Kreuz und Quer, Dritter Band Neue gesammelte Erzählungen

Part 5

Chapter 53,809 wordsPublic domain

John Wells, der mit ihm zurückgekehrt, war den Verbrechern mit Cook und noch einigen andern zur Begleitung nachgeeilt, um sich nur wenigstens der Richtung zu vergewissern, in der sie geflohen wären. Daß ein Canoe unten an der Landung lag, hatten sie gar nicht beachtet, und die beiden dabei gestörten Räuber sich wohl gehütet, aus den Büschen herauszukommen, in welche sie sich bei der Ankunft des Dampfers zurückgezogen. Jetzt erst, als dieser vorüber war, drückten diese sich wieder in ihr schwankes Fahrzeug, und Jenkins eigenes Canoe ebenfalls abschneidend, nahmen sie es mit stromab zu dem schon früher mit den Genossen besprochenen Versteck. Dadurch machten sie eine Verfolgung auf dem Strom vor der Hand unmöglich, und daß sie im Wald niemand finden sollte, dafür wollten sie schon Sorge tragen.

Nach einer Stunde etwa kehrte der junge Wells zurück. Da sie ohne Pferde waren, hätte es ihnen ja gar nichts geholfen, eine Verfolgung aufzunehmen, noch dazu, da sich die Jay-hawker in der bedeutenden Mehrzahl befanden und doch außer Zweifel alle gut bewaffnet waren. Jim war indessen um seine ohnmächtig gewordene Mutter bemüht, die er anfangs ebenfalls für todt hielt, aber unter seinen Liebkosungen erholte sich die alte Frau wieder, und Betsy, die in der Nähe und unter dem Schutz des Bruders und Bräutigams rasch jede Furcht verlor, war, nachdem sie sich umgekleidet, an seiner Seite.

Und jetzt mußte sie erzählen, was hier in den letzten Monden vorgefallen -- eine ununterbrochene Schreckensgeschichte von Mord und Blut, und John Wells stand dabei, die Zähne fest aufeinander gebissen, das Antlitz vollkommen blutleer, die Augen stier und fast geisterhaft auf den Mund der Sprechenden geheftet.

Und woher sie selber kamen? Mit wenigen Worten war das berichtet. Sie hatten sich dem Heer zutheilen lassen, das bestimmt war, Little Rock zu nehmen. Nur so konnten sie hoffen, dem nichtswürdigen Treiben der Sesesch-Partei in Arkansas rasch ein Ende machen zu helfen. Die Eroberung war aber leicht gewesen und als sie -- in Little Rock angekommen -- die Kunde von zahlreichen hier verübten Verbrechen hörten, hatten sie Urlaub genommen, um die Ihrigen selber zu besuchen und zu hören, wie es hier stehe. _Das_ Furchtbare freilich konnten sie nicht erwarten.

Aber es waren keine Naturen, die sich lange einem nutzlosen Schmerz hingegeben hätten. Vor allen Dingen mußten sie Pferde haben, um an irgend eine Verfolgung denken zu können und auf der eigenen Farm fanden sie auch kein einziges Stück Vieh mehr. Die Jayhawker mit ihrer, wie es schien, weitverzweigten Verbindung, hatten schon Alles, was sie erreichen konnten, fortgetrieben und nicht einmal vermuthen ließ es sich, nach welcher Richtung sie die verschiedenen gestohlenen Thiere geschafft hatten. Klingelhöffer allein, als ziemlich nächster Nachbar konnte da vielleicht aushelfen und John Wells übernahm es, ihm die Trauerkunde von dem Tod seines alten Freundes Jenkins zu bringen, um seine Hülfe in der Verfolgung der Räuber zu erbitten.

Jim indessen, von den Freunden dabei unterstützt, schaufelte ein Grab für den Vater in seinem kleinen Garten aus, dann legten sie den alten wackeren Mann hinein, breiteten Bretter und Stützen über ihn, daß die eingeworfene Erde nicht auf die Leiche pressen konnte und wölbten den Hügel über der einfachen Gruft.

Kein Wort wurde dabei gesprochen, kaum noch eine Thräne von den Männern vergossen, denen jetzt nur das nagende Gefühl der Rache das Herz zusammenzog, und der Gedanke verscheuchte unerbittlich alle anderen. Allerdings waren sie sich noch nicht klar, wie sie den gemeinsamen Feind erreichen konnten, aber was that das? Ihr ganzes Leben hatte jetzt kein anderes Ziel und wie der Bluthund auf der Fährte waren sie fest entschlossen, nicht nachzulassen bis an's Ende.

Abends kehrte John Wells zurück. Klingelhöffer stellte ihnen alle seine Pferde zur Verfügung und würde sie selber begleitet haben, aber ein heftiger Rheumatismus hatte ihn wieder auf sein Lager geworfen, um das herum aber nichts destoweniger seine geladenen Gewehre standen. Er schwur, daß er so lange schießen werde, als er noch einen Finger krumm biegen könne, und dann möchten sie ihm selber den Hals abschneiden und verdammt sein.

Die einzige Hülfe, die sie noch erwarten konnten, lag in Perryville selber, an das sich die Räuber natürlich nicht getrauten, wenn sie auch in der Nähe herum Alles an Pferden gestohlen hatten, was sie nur bekommen konnten. Die jungen Backwoodsmen aber durften keinen von ihrer kleinen Schaar dorthin senden, um sich nicht zu schwächen und Jenkins jüngster Bruder, ein Knabe von zehn Jahren, der bei dem Ueberfall gerade im Walde gewesen, wurde deshalb abgeschickt. Allerdings war es eine starke Tagereise für den kleinen Burschen, aber er ging ja oft schon allein Tage lang auf die Jagd und kannte auch genau den Weg.

Die jungen Leute brachen jetzt zur Verfolgung der Mörder auf, während sie Betsy indessen mit der Mutter zu Klingelhöffers nicht sehr fernem Hause schickten. An der Fähre wohnten ja Leute, die sie über die Fourche setzen konnten. In dieser Richtung hin hatten sie auch nichts zu fürchten, und selbst die von Perryville erbetene Hülfe war dorthin bestellt, wo sie sich mit ihnen vereinigen wollten.

Aber all' ihr Suchen war vergebens. Bis zum Mamelle hinüber, alle die Bergrücken südlich am Fourche la Fave liefen sie ab, und scharfe Augen waren es, die den Fährten folgten; nirgends ließ sich jedoch eine frische Spur der Räuber in den Bergen erkennen. Weiter oben, mehr nach Westen zu, fanden sie allerdings ein paar alte Lagerplätze, die es unzweifelhaft ließen, daß sich die Jay-hawker dort eine ganze Zeitlang, vielleicht sogar eine Woche aufgehalten, aber diese Stellen hatten sie auch ebenso sicher wieder, und zwar nicht erst seit Kurzem verlassen, denn die ausgebrannten Kohlen waren vom Regen überwaschen worden. Die ganze Richtung, der sie bis dahin gefolgt, ging von dem oberen Fourche nach dem unteren, und die einzigen bisher verschonten Wohnplätze waren die, durch ihre Lage begünstigte Klingelhöffersche, und die benachbarte Farm gewesen. Man durfte also fast annehmen, daß sie ihre Wirksamkeit am Fourche als beendet betrachten mußten, und wohin konnten sie sich nun von hier gewendet haben? Außerdem lief der erhaltene Urlaub der jungen Leute auch bald wieder ab und was dann? Durften sie daran denken, die Ihrigen in einer solchen bedrohten und auf's Aeußerste gefährdeten Gegend schutzlos zurückzulassen?

Sie waren zu Klingelhöffer hinübergeritten, um mit diesem das Weitere zu berathen. Der alte Mann fühlte sich heute etwas wohler und saß mit ihnen und fünf von Perryville heruntergekommenen Farmern vorn auf der schmalen Veranda seines Hauses, von der man den Arkansas überschauen konnte, und den hier ziemlich breiten Strom dicht zu Füßen hatte. Aber er wußte selber keinen Rath, denn das Land bot jetzt zu viele Schlupfwinkel, wo sich ein ganzes Heer hätte verbergen können, vielmehr denn ein kleiner Trupp von Leuten, denen nur daran gelegen war, eine kurze Zeit verborgen zu bleiben.

In ruhigen Jahren, ja, da hatte den Fourche la Fave der offenste, herrlichste Wald umgeben, mit großen stattlichen Bäumen wohl, aber lichtem Unterholz, denn die Jäger hielten schon darauf, daß im Winter das trockene Gras und Gestrüpp ordentlich und regelmäßig abgebrannt wurde. Dadurch bekam nicht allein das Vieh, sondern auch das Wild gleich im Frühjahr junge saftige Aesung und der Jäger konnte, wenn er durch den Wald pirschte, diesen nach allen Richtungen hin überschauen. Jetzt dagegen war Alles total verwildert, und die Niederung nicht allein von Dornen und Sassafras-Büschen dicht durchwachsen, nein selbst an den Hängen war ein so üppiger junger Kiefer- und Hickoryschlag emporgewachsen, daß man sich nicht selten selbst mit dem Messer Bahn hauen mußte, um nur durchzukommen. Wer sich dort verstecken wollte, konnte es gewiß, und war auch vor Entdeckung sicher, wenn ihn der Zufall nicht einmal verrieth.

Vertheilten sich aber sämmtliche noch waffenfähige Männer über die Berge, so blieben sie nicht allein der Gefahr ausgesetzt, von dem geschlossenen Trupp einzeln aufgerieben zu werden, sondern wer bürgte ihnen dann dafür, daß sich die jetzt schon keck und übermüthig gewordene Bande indessen nicht auf die übrigen Häuser, ja in diesem Fall selber nach Perryville hineinwarf und den letzten Zufluchtsort zerstörte.

Noch während sie sprachen, hatte Klingelhöffers Blick an dem gegenüber liegenden Ufer gehangen, an dem sich den Sommer hindurch eine breite helle Sandbank bis über die Hälfte des Stromes ausdehnte. Jetzt aber reichte der Strom bis ziemlich an die jungen Baumwollenholz-Schößlinge hinan, die den Wald der Niederung ränderten, und nur ein schmaler hellerer Streifen war noch übrig geblieben, auf dem man jetzt, aber genau und scharf abgezeichnet, die dunkle Gestalt eines Mannes erkennen konnte, der sich den Fluß hinaufwandte. Klingelhöffer deutete mit seinem Arm hinüber und sagte:

»Dort drüben geht Jemand.«

»Wo?« -- rief Jim -- »ah dort! oh das wird ein Jäger sein.«

»Nein, er geht zu rasch. Da hinauf zu kann er aber auch kein anderes Haus erreichen, denn die =slews= sind jetzt voll Wasser.«

»Vielleicht sieht er nach seinem Vieh. Es wird der alte Boyles sein, der nach seinen Pferden sieht -- ein Sesesch wie er im Buche steht.«

»Jetzt ist er in den Wald hinein,« sagte Wells.

Die Männer hielten noch einen Augenblick die Augen auf die Stelle geheftet, denn in dieser Zeit erweckte auch das Kleinste und Unbedeutendste Verdacht.

»Da kommen mehrere aus dem Wald,« rief da plötzlich Jim Jenkins, in der Erregung des Augenblicks von seinem Stuhl emporfahrend. »Ob sie uns hier, von dort aus sehen können?«

Mehrere Minuten beobachteten die Männer schweigend das, was sich da drüben augenscheinlich am Waldrand regte, endlich sagte Klingelhöffer, dessen Augen noch scharf wie die eines Luchses waren:

»Dort ist noch immer nur ein Mann zu sehen, aber er schleppt ein Canoe aus den Büschen heraus. Wenn es Mehrere wären, würden sie ihm helfen.«

»Klingelhöffer hat Recht,« sagte Wecks. »Jetzt kommt er damit in's Freie; er will in den Strom hinaus.«

»Es ist besser, wir ziehen uns in's Haus zurück,« meinte Jenkins. »Es braucht Niemand zu wissen, daß wir hier so zahlreich versammelt sind.«

»Vielleicht kommt er herüber.«

»Wir werden's bald sehen. Er ist schon damit am Wasserrand. Ob das Boyles selber sein kann?«

Die Männer hatten sich langsam von der offenen Veranda in das Haus gezogen. Nur Klingelhöffer blieb draußen sitzen und es war bald keinem Zweifel mehr unterworfen, daß das Canoe von drüben herüber halte und den Landungsplatz an der diesseitigen Farm zu erreichen suchte, denn der Rudernde hielt den Bug immer seitwärts stromauf, damit er von der starken Strömung nicht zu weit hinab geführt würde. Wer es sei, ließ sich allerdings noch nicht erkennen, da der Mann gebückt im Canoe saß und einen alten Strohhut noch außerdem über die Augen gezogen hatte, aber das mußte sich bald auch entscheiden, denn jetzt erreichte er schon fast die über der Farm liegende felsige Spitze und indem er sein etwas schwankes Fahrzeug treiben ließ, lenkte er es gleich darauf in den Sand-Einschnitt von Klingelhöffer's Ufer, in welchem schon dessen Skiff befestigt lag.

»Boyles! wahrhaftig,« rief Jim Jenkins, der jetzt auf die Veranda hinausgetreten war, denn vor dem einzelnen Nachbar brauchten sie sich nicht mehr zu verstecken -- »Hallo, Boyles, woher kommt Ihr und wo wollt Ihr hin?«

Boyles sah auf und erkannte den noch immer in der Uniform steckenden jungen Mann nicht gleich. Die Uniform selber gefiel ihm ebenfalls nicht, denn er war mit Leib und Seele Sesesch -- ja, einen Moment schien es fast, als ob er nicht übel Lust habe, wieder mit seinem Canoe zurückzukehren. Klingelhöffer selber machte aber seinen Zweifeln ein Ende:

»Kommt herauf Mann, Ihr seid hier unter Freunden und habt Nichts zu fürchten. Kennt Ihr Jim Jenkins nicht mehr?«

»Jim, bei Gott!« sagte Boyles -- »das ist recht -- den wollte ich gerade sprechen -- das trifft sich glücklich;« er sprang jetzt die steile Sandbank mehr hinauf, als er sie stieg und stand auch wenige Minuten später inmitten der jungen Leute, die ihn wohl freundlich aber trotzdem nicht herzlich grüßten. Boyles war ihnen nie ein angenehmer Nachbar gewesen und daß er sich so ganz zur Partei der Sclavenhalter schlug, auch selber der Einzige fast in der ganzen Nachbarschaft war, der Neger hielt, konnte sie ihm nicht geneigter machen.

Von den Negern waren übrigens nur noch zwei auf der ganzen Plantage geblieben, die Uebrigen aber, sobald die Unionisten dort einrückten, nach Little Rock gelaufen. Was sollten sie jetzt noch arbeiten, wo sie freie Leute geworden waren. Boyles selber mochte auch früher wohl zwischen den einfachen Backwoodsmen ein wenig den Pflanzer gespielt, und sich etwas vornehmer als die Nachbarn gedäucht haben. Er war in der That reicher und sein Haus wohnlicher und bequemer eingerichtet gewesen als die der Uebrigen, bis die Emancipation der Neger auch ihn ruinirte, oder doch wenigstens seine großen Plantagen, deren er zwei besaß, werthlos machte.

Die eine in Missouri liegende, hatte er aber glücklicher Weise vor kurzer Zeit noch zu einem ziemlich guten Preis verkaufen können, denn gerade jetzt glaubten manche Farmer im Norden einen guten Handel zu machen, wenn sie sich ohne Sclavenarbeit im Süden niederließen. Allerdings war das erste immer ein Experiment, aber es fand trotzdem Nachahmer, und die südlichen Pflanzer, die nach dem Fall von Vicksburg die Unterwerfung des Südens mit Recht für unausbleiblich hielten, verkauften unter solchen Umständen nur zu gern.

Klingelhöffer wunderte sich allerdings, daß gerade Boyles ihm einen Besuch abstattete; denn wenn sie auch miteinander in Frieden lebten, hatten sie sich -- schon ihrer verschiedenen politischen Ansichten wegen -- bisher viel eher gemieden als gesucht. Er sollte aber darüber bald eine Erklärung erhalten, denn kaum betrat Boyles das Haus, als er auch schon ausrief:

»Gott sei ewig gedankt, daß ich hier brave und wackere Männer finde, die einen Freund gegen Räuber und Mörder schützen können.«

»Hallo,« rief John Wells, von seinem Stuhl aufspringend, denn er selber haßte den alten Boyles, mit dessen Sohn er auch früher einmal Streit gehabt, und nahm deshalb wenig Notiz von ihm. Seine Worte aber machten ihn aufmerksam, denn sie deuteten auf das Einzige, was in diesem Augenblick seine ganze Seele füllte -- die Spur der Jay-hawker -- »wißt Ihr was von den Schuften? -- Haben sie Euch ebenfalls einen Besuch abgestattet?«

»Ach was,« rief Jenkins; »wir haben ja ihre Spuren in den Wald hinein verfolgt. Nach dem Mamelle werden sie hinüber sein -- nicht über den Arkansas.«

»Nein,« rief Boyles rasch, -- »drüben sind sie -- vorgestern haben sie den Strom etwa drei Miles unterhalb in zwei großen Canoes gekreuzt -- Warner, der gerade von Little Rock kam, hat sie gesehen.«

»Da ist dann unser Canoe dabei,« sagte Jim, »das die Schurken neulich bei dem Mord gestohlen haben. Aber wo sind sie jetzt?«

»Weit können sie nicht sein,« erwiderte Boyles, »denn gestern waren sie bei Auburn drüben -- der alte Auburn behielt kaum noch Zeit, in den Sumpf zu flüchten, wo er sechzehn Stunden in Schlamm und Wasser stecken blieb, ehe er sich wieder hinausgetraute. Dort aber hat ihnen der eine Neger erzählt, daß ich meine eine Farm verkauft und viel Geld im Hause hätte, und Auburn's kleiner Junge war eben bei mir, um sich ein Stück Fleisch zu borgen, weil die Räuber Alles, was sie an Lebensmitteln fanden, fortgeführt, und der sagte mir, ich solle mich vorsehen, denn sie hätten gelacht und gemeint, ich würde wohl so gut sein und mit ihnen theilen.«

»Und habt Ihr das Geld wirklich im Haus?«

»Gott bewahre, das liegt sicher genug in Little Rock, aber das wissen ja die Schufte nicht und werden es jetzt bei mir wie bei dem armen alten Hogan machen. Frau und Kinder hab' ich auch deshalb mit den beiden Negern gleich nach Auburn's hinübergeschickt, denn zweimal kommen sie nie auf einen Platz, und ich selber hatte die Absicht, hier bei Euch Schutz zu suchen, Klingelhöffer, bis die Gefahr vorüber ist. Mögen sie mir da drüben Alles verwüsten und das Haus in Brand stecken. Ich kann es nicht hindern -- aber ich will doch nicht von ihnen todtgeschossen werden oder meine Familie ihren Mißhandlungen aussetzen.«

»Und Ihr glaubt wirklich, daß sie die Absicht haben, Euer Haus zu überfallen?« frug der junge Cook.

»Ich bin fest davon überzeugt. Dort in der Nachbarschaft liegt weiter keine einzelne Farm und lange werden sie sich hier nicht mehr halten können, denn wie ich gehört habe, will General Steene die beiden Counties besetzen lassen, um diesem Räuberwesen ein Ende zu machen.«

»Ja wohl, jetzt kommen sie,« brummte Klingelhöffer, »wo die Canaillen schon alles nur erdenkliche Unheil angerichtet, und Botschaft nach Botschaft haben wir seit Wochen hinein in die Stadt gesandt. Gott bewahre, nicht einmal Munition durften wir hinausbringen, um uns selber zu schützen.«

»Und wißt Ihr ganz bestimmt, daß die Jay-hawkers, die auf dieser Seite ihr Wesen trieben, jetzt über den Fluß gegangen sind?« frug Wells.

»Es giebt keine zweite solche Bande in der Nachbarschaft,« versicherte Boyles, »und daß diese mit ihren Pferden über den Strom gesetzt ist, hat Warner mit eigenen Augen gesehen.«

»Dann können sie aber auch eben so gut mit ihren Booten zu _mir_ herüberkommen,« meinte Klingelhöffer, »denn was sie bis jetzt von mir abgehalten hat, war weiter nichts als die Furcht, hier auf der Landspitze einmal von irgend einem Trupp Bewaffneter abgeschnitten zu werden.«

»Aber sie haben keine Canoes mehr,« rief Boyles. »Warner war nicht von ihnen gesehen worden und hielt sich in seinem Versteck, bis sie die beiden Fahrzeuge, gleich über der zweiten Sandbank unten, wo die kleine Slew einmündet, in die Büsche hineingezogen und versteckt hatten, und als er sich ganz sicher wußte, schlich er sich dort hinein und wollte die Canoes in den Strom schieben und forttreiben lassen, aber er war dazu allein nicht im Stande und hat deshalb ganz in der Stille und gerade zwischen ihnen ein tüchtiges Feuer angezündet, bei dem er blieb, bis er sie völlig zerstört wußte. In _den_ Canoes setzen sie gewiß nicht wieder über den Arkansas.«

»Dann ist auch Hoffnung, daß wir sie drüben erwischen,« rief Cook rasch. »Wie wär's, wenn wir das Haus besetzten? nachher laufen sie uns gerade in die Hände.«

»Hm,« sagte Wells, »ich habe auch schon darüber nachgedacht, aber -- wie viel waren in den Canoes, die Warner gesehen hat?«

»Er behauptet, es müßten etwa zehn oder elf gewesen sein. Natürlich wagte er sich nicht zu weit hinan, denn wenn sie ihn entdeckten, wäre er jedenfalls verloren gewesen.«

»Und sie denken Geld bei Euch zu finden?« frug Jenkins.

»Sie wissen, daß ich meine Farm in Missouri verkauft und das Geld dafür erhalten habe. Soviel hat ihnen der schurkische Neger erzählt. -- Sie werden jetzt vermuthen, daß ich es versteckt halte.«

»Die Canaille verdient gehangen zu werden.«

»Verdient hat er's,« sagte Boyles, »denn wie ich höre soll er sich den Schuften angeschlossen haben, was also jetzt etwa elf oder zwölf Mann für die Bande machen würde, wenn sie sich nicht außerdem verstärkt hat. Verdächtiges Gesindel trieb sich wenigstens die letzte Zeit gerade genug am Arkansas herum.«

»Laßt uns die Nacht hinüberfahren,« rief da Wells, -- »verdammt, wenn wir uns ordentlich eintheilen, laufen sie uns gerade in die Büchsenläufe hinein.«

»Ihr glaubt, daß sie bei Euch nach vergrabenem Gelde suchen werden?« fragte Jenkins.

»Dasselbe war wenigstens bei Hogan der Fall, bei dem sie Silber vermutheten und der arme Teufel hatte wohl kaum einen Viertel Dollar Silber im Hause.«

»Sie kommen sicher,« rief Wells, mit der Hand auf den Rand der Veranda schlagend, »wenn wir uns in dem Hause eintheilen, haben wir sie.«

Jenkins schüttelte mit dem Kopf und sagte:

»So weit _ich_ das Haus kenne, glaub' ich es nicht. Es ist kein Logcabin, wo man nach allen Seiten Schießscharten öffnen kann, sondern von behauenen Balken aufgesetzt und mit Brettern beschlagen und die Fenster liegen alle nach dem Fluß hin, während sich die Thür hinten befindet. Dicht darum her stehen aber die kleinen Negerhäuser, jetzt wahrscheinlich alle leer und ich kann mich nicht so genau auf den ganzen Platz besinnen, ob man durch diese hin muß und durch sie verdeckt wird, wenn man zum Hause kommt oder ob sie mehr Seit' ab liegen.«

»Mr. Jenkins,« bemerkte Boyles, »Sie haben Recht. Die Negerhütten liegen der Art, daß man von ihnen verdeckt bis dicht an das Haus hinan kann. Ich weiß, wie mich das die paar Stunden, die ich heute noch drüben war, beunruhigt hat, weil ich jeden Augenblick fürchtete, sie möchten sich an denen hin heranschleichen.«

»Und wenn wir nun die Negerhütten besetzten?« fragte Cook.

»Ja, das wäre ganz gut, wenn man genau wüßte, ob sie den Weg oder vom Wald herein kämen. In der Nacht ist es aber ebenfalls schlimm. Wir haben freilich jetzt Vollmond, aber gerade um das Haus herum stehen die Hickory- und Pfirsichbäume, und der wilde Wein, den ich an die letzteren angepflanzt habe, hat sie dicht und undurchsichtig gemacht.«

»Ich will Euch etwas sagen,« meinte Jenkins, der den Platz da drüben genau kannte, weil er selber früher dort viel jagte -- »Ihr kennt doch die künstliche Salzlecke gleich im Rohr drin, Boyles, die ich selber einmal angelegt?«

»Gewiß -- sie liegt ja keine zweihundert Schritt von meiner Fenz, und es führt sogar ein kleiner Pfad hin, den sich die Kühe gemacht.«

»Dieselbe,« sagte der junge Mann, »gleich daran, wenn man von Eurem Hause hinüber geht, ist doch die kleine runde Waldblöße, die genau so aussieht, als ob Menschen selber dort Bäume und Büsche sorgfältig ausgerodet hätten, denn nicht einmal ein Strauch wächst darauf, nur hohes Gras und ein paar Grün-Dornen.«

»Ganz recht, aber was damit?«

»Habt Ihr Niemanden mehr im Haus drüben?«

»Keine Seele -- der Platz ist jetzt vollkommen verlassen, denn _ich_ konnte ihn allein nicht schützen, und wenn sie mir ihn abbrennen, so muß ich's eben ertragen.«

»Habt Ihr Courage, Boyles?«

»Gegen einen offenen Feind, ja,« sagte der Mann, »aber nicht gegen diese Halunken. Denkt nur daran, wie heimtückisch sie Euren eigenen Vater erschossen haben.«

»Ihr würdet nicht wieder hinübergehen und in dem Hause bleiben?«

»Nicht für hunderttausend Dollar,« erwiederte Jener bestimmt, »denn ich weiß, daß sie mir nie etwas nützen könnten. O dieser unselige Krieg. Was für Elend hat der schon über das Land gebracht.«

»Wenn Ihr nur anfangt es einzusehen,« sagte Jenkins düster -- »aber was geschehen, läßt sich eben nicht mehr ändern -- es muß ertragen werden und nur das bleibt übrig, diese Schurken, die weder Freund noch Feind angehören, wo wir sie fassen können zu züchtigen, und darin können wir uns getrost die Hand bieten. Wo ist mein Bruder Bill, Klingelhöffer? war er nicht vorhin hier?«

»Er wird drüben in der Corncrib mit den Mädchen sein,« antwortete der Deutsche -- »ich hörte, daß sie vorhin davon sprachen. Was soll er?«

»Wir müssen Jemanden im Hause drüben haben,« sagte der junge Mann finster und entschlossen -- »Laßt mich nur machen -- ich glaube, ich habe den richtigen Plan -- jedenfalls ist es ein Versuch; Bill aber, so klein er sein mag, ist ein ganz gescheuter und durchtriebener Bursche, der seine Sache schon geschickt machen wird.«

»Ihr wollt doch, um Gottes Willen, den Knaben nicht drüben allein lassen, wenn die Jayhawker das Haus überfallen?« rief Boyles erschreckt.

»Allerdings will ich das, aber sorgt Euch nicht deshalb. Bill und ich werden das schon in Ordnung bringen. Ueberlaßt das mir. Ich habe _mein_ Leben eingesetzt, des Vaters niederträchtigen Mord zu rächen, der Knabe setzt das seine mit Freuden dafür ein, deß seid versichert -- laßt mich nur mit ihm sprechen. -- Noch eins, Boyles -- habt Ihr Kienholz drüben an Eurem Haus?«

»Nein -- was wollt Ihr damit? Kienholz wächst ja nicht drüben im Bottom.«