Marmor, Erz und Gold und Schloß und Turm zusammen, Mir bist du doch nicht Schweidnitz mehr!
An sein Lenchen
Nach so viel Angst und Neid und mancher trüben Nacht Ersah ich wiederum des Glückes Morgenröte. Auf, Musen! auf, und sucht die lang entriss'ne Flöte, Die uns in Schweidnitz einst den Abend kurz gemacht! Ihr habt mit mir geweint, ihr sollt auch mit mir singen Und Lenchens Gegenwart mit Treu und Lust umringen.
Ach, Kind! Ach, liebstes Kind! Ach, könnt' es möglich sein, Dies mein getreues Herz im Blute zu erblicken, Sein Jauchzen müßte dich noch halb so scharf entzücken, So viel hier Tropfen gehn, so viel auch Wünsche schrein, Dir mit geschickter Hand und tausend Freudenzähren Die Wollust über dir nachdrücklich zu erklären.
Ich hatte mich nunmehr des Glückes längst verziehn, Noch einmal auf der Welt mein Lenchen zu umfangen, Ich ward in fremder Luft von Freunden hintergangen Und mußte, bloß und arm, bald hier, bald dorthin fliehn; Die Trübsal machte mich durch Läng' und Größe mürbe, So daß ich öfters sprach: Ach, gäbe Gott, ich stürbe!
Es wär' auch bald geschehn: Die Kräfte fielen hin, Das Fieber griff mich an und warf mich auf das Bette, Da wünscht' ich, daß ich nur dein Abschiedsmäulchen hätte, Doch sprach ich: Da ich schon darzu versehen bin, So laß doch nur, mein Gott, nebst viel- und wahrem Segen Das Alter, so mir fehlt, zu Lenchens Jahren legen!
Gott hat mich noch so lieb und will dir, wertes Herz, Das Leben durch mein Grab noch nicht so elend machen. Verbanne deinen Gram, fang an, aufs neu zu lachen, Verkläre Blick und Mund mit Freundlichkeit und Scherz, Damit mir, wenn ich dich in nächstem Tage spreche, Dein Unmut alle Lust nicht wider Willen schwäche.
Dies ist der vierte Herbst, seitdem ich dich entbehrt; Was hab' ich in der Zeit vor Ungemach erlitten! Was hat man nicht auf mich vor Kreuze zugeschnitten! Welch' Arbeit hat mir nicht der Glieder Mark verzehrt! Was hat man mir vor Schimpf statt Wohltat zugemessen! G'nug! Da ich Lenchen seh, sei alles gern vergessen!
Ach aber, was für Furcht verringert mir die Lust? Ach, kräh' ich auch zu früh? Ach, werd' ich auch betrogen? Wer weiß, ist nicht dein Schwur mit Zeit und Wind verflogen? Wer weiß, steht Günther noch in jener Schwanenbrust? Vielleicht war meine Not und langes Außenbleiben So mächtig, Lenchens Herz in andre Brunst zu treiben.
Dies glaub' ich doch wohl nicht. Nein, falscher Argwohn, fleuch; Sie ist mir zu genau mit Wort und Fleisch verbunden, Ich habe sie geprüft und allzeit rein befunden, Und darum hoff' ich auch ein irdisch Himmelreich, Wenn endlich Gott und Zeit die Sehnsucht stillen wollen Und unsre Glieder sich in Myrten paaren sollen.
Man lacht uns beiderseits, geliebtster Engel, aus, Warum ich armes Kind dich armes Kind erwähle? Man meint, wo Liebe nicht die göldnen Ringe zähle, Da komme nach und nach der Mangel in das Haus. Doch laß dich, treues Herz, den blinden Wahn nicht irren, Gott kann den Rechnungsschluß der Spötter leicht verwirren.
Ich hab' es oft gesagt und sag' es noch einmal: Ich wollte, bliebe mir kein besser Glück auf Erden, Bei Salz und Brot mit dir in Hütten selig werden Und halt' ein großes Gut im Lieben nur vor Qual; Mein Fleiß wird endlich auch nach so viel nassen Tagen Mit Ruhm und Anmut blühn und reife Früchte tragen.
Gedenke nur zurück und sieh die Schwester an, So wie ich's prophezeit, so ist es auch ergangen. Was hilft ihr aller Prast von Kleidern, Perl- und Spangen, Wenn kein geruhig Herz davon genießen kann? Ihr Kuß ist lauter Gift, ihr Ehbett eine Hölle, Und wo ihr Mann nur weicht, füllt Schimpf und Groll die Stelle.
Nur bitt' ich, trau' nächst Gott sonst keiner Seel als mir! Du bist mein Schatz und Ruhm, dich will ich auch beschützen. Laß fahren, was nicht bleibt, laß Tadler Pfeile schnitzen, Kein Blutsfreund ist so nah, er schadet mir und dir; Gott räche mit Geduld und Ablaß ihre Sünden, Wir werden unsern Herd ohn' ihren Vorschub finden.
Ach, breite zum voraus Hand, Lippen, Brust und Arm, Ich komm und zittre schon vor Unruh' und Verlangen, Dich, längst erwähltes Herz, von neuem zu umfangen, Und werde durch ein Bild schon in Gedanken warm. Ach, Himmel, mache bald, damit sie mich entzücke; Vor zählt' ich Jahr und Tag, jetzt Stund' und Augenblicke.
Schwur der Treue
An Leonore
Eher tot als ungetreu! Dieser Leichentext soll zeugen, Daß ich, wenn die Wetter steigen, Gleichwohl Leonorens sei!
Eher tot als ungetreu! Soll ich dich, mein Kind, nicht heben, Halt' ich alle Lust im Leben Vor des Himmels Tyrannei.
Eher tot als ungetreu! Was gewinnt man auf der Erden? Hoffnung, Kummer und Beschwerden Und zuletzt nur späte Reu!
Eher tot als ungetreu! Irrtum, Sehnsucht und Gedanken Reißen durch der Jugend Schranken Unsre Freude bald vorbei.
Eher tot als ungetreu! Treue Liebe läßt die Plagen Böser Zeiten noch ertragen Und erquickt in Sklaverei.
Eher tot als ungetreu! Du mein Schatz und ich dein Glücke, So verlachen wir die Stricke Der vergällten Heuchelei.
Eher tot als ungetreu! Neid und Pöbel kann nicht fassen, Wenn wir ihm die Güter lassen, Wie so wohl uns beiden sei.
Eher tot als ungetreu! Tröste dich mit diesem Spruche, Näh' ihn auf dem Leichentuche Neben unser Konterfei!
Eher tot als ungetreu! Glaube das, du treue Seele, In der finstern Grabeshöhle, Schläft mir auch dein Schatten bei!
Gedenken
An Leonore
Gedenk' an mich und sei zufrieden Mit dem, was Glück und Zeit beschert. Wir werden noch einmal geschieden Und scheinen solcher Prüfung wert. Die wahre Treu erinnert dich: Halt' an, halt' aus und denk' an mich!
Gedenke der vergangnen Tage, Wie manches Kreuz, wie manche List, Wie manche Lust, wie manche Plage Bereits damit vergangen ist. Gedenk' an Altan, Hof und Herd, Wobei sich dir mein Herz erklärt.
Gedenk' an unser Abschiednehmen, Insonders an die letzte Nacht, In der wir mit Gebet und Grämen, Die kurzen Stunden hingebracht. Gedenk' auch an den treuen Schwur, Der dort aus deinen Lippen fuhr.
Gedenk' an mich an jedem Morgen, Und wenn die Sonne täglich weicht, Gedenk' an mich bei Fleiß und Sorgen; Mein Bildnis macht sie süß und leicht. Verletzt dich auch der Mißgunst Stich, Der beste Trost: Gedenk' an mich.
Gedenk' auch an die frohen Zeiten, Die noch in Wunsch und Zukunft sind. Die Vorsicht wird uns glücklich leiten, Bis Lieb' und Treu den Kranz gewinnt. Ein Augenblick vergnügter Eh' Bezahlt ein Jahr voll Angst und Weh.
Gedenk' auch an mein heutig Küssen, Es gibt der Hoffnung frische Kraft, Es wird dein Warten trösten müssen, Es nährt die alte Leidenschaft! Doch denk' auch endlich, liebst du mich, Allzeit und überall an dich!
Die immer grünende Hoffnung
An Leonore
Stürmt, reißt und rast, ihr Unglückswinde, Zeigt eure ganze Tyrannei! Verdreht, zerschlitzt so Zweig als Rinde Und brecht den Hoffnungsbaum entzwei! Dies Hagelwetter Trifft Stamm und Blätter, Die Wurzel bleibt, Bis Sturm und Regen Ihr Wüten legen, Da sie von neuem grünt und Äste treibt.
Mein Herz gibt keinem Diamanten, Mein Geist den Eichen wenig nach; Wenn Erd' und Himmel mich verbannten, So trotz' ich doch mein Ungemach. Schlagt, bittre Feinde, Weicht, falsche Freunde! Mein Heldenmut Ist nicht zu dämpfen, Drum will ich kämpfen Und sehn, was die Geduld vor Wunder tut.
Die Liebe schenkt aus göldnen Schalen Mir einen Wein zur Tapferkeit, Sie spricht, mir guten Sold zu zahlen, Und schickt mich in den Unglücksstreit. Hier will ich kriegen, Hier will ich siegen: Ein grünes Feld Dient meinem Schilde Zum Wappenbilde, Bei dem ein Palmenbaum zwei Anker hält.
_Beständig_ soll die Losung bleiben, Beständig lieb' ich dich, mein Kind, Bis dermaleinst die Dichter schreiben, Daß du und ich nicht sterblich sind. Das Wort beständig Macht alles bändig, Was Elend heißt. Das stärkste Fieber Geht bald vorüber, Wenn man nur mit Geduld den Frost verbeißt.
Nur zweifle nicht an meiner Treue, Die als ein ewig helles Licht, Wenn ich des Lebens mich verzeihe, Die Finsternis der Gräber bricht. Kein hartes Glücke, Ja, kein Geschicke Trennt mich von dir: Du stirbst die Meine, Ich bin der Deine: Drum wirf' den Argwohn weg und glaube mir!
An Leonoren bei dem andern Abschiede
Du daurest mich, du allerliebstes Kind! Du fühlst mein Weh, ich leide deine Schmerzen, Da Glück und Zeit solange grausam sind Und mit dem Flehn getreuer Seelen scherzen; Du leidest viel, doch gib der Treu' Gehör: Ich leide mehr.
Ich leide mehr, als jemand kann und glaubt, Ich muß von dir, der Riß macht schwere Plagen; Ich seh' den Trost, den dir mein Abschied raubt, So wird mein Herz auch zweifach wund geschlagen, Du liebest mich sowohl getreu als klug, Das ist genug.
Das ist genug, die Unruh' zu verstehn, Die Lorchen kränkt und mich in ihr verzehret; Ach, sollt' ich bald davor zu Grabe gehn, Ich würde wohl so heftig nicht beschweret, Wer weiß, was kommt? Vielleicht beschließt der Tod Die lange Not.
Die lange Not ist dennoch nicht so stark, Uns, werter Schatz, dem Geiste nach zu trennen. Erwart' ich mir statt deiner Schoß den Sarg, So soll mir doch der Neid den Nachruhm gönnen, Daß leicht kein Mensch so rein als ich geliebt, Obgleich betrübt.
Obgleich betrübt, jedennoch unverzagt! Der Himmel zürnt, wer will mit diesem zanken? Wohin mich auch mein hart Verhängnis jagt, Da bleibest du ein Trostbild der Gedanken. Wirst du mir nicht: so hass' ich Lieb' und Eh'; Nun, Kind, ich geh'.
Nun, Kind, ich geh'. Geh auch und nimm den Kuß, Wir martern nur einander durch dies Letzen; Ich zwinge mich, den ungewissen Fuß, Den du verweilst, Gott weiß wohin! zu setzen; Das Unglück stürmt, die Lästrer stimmen ein, Ergib dich drein!