Lehrbuch der Botanik für Hochschulen
Part 78
4. Familie _+Urticaceae+_. Hierher gehören meist perennierende Kräuter mit einfachen Blättern und Nebenblättern, deren zweizählige anemophile Blüten durch Fehlschlag eingeschlechtig geworden sind, also Blütenformel P 2 + 2, A 2 + 2. Die Staubblätter in der Knospenlage durch Einwärtskrümmung gespannt. schlagen beim Aufblühen elastisch zurück und verstäuben dabei ihren Pollen. Weibliche Blüten besitzen ein verwachsenes Perianth und nur ein Fruchtblatt, mit einer grundständigen atropen Samenanlage. Die reifen Früchte von _Pilea_- und _Elatostema_-Arten werden durch aus Staminodien entwickelte Schleuderorgane fortgeschnellt. In den Tropen reicher als bei uns verbreitete Pflanzenfamilie.
Manche Urticaceen sind durch den Besitz von Brennhaaren (vgl. Fig. 52) ausgezeichnet, wie unsere Brennesseln, _Urtica dioica_ und _Urtica urens_, und die gefährlichen tropischen _Laportea_-Arten. Einige Urticaceen sind wichtige Faserpflanzen, wie _Boehmeria nivea_, Ramie. Unsere einheimischen Nesselarten lieferten vor Bekanntwerden der Baumwolle Gespinstfasern und kamen infolge des Krieges und seiner Folgen wieder zu Ehren.
Greifen wir hier vor Einschiebung des Columniferenastes auf den Stammbaum der Hauptreihe (S. 524) zurück, so würden sich zunächst die Rhoeadinae, denen morphologische Beziehungen zu den Polycarpicae nicht wohl abgesprochen werden können, anreihen, denen sich die Cistiflorae anschließen, worauf dann auf die Resedaceae die Columniferae folgen. Da die Resedaceae von jeher in Beziehung zu den Capparidaceen einerseits, den Cistiflorae (Parietales pro parte) andererseits gebracht sind, so wird diese Anordnung, die sich nicht anders als durch Anreihung ausführen läßt, den morphologischen wie den serodiagnostischen Beziehungen am besten entsprechen.
Die +16. Ordnung+ _+Rhoeadinae+_ enthält meist Kräuter mit wechselständigen Blättern. Ihre zwittrigen Blüten sind aus meist zweigliedrigen Quirlen aufgebaut; sie besitzen einen oberständigen einfächerigen Fruchtknoten, der die Samenanlagen an den verwachsenen Rändern der Karpelle, den Plazenten, trägt (Fig. 696). Die Narben stehen über den Nähten der Fruchtblätter, und die Öffnung der Frucht erfolgt durch Abspringen der Fruchtblätter von den Plazenten.
Den Anschluß der Ordnung an die Polycarpicae stellt die 1. Familie der _+Papaveraceen+_[487] her durch gewisse Merkmale, wie Gehalt an Milchsaftschläuchen (Nymphaeaceen), Vorkommen dreizähliger Blüten bei Bocconia (Berberidaceen), Anordnung der Narben direkt auf den Fruchtblättern und das, wenn auch seltene Vorkommen apokarper Gynäceen wie bei typischen Vertretern der Polycarpicae (z. B. Platystemon). Die große Vermehrung der Staubblätter, die zyklisch stehen, wird auf Spaltung zurückgeführt. Die Samen haben reichliches Endosperm.
_Chelidonium majus_, Schöllkraut, hat gelben Milchsaft und zweikarpelligen Fruchtknoten. Als Zierpflanzen dienen verschiedene Arten von _Escholtzia_, _Argemone_ und _Papaver_. _Papaver rhoeas_, Mohn, als Unkraut in Kornfeldern oder auf trockenen Wiesen verbreitet (Fig. 697). Charakteristisch ist die scharf abwärts gekrümmte Lage der Blütenknospen. _Papaver somniferum_ stammt aus dem Orient und ist in allen Teilen reich an weißem Milchsafte. Die mit Wachs hellblau bereifte, völlig glatte Pflanze, deren Blütenstiel allein vereinzelte grobe Borsten trägt, hat sitzende, am Rande unregelmäßig gesägte bis gekerbte Blätter und eine violette oder weiße Blumenkrone mit dunklen Flecken am Grunde. Der einfächerige Fruchtknoten springt bei der Reife nur an den Fruchtblattspitzen von den zahlreichen, tief einschneidenden Plazenten ab, die Fruchtblätter biegen sich unter dem überstehenden, flachen narbentragenden Deckel weg nach außen, und ihre nierenförmigen Samen werden aus den Löchern vom Winde herausgeschleudert.
#Offizinell#: #Semen Papaveris# (Pharm. germ., helv.), #Fructus Papaveris immaturi# (Pharm. germ., austr., helv.), #Opium# (aus dem Milchsafte) (Pharm. germ., austr., helv.), #Morphium# (ibid.) alles von _Papaver somniferum_. #Flores Rhoeados# (Pharm. austr., helv.) von _Papaver Rhoeas_.
Die 2. kleine Familie der _+Fumariaceen+_ ist interessant durch das Vorkommen transversal zygomorpher Blüten bei _Corydalis_ (Fig. 698) und zweisporniger bisymmetrischer Krone bei _Dicentra spectabilis_. Die Früchte sind bei _Fumaria_ Nüßchen, bei _Corydalis_ und _Dicentra_ Kapseln. Die Samen haben Endosperm.
3. Familie +_Cruciferae_+[488]. Die Familie der Kreuzblütler ist besonders auf der Nordhemisphäre zu Hause und zählt bei uns und im Mittelmeergebiet zu den arten- und individuenreichsten, der man überall begegnet. Es sind meist ein- oder zweijährige Kräuter oder Stauden mit wechselständigen Blättern, traubigen, meist deck- und vorblattlosen Blütenständen und radiären, stets seitlich stehenden Einzelblüten. K2 + 2, C4, A2 + 4, G(̲2) (Fig. 699). Der Kelch beginnt mit einem median stehenden Wirtel, vier Kronblätter alternieren mit dem Kelche. Zwei äußere Staubblätter sind kürzer als die vier (bzw. zwei bis auf den Grund gespaltenen) medianen (S. 107) inneren (Fig. 700). Die Fruchtblätter bilden einen oberständigen, meist schotenförmigen Fruchtknoten, der durch eine falsche (S. 471), zwischen den parietalen Plazenten ausgespannte Scheidewand (Fig. 701 _A_, _C_, _D_) zweifächerig wird und sich durch Abheben der Fruchtblattmittelstücke klappig öffnet. Die Samen bleiben dabei mit der falschen Scheidewand und den Plazenten am Tragstiele erhalten. Bisweilen, z. B. bei Isatis, finden sich Schließfrüchte. Der gekrümmte Keimling liegt von einer einzigen Zellschicht Endosperm umgeben in der Samenschale (Fig. 702, 703).
Nicht nur ihrer Häufigkeit und Artenzahl nach zählen die Cruciferen zu den wichtigeren heimischen Familien, sondern auch die große Zahl der ihnen entstammenden Nutz- und Gartenpflanzen verleiht ihnen größere Bedeutung; auch zählen manche Cruciferen zu den ertragreicheren Honigblumen vermöge der am Grunde der Staubblätter aus der Blütenachse hervorgehenden Honigdrüsen. _Cheiranthus Cheiri_ (Fig. 701 _A_). Goldlack, _Matthiola_, Levkoje, beliebte Zierpflanzen. _Brassica oleracea_ liefert den Kohl in seinen verschiedenen Formen: a) _silvestris_, an den nordeuropäischen Küsten ist als wilde Form anzusehen, b) _acephala_, Blätterkohl, c) _gongylodes_, Kohlrübe, d) _gemmifera_, Rosenkohl, e) _sabauda_, Wirsing, f) _capitata_, Kopfkohl, g) _botrytis_, Blumenkohl, _Brassica campestris_, Rübsen mit den Kulturformen: a) _annua_, Sommerrübsen, b) _oleifera_, Winterrübsen, c) _rapifera_, Teltower Rübchen. _Br. napus_, Raps: a) _annua_, Sommerraps, b) _oleifera_, Winterraps c) _Napobrassica_, Wruke. _Brassica nigra_, Senf (Fig. 704), eine einjährige, bereits im Altertume vielfach angebaute Pflanze. Ihre grundständigen Blätter sind fiederteilig mit stumpfen Endlappen, völlig unbehaart bis auf einige grobe Borsten der Blattoberseite. Die dottergelben Einzelblüten stehen von der Spindel ab, die abgeblühten, glatten Fruchtknoten und Früchte dagegen sind ihr angedrückt und ragen gerade aufwärts. _Sinapis alba_, Weißer Senf, ist eine rauhbehaarte Pflanze und durch weit von der Spindel abspreizende, lang und flach geschnäbelte Früchte, deren Klappen grob borstenhaarig sind, wie durch doppelt so große, weiß-gelbe Samen, leicht vom schwarzen Senf zu unterscheiden. _Anastatica hierochuntica_, die Jerichorose, eine durch hygroskopische Bewegung (S. 295) ihrer Zweige bekannte einjährige Wüstenpflanze Nordafrikas. _Crambe_ (Fig. 701 _E_), mit im unteren Teil unfruchtbaren Schoten, und _Cakile_ sind dickblättrige Strandpflanzen, _Raphanus sativus_, ist der Rettich und das Radieschen. _Cochlearia_, Löffelkraut. _Vesicaria_, _Aubrietia_, _Draba_, _Lunaria_ (Fig. 701 _D_), _Erophila_-Arten, das Hungerblümchen, _Iberis_ mit etwas dorsiventralen Blüten, _Capsella bursa pastoris_, das Hirtentäschl (Fig. 701 _C_) sind bekannte Cruciferen. _Isatis tinctoria_, der Waid, früher als Farbstoff liefernde Pflanze benutzt.
#Offizinell#: #Semen Erucae# (Pharm. helv.) von _Sinapis alba_. #Semen Sinapis# (Pharm. germ., austr., helv.) von _Brassica nigra_. #Oleum Sinapis# (ibid.) von beiden Pflanzen.
Zur 4. Familie _+Capparidaceae+_ gehört _Capparis spinosa_, ein kleiner Felsenstrauch der Mittelmeerländer, mit einfachen Blättern, kurzdornigen Nebenblättern und blattwinkelständigen, radiären Einzelblüten, die sich von denen der Cruciferen durch Spaltung der Staubblätter in unbestimmt viele, und durch Einschiebung eines Gynophors, unterscheiden, welches den Fruchtknoten hoch über die Blüte emporhebt (Fig. 705). Die Frucht ist eine Beere von etwa Pflaumengröße mit zahlreichen Samen. Junge Blütenknospen liefern die „Kappern“.
17. Ordnung. Cistiflorae.
Regelmäßig fünfzählige Blüten mit vermehrten, gespaltenen oder bündelig verwachsenen Staubblättern und einem dreizähligen oberständigen Fruchtknoten kennzeichnen die Mehrzahl der Cistifloren.
Die 1. Familie der _+Cistaceen+_ ist charakterisiert durch strahlige, fünfzählige Blüten mit zahlreichen Staubblättern und drei oder fünf zu einem Fruchtknoten verwachsenen Fruchtblättern mit parietalen Plazenten. Das einheimische kleine Sonnenröschen _Helianthemum vulgare_ (Fig. 706) und die Cistus-Arten des Mittelmeergebietes entsprechen normalen Cistaceen. Angehörige der 2. Familie der _+Violaceen+_ unterscheiden sich durch ihre meist dorsiventralen Blüten, die nur fünf Staubgefäße und einen einfächerigen Fruchtknoten besitzen (Fig. 707). In das gespornte vordere Kronblatt ragen die beiden vorderen Staubblätter mit Nektar absondernden Fortsätzen hinein. #Offizinell# ist #Herba violae tricoloris# (Pharm. germ., austr., helv.).
In der 3. Familie der _+Ternstroemiaceen+_, zu der die Teepflanze und die Kamelie gehören, fällt der allmähliche Übergang von Kelch- in Kronblätter auf, wie ihn die Magnoliaceen zeigen, zahlreiche Staubblätter und ein dreifächeriger Fruchtknoten mit zentralwinkelständigen Plazenten vervollständigen das Bild. #Offizinell#: #Folia Theae# (Pharm. austr.) von #Thea chinensis# (Fig. 708). Durch bündelweise Vereinigung der Staubblätter und schizogene Sekretbehälter ist die 4. Familie der _+Guttiferae+_ unterschieden. Die Gattung _Hypericum_ ist ein einheimischer Vertreter. #Offizinell#: #Gummigutt oder Gutti#, der eingetrocknete Sekretsaft von #Garcinia Hanburyi# (Pharm. germ., austr., helv.). Als 5. Familie schließen sich die _+Dipterocarpaceen+_ an; sie sind durch starke Vergrößerung aller oder einzelner Kelchblätter nach der Befruchtung charakterisiert. #Dryobalanops Camphora# liefert den Borneokampfer. #Offizinell#: #Dammar# (Pharm. germ., austr.) von #Shorea Wiesneri#.
18. Ordnung. Columniferae.
Die Angehörigen dieser Ordnung besitzen fünfzählige, strahlige Zwitterblüten, in denen einer, meist der äußere, der beiden Staubblattwirtel unterdrückt oder nur staminodial vorhanden ist, während der andere eine mehr oder minder große Vermehrung seiner Glieder durch Spaltung erfährt. Vielfach geht eine Verwachsung der Filamente daneben her. Auch die Fruchtblätter sind bisweilen durch Verzweigung vermehrt. Der oberständige Fruchtknoten ist entsprechend gefächert.
1. Familie _+Malvaceae+_. Charakteristisch für die Familie sind in der Knospe gedrehte protandrische Blüten, deren Staubblätter zu einer der Krone angewachsenen Röhre verbunden sind, welche die Griffel umhüllt (Fig. 709, 710) und nur oben in zahlreiche freie Enden mit je einer nierenförmigen Theca gespalten ist. K5, C5, A(∞), G(3) oder ∞. Die Pollenkörner sind mit stachliger Exine versehen, so daß sie leicht am Haarkleid der bestäubenden Insekten haften (Fig. 516).
Die einheimische Gattung _Malva_ umfaßt ausdauernde Kräuter mit langgestielten, handnervigen Blättern. Die Blüten sind einzeln oder in kleinen Wickeln blattachselständig verteilt; sie besitzen drei freie Außenkelchblätter und tief ausgerandete, meist rosa gefärbte Kronblätter (Fig. 711). Die Vegetationsorgane der nahe verwandten Gattung Althaea sind dicht mit Büschelhaaren bekleidet, sammetig weich. Ihr Außenkelch zählt sechs bis neun am Grunde verwachsene Blätter. Die Früchte sind Spaltfrüchte, den zahlreichen, kreisförmig angeordneten Fruchtblättern entsprechend. _Hibiscus_ und _Gossypium_-Arten sind Sträucher oder Bäume mit drei- bis fünfzipfligen, langgestielten Blättern, deren Blüten mit drei großen, die Knospen völlig verdeckenden Außenkelchblättern versehen sind; ihre Früchte sind drei- bis fünfkarpellige, fachspaltige Kapseln. Der dichte Filz langer Flughaare auf den Gossypiumsamen dient ihrer Verbreitung und liefert, durch Kultur und Auslese verfeinert, die #Baumwolle# (Fig. 712).
#Offizinell#: #Folia Malvae# (Pharm. germ., austr., helv.) von _Malva neglecta_ und _M. silvestris_. #Flores Malvae# (ibidem) von _M. silvestris_. #Folia Althaeae# und #Radix Althaeae# (ibidem) von _Althaea officinalis_; #Gossypium# (ibidem) von _Gossypium arboreum_, _G. barbadense_, _G. herbaceum_.
Die 2. Familie, _+Tiliaceae+_, enthält Pflanzen mit einfachen Blättern und hinfälligen Nebenblättern. Der freiblättrige Kelch und die Krone haben klappige Knospenlage. Die Staubblätter besitzen introrse Antheren; dem Charakter der Ordnung gemäß ist meist nur der innere Kreis vorhanden und gespalten (Fig. 713). Der Griffel ist einfach. Hierher gehören meist tropische Gattungen, darunter die krautigen, #Jute# liefernden _Corchorus_-Arten. Einheimisch ist nur _Tilia_, die Linde, in zwei Arten. Die Blätter sind asymmetrisch und ihr Rand ist gesägt. Die Blütenstände (Fig. 714 _A_) sind mit einem als Flugblatt ausgebildeten Vorblatte bis zur halben Länge verwachsen und aus Dichasien zusammengesetzt. Die breitblättrige Linde hat 3-7, die ulmenblättrige dagegen 5-15 Einzelblüten im Blütenstande. Der behaarte Fruchtknoten enthält zwei Samenanlagen in jedem seiner fünf Fächer, eine davon verdrängt alle übrigen (Fig. 714 _B_).
#Offizinell#: #Flores Tiliae# (Pharm. germ., austr., helv.) von _T. platyphyllos_ und _T. ulmifolia_.
3. Familie _+Sterculiaceae+_. Den Tiliaceen ähnlich weicht diese in den Tropen verbreitete Familie ab durch verwachsenblättrigen Kelch, gedrehte Knospenlage und zu einer Röhre verwachsene Staubblätter, von denen die kelchständigen staminodial bleiben, während die Kronstaubblätter oft durch Spaltung vermehrt werden (Fig. 715). Die Antheren sind extrors.
_Theobroma Cacao_, der Kakaobaum (Fig. 716), ist im tropischen Zentral- und Südamerika einheimisch, dort auch seit langer Zeit in Kultur. Der niedrige Baum trägt kurzgestielte, steife, brüchig-harte, einfache Blätter von erheblicher Größe, ovaler Form und dunkelgrüner Farbe, die in der Jugend mehr hellrötlich sind und wie bei zahlreichen tropischen Bäumen schlaff herabhängen. Die Blüten brechen am Stamme oder an älteren Ästen aus früher blattachselständigen, erhaltenen Knospen hervor; der Baum ist #cauliflor#. Jedes am Grunde bauchige Kronblatt verschmälert sich nach außen erheblich und endet mit verbreitertem Zipfel. So ist die Gesamtform der rötlichen Blüten etwa urnenförmig, mit fünf auseinander strahlenden Zipfeln. Der fünffächerige Fruchtknoten enthält zahlreiche Samenanlagen in jedem Fache; bei dem Heranwachsen der Frucht drängen sich die erweichenden Gewebemassen der Scheidewände zwischen die einzelnen Samen ein und so wird die reife Frucht einfächerig, vielsamig. Zwei mächtige gefaltete, brüchige Kotyledonen des kleinen Embryos füllen die Samenschale aus. -- _Cola acuminata_ und _C. vera_ im tropischen Afrika liefern die Kolanüsse. #Offizinell#: #Oleum Cacao# (Pharm. germ., austr., helv.) und #Theobromin# (Pharm. germ., helv.) von _Theobroma Cacao_ #Semen Colae# von _Cola acuminata_ und _C. vera_ (Pharm. austr.).
19. Ordnung. Tricoccae[489].
+_Euphorbiaceae._+ Gewächse von außergewöhnlich verschiedenartigem Habitus wie Kräuter, Sträucher, blattlose Stammsukkulenten, Bäume mit normalen Blättern oder auch mit Blattschuppen und assimilierenden Phyllokladien, stimmen die Euphorbiaceen darin überein, daß sie eingeschlechtige, radiäre Blüten mit meist einfacher Blütenhülle oder ganz ohne solche besitzen. Das Andröceum ist diplostemon oder vielzählig. Die weiblichen Blüten sind durch einen oberständigen, dreikarpelligen und dreifächerigen Fruchtknoten charakterisiert, der in jedem Fache 1-2 hängende Samenanlagen enthält mit ventraler Raphe, Mikropyle also aufwärts und auswärts gekehrt. ~Sie wird von einem plazentaren Auswuchs, dem #Obturator#, gedeckt (Fig. 717); dieser vermittelt Leitung und Ernährung der Pollenschläuche und schwindet nach der Befruchtung (vgl. S. 495). Die von dem äußeren Integument ausgebildete _Caruncula_ (Fig. 719 _D_) bleibt dagegen an dem reifen Samen noch vorhanden, dessen Ablösung von der Plazenta ihrer Mitwirkung zu danken ist. Früchte sind Kapseln, deren Außenwände elastisch von einer Mittelsäule zurückschnellen und so die Fächer öffnen. Die Familie ist über die ganze Erde verbreitet.~
#Wichtige Gattungen#: Zahlreiche Euphorbiaceen zeigen bei diözischer oder monözischer Blütenverteilung einen sehr einfachen Blütenbau, so _Mercurialis_ (Fig. 718), durch zweikarpelligen Fruchtknoten abweichend; die Gattung _Croton_, männliche Blüten mit doppeltem, weibliche mit einfachem Perianth, enthält die wichtigen offizinellen Arten: _C. Eluteria_ und _C. Tiglium_. Dagegen ist die in vielen einheimischen Arten vertretene Gattung _Euphorbia_, Wolfsmilch, neben anderen ausgezeichnet durch Vereinigung zahlreicher, einfachst gebauter Blüten in sehr komplizierten Blütenständen, #Cyathium# genannt (Fig. 719, 720, 721), die besonders in zygomorpher Ausbildung wie bei _Pedilanthus_, ganz den Eindruck einer Einzelblüte machen. Das Cyathium besteht aus einer nackten, langgestielten und nach unten umgewendeten weiblichen Gipfelblüte, die von mehreren Gruppen ebenfalls gestielter, auf je ein vom Stiel abgegliedertes Staubblatt beschränkter, männlicher Blüten umgeben wird. In einigen Fällen ist die weibliche Einzelblüte und jede männliche Blüte mit eigenem, kleinem Perianth versehen. Stets aber wird der ganze Blütenstand, das Cyathium, durch fünf Hüllblätter umschlossen, mit denen vier große elliptische oder zweihörnige Nektardrüsen alternieren, welche den Eindruck der Einzelblüte erhöhen. Dort, wo die übergebogene weibliche Blüte herabhängt, fehlt die fünfte Drüse. Zwischen den vor je einem Hüllblatte (Fig. 720) stehenden Gruppen männlicher Blüten sind zerschlitzte Haarbildungen auf der Infloreszenzachse vorhanden, die im Längsschnitte (Fig. 719 _B_) sichtbar werden. Solche Blütenstände pflegen nun, in dichasialen Zweigen zu mehreren angeordnet, sich zu drei- bis vielstrahlig-trugdoldigen Gesamtinfloreszenzen zu vereinigen. Häufig ist die weibliche Blüte nur in einzelnen von ihnen entwickelt, in den anderen rudimentär geblieben. Zahlreiche, besonders afrikanische _Euphorbia_-Arten haben die Gestalt von kaktusähnlichen Stammsukkulenten (Fig. 721).
_Euphorbia_ und andere, aber durchaus nicht alle Angehörigen der Familie, enthalten einen bei jeder Verletzung aus den ungegliederten (bisweilen auch gegliederten wie bei Hevea) Schläuchen reichlich ausfließenden Milchsaft, der in vielen Fällen giftig ist.