Konig Nu Knacker Und Der Arme Reinhold Ein Kindermahrchen In Bi

Chapter 2

Chapter 2556 wordsPublic domain

Zuerst zeigt' _Struwwelpeter_ sich, Dann kam der _böse Friederich_; Der _Daumenlutscher_ lutschte sehr, Der _Zappelphilipp_ hinterher Kam mit dem Tischtuch auf dem Rücken; _Hans_ aber wollt' sich gar nicht bücken, Weil stets sein Blick in Lüften hing; Dann _Robert_ mit dem Schirme ging. Verhungert ganz und sehr elend Kam _Suppenkaspar_ noch am End'. Die Tintenbuben sprangen munter Den Zug hinauf bald, bald hinunter.

Vorüber war auch dieser Zug. Der König sprach: »Jetzt ist's genug! Du hast mein ganzes Volk geseh'n; Ich kann deßhalb nach Hause geh'n. Ich hab' dir weiter nichts zu zeigen Und will nunmehr zu Pferde steigen, Um fort zu reiten auf mein Schloß.«

Man brachte ihm das Schaukelroß, Das Schaukelroß gar reich geschmückt, Wie's sich für einen König schickt; Und in den Sattel schwingt er sich, Ein kühner Reiter, meisterlich. Er hält am Pferdchen fest sich sehr; Er schaukelt hin, er schaukelt her. Doch Reinhold grüßt mit Zierlichkeit Und spricht mit viel Manierlichkeit: »O knackerige Majestät! Es ist mir leid, daß Ihr schon geht. Zwar Euer Mund ist groß und weit, Doch größer Eure Gütigkeit.« Der König rief: »Leb' wohl, mein Sohn!« Und ritt in schnellem Trapp davon.

Reinhold stand jetzt ganz verlassen In den öden, stillen Gassen. Da erschien in lichtem Glanz Mit der Lilie und dem Kranz Jener Knabe, wunderbar, Der zuerst sein Führer war. Und mit freundlichem Gesicht Jetzt der Engel zu ihm spricht:

»Laß uns gehn! Das Spiel ist aus. Lieber Reinhold, komm' nach Haus, Daß die Mutter nicht erwacht Und um dich sich Sorge macht! Doch von all' den schönen Dingen, Die du heute hier geschaut, Will ich dir ein Abbild bringen, Wenn der frühe Morgen graut.«

Durch die grünen Wiesen schreiten Leicht hinwandelnd nun die Beiden; Aber Kirche, Stadt und Baum Werden klein, man sieht sie kaum; Winzig Alles ganz und gar, Wie es in dem Kästchen war.

Reinhold tritt beim Lampenschimmer In die Hütte, in sein Zimmer. Ruhig schläft das Mütterlein; Auf den Zehen tritt er ein. Leise legt er schnell sich nieder, Und der Schlaf umfängt ihn wieder.

Als der frühe Morgen graut Und durch's kleine Fenster schaut, Da erwachen Beide schon, Und die Mutter sieht den Sohn, Der noch eben krank gewesen, Heiter, blühend und genesen. Schönste aller Weihnachtsgaben, Die ein Mutterherz kann haben! Doch in herrlicher Verklärung Glänzt die prächtige Bescheerung. Hundertfacher Kerzenschein Füllt das kleine Zimmerlein. Alles hat in später Nacht Hier der Engel hergebracht; Weihnachtsbaum in vollem Prangen, Wunderherrlich ausgeschmückt, Und mit Allem reich behangen, Was nur Aug' und Herz entzückt. Da ist auch der Struwwelpeter, Und der lustige Trompeter; Nüsseknacker steht dabei, Hanselmänner sind es zwei, Arche Noäh, Storch und Hahn, Häuser, Kirch' und Baum daran, Reiterei und Fußsoldaten, Die Kanone scharf geladen, Und daneben auf der Erd' Steht sogar das Schaukelpferd. Reinhold und die Mutter seh'n Staunend all' die Sachen steh'n.

Auch die Katze und die Maus Gingen heute leer nicht aus. Kätzlein hatte Milch zu lecken; Mäuslein aber in den Ecken An dem Honigkuchen frißt, Drauf ein M von Zucker ist.

Und am Baum die Glocken klingen, Und die gold'nen Vögel singen:

»Nicht grämen sollt ihr euch und sorgen! Gott sendet seine Engel aus. Wen _er_ beschützt, der ist geborgen, Und Frieden wohnt in seinem Haus.

Und heilend auf die tiefsten Wunden Legt mild die Hand er allemal, Und mitten in den trübsten Stunden Trifft euch der Freude Sonnenstrahl.«

Krebs-Schmitt Nachf. Aug. Weisbrod, Frankfurt a. M.