Land und Volk in Afrika, Berichte aus den Jahren 1865-1870
Chapter 15
Ganz anders verhält es sich, falls man die Dämme durchstechen wollte, welche jetzt das Mittelländische Meer von dieser grossen Niederung trennen, und am leichtesten könnte dies von der grossen Syrte aus geschehen. Man denke sich Cyrenaica als Insel oder nur durch einen schmalen Isthmus mit Aegypten zusammenhängend, im Süden ein Meer welches die grössten Schiffe bis Fesan, vielleicht bis Uadjanga würde bringen können. Welche Umwälzung! Damit würde Innerafrika erschlossen sein, Innerafrika, welches an Naturproducten weder hinter Indien noch den fruchtbarsten Provinzen von Amerika zurücksteht. Natürlich müsste vor der Hand erst festgestellt werden, wie weit die Depression nach Süden geht, die Syrtenwüste und die libysche Wüste müssten einer genauen Untersuchung und Messung unterzogen werden. Denn nur, wenn man einen grossen See bis an das Harudjgebirge, bis Kufra oder Uadjanga bilden könnte, würde ein Durchstich lohnend sein. Vergeblich aber ist es, blos um einen schmalen Arm zu füllen, einen Durchstich zu beginnen, kaum würden die Wasser Kraft genug haben, durch die Ausdünstung an beiden Seiten der Wüstenufer eine spärliche, unnütze Vegetation hervorzurufen und für Handel und Schifffahrt gar kein Gewinn dabei herauskommen. Aber auch ohne menschliches Zuthun wird mit der Zeit diese Gegend wieder unter Wasser sein, die grossen Wellenbewegungen der harten Erdkruste sind nirgends deutlicher zu beobachten, als an diesem Theile des Mittelländischen Meeres, seit 30 Jahren hat sich von Tripolis bis nach Bengasi das Ufer fast um einen Fuss gesenkt, die alten Quais von Oea (Tripolis) Leptis magna und Berenice (Bengesi) sind längst unter Wasser, und während vor 25 Jahren ein für Jedermann passirbarer Weg ausserhalb der Mauern von Tripolis längs des Meeres ging, ist heute selbst bei niedrigstem Wasserstande dort keine Passage mehr.
FUSSNOTEN:
[1] Mit Ausnahme der Spanier, welche in der Provinz Oran angesiedelt sind und die, weil im beständigen Rapport mit ihrem Vaterlande, Sprache, Sitten und Tracht Spaniens treu beibehalten haben.
[2] Ich dachte wahrscheinlich, dass ich dummes Zeug niederschrieb, denn zu lesen war mir unmöglich.
[3] Man hat dabei verschiedene Ausdrücke; ein Back ist ein geflochtener Korb oder Sack, der 10,000 Muscheln enthält, ein Head sind 2000 Muscheln. Die Muscheln werden von den Europäern Cowries, von den Haussa-Negern Kurdi, von den Kanúri-Negern Kúngena, von den Arabern El-Oda genannt. Während die meisten Neger sie einfach zählen, theilen sie die Kanúri-Neger in sogenannte Pfunde zu je 32 Muscheln, indem ein Mar.-Ther.-Thlr. dann durchschnittlich zu 150 Pfund gerechnet wird.
[4] Dies ist eine blos wörtliche Uebersetzung, die Kanúri oder Bewohner Bornus haben indess auch eigene Namen für die drei Stadttheile: Weststadt = _Kuka-gárfote_, Mittelstadt = _Kuka-ṅgimsegeni_, Oststadt = _Kuka-gérgedi_.
[5] Die meisten grösseren Geschenke, welche der Sultan Omar von Bornu besitzt, sind von der Königin Victoria: ein Wagen, sehr schöne Waffen, Uhren, Zelte, Teppiche, und dergleichen mehr. Als _Gegengeschenk_ sandte Sultan Omar einst einen _Elephantenschwanz_ und einen _Giraffenschwanz_ als _höchstes Freundschaftszeichen_, welches der Bornukönig giebt. Unser "König von Norddeutschland" ward nicht so glücklich bedacht; er musste sich mit einem silbernen Pferdegeschirr und einigen Thierfellen, darunter ein gesprenkeltes Löwenfell, begnügen, weil gerade keine Elephanten und Giraffen in der Nähe der Hauptstadt waren.
[6] Barth giebt in seinem Vocabularium dies Wort unter den zwölf grossen Hofämtern von Bornu, er specificirt aber dieselben nicht und aus ihm können wir nicht erfahren, was yéri-ma ist; mir wurde es als der Titel des Thronfolgers genannt von einem Manne, der selbst Höfling war und gut arabisch sprach.
[7] Obschon weder im Crowther noch in meinem eigenen Vocabularium diese Wörter zu finden sind, halte ich sie doch für richtig, da sie mir von einem ganz zuverlässigen Manne, dem ehemaligen Diener Barth's, der jetzt in Lokódza ist, übersetzt wurden.
[8] Der Name ist serki und die Genitivform ist aus dem Haussa in diese Sprache übergegangen.
[9] Als ich die englische Expedition nach Abessinien begleitete und mit der vordersten Recognoscirungs-Abtheilung nach Magdala gekommen war, trennte ich mich dort eine Zeit lang von der Armee, um auf dem Rückweg ein noch unbekanntes Stück des Landes zu durchziehen, indem ich mich nördlich über Lalibala nach Sokota wandte, und von letzterem Orte der von Beke 1843 begangenen Route über Samre nach Antalo zu folgen, wo ich mich wieder dem englischen Expeditionscorps anschloss.
[10] Sir Robert Napier hatte also Unrecht, als er dem Fürsten Kassai von Tigre bis Hausen entgegen ging, und durch diesen Beweis vom Mangel an Kenntniss der Sitten dieser Völker kühn gemacht, konnte Kassai dann die Unverschämtheit haben, den Besuch Napier's in Hausen in seinem Zelte zuerst zu erwarten, was jedoch nicht Statt fand; dem Rechte nach aber hätte Kassai auf die englische Militärstrasse selbst kommen und Sir Robert Napier aufsuchen müssen, denn dieser war als Repräsentant der Königin von England vollkommen gleich mit ihr oder dem Negus Negassi, also höher stehend als Kassai von Tigre.
[11] alga ist Amharisch, arat Tigrisch.
[12] Das Z. ist immer wie das deutsche S auszusprechen.
[13] Bei Meilen sind immer englische gemeint.
[14] In Dapper's "Beschreibung von Afrika" wird angeführt, dass Alvares selbst Tigre und Ausen, d.h. unser Hausen, als gleichbedeutend nehme.
[15] Dapper nennt sie Makeda oder Makaada und den Sohn Melilech.
[16] Ihr Vater Baazene regierte 27 Jahre, während welcher Zeit Christus geboren sein soll, danach müsste das Christenthum also sehr früh in Abessinien eingeführt sein.
[17] Wir finden freilich in Salt's Reisen Stellen aus Chroniken, welche andeuten, dass die heidnischen Bauten absichtlich zerstört sind, er führt an:
"Im Jahre 1070 Frau Gadit aus Amhara kam und zerstörte die Denkmäler."
ferner:
"Der Abuna David schaffte fort und brach hier Stücke, er glaubte bei sich, dass es dem Herrn gefalle, dass er so handeln solle."
[18] Die von Henglin gegebene ist noch so wie er sie abgebildet in seiner "Reise nach Abessinien etc."
[19] Nach v. Heuglin Trachyt.
[20] v. Henglin hat indess in der Nähe von Axum die Bruchstellen gesehen, wir hielten uns nur ein paar Stunden dort auf.
[21] Man hört in Aegypten auch das Wort Menara [Arabic: menara] doch selten.
[22] Jetzt werden vom Vicekönig Ismael wieder Befestigungen angelegt.
[23] Die Aegypter sagen indes Gemma, da sie das [Arabic: G] wie ein G aussprechen.
[24] Ein anderer Tempel ganz in der Nähe und von selber Construction heisst Mnaidra.
[25] Siehe darüber G. Parthey's Orakel und die Oase des Ammon.
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Druck v. Hirschfeld, Leipzig.