Lehrbuch der Botanik für Hochschulen

Part 75

Chapter 752,284 wordsPublic domain

3. Familie _Rosaceae_[478]. Die charakteristischen Merkmale der _Rosaceen_ sind der stete Besitz von Nebenblättern; ferner die Endospermlosigkeit der meisten _Rosaceen_-Samen, endlich die apokarpen Früchte und meist auch die Vielzähligkeit des Andröceums (Fig. 637). Letztere beiden Eigenschaften kommen auch den _Polycarpicae_ zu und sprechen für engere verwandtschaftliche Beziehungen, doch sind die Blütenglieder bei den Rosaceen streng wirtelig und perigyn gestellt.

In vielen Fällen geht die Vermehrung der Andröceum- und Gynäceumglieder von einer an der schüsseligen Vertiefung der Achse interkalar gelegenen, gürtelförmigen Vegetationszone aus längere Zeit nebeneinander her. Über die Einschiebung neuer Glieder entscheiden räumliche Verhältnisse, so daß bei verschiedenen Individuen derselben Art Differenzen in den Zahlen vorkommen.

Zahlreiche Arten der Gattung _Spiraea_ mit typisch fünfzähligen Blüten und oberständigen Fruchtknoten finden als Ziersträucher Verwendung (Fig. 637 _E_). _Quillaja Saponaria_ (Fig. 638), der Seifenrindenbaum Chiles, ist ein immergrüner Baum mit kurzgestielten, wechselständigen, lederartigen Blättern und gipfelständigen, meist dreiblütigen Dichasien. Die Blüten sind denen von _Spiraea_ ähnlich, aber durch ihre fünfzackige, auf die großen Kelchblätter hinaustretende, honigabsondernde Scheibe charakterisiert, an deren eingekerbten Vorsprüngen die fünf Kelchstaubblätter stehen, während sich die Kronstaubblätter am inneren Rande befinden. Die schmalen Kronblätter sind weiß. Nur die Mittelblüte des Dichasiums ist zwittrig und fruchtbar, die seitlichen mit verkümmertem Fruchtknoten sind männlich. Der oberständige Fruchtknoten liefert eine sternförmige Sammelfrucht. Jedes Fruchtblatt springt in zwei Klappen auf und entläßt seine geflügelten Samen.

Durch den unterständigen, meist aus fünf Fruchtblättern bestehenden, rings mit der ausgehöhlten fleischig anschwellenden Blütenachse verwachsenen, gefächerten, pergamentenen Fruchtknoten und freie Griffel von den sonstigen _Rosaceen_ unterschieden sind die Gattungen _Pirus_, _Cydonia_ u. a. _Pirus malus_, #Apfelbaum# (Fig. 524 _3_), _Pirus communis_, #Birnbaum#, unsere wichtigsten einheimischen Obstbäume, alte Kulturpflanzen in zahlreichen Varietäten. _Cydonia vulgarus_, die #Quitte#, mit einzeln stehenden großen hellrosa Blüten. Ihre apfel- oder birnförmigen, wollig-filzig behaarten Früchte sind roh ungenießbar, doch von höchst angenehmem Aroma. _Mespilus germanica_, der #Mispelbaum#; seine Früchte haben eine tiefe Grube am Scheitel, die rings von den Überresten der Kelchblätter umgeben ist. Die immergrüne #japanische Mispel#, _Eriobotrya japonica_, wird im Mittelmeergebiete häufig angepflanzt. _Sorbus aucuparia_, der #Vogelbeerbaum#, und _Crataegus_-Arten, #Rotdorn#, #Weißdorn#, sind teils als Alleebäume, teils in Hecken und als Zierbäume verbreitet (vgl. S. 262).

Eine #krugförmig vertiefte# Blütenachse, auf der ein bis viele freie Fruchtblätter stehen, die zu nußartigen, vom Blütenbecher umschlossenen Früchtchen werden, eignet der Gattung _Rosa_ (Fig. 637 _C_). Ihr Blütenbecher wird fleischig (Fig. 583), und die kronblattartige Ausbildung zahlreicher Staubblätter gibt staminodial gefüllte Formen. Dagegen ist bei _Agrimonia_ und _Hagenia abyssinica_ der Blütenbecher hart. _Hagenia_, ein diözischer Baum Abessyniens, mit unpaarig gefiederten Blättern, deren Blattstiel durch Nebenblätter rinnig geflügelt wird, trägt reichverzweigte Blütenrispen. Die Einzelblüten mit zwei Vorblättern und Außenkelch werden durch Fehlschlagen eingeschlechtig; ihre Krone ist nach der Blüte hinfällig, der Kelch eingerollt, der Außenkelch vergrößert. Aus den zwei freien Fruchtblättern mit je einer Samenanlage wird eine einsamige Frucht (Fig. 639, 640). Die kronblattlose _Alchimilla_ (Fig. 524, _2_) und _Sanguisorba officinalis_ mit köpfchenförmig gehäuften, polygamen, vierzähligen Einzelblüten ohne Außenkelch und Krone mit ein bis zwei Fruchtblättern (Fig. 637 _D_) sind stark reduzierte Formen.

_Potentilla_ mit flachem Blütenboden, apokarpen Fruchtblättern und Außenkelch hat zahlreiche einheimische Arten. _Geum_ und _Dryas_ verbreiten ihre weichhaarigen, langauswachsenden Früchtchen durch den Wind. _Fragaria_, die Erdbeere, trägt kleine Nüßchen auf der fleischig geschwollenen Achse. _Rubus_, die Brombeere, ist in zahlreichen meist kletternden Arten verbreitet. Ihre Blätter sind stets dreizählig, ihre Früchte kleine Steinfrüchtchen, die in Sammelfrüchten beisammenbleiben. Eine der wenigen nicht kletternden Arten ist die Himbeere _R. Idaeus_.

Ein einziges Fruchtblatt, mittelständig auf flachschüsselförmig vertieftem Blütenbecher (Fig. 637 _B_) haben die Steinobstbäume: _Prunus Cerasus_, #Sauerkirsche# (Fig. 641). _Prunus avium_, #Süßkirsche#, _Pr. domestica_, Pflaume (Zwetsche); _Pr. armeniaca_, #Aprikose#, chinesischen Ursprungs, ebenso wie _Pr. persica_, #Pfirsich#; _Pr. Amygdalus_, #Mandel#, aus dem östlichen Mittelmeergebiete. Das fleischige Exokarp der Mandel trocknet beim Reifen und platzt auf, so daß das steinige Endokarp freigelegt wird.

#Giftig#: Die Samen vieler Rosaceen sind amygdalinhaltig; durch die entstehende Blausäure wirken Preßrückstände, z. B. von bitteren Mandeln, häufig giftig. Die Blätter des Kirschlorbeers, _Prunus Laurocerasus_, können aus gleichem Grunde ebenfalls Vergiftungen hervorrufen.

#Offizinell#: _Pirus Malus_: #Extractum ferri pomati# (Pharm. germ., helv.). -- _Cydonia vulgaris_ liefert #Semen Cydoniae# (Pharm. helv.). -- _Hagenia abyssinica_: #Flores Koso# (Pharm. germ., austr., helv.). -- _Rosa centifolia_ und _R. gallica_: #Flores Rosae# (Pharm. germ., austr., helv.); dieselben und andere Arten: #Ol. Rosae# (ibid.). -- _Rubus Idaeus_: #Syrupus R. Idaei# (Pharm. germ., austr., helv.). -- _Prunus Amygdalus_: #Amygdalae dulces# und #A. amarae#, #Oleum Amygdalarum# (Pharm. germ., austr., helv.). -- _Pr. domestica_: #Pulpa prunorum# (Pharm. austr.). -- _Pr. Laurocerasus_: #Aqua Laurocerasi# (Pharm. austr., helv.). -- _Pr. Cerasus_: #Syrupus Cerasorum# (Pharm germ.). -- _Quillaja Saponaria_: #Cortex Quillajae# (Pharm. germ., austr.). -- _Spiraea Ulmaria_: #Flos Spiraeae# Pharm. helv.). -- _Rubus fruticosus_: #Folium Rubi fruticosi# (Pharm. helv.). -- _Potentilla Tormentilla_: #Rhizoma Tormentillae# (Pharm. helv.).

4. Ordnung. Leguminosae.

Das gemeinsame Kennzeichen aller Leguminosen ist in der Beschaffenheit ihres Fruchtknotens gegeben, der die Ordnung von den sonst nahe verwandten Rosifloren scharf unterscheidet. Er geht stets aus einem einzigen Fruchtblatt hervor, ist einfächerig und trägt die Samenanlagen in einer oder zwei Reihen an der nach hinten gekehrten Bauchnaht (Fig. 642, 645, 650). Meist wird die Frucht eine Hülse (Legumen), die an der Bauchnaht und in der Rückenlinie in zwei Klappen aufspringt (wie die Erbsen). Wechselständige, zusammengesetzte Blätter mit Nebenblättern sind fast allen Leguminosen eigen. Sehr viele besitzen Blattgelenke (Fig. 643), welche Variationsbewegungen ermöglichen.

Die 1. Familie _+Mimosaceae+_ enthält Bäume und aufrechte oder kletternde Sträucher mit paarig doppeltgefiederten Blättern und strahligen. fünf- oder vierzähligen Blüten (Fig. 642). Die Knospenlage von Kelch und Krone ist klappig. Die freien, halb-, voll- oder meist überzählig vorhandenen Staubblätter bedingen durch ihre bedeutende Länge oder große Zahl die Blütenfarbe. Ihre Pollenkörner bleiben häufig in Tetraden oder zu mehreren vereinigt. Die Blüten stehen in Ähren oder Köpfchen zu vielen beisammen. ihre Krone ist unscheinbar, der Embryo gerade.

Die in den Tropenwaldungen reich entwickelte Familie besitzt in Europa keinen einheimischen Vertreter. _Mimosa pudica_, die #Sinnpflanze# (Fig. 292), mit hochgradiger Empfindlichkeit gegen Berührung, ist ein pantropisches Unkraut. Die Gattung _Acacia_ ist in zahllosen Arten in den Tropen und Subtropen der alten und neuen Welt verbreitet. Ihre australischen Formen sind durch den Besitz von Phyllodien ausgezeichnet deren vertikale Stellung wesentlich zum eigenartigen Habitus der australischen Wälder mit beiträgt (vgl. Fig. 190). Einige amerikanische _Akazien_-Arten werden von Ameisen bewohnt (Fig. 643), denen sie in großen Nebenblattdornen Wohnung, in den BELTschen Körperchen[479] an den Enden der Fiederblättchen Nahrung bieten, ohne daß ein symbiotisches Gegenseitigkeitsverhältnis nachweisbar ist. Durch Lieferung von Gummi und reichen Gehalt an Gerbstoffen, teils in der Rinde, teils im Extrakt des Kernholzes, teils in den Hülsen, gewähren zahlreiche _Acacia_-Arten einen erheblichen Nutzen.

#Offizinell#: Durch Desorganisation des Stammparenchyms liefern _Acacia Senegal_ (Nilländer und Senegambien) und andere Arten: #Gummi arabicum# (Pharm. germ., austr. helv.), das aus Wunden als dicke Flüssigkeit herausfließt und erhärtet. -- #Catechu# (Pharm. germ., austr., helv.) ist ein Dekokt aus dem Kernholze der ostindischen _Acacia Catechu_ (Fig. 644) und _Ac. Suma_.

Die 2. Familie _+Caesalpiniaceae+_ umfaßt Bäume oder Sträucher mit einfach oder doppelt paarig gefiederten Blättern. Ihre Blüten sind meist etwas dorsiventral mit dachig #aufsteigender# Knospendeckung der Krone, deren Blattzahl ebenso wie die der freien Staubblätter häufig unvollzählig ist (Fig. 645). Typisch: K5, C5, A5 + 5, G̱1. Auch hier ist der Embryo gerade. ~In den Tropen und Subtropen ist die Familie reich ausgebildet.~

Bei _Cassia angustifolia_ sind Kelch und Kronblätter frei und in Fünfzahl vorhanden (Fig. 646), die unteren deckenden Kronblätter etwas größer als die oberen. Von zehn Staubblättern sind die drei oberen kurz und unfruchtbar, sieben nach unten bogig gestreckte nehmen von oben nach unten an Länge zu. Ihre Antheren öffnen sich mit endständigen Poren. Der Fruchtknoten ist eine breite und flach zusammengedrückte Hülse. Derartige Blüten stehen in blattachselständigen Trauben beisammen an dem etwa meterhohen, mit lebhaft grünen, paarig gefiederten Blättern besetzten Strauche. Am Grunde des Blattstieles stehen zwei kleine Nebenblättchen. _Tamarindus indica_ (Fig. 647), ein schöner Baum des tropischen Afrika, wird in den gesamten Tropen jetzt vielfach angepflanzt. Mit einfach paarig gefiederten Blättchen besetzte Seitenzweige bringen die Blütentrauben endständig. Aus den stark dorsiventralen Einzelblüten geht eine vom Typus abweichende Frucht hervor. Ihre Wandung differenziert sich in ein äußeres brüchiges Exokarp, ein fleischiges musartiges Mesokarp _M_ und ein festes, die einzelnen mehr oder minder zahlreichen Samen umhüllendes, aus Steinzellen bestehendes Endokarp (Fig. 648). Kaum merklich dorsiventral sind die kronblattlosen Blüten von _Copaifera_, in denen auf 4 Kelchblätter sogleich 8-10 freie Staubblätter folgen. Die einsamige Frucht öffnet sich bei der Reife. Ein fleischiger, unregelmäßig begrenzter Arillus umhüllt den Samen einseitig. Einheimische Caesalpiniaceae fehlen; der im Mittelmeer beheimatete Johannisbrotbaum _Ceratonia Siliqua_, wird im Kalthause, die kauliflore (vgl. S. 573) _Cercis siliquastrum_ (Fig. 645 _A_) und _Gleditschia triacanthos_ (N.-Am., Fig. 198) werden als Zierpflanzen bei uns kultiviert.

#Offizinell#: #Folia Sennae# (Pharm. germ., austr., helv.), Fiederblättchen von _Cassia angustifolia_; Pharm. helv. läßt auch #Fol. S. Alexandrinae# von _C. acutifolia_ zu. -- _Cassia obovata_ und _C. acutifolia_: #Fructus Sennae# (Pharm. austr., helv.). -- _Cassia Fistula_ (tropisches Amerika): #Fructus Cassiae Fistulae# (Pharm. austr., helv.). -- _Copaïfera_-Arten (Bäume des tropischen Amerika) enthalten in Balsamgängen des Holzes: #Balsamum Copaïvae# (Pharm. germ., austr., helv.). -- #Rad. Ratanhiae# (Pharm. germ., austr., helv.) von _Krameria triandra_, einem Strauch der Kordilleren mit silberweißen, einfachen Blättern, dessen Blüten völlig abweichen; sie haben innen lebhaft gefärbte Kelchblätter, eine kleine Krone und drei Staubblätter mit Porenöffnung am Scheitel. Ihre Früchte sind kugelig und mit Stacheln besetzt (Fig. 649). -- #Lignum Haematoxyli# (Pharm. austr.), Kernholz von _Haematoxylon campechianum_ (tropisches Amerika). -- #Pulpa Tamarindorum# (Pharm. germ., austr., helv.), das musartige Mesokarp der Frucht von _Tamarindus indica_ (Fig. 648).

Die Angehörigen der 3. Familie _+Papilionaceae+_ haben in der Regel unpaarig gefiederte Blätter und stets stark dorsiventrale Blüten mit #absteigender# Knospendeckung (Fig. 650). Auf den fünfblättrigen Kelch folgt die dorsiventrale fünfblättrige Krone und 10 Staubblätter, deren Filamente alle miteinander zu einer, den Fruchtknoten umhüllenden Röhre verwachsen sind (Lupinus), oder die neun vorderen sind verwachsen und das hintere Staubblatt bleibt frei (Lotus) oder alle sind frei (Myroxylon, Fig. 653). Der Keimling ist im Samen stets gekrümmt eingelagert. Die Familie ist weniger in den Tropen als in den gemäßigten Zonen reich vertreten.

Die Bestandteile einer Schmetterlingsblüte sind in Fig. 651 einzeln auseinandergelegt. Das hintere, in der Knospenlage (Fig. 650) beiderseits übergreifende Kronblatt heißt Fahne (vexillum), zwei darauffolgende seitliche die Flügel (alae), und die mit ihren abwärts gekehrten Rändern in der Regel verwachsenen beiden unteren bilden das Schiffchen oder den Kiel (carina). Die Staubblätter sind an ihren oberen Enden frei und aufwärts gekrümmt, ebenso der Griffel mit seiner Narbe.

_Myroxylon balsamum_ var. _Pereirae_, ein Baum von mäßiger Höhe, besitzt unpaarig gefiederte Blätter (Fig. 652) in wechselständiger Anordnung. Die Blüten, in endständigen Trauben stehend, sind nur mit einem großen Vexillum versehen, alle übrigen Blätter der Krone bleiben unansehnlich und schmal. Die Staubblätter, nur am Grunde miteinander verwachsen (Fig. 653), tragen ansehnliche rot-gelbe Antheren. Der langgestielte Fruchtknoten enthält zwei Samenanlagen, eine davon wird zum Samen der geschlossen bleibenden, zusammengedrückten Hülse, deren Form durch eine an der oberen Naht breite, an der unteren schmale Flügelung, wie durch zwei seitliche Balsamblasen sehr charakteristisch ist (Fig. 654). Oben am Stiel bleibt der glockige Kelch erhalten. _Amicia_, Gattung der Anden für nyctinastische Untersuchungen bevorzugt, hat paarig gefiederte Blätter. -- _Genista_, _Sarothamnus_, _Lupinus_, _Cytisus_ zeigen alle 10 Staubblätter verwachsen (Fig. 650 _B_). Ihre Blätter sind ganzrandig, gefiedert oder einfach. Der #Goldregen# (Fig. 266) _Laburnum vulgare_, einer der häufigsten und beliebtesten Zierbäume unserer Gärten mit dreiteilig gefiederten Blättern und lang herabhängenden gelben Blütentrauben, wächst in den Alpen wild. _Ulex_ ist eine Charakterpflanze Englands, _Spartium_ im Mittelmeergebiet verbreitet. -- _Trifolium_, der Klee, hat bleibenden Kelch und Krone, dreiteilige Blätter, kopfig gehäufte Blüten mit (9) + 1 Staubblättern und Schließfrüchten. _Medicago_, Schneckenklee, hat hinfällige Krone und sichelförmige oder schraubig gekrümmte Früchte. _Melilotus_, Steinklee, mit traubigen Blütenständen. _Trigonella_, der Bockshornklee, bringt lang auswachsende Hülsenfrüchte. _Ononis_, Hauhechel, mit 10 verwachsenen Staubblättern. Bei den im großen angebauten _Trifolium_-, _Medicago_- und _Lupinus_-Arten (wie der unten genannten Seradella) kommt die Stickstoffanreicherung des Bodens durch die „Leguminosenknöllchen“ (vgl. S. 224, Fig. 249, 250) für europäische Verhältnisse am meisten zur praktischen Verwertung. -- _Lotus_, der Hornklee (Fig. 651), trägt die üblichen unpaarig gefiederten Blätter, doch wird das unterste Fiederpaar durch Fehlen des Blattstieles nebenblattähnlich. _Anthyllis_, Wundklee. -- Bei _Astragalus_-Arten, den Traganthsträuchern, niedrigen Sträuchern des östlichen Mittelmeergebietes und westlichen Asiens, fallen die Fiederchen der Blätter ab, und die Blattspindeln bleiben lange Jahre als scharf stechende Dornen erhalten und dienen zum Schutz der jungen Triebe, Blätter und Blüten (Fig. 655). Einheimische Arten sind krautig. _Robinia_ (Fig. 181), rasch wachsender Baum Nordamerikas mit sehr sprödem, windbrüchigem Holz, wird vielfach angepflanzt als „Akazie“. _Glycyrrhiza_, Süßholz, Stauden des südlichen Europa. _Wistaria sinensis_ (Glycine), eine schön blau blühende Schlingpflanze, findet sich häufig an Häusern u. dgl. -- An #Gliederhülsen# kenntlich sind _Coronilla_, _Ornithopus sativus_, #Seradella#, _Arachis hypogaea_, #Erdnuß#, eine wichtige ölfrucht der Tropen und Subtropen. Ihre Blütenstiele dringen nach der Befruchtung geotropisch in den Boden ein; dort reifen die Früchte. -- Endranken, an Stelle der unpaaren Fiederblättchen und hypogäische Keimung besitzen _Pisum_, #Erbse# (Fig. 206), _Lens_, #Linse#, _Lathyrus_, #Platterbse# (Fig. 207), _Vicia_, #Wicke#, und als aufrechte, rankenlose Pflanze _Vicia Faba_, #Saubohne#, deren Endblättchen zu einem borstenförmigen Stummel verkümmert. -- Windende Pflanzen mit dreiteilig gefiederten Blättern sind _Phaseolus_, #Bohne#; _Physostigma_, die #Kalabarbohne#.

#Giftig#: Durch hochgradige Giftigkeit ausgezeichnet ist unter den einheimischen Papilionaceen nur _Laburnum vulgare_ und die verwandten Arten der Gattung _Cytisus_. -- Als giftig gelten auch _Coronilla varia_, ein wildwachsendes Kraut mit rosaroten Blütendolden, und die windende _Wistaria sinensis_ unserer Gärten.

#Offizinell#: _Astragatus_-Arten liefern #Tragacantha# (Pharm. germ., helv.). -- _Glycyrrhiza glabra_ in ihren Wurzeln und Ausläufern: #Rad. Liquiritiae# (Pharm. germ., austr., helv.) -- _Melilotus officinalis_: #Herba Meliloti#, Steinklee (Pharm. germ., austr.). -- _Trigonella Foenum graecum_: #Semen Foenugraeci#, Bockshornsamen (Pharm. germ., austr., helv.). -- _Ononis spinosa_: #Rad. Ononidis# (Pharm. germ., austr., helv.). -- _Spartium scoparium_: #Sparteïnum# (Pharm. helv.). -- _Physostigma venenosum_ (bohnenähnliche Schlingpflanze Westafrikas): das aus den Samen (Semen Calabar) dargestellte #Alkaloid Physostigminum# (Pharm. germ., austr., helv.). -- _Andira Araroba_, ein brasilianischer Baum, enthält in seinem Stamm eine pulverige Exkretmasse: #Chrysarobinum# oder #Araroba# genannt (Pharm. germ., austr., helv.). -- _Pterocarpus santalinus_, ein ostindischer Baum, liefert in seinem Kernholze #Lignum Santali rubrum# (Pharm. aust.). -- _Pterocarpus marsupium_, ein ostindischer Baum, in seinem eingetrockneten Safte: #Kino# (Pharm. helv.). -- _Myroxylon balsamum_ var. _genuinum_, ein südamerikanischer Baum, #Balsamum tolutanum# (Pharm. germ., austr., helv.); _M. balsamum_ var. _Pereirae_ (San Salvador): #Balsamum peruvianum# (ibid.).

5. Ordnung. Myrtiflorae.

Die Ordnung weicht durch unterständigen Fruchtknoten und Fehlen der Nebenblätter von den Rosifloren ab.

1. Familie _+Thymelaeaceae+_. _Daphne Mezereum_ (Fig. 656). #Giftiger# Strauch unserer Wälder, blüht im Februar bis April vor Entfaltung der Blätter aus den vorjährigen Knospen. Die rosenroten stark duftenden Blüten sind kronenlos, im übrigen vierzählig, haben aber nur ein Fruchtblatt und eine hängende Samenanlage im Fruchtknoten, der sich zu einer hochroten Beere entwickelt. Die Blätter stehen zunächst schopfförmig, bis die Achse sich streckt. In den Alpen und im Mittelmeergebiet mehrere _Daphne_-Arten, die alle giftig sind.

#Offizinell#: #Cortex Mezereï# (Pharm. helv.) von _D. Mezerum_.

Zu der 2. Familie _+Elaeagnaceae+_, die durch aufrechten Stand ihrer Samenanlage unterschieden ist, gehören der Sanddorn, _Hippophaë_, und die Ölweide, _Elaeagnus_. Blätter und junge Zweige sind bei beiden Pflanzen mit glänzenden Schildhaaren bedeckt, ebenso bei Shepherdia (S. 47).

3. Familie _+Lythraceae+_. Der einheimische Weiderich, _Lythrum Salicaria_, hat eine typisch sechszählige, durch trimorphe Heterostylie (S. 484) ausgezeichnete Blüte mit zwei bis sechs Fruchtblättern.