Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte
Part 21
Zur Palmweingewinnung von etwas geringerer Güte dient auch eine andere Fächerpalme, die überall im feuchtwarmen Gebiete des tropischen Afrika als +Delebpalme+ und in Südasien und der asiatischen Inselwelt in einer wenig verschiedenen Abart als +Palmyrapalme+ (~Borassus flabellifer~) gedeiht. Die stattliche, durchschnittlich 20 m Höhe erreichende Palme ist in ihrer afrikanischen Abart dadurch ausgezeichnet, daß der Stamm in seinem oberen Teile bauchig angeschwollen ist, was bei der südasiatischen Form durchaus fehlt, indem der Stamm der letzteren durchwegs zylindrisch ist und sich nach oben hin etwas verjüngt. Sie ist wie die meisten Palmen von der größten Nützlichkeit für die Eingeborenen, die alles an ihr benutzen. Neben der Kokospalme ist sie, die von den Malaien ~lontar~ genannt wird und durch die ganze indonesische Inselwelt bis Neuguinea vorkommt, die Hauptnutzpalme besonders Ostindiens, und ein uraltes indisches Lobgedicht auf sie zählt nicht weniger als 801 Nutzanwendungen von ihr auf. Sie ist für Ostindien deshalb so bedeutsam, weil sie dem Menschen gerade dann einen bedeutenden Teil seiner Nahrung liefert, wenn Reis und andere Lebensmittel hoch im Preise stehen, die Produkte der Palmyrapalme aber billig sind, da sie umsonst aus den Wäldern gewonnen werden können. Sie wird auch eigens zur Nahrung kultiviert und die jungen Keime werden als wohlschmeckendes Gemüse (Palmkohl) gern gegessen. Aus dem Marke gewinnt man Sago. Die kokosnußähnlichen Früchte von der Größe eines Kinderkopfes dienen Menschen und Vieh zur Nahrung. Sie werden roh und geröstet gegessen und sind für Millionen Inder eine Hauptnahrung.
Durch das Abschneiden der noch von den Scheiden umgebenen jungen Kolben der männlichen Bäume wird der Toddy genannte Palmwein gewonnen. Man beginnt von der Spitze her von diesen Kolben dünne Scheiben abzuschneiden; dabei tritt ungefähr acht Tage nach dem ersten Schnitt das Ausfließen des Saftes ein, welches so lange anhält, bis der ganze Kolben weggeschnitten ist, was vier bis sechs Monate dauert. Man kann daraus entnehmen, welche große Mengen süßen Palmsaftes auf diese Weise gewonnen werden. Durch Einkochen desselben und Behandeln mit Kalk wird brauner Palmzucker, von den Eingeborenen ~tschakara~ genannt, hergestellt.
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In den jungen, noch nicht reifen Früchten ist das Nährgewebe der Samen gallertartig weich und wohlschmeckend. Das harte, hornartige Nährgewebe der reifen Frucht ist ebenfalls eßbar, wenn es durch Fermentwirkung bei der Keimung weich geworden ist. Zu diesem Zwecke läßt man die Samen ankeimen, indem man sie in lockere Erde gräbt. Meist jedoch wird der keimende Samen seiner Entwicklung zum Keimpflänzchen überlassen; wenn dieses dann die Größe einer kräftigen Mohrrübe erreicht hat, liefert es in verschiedener Zubereitung eine schmackhafte Speise. Namentlich die inneren, zarteren Teile des Keimpflänzchens, das sogenannte Herz, werden wegen ihrer zarten Beschaffenheit zum Essen bevorzugt. Die jungen, weißlichen Blätter dienen als Schreibmaterial, während die älteren grünen Blätter in ähnlicher Weise wie diejenigen der Fächerpalmen zu Matten, Körben, Säcken, Hüten, Fächern und zur Bedeckung der Hütten benutzt werden. Das durch seine Härte und Dauerhaftigkeit, besonders seine Widerstandskraft gegen die sonst kaum eine pflanzliche Substanz verschonenden Termiten ausgezeichnete Holz älterer Bäume dient zum Hausbau und wird als Tischlerholz zu allen nur erdenkbaren Gegenständen verarbeitet. Aus den dunkelfarbigen Rindenschichten älterer Bäume werden in Europa Spazierstöcke und mancherlei Drechslerwaren verfertigt. Das Holz jüngerer Bäume dagegen, das nur in den äußeren Teilen des Stammes sehr hart ist, wird, nachdem man den weichen inneren Teil entfernt hat, zu Wasserröhren, Dachrinnen usw. benutzt. Die Blattscheiden endlich liefern einen sehr wertvollen Faserstoff, der als Borassus- oder Palmyrapiassave in den Handel kommt.
Auch bei der in den Wäldern Ostafrikas, Ostindiens und Indonesiens bis zu den Molukken heimischen +echten Zuckerpalme+ (~Arenga saccharifera~), in Malabar Gomutipalme genannt, die 16-19 m hoch wird und 6,5-8 m lange Blätter treibt, besteht der Hauptnutzen im süßen, durch Abschneiden der jungen Blütenkolben, selten durch Einschnitte in den Stamm in Menge gewonnenen Saft, den man zur Herstellung eines stark berauschenden Palmweins, noch häufiger aber durch Einkochen zur Gewinnung eines dunkeln Palmzuckers benutzt. Aus dem Mark bereitet man eine Art Sago. Zwischen dem Ursprung der Blattstiele stehen roßhaardicke schwarze Fasern, die als Gomutifasern oder Ejuh in den Handel gelangen und zur Herstellung von Schnüren, Segeln, Ankertauen und Besen verwendet werden. Ihre mit Zucker eingemachten unreifen Früchte gelten in Cochinchina als Leckerbissen, aber das saftige Fleisch der reifen Steinfrüchte ist so brennend, daß die Lippen davon anschwellen. Auch das rote Fruchtfleisch der kastaniengroßen Früchte der vorhin erwähnten, bis 16 m hohen ostindischen +Kitulpalme+ (~Caryota urens~), mit bis 6,5 m langen doppeltgefiederten Blättern, kann wegen des heftigen Brennens, das sie im Munde verursachen, in reifem Zustande nicht genossen werden.
Außerordentlich beliebt bei den Malaien und in wenigen Dörfern Javas, Sumatras und Borneos fehlend, ist die +Salakpalme+ (~Zalacca edulis~), eine stammlose, buschige Palme mit großen, stacheligen Fiederblättern. Die Blätter dienen zum Dachdecken, und die mit einem braunroten Schuppenpanzer umgebenen eiförmigen Früchte bergen drei von einer weichen, weißen Fruchtmasse eingehüllte Samen. Deren angenehm säuerliches, etwas zusammenhängendes Fruchtfleisch wird roh, mit Zucker oder gekocht gegessen. Oft bezahlen die Malaien dafür sehr hohe Preise.
Eine niedrige Schirmpalme, welche vielfach als Topfpflanze bei uns kultiviert wird, ist die in China heimische und früh nach der Insel Bourbon verpflanzte ~Livistona chinensis~, deren Früchte, die +Latanenäpfel+, unter der dünnen sich leicht ablösenden Schale ein schmackhaftes Fleisch enthalten.
Eine der Hauptnahrungspflanzen der süd- und mittelamerikanischen Indianer ist die bei einer Stammdicke von 13-21 cm 25-29 m hoch werdende +Pupunhapalme+ (~Guilelmia speciosa~) mit 2-2,3 m langen Blättern. Deren Früchte bilden gekocht und geröstet eine sehr wichtige Speise der Eingeborenen, weshalb sie den Baum um ihre Hütten anpflanzen. Aus den Samen wird auch Palmöl gewonnen. Dieser Fruchtbaum der tropischen Waldgebiete Amerikas steht schon so lange in der Kultur des Menschen, daß er nur noch durch Schößlinge fortgepflanzt werden kann.
Gleicherweise liefern die Früchte der auf dem Gebiet von Britisch-Honduras große Wälder bildenden +Cohunepalme+ (~Attalea cohune~) das dem Kokosnußöl bei weitem vorgezogene Cohuneöl, das bei 24° C. gerinnt. Diese schöne Palme bringt nur +eine+ Ernte im Jahre hervor, gewöhnlich aus 700-800 Früchten bestehend. Wenn die Früchte von den Bäumen gefallen sind, werden sie gesammelt und in sehr roher Weise zur Ölgewinnung benutzt. Ihre sehr harten Schalen werden mit einem Stein aufgeschlagen und die Kerne in einen hölzernen Mörser geworfen, in dem sie zerstoßen werden. Die dabei entstehende Masse wird in Kesseln gekocht und das an die Oberfläche kommende Öl abgeschöpft. In unreifem Zustande enthalten die Früchte eine kühle, angenehm schmeckende Flüssigkeit, die sehr abführend wirkt. Hat sich diese Flüssigkeit zu einem weichem Kern verdichtet, so wird derselbe zerstoßen, mit wenig warmem Wasser übergossen und durch ein Tuch geseiht. Die erhaltene milchige Flüssigkeit dient zur Vermischung mit Kaffee und zur Herstellung einiger Gerichte. Aus dem süßen Safte der Palme wird ein weinartiges Getränk bereitet. Die bis 9 m langen Blätter mit 1 m langen Fiedern dienen zur Bedachung der Hütten.
Auch aus den eßbaren Früchten der brasilischen ~Alfonsia oleifera~ und noch mehr aus denjenigen der westindischen +Macahubapalme+ (~Acrocomia sclerocarpa~) wird ein sehr wohlriechendes Öl gewonnen, das vielfach zur Fabrikation von feinen Toilettenseifen Verwendung findet. Letztere Palme ist 6-12 m hoch; ihr Stamm verdickt sich am Grunde etwas und wird von 3-5 m langen, lebhaft grünen Blättern gekrönt, die mit braunen Stacheln bewehrt sind. Die kugeligen, olivengrünen Früchte von der Größe einer Aprikose enthalten einen sehr harten Kern, der eine schöne Politur annimmt und deshalb vielfach von den Negern zu Schmucksachen verarbeitet wird. Um das Öl zu erhalten, werden die Samen leicht geröstet und in einer Mühle zu Brei zerrieben. Derselbe wird schwach erwärmt, zu einem Viertel seines Gewichts mit kochendem Wasser vermischt und in einen Sack gebracht, der zwischen zwei erwärmten Eisenplatten gepreßt wird. Das erhaltene Öl reinigt man, indem man es kocht und filtriert. Nach dieser Behandlung hat es die Beschaffenheit von Butter, ist goldgelb gefärbt, riecht veilchenähnlich und besitzt einen süßlichen Geschmack. Es dient meist als Speisefett und kommt auch nach Europa. In verschlossenen Gefäßen läßt es sich lange aufbewahren. Der Luft ausgesetzt, verliert es bald seine schöne gelbe Farbe und sein angenehmes Aroma.
In sumpfigen Niederungen des Amazonenstroms und sonst in Brasilien wächst die bis 30 m hohe +Assaipalme+ (~Euterpe oleracea~), die schlehenartige Früchte zeitigt. Diese werden, wenn reif, in irdene Töpfe gelegt und mit warmem Wasser übergossen, das bald eine purpurne Färbung annimmt. Nach einer Stunde wird der größte Teil des Wassers abgegossen, etwas kaltes Wasser hinzugefügt und das inzwischen weich gewordene Fruchtfleisch mit den Händen zerdrückt. Sind die grünlichen Steine entfernt, so wird die rahmartige Flüssigkeit durch ein Sieb getrieben und ist zum Genusse fertig. Als ~assai~ wird es überall in den Ortschaften von Straßenverkäufern feilgeboten. Außerdem werden die Blattknospen aus dem Innern der Blattscheiden gekocht als Gemüse oder roh als Salat (Palmkohl) feingeschnitten und mit Öl und Essig gemischt gegessen. Die Stämme dienen häufig zu Pfählen und Palisaden.
Weiter ist die brasilische +Wein-+ oder +Mostpalme+ (~Oenocarpus bacaba~), die in ihrer Heimat überall um die Wohnungen der Eingeborenen angepflanzt wird, von Wichtigkeit, da die gekochten und gepreßten Früchte viel süßes Öl zum Küchengebrauche und zum Brennen und außerdem ein beliebtes weinartiges, von den Indianern ~bakaba~ genanntes Getränk liefern. An Nützlichkeit wird sie noch von der in Nordbrasilien und im Orinokogebiet heimischen +Moritzpalme+ -- nach dem 1665 gestorbenen Prinzen Moritz von Nassau, einem Beförderer der Botanik so genannt -- (~Mauritia vinifera~) übertroffen, deren bis über 32 m hoher und 0,3-0,6 m dicker Stamm innen schwammig-weich ist und eine Art Sago liefert, der in Scheiben geschnitten eine brotähnliche Speise gibt. Fleisch und Kern der hühnereigroßen Früchte werden gegessen, der durch Abschneiden der unentwickelten Blütenscheiden gewonnene süße Saft liefert den betäubenden Palmwein der Guaraniindianer, während die Oberhaut der Blätter vortreffliche Schnüre und Netze gibt und der äußere Teil des Stammes als Nutzholz dient. Nach Alexander von Humboldt ernährt diese Palme ausschließlich die im Mündungsgebiet des Orinoko lebenden wilden Stämme der Guarani, welche sich Hängematten aus den Blattstielen machen und dieselben zwischen den Stämmen ausspannen, um in der Regenzeit, wenn das Mündungsgebiet des Flusses weithin überschwemmt ist, ganz auf diesen Bäumen zu leben.
Nicht weniger nützlich ist für die Eingeborenen Chiles die +chilenische Palme+ (~Jubaea spectabilis~), die einzige Palme Chiles und die südlichste Amerikas, die auf ein kleines Gebiet der Küstenkordillere vom Meeresstrand bis 800 m Höhe beschränkt ist. Sie erreicht 25 bis 28 m Höhe bei einem Stammdurchmesser von 1-2 m. Diese dickste aller Palmen der Erde besitzt eine Krone von 50-60 2,5 m langen Fiederblättern. Sie blüht erst in einem Alter von 60 Jahren, und zwar fällt der Beginn der Blütezeit in den Oktober, den chilenischen Frühling. Dann platzt die Hülle, die den Blütenstand einschließt, mit lautem Knall. Der darin geborgene fleischige Blütenkolben entfaltet gegen hundert Zweige, die zugleich mit männlichen und weiblichen strohgelben, etwas rötlichen Blüten besetzt sind. Aus den weiblichen entwickeln sich walnußgroße, apfelgelbe Steinfrüchte, deren den Kern umhüllendes Fruchtfleisch an den Geschmack der Mispel erinnert. Die Samenkerne, ~coquitos~ genannt, von denen ein einziger Baum in einem guten Jahr 10000 zur Reife bringt, dienen als Ersatz für Mandeln und sind namentlich in Peru sehr begehrt. Wie von allen Palmen werden auch von ihr alle Teile ausgenutzt. Aus den Fasern des Stammes wird eine zur Bedachung der Häuser geeignete Pappe gemacht, aus den Fiedern der Blätter verfertigt man Körbe und Flechtwerk aller Art, oder zerschleißt sie zu Polsterungsmaterial, die Mittelrippen werden nach Europa exportiert und dort zu Spazierstöcken verarbeitet, aus dem Stamme jedoch, wobei die Palme geopfert wird, gewinnt man den zu Konfitüren der häuslichen Küche unentbehrlichen Palmenhonig (~miel de palma~). Bestellt man in einem Restaurant Chiles beispielsweise einen Pfannkuchen, so fragt der Kellner, der ihn serviert: „mit Zucker oder Palmenhonig?“ Der Chilene zieht letzteren vor, der sich alsdann aus der angebohrten Blechbüchse in dünnem, aber zähem gelbbraunen Strahl auf das Gebäck ergießt. Zur Gewinnung dieses Palmenhonigs werden die in Mittelchile noch in größeren Beständen wachsenden Palmen bevor der Frühlingstrieb erfolgt in der Weise an der Wurzel gefällt, daß sie noch durch einen Teil des Stammes mit dem Erdreich in Verbindung bleiben. Dann wird das oberste Stammende nach Entfernung der Krone gekappt und ein Gefäß darunter gestellt. Während des 6-8 Monate andauernden Ausflusses von süßem Saft liefert sie insgesamt 300-400 Liter desselben. Dabei muß nur von Zeit zu Zeit für eine neue Schnittfläche gesorgt werden, da sich die alte mit der Zeit verstopft. Der Saft wird dann auf Sirupdicke eingekocht. Eine Palme liefert 60-100 Liter Honig.
Im Innern Afrikas ist die +äthiopische Fächerpalme+ (~Borassus aethiopum~), deren Stamm im zweiten Drittel angeschwollen ist, häufig und wird auch teilweise von den Negern angepflanzt, da ihre kopfgroßen, 2-2,5 kg schweren Nüsse ihnen allgemein zur Nahrung dienen und teilweise so wichtig sind wie die Datteln den Arabern. Auch die Triebe der jungen Sämlinge werden roh gegessen.
Verwandt mit ihr und der Deleb- beziehungsweise Palmyrapalme (~Borassus flabellifer~) ist die im Westgebiet des Indischen Ozeans heimische +Seychellenpalme+ (~Lodoicea seychellarum~). Sie selbst ist noch nicht sehr lange bekannt, während ihre bis 40 cm langen und 10 bis 13 kg schweren, vortrefflich zum Schwimmen über weite Meeresstrecken eingerichteten, seltsam zweilappigen Früchte, deren Nährgewebe wie dasjenige der Kokosnüsse schmeckt und gerne verspeist wird, schon im Mittelalter in Indien und Hinterindien bekannt waren. Aus unbekannter Ferne fand man sie bisweilen am Strande der Küste Vorderindiens oder der vorgelagerten Inselgruppe der Malediven angeschwemmt. Kein Mensch wußte zu sagen, woher diese merkwürdigen Gebilde kamen, und so bildete sich die Sage aus, daß sie als eine Zauberfrucht am Grunde des Meeres wüchsen. Deshalb nannte man sie Meerkokosnüsse oder Wundernüsse Salomos, auch maledivische Nüsse, weil sie zumeist von den Malediven nach dem indischen Festland in den Handel kamen. Auf den Malediven mußte jede solche entdeckte Nuß als Eigentum des Fürsten bei Todesstrafe sofort diesem gebracht werden, der sie dann verschenkte oder verkaufte. Ihrer großen Seltenheit und geheimnisvollen Herkunft entsprechend galt sie als ganz außerordentlich wertvoll und man schrieb ihr die wunderbarsten Wirkungen zu. Besonders die Malaien ließen sich daraus kostbare, wundertätige Trinkgefäße schnitzen. 1602 brachte der holländische Admiral Hermanson zuerst eine solche Nuß, die er von einem indischen Fürsten geschenkt erhalten hatte, nach Europa, wo ihr dieselben wunderbaren Kräfte wie in Indien zugeschrieben wurden. Kaiser Rudolf II. (1552-1612) bezahlte für einen daraus geschnitzten Becher, der als zauberkräftiger Talisman galt und heute noch in der Schatzkammer des Kaiserhauses in Wien aufbewahrt wird, nicht weniger als 4000 Goldgulden (im heutigen Werte von über 12000 Mark), eine für die damalige Zeit ganz ungeheure Summe. Erst im Jahre 1769 wurde gelegentlich einer vom Herzog von Praslin angeordneten Untersuchung der Seychellengruppe auf einer winzig kleinen, nach Praslin benannten Insel die Mutterpflanze in Gestalt der bis 40 m hohen Palme mit 7 m langen und 4 m breiten Blattwedeln gefunden, und 1770 brachte ein unternehmender französischer Kauffahrer diese Meernüsse in Menge nach Kalkutta, wo er sehr gute Geschäfte damit machte. Später kamen sie vielfach als Kuriosität in europäische Sammlungen. Daß die Mutterpflanze getrenntgeschlechtig ist und nicht in dichten Beständen, sondern zwischen den übrigen Urwaldbäumen zerstreut wächst, trägt nicht wenig dazu bei, daß ihre Vermehrung nur überaus langsam fortschreitet. Zudem brauchen die Früchte nicht weniger als sieben Jahre zum Reifen. Erst ein Jahr nach dem Pflanzen derselben erscheint der Keimling, der oft mehrere Meter unter der Bodenoberfläche dahinkriecht, bis er nach oben hervorbricht. Bis ein Baum Blüten trägt, vergehen 30-40 Jahre.
In Oberägypten häufig ist die 8-9,5 m hoch werdende +Dumpalme+ (~Hyphaene thebaica~), eine der wenigen Palmen, deren Stamm sich 3 bis 4mal gabelt. Sie kommt in verschiedenen Arten in ganz Afrika vor. Die etwa die Größe und Form einer Birne erreichenden bräunlichgelben, völlig glatten Früchte besitzen um die harten Samen ein süßes, wohlschmeckendes Fruchtfleisch, das besonders die Affen und Elefanten, aber auch die Menschen sehr lieben. In manchen Gegenden, so beispielsweise im Ambolande, bilden die Früchte dieser „Pfefferkuchenpalmen“ ein sehr wichtiges Nahrungsmittel. Auch in Ägypten gelangen sie heute noch wie zur Zeit der ältesten Dynastien zum Verkauf. Die alten Ägypter aßen sie mit Vorliebe und gaben sie ihren Toten als Wegzehrung mit. So finden wir sie häufig als Grabbeigaben, besonders der 12. Dynastie seit dem Beginne des vorletzten Jahrtausends v. Chr. Die Dumpalme hieß bei den Ägyptern ~mama~ und deren Früchte ~kuku~. Aus den Blättern wurden Sandalen hergestellt, deren sich mehrere erhielten, so eine im Museum in Florenz.
Eine neuerdings auch bei uns eingeführte, äußerst wertvolle Tropenfrucht sind die +Bananen+ oder +Paradiesfeigen+, auch +Pisang+ genannt. Diese mit den Liliengewächsen verwandten Pflanzen stellen die Riesen unter den Stauden dar, indem ihr krautiger, nach außen ausschließlich von dicken Blattscheiden gebildeter Stamm 6 bis zu 10 m Höhe erreicht. Nur wenn die Pflanzen als Abschluß ihres Daseins zur Blüte gelangen, durchwächst dann im Innern ein solider Körper als sogenannter Krautstamm den Stengel. Die außerordentlich großen, 3-4 m langen und 60-90 cm breiten, saftig grünen Blätter besitzen eine sehr starke Mittelrippe, von der sich parallele Seitennerven abzweigen, zwischen denen sie der Wind oft arg zerschlitzt.
Die Bananenstaude bringt nur +ein+ Fruchtbüschel hervor, das aber mit seinen Früchten 30-50 kg schwer wird und 60-100, bei einigen Abarten bis 300 Einzelfrüchte enthält. Nachdem die Frucht gereift ist, stirbt die Pflanze ab. Die Blüten brechen nach Beendigung des Größenwachstums der Pflanze hervor und sitzen an einem bis 1,5 m langen, meist hängenden Kolben, und zwar in 12-16 Ringen von je 15-20 fruchtbaren weiblichen Blüten, von denen jede mit einem großen, roten, blauen oder violetten Deckblatte umgeben ist. Diejenigen der oberen Scheiden, die am weitesten herabhängen, sind männlich und fallen nach dem Verblühen samt den Blätterscheiden ab, während der Achsenteil, an dem sie befestigt waren, erhalten bleibt und auch später noch weit über den reifen Fruchtstand hinausragt. Dann folgen einige unfruchtbare Zwitterblüten und darunter erst die fruchtbaren weiblichen, die nach der Befruchtung die 20-30 cm langen und 5-8 cm dicken, schön gelb bis rot gefärbten, sechskantigen, nicht aufspringenden Früchte hervorgehen lassen. Diese gurkenförmig länglichen, sichelförmig gekrümmten, ursprünglich dreifächerigen, weichen Beeren weisen bei sämtlichen kultivierten Sorten als Zeichen einer uralten Kultur, bei der alles Gewicht auf die möglichst reiche Entwicklung des Fruchtfleisches gelegt wurde, keinerlei Samen mehr auf, so daß diese Kulturpflanze sich nur noch durch Stecklinge fortpflanzt. Bei der wildwachsenden südasiatischen Stammpflanze sind sie gedrückt kugelig, während sie bei den kultivierten Arten zugunsten des Fruchtfleisches unterdrückt wurden und nur noch als dunkle Punkte zu erkennen sind. Die Bananenfrüchte schmecken, wie sich ein jeder von uns wohl selbst zu überzeugen vermochte, wie mehlige, sehr aromatische Birnen und besitzen einen außerordentlich hohen Nährwert.
Mit der vollständigen Entwicklung der Blüte hat das Wachstum der Banane sein Ende erreicht, mit der Reife der Früchte stirbt der Schaft und wird vom Menschen umgehauen, entwickelt aber neue Nebensprossen. Die Lebensdauer beträgt je nach Boden, Klima und Eigenschaft der Spielart 9 Monate bis 3 Jahre, ist aber unter günstigen Lebensverhältnissen meist nicht länger als 12-14 Monate. Beträgt sie unter dem Äquator 9 Monate, so nimmt dieser Zeitraum in demselben Verhältnisse zu, je weiter vom Äquator entfernt die Kultur dieser Obstpflanze getrieben wird.
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