König Heinrich der vierte. Der Erste Theil
Chapter 2
König Heinrich. Wie, und doch weigert er sich seine Gefangnen auszuliefern, ausser mit der Bedingung, daß wir seinen Schwager, den närrischen Mortimer, unverzüglich auf unsre eigne Unkosten auslösen sollen; ihn, der geflissentlich das Leben aller derjenigen aufgeopfert hat, die er gegen diesen Zauberer, diesen verdammten Glendower anführte, dessen Tochter, wie wir hören, Mortimer kürzlich geheurathet hat. Sollen unsre Kisten etwann ausgeleert werden, um einen Verräther heimzukauffen? Nein, auf den nakten Wallischen Bergen laßt ihn verhungern; nimmer werd' ich den Mann für meinen Freund halten, dessen Zunge von mir nur den Aufwand eines Pfennigs verlangt, den aufrührischen Mortimer auszulösen.
Hot-Spur. Den aufrührischen Mortimer? Das veränderliche Glük des Kriegs, nicht sein Wille, hat ihn in die Hände der Feinde fallen lassen, Gnädigster Herr; und zum Beweiß daß dieses die Wahrheit sey, braucht es keine andre Zeugen, als alle diese Wunden, die er empfieng, da er an dem beschilften Strande des anmuthigen Severns, in einzelnem Kampf, Stirne gegen Stirne, den grösten Theil einer Stunde lang den furchtbaren Glendower aufhielt. Dreymal ruhten sie, um wieder zu Athem zu kommen, dreymal tranken sie, auf Verabredung, vom Wasser des schnellen Severns, der, von ihren blutigen Bliken erschrekt, angstvoll zwischen seinem zitternden Schilfrohr fortrann und sein krauses Haupt im holen Ufer verbarg, vom Blut dieser muthigen Kämpfer beflekt. Niemals hat unedle heuchlerische Verrätherey ihren Anschlägen mit so tödtlichen Wunden eine Farbe angestrichen; so großmüthig verschwendet kein Verräther sein Blut. Gestattet also nicht, Gnädigster Herr, daß der edle Mortimer durch eine so unverdiente Beschuldigung entehrt werde.
König Heinrich. Du lügst zu seinem Vortheil, Percy, du lügst; Niemals ist er mit Glendower ins Handgemeng gekommen; er hätte eben so viel Muth gehabt, es mit dem Teufel aufzunehmen, als mit Owen Glendower. Schämst du dich nicht, solche Dinge vorzugeben? Aber, beym Himmel! von dieser Stund an laßt mich nicht mehr von Mortimer reden hören. Schikt mir eure Gefangnen durch die schleunigste Veranstaltung, oder ihr sollt Nachrichten von mir bekommen, die euch nicht gefallen werden--Milord Northumland, wir erlauben euch mit euerm Sohn abzureisen. Eure Gefangnen, oder ihr sollt mehr von mir hören.
(König Heinrich geht ab.)
Hot-Spur. Und wenn der Teufel käme und sie mir abheulen wollte, so schik' ich sie nicht. Ich will ihm nach, und ihm das sagen; ich muß meinem Herzen Luft machen, und wenn es mit Gefahr meines Kopfs wäre.
Northumberland. Wie? von Zorn trunken? Verziehe noch einen Augenblik, hier kommt dein Oheim. (Worcester zu den Vorigen.)
Hot-Spur. Nicht mehr von Mortimer reden? Aber ich will von ihm reden, und möge meine Seele keine Gnade im Himmel finden, wenn ich mich nicht zu ihm schlage. Entweder will ich alle diese Adern ausleeren, und mein Herzensblut, Tropfen für Tropfen in den Staub hingiessen, oder ich will den zu Boden getretnen Mortimer so hoch in die Luft emporheben als diesen König, diesen undankbaren gefühllosen übermüthigen Bolingbroke.
Northumberland. Bruder, der König hat euern Neffen unsinnig gemacht.
Worcester. Wer brachte ihn denn in Hize, wie ich fortgegangen war?
Hot-Spur. Er will mit Gewalt meine Gefangnen haben, und wie ich darauf bestund, daß er meinen Schwager auslösen sollte, da erblaßt' er wie eine Leiche, indem er mich ansah, und zitterte vor dem blossen Namen Mortimer.
Worcester. Ich kan's ihm nicht verdenken. Wurde nicht Mortimer von Richarden, der nun todt ist, als der nächste Thronfolger erklärt?
Northumberland. Das wurde er; ich war bey der Ausruffung zugegen, es geschah zu eben der Zeit, da der unglükliche König (dessen erlidtnes Unrecht uns Gott verzeihen wolle!) gegen die Irländischen Rebellen auszog; von denen er, durch Englands Aufstand abgeruffen, zurük kehrte, um abgesezt, und bald hernach ermordet zu werden.
Worcester. Eine That, die uns in den Augen der ganzen Welt entehrt, und zum Abscheu gemacht hat.
Hot-Spur. Aber sachte, ich bitte euch--König Richard erklärte also meinen Bruder Mortimer zum Thronfolger?
Northumberland. Er that es, meine eigne Ohren haben es gehört.
Hot-Spur. Nun, so kan ich den König, seinen Vetter, nicht verdenken, daß er ihn auf den kahlen Bergen verhungert zu sehen wünschte. Aber soll es dann seyn, daß ihr, welche die Crone auf den Kopf dieses undankbaren Mannes seztet, und um seinetwillen den verhaßten Fleken der Verrätherey und des Meuchelmords tragt; soll es seyn, daß ihr eine Welt voll Flüche auf euch nehmen wollt, um die Werkzeuge, die verächtlichen Werkzeuge, die Strike, die Leiter und der Henker eines Bolingbroks zu seyn? (O! vergebet mir, daß ich so schändliche Benennungen gebrauchen muß, um den Mißbrauch anzuzeigen, den dieser listige König von euch macht.) Und soll es, o Schande! soll in unsern Tagen gesagt, und in Jahrbücher auf künftige Zeiten gebracht werden, daß Männer von eurer Geburt und Macht sich, (wie ihr beyde, Gott vergeb' es euch! gethan habt,) zu einer so ungerechten Sache verbunden haben, als diese war, Richarden, diese anmuthige liebliche Rose, zu Boden zu treten, und diesen Dornbusch, Bolingbrok, an seine Stelle zu pflanzen? Soll es zu eurer noch grössern Schande gesagt werden, daß ihr von demjenigen, für welchen ihr dieser Schande euch unterzogen, zur Belohnung mißhandelt, geäffet und verächtlich auf die Seite geworffen worden? Nein, es ist noch Zeit, eure verbannte Ehre wieder zu lösen, und euch in die gute Meynung der Welt wieder einzusezen. Rächet euch, rächet die Beleidigungen dieses übermüthigen Königs, der Tag und Nacht nur darauf denkt, wie er die Schuld, die er euch eingestehen muß, mit euerm Tod bezahlen wolle. Ich sage also--
Worcester. Nein, Vetter, saget nichts mehr. Es ist nun an mir, euch Geheimnisse von tiefem und gefahrvollem Inhalt zu entfalten, so gefährlich, und verwegen als es wäre, auf der schwachen Brüke eines Speers über einen lautheulenden Waldstrom zu gehen.
Hot-Spur. Fällt er hinein, gute Nacht. Entweder schwimmen oder untergehen-- Sendet Gefahr von Osten gegen Westen, so soll Ehre von Norden gegen Süden sie durchkreuzen, und dann laßt sie sich mit einander herumbalgen--O! das Blut wallt feuriger einen Löwen aufzuweken, als den Lauf einer Hindin zu beflügeln.
Northumberland. Der Gedanke irgend einer grossen Unternehmung treibt ihn über die Grenzen der Geduld.
Hot-Spur. Beym Himmel, mich däucht, es wäre nur ein leichter* Sprung, die glänzende Ehre von dem blaßwangichten Mond herab zu reissen, oder sich in die Tieffe eines bodenlosen Abgrunds hinab zu täuchen, und die ertrunkne Ehre bey den Haaren herauf zu ziehen, wenn der Genuß ihrer Vorzüge mit keinem Nebenbuhler getheilt, der Preiß einer solchen Unternehmung wäre.
{ed. * Hr. Warburton erinnert sich hiebey einer Stelle des Euripides, worinn dieser vortreffliche Mahler der Leidenschaften dem Eteocles den nemlichen Gedanken in den Mund legt: Mutter, ich gesteh es unverhohlen, ich stiege dort wo die Sonne hervor geht über die Sterne hinauf, oder hinab in den Abgrund der Erde, wenn es möglich wäre, der Götter unumschränkten Thron zu bekommen. S. 262 des 1sten Theils des Euripides, nach der Uebersezung des Hrn. Professor Steinbrüchels.}
Worcester. Mein lieber Vetter, hört mir einen Augenblik zu, wenn es die Lebhaftigkeit eurer Gemüths-Bewegung erlaubt.
Hot-Spur. Ich bitte euch um Vergebung.
Worcester. Eben diese edlen Schotten, die eure Gefangnen sind--
Hot-Spur. Ich will sie alle für mich behalten; beym Himmel, er soll keinen einzigen haben, kein Haar von einem Schotten, und wenn dieses Haar seine Seele erlösen könnte; ich will sie behalten, bey dieser Hand!
Worcester. Ihr rennt immer fort, und hört mich nicht an; ihr sollt ja diese Gefangnen behalten.
Hot-Spur. Das will ich auch; dabey bleibts. Er sagte, er wolle den Mortimer nicht auslösen; er verbot mir von Mortimer zu reden; aber ich will ihn ausfinden, wenn er schläft, und ihm in sein Ohr hallen: Mortimer! Ich will einen Staaren abrichten lassen, daß er nichts als Mortimer ruffe, und will ihm den Staaren geben, um seinen Zorn immer in Athem zu erhalten.
Worcester. Hört doch, Vetter, nur ein Wort.
Hot-Spur. Hier verschwör ich feyrlich alle andre Gedanken, als wie ich diesen Bolingbroke quälen und tollmachen wolle. Und was diesen eisenfresserischen Prinzen von Wales betrift, dächt' ich nicht, es würde seinem Vater lieb seyn, wenn ihm ein Unglük begegnete, er sollte mir mit einem Krug Weißbier vergiftet werden.
Worcester. Lebt wohl, Neffe; ich will mit euch reden, wenn ihr besser im Stande seyd, zuzuhören.
Northumberland. Wie, was für ein wespen-züngichter, ungeduldiger Narr bist du, in diesen weibischen Humor auszubrechen, und niemand hören zu wollen als dich selbst?
Hot-Spur. Wie? seht ihr, mir ist, als ob ich mit Ruthen gehauen, mit Nesseln gepeitscht und von Ameisen gestochen werde, wenn ich nur den Namen dieses schändlichen falschen Bolingbroke höre. Zu Richards Zeiten-- Wie hieß doch der Ort?--daß ihn die Pest!--er ligt in Glocester- Schire--es war wo der hirnlose Herzog seinen Oheim ins Garn lokte, seinen Oheim York--wo ich meine Knie zum erstenmal vor diesem König der Liebkosungen, vor diesem Bolingbroke bog; wie ihr und er von Ravenspurg kam't.
Northumberland. Zu Berkley-Castle.
Hot-Spur. Dort war es; ha! was für eine Menge überzükerte Complimente machte mir damals dieser schwänzelnde Windhund vor! Wenn sein unmündiges Glük zu Jahren gekommen seyn würde--und edler Harry Percy, und liebster Vetter--Der Teufel hole solche Schmeichler!--Gott verzeih' mir's! Guter Oheim, sagt izt was ihr wollt, ich bin fertig.
Worcester. Nein, wenn ihr noch nicht fertig seyd, so macht nur fort, wir wollen warten, bis es euch gelegen ist.
Hot-Spur. Ich bin fertig, auf meine Ehre.
Worcester. So wollen wir wieder zu unsern Schottischen Gefangnen. Gebt sie unverzüglich ohne Lösegeld frey, und bedient euch dieses Sohns des Dowglas, um ein Heer in Schottland zusammen zu bringen, welches, um verschiedner Ursachen willen, die ich euch schriftlich zuschiken will, euch ohne Mühe zugestanden werden wird. Ihr, Milord von Northumberland, schleichet euch, indeß daß euer Sohn in Schottland beschäftigt ist, in das Vertrauen dieses edlen und beliebten Prälaten ein, des Erzbischoffs--
Hot-Spur. Von York, nicht wahr?
Worcester. Ja, der den Tod seines Bruders, des Lord Scroop, zu Bristol, sehr hart empfindt. Ich rede nicht aus blosser Vermuthung, was vielleicht geschehen könnte; sondern von einer Sache, die schon entworffen, beschlossen und verabredet ist; von einer Sache, die nur auf eine solche Gelegenheit wartet, um zum Ausbruch zu kommen.
Hot-Spur. Ich rieche was; bey meinem Leben, es muß gut gehen!
Northumberland. Wie voreilig du bist!
Hot-Spur. Es kan unmöglich anders als ein edler Entwurf werden! Und dann sollen sich die Schottische Macht, und Yorks Anhang mit Mortimer vereinigen, ha!
Worcester. Das sollen sie.
Hot-Spur. In der That, das ist über die Maassen wol ausgesonnen.
Worcester. Die Ursache ist nicht gering, die uns so schleunig als es möglich ist, unsre Köpfe emporzuheben befiehlt, wenn wir sie retten wollen. Denn so niedrig wir sie immer tragen möchten, so wird der König doch immer denken, daß er unser Schuldner sey; und daß wir uns nicht eher für befriedigt halten werden, bis er seine Schuld heimgezahlt habe. Ihr seht ja bereits, wie er uns je länger je mehr von seinem Vertrauen und von seiner Zuneigung entfernt.
Hot-Spur. Das thut er, das thut er; wir wollen Rache an ihm nehmen.
Worcester. Vetter, lebt wohl. Geht nicht weiter in dieser Sache, als ich euch durch meine Briefe anweisen werde. Wenn die Zeit reif seyn wird, und das wird bald seyn, dann will ich in Geheim zu Glendower und Mortimer mich begeben, wo ihr und Dowglas und unsre Völker, auf meine Veranstaltungen, glüklich zusammen kommen sollen, um unser Glük, das izt an einem Faden hängt, in unsern eignen starken Armen zu tragen.
Northumberland. Lebet wohl, Bruder; ich habe die beste Hoffnung, daß alles gut von statten gehen werde.
Hot-Spur. Lebt wohl, Oheim; O laßt die Stunden eilen, bis im blutigen Schlachtfeld das Klirren der Schwerdter und das Aechzen der Sterbenden mein belustigtes Ohr umtönt.
Zweyter Aufzug.
Erste Scene. (Ein Wirthshaus bey Rochester.) (Ein Fuhrmann tritt mit einer Laternen in der Hand auf, ruft dem Hausknecht, und giebt ihm eine Commißion wegen seines Pferds; ein andrer Fuhrmann kommt dazu, und die Flöhe in diesem Wirthshaus, worüber beyde sich beklagen, geben Anlas zu einer kleinen Unterredung im fuhrmännischen Geschmak, worinn, daß dich die Pest! und, geh' an Galgen, die schönsten Blümchen sind. Gadshill, einer aus des Prinzen von Wales Bande, kommt dazu, und erkundigt sich mit guter Manier bey ihnen, wenn die Reisende, mit denen sie in diesem Wirtshaus angekommen, nach London abzugehen gedenken.)
Zweyte Scene. (Ein kleines Gespräch zwischen Gadskill und einem Bedienten im Wirthshaus, welches, ausser den Nachrichten, die der leztere dem ersten von den Passagiers im Hause giebt, in einer Art von Wizwechsel besteht, wovon der Uebersezer bekennt, daß es ihm unmöglich fällt, die deutsche Sprache damit zu bereichern. Diejenige, welche vielleicht glauben, daß er diese Unmöglichkeit mit etwas weniger Trägheit hätte überwinden können, mögen sich zur Probe an den sinnreichen Wörtern:) long-staff-six-penny-strikers(, und) Mustachiopurple-hued-malt-worms (üben; und wenn ihnen auch diese nicht zu schwer seyn sollten, so werden sie doch gestehen, daß die unsaubern Wortspiele, die einen Theil dieser Scene ausmachen, unübersezlich sind. Das beste ist, daß der Leser nicht einen einzigen gesunden Gedanken, oder guten Einfall dabey verliehrt. Man mag aus dem was wir übersezen, den Schluß auf dasjenige machen, was wir auslassen müssen.)
Dritte Scene. (Verwandelt sich in die Landstrasse.) (Prinz Heinrich, Poins und Peto treten auf.)
Poins. Kommt, verbergt euch, verbergt euch; ich habe Falstaffs Pferd auf die Seite gethan, und er murrt wie ein gummierter Sammet.
Prinz Heinrich. Halt dich ruhig. (Falstaff tritt auf.)
Falstaff. Poins, Poins! daß du gehangen wärst! Poins!
Prinz Heinrich. Still, du fettnierichter Spizbube, was für ein Geheul machst du da?
Falstaff. Wie, Poins! Hal!
Prinz Heinrich (zu Poins.) Er ist auf den Hügel hinauf gegangen, ich will geh'n und ihn aufsuchen.
Falstaff (auf einer andern Seite.) Das ist meine Straffe davor, daß ich in dieses Diebs Gesellschaft raube; der Raker hat mir mein Pferd auf die Seite gethan, der Henker weiß wo hin. Wenn ich nur noch vier Quadrat-Schuhe weiter zu Fuß gienge, so würd' ich mir den Blasebalg zersprengen. Gut, ich zweifle nicht, daß ich eines schönen Tods für alles diß sterben werde, in so fern ich dem Galgen entgehe, wenn ich diesen Spizbuben todtschlage. Ich habe diese zwey und zwanzig Jahre her seine Gesellschaft stündlich verschworen, und doch bin ich immer mit dem Galgenstrik behext. Ich will gehangen seyn, wenn mir der Raker nicht einen Liebes-Trank eingegeben hat; es kan anders nicht seyn; ich hab' einen Liebes-Trank bekommen. Poins! Hal! Daß ihr die Pest hättet! Bardolph! Peto! Ich will verhungern, wenn ich einen Schritt weiter stehle. Wenn es nicht eine so gute That wär' als ein Glas Bier auszutrinken, wenn ich ein ehrlicher Mann würde und diese Galgenschwengel verliesse, so will ich der ausgemachteste Halunke seyn, der jemals mit Zähnen gekäut hat. Acht Ellen unebner Grund ist siebenzig Meilen für mich, wenn ich zu Fuß gehen muß. Das hol der Henker, wenn Diebe nicht einmal ehrlich an einander seyn können!
(Er hört sie flüstern.)
He! daß euch die Pestilenz alle mit einander! Gebt mir mein Pferd, ihr Schelme, gebt mir mein Pferd, und geht an den Galgen.
Prinz Heinrich. Schweige, du Schmeer-Bauch, lieg nieder, leg dein Ohr hart an den Boden, und horch, ob du nicht den Fußtritt von Reisenden hören kanst.
Falstaff. Habt ihr ein paar Hebel, oder etliche, daß ihr mich wieder aufheben könnt, wenn ich einmal liege? Sapperment! Ich wollte um alles Geld in deines Vaters Schazkammer, mein eigen Fleisch nicht noch einmal so weit zu Fuß tragen. Was zum T** meynt ihr damit, daß ihr mich so vexiert--Ich bitte dich, Prinz Hal, hilf mir zu meinem Pferd, guter Königs-Sohn.
Prinz Heinrich. Weg, du Schurke! Soll ich dein Stallknecht seyn?
Falstaff. Geh, und häng dich selbst an deinen eignen Cronprinzlichen Kniebändern auf. Wenn ich ertappt werde, so will ich euch für diesen Streich bezahlen; ich will reden was ich weiß, das glaubt mir. Wenn ich's nicht dahinbringe, daß man Gassenhauer auf euch macht, und sie im Ton von H**liedern in den Strassen singt, so möge ein Becher mit Sect mein Gift seyn! Wenn man einen Spaß so weit treibt, und noch dazu zu Fuß! Ich haß' es! (Gadshill und Bardolph zu den Vorigen.)
Gadshill. Steh!
Falstaff. Das thue ich, wieder meinen Willen.
Poins. O, es ist unser Spion, ich kenn' ihn an der Stimme. Bardolph, was giebts Neues?
Bardolph. Maskirt euch, maskirt euch, zieht eure Visiere herab: es kommt dort Geld für den König vom Hügel herunter, Geld, das in des Königs Schazkammer geht.
Falstaff. Du lügst, du Spizbube, es geht in des Königs Wirthshaus.
Gadshill. Es ist genug, uns alle--(reich zu machen).
Falstaff. An den Galgen zu bringen.
Prinz Heinrich. Ihr Herren, stellt ihr Viere euch ihnen vorn in dem holen Weg entgegen; Ned Poins und ich wollen tiefer herunter gehen; wenn sie euch entrinnen, so fallen sie doch uns in die Hände.
Peto. Aber wie viel sind ihrer?
Gadshill. Ihrer acht oder zehen.
Falstaff. Sakerlot! So werden sie ja uns berauben.
Prinz Heinrich. Was Sir Hans Wanst für eine Memme ist!
Falstaff. In der That, ich bin nicht Hans von Gaunt, euer Großvater, aber doch auch keine Memme, Hal.
Prinz Heinrich. Gut, wir wollen's auf die Probe ankommen lassen.
Poins. Holla, Jak, dein Pferd steht hinter dem Zaun dort: wenn du's nöthig hast, so wirst du's dort finden. Lebt wohl und haltet euch wohl!
Prinz Heinrich (zu Poins leise.) Ned, wo sind unsre Ueberkleider?
Poins. Hier, hart an uns; Laßt euch ja nicht sehen.
(Sie gehen auf die Seit.)
Falstaff. Nun, meine Herren, ein jeder an seine Arbeit, wer das beste kriegt, der hat's!
Vierte Scene. (Einige Reisende treten auf.)
Reisende. Kommt, Nachbar; der Junge soll unsre Pferde den Hügel herunter führen; wir wollen eine Weile zu Fuß gehen, um eine Veränderung zu machen.
Die Diebe. Halt!
Reisende. Gott helf uns!
Falstaff. Schlagt zu; nieder mit ihnen, schneidet den Lumpenhunden die Hälse ab, ha! Ihr verfluchtes Ungeziefer, ihr Schlingel von Spekfressern; sie sind unsre Feinde, zu Boden mit ihnen, zieht sie aus.
Reisende. O wir sind verlohren, wir und die unsrigen auf immer.
Falstaff. An den Galgen, ihr dikbauchichten Schurken, seyd ihr verlohren? Nein, ihr fetten Lümmel, ich wollt' euer ganzer Vorrath wäre hier; nieder, ihr Spekseiten etc.
(Sie binden und berauben die Reisenden, und gehen ab.)
(Prinz Heinrich und Poins treten auf.)
Prinz Heinrich. Die Diebe haben die ehrlichen Leute gebunden; wenn izt du und ich die Diebe berauben, und mit der Beute im Triumph nach London ziehen könnte, das wäre eine Materie für eine Woche, ein Gelächter für einen Monat, und ein Spaß für immer.
Poins. Sachte, ich höre sie kommen. (Die Diebe kommen zurük.)
Falstaff. Kommt, meine Herren, wir wollen theilen, und dann zu Pferde, eh der Tag anbricht. Wenn der Prinz und Poins nicht zwo ausgemachte Memmen sind, so ist keine Billigkeit mehr in der Welt. Dieser Poins hat nicht mehr Herz als eine wilde Ente.
(Indem sie theilen, werden sie von dem Prinzen und Poins überfallen.)
Prinz Heinrich. Euer Geld!
Poins. Ihr Galgenschwengel!
(Die Diebe rennen fort, und Falstaff, nachdem er einen oder zween Streiche bekommen, läuft auch davon, und läßt die Beute dahinten.)
Prinz Heinrich. Das hat nicht viel Mühe gekostet. Nun lustig zu Pferd; die Diebe sind zerstreut, und in einen so grossen Schreken gesezt, daß sie das Herz nicht haben, sich wieder zu sammeln; ein jeder hält den andern für einen Gerichtsdiener. Hinweg, guter Ned. Wie wird der arme dike Falstaff izt schwizen! Wenn ich nicht lachen müßte, ich könnte Mitleiden mit ihm haben.
(Sie gehen ab.)
Fünfte Scene. (Lord Percys Haus.) (Hot-Spur tritt allein auf, einen Brief lesend.)
Hot-Spur. "Was mich selbst betrift, Milord, so könnt ich um der Freundschaft willen, die ich gegen euer Haus trage, wünschen, dort zu seyn." Er könnte wünschen dort zu seyn; warum ist er denn nicht dort? "Um der Freundschaft willen, die er gegen unser Haus trägt." Es zeigt sich aus diesem, daß er seinen eignen Speicher mehr liebt als unser Haus. Laßt doch weiter sehen: "Euere Unternehmung ist gefährlich." Das wissen wir; es ist gefährlich einen Schnuppen zu kriegen, zu schlaffen, zu trinken; aber laßt euch sagen, Milord Hasenfuß, daß wir aus dieser Nessel-Gefahr, die Blume, Sicherheit, pflüken wollen. "Eure Unternehmung ist gefährlich, die Freunde, die ihr nennt, sind ungewiß, die Zeit selbst ist unschiklich, und euer ganzer Entwurf zu leicht, einem so mächtigen Widerstand das Gegengewicht zu halten." Sagt ihr das, sagt ihr das? So sag ich euch wieder zurük, daß ihr eine schüchterne feige Hindin seyd, und daß ihr lügt. Wo hat denn der Mann sein Hirn? Bey G**! Unser Entwurf ist ein so guter Entwurf als jemals einer gemacht worden ist; unsre Freunde sind zuverläßig und standhaft; ein guter Entwurf, gute Freunde, und von denen man sich alles versprechen kan; ein vortrefflicher Entwurf und recht gute Freunde! Was für ein kaltherziger Schurke das ist! Wie? Milord von York billigt und begünstigt das Vorhaben selbst und den Entwurf, und diese Memme hier--Bey meiner Hand, wär' ich bey ihm, ich könnte ihm mit seiner Frauen Luftfächer das Hirn ausschlagen. Ist nicht mein Vater, mein Oheim und ich selbst dabey? Lord Edmund Mortimer, Milord von York, und Owen Glendower? Ist nicht Dowglas dabey? Hab' ich nicht von ihnen allen Briefe, daß sie auf den neunten dieses Monats ihre Waffen mit den meinigen vereinbaren wollen? Sind nicht einige von ihnen würklich schon ausgerükt? Was für ein verdammter Schurke ist das! Ha, ihr werdet nun sehen, daß er in der Aufrichtigkeit seiner Zagheit und seines kalten Bluts zum Könige gehen, und unser ganzes Vorhaben entdeken wird. O ich könnte mich selbst in zwey spalten, daß ich eine solche Schüssel voll geschwungne Milch in eine so edle Unternehmung habe einmengen wollen. An den Galgen mit ihm, er mag es dem König sagen. Wir sind gerüstet, ich will diese Nacht noch vorrüken.--
Sechste Scene. (Lady Percy zu Hot-Spur.)
Hot-Spur. --Was giebt's, Käthe? Ich muß dich in zwo Stunden verlassen.