Part 3
3. Umstandsw. der _Weise_. Wie? -- gern, sehr, recht, ungemein, besonders, vorzüglich, fast, beinahe, kaum, genug, zu sehr, ganz, merklich, ziemlich etc.
_Anm._ Die meisten Eigenschaftsw. können Umstandsw. der Weise sein, und als solche können sie gesteigert werden. Z. B. Dieser Knabe geht langsam, jener geht langsamer, du gehst am langsamsten.
4. Umstandsw. der _Bejahung_ und _Verneinung_ auf die Frage: Geschieht Etwas oder geschieht es nicht? -- ja, freilich, allerdings, vermuthlich, vielleicht, allenfalls, gewiß, wirklich, wohl, -- nein, nicht, keineswegs etc.
5. Umstandsw. der _Frage_: wie? wo? wohin? wozu? womit? etc.
Anm. 1. Er ist den ganzen Tag _umher_ gelaufen. Der Becher ging bei dem Mahle _herum_.
Anm. 2. Komm doch _herein_! Soll ich zu dir _hinaus_ kommen? Er ist eben _hinunter_ gegangen.
Anm. 3. Eine _doppelte Verneinung_ darf nicht angewendet werden, weil dadurch die Behauptung wieder bejaht wird. Man darf also nicht sagen: Ich habe _kein_ Geld _nicht_.
IX. Bindewörter.
§. 33. Die Bindew. verbinden theils Wörter, theils Sätze mit einander. Sie können sein:
A. _Bindewort der Beiordnung_ (coordinirende).
1. Der _Anreihung_ (copulative): und, auch, nun, sowohl -- als auch, nicht nur -- sondern auch, theils -- theils, je -- desto, zuletzt, erstlich, erstens, ferner, nicht allein -- sondern auch, endlich, dann, nicht bloß -- sondern auch, außerdem, dazu.
2. Der _Entgegnung_ (adversative): aber, allein, doch, dennoch, jedoch, oder, entweder -- oder, dagegen, vielmehr, indessen, dessenungeachtet, weder -- noch, nicht -- sondern, wenn -- so, hingegen, gleichwohl, sonst, bald -- bald.
3. Des _Grundes_ (causale): denn, deßwegen, darum, dann, daher, folglich, somit, mithin, demnach, also, nämlich, als, deshalb.
B. _Bindew. der Unterordnung_ (subordinirende): daß, damit, weil, da, als, indem, nachdem, indeß, während, ehe, bevor, seit, seitdem, bis, so lange als, so, so wie, gleichwie, als ob, so daß, ohne daß, auf daß, wenn, falls, obgleich, wenngleich, wiewohl, wie sehr auch, seitdem daß, darum, als wenn, obschon, unterdeß, wenn schon, sobald, wofern, dahin -- wohin, daher -- woher, da -- wo, je -- desto.
X. Empfindungswörter.
§. 34. Die Empfindungsw. bezeichnen laute Ausbrüche der Freude, des Schmerzes, der Furcht, des Verlangens etc.
ach! ei! heißa! juchhei! o! holla! husch! pfui! o weh! knacks! piff! paff! plumps! he! heda!
Satzlehre.
§. 35. Die Menschen können _denken_; sie haben _Gedanken_. Ein ausgesprochener oder niedergeschriebener Gedanke heißt ein Satz. Ein Satz kann enthalten:
1. Eine _Behauptung_, ein Urtheil, eine Erzählung:
Müßiggang ist aller _Laster_ Anfang. Uebermuth thut selten gut. Hans nährte sich vom Schiebekarren.
Nach solchen Sätzen steht ein Punkt.
2. Eine _Frage_:
Wie geht es Euch? Wie fangt ihr's an? Hört ihr's wimmern hoch vom Thurm?
Nach einem Fragesatz steht ein Fragezeichen; ist die Frage aber nicht bestimmt ausgesprochen, so steht ein Punkt.
Er fragte, wie es ihm gehe.
3. Einen _Wunsch_, Rath, eine Bitte, Aufforderung, Ermahnung, Ermunterung:
Nur unterlaßt mir den Gesang! Friede sei ihr erst Geläute!
4. Einen _Befehl_ -- Gebot oder Verbot:
Fahr zu, Johann! Setzt euer Licht hierher!
5. Einen _Ausruf_ -- der Bewunderung, des Unwillens, Bedauerns, Schmerzes, Schreckes, der Freude, Behauptung etc.
Gevatter! ihr seid nicht gescheidt! O, welch ein Mensch!
Nach einem Wunsche, Befehle und Ausrufe steht ein Ausrufungszeichen.
§. 36. Es giebt:
a. _einfache_ Sätze:
Der Vater schreibt.
b. _erweiterte_ (ausgebildete oder ergänzte) Sätze:
Der Vater schreibt den Brief.
c. _zusammengesetzte_ Sätze:
Der Vater schreibt den Brief, und die Mutter liest die Zeitung.
Die Glieder (Theile) des einfachen und erweiterten Satzes sind immer nur Wörter, die Glieder des zusammengesetzten Satzes sind aber Sätze.
I. Der einfache Satz.
§. 37. Jeder _einfache_ Satz besteht nur aus _Gegenstand_ und _Aussage_ (Subject und Prädicat).
Den _Gegenstand_ des Satzes finde ich dadurch, daß ich mit dem Zeitworte die Frage: _Wer?_ oder _Was?_ verbinde. Er steht immer im 1. Falle und wird durch ein _Hauptwort_ oder durch einen _Stellvertreter_ desselben bezeichnet.
Der _Baum_ blüht. _Du_ bist ein Kind. _Malen_ ist eine Kunst. _Aber_ ist ein Bindewort. _Schwarz_ ist die Trauerfarbe.
Wie heißt im 1. Satz das Zeitwort? blüht. Wer blüht? der Baum = Gegenstand des Satzes.
_Anm._ Zuweilen kündigt man den Gegenstand durch das Wörtchen „es“ an, giebt ihn aber später bestimmter. Z. B. Es reden und träumen die Menschen viel etc.
§. 38. Die _Aussage_ findet man auf die Frage:
a. Was _thut_ ein Gegenstand oder was _wird_ mit einem Gegenstande _gethan_?
b. _Wie_ ist ein Gegenstand?
c. _Was_ ist ein Gegenstand?
Sie kann ausgedrückt werden:
a. durch ein _Zeitwort_ in der That- und Leideform;
b. durch ein _Eigenschaftswort_, einen Umstand mit dem Hülfszeitwort;
c. durch ein _Hauptwort_ und _Hülfszeitwort_.
Der Lehrer _lobt_. Der Schüler _wird gelobt_. Der Sommer ist _heiß_. Der Sturm ist _vorüber_. Mit unsrer Freundschaft ist es _aus_. Du bist _im Irrthum_. Der Knabe ist (befindet sich) _auf der Wiese_. Gott ist _ein Geist_. Der Soldat wird _ein Held_. Der Bruder bleibt (ist) _mein Nachbar_.
§. 39. 1. Der _Gegenstand_ kann stehen:
a. in der _Einzahl_ und _Mehrzahl_;
b. in drei _verschiedenen Personen_:
Ich schreibe, du schreibst, er schreibt, wir schreiben etc.
2. Die _Aussage_ kann stehen:
a. in der _Gegenwart_, _Vergangenheit_ u. _Zukunft_;
b. in der _Wirklichkeits-_, _Möglichkeits-_ und _Befehlsweise_.
3. _Gegenstand_ und _Aussage_ stehen immer in _gleicher_ Zahl und Person.
Der Vater geht. Die Väter gehen.
4. _Zwei_ und _mehrere Gegenstände_ erfordern die Aussage in der _Mehrzahl_.
Der Vater und die Mutter gehen aus.
5. Bei der Frage nach dem Gegenstande hat man auf Person und Zahl, bei der Frage nach der Aussage auf Zeit und Aussageweise zu achten:
Wer blüht? Wer hat geblüht? Wer wird blühen? -- Was thut der Baum? Was hat der Baum gethan? Was kann der Baum thun?
II. Der erweiterte Satz.
§. 40. Werden _Gegenstand_ oder _Aussage_ des einfachen Satzes, oder beide zugleich _näher bestimmt_ (erweitert, ergänzt, ausgebildet) so erhält man den _erweiterten_ Satz.
A. _Nähere Bestimmungen des Gegenstandes._
Sie antworten auf die Frage: welcher, e, es, und sind somit _eigenschaftlichen_ Characters.
Der _Gegenstand des Satzes_ kann näher bestimmt werden:
1. Durch ein _Fürwort_:
_Dieser_ (jener, dein) Baum blüht. _Derselbe_ Mann war es.
2. Durch ein _Eigenschaftswort_:
Der _große_ Baum blüht. Ein _gutes_ Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen.
3. Durch ein _Zahlwort_:
Der _dritte_ Baum blüht. _Drei_ Bäume blühen. _Aller_ Anfang ist schwer.
4. Durch ein _Hauptwort_ im 1. Fall:
Kaiser _Karl_ lebte zur Zeit Luthers. Friedrich der _Große_ erbaute Sanssouci. Sechs Loth _Zucker_ kosten einen Silbergroschen. Bruder _Fritz_ ist verreist. Doctor _Mai_ ist angekommen.
5. Durch ein _Hauptwort_ im 2. Fall:
Der Baum _meines Bruders_ blüht. Die Furcht _des Herrn_ ist der Weisheit Anfang.
6. Durch einen _Umstand_, der auch durch ein Verhältnißwort mit seinem Fall ausgedrückt werden kann:
Der Garten _dort so hübsch_ etc. Der Baum _in der Stube_ blüht. Ketten _von Gold_ drücken oft schwer. Ein Sperling _in der Hand_ ist besser, als eine Taube _auf dem Dache_.
7. Durch ein _Zeitwort_ in der _Grundform_:
Die Lust zu _sterben_ ist selten.
_Anm._ Das Eigenschaftswort kann stets durch ein Umstandswort oder ein Verhältnißwort mit seinem Falle näher bestimmt werden. Z. B. Die _mit Anlagen_ begabten Schüler. Die _recht_ gute Schrift.
B. _Nähere Bestimmungen der Aussage._
§. 41. a. _Die Aussage_ kann, wenn sie durch ein _Hauptwort mit dem Hülfszeitwort sein_ ausgedrückt wird, durch die Bestimmungen des Gegenstandes erweitert werden.
Ueberhaupt können Hauptwörter, die in einem Satze vorkommen, die 7 Bestimmungen des Gegenstandes annehmen.
Hunger ist der _beste Koch_. Müßiggang ist _aller_ Laster Anfang. Dienstjahre sind _keine_ Herrenjahre. Thorheit ist _eine Schwester_ der Dummheit.
§. 42. b. Besteht die Aussage aus einem Zeitwort oder Eigenschaftswort, so kann sie _näher bestimmt_ werden:
a) Durch Bestimmungen _gegenständlichen_ Charakters.
1. Durch den 4. Fall (_regierter_ oder _leidender Gegenstand_ = _Object_):
Ein faules Ei verdirbt _den ganzen Brei_. Böse Gesellschaft verdirbt gut' _Sitte_. Uebung macht _den Meister_. S. §. 29.
2. Durch den 4. u. 3. Fall. (3. Fall = _betheiligter Gegenstand_):
Der Mann schenkt _dem Knaben_ eine Birne. Die Mutter verbietet _dem Kinde_ das Naschen. Der Krieg nimmt _dem Lande_ seine Söhne. S. §. 29.
3. Durch den 4. u. 2. Fall. (2. Fall = bewirkender Gegenstand):
Der Dieb beraubt _mich meines Geldes_. S. §. 30. 1.
4. Durch zwei 4. Fälle:
Er nannte _ihn einen Narren_. Herr, lehre _mich deine Steige_! Wer lehrt _das Auge seine Pflicht_? Herr, lehrt _mich bess're Sachen_! S. §. 30. 2.
5. Durch den 3. Fall:
Der Schüler antwortet _mir_. Der Knabe ist _ihm_ ähnlich. _Peter dem Großen_ wurde die Bildung seines Volkes sehr schwer. S. §. 28.
6. Durch den 2. Fall:
Ich bedarf _seiner_ nicht. Ich bin _meiner Sache_ gewiß. Eigner Herd ist _Goldes_ werth. Tugend bedarf _keines Ausrufers_. S. §. 27.
b. Durch Bestimmungen _umständlichen_ Charakters.
7. Durch einen _Umstand des Ortes_:
Der Fisch lebt _im Wasser_. Treue Hand geht _durch's ganze Land_. Der Knabe spielt _hier_, _dort_ etc. Man suchte ihn _aller Orten_. S. §. 32. 1.
8. Durch einen _Umstand der Zeit_:
Die Bäume blühen _im Frühling_. Die Bäume blühen _jetzt_. _Des Morgens_ schläft er und _des Abends_ ist er munter. Rom ist nicht _in einem Tage_ erbaut. S. §. 32. 2.
9. Durch den _Umstand der Weise_:
Ich singe dir _mit Herz und Mund_. Der Schüler singt _rein_ und _richtig_. Zwei harte Steine mahlen _nicht_ gut. Er mußte _stehenden Fußes_ umkehren. S. §. 32. 3.
10. Durch einen _Umstand des Grundes_:
Der Knabe weint _vor Schmerz_. _Gesundheitshalber_ giebt er die Arbeit auf.
_Anm._ Die Umstände des Ortes, der Zeit und der Weise können ausgedrückt werden durch:
a. Verhältnißwörter mit ihren Fällen;
b. Umstandswörter;
c. Fälle der Hauptwörter.
Der Umstand des Grundes kann nur durch ein Verhältnißwort mit seinem Falle ausgedrückt werden.
11. Durch ein Zeitwort in der _Grundform_:
Ich höre ihn _kommen_. Er hat mich _gehen_ heißen. Der Freund hat ihm _schreiben_ helfen.
Mehrere Bestimmungen.
§. 43. _Gegenstand und Aussage_ können durch mehrere _verschiedene_ Bestimmungen (Ergänzungen) zu gleicher Zeit ausgebildet werden. Zwischen ihnen steht kein Zeichen.
Dieser freundliche Sohn meiner vielgeliebten Tante schenkte jenem armen Knaben am ersten Weihnachtstage auf dem Weihnachtsmarkte diesen recht warmen Anzug. Der fleißige Knabe aus dem benachbarten Dorfe schreibt morgen früh um acht Uhr in der obern Schule seinem Vetter in der Stadt einen sehr langen Brief zum nächsten Geburtstage.
Werden sie jedoch durch _gleichartige_ Bestimmungen erweitert, so steht zwischen diesen ein Komma, wenn sie nicht durch „_und_“ verbunden sind:
Marie war eine klare, heitere, thätige und wackere Schülerin.
III. Der zusammengesetzte Satz.
§. 44. Jeder _zusammengesetzte Satz_ besteht aus einfachen oder erweiterten Sätzen oder aus beiden zugleich. Sind diese Sätze von einander unabhängig -- ist jeder einzelne für sich verständlich, -- so nennt man sie beigeordnet (coordinirt):
Friede ernährt; Unfriede verzehrt.
Sind sie aber von einander _abhängig_ -- kann der eine ohne den andern nicht verstanden werden, -- so sind sie einander _über_- und _untergeordnet_:
Wer Gutes thut, hat frohen Muth.
Die übergeordneten (superordinirten) Sätze heißen -- sind sie unabhängig -- _Hauptsätze_, die untergeordneten (subordinirten) heißen _Nebensätze_.
1. Hauptsätze sind Hauptsätzen beigeordnet:
Der Knecht hat erstochen den edlen Herrn; der Knecht wär' selber ein Ritter gern. Mit Vielem hält man Haus; mit Wenigem kommt man aus.
2. Nebensätze sind Nebensätzen beigeordnet:
Wenn du deinen Beruf treu erfüllst; wenn du den Gesetzen des Landes gehorchst: so soll Niemand dir ein Leid zufügen.
3. Hauptsätze sind Nebensätzen übergeordnet.
4. Nebensätze sind Hauptsätzen untergeordnet:
Und als er die güldenen Sporen ihm gab, da schleudert's ihn wild in den Strom hinab.
5. Nebensätze können Nebensätzen über- und untergeordnet sein. Es giebt also Nebensätze ersten, zweiten u. s. w. Ranges:
Den schlechten Mann muß man verachten, der nie bedacht, was er vollbringt.
A. Beigeordnete Sätze.
§. 45. 1. _Beigeordnete Sätze_ werden gar nicht oder durch Bindewörter der Beiordnung verbunden. S. §. 33. A.
2. Zwischen beigeordneten Sätzen -- sind sie nicht sehr kurz -- steht ein Semikolon (;), ausgenommen vor „_und_“ und „_oder_“, vor diesen steht ein Komma.
Sie können sein:
1. _Anreihend_:
Redlich sei des Herzens Grund; redlich spreche stets der Mund. Jede Stund' ist wichtig; Müßiggang ist nichtig. Töne entlockt er der Flöte _und_ das Echo des Berges wird wach. Im Herbste werden die Tage kürzer; _auch_ kühlt sich die Luft immer mehr ab. Dort nahet der Feind; _nun_ laßt uns wacker kämpfen! Zuerst beginnt der Tag zu dämmern; _dann_ verlieren die Sternlein ihren Glanz; _zuletzt_ erscheint die Sonne in ihrer Purpurpracht. _Nicht nur_ suchte ich ihn im Felde; _sondern_ mein Bruder durchlief auch den Wald.
2. _Entgegenstellend_:
Heute wird _entweder_ jenes Gras gemäht, _oder_ dieses Holz wird eingefahren. Schönheit verläßt uns bald; _aber_ ein getreues Herz bleibt uns. Die Biene ist zwar ein kleines Thier; _allein_ sie kann große Schmerzen verursachen.
3. _Begründend_:
Wo ihr wohnet, da verschönet jedes gute Herz den Ort; _drum_ verweilet froh und eilet nur so bald nicht wieder fort. Das Glas ist spröde; _daher_ läßt es sich nicht biegen. Der Mensch kann das Gute thun und das Böse lassen; _denn_ er hat freien Willen. Ich hatte schon einem Andern mein Wort gegeben; _deßhalb_ konnte ich deinem Wunsche nicht nachkommen.
Zusammengezogene Sätze.
§. 46. Gehören in _beigeordneten_ Sätzen _mehrere_ Gegenstände (Subj.) zu _einer_ Aussage (Praed.), oder _mehrere_ Aussagen zu _einem_ Gegenstande, so hat man _zusammengezogene Sätze_:
Grobheit und Stolz wachsen auf einem Holz. Hoffen und Harren macht Manchen zum Narren. Bewegung, Mäßigkeit und Ruh' schließt dem Arzt die Thüre zu. Einige Blumen blühen im Sommer, andere blühen im Herbste. Der Fuchs ist schlau, listig und raubgierig. Er kam, sah' und siegte. Nadelhölzer sind: Tannen, Fichten, Kiefern etc. Fleiß bringt Brod, Faulheit Noth. Roggen wird entweder geschnitten oder gemäht. Verschlossener Mund und offene Augen haben noch Niemandem geschadet. Sammet und Seide löschen das Feuer in der Küche aus.
Anm. In den zusammengezogenen Sätzen steht vor „_und_“ und „_oder_“ kein Komma.
B. Nebensätze.
§. 47. Der _Nebensatz_ steht immer an der Stelle eines Satzgliedes und kann in ein solches verwandelt werden.
Die Nebensätze werden durch die Bindewörter der Unterordnung mit den Hauptsätzen verbunden. S. §. 33. B.
Da es dreierlei nähere Bestimmungen giebt, so giebt es auch dreierlei Nebensätze.
1. Eigenschaftssätze.
Die Nebensätze können stehen für _eigenschaftliche Bestimmungen_ = _Eigenschaftssätze_ (Adjectiv-, Relativ-Sätze). Sie werden mit dem Hauptsatze in der Regel durch die zurückbeziehenden Fürwörter: welcher, e, es; der, die, das, auch wohl durch: _wo_, _wann_, _wie_, verbunden:
Nichts ist so elend, als ein Mann, der Alles will, und der Nichts kann. = Nichts ist so elend, als ein Alles _wollender_ und _Nichts könnender_ Mann. Die Sterne, welche ihr eigenes Licht haben, heißen Fixsterne.
2. Gegenstandssätze.
§. 48. Die Nebens. können stehen für gegenständliche Bestimmungen = _Gegenstandssätze_ (Substantiv-Sätze) und werden mit dem Hauptsatze in der Regel durch: _daß_, _ob_, _wer_, _was_, _wo_, _wann_, _wie_ etc. verbunden. Als solche können sie sein:
a. _Gegenstandssätze_ für den 4. Fall (Object-Sätze).
Sage mir, mit wem du umgehst, und ich will dir sagen, was du werth bist. = Sage mir _deinen Umgang_, und ich will dir _deinen Werth sagen_. Wer läuft, den jagt man. Wer _hoch_ steht, den sieht man.
1. Hierher gehören auch die Sätze, die angeben, was Jemand sagt, meint, behauptet etc.
Solon sagte: Niemand ist vor seinem Tode glücklich.
2. Vor der wörtlich angeführten (directen) Rede steht ein Doppelpunkt. Häufig folgen diesem Doppelpunkt auch noch Anführungsstriche:
Solon sagte. „Niemand ist vor seinem Tode glücklich.“
3. Tritt der Einführungssatz zwischen den Ergänzungssatz, so sind die Zeichen in folgender Weise zu setzen:
„Niemand“, sagte Solon, „ist vor seinem Tode glücklich“. -- „Komm mit“, sprach neulich der Klaus zu mir, „vor dem Thore etc.“
4. Führt man die Rede nicht wörtlich (indirect) an, so werden die Sätze durch ein Komma getrennt:
Solon sagte, daß Niemand vor seinem Tode glücklich sei.
b. _Gegenstandssätze_ für den 2. Fall (Genitiv-Sätze):
Der Gedanke, daß Gott gerecht sei, giebt allein dem Menschen Ruhe = der Gedanke _der Gerechtigkeit_ Gottes giebt allein etc. Er erinnerte sich, daß er ihn gesehen = seines Anblicks.
c. _Gegenstandssätze_ für den 3. Fall (Dativ-Sätze):
Verkündige die Nachricht, wem du zuerst begegnest = _dem dir zuerst Begegnenden_. Wem nicht zu rathen ist, dem ist nicht zu helfen. Wer zürnet, dem reiche kein Messer.
§. 49. d. Auch das Subject kann durch einen Nebensatz ausgedrückt werden = (Subject-Sätze):
Wer Pech angreift, besudelt sich = der Pech _Angreifende_ besudelt sich. Wer antwortet auf unnütz Geschrei, der macht aus einem Unglück zwei. Wer nicht hören will, muß fühlen.
3. Umstandssätze.
§. 50. Die _Nebensätze_ können stehen für _umständliche Bestimmungen_ (Umstands-, Adverbial-Sätze). Sie können sein:
a. _Umstandssätze des Ortes:_
Er starb, wo er geboren war = _an dem Orte_ seiner Geburt.
b. _Umstandssätze der Zeit:_
Wenn die Sonne scheint, ist unser Zimmer hell = beim Schein der Sonne.
c. _Umstandssätze der Art und Weise:_
Wie der Mensch säet, so wird er ernten = _seiner Saat gemäß_.
d. _Umstandssätze des Grundes:_
Der Christ liebt und ehrt die Tugend, weil sie Gott gebietet = _um des göttlichen Gebotes_ willen.
Satzkürze. Beisatz. Anrede.
§. 51. 1. Fehlen in den _Nebensätzen_ Satztheile, so hat man _verkürzte Sätze_ (Satzkürzen). Die fehlenden Theile lassen sich leicht ergänzen:
Es ist ein großes Glück, gute Eltern zu haben = wenn man gute Eltern hat. Des Weges unkundig, verirrte ich mich = da ich des Weges unkundig etc. Allzustraff gespannt, zerspringt der Bogen = der Bogen zerspringt, wenn er etc. Das Recht spricht: Jedem das Seine! Die Liebe: Jedem das Deine! Johann, der muntere Seifensieder, erlernte viele schöne Lieder = Johann, welcher ein munterer Seifensieder war, erlernte etc.
2. Ist im verkürzten Nebensatze, wie in dem letztgenannten Beispiele, die Aussage durch ein Hauptwort ausgedrückt, so hat man einen _Beisatz_ (Gleichstand, Apposition). Der Beisatz muß mit dem Hauptworte, zu dem er gehört, in gleicher Zahl und im gleichen Falle stehen:
Hans Gutgenug, _der bequeme Knecht_, macht seine Sache nur halb und schlecht. Vor der Stimme des Löwen, _des Königs_ der Wälder, fürchten sich alle Thiere.
3. Auch die Anrede ist ein verkürzter Satz:
Gott grüß dich, _Alter_, schmeckt etc. Gott sieht dich, _Kind_, d'rum scheu die Sünd'! _Kind_, wirst du roth, so warnt dich Gott.
Stellung der Nebensätze.
§. 52. 1. Stehen _Nebensätze vor dem Hauptsatze_, so heißen sie _Vordersätze_; der _Hauptsatz_ aber heißt _Nachsatz_:
Wer Gutes thut, hat frohen Muth.
2. Stehen sie _zwischen den Theilen des Hauptsatzes_, so heißen sie _Zwischensätze_:
Fritz, der im Gehen recht Zeit zum Lügen fand, log auf die unverschämteste Weise.
3. Stehen sie _nach_ dem Hauptsatze, so heißen sie _Nachsätze_:
Es helfen weder Licht noch Brill', wenn das Aug' nicht sehen will.
§. 53. _Nebensätze_ werden durch ein _Komma_ vom Hauptsatze getrennt; _Zwischensätze_ stehen zwischen 2 Komma. Für die verkürzten Nebensätze gilt dasselbe. Es steht also auch der _Beisatz_ und die _Anrede_ zwischen 2 Komma. Steht die Anrede zu Anfang des Satzes, so folgt ihr ein Komma: Johann, bring' Holz! In Briefen folgt der Anrede auch ein Ausrufungszeichen: Lieber Freund!
Bemerkungen.
1. _Unvollständige Hauptsätze_ (elliptische Sätze) sind:
Guten Morgen! Nein! Ja! Feuer! Herein! Achtung geben!
2. Enthalten Sätze nicht nothwendig zum Zusammenhange der Rede gehörende Bemerkungen, so heißen diese _eingeschobene_ Sätze und werden zwischen Klammern, Parenthesen oder Gedankenstriche gesetzt:
Der Schelm -- ich will ihn zwar nicht schimpfen -- der etc.
Auch benutzt man die Parenthese () zur Einschaltung einzelner Wörter.
3. Es giebt auch _abgebrochene_ Sätze:
Wenn du nicht gehst, so ....
Die Periode.
§. 54. Mehrere Sätze können eine _Periode_ bilden. Es giebt _zwei-_ und _mehrgliedrige Perioden_.
Vorder- und Nachsatz werden in einer zweigliedrigen Periode durch ein Semikolon getrennt:
Weil der Westwind über den atlantischen Ocean weht und die Ausdünstungen desselben mit sich führt; so pflegt er uns Regenwetter zu bringen.
Vorder- und Nachsatz werden in einer mehrgliedrigen Periode durch ein Kolon, unter sich aber durch ein Semikolon getrennt:
Wenn du wahrhaft und auf die Dauer glücklich zu sein wünschest; so befleißige dich eines rechtschaffenen Lebens: denn nur der Rechtschaffene vermag in Wahrheit glücklich zu sein.
Satzzeichen.
§. 55. Deutlichkeit in Schrift und Rede erfordern es, daß man Zusammengehöriges nicht auseinander reiße, Verschiedenes aber andererseits aus einander halte. Um dieses zu können, bedient man sich der *Satzzeichen* (Interpunction). Diese sind:
A. Satzpausenzeichen.
1. Der *Strich* oder das *Komma* (,);
2. der *Strichpunkt* oder das *Semikolon* (;);
3. der *Doppelpunkt* oder das *Kolon* (:);
4. der *Punkt* (.);
5. der *Gedankenstrich* (--).
Ueber den Gebrauch der Nr. 1-4 ist bereits bei der Satzlehre gesprochen. Der Gedankenstrich steht, um eine größere Pause als den Punkt anzuzeigen, oder um die Aufmerksamkeit des Lesers zu spannen.
§. 56. B. Satztonzeichen.
1. Das *Fragezeichen* (?);
2. das *Ausrufungszeichen* (!).
Schließen die Satztonzeichen einen Satz, so schreibt man nach ihnen einen großen Anfangsbuchstaben. Weiteres über diese Zeichen findet sich ebenfalls in der Satzlehre.
C. Hülfszeichen.
1. Die *Klammer* oder *Parenthese* [] ();
2. das *Bindezeichen* (-) (");
3. der *Apostroph* oder das *Häkchen* (') steht für ein ausgelassenes e, ei, i.
Mich dünk't, ich mein', ich glaub', ich dacht' hat manchen guten Gesellen in's Verderben gebracht. Ein blut'ger Kampf! Ich hab' 'nen schweren Stand gehabt.
4. die *Anführungszeichen*, *Gänsefüßchen* („ “);
5. das *Zeichen der abgebrochenen Rede* (...) (-- --);
6. das *Zeichen des Abschnittes* oder *Paragraphen* (§).
§. 57. Wortbildung.
*Stamm.* *Ableitung.* *Zusammensetzung.* Band Bändchen Bandeisen.
A. Ableitungen.
*1. Hauptwörter* durch: er, in, chen, lein, ling, en, ung, niß, muth, sal, ei, e, keit, heit, schaft, thum (tum), ge.
*2. Eigenschaftswörter* durch: ig, isch, bar, sam, en, ern, lich, haft, icht.
*3. Zeitwörter* durch: chen, ken, chten, eln, ern, igen, zen; durch die Vorsilben: be, er, ver, ent, zer, ge, miß, ur.
*4. Umstandswörter* durch: lich, haft, icht, lings.
B. §. 58. Zusammensetzungen: 1. Bestimmungsw. 2. Grundw.
*1. Hauptwörter.*
a) Hauptwörter und Hauptwörter (Schulhaus). b) Hauptwörter und Eigenschaftswörter (Jungfrau). c) Hauptwörter und Zeitwörter (Wohnhaus).
*2. Eigenschaftswörter.*
a) Eigenschaftswörter u. Eigenschaftsw. (hellgrün). b) Hauptwörter u. Eigenschaftswörter (naseweis). c) Eigenschaftswörter u. Zeitwörter (lernbegierig).
*3. Zeitwörter* mit: an, auf, aus, bei, durch, ein, mit, nach, um, unter, über, vor, ab, voll, wieder, dar, fort, heim, hin, her, weg.
*4. Zusammengesetzte Umstandswörter.*