Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte
Part 19
Die Fortpflanzung der Dattelpalme geschieht bisweilen durch die Fruchtkerne, in denen das Nährgewebe für den Embryo in Form von hornartig hartem Holzstoff angehäuft ist, das dann durch Fermente gelöst und in Zucker verwandelt wird, um dem jungen Pflänzchen zum Wachstume zu dienen. Am häufigsten aber wird dieser Fruchtbaum durch Schößlinge vermehrt, die man im Herbste aus der unmittelbaren Nähe des Mutterbaumes ausgräbt, verpflanzt und etwa drei Monate lang begießt, von wo an sie sich selbst erhalten können. Nach sechs bis acht Jahren beginnen diese die ersten Blüten zu treiben, aber erst vom 20. Jahre an liefern sie volle Erträge, die bis zum 70. oder 80. Jahre andauern. Von da an wird der Ertrag geringer, und etwa im Alter von 100 Jahren sterben die Bäume ab.
Stets werden die weiblichen Dattelpalmen in der Weise befruchtet, daß man in ihre Rispen Teile eines stäubenden männlichen Blütenstandes befestigt oder darüber schüttelt, damit der Pollen in reichen Mengen auf erstere hinunterfalle. In einem Fruchtstande gelangen meist über hundert Beeren zur Entwicklung, die dann im Herbste geerntet werden, doch nicht gleichzeitig. Man pflückt nämlich diejenigen, die als Vorrat aufbewahrt werden sollen, vor ihrer völligen Reife, um sie an der Sonne ausreifen, zugleich aber auch trocken und fest werden zu lassen. Die am Baume völlig reif gewordenen ißt man vorweg. Als Durchschnittsernte rechnet man auf einen Baum einen Jahresertrag von 50 kg, die an Ort und Stelle etwa drei Mark wert sind.
Endlich hat die Dattelpalme auch in der Kunst eine wichtige Rolle gespielt. Bei den alten Babyloniern gab ihr Stamm den Anlaß zur Entstehung der später aus Stein nachgebildeten runden Säule, während ihr Wipfel das in der babylonischen und assyrischen Kunst so beliebte Motiv der Palmette gab, welches dann die Griechen aus dem Orient übernahmen. In Ägypten dagegen wurden die Säulen aus Papyrus und Lotus nachgeahmt; dadurch entstand die kanelierte Säule, die die Griechen von dorther übernahmen und in ihrer dorischen und korinthischen Säule weiter bildeten. Da sie ihnen aber nüchtern vorkam, wurde sie mit den Blättern des im Mittelmeergebiet in mehreren Arten verbreiteten Acanthus gekrönt, wodurch das korinthische Kapitäl entstand. Die Voluten des ionischen Kapitäls dagegen sind wahrscheinlich den gewundenen Gehäusen der Tonnenschnecken (~Dolium~) nachgebildet. So hat die Dattelpalme den weitgehendsten Einfluß auf die allgemeine Kultur des in ihrem Bereiche lebenden Volkes ausgeübt.
Die im tropischen Afrika einheimische und namentlich an den Flußufern sehr verbreitete +Ukindu+- oder +wilde Dattelpalme+ (~Phoenix reclinata~) liefert ungenießbare, holzigtrockene Früchte, doch werden die Fiedern der Blätter zu Flechtereien aller Art benutzt. Wichtiger als sie ist die indische +Dattel-Zuckerpalme+ (~Phoenix silvestris~), die nur 9 bis 13 m hoch wird und eine dichte, halbkugelige Krone aus 3 bis 5 m langen Fiederblättern trägt. Sie wird in ihrer Heimat, besonders in Bengalen, seit unvordenklicher Zeit zur Gewinnung von Palmenzucker kultiviert. Ende Oktober entfernt man an ihr die unteren Blätter, die zum Flechten von Matten und Säcken für die Zuckerverpackung oder als Brennmaterial dienen, und macht einige Tage später an jener entblößten Stelle einen Einschnitt in den Stamm, in welchen man ein gespaltenes Bambusröhrchen einsetzt, das den aus der Wunde rieselnden süßen Saft in ein Gefäß leitet. Der Saft fließt besonders nachts, und zwar um so stärker, je kühler sie ist. Früh morgens geht der Eigentümer mit seinen Gehilfen von Baum zu Baum, um den Saft zu sammeln und sofort an Ort und Stelle zu einem ~gur~ genannten Sirup zu kochen. Dieser wird meist verkauft und von besonderen Zuckerkochern zu Palmenzucker eingedickt. Wenn der Saftfluß nach etwa acht Tagen erschöpft ist, so läßt man die Wunde zuheilen und versucht eine Woche später an einer anderen Stelle nach vorhergehendem Schälen des Stammes weiteren Saft zu gewinnen. Ein vollkräftiger Baum kann während der Erntezeit in 50 Nächten abgezapft werden und liefert 240 Sihr (= 100 Liter) süßen Saft, aus denen 24 Sihr (= 10 Liter) Sirup eingekocht wird. Die Bäume werden aus Samen auf gutgedüngtem Boden gezogen und werden nach Ablauf des fünften Lebensjahres zum erstenmal angezapft. Die erste Ernte beträgt nur die Hälfte des Ertrags eines vollkräftigen Baums. Durchschnittlich beträgt die Erntefähigkeit 40, unter besonders günstigen Verhältnissen 45 bis 50 Jahre.
Ganz außerordentliche Wichtigkeit kommt der Königin der Palmen, der +Kokospalme+ (~Cocos nucifera~) zu, die überall in den Tropen in der Nähe der Küsten schon seit sehr langer Zeit eine geradezu unentbehrliche Nutzpflanze bildet. Da die übrigen 28 Arten der Palmengattung ~Cocos~ im Küstengebiet von Mittelamerika heimisch sind, muß auch sie, die man nirgends mehr wild findet, von dorther stammen, wie zuerst Martius vermutete. Sie hat sich teils durch den Menschen, der sie überall mit sich nahm, teils durch die Meeresströmungen über den ganzen Tropengürtel verbreitet. Als ausgeprägte Strandpflanze, von der man sagt, daß sie nur soweit gedeiht, als der Seewind sie erreicht, sind nämlich ihre mächtigen, undeutlich dreikantigen Früchte auf lange andauernden Transport durch die salzige Flut eingerichtet. Zu diesem Zwecke haben sie eine 2 Finger dicke, außerordentlich zähe und dauerhafte Faserhülle, die als Schwimmkörper dient; außerdem ist der Keimling in eine steinharte Schale eingeschlossen, welche auch nach allfälliger Auflösung der äußeren Faserhülle den zarten Keimling vor der schädlichen Einwirkung des scharfen Meerwassers abhält. Dieser Umstand erklärt es, weshalb die zierliche Palme, deren wehende Blätterkronen einen der schönsten und charakteristischen Züge der tropischen Landschaft bilden, sich auch ohne Zutun des Menschen als vielfach einzigen Vertreter der Baumvegetation auf allen Koralleninseln der Südsee angesiedelt hat.
Ursprünglich ist die Kokospflanze eine ausschließliche Küstenpflanze. Erst durch den Menschen wurde sie auch fern von der Küste angesiedelt. Da, wo sie ihre Wurzeln ins Grundwasser tauchen kann, das auch salzig sein darf, gedeiht sie nämlich auch fern von der Salzflut. So hat man sie neuerdings nicht bloß in Indien und auf Ceylon, sondern auch in Ostafrika bis 500 km vom Meere entfernt angesiedelt. Und sie kommt hier so gut als an der Küste fort. Sie wird gewöhnlich nur etwa 20 m hoch, kann aber gelegentlich 25 bis 30 m Höhe erreichen. Auf ihrem von den vorherrschenden Winden meist etwas gekrümmten, schlanken, geringelten Stamm von 30 bis 60 cm Durchmesser erhebt sich eine Krone von 10-12 bis 5 m langen, gefiederten Blättern, deren unterseits rinnenförmig ausgehöhlter Stiel am Grunde von einem zähen, braunen Geflecht umgeben ist. Aus den Achseln der untersten Blätter kommen die bis 1 m langen, zusammengedrückten Blütenscheiden hervor, welche lange, vielfach verzweigte Kolben mit gelben männlichen und grünen weiblichen Blüten umschließen. Aus letzteren gehen die 29 : 26 cm messenden, blaß aschgrauen bis rötlichen Früchte hervor, die fast ein Jahr zu ihrer Reife brauchen. Ein jeder Fruchtkolben, deren mehrere gleichzeitig am Baume zu sehen sind, trägt 10 bis 30 Nüsse. So reifen das Jahr über an einem Baume günstigenfalls bis 150 Nüsse; doch rechnet man durchschnittlich nur auf einen Jahresertrag von 60 bis 80 Nüssen per Baum in vier bis fünf Ernten. Die junge Nuß ist mit einer milchigen Flüssigkeit, der Kokosmilch, erfüllt, die einen süßlichen, etwas zusammenziehenden Geschmack besitzt und frisch ein angenehmes, kühlendes Getränk bildet. Bei der Reife verdichtet sich diese milchige Flüssigkeit in den äußeren Partien zu einem festen, weißen Kern, der neben Eiweißstoffen besonders reichlich Fett enthält. In der Höhlung dieses festen Teiles des Nährgewebes findet sich aber auch nach der Reife noch ein flüssiger Teil als Milch, welche später bei der Keimung zuerst zur Verwendung gelangt. Der kleine Keimling liegt im festen Nährgewebe unterhalb des Keimlochs des nicht fehlgeschlagenen Fruchtknotenfaches.
Tafel 23.
Tafel 24.
In einem zusammenhängenden, dichten Besiedelungsgebiet wächst die Kokospalme besonders in ganz Südasien, der indischen und polynesischen Inselwelt in dichten Hainen und befriedigt die meisten Lebensbedürfnisse der Eingeborenen, deren Existenz sich ohne sie gar nicht mehr denken ließe. Keine andere Nutzpflanze läßt sich an vielseitiger Verwendung auch nur annähernd mit ihr vergleichen. Von ihr sagt ein indisches Sprichwort, daß sie 999 Nutzanwendungen gewähre und die 1000. sei überhaupt noch nicht gefunden. Aus der Rinde der Kokospalme gewinnt man den Kokosgummi, womit sich die Bewohner von Tahiti und anderer Inseln der Südsee die Haare bestreichen, um ihnen Halt zu geben. In Indien werden die äußeren, gerbstoffhaltigen Teile des Stammes zum Gerben benutzt. Der vom 35. Jahre an stark verholzende Stamm dient als oft einziges Nutzholz zum Bauen und zur Herstellung der Möbel und verschiedensten Geräte. Zur Anfertigung feiner Möbel wird er besonders viel nach England ausgeführt. Die Blätter benutzt man zum Dachdecken, sowie zu Matten und anderen Geflechten, wie besonders Hüten und Regenschirmen, die Blütenscheiden und alten, ausgetrockneten Blätter zusammengerollt zu Fackeln, die Mittelrippe zu Kämmen, die zusammengebundenen Blätter zu Besen. Das junge Mark unter der Endknospe, das einen süßen, an Haselnuß erinnernden Geschmack besitzt, wird wie die ganz jungen Blätter als Gemüse, sogenannten Palmkohl, gegessen. Das Fasernetz am Grunde der Blätter, noch mehr aber die faserige Hülle der Früchte dient zu unverwüstlichen Tauen, Stricken und Geflechten, besonders Matten, Teppichen und Läufern, aber auch zu Besen, Pinseln und Bürsten. Aus den noch geschlossenen Blütenscheiden wird durch Umschnürung mit jungen Kokosblättern und Anschneiden der Toddy genannte Palmwein und aus diesem durch Destillation Arrak, durch Einkochen ein Sirup und endlich ein sehr angenehm schmeckender brauner Zucker, der Palmzucker (~tschakara~, mit dem Sanskritworte ~sackara~, von dem unser Zucker abstammt, zusammenhängend), von dem über 110 Millionen kg jährlich produziert werden, gewonnen. Der dünnmilchige Saft besonders der unreifen Früchte dient als überaus angenehmes, erfrischendes Getränk, während der wie Haselnuß schmeckende weiße Kern roh verspeist oder zerrieben dem Curry und anderen Speisen hinzugefügt wird, auch preßt man aus ihm das zu 68 Prozent in ihm enthaltene Öl in Form eines weißen, dem Schweineschmalz ähnlichen, bloß etwas unangenehm riechenden Fettes, das zum Schmälzen der Speisen, als Brenn- und Salböl dient, zu welch letzterem Zwecke es vielfach mit Sandelholz parfümiert wird. Besonders aber dient es wie das afrikanische Palmöl zur Herstellung von Kerzen und Seifen. Kokosseife ist besonders bei Seeleuten sehr beliebt, da sie die einzige ist, die auch im Meerwasser schäumt. 15 Nüsse geben durchschnittlich 2 Liter Kokosnußfett. Die Preßrückstände geben ein wertvolles Viehfutter. Die harte Schale liefert Gefäße und Löffel und wird in Europa zu allerlei Drechslerwaren, namentlich Knöpfen, verarbeitet.
Welch ungeheure Werte der Mensch der Kokospalme verdankt, kann man sich einigermaßen vorstellen, wenn man bedenkt, daß einzig die Insel Ceylon, auf der die Europäer erst seit etwa 30 Jahren systematisch größere Anpflanzungen dieser Palme vornahmen, aus ihren wenigstens 30 Millionen Kokosbäumen jährlich einen Ertrag von rund 325 Millionen Mark bezieht, während der Reis einen solchen von 112 Millionen Mark, der neuerdings im großen Maßstabe gepflanzte Tee aber einen solchen von 100 Millionen Mark liefert. Deshalb wird die Kokospalme auch in allen tropischen Kolonien Deutschlands in Menge kultiviert. Die größten und wertvollsten Bestände besitzen die Südseeinseln, wo sich neben den Kokoshainen der Eingeborenen auch große, von Europäern angelegte Kokosplantagen befinden. In Afrika wird sie in den Küstenstrichen fast nur von den Eingeborenen kultiviert. Trotzdem haben die deutschen Kolonien im Jahre 1906 für 6¼ Millionen Mark der als Kopra bezeichneten getrockneten Kokosnuß exportiert. Da die Gesamteinfuhr Deutschlands an Kopra in demselben Jahre 16,9 Millionen Mark betrug, so ergibt sich, daß dieses Land jetzt schon mehr als ein Drittel seines Koprabedarfes aus seinen Kolonien zu decken vermag.
Die Eingeborenen der Tropen pflanzen die Kokospalme gern in und um ihre Dörfer an, meist nur in kleineren Beständen, seltener als größere Pflanzungen. Diese werden in der Regel von den Europäern angelegt. Die Kultur der Kokospalme ist eine höchst einfache. Die Vermehrung geschieht ausschließlich durch die Früchte, welche man nach der Ernte noch 3-4 Wochen lang ausreifen und ankeimen läßt, bevor man sie zur Aussaat verwendet. Wenn der Keimling etwa 2 cm aus der Frucht herausragt, werden die Nüsse ihrer Länge nach in Furchen eines aus sandiger, reich mit Salz oder Asche gedüngter Erde bestehenden Saatbeetes gelegt und lose mit Erde bedeckt. Nach 7 bis 9 Monaten werden die jungen Palmen an ihren definitiven Bestimmungsort gebracht, wobei man sie etwa 7 m auseinander pflanzt. Doch müssen sie noch längere Zeit bei allzu großer Hitze beschattet, gegen das weidende Vieh beschützt und regelmäßig mit Holzasche gedüngt werden. Nach dem ersten Jahre fangen die Blätter an gefiedert zu werden, d. h. sie verlieren ihre für das Jugendstadium charakteristische zusammenhängende Form. Am Ende des zweiten Jahres haben sie am Grunde einen Durchmesser von 8 cm. Im dritten Jahre nimmt der Fuß der Krone die Gestalt eines Hufeisens an und der Stamm beginnt sich über die Erde zu erheben. Im vierten Jahre hat er 12 und im fünften Jahre 24 Blätter. In den folgenden Jahren setzt er noch weitere 12 Blätter an, damit ist seine Krone vollständig. Nun wendet sich das Wachstum mehr auf den Umfang der Pflanze. Vom siebenten oder achten Jahre an beginnt die Palme zu blühen und das ganze Jahr hindurch Früchte zu zeitigen. Die volle Tragfähigkeit tritt aber meist erst im zwölften Jahre ein und dauert bis zum sechzigsten bis achtzigsten Jahre, dann nimmt der Ertrag ab, so daß der Baum schließlich umgehauen und durch eine junge Kokos ersetzt wird. Doch kann der Baum ein Alter von 90-100 Jahren erreichen.
In bezug auf den Boden ist die Kokospalme nicht besonders wählerisch, wenn sie nur genug Wasser, am liebsten brackiges hat. Am besten sagt ihr ein tiefgründiger, humusreicher Lehm zu. Außer Wind, der ihr überall an der Küste in reichem Maße zuteil wird, verlangt sie vor allem reichen Sonnenschein. Luft und Licht sind zwei ihrer wichtigsten Lebensbedingungen. Im Schatten verkümmert sie; daher finden wir niemals Kokospalmen im geschlossenen Hochwalde. Im Halbschatten wächst sie mangelhaft, bildet nur einen ganz dünnen Stamm und die wenigen Früchte, die sie hier hervorbringt, sind klein und unansehnlich.
Begreiflicherweise war dieses Tropengewächs, das sehr früh die Gestade Indiens besiedelte, den älteren Kulturvölkern am Mittelmeer unbekannt. Die erste Beschreibung von ihm gab unter den Griechen der pflanzenkundige Aristotelesschüler Theophrast (390-286 v. Chr.) in seiner Naturgeschichte der Gewächse nach dem Bericht, den er über die Kokospalme durch Begleiter Alexanders des Großen auf dessen Zuge nach Indien erhalten. Er nannte sie ~kúki~. Der ägyptische Großkaufmann Kosmas aus Alexandrien, der ums Jahr 550 mit seinem Begleiter Menas auf einer Handelsreise bis Südafrika und Indien gelangte und später als Mönch seine Reise beschrieb, sah in den Küstengebieten Indiens, der von ihm ~Taprobane~ genannten Insel Ceylon und auf den Malediven, die er besuchte, in Menge die von ihm ~argéllion~ genannte Kokospalme; es ist dies das ~nargil~ der Perser und Araber, das aus dem indischen ~narikela~ stammt. Er sagt, daß man den von ihr gewonnenen süßen, in alkoholische Gärung übergehenden Saft ~konchusúra~ nenne. Nach ihm hat der weitgereiste Venezianer Marco Polo mit seinem Vater Niccolò und seinem Oheim Maffeo Polo 1293 und 1294 auf seiner Heimreise von China über Indonesien und Indien die Kokospalme häufig gesehen und in seinem während der Gefangenschaft bei den Genuesen diktierten Bericht beschrieben. Er nennt sie nur den „Palmbaum mit den indischen Nüssen“. Der Name Kokosnuß wurde erst nach des Portugiesen Magelhaens’ Fahrten, der als erster Europäer die nach ihm benannte Meerenge zwischen Patagonien durchfuhr und im November 1520 in den Stillen Ozean gelangte, um am 27. April 1521 in einem Gefecht auf der Marianeninsel Matan umzukommen, bei den Seeleuten bekannt. Nach Garcias und Klöden soll er daher stammen, daß die portugiesischen Seeleute sie infolge der Ähnlichkeit der drei Keimlöcher der inneren Frucht mit den beiden Augen und der Nase einer Meerkatze (~macoco~) ~coco~ nannten. Die Erforscher der malaiischen Inselwelt Rumphius und Thunberg im 17. Jahrhundert nannten die Kokospalme nach der Bezeichnung der Amboinesen Kulapa-Baum. Da sie im Sanskrit Indiens als ~narikela~ vorkommt, muß sie dort schon vor 3-4000 Jahren bekannt gewesen sein. An der Malabarküste wird sie als ~tenga~, d. h. Südfrucht bezeichnet, weil sie von Süden her, speziell aus Ceylon, dort eingeführt wurde. Auf Tahiti heißt sie ~ari~, wie sie auch von manchen Malaienstämmen genannt wird. Jedenfalls hat sich diese von Martius als „wandelnde Seeuferpalme“ bezeichnete Kulturpflanze, die unfruchtbar bleibt, wenn sie nicht vom Menschen gepflegt wird, zunächst durch die Meeresströmungen, dann durch den Menschen von der pazifischen Küste Mittelamerikas zuerst über ganz Ozeanien und dann die südasiatische Inselwelt verbreitet und wurde erst nach der Entdeckung Amerikas im Bereiche des Atlantischen Ozeans, in Westafrika, an den Küsten Brasiliens und im Gebiete ganz Westindiens angesiedelt. Dagegen fanden die ersten Spanier, die von Mexiko nach der Küste des Stillen Ozeans hinabstiegen, sie reichlich auf der Westküste Mexikos wie ganz Mittelamerikas angepflanzt. Neu-Kaledonien ist die südlichste Insel, an deren Nordküste die Kokospalme noch gedeiht. Ihre nördlichste Verbreitung aber hat sie auf den Sandwich-Inseln, beinahe unter dem Wendekreis des Krebses, gefunden, wo sie aber infolge ungenügender Sonnenwärme nur spärlich Früchte hervorbringt. Dort genossen in vorchristlicher Zeit nur die Männer die Früchte, die den Weibern ~tabu~ waren und nicht einmal von ihnen berührt werden durften, bis einmal eine mutige Häuptlingsfrau, von ihrem Manne gegen die Rache der Priester beschützt, dieses altgeheiligte Verbot übertrat und, da sie von den Göttern für diesen Frevel nicht bestraft wurde, ihrem Geschlecht das Recht zum Genuß der herrlichen Früchte verschaffte.
Eine besonders für Westafrika sehr wichtige Palme ist die +Ölpalme+ (~Elaeis guineensis~), deren Vorkommen auf das tropische Afrika beschränkt ist. Von der Westküste, wo sie sich in einem breiten Streifen vom Gambia- bis zum Kuanzafluß findet, dringt sie nordöstlich bis zum Albertsee und südöstlich bis zum Nordende des Nyassasees vor. Sie kommt also auch im ganzen Kongobecken vor, wird aber im wilden Zustande nur verhältnismäßig selten angetroffen. Die einzige außer ihr noch vorhandene Elaeis-Art, ~Elaeis melanococca~, die gleichfalls rote, zur Gewinnung von Öl benützte Früchte besitzt, hat ihre Heimat im tropischen Amerika, wo sie um Bahia, an der Mündung des Amazonenstroms, in Guiana, Venezuela und auf dem Isthmus von Panama wild wächst. Deshalb vermutet man, daß auch die westafrikanische Ölpalme im Dorado der Palmen, dem nördlichen Südamerika und Mittelamerika, ihre ursprüngliche Heimat hat, von der sie schon im Tertiär auf der damals noch bestehenden Landbrücke nach Westafrika gelangte.
Die westafrikanische Ölpalme ist ein sehr schönes Gewächs, gedeiht aber nur dort, wo ein feuchtes, heißes Klima herrscht. Nur unter den natürlichen Lebensbedingungen, im Walde, erreicht sie ihre normale Höhe von 20 m, in der Kultur aber wird sie meist bloß 10-15 m hoch. Ihr tief geringelter, mannsstarker Stamm schwillt vielfach über dem Boden etwas an und ist unter den natürlichen Verhältnissen im obersten Teil meist noch mit den Resten abgestorbener Blattstiele bedeckt. In der Entfernung dieser, damit die Palme zum Herunterholen der reifen Früchte bestiegen werden könne, beschränkt sich in der Regel die ganze Pflege seitens der Eingeborenen. Die schöne Blattkrone besteht aus 20-25 Wedeln bis zu 7 m Länge mit etwa 1 m langen Fiedern, die sich aber schlecht zum Flechten eignen. In den Blattachseln des Wipfels brechen die mit kätzchenartig angeordneten Blüten reichlich besetzten Blütenstände hervor, die, wie bei den meisten Palmen, getrennten Geschlechts sind, jedoch in der nämlichen Krone, nicht auf verschiedenen Individuen sich entwickeln. Eine Palme bringt während des Jahres durchschnittlich drei bis vier der massigen, nicht herabhängenden Fruchtstände zur Reife. Sieben Monate nach der Blüte reifen die Früchte heran. 600-800, ja bis 1500 an der Zahl finden sie sich an einer riesigen, meist 20-30, gelegentlich bis 50 kg schweren Traube, durch kurze Stacheln voneinander getrennt. Sie sitzen sehr fest und sind wegen ihres gedrängten Wachstums unregelmäßig abgeplattet und erscheinen fett glänzend, von hochgelber bis zinnoberroter Farbe. Am Oberteile sind sie braunschwarz angelaufen. Zu äußerst bestehen sie aus einer dünnen Lage eines fettreichen, faserigen Fleisches, das eine dickschalige, steinharte, mit einem bläulich weißen Kerne versehene Nuß umschließt. Etwa ein Drittel des Gewichtes der Fruchtstände wird von den Früchten selbst gebildet. Deren ölhaltiges Fruchtfleisch bildet eine Lieblingsnahrung der Affen und Papageien, aber auch des Menschen, der es roh oder noch häufiger gekocht in Form der bei den Negern sehr beliebten Palmölsuppe verzehrt. Besonders aber gewinnt er daraus das für ihn so wichtige Palmöl, das ihm als Fettzusatz zu seiner an Fett sonst so armen Pflanzenkost, außerdem aber zur Beleuchtung, zum Einreiben des Körpers und als Arznei dient.
Zur Ölgewinnung wird der ganze Fruchtstand der Ölpalme abgehauen, sobald die Palmnüsse reif sind. Dann werden die einzelnen Früchte ausgebrochen und deren äußeres Fleisch durch Kochen in Wasser oder durch Liegenlassen an der Sonne erweicht. Darauf werden sie in Mörsern gestampft, wobei sich das Fleisch vom Kern löst und zugleich das im Fruchtfleisch enthaltene Öl heraustritt. Dieses schön orangerote, wohlschmeckende Palmöl wird zum geringeren Teil von den Eingeborenen selbst im Haushalt verwendet, zum größeren Teil jedoch an die europäischen Faktoreien verkauft. Im tropischen Westafrika, wo die Ölpalme manchenorts ausgedehnte Wälder bildet, wird es in solchen Mengen erzeugt, daß es gegenwärtig den wichtigsten Handelsartikel dieser Gegenden bildet.
Aus den nach der Ölgewinnung übrigbleibenden bräunlichen, harten Kernen wird das weiße Palmkernöl gewonnen, das sogar noch feiner und wertvoller als das Palmöl ist. Dies wird von den Eingeborenen auf sehr primitive Weise durch Aufklopfen der Kerne und Auspressen des Samens gewonnen. Der weitaus größte Teil der Kerne gelangt aber in die Faktoreien, um nach Europa gesandt zu werden, wo die Ölgewinnung aus diesen vermittelst eigens dafür konstruierter Maschinen geschieht. Die Abfälle bei der Ölbereitung, Palmkuchen genannt, geben ein ausgezeichnetes Viehfutter.