Land und Volk in Afrika, Berichte aus den Jahren 1865-1870
Chapter 7
Das grosse Pullo-Reich Zókoto zerfällt in viele Staaten, die alle mehr oder weniger unabhängig von der Hauptregierung sind, aber dennoch alle den Kaiser von Zókoto, der "bába-n-serki" heisst, anerkennen und ihm jährlichen Tribut zahlen. Der Bába-n-serki gilt ihnen nicht allein als weltlicher Regent, sondern ist auch geistiges Oberhaupt und führt als solcher den arabischen Titel "hákem-el-mumenin" oder Beherrscher der Gläubigen.
Im Lande Bautš i, von den Arabern Jacóba (auch Vogel und v. Beurmann nennen die Stadt so, der eigentliche Name ist indess Bautš i) genannt, steht an der Spitze der Regierung ein König, "lámedo" genannt. Obgleich unumschränkter Herrscher, hat er doch mit vielen unterworfenen Stämmen eine Art Vertrag machen müssen, durch welchen die Abgaben, welche zu entrichten sind, fest bestimmt wurden, und, was sehr wichtig ist, gleichzeitig festgesetzt wurde, dass von ihm im eigenen Lande keine Sklavenraubzüge ausgeführt werden dürfen. Der Lámedo hält alle Tage offene Gerichtssitzung, in der er selbst jede Partei verhört und aburtheilt.
Bei den Tebu, also den nördlichsten Negern von Afrika, finden wir die eigenthümliche Erscheinung, dass die Eisen- und Silberschmiede wie eine ausgestossene Kaste betrachtet werden. Kein Tebu darf die Tochter eines Schmieds heirathen, kein Schmied bekommt die Tochter eines freien Tebu. Einen Schmied beleidigen gilt schon für Feigheit, weil er eben von den übrigen Tebu als vollkommen unzurechnungsfähig gehalten wird. Es liegt hier unwillkürlich der Gedanke nahe: sind die Schmiede bei den Tebu vielleicht anderen Stammes, vielleicht unter die Teda eingewanderte Juden? Aber weder in Sprache, Haar, Gestalt noch Hautfarbe unterscheiden sie sich auch nur im allermindesten von den übrigen Teda, und diese selbst behaupten, sie seien von ihrem Fleische und Blute, nur das Handwerk mache sie verächtlich.--Gerade das Gegentheil nun sehen wir in Bautš i; hier hat der Erste der Zünfte der Schmiede den höchsten Rang nach dem Lámedo, sein Titel ist "serki-n-ma-kéra", was man durch Gross-Eisenmeister übersetzen kann. Und wie sehr überhaupt die Handwerke in diesem Staate, der von Pullo's regiert wird, aber zum grössten Theile Haussa-Unterthanen hat, in Ansehen stehen, geht daraus zur Genüge hervor, dass alle Handwerke in Zünfte getheilt sind, an deren Spitze ein Meister steht, der den Namen Fürst hat, denn "serki" heisst Fürst oder Prinz. So finden wir unter anderen einen Fürsten der Schneider, "serki-n-dúmki", einen Fürsten der Schlächter, "serki-n-faua".
Die Stelle, welche in Bornu vom Dig-ma versehen wird und unserem Ministerium entspricht, versieht in Bautš i der "galadima", aber fast ebenso wichtig ist die des intimen Rathgebers des Lámedo, der den Titel "be-ráya" hat; nur dieser darf in die fürstliche Wohnung dringen, falls der Lámedo sich zurückgezogen hat. Das Harem darf selbstverständlich nur vom Obersten der Eunuchen Yinkóna betreten werden. Obgleich alle Pullofürsten für gewöhnlich äusserst einfach gekleidet sind, und sich in Nichts von den sie umgebenden Grossen unterscheiden, so haben sie doch ein eigenes Amt für den Mann geschaffen, der sie bei festlichen Gelegenheiten mit den dann prächtigen Gewändern bekleidet, er heisst Zoráki. Wichtige mit der Person des Lámedo verknüpfte Aemter sind ferner das des Obersten der Vorreiter, ma-dáki genannt, des Palastgouverneurs "uombé" und des Schatzmeisters "adzia". Natürlich ist in diesen Staaten, wie das ja früher auch bei uns war, der Privatschatz, des Königs zugleich der des Landes, indem das ganze Land als Eigenthum des Königs betrachtet wird. Anders verhält es sich mit den Waffen, von denen Bogen, Pfeile und Säbel in einem eigenen Hause aufbewahrt werden; diese werden nur als öffentliches Eigenthum betrachtet und der Hüter davon ist immer ein ansehnlicher Beamter, er hat den Titel "bendóma". Nicht unwichtig ist der Posten des Obersten der Gefangenen, der zugleich Scharfrichter ist und "serki-n-ara" heisst.
Wie geordnet auch sonst die Zustände sind, geht ferner daraus hervor, dass man einen eigenen Marktvogt hat; freilich sind in Bornu diese auch auf den Märkten, haben jedoch nicht eine so wichtige Stellung, ihr Titel ist "serki-n-kurmi".
Als Truppengattung finden wir in Bautš i nur Reiter und Infanterie, letztere mit Bogen und Säbel bewaffnet; Lanzen und Schangermanger namentlich, sieht man hier gar nicht mehr. Einige wenige der Reiter haben schlechte Gewehre, die meisten nur Säbel und Bogen. Die Pfeile der Bogenschützen sind natürlich alle vergiftet, meistens mit Gift aus Euphorbien. Der Befehlshaber der Fusstruppen heisst "serki-n-yáki", der der Reiterei "serki-n-dauáki".
Einen besonderen Titel hat der Commandant der Stadt Uossé, nämlich "serki-n-dútsi"; dieser hat die Aufgabe, das Vordringen der südlichen heidnischen Stämme zu verhindern. Ferner der Hauptmann sämmtlicher _nicht_ Pullovölker, und da diesen in Bautš i eine grosse Zahl von Stämmen angehören, ist sein Posten ein sehr wichtiger; er heisst "sénnoa".
Auch in dem Pullo-Staat Nyfe oder Nupe sehen wir das militärische Element bedeutend mehr hervortreten, und, weil an beiden Seiten des mächtigen Nigerstromes gelegen, finden wir, da Nupe eine bedeutende Kriegsflotte hat von Schiffen, die bis mit hundert Matrosen bemannt sind, die Charge eines Admirals. Gleich nach dem Könige, der "etsu" heisst, kommt der Admiral der Nigerflotte, betitelt "bargo-n-gioa", wörtlich "Spiegel der Elephanten"[7]. Die Königin, obgleich dieselbe in Nupe ganz ohne Einfluss ist, hat denselben Titel wie der König. Mit der Stelle eines Admirals ist zugleich die des Obersten der Sklaven verbunden, wohl aus dem Grunde, weil die Ruderer der Schiffe alle aus Sklaven bestehen.
Es kommen dann der Reihe nach zuerst der "dam-ráki", der erste Rathgeber des Etsu und in seiner Person das Ministerium vereinigend. Nach ihm natürlich der Eunuchenoberst, "indatoráki", dann der Oberpolizeidirector, der zugleich, wie überall dort, die Auszeichnung hat, Scharfrichter zu sein. Der Titel des letzteren ist "serki[8]-n-dogáli". Da aber auch in den Nigerländern wie in Yóruba die Sitte des Pfählens, selbst als gewöhnliche Strafe allgemein ist, und es nicht leicht ist, einem Menschen einen Pfahl der Art von unten der Länge nach durch den Körper zu schieben, dass der Pfahl durch Hals und Mund herauskommt, so hat er natürlich einen ganzen Schwarm von Helfershelfern. Nach diesem kommt dann zunächst der Fremden Vorführer "serki-n-fada", eine Charge, die an den übrigen Pullohöfen sich nicht zu finden scheint. Gleich an Rang stehen der Obervorreiter "sigi", der Oberkoch "serónia" und der Oberschreiber, der wie immer den arabischen Namen "liman" hat.
Da der König von Nupe fast immer im Felde ist, so hat er einen Stellvertreter in der Hauptstadt creiren müssen; oft ist dies sein vorbestimmter Nachfolger, sein Titel lautet "zitzu". Der Rath um den König besteht aus den Grossen, "seráki" (pl. von serki) genannt, und das Heer wird von einem Obergeneral angeführt, der "maiaki" genannt wird. Die beiden Waffengattungen, Reiter und Fussvolk, heissen "bendoáki" und "serki-n-kárma". Ganz in der Nähe des englischen Einflusses könnte der Nupe-Staat einer grossen Zukunft entgegen gehen, und gerade hier, von der englischen Colonie Lokódža aus, sollten Missionäre dem jetzt eindringenden Islam Halt zurufen. Für diese Gegenden würden katholische Geistliche den protestantischen vorzuziehen sein.
Die Art der Begrüssungen bei verschiedenen Neger-Stämmen.
Vom Grüssen eines Volkes auf seinen Charakter oder seine Handlungsweise im Allgemeinen schliessen zu wollen, würde wohl zu weit gehen, denn wenn man auch behauptet hat, dass z. B. die Deutsche die vorwärts schreitende Nation ("wie geht es?"), die Französische die Moden machende ("comment vous portez-vous?"), die Englische die handelnde und schaffende ("how do you do?"), die Italienische die still stehende ("come sta ella?") sei, so hat das doch keinen wahren Grund. Indess bieten der mündliche Gruss und die damit gebräuchlich verbundenen Ceremonien und Körperbewegungen so manches Interessante, dass es mir wichtig genug schien, auf meiner dritten Reise durch den Afrikanischen Continent meine Aufmerksamkeit auch hierauf zu lenken, und nachstehende Notizen geben Aufschluss über die verschiedenartigen Grüsse und die Gebräuche, welche damit verbunden sind, so weit es die Stämme der schwarzen Raçe anlangt, die ich selbst zu besuchen Gelegenheit hatte.
Es ist nicht abzustreiten, dass auf die nördlichen Neger-Stämme der Islam, namentlich was die Begrüssungsart anbetrifft, einen bedeutenden Einfluss ausgeübt hat, denn das essalámu aléikum und aléikum essalam ist eine religiöse Vorschrift, und so finden wir diesen mohammedanischen Gruss vom Atlantischen Ocean bis an den Indischen durch zwei Continente hin verbreitet.
Aber auch nur diese Formel ist von den nördlichen Neger-Stämmen angenommen, im Uebrigen stehen sie im Allgemeinen selbstständig und unabhängig vom Arabischen Einfluss da.
Der am meisten nach Norden vorgeschobene Neger-Stamm ist die Tebu-Familie, welche sich selbst Teda nennen und eng mit den Kanúri und Búdduma verwandt sind. Die Wohnsitze der Teda sind in der Wüste nördlich vom Tsad-See, dann im fruchtbaren Central-Afrika, westlich und östlich vom genannten Wasserbecken.
Als kriegerisches Volk sind sie immer auf einen Angriff gerüstet, vielleicht kann auch Vorsicht dabei zu Grunde liegen, dass zwei sich begegnende Tebu auf zehn Schritt und mehr Entfernung von einander Halt machen, sich in die Hucke setzen, den langen Spiess aufrecht in der Hand haltend: _Lahin kénnaho_ ruft der Erste, worauf der Andere _getta inna dǚnnia_ hinüber antwortet. Nun ergiessen sich beide in unzählige _Lahá, Lahá, Lahá_, welche, je höflicher man sein will, man um so mehr repetirt. Nachdem sie sich so einer Untersuchung unterworfen und nichts Verdächtiges gefunden haben, nähern sie sich; man giebt sich mit den Fingern einen leichten Druck, ohne jedoch die Hand wie bei den Arabern und Berbern hernach zum Munde zu führen, und der zuerst Angeredete wiederholt dann _getta inna dǚnnia_, worauf der Andere _Lahin kénnaho_ antwortet.
Sind die Leute mit einander bekannt, so fragt man sich nun gegenseitig nach Familie, Frau, Kind, Vieh, Marktpreisen, seinen gemeinsamen Freunden und Bekannten, welche einzelne Fragen immer durch viele killahá, _killahénni, killa Allaha_ unterbrochen sind; man fragt, ob Feinde am Wege lauern, ob der Weg oder ein anderer vorzuziehen sei, ob die Brunnen nicht verschüttet seien etc., immer eben angeführte Worte untermischend.
Die Weiber grüssen sich ganz auf ähnliche Weise, was die Worte anbelangt, nur unterlassen sie natürlich die Vorsichtsmassregel, sich auf weite Entfernung von einander niederzusetzen. Eine Frau redet indess nie den Mann zuerst an, sondern erwartet den Gruss, wobei sie dann niederkniet, während die Männer blos hocken; Frauen unter sich pflegen indess auch nur zu hocken, in Gegenwart von Männern jedoch nehmen sie immer eine knieende Stellung ein.
Tritt man in ein Haus, so ist der gewöhnliche Gruss _labáraka_ (aus dem Arabischen) und die Antwort _lábara Lahá_ (aus dem Arabischen). Kinder, Verwandte und Freunde, letztere jedoch sehr ausnahmsweise, küssen sich zärtlich, jedoch küssen Kinder einem heimkehrenden Vater, oder kommen sie selbst von einer Reise zurück, nur die Hand.
Beim Abschiednehmen sagt man _temésches_ (aus dem Arabischen), während der Bleibende _killaháde_ nachruft. Jederzeit kann man dann noch _killahá, killahénni, killa Allaha_ sagen.
Der Gruss der Tebu gegen einen König oder Maina (Prinz) ist ganz auf gleiche Weise.
Bedeutend ceremoniöser in ihren Grüssen sind die Kanúri-, die Mándara- und Búdduma-Völker, obgleich sie unter sich, sowohl was Worte als Handlung anbetrifft, wenig oder gar nicht von einander abweichen. Da die Höfe und Grossen dieser Stämme mit Ausnahme der Búdduma Mohammedaner sind, so wird auch eben nur von den Höflingen das _essalámu aléikum_ gebraucht, während das Volk sich bei seinen nationalen Grüssen hält.
Als Eingangsgruss bedienen sich diese Stämme gewöhnlich der Worte _Lalē, Lalē, Lalē_ und erkundigen sich dann nach dem Zustand der Dinge im Allgemeinen mittelst der Worte _afi l'abar_ (l'abar kommt aus dem Arabischen, von _el-achbar_, die Neuigkeit, während afi echt Kanúri ist). Dies wiederholen sie mehrere Mal, indem sie sich oft die Hand dabei reichen, oft auch nicht. Gleich darauf--und dies ist sehr bezeichnend für die empfindlichen Neger--erkundigen sie sich nach dem Zustande der Haut: _ṅda tégē_, wie ist die Haut?, und schalten hin und wieder, namentlich wenn sie Mohammedaner sind, ein _Hamd alláhi_ ein. Sehr gebräuchlich ist auch der bei allen Sudan-Negern eingebürgerte Gruss _l'áfia_, der jedoch auch aus dem Arabischen entnommen ist und so viel wie Friede bedeutet.
Das eben Angeführte gilt beim Grüssen zwischen Gleichen, sobald indess ein Niederer einen Höheren antrifft oder besucht, gestalten sich die Verhältnisse ganz anders; der Niedere wirft sich vor dem Höheren auf die Erde, berührt mit der Stirn den Sand und untermischt die gewöhnlichen _Lalē, Lalē_ mit häufigen _Alla-ká-bondjo_, Gott sei dir gnädig, oder _ṅgúbbero degá_, (Gott) lasse Dich lange Zeit (leben). Dies Letzte entspricht also wörtlich dem Arabischen Allah ithol amreck. Will man sehr höflich und unterthänig sein--und namentlich geschieht das vor dem Sultan--, so streut man sich etwas Staub auf sein Haupt oder macht wenigstens die Miene, als ob man es thäte. Es gehört überdies zum guten Brauch, einer höheren Person nicht ins Gesicht zu sehen, sondern beim Reden den Kopf seitwärts zu drehen. In Mándara, wo am Hofe die alten Sitten noch reiner bewahrt sind, bemerkte ich sogar, dass sämmtliche Höflinge und Anwesende dem König den Rücken zudrehten, selbst wenn sie mit Seiner schwarzen Majestät sich unterhielten, als ob sie die Macht und Herrlichkeit des Königlichen Antlitzes nicht ertragen könnten; auch selbst am schon civilisirteren Hofe von Bornu pflegen die alten kognáua (Plural von kógna, welches Wort Barth so treffend durch unser Deutsches "Hofrath" übersetzte) noch eine gleiche Sitte zu beobachten.
Die Frauen, welche in Bornu, ob mislemata oder Heiden, alle unverschleiert gehen, überhaupt eine den Männern vollkommen gleich berechtigte Stellung sich zu bewahren gewusst haben, grüssen sich unter einander auf ganz gleiche Weise; falls sie mit Männern zusammenkommen, erwarten sie indess, wie das ja auch bei uns der Fall ist, dass man sie zuerst grüsst.
Andere Redensarten der Kanúri, welche sie jedoch mit anderen um sie herum wohnenden Neger-Stämmen gemein haben, sind: _ṅdáni, adak ke l'áfia--adak ke l'áfia, ke l'áfia lē_. Letztere Redensart ist sehr gebräuchlich und bedeutet ungefähr unser "wie geht es?" Endlich haben sie für "Willkommen" die aus dem Haussa herüber bekommene Redensart _usse-usse_; dieser letzte Ausdruck kann auch für "danke" benutzt werden, obgleich die Kanúri für "ich danke" das echte, aber fast nie angewandte Wort _gode-ṅgin_ haben.
Geht man von Bornu westwärts, so stösst man zunächst auf die grosse Nation der Haussa, augenblicklich von den Fulan oder Fellata beherrscht. Ehedem auch unter grossen nationalen und despotischen Dynastien stehend, sind ihre Begrüssungen auch natürlich sehr ceremoniös. Eine Frau begrüsst z.B. einen Mann nur knieend und unterwegs kniet sie so lange nieder, bis der Mann vorüber ist; tragen sie dabei eine Bürde auf dem Kopfe, so setzen sie dieselbe ab. Der männliche Theil der Bevölkerung macht weniger Umstände, namentlich wenn es sich um Gleiche dreht; eine einfache Berührung der Finger, die man hernach zum Munde führt, mit dem auch in Bornu eingeführten Ausruf _Ssünno, ssünno_ oder _l'áfia_ reicht gewöhnlich hin. Als Zeichen der Freude, namentlich bei einem frohen Zusammentreffen, haben die Haussaer _etjau-etjau_.
Sind sich zwei Individuen näher bekannt, so erkundigen sie sich specieller nach dem gegenseitigen Befinden: "_Akekéke_", "wie bist Du?", "_kol l'áfia_", "mit dem Frieden", d.h. sehr gut, oder "_kenna l'áfia_", "wie geht's?", was der Andere mit "_ranka schidéde tol amrek_" ("ich danke, Gott verlängere deine Existenz", wovon die letzte Hälfte Arabisch ist) erwiedert. "_Allah schibáka ioreih_" ist der den Segen Gottes auf das Haupt eines Freundes erflehende Schlussgruss.
Vor einer höheren Person oder einem Könige werfen sich die Haussaer wie die Kanúri in den Staub und streuen sich etwas Sand auf das Haupt oder machen doch die Bewegung nach. Allgemein ist auch die Sitte, dass ein Niederer, falls er vor einem höher Gestellten sich zeigt, die Tobe von den Schultern zurückzieht, und fast alle Negerstämme einschliesslich die Kanúri haben in ihrer Sprache einen besonderen Ausdruck für dies Zurückschlagen.
Ganz anders in ihrem Auftreten sind die Fulan oder Fellata, die sich selbst Pullo nennen und in Sókoto und Gando zwei der mächtigsten und grössten Reiche in Centralafrika gegründet haben. Dies räthselhafte Volk, nach dessen Ursitzen man bis jetzt vergeblich gesucht hat und von dem man nicht weiss, ob man es zu den Negern, zu der Malayischen oder der weissen Raçe rechnen soll, und das hauptsächlich zwei Hauptstämme bildet, die sogenannten Bornu-Fulan und die Melē-Fulan, ist zum Theil, und namentlich die Melē-Fulan, schon vor Zeiten zum Islam übergetreten, während auch noch Viele und namentlich die, welche dem Nomadenleben treu geblieben, Heiden sind. Sie haben durch ihre lange Praxis der mohammedanischen Religion Vieles aus dem Arabischen entlehnt.
"_Allah rhina, Allah rhina_" rufen sie sich beim Begegnen zu und es entspricht dies unserem "grüss' Dich Gott", das l'áfia haben sie ebenfalls wohl aus dem Arabischen bekommen und ihr _mad' Allah, mad' Allah_, welches bei ihnen einen besonderen Grad von Zufriedenheit bedeutet und für "danke" gebraucht wird, lässt sich auf das Arabische zurückführen. Immer freies, nie geknechtetes Volk haben die Fellata gar keine besonderen Ceremonien beim Grusse und in Garo-n-Bautschi (Jakoba) hatte ich Gelegenheit zu sehen, wie bei den öffentlichen Audienzen, die der Sultan oder, wie die Pullo ihn tituliren, Lámedo gab, Jeder ohne Umstände sich nähern konnte.
Um "guten Morgen" auszudrücken, bedienen sich die Fulan des Wortes _ualidjim_, um "guten Abend" zu sagen, des Wortes _infinidjim_; ausserdem schalten sie überall _uódi, dumbódi_ ein, Worte, die sich nicht genau übersetzen lassen, aber einen besonderen Grad von Zufriedenheit und Freude ausdrücken sollen.
Fast ganz fremd vom Einflusse des Arabischen sind die Grüsse der am Bénuē ansässigen Stämme der Afo- und Bassa-Neger. Obschon sie von den Haussaern das _Ssünno-ssünno_ und _l'áfia-l'áfia_ herübergenommen haben, wenden sie es jedoch selten unter sich an, alle Fremde dagegen bewillkommen sie mit dem Arabischen Grusse _mábah-mábah_ (zusammengezogen aus marabah), der ihnen jedoch auch nur durch Vermittelung von Haussa zugekommen ist. Vollkommene und echte Fetischanbeter haben sie aber sonst von den religiösen Grüssen der Araber gar keine und beim Begegnen unter sich haben sie den eigenthümlichen Gebrauch, dass sie sich den Vorderarm an einander legen, der Art, dass einer dem anderen den Ellenbogen umfasst, dabei äussern sie dann ihre nationalen Grüsse _kundo-kundo kundore, kundokora_, die sie je nach den Umständen längere oder kürzere Zeit wiederholen. Da sie nur kleine, von einander unabhängige Staaten bilden, so ist bei ihnen von Hoch und Niedrig keine Rede.
Die, welche hauptsächlich den Schiffsverkehr auf dem unteren Bénuē besorgen, rufen sich im Vorbeifahren die einfachsten Vokale zu, und wenn sie ihr Kanoe nicht anhalten, um mit dem Führer des entgegenkommenden Baumstammes einige Züge aus der langen Pfeife, die Alle immer bei sich haben, zu rauchen, so lassen sie es von Weitem bei Eïa, o, a, o, o, a, eïa, o, a, o etc. bewenden. Sie rufen sich dies so lange zu, wie sie ihre Stimme hören können.
Die am Niger ansässigen Nyfe-Völker, welche Theil eines mächtigen Königreiches sind, haben viel ausgebildetere Formen und Worte, um den Gruss auszudrücken, als die eben genannten Bassa- und Afo-Neger.
Beim Begegnen machen sie eine knixende Verbeugung, ja untergeordnete Leute bleiben so lange in knixender Stellung, bis der ganze Gruss vorüber ist. Dabei nehmen sie den Hut nach Art der Europäer ab, sowohl wenn sie sich als Gleiche grüssen als wenn ein Untergebener sich vor einem Höheren befindet. "Guten Tag" drücken sie durch _beléni_ aus, worauf der Angeredete mit _madjiobú_, ich danke, oder _aku-beni_, wie geht es? antwortet. Beim Weggang sagt man _meeda_, ich gehe, und erhält dann ein _ssassamidji_, grüsse zu Hause, mit auf den Weg. Abends bietet man _aku-be-gédi_, guten Abend, und bekommt _odjilo-suáni_ zurück. Beim Aufstehen fragt man _uanáni_, hast du gut geschlafen?, oder _aku-bolósun_, hast du die Nacht gut zugebracht?
Vor ihrem Fürsten--in diesem Augenblick ist es König Massaban--sind die Nyfenser sehr demüthig. Ich bemerkte, dass, so oft der König einem der Anwesenden etwas Schmeichelhaftes sagte oder ihm einige Kola-Nüsse, welche überall in Central-Afrika bei den Negern unseren Kaffee vertreten, gab, der so beglückte Neger an die Thüre eilte, sich prosternirte, indem er dem König den Rücken zuwandte, und Sand auf sein Haupt warf, ohne weiter Etwas dabei zu reden.
Leider gingen mir beim Uebersetzen von Ikoródu nach Lagos, wo einer der fürchterlichsten Tornados noch am Schlusse der Reise uns fast alle durch Schiffbruch dahin gerafft hätte, meine Papiere, welche die interessanten Aufzeichnungen über die Grussformen der Yóruba-Neger enthielten, verloren. Durch die zahlreichen Missionen, dann durch die vielen Bücher, welche über die Yóruba - Sprache durch den gelehrten Bischof Crowther (ein ehemaliger Sklave und jetzt ein tüchtiger Verbreiter des Christenthums und der Civilisation unter den Negern) herausgekommen sind, lassen sich indess Details leicht bekommen.
Die Yóruba sind das höflichste und demüthigste Volk der Welt. Niemand begegnete uns in den dichten Urwäldern, der nicht sein _aku-aku_ oder _aku-abo_ gerufen hätte; unter sich beknixten sich die Männer und blieben oft in knixender Stellung, bis sie sich ausgegrüsst hatten. Vor ihren Häuptlingen und Königen werfen sie sich platt auf den Bauch und legen oft noch die rechte und dann die linke Wange in den Staub. Erst auf einen Wink oder ein Wort vom König erheben sie sich, um in hockender Stellung zu reden.
Bei den Idjebu (s. Grundemann's Missions-Atlas), die eigentlich nur ein Zweig der Yóruba sind, ist ebenfalls das sich auf den Bauch Werfen gebräuchlich, nur wird es noch, sobald das Individuum sich auf die Erde geworfen hat, mit einem eigenen Schnalzen der Finger der rechten Hand begleitet, indem sie den rechten Arm dabei rechts seitwärts vor sich her schleudern. Es machte einen ganz komischen Eindruck, wenn König Tapper in Lagos, der jetzt von den Engländern pensionirt ist, in die O'Swald'sche Faktorei kam, um mit uns zu frühstücken, wie sämmtliche Sklaven, sobald sie denselben erblickten, aus alter Ehrfurcht wie auf Kommando sich auf die Erde warfen und mit den Fingern der Rechten ein Schnippchen schlugen bei fortwährendem Rufen von _aku-aku_.
Nachstehende Negergrüsse verdanke ich den freundlichen Mittheilungen der Herren Wiedmann und Locher, die, an der Westküste von Afrika als Missionäre der Basler Gesellschaft stationirt, ihrer Gesundheit halber nach Europa herübergekommen sind.
Die Akkra-Neger (an der Goldküste) begrüssen sich des Morgens mit _Awuo_, ausgeschlafen?, worauf der Angeredete erwidert _miwuo djogba_, ich habe gut geschlafen. Beim Begegnen rufen sie _henni odje_, wo kommst Du her?, und der Angeredete sagt _Ble-o_, Friede, oder auch _eiko_, Glück auf, und _yae_, ich danke. Letzteres sagt man besonders, wenn man Leuten begegnet, die eine Last tragen oder beim Arbeiten sind. Die Akkra-Völker nehmen den Hut ab und machen eine Verbeugung; sind sie mit einer Tobe bekleidet, so muss dieselbe zurückgeschlagen werden, namentlich vor Höheren streift man sie von den Schultern.