Lehrbuch der Botanik für Hochschulen

Part 80

Chapter 802,234 wordsPublic domain

_Erythraea_, #Tausendgüldenkraut#, _Menyanthes_, #Bitterklee#, _Limnanthemum_, eine westdeutsche Wasserpflanze mit Schwimmblättern, sind bekannte Gentianaceen.

#Offizinell#: #Radix Gentianae# (Pharm. germ., austr., helv.) von _G. lutea_, _pannonica_, _punctata_, _purpurea_, den größten _Gentiana_-Arten unserer Gebirge, #Herba Centaurii# (ibidem) von _Erythraea Centaurium_ und #Folia Trifolii fibrini# (ibidem) von _Menyanthes trifoliata_.

Die 4. Familie der _+Apocynaceae+_, hauptsächlich in den Tropen verbreitet, umfaßt nur immergrüne Pflanzen mit Milchsaft. Die beiden #Fruchtblätter sind unterwärts frei, oben hält der gemeinsame Griffel sie mit ringförmiger Narbe# zusammen; so streben sie nach der Befruchtung auseinander und bilden zwei große Balgfrüchte mit zahlreichen, meist durch Besitz eines Haarschopfes ausgezeichneten Samen (Fig. 754).

Einheimisch ist nur _Vinca minor_, das kleine Immergrün der Wälder in West- und Süddeutschland (Fig. 752). Im Mittelmeergebiet heimisch, bei uns vielfach in Kultur, ist der giftige Oleander, _Nerium Oleander_ (Fig. 753). _Cerbera Odollam_ (Fig. 590), Schwimmfrucht der Mangrove, ist eine Apocynacee.

#Offizinell ist Semen Strophanti# (Fig. 754)[494] von der afrikanischen Liane _Str. Kombé_ (Pharm. germ., austr., helv.), #Kautschuk#[495] (Pharm. germ.) von _Kickxia elastica_, _Landolphia_-Arten, _Carpodinus_-Arten, alle im tropischen Afrika beheimatet, ferner von dem brasilianischen Baum _Hancornia speciosa_ und der malayischen Lianengattung _Willoughbeia_; #Guttapercha# (Pharm. germ.) von _Tabernaemontana Donnell Smithii_ (Mittelamerika) und endlich #Cortex Quebracho# von _Aspidosperma Quebracho_ (Pharm. helv.).

Die 5. Familie der +_Asclepiadaceae_+ gleicht in allen Punkten der vorigen, besitzt aber #freie, nur durch die prismatische# (Fig. 755) #Narbe zusammengehaltene Fruchtblätter#. Ihre Staubblätter sind an der Basis vereinigt und tragen dorsale nektarführende Anhängsel, welche eine Nebenkrone bilden. Die Pollenmassen bleiben fachweise zu Pollinien verklebt, deren Stiele an drüsigen Schwellungen des kantigen Narbenkopfes, den Klemmkörperchen, festsitzen. Diese alternieren mit den Staubblättern, so daß von den an einem Klemmkörperchen hängenden Pollinienpaaren je eines dem rechten und dem linken Nachbarstaubblatte entstammen. Besuchende Insekten nehmen, ähnlich wie bei den Orchidaceen, die ganzen Pollinien mit fort und übertragen sie auf andere Blüten (Fig. 755).

Einheimisch ist nur _Vincetoxicum officinale_ (Fig. 756), eine unscheinbare, aber giftige Staude mit kleinen weißen Blüten und langbehaarten Samen in den Balgfrüchten. Die übrigen Asclepiadaceen sind meist Bewohner der Tropen und Subtropen. Besondere Erwähnung verdienen die sukkulenten _Stapelia_-, _Hoodia_-, _Trichocaulon_- usw. Arten, kaktusähnliche (Konvergenz) Pflanzengestalten der südafrikanischen Wüsten, und die eigenartige Kannenpflanze des Malayischen Gebietes, _Dischidia Rafflesiana_[496] (Fig. 211), deren Kannen als Wasserkondensatoren dienen. Vielfach kultiviert wird _Hoya carnosa_, die Wachsblume, und zahlreiche Ceropegia-Arten mit eigenartig überdachten Blüten. #Offizinell#: #Cortex Condurango# (Pharm. germ., austr., helv.) von _Marsdenia Cundurango_, einer in Ecuador und Columbien heimischen Liane.

Die +3. Ordnung+ der Sympetalen sind die _+Tubiflorae+_,

denen man Beziehungen zu den Gruinales und Rosifloren zuschreibt. Fünfzählige, oft dorsiventrale Blüten mit zweifächerigem Fruchtknoten, der in jedem Fache zwei durch falsche Scheidewände getrennte Samenanlagen führt. Die normale Zahl der Staubblätter wird bei den dorsiventralen Blüten auf vier, bisweilen auf zwei reduziert.

An den Anfang sei die strahlblütige 1. Familie der _+Convolvulaceae+_, der #Windengewächse#, gesetzt, deren Angehörige vielfach Schlingpflanzen sind mit wechselständigen, pfeilförmigen Blättern und weiten trichterförmigen, in der Knospenlage längsgefalteten Blumenkronen. Die Frucht wird zu einer Kapsel mit aufrechten Samenanlagen. Unsere häufige Ackerwinde, _Convolvulus arvensis_, an allen Wegrainen, in Getreidefeldern usw. verbreitet, trägt blattachselständige langgestielte Einzelblüten. Die großblütige Zaunwinde, _Calystegia sepium_, hat zwei große Vorblätter unter dem Kelche. Auch die auf Weiden, Urticaceen und sonst parasitierenden _Cuscuta_-Arten mit ihren bleichen Stengeln und geknäuelten kleinen Blüten gehören hierher (Fig. 219). _Ipomoea_, als schönfarbige Sommerblume bekannt, liefert das pantropische Strandgewächs _I. pes caprae_. Nahe verwandt ist #Pharbitis# (Fig. 303, S. 282). #Offizinell# sind #Tubera Jalapae# (Pharm. germ., austr., helv.) von _Exogonium Purga_ (Fig. 757), ferner #Scammonium# (Pharm. helv.) von _Convolvulus Scammonia_ (Kleinasien).

In der 2. Familie der _+Borraginaceae+_, der #Rauhblättrigen#, sind borstig behaarte Stauden, wie das Ochsenauge _Anchusa_, die Natternzunge _Echium_, die Wallwurz _Symphytum_, das Vergißmeinnicht _Myosotis_ vereinigt, deren radiäre, in einzelnen Fällen bereits ein wenig zygomorphe Blüten (_Echium_) in Wickeln oder meist Doppelwickeln vereinigt sind. Durch die andersfarbigen Schlundschuppen und den mittels der tief einschneidenden falschen Scheidewand in vier einsamige Klausen zerteilten Fruchtknoten, in deren Mitte der Griffel aufragt (Fig. 758), ist die Familie scharf charakterisiert. Deutlich dorsiventrale Blüten mit nur vier Staubblättern und einem auf den ebenfalls vier Samen beherbergenden Fruchtknoten (Fig. 759) endständig aufgesetzten Griffel unterscheiden die 3. Familie der +_Verbenaceae_+, zu der der wertvolle Teakholzbaum _Tectona grandis_ gehört; außerdem ist der vivipare Mangrovebaum _Avicennia_[496] eine Verbenacee.

Wichtiger ist die 4. große Familie _+Labiatae+_, die typischen #Lippenblütler#, die durch vierkantigen Stengel, dekussierte Blattstellung und aromatische Drüsenhaare schon in ihren vegetativen Organen scharf hervortreten. Die in achselständigen Dichasien oder Doppelwickeln vereinigten Blüten sind stets dorsiventral gebaut; sie bestehen aus verwachsenem Kelch, zweilippiger Krone, deren Oberlippe zwei, die Unterlippe drei Zipfel besitzt. Ihre vier Staubblätter sind ungleich lang. _Salvia_, der Salbei und _Rosmarinus_ haben deren nur zwei. Der Fruchtknoten (Fig. 759) entspricht genau demjenigen der Borraginaceen; in seinem Grunde liegt ein ringförmiges Nectarium.

Ein großer Teil unserer Flora besteht aus Lippenblütlern. _Lamium_, die Taubnessel, _Stachys_, der Ziest, _Galeopsis_ (Fig. 760) mit helmförmiger, _Ajuga_ mit sehr kurzer, _Teucrium_ mit tiefgespaltener Oberlippe zeigen einige Formverschiedenheiten. Bei _Glechoma_ und _Nepeta_ sind die hinteren Staubblätter die längeren, umgekehrt wie bei den übrigen Labiaten. Bei _Salvia_, dem Salbei, sind die beiden allein vorhandenen Staubblätter für Bestäubungszwecke eigenartig gebaut (vgl. S. 481, Fig. 540). Ihrer aromatischen Eigenschaften wegen sind zahlreiche Lippenblütler für #offizinelle# Zwecke herbeigezogen. Einen besonders reichen Beitrag dafür stellen auch die trockenen Gesträuche der Mittelmeerländer, die Macchien. So liefern _Lavandula vera_ (Fig. 761) #Flores Lavandulae# und #Oleum Lavandulae# (Pharm. germ., austr., helv.), _Salvia officinalis_ (Fig. 762) #Fol. Salviae# (ibid.), _Melissa officinalis_ #Fol. Melissae# (ibid.), _Thymus Serpyllum_ #Herba Serpylli# (ibid.), _Thymus vulgaris_ #Herba Thymi#, #Oleum Thymi# und #Thymolum# (ibid.), _Rosmarinus officinalis_ #Folia# und #Oleum Rosmarini# (ibid.), _Mentha piperita_ #Folia# und #Oleum Menthae piperitae# wie #Mentholum# (ibid.), _Galeopsis ochroleuca_ #Herba Galeopsidis# (Pharm. austr.), _Origanum vulgare_ #Herba Origani# (ibid.), _Origanum Majorana_ #Herba Majoranae# (Pharm. helv.).

4. Ordnung. Personatae.

Gemeinsamen Ursprung mit den Tubifloren scheinen die Personatae zu haben. Sie umfassen ebenfalls radiäre und dorsiventrale Blütenformen, doch fehlen die falschen Scheidewände, und die Zahl der Samenanlagen ist erheblich größer. Die 1. wichtige Familie, +_Solanaceae_+, besitzt meist radiäre Blüten, deren Kronblätter in der Knospenlage gefaltet sind. Der Fruchtknoten wird durch eine schräg zur Mediane stehende Wand geteilt (Fig. 763). Die verschiedenartigen Früchte umschließen Samen mit stark gekrümmtem Embryo im Endosperm. Anatomisch ist der Besitz bikollateraler Leitbündel hervorzuheben.

Radiäre Blüten und Beerenfrüchte zeichnen die Gattung _Solanum_ aus. _Solanum tuberosum_ ist die Kartoffel (Fig. 201), _S. nigrum_ der Nachtschatten, _S. Dulcamara_ (Fig. 764), der Bittersüß, und _Lycopersicum_ die Tomate, sind weitere bekannte _Solanum_-Arten. Über Pfropfbastarde, Periklinalchimären und Gigasformen der _Solanum_-Arten vgl. S. 262 und H. WINKLER[497]. _Atropa Belladonna_, die Tollkirsche (Fig. 765), eine sehr giftige Staude Europas, ist an der radiären, röhrig aufgedunsenen Blüte von trüb purpurner oder auch gelber Färbung, wie an den schwarzglänzenden Beerenfrüchten auf stark vergrößertem Kelche zu erkennen. Der zunächst radiäre Hauptsproß verzweigt sich unter der Endblüte in meist drei gleich starke, plagiotrope Zweige, die sich wickelartig weiter verzweigen; durch Hinaufwachsen des Tragblattes an dem Achselsproß wird der Anschein gepaarter Blätter erweckt (Fig. 765). _Capsicum annuum_ hat ähnliche Verzweigung; seine trockenen Beerenfrüchte liefern den spanischen Pfeffer. _Datura Stramonium_, der Stechapfel, ist ebenfalls eine _Atropa_-ähnlich verzweigte einjährige Pflanze, die mit ihren ausgeschweiften Blättern, den großen, in der Knospe gefalteten weißen Blüten und den charakteristischen scharf bewehrten Kapselfrüchten leicht kenntlich ist (Fig. 766). _Nicotiana tabacum_, die Tabakpflanze (Fig. 767), ist in zahlreichen Kulturformen verbreitet; die großen, wechselständigen, stark drüsig behaarten Blätter liefern nach Trocknung und Fermentation den Tabak; die Früchte der Gattung sind kapselförmig. _Hyoscyamus niger_, das Bilsenkraut, eine einjährige Giftpflanze der alten Welt; die mit stark drüsig behaarten, sitzenden, wechselständigen Blättern besetzte Achse endigt in einem Wickel etwas zygomorpher Einzelblüten von trübgelber Farbe mit blauer Aderung (Fig. 768); die Frucht ist eine Deckelkapsel.

Infolge ihres Gehaltes an giftigen Alkaloiden, die in der Medizin Verwendung finden, zählen viele Solanaceen zu den #offizinellen# Gewächsen, so liefert _Atropa Belladonna_ #Folia Belladonnae#, #Radix Belladonnae# und #Atropin# (Pharm. germ., austr., helv.), _Datura Stramonium_ #Semen# und #Folia Stramonii# (ibid.), _Hyoscyamus niger_ #Folia Hyoscyami# (ibid.), _Capsicum annuum_ #Fructus Capsici# (Pharm. germ., helv.), _Nicotiana tabacum_ #Folia Nicotianae# (Pharm. helv.), _Solanum Dulcamara_ #Caules Dulcamarae# (Pharm. austr., helv.); _Scopolia carniolica_ #Scopolaminum# (Pharm. germ.).

Durch dorsiventrale Blüten, nicht gefaltete Knospenlage der Krone und Unvollständigkeit des Andröceums ist die 2. Familie _+Scrophulariaceae+_ von den Solanaceen unterschieden. Außerdem hat die zweifächerige Kapselfrucht keine schrägstehende Scheidewand.

Von den bekannten Gattungen hat nur _Verbascum_ (Fig. 769, 770 _A_), die Königskerze, fünf Staubblätter, doch sind die drei hinteren mit wollig behaarten Filamenten und quergestellten Antheren abweichend und nur zwei vordere normal ausgebildet. Die Pflanzen sind zweijährig und durch stark wollige Behaarung der mächtigen Blattrosette kenntlich. _Scrophularia_, _Linaria_ und _Antirrhinum_, Löwenmaul, haben nur vier Staubblätter bei einer zweilippigen Krone, bei _Gratiola_ (Fig. 770 _B_) und _Veronica_, Männertreu, sinkt die Zahl der Staubblätter auf zwei herab. _Mimulus_, _Torenia_ mit reizbarer Narbe vgl. S. 321. _Maurandia_ Blattstielkletterer. _Digitalis purpurea_ (Fig. 771), der Fingerhut, mit einseits gewendeten Blüten am Schaft des im zweiten Jahre aus der Blattrosette aufschießenden Blütenstandes, ist giftig, und seine Blätter sind als #Folia Digitalis# #offizinell# (Pharm. germ., austr., helv.). Ebendort die Blüten von _Verbascum thapsiforme_ und _V. phlomoides_ als #Flores Verbasci#.

Einen besonderen Verwandtenkreis innerhalb der Scrophulariaceen bilden die Parasiten und Hemiparasiten wie die völlig chlorophyllfreie _Lathraea_[498] und die grün beblätterten aber mit Wurzelhaustorien auf anderen Pflanzen parasitierenden Arten von _Tozzia_, _Bartschia_, _Pedicularis_, _Euphrasia_, _Odontites_, _Melampyrum_ und _Alectorolophus_.

Ebenso sind die Angehörigen der 3. Familie _+Orobanchaceae+_ mit der durch einfächerigen Fruchtknoten ausgezeichneten Gattung _Orobanche_, Würger, rein parasitisch (Fig. 772).

In der Lebensweise bieten auch die Angehörigen der 4. Familie _+Lentibulariaceae+_ Besonderheiten, so sind die Sumpf- und Wasserpflanzen der Gattungen _Utricularia_[499] und _Pinguicula_ insektivor.

In der reduzierten 5. Familie der _+Plantaginaceae+_, sind anemophile Gattungen wie _Litorella lacustris_ und stark dichogame, wie der protogyne _Plantago_, Wegerich, vereinigt.

2. #Fruchtknoten unterständig.#

Die 5. Ordnung, +_Rubiinae_+,

soll ihre Verwandten in der ebenfalls durch unterständigen Fruchtknoten ausgezeichneten Ordnung der Umbellifloren besitzen, an die sie also anschließen würde. Die Blüten sind vier- oder fünfzählig, bei den verwandten Familien mit zygomorphen (Caprifoliaceen) und asymmetrischen (Valerianaceen) Blüten ändern sich die Zahlen im Andröceum und Gynäceum.

Die erste Familie der +_Rubiaceae_+[500] besitzt radiäre Blüten und in den vegetativen Teilen einfache Blätter mit Nebenblättern. Einheimische Rubiaceen gibt es nur wenige, die alle dem Formenkreis von _Asperula_, Waldmeister, _Galium_ und _Rubia_ angehören, dadurch ausgezeichnet, daß die Nebenblätter den Blättern gleichgestaltet sind und scheinbare Blattquirle darstellen, die normal sechszählig sein müßten, durch Verwachsung der benachbarten Nebenblätter vierzählig werden, aber in den Zahlen etwas variieren.

In den Tropen sind Rubiaceen reich vertreten als Bäume, Sträucher, Kletterpflanzen und Epiphyten.

Eine der wichtigsten Rubiaceen-Gattungen ist _Cinchona_ (Fig. 773); sie liefert in verschiedenen kultivierten Arten die Chinarinde und die daraus gewonnenen fieberwidrigen Alkaloide. Stattliche Bäume der Südamerikanischen Anden, werden die Cinchona-Arten jetzt in allen tropischen Kolonien angebaut. Ihre Kapselfrüchte beherbergen zahlreiche geflügelte Samen (Fig. 774). Ebenso wichtig aber als menschliches Genuß- und Nahrungsmittel ist der Kaffeestrauch, _Coffea arabica_ (Fig. 775), Gebirgsbewohner Afrikas, und daneben die im tropischen Tieflande fortkommende _Coffea liberica_. Die Früchte sind zweisamige Steinfrüchte. Das Exokarp wird fleischig; das Endokarp besteht aus einer dünnen Lage Steinzellen, welche die von ihrer Silberhaut, der Samenschale, eingehüllten zwei Samen, die Kaffeebohnen, umschließt. Zu den beerenfrüchtigen Formen gehören die bekannten merkwürdigen Knollenepiphyten _Hydnophytum_ und _Myrmecodia_[500], die nach den neuesten Untersuchungen aus den Exkrementen der sie bewohnenden Ameisenkolonien Nutzen ziehen. Ebenso sind ernährungsphysiologisch _Psychotria_ und _Pavetta_-Arten von Interesse[501], die in ihren Blättern Stickstoff assimilierende Bakterien beherbergen; sie sind insofern höher organisiert als die Leguminosen mit ihren Wurzelknöllchen, als sie die Bakterien auch mit in ihre Samen einschließen und so gleich Vorsorge für die nächste Generation treffen.

Von #offizineller# Bedeutung sind außer dem #Chininum# und #Cortex Chinae# (Pharm. germ., austr., helv.) von _Cinchona succirubra_ und _C. Ledgeriana_ die #Radix Ipecacuanhae# (ibid.) von dem kleinen beerenfrüchtigen Halbstrauch Brasiliens _Uragoga Ipecacuanha_ (Fig. 776) und #Catechu# (#Gambir#), der aus den Blättern der Liane _Ourouparia Gambir_ gewonnene Extrakt.

Die 2. Familie der _Rubiinae_ ist die der _+Caprifoliaceae+_. Sie enthält Holzgewächse, deren verschieden gestalteten Blättern die Nebenblätter meist fehlen. Mit radiären Blüten und dreifächerigem Fruchtknoten ist _Viburnum_, der Schneeball, ausgestattet. Die Früchte enthalten nur einen Samen, die unfruchtbaren Randblüten dienen als Schauapparat; in der Zierpflanze sind nur diese unfruchtbaren Blüten in den kugeligen Trugdoldeninfloreszenzen vorhanden. _Sambucus_, Holunder, hat unpaarige Fiederblätter, drüsige Nebenblätter und radiäre Blüten. Die Frucht enthält drei Samen. Dorsiventrale Blüten finden sich beim Gaisblatt, _Lonicera periclymenum_, einem schlingenden Strauch unserer Haine, dessen langröhrige stark duftende Blüten durch langrüsselige Sphingiden besucht werden. _Diervilla_ (_Weigelia_) beliebter Zierstrauch.

#Offizinell# sind #Flores Sambuci# (Pharm. germ., austr., helv.) von _Sambucus nigra_ und #Cortex Viburni# (Pharm. austr.) von _Viburnum prunifolium_.

In der 3. Familie _+Valerianaceae+_ finden sich Stauden mit asymmetrischen Blüten, deren Kelch sich erst an den Früchten als „Pappus“ entwickelt, d. h. zu einer als Flugapparat dienenden Federkrone. _Valeriana_, der Baldrian, besitzt eine gespornte fünfzählige asymmetrische Krone (Fig. 777, 778), drei Staubblätter und drei Fruchtblätter, von diesen ist aber nur eines fertil. Andere Valerianaceen haben nur zwei (_Fedia_) oder ein (_Centranthus_) Staubblatt in der Blüte.

_Valeriana officinalis_ liefert das #offizinelle# #Oleum Valerianae# und die #Radix Valerianae# (Pharm. germ., austr., helv.).

Als 4. Familie sei angefügt die der _Dipsacaceae_, die als krautige Pflanzen mit gegenständigen Blättern und vier- bis fünfzähligen, teils radiären, teils zygomorphen Einzelblüten sich hier gut einfügen. Die Blüten stehen jede von einem Außenkelch umgeben, der als Verbreitungsmittel dient, in Köpfchen zusammen, die von sterilen Hüllblättern eingeschlossen werden.

_Dipsacus_, die Weberkarde, mit stechenden Hüll- und Spreublättern, hat vierteilige radiäre Krone, vier Staubblätter und ein Fruchtblatt, das eine hängende anatrope Samenanlage enthält; im Samen findet sich Endosperm (Fig. 779). Ebenfalls vierteilig ist _Succisa_ (Fig. 780); fünfteilige Krone und größere dorsiventrale Randblüten führt _Scabiosa_; vierteilig und einzige Gattung ohne Spreublätter ist _Knautia_.

Der gemeinsame Charakterzug der

_+Synandrae+_

als 6. Ordnung ist darin zu finden, daß ihre Antheren, seltener die ganzen Staubblätter, in irgendeiner Weise miteinander verwachsen oder verklebt sind. Im übrigen kann die Blüte radiär oder zygomorph sein.

Als 1. Familie sei diejenige der _+Cucurbitaceae+_ angeführt, welche am besten schon durch die häufig bei ihr nicht durchgeführte Sympetalie die Verbindung zu den Choripetalen, wenn auch zu Gruppen, die in unserem kurzen Auszuge keine Erwähnung finden konnten, aufrecht erhält. An die Cucurbitaceen sind daher auch die übrigen Sympetalen angegliedert (vgl. Stammbaum S. 583). Die Familie umfaßt krautige, rauhhaarige, großblättrige Pflanzen mit meist monözisch verteilten diklinen Blüten. Kelch und Krone verwachsen unterwärts, und die Antheren vereinigen sich paarweise, in anderen Fällen sämtlich miteinander, wobei sie eine ∞förmige Krümmung annehmen (Fig. 781). Der dreifächerige Fruchtknoten wird zu einer derbschaligen Beerenfrucht. Die Ranken sind verzweigt oder unverzweigt und entsprechen in ihrer seitlichen Stellung einem Vorblatte. _Cucumis sativus_, die Gurke, und _Cucumis Melo_, die Melone, werden vielfach kultiviert. Die Gurkenpflanze ist parthenokarp[502], d. h. Bestäubung der Narbe ist zum #Fruchtansatz# nicht nötig. _Cucurbita Pepo_, der Kürbis, _Bryonia_, die Zaunrübe.