Lehrbuch der Botanik für Hochschulen

Part 79

Chapter 792,226 wordsPublic domain

Ein wichtiger Bestandteil des Milchsaftes von _Hevea_-Arten (_H. Sieberi_, _discolor_, _rigidifolia_, _paucifolia_, _lutea_, _guyanensis_, _Spruceana_) ist der #Kautschuk# (vgl. [486]), welcher als #Para#kautschuk in den Tropen Südamerikas, speziell im Gebiet des Amazonas, gewonnen, lange Zeit etwa 50 % der Gesamtkautschukproduktion der Erde deckte, jetzt aber durch den in Kolonien gewonnenen Hevea-, Ficus- und Castilloa-Kautschuk weit überholt ist. Daneben ist der von _Manihot Glaziovii_, einer ebenfalls südamerikanischen Euphorbiacee, erhaltene #Ceara#kautschuk zu erwähnen. Eine nahe verwandte Pflanze, _Manihot utilissima_, gibt in ihren Wurzelknollen ein außerordentlich wichtiges Nahrungsmittel der Tropen ab: #Maniok# oder #Cassave#, ein Stärkemehl, dessen feinste Sorten als #Tapioka# oder brasilianisches Arrowroot eine Rolle im Welthandel spielen. Der in Brasilien einheimische Strauch wird jetzt überall in den Tropen kultiviert.

_Ricinus communis_ (Fig. 722) ist ein hoher Strauch des tropischen Afrika, der als Zierpflanze gezogen, in unserem Klima alljährlich erfriert. Der hohle Stamm ist an den massiven Knotenstellen mit langgestielten schildförmigen, handförmig eingeschnittenen Blättern besetzt. Infloreszenzen (Fig. 723) stehen terminal, werden jedoch durch vegetative Seitensprosse überholt. Sie tragen unten männliche Blüten mit häutigem, 4- bis 5blättrigem Kelch und bäumchenartig verzweigten Staubblättern; jede letzte Endigung trägt eine Theca. Darüber weibliche Blüten mit 3-5 Kelchblättern, einem großen dreiteiligen Fruchtknoten, der außen mit warzigen Stacheln übersät ist und in drei große gegabelte, rote Narben ausläuft. Bei der Reife liegt ein gefleckter Samen mit weißer Caruncula in jedem Fache.

#Offizinell#: #Euphorbium# (Pharm. germ., austr., helv.) von _Euphorbia resinifera_ (Marokko). #Cortex Cascarillae# (Pharm. germ., austr., helv.) von _Croton Eluteria_ (Bahama-Inseln). #Oleum Crotonis# (Pharm. germ., austr., helv.) von _Croton Tiglium_ (Ostindien). #Kamala# (Pharm. germ., austr., helv.), Drüsenhaare der Fruchtkapsel von

_Mallotus philippinensis_ (ostasiatische Tropen), #Oleum Ricini# (Pharm. germ., austr., helv.) von _Ricinus communis_. #Kautschuk# (Pharm. germ.) von _Hevea_-Arten und _Manihot Glaziovii_.

20. Ordnung. Gruinales.

Zwittrige, durchaus fünfgliedrige, strahlige Blüten mit oberständigem, gefächertem Fruchtknoten [also K5, C5, A5 + 5, G([5=])] finden sich bei den meisten Angehörigen der Ordnung. Sind die Blüten dorsiventral, so tritt häufig Reduktion ein (Polygalaceen). Die Staubblätter sind am Grunde verwachsen, obdiplostemon oder haplostemon und führen an ihrer Außenseite Nektarien oder solche sind als ringförmiger intrastaminaler Diskus vorhanden (Rutaceen). Die Samenanlagen sind meist hängend orientiert, mit aufwärts gerichteter Mikropyle und ventraler Raphe oder haben bei abwärts gerichteter Mikropyle eine dorsale Raphe.

Zu der 1. Familie _+Geraniaceae+_ gehören die Gattungen Geranium mit radiären und Pelargonium mit dorsiventralen Blüten (Fig. 724); beide haben handnervige Blätter. Die fünf geschnäbelten Fruchtblätter führen zwei Samenanlagen in jedem Fache; sie lösen sich bei der Reife von einem Mittelsäulchen ab, öffnen sich dabei und entlassen den Samen oder bleiben geschlossen und können sich durch hygroskopische Krümmungen der Grannen in die Erde einbohren (Fig. 725, vgl. Fig. 295, S. 276).

2. Familie _+Linaceae+_. _Linum usitatissimum_ (Fig. 726). Der #Lein# ist eine alte, einjährige Kulturpflanze. Ihre zahlreichen radiären, blauen, kurzlebigen Blüten mit am Grunde verwachsenen Staubblättern und fünf freien Griffeln beschließen, in traubigen Wickeln stehend, den mit kleinen schmalen Blättern reich besetzten Stengel, dessen Bastfasern nach geeigneter Zubereitung zu Leinwand verwebt werden. Die Samen der fünffächerigen Kapsel dienen zur Ölgewinnung _Oleum Lini_ und sind auch ihrer Schleimepidermis wegen #offizinell#: #Semen Lini# (Pharm. germ., austr., helv.) von _Linum usitatissimum_.

Zu der kleinen 3. Familie der _+Erythroxylaceae+_ gehört der #offizinelle# kleine Strauch _Erythroxylon Coca_ aus Peru mit ungeteilten ganzrandigen lebhaft grünen Blättern und blattachselständigen Gruppen kleiner weißer Blüten (Fig. 727). Er liefert: #Cocaïnum# (Pharm. germ., austr., helv.) und #Folia Coca# (Pharm. germ., helv.).

_Guajacum officinale_, ein Bäumchen Westindiens mit gegenständigen, paarig gefiederten Blättern gehört zu der 4. Familie _+Zygophyllaceae+_ und liefert das #offizinelle# Guajakholz und Guajakharz: #Lignum Guajaci# (Pharm. germ., austr., helv.). #Resina Guajaci# (Pharm. austr., helv.).

#Wichtige Gattungen# enthält die 5. Familie _+Rutaceae+_. _Ruta graveolens_ (Fig. 728), die Raute, eine ausdauernde, halbstrauchige Pflanze mit doppelt gefiederten bis fiederteiligen Blättern. Die Endblüten ihrer dichasialen Blütenstände sind bei kräftigen Exemplaren fünfzählig, alle anderen vierzählig, strahlig, mit großem intrastaminalem Diskus. _Dictamnus fraxinella_, der einheimische Diptam, besitzt ansehnliche, dorsiventrale Blüten in rispigen Infloreszenzen mit oben freien Fruchtblättern. Die wichtigste Nutzpflanzen-Gattung ist _Citrus_[490]. Abweichend vom Typus zeigen ihre Blüten (Fig. 729, 730) zahlreiche Staubblätter in einem Kreise bündelweise vereinigt und eine Vermehrung der Beerenfrüchte liefernden Fruchtblätter. Das Fruchtfleisch besteht aus Zotten von saftreichen Zellen, welche in die Fächer einwachsen; ihre Samen sind durch Adventivembryonen oft mehrkeimig (vgl. S. 500). Viele Arten haben einfache Blätter mit mehr oder minder geflügeltem Blattstiel; diejenigen anderer Arten jedoch sind dreizählig, und das Gelenk an der Einfügungsstelle der Spreite zeigt, daß jene scheinbar einfachen Blätter unpaarig gefiederten entsprechen, deren Endfiederchen allein erhalten blieb. Dornen an der Blattansatzstelle entsprechen den ersten Blättchen der Achselknospe. _Citrus_ ist ostasiatischen Ursprungs; mehrere Arten haben in den wärmeren Himalayatälern ihre Heimat, und wohl alle wichtigen Kulturformen sind von den Chinesen zuerst gezogen worden. _Citrus decumana_, Pompelmus, tropisch; _Citrus medica_, diejenige Form, welche den Griechen beim Zuge Alexanders als „medischer Apfel“ bekannt, wurde, ist jetzt in verschiedenen Varietäten verbreitet, von denen _Citrus_ (_medica_) _Limonum_ unserer #Zitrone# entspricht. Dieser Baum dürfte vom 3. oder 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung ab im Mittelmeergebiet gezogen worden sein. _Citrus_ (_medica_) _Bajoura_ (Cedro ital., Cedratier franz.), die Cedrate liefert aus ihren dickschaligen Früchten das Zitronat. _Citrus Aurantium_ kommt in zwei verschiedenen Formen vor, als _Citrus_ (_Aurantium_) _vulgaris_, Fig. 730, #Pomeranze#, und _C._ (_Aurantium_) _sinensis_ #Apfelsine#; _Citrus nobilis_, #Mandarine#, ebenfalls chinesischer Abstammung. Durch Pfropfung erhaltene Chimären von _Citrus aurantium_ und _C. limonum_ heißen _Bizzaria_.

#Offizinell#: _Citrus vulgaris_ liefert: #Fructus Aurantii immaturi#, #Cortex Aurantii fruct.# (Pharm. germ., austr., helv.), #Oleum Aurantii florum# und #Folia Aurantii# (Pharm. austr., helv.), #Oleum Aurantii Pericarpii# (Pharm. austr.). -- _Citrus limonum_: #Cortex Citri fructus# und #Oleum Citri# (Pharm. germ., austr., helv.). -- _Citrus Bergamia_: #Oleum Bergamottae# (Pharm. helv.). -- _Ruta graveolens_: #Herba Rutae# (Pharm. helv.). -- _Pilocarpus pennatifolius_ und _P. Jaborandi_, baumförmige Sträucher des östlichen Brasiliens mit großen, unpaarig gefiederten Blättern: #Folia Jaborandi# und #Pilocarpinum# (Pharm. germ., austr., helv.).

Wichtige #offizinelle# Pflanzen enthalten die 6. Familie der _Simarubaceae_, nämlich _Quassia amara_ (Fig. 731), Surinam, und _Picrasma excelsa_, westindische Inseln, die Bitterholz liefern: #Lignum Quassiae# (Pharm. germ., austr., helv.), außerdem #Cortex Simarubae# Wurzelrinde von _Simaruba amara_ (Pharm. germ.), und die 7. Familie +_Burseraceae_+, die #offizinelle# Harze ausscheidende Pflanzen umfaßt: _Commiphora abyssinica_ und _C. Schimperi_, arabisch-ostafrikanische Bäumchen, geben #Myrrha# (Pharm. germ., austr., helv.), _Boswellia Carteri_ und _B. Bhau dajianae_, Bäumchen derselben Heimat wie die _Commiphora_-Arten, liefern #Olibanum#, #Weihrauch# (Pharm. austr.). _Canarium_-Arten der Philippinen endlich #Elemi# (Pharm. austr., helv.).

Zwei seitliche kronblattähnliche Kelchblätter sind das beste Kennzeichen der 8. Familie +_Polygalaceae_+, daneben das kahnförmige untere Kronblatt und die röhrig verwachsenen acht Staubblätter. (Fig. 732, 733, 734) K5, C3, A(8), G(̲2). #Einheimische# Arten sind: _Polygala vulgaris_ und _P. amara_, auf Wiesen häufig; _P. Chamaebuxus_, kleiner Halbstrauch der Alpen. #Offizinell#: _Polygala Senega_, Nordamerika, liefert #Rad. Senegae# (Pharm. germ., austr., helv.).

9. Familie der +_Sapindaceae_+. Meist in tropischen Gebieten heimische Pflanzen. #Offizinell#: #Guarana# (Pharm. austr., helv.) aus dem zerquetschten Samen von _Paullinia cupana_, einer Liana Brasiliens. Ebenso sind die Vertreter der 10. Familie +_Anacardiaceae_+ meist Tropenbewohner wie _Mangifera indica_. _Rhus toxicodendron_, der Giftstrauch Nordamerikas und die _Pistacia_-Arten gehören hierher. #Offizinell#: #Mastix# (Pharm. austr.) von _Pistacia Lentiscus_. Zur 11. Familie, den +_Aquifoliaceae_+, gehören die _Ilex_-Arten: (Fig. 735) _Ilex aquifolium_ die einheimische sog. Stechpalme, _I. paraguariensis_, die Matepflanze, die den #Paraguaytee# liefert. Endlich als 12. Familie sind die +_Aceraceae_+ zu nennen, denen die Ahorn-Arten angehören mit den charakteristischen geflügelten Spaltfrüchten (Fig. 736), und 13. Familie die +_Hippocastanaceae_+ mit der Roßkastanie _Aesculus hippocastanum_.

21. Ordnung. Frangulinae.

Die Ordnung wird charakterisiert durch nur #einen# Staubblattkreis #vor# den Kronblättern und einen intrastaminalen Diskus.

Die einzige einheimische Gattung der sonst in den Tropen verbreiteten 1. Familie _+Rhamnaceae+_ ist _Rhamnus_. ~_Rh. Frangula_, #Faulbaum# (Fig. 737 _B_, 738, 739), ist ein in Wäldern und an Wegen häufiger Strauch mit wechselständigen ganzrandigen Blättern und kleinen Nebenblättchen, dessen Blüten in Gruppen oder einzeln blattachselständig stehen und bis auf das Gynäceum fünfzählig sind; die schüsselförmige Blütenachse wird als Diskus ausgebildet. Zwei bis drei Fruchtblätter mit ungeteilter Narbe liefern Steinfrüchte mit ebensoviel Samen. _Rh. cathartica_, #Kreuzdorn#, ist die zweite einheimische Art. Die Zweige sind meist dornig mit gegenständigen gesägten Blättern. Die durchweg vierzähligen Blüten (Fig. 737 _A_) werden durch Fehlschlagen diözisch; weibliche enthalten vier freie Griffel und bringen viersamige Steinfrüchte, die Samen mit dorsaler Raphe. _Colletia spinosa_ und _C. cruciata_ sind xerophile, blattlose Sträucher Südamerikas. #Offizinell#: #Cortex Frangulae# (Pharm. germ., austr., helv.) von _Rh. Frangula_. #Cortex Rhamni Purshianae# (Pharm. austr., helv.) = #Cascara sagrada# von _Rh. Purshiana_ aus Nordamerika. #Syrupus Rhamni catharticae# (Pharm. germ.) von _Rh. cathartica_.~

Die nordhemisphärischen Gattungen _Vitis_, _Ampelopsis_, _Parthenocissus_ und die tropische Gattung _Cissus_ gehören zur 2. Familie +_Vitaceae_+ (Fig. 740, 741). _Vitis vinifera_, die Weinrebe, ist als alte Kulturpflanze in zahlreichen Rassen und Varietäten verbreitet. Die Blätter sind handförmig gelappt, die blattgegenständigen Rankensprosse sind ursprünglich endständig, aber durch einen Achselsproß zur Seite gedrängt. Oft stehen die rispigen Blütenstände an Stelle von Ranken, und Zwischenbildungen beider sind häufig. Der Kelch ist nur in Form eines kurzen Randes vorhanden, und die am Scheitel verwachsene fünfzählige Krone wird beim Öffnen der Blüten abgeworfen. #Korinthen# sind die samenlosen Früchte der _Vitis vinifera_ var. _apyrena_. Die in Nordamerika und Asien verbreiteten _Parthenocissus_-Arten, #wilder Wein#, haben geteilte Blätter und klettern zum Teil mit Haftscheiben tragenden Ranken (Fig. 208). #Offizinell#: #Vinum# (Pharm. germ., austr., helv.).

[Die im Vorhergehenden gegebene Reihenfolge ist im wesentlichen derjenigen des sero-diagnostischen Stammbaumes gefolgt; daß die Aquifoliaceen zu den Sapindaceen gestellt sind, ist wohl eine kleine Vereinfachung für die Aufzählung der Familien. Nun sollen auch die Ericaceen in diesen Zweig eingegliedert werden. Wenn es auch seit langem klar war, daß sie nicht zu den typischen Sympetalen gehören, so hätte man nach morphologischen Gesichtspunkten eine Anreihung an die Guttiferen oder die Ternstroemiaceen erwarten können, wohin teilweise Sympetalie, apikale Poren der Antheren und Eigentümlichkeiten im Bau der Fruchtknoten zu weisen scheinen. Somit reihe ich die Ericaceen nur mit allem Vorbehalt vorläufig als letztes Glied dem Columniferenaste ein.]

22. Ordnung. Ericinae

mit der Familie der _Ericaceae_. Es sind hier immergrüne, kleinblättrige, häufig nadelförmig belaubte Sträucher oder Halbsträucher vereinigt, deren Blüten Antheren besitzen, die einmal durch ein „Exothecium“ (S. 470) ausgezeichnet sind, die sich andererseits in Poren oder Spalten öffnen und hornförmig abstehende Anhänge tragen, daher auch wohl Bicornes genannt werden.

Fünfzählige Blüten in allen fünf Kreisen tragen die Rhododendron-Arten, die Alpenrosen, deren wir drei einheimische Arten besitzen. Ebenso sind die Blüten des Porst, _Ledum palustre_, und der Gattung _Andromeda_ fünfblättrig, und alle genannten besitzen einen oberständigen Fruchtknoten, der zu einer Kapselfrucht wird. Ebenso verhält sich _Arctostaphylos uva ursi_ (Fig. 742), mit dem einzigen Unterschiede, daß hier Steinfrüchte entstehen. Fünfzählige Blüten mit unterständigem Fruchtknoten finden wir bei mehreren Beerensträuchern aus der Gattung _Vaccinium_ (Fig. 743): der Heidelbeere, _Vaccinium Myrtillus_, und Preißelbeere, _V. Vitis idaea_, welche dementsprechend die Reste des Kelches auf jeder Beere tragen. -- Eine Reduktion der Gliederzahlen auf vier findet sich in der Gattung _Erica_, die besonders im trockenen Mittelmeer- und Kapgebiet verbreitet ist; dabei hat _Erica_ oberständigen Fruchtknoten. Verbreitet ist bei uns außer _Erica Tetralix_ besonders das nahe verwandte Heidekraut, _Calluna vulgaris_[491], von _Erica_ durch den die Krone überragenden Kelch unterschieden.

#Offizinell# sind #Folia uvae ursi# (Pharm. germ., austr., helv.) von _Arctostaphylos uva ursi_ und #Fructus Myrtilli# (Pharm. austr., helv.) von _Vaccinium Myrtillus_.

_B. Sympetalae._

Das einzige den Sympetalen gemeinsame Merkmal ist die verwachsenblättrige Krone. Die Mehrzahl der nach Ausschluß der Primulinae und Ericinae verbliebenen Sympetalen haben nur einen Staubblattkreis, da der innere Kreis ausgefallen ist. Sie werden daher als Tetracyclicae bezeichnet. Nur die einzige Ordnung der Diospyrinae besitzt auch diesen inneren Staubblattkreis, sie werden daher als Pentacyclicae jenen Vierkreisigen gegenübergestellt.

Die +1. Ordnung+ der +Diospyrinae+,

zu der die tropischen Familien der _Ebenaceae_, _Sapotaceae_ und _Styracaceae_ zu zählen sind, ist von Bedeutung wegen der den _Sapotaceen_ angehörigen _Palaquium_- (Fig. 744) und _Payena_-Arten des Malayischen Archipels, welche #Guttapercha# (Pharm. germ.) liefern; _Mimusops_-Arten (Sapotaceae) geben einen ähnlichen Körper, #Balata#, und von den _Styracaceen_ leitet man das #Benzoëharz# (Pharm. germ., austr., helv.) ab, doch ist seine Herkunft von _Styrax Benzoin_ zweifelhaft geworden.

B. Tetracyclicae.

1. #Fruchtknoten oberständig.#

Die _Tetracyclicae_ haben also nur vier regelmäßig miteinander alternierende Blütenwirtel aufzuweisen. Sie lassen sich nach der Stellung des Fruchtknotens in zwei Gruppen von Ordnungen zerlegen, entweder ist der Fruchtknoten oberständig, hierher gehören die Ordnungen der Contortae, Tubiflorae und Personatae. Alle diese Ordnungen stimmen auch darin überein, daß der Fruchtknoten aus #zwei# Fruchtblättern besteht. Die Ordnungen mit unterständigem Fruchtknoten sind die Rubiinae und die den Rubiinae nahestehenden Dipsacaceae, die von den Synandrae (Campanulaceae-Compositae) getrennt werden. Diese bleiben in der Hauptreihe; die mit den Rubiinae endende Abzweigung setzt ebenso wie die einzige pentazyklische Ordnung der Diospyrinae an die Cucurbitaceae als Abzweigung an. Die Zahl der durchweg unterständigen Fruchtblätter ist bei der Mehrzahl der Rubiinae zwei, Cucurbitaceae, Cuprifoliaceae und Valerianaceae besitzen drei, die Campanulaceae zwei oder fünf und Dipsacaceae und Compositae nur #ein# Fruchtblatt.

Nachdem so einzelne gemeinsame Merkmale herausgefunden sind, sollen die Ordnungen nach ihren Familien besprochen werden.

Die +2. Ordnung, Contortae+,

umfaßt Pflanzen mit dekussierten, meist einfachen Blättern, durchweg strahligen Blüten, deren Krone in der Knospenlage häufig gedreht und deren Andröceum der Krone angewachsen ist.

Die 1. Familie der _+Oleaceen+_ ist an der Zweizahl des Andröceums leicht zu erkennen; die Krone ist meist vierzipfelig, wie das Diagramm von _Syringa_ zeigt (Fig. 745). Neben _Ligustrum_, _Jasminum_, _Forsythia_ und _Syringa_ ist _Olea europaea_, der Ölbaum oder die Olive, die wichtigste Pflanze der Familie (Fig. 746). Im Mittelmeergebiete heimisch, wird sie hier auch vorzugsweise kultiviert. Blüten und Früchte entsprechen dem Familientypus (Fig. 747). Die Steinfrucht enthält sowohl im Fruchtfleisch wie im Endosperm des Samens fettes Öl (Fig. 748). Vom Familientypus weicht durch gefiederte Blätter die Esche, _Fraxinus_, ab. _Fraxinus excelsior_ mit anemophilen Blüten blüht vor der Belaubung, _Fr. Ornus_, die in Sizilien zur Mannagewinnung kultivierte Bergesche oder Mannaesche, hat ansehnliche gipfelständige Infloreszenzen, deren Einzelblüten doppeltes Perianth mit tiefgespaltener weißer Krone besitzen. Es sind neben Zwitterblüten (Fig. 749) rein weibliche schwarze Blüten vorhanden; die Pflanze ist polygam.

#Offizinell# ist #Oleum Olivarum# (Pharm. germ., austr., helv.) von der Olive und #Manna# (ibidem) von der Mannaesche.

Die 2. kleine Familie der _Contortae_, die _+Loganiaceae+_[492], ist nur wegen der wichtigen Gift- und offizinellen Pflanze _Strychnos nux vomica_ (Fig. 750) zu erwähnen, die auch das Pfeilgift der Malayen liefert; aus anderen _Strychnos_-Arten wird das Curare Südamerikas gewonnen; ruminiertes Endosperm bei Spigelia.

#Offizinell#: #Semen Strychni# (Pharm. germ., austr., helv.) und #Radix Gelsemii# (Pharm. germ., austr., helv.) von _Gelsemium nitidum_.

Wichtiger ist die 3. Familie der Ordnung, die +_Gentianaceae_+, durch einfächerigen Fruchtknoten kenntlich, mit deutlich gedrehter Krone in der Knospe (Fig. 751). Einheimisch ist die Gattung _Gentiana_ mit zahlreichen Arten, deren lebhaft, meist blau gefärbte große Blüten ein Schmuck der Alpenwiesen sind. Der umstrittene Saisondimorphismus soll durch Entwicklung nahe verwandter Formen, deren eine vor dem ersten Wiesenschnitt blüht und fruchtet, während die andere ihre Blütezeit nach dem Schnitt hat, an _Gentiana_-Arten[493] gute Bestätigung finden.