Part 2
Getrannt, doch nur auf kurze Jahre! Verliebte Sehnsucht, fasse dich: Der Kummer findet seine Bahre, In dieser Hoffnung tröst' ich mich Und lege mir den Wahlspruch bei: Bedrängt, geduldig und getreu.
An seine Leonore
Schicke dich, geliebtes Kind, In die unruhvollen Zeiten; Dann und wann kann Sturm und Wind Unverhofft in Hafen leiten. Nun ist wohl niemand besser dran, Als wer getreu und klug und ewig lieben kann.
Als er seiner Magdalis nichts zum grünen Donnerstag geben konnte
Getreue Magdalis! Du forderst zwar den Zoll, Der jährlich wiederkommt, zum grünen Donnerstage; Doch meine Hand weiß nicht, was sie dir geben soll, Weil ich in selber nichts als Luft und Mangel trage. Kein guter Marzipan, kein Mantel von Damast Läßt meiner Armut zu, dich reichlich zu bedenken, Und weil du gestern schon mein Herz gestohlen hast, So steht es nicht bei mir, es heute dir zu schenken; Doch alles möchte sein, wenn mich die Poesie Des Kummers, deinen Wunsch zu stillen, überhübe. Allein, sie wegert sich. Drum nimm, wo nicht zu früh, Hier die Beständigkeit von meiner reinen Liebe.
An Leonoren
Zwischen Ufer, Tal und Klüften Ließ der treue Saladin Mit den kühlen Abendlüften Tausend heiße Seufzer fliehn, Weil kein längst gehoffter Brief Seinem Wunsch entgegenlief.
Die Gewalt verliebter Schmerzen Warf ihn kraftlos in das Gras, Wo er mit bedrängtem Herzen Und gestütztem Arme saß; Endlich wollte seiner Pein Brust und Herz zu enge sein.
Zeuch nur (sang er), schöne Gegend, Deiner Triften Reizung ein! Jetzo bist du nicht vermögend, Mein Gemüte zu erfreun, Dessen Schwermut diesen Fluß Mit den Tränen stärken muß.
Mit den Tränen, die mein Leiden Billig Scheidewasser nennt, Weil es nach dem schweren Scheiden Augen, Haut und Seele brennt Und die Lippen schmerzlich frißt, Die der Abschied roh geküßt.
Leonore, laß dich finden! Irr' ich, oder rufst du nach? Sagt, ihr schattenreichen Linden, Sage, du verschwiegner Bach, Ob nicht die, so mich regiert, Dann und wann hierum spaziert.
Würd' ich auf den Blumenbeeten Jetzo doch nur so beglückt, Nur in eine Spur zu treten, Die ihr netter Fuß gedrückt, Sollt' es, scheint der Trost gleich klein, Mir doch Trost genug verleihn.
Seht, so schwärmt mein blind Verlangen, Das mich hin und wider reißt; Der durch Leonorens Prangen Zärtlich eingenommne Geist Bildet sich um jeden Hain Seiner Schönen Ruhplatz ein.
Nein! mein Geist, du irrst im Bilde, Sieh den Ort genauer an, Diese Tiefen, dies Gefilde Ist kein schlesisch Kanaan; Und zum Paradies allhier Mangelt nichts als Lorchens Zier.
Male dir die Lust der Erden, Adams ersten Aufenthalt, Nebst den Mienen und Gebärden Seiner kläglichen Gestalt, Und betrachte, wenn er flieht, Wie betrübt er rückwärts sieht.
Siehst du dies, so sieh darinnen Mich und meinen Zustand an, Dessen Qual kein künstlich Sinnen Und kein Kiel entwerfen kann; Evens Anmut blüht in dir, Adams Unruh folget mir.
Da ich mich entfernt betrübe, Lernt mein Geist erst mit Verdruß, Wie getreu und stark er liebe, Weil er dich verlassen muß, Und die Angst entriss'ner Brust Lehrt den Wert vergangner Lust.
Von den Spitzen derer Hügel Seh' ich oft ins Vaterland; Hätt' ich doch nur Taubenflügel Oder Dädals Zauberhand, Um nur, wie zuvor geschehn, Dich, mein Engel, noch zu sehn.
Dich, o Sonne meines Lebens, Dich, o Ursprung meiner Glut! Ist's denn, leider, ganz vergebens, Daß mein Mund so kläglich tut? Nein, ich weiß, dein klingend Ohr Stellt dir oft mein Leiden vor.
Ist der Tag der Erd' entwichen, So verwehrt dein Bild die Ruh; Kommt ein Ostwind hergestrichen, Kehr' ich ihm das Antlitz zu; Denn mich deucht, er bringe mir Manchen sanften Kuß von dir.
Wo ich sitze, steh' und liege, Stehst und liegst du nebenan, Daß ich auch die kleinsten Züge Deiner Bildung zählen kann; Greif' ich aber mit der Hand, Fang' ich nichts als Luft und Wand.
Hätt' ich nur von tausend Küssen Manchen, den ich kaum genoß, Weil ich, ohn' es selbst zu wissen, Oft in trunkner Lust zerfloß; O, wie ratsam wollt' ich ihn Jetzt aus deinen Lippen ziehn!
Was zu tun? Die Zeit heißt warten, Wenn uns Glück und Not probiert: Frost und Schnee verstellt den Garten, Bis der Lenz die Stöcke ziert, Da uns denn der Rosen Pracht Nach dem Winter holder lacht.
Also, liebste Leonore, Trägt auch meine Redlichkeit Unter diesem Trauerflore Noch ein grünes Hoffnungskleid Und verspricht sich noch so schön, Neben dir bald bunt zu gehn.
Sammle nur auf jene Stunde, Die die Wiederkunft bestimmt, Neuen Geist und Kraft im Munde, Stärke, was im Auge glimmt! Ja, verspar' auf diesen Tag Alles, was entzücken mag.
O, mit was vor süßem Lallen Werden wir alsdann, mein Kind, An- und umeinander fallen, Bis die Zunge Kraft gewinnt Und durch holdes Wort entdeckt, Was wir innerlich geschmeckt!
Echo mag indes mein Klagen In der grünen Einsamkeit Durch die weiten Förste tragen; Dort erwart' ich, liebste Zeit, Dich, du Bote neuer Ruh; Ich will warten, eile du!
Aus einem Schreiben an seine Magdalis
Wie hör' ich das von dir, betrübte Magdalis! Daß deine Schönheit weint und sich dadurch verzehret? O trauervolle Post, o allzu harter Riß, Der mich in kurzer Zeit dem Tode selbst gewähret. Mein Kind! bedenke mich; was beugst du mir das Herz, Weil ich erfahren muß, daß mir dein Ohr nicht glaube? Warum vergrößerst du den ungemeinen Schmerz? Dein Zweifel zwingt mich fast, daß ich mein Leben raube.
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Mein Kind, eröffne mir, was hat dein Haupt verrückt? Hat wohl ein Maul voll Gift das Feuer ausgegossen, Das meine Redlichkeit in deine Brust geschickt? Ist meiner Schwester Brief ein angestellter Possen?
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Wo dir ein Tropfen Blut noch in den Adern springt, Der meine Glut behält und mich sein eigen nennet, So reiß die Furcht entzwei, die deine Großmut zwingt, Und wisse, daß mein Herz noch in der Asche brennet. Warum soll dich der Gram mir vor der Zeit entziehn? Womit hab ich verdient, dich blaß und tot zu schauen? Mir stand der Hoffnungsbaum in allem Wetter grün, Jetzt will ihm deine Qual so Stamm als Ast verhauen.
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Wie manche schöne Nacht sieht mich der blasse Mond In stiller Einsamkeit am Kummerfaden spinnen! Ich fresse mir das Herz; die Angst, so mich bewohnt, Läßt keinen Augenblick mich Lust und Luft gewinnen. Das macht, weil Wittenberg mir so zuwider scheint, Daß mir kein Freudenstern darinnen aufgegangen: Gott kennet meine Not! Ich habe keinen Freund, Als den, der über mir dergleichen Qual verhangen. Jedoch die Zuversicht, so mein Gemüte stillt, Sagt mir, es sei noch nicht der Abend aller Tage; Weil nun aus Aloe ein Schmerzensmittel quillt, So hab ich einen Trost in meiner steten Plage. Mein Engel, meine Lust, mein Leben und mein Licht; Vor die ich tausendmal mit Freuden sterben wollte, Sei munter, unverzagt, entsetze dich nur nicht, Wenn auch die ganze Welt dich scharf verfolgen sollte. Wir werden dermaleins einander wiedersehn Und unser bißchen Brot in süßer Eintracht speisen; Ich bin schon halb entzückt und halt es vor geschehn, Weil Gott und Himmel es mir in Gedanken weisen.
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Das Größte, was ich jetzt von dir erbitten will, Ist, daß mich dein Gebet dem Himmel übergebe, Damit sein Eifer mich (hier schweigt die Feder still) Nach so geraumer Zeit des Zornkelchs überhebe. Indessen tu ich stets, was meines Amtes ist; Ich werde meinen Fleiß an guten Künsten üben Und dich, so wahr mein Kuß in diese Zeile fließt, Getreue Magdalis, bis an mein Ende lieben.
Aus einem Schäfergedicht
Er erinnert sich voriger Zeiten.
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Was muß doch mancher Mensch nicht tragen! Nun kommt das dritte Jahr ins Land, Seitdem das Wachstum meiner Plagen Mir allen Rat und Trost entwandt. Das Glücke greift mich allenthalben Und zwar mit allen Pfeilen an, O, daß ich jetzt nicht mit den Schwalben Verschlafen oder flüchten kann!
Ich will mein Kreuz in Rechnung bringen: Die Menge läßt es nicht geschehn; Ich will mich durch Verzweiflung zwingen: Ja, dürft' ich keinen Himmel sehn; Gewohnheit macht die Not erträglich, Jedoch nicht mir, sie ist stets neu, Der Himmel aber unbeweglich; Wer sagt, wie mir zumute sei!
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Ich selbst verfalle vor den Jahren Und zehre mich fast stündlich ab Und denke bei den grauen Haaren: Gott geb, jetzund erscheint das Grab. Erschein' ich einmal auf den Festen, So fragt mich jede Schäferin, Warum ich bei so schönen Gästen Nicht aufgeräumt und munter bin.
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Ach Schweidnitz, könnt' ich dich vergessen, O, was entbehrt' ich jetzt vor Gram! Ich habe deine Milch gegessen, Seit diesem acht' ich keinen Rahm. Lebt wohl und grünt, ihr fetten Auen, Und weidet Leonorens Brust, Ich werd' euch wohl nicht wieder schauen, Es machte denn ein Traum die Lust.
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Ach läge doch mein Haupt im Schlummer Nur noch in Leonorens Schoß! Wie gern erlitt' ich allen Kummer, Mein Elend wär' auch halb so groß. Hier miss' ich nun in fremden Grenzen Glück, Ehre, Vaterland und Ruh: Geht, Nymphen, geht mit euern Kränzen Und werft mir lieber Buchsbaum zu.
Aus den »letzten Gedanken«
In schwerer Krankheit
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Etwas drückt mir noch das Herz, daß ich jetzo doch nicht wüßte, Daß die Liebe, wenn sie trennt, gar zu heftig plagen müßte! Komm, du Liebste meines Herzens, schau, es geht zur letzten Ruh, Komm und drücke, schönste Seele, mir nur noch die Augen zu. Ich gesteh' es offenbar in dem Antlitz aller Zeiten, Seit mich deine Tugenden in den Liebesseilen leiten, Hab' ich in der Tat erfahren, daß Verfolgung kluger Treu Bei den halbverstohlnen Küssen starker Lebensbalsam sei. Brich nur jetzt den Hoffnungsstab, reiß den Myrtenkranz in Stücke, Halt den zugesagten Ring und beweine das Geschicke Und gedenk' an deinen Dichter, der dich mit Gefahr geliebt Und dir jetzt die kalten Tränen, den betrübten Brautschmuck gibt. Glaub' es, Kind, der süße Trieb, der in mir dein Bild erlesen, Ist kein kindisches Vergehn oder flatterhaftes Wesen; Dein Verstand zieht kluge Seelen und entschuldigt meine Brunst. O, was braucht es, dich zu lassen, vor so große Sterbenskunst! Gute Nacht vor dieses Mal! Auf den Elyseerfeldern Will ich, bis du nach mir kommst, unter Palm- und Lorbeerwäldern Deines hellen Anblicks warten und, sobald nur dies geschehn, Meine Seligkeit vollkommen, meine Flammen ewig sehn. O, was werden wir alsdann vor Ergetzlichkeit erfahren, Wenn wir uns mit jener Zahl der verliebten Dichter paaren, Wenn dir dort die schöne Laura, gleich wie mir Petrarch erzählt, Wie sie beiderseits ihr Scheiden in der Eitelkeit gequält. Welch betörtes Fabelwerk treibt mich in den letzten Zügen? Nein, mein Kind! Wir finden dort noch ein gründlicher Vergnügen, Davids Saiten, Assaphs Harfe und die schöne Sulamith Rufen uns nach Zions Bergen, wo man Sarons Rosen tritt. So ein ungezähltes Heer von des Allerhöchsten Knechten, So viel tausend Heilige, so viel Seelen der Gerechten Werden uns Gesellschaft leisten und nach überstandner Pein Vor des Lammes Gnadenstuhle lauter Jubelchöre schrein.
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An Selinde, die Leipziger Leonore
Hier setze dich, verschämtes Kind! Hier ist gut sein, hier laß uns bleiben, Wo Lind' und West gesprächig sind Und Fels und Wald den Gram vertreiben. In dieser grünen Einsamkeit, Wo Bach und Stein' und Blätter rauschen, Soll weder List, Gefahr noch Neid Den süßen Frühlingsscherz belauschen.
Die Schätze deiner keuschen Zucht Und der noch unberührten Brüste Sind wahrlich eine seltne Frucht, Nach der ich innerlich gelüste; Erschrick nicht vor der schnellen Hand Und laß sie in dem Busen spielen; Ich führe dich in einen Stand, Des Lebens Kern und Mark zu fühlen.
Wohin mein Kuß die Wange drückt, Da wächst der Rosen Glanz und Menge; Sobald mich nur die Haut entzückt, Kommt Herz und Sehnsucht ins Gedränge; Da wallt, da springt es in der Brust, Da will es sich genau verbinden; Ach, paare doch mit ihm die Lust Und laß es seine Ruhstatt finden.
Vor was errötest du, mein Licht? Ich werde dich nichts Böses lehren, Du kennst das süße Spiel noch nicht, Dein Anblick raubt mir Sehn und Hören. Die Liebe wünscht dich in ihr Reich, Gehorch ihr doch auf mein Erklären, Sie wird sich dir und dies zwar gleich Mit aller ihrer Lust gewähren.
Sie ist der Erden höchstes Gut, Sie gibt dem Leben erst das Leben: Erforsche nur dein eigen Blut, Es wird dir heißen Beifall geben. Ich weiß, ein unbekannter Zug Erhitzt dir Adern, Brust und Wangen, Ach, werde doch beizeiten klug Und hintertreib nicht dein Verlangen.
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Beschau die Werke der Natur, Betrachte Bäume, Feld und Tiere, Und lerne, wie der Liebe Spur Dich überall zum Scherzen führe. Wodurch sind ich und du denn da? Zu was bist du nebst mir geboren? Der, so die Welt im Wesen sah, Hat uns zum Lieben auserkoren.
Als er gegen seine Schöne sich etwas zu frei aufgeführet hatte
Hat jemals Furcht und Scham, du angenehmes Kind, Dem wenig an Verstand und Schönheit ähnlich sind, Den angesetzten Kiel mir in der Hand verrücket, So ist es wahrlich wohl auf diesen Tag geschehn, Da meine Grobheit es um deine Gunst versehn Und meine Demut sich vor deinem Eifer bücket.
Ich fühle deinen Zorn, der als ein scharfes Schwert In meine Seele dringt und durch das Herze fährt; Ein jeder Blick von dir verweist mir das Verbrechen: Mich deucht, ich sehe schon, wie heftig, wie erhitzt Der Augen Wetterstrahl auf meine Scheitel blitzt; Mich deucht, ich höre dich schon zu dir selber sprechen:
Ist dies der schöne Mensch, der sich so heilig stellt, Und der kein Wasser trübt, bis er ins Wasser fällt? Das, wahrlich! hätt' ich mich von ihm nicht träumen lassen, Das hätt' ich auch in ihm mit Spießen nicht gesucht. O großer Aberwitz! O Junggesellenzucht! Ach, möchte doch ein Strick ihn bei der Gurgel fassen.
Ach, keusche Marilis, dein Eifer ist gerecht, Die Strafe noch zu klein und dein gefallner Knecht Nicht würdig, nur ein Wort vor dich mehr aufzusetzen; Ruf alle Henker auf, sprich mir das Leben ab, Stoß den zerfleischten Leib in ein beschimpftes Grab; Auch dieses müßt' ich noch vor eine Gnade schätzen.
Allein was nützt dir wohl die schlechte Hand voll Blut Des Sünders, der in Staub und Asche Buße tut? Zum Kreuze kriech ich jetzt, wie gestern in das Bette. Erwäge meine Reu, schau meine Tränen an Und glaube, daß kein Mensch so ernstlich weinen kann, Wenn er, wie Petrus, gleich auch Gott verleugnet hätte.
Ich rede fast zuviel, jedoch der herbe Schmerz Beraubt mich der Vernunft, und mein beklemmtes Herz Hat in der Brust nicht Raum, weil es der Kummer schwängert. Erbarme dich, wo noch Erbarmung übrig ist. Du weißt es ohnedem, der ist kein guter Christ, Der, wenn er helfen kann, des Nächsten Pein verlängert.
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Vergib, vergiß und nimm vor das, was ich verübt, Dies Blatt, so meine Faust dir zitternd übergibt, Und schenke meiner Haut vor dieses Mal die Strafe, Entreiß mir deinen Zorn, der mich wie Feuer schmerzt. Schweig! doch so jemand fragt, ob Günther dich geherzt, So gib zur Antwort: Ja! Er tat es nur im Schlafe.
Als er sie wieder zu besänftigen suchte
Erzürnte Schöne, laß einmal Den alten Unmut aus dem Herzen Und deiner holden Augen Strahl Mit angenehmen Blicken scherzen. Ich habe freilich viel versehn, Doch ist's aus Vorsatz nicht geschehn. Es sind fürwahr nur Schwachheitssünden. Ein Mensch, der seine Schuld erkennt, Der muß, so sehr der Eifer brennt, Auf Reu und Buße Gnade finden.
Der Schaden, den ich dir gemacht, Ist doch noch endlich zu ersetzen; Ach wüte doch nur mit Bedacht! Du sollst mich einmal redlich schätzen. Ich habe ja genug gebüßt, Nachdem ich meine Lust vermißt, Wozu du mich vorlängst erlesen: Die Strafe nehm ich willig an, Weil sie, wie ich nicht leugnen kann, In etwas ist verdient gewesen.
Von nun an aber bitt' ich dich Bei deinen feuerreichen Augen: Wirf Zorn und Eifer hinter dich Und laß dir meine Demut taugen. Dein klug- und aufgeweckter Geist, Der sich aus allen Worten weist, Macht, daß ich deinen Umgang liebe: Fehlt mir Gelegenheit dazu, So rate, was ich jetzund tu? Dich ehr' ich mit verschwiegnem Triebe.
Als sie sich endlich zum Lieben bewegen ließ
Eleonore ließ ihr Herze Nicht länger unempfindlich sein, Sie räumt' es nach so langem Schmerze Dem wohlbekannten Dichter ein Und ließ ihn unter Schwur und Küssen Den Anfang ihrer Neigung wissen.
Sie nahm ihn in die treuen Armen Und sprach bei zärtlicher Gewalt: Hat ja der Himmel ein Erbarmen, So gönnt er mir den Aufenthalt, Bis daß ich in dem sanften Grabe Das Ziel der Angst erlanget habe.
Drauf schwieg sie mit verwandten Blicken Und strich des Dichters Angesicht, Ergötzt ihn durch ein Händedrücken Und sprach von neuem: ach, mein Licht! Ach! wird auch dieses mein Verbinden Dein Herz beständig rein erfinden?
Bedenke nur, wieviel ich wage, Und was ich deinetwegen tu! Ich eile mit Gefahr und Plage Nach deinen schönen Lippen zu Und breche dir allein zuliebe Die Ketten meiner ersten Triebe.
Ich habe nichts als dein Gemüte, Worauf ich mich verlassen kann: Verläßt mich jemals dessen Güte, So ist es ganz um mich getan, So werd' ich allen auf der Erden Ein Märchen und ein Greuel werden.
Dies sagte sie mit nassen Wangen Und zog ihn eilends brünstig fort Und führte sein bestürzt Verlangen An den schon oft besuchten Ort, Wo nichts als Graus und Nacht regieret Und Tod und Stille triumphieret.
Hier fing sie brünstig an zu weinen Und rief: Ihr Toten, zeuget mir, Bei meiner Eltern Leichensteinen Und ihrer Asche schwör' ich dir, Daß mich dein Herz allein vergnüge, Bis daß es hier versammlet liege.
Du wirst die Redlichkeit erkennen Und, bin ich gleich ein armes Kind, Mir ewig deine Seele gönnen. Ich weiß zwar, wie die Männer sind; Aus Liebe glaub' ich deinen Schwüren, Sie werden mich wohl nicht verführen.
Der Dichter trocknet ihre Tränen Mit tausend warmen Küssen ab, Und als das weich' und stumme Sehnen Ihm endlich Zeit zur Antwort gab, So zog er die geliebten Glieder Mit diesem Trost ins Gras darnieder:
Komm her, du Nahrung meiner Flammen, Komm, lege dich an meine Brust, Hier wohnen Glut und Treu beisammen, Hier wallen sie nur dir zur Lust; Hier wird, sooft das Herze schläget, Dein Bildnis fester eingepräget.
Ich lebe dir allein zu eigen, Und leb' ich gleich vorjetzt gedrückt, So wird sich bald ein Mittel zeigen, Das unsre Tugend höher rückt, Alsdenn soll unser Rosenbrechen Die Mißgunst in das Auge stechen.
Du bist mein einziges Ergetzen, Ich bin, nächst Gott, dein Schutz und Schild, Und wie der Wert von allen Schätzen Mir gegen dein Verdienst nicht gilt, So sollst du auch nach langen Jahren Die Dauer meiner Lieb' erfahren.
An die Leipziger Leonore
Nun, Kind, ich kann dich nicht mehr bitten: Behalt mein Herz in treuer Brust! Das Denkmal deiner muntern Sitten Erweckt mir auch von weitem Lust, Und wo ich reise, wohn' und bin, Da folgt mir dein Gedächtnis hin.
Ein Waldhorn klingt bei Abendstunden Von weitem durch die Gärten schön, Es reizt das Blut verliebter Wunden Und läßt die Geister flüchtig gehn; Jedoch ergetzt mich das Gehör Von deinem Wohlsein noch viel mehr.
Das Glücke spielt mir tausend Possen Und lockt mich auf des Hofes Eis, Ich folg' ihm klug und unverdrossen, So gut ich seine Tücke weiß: Die Vorsicht leite, wie sie will, Ich halt' in allen Wettern still.
Die Gegend, wo ich jetzund dichte, Ist einsam, schatticht, kühl und grün; Hier hör' ich bei der schlanken Fichte Den sanften Wind nach Leipzig ziehn Und geb' ihm allzeit brünstiglich Viel tausend heiße Küss' an dich!
Hier kann ich mich der Zeit bequemen, Hier ist mir Stell' und Ort geneigt, Die große Rechnung vorzunehmen, Wie viel mir Leipzig Guts erzeigt. Doch alles, was ich schätzen kann, Das kömmt auf deinen Umgang an.
Erinnre dich der ersten Küsse, Die niemand als der Schatten sah! Sie machten mir die Äpfel süße, Ach, wäre doch die Zeit noch da! Gedenk an Pfeifers Schlafgemach, Und zähle dort die Wollust nach.
Der Umgang wurd' uns sonst verboten, Wir suchten die geheimste Bahn: Wir riefen die verwandten Toten Zu Zeugen unsrer Freundschaft an Und ließen bei verschwiegner Pein Den Kirchhof unsre Freistatt sein.
An die ungetreue Leonore