Part 1
Kleine deutsche Sprachlehre
von
H. Bohm und W. Steinert.
Einunddreißigste Auflage.
Preis 25 Pfge.
Berlin, 1879.
Verlag von Theodor Kampffmeyer Friedrichstr. 52/53. (Zwischen Krausen- u. Schützenstr.)
Vorwort.
Das vorliegende Heft giebt eine gedrängte Zusammenstellung Alles dessen, was der Schüler wissen muß, wenn er dahin gelangen soll, seiner Muttersprache in Rede und Schrift mächtig zu sein.
Daß wir durch die befolgte Anordnung keinen Lehrgang geben wollten, ist leicht ersichtlich. Es lag uns aber daran, den zu verarbeitenden Stoff, in übersichtlicher Weise zusammengestellt, den Kindern in die Hände zu geben, um dem Lehrer dadurch das zeitraubende Dictiren abzunehmen. Wir dürfen kaum befürchten, in Betreff der Anwendung des Heftchens mißverstanden zu werden. Die einzelnen §§. enthalten das _in den Unterrichtsstunden gewonnene_ Resultat und müssen Eigenthum des Schülers werden. -- *Es soll aber ihr Inhalt, so wie überhaupt jede sprachliche Form, aus dem lebendigen Organismus der Sprache heraus entwickelt und nicht gegeben, der Unterricht also an das Lesebuch oder die Bildertafel geknüpft werden.* In dieser Weise angewendet, soll das Heft dem Schüler bei Wiederholungen so wie zur Uebung und Befestigung in den Formen der Muttersprache dienlich sein. Was im Rechnen das Einmaleins ist, das sind in der Sprache die einzelnen Formen derselben; sie müssen dem Schüler ebenso geläufig sein wie jenes. Daher nach der _Erkenntniß_ *vielfache Uebung!*
Obgleich wir der Ansicht sind, daß der Unterricht in der Orthographie mit dem ersten Leseunterricht beginnen und fortschreiten, und das Meiste durch das Auge erreicht werden müsse, so hielten wir es doch für nöthig, diejenigen Regeln aufzustellen, welche durchgreifend sind, und namentlich *den* Schülern von Nutzen sein werden, die einen zusammenhangenden Unterricht nicht haben genießen können.
Die erste Veranlassung zur Herausgabe dieser Zusammenstellung ward uns durch die wissenschaftlichen Sitzungen des Geselligen Lehrer-Vereins.
Indem wir für diese Anregung hiermit danken, erlauben wir uns zugleich, _Demselben_ diese Arbeit zu geneigter Beurtheilung zu überreichen.
_Berlin_, den 30. April 1851. *D. V.*
Vorwort zur einunddreißigsten Auflage.
Diese Auflage ist im Wesentlichen mit den vorangegangenen gleichlautend. Nur in betreff der Orthographie sind mit leiser Hand wiederum einige Aenderungen vorgenommen worden. So schwankend auch Einzelnes auf diesem Gebiete bereits geworden ist, und so dringend auch eine bestimmte Regelung erscheint, so darf doch in einer Sprachlehre für die Volksschule nur mit äußerster Vorsicht nach dieser Richtung hin vorgegangen werden. Neue Formen zu lehren, ist, -- nach unserer Ansicht -- der Volksschule erst dann gestattet, wenn dieselben in den meisten Volks Schul-Lesebüchern zu finden und von der Tagespresse aufgenommen worden sind.
Außerdem ist der in früheren Auflagen auf der letzten Seite befindliche zu §§ 5 und 6 gehörende Zusatz über die Biegung der Hauptwörter an der richtigen Stelle auf Seite 7 eingefügt worden.
_Berlin_, im April 1879. *H. Bohm.*
Wortlehre.
§. 1. Es giebt 10 Wörterklassen:
1. Geschlechtsw. 2. Hauptw. 3. Eigenschaftsw. 4. Zahlw. Artikel. Substantiv. Adjectiv. Numerale.
5. Fürw. 6. Verhältnißw. 7. Zeitw. 8. Umstandsw. Pronomen. Präposition. Verbum. Adverbium.
9. Bindew. 10. Empfindungsw. Conjunction. Interjection.
I. Geschlechtswörter.
§. 2. 1. Die _Geschlechtsw._ kündigen die Wörter, zu denen sie gehören, als Hauptw. an, und sagen, welches Geschlecht dieselben haben.
2. Die _Geschlechtsw._ sind:
_männlich_ _weiblich_ _sächlich_ Masculinum Femininum Neutrum
_bestimmte_: der die das _unbestimmte_: ein eine ein
3. Die _Geschlechtsw._ werden nie betont und nur zu Anfange eines Satzes groß geschrieben; ihre Biegung siehe beim Hauptw.
II. Hauptwörter.
§. 3. 1. Die _Hauptw._ sind Namen für _Gegenstände_.
a. Man kann die Wörtchen _der_, _die_, _das_ vor sie setzen.
b. Sie werden _groß geschrieben_.
2. Die _Hauptw._ können sein:
a. Namen für _wirkliche_ Gegenstände (Concreta -- Wesennamen) z. B. für Personen, Thiere, Pflanzen, Steine, Städte, Dörfer, Berge, Flüsse, Geräthe, Kleider etc.
b. Namen für Gegenstände, die als _wirklich gedacht_ werden (Abstracta -- Begriffsnamen) z. B. die meisten Wörter auf: _heit_, _keit_, _ung_, _thum_, _muth_ (_mut_), _schaft_, _niß_ (_nis_).
3. Die _Hauptw._ unter a. zerfallen in:
1. _Eigennamen_ (Nomina propria): Marie, Karl, Berlin etc. 2. _Gattungsnamen_ (N. appellativa): Hund, Apfel, Zimmer etc. 3. _Stoffnamen_ (N. materialia): Milch, Wasser, Zucker, Blei etc. 4. _Sammelnamen_ (N. collectiva): Heer, Christenheit, Waldung.
§. 4. 1. Die _Hauptw._ haben ein _dreifaches Geschlecht_ (Genus):
_Männlich_: der Mann ein Spiegel. _Weiblich_: die Frau eine Wand. _Sächlich_: das Kind ein Buch.
Anm. _Doppeltes Geschlecht_ haben: Band, Bund, Erbe, Erkenntnis, Flur, Gehalt, Harz, Heide, Hut, Kiefer, Kunde, Leiter, Mast, Messer, Schild, See, Sprosse, Thor, Steuer etc.
2. Die _Hauptw._ können in _zweifacher_ Zahl (Numerus) stehen: _Einzahl_ (Singularis), _Mehrzahl_ (Pluralis).
E. Fenster Hund Kleid Knabe M. Fenster Hund_e Kleid_er Knab_e_n
E. Bett Vater Wand Dach M. Bett_e_n Väter Wänd_e Däch_e_r.
Anm. Es haben: 1. _keine Einz._: Eltern, Ostern, Pfingsten, Weihnachten etc. 2. _keine Mehrz._: Gold, Silber, Blei, Milch, Mehl, Haß etc. 3. _doppelte Einz._: Friede -- Frieden, Funke, Same, Buchstabe, Fels, Gedanke, Glaube, Haufe, Schade, Wille etc. 4. _Doppelte Mehrz._: Bande, Bänder; Bänke, Banken; Gesichte, Gesichter; Lichte, Lichter; Tuche, Tücher; Worte, Wörter etc.
3. Die _Hauptw._ können in der E. u. M. in _vier verschiedenen Fällen_ (Casus) stehen: 1. F. = Nominativ, 2. F. = Genitiv, 3. F. = Dativ, 4. F. = Accusativ.
4. Die _Hauptw._ unterliegen einer _starken_, _schwachen_ und _gemischten Biegung_ (Declination).
I. Starke Biegung.
§. 5. Die _Hauptw._ dieser Bieg. erhalten im 2. F. der E. _s oder _e_s und im 1. F. der M. _e oder _e_r. Sie lauten oft um. Die weibl. Wörter bleiben in der E. unverändert.
E. 1. F. wer? a. der Baum b. das Haus c. die Gans 2. F. wessen? des Baum_e_s des Haus_e_s der Gans 3. F. wem? dem Baum_e dem Haus_e der Gans 4. F. wen? den Baum das Haus die Gans M. 1. F. wer? die Bäum_e die Häus_e_r die Gäns_e 2. F. wessen? der Bäum_e der Häus_e_r der Gäns_e 3. F. wem? den Bäum_e_n den Häus_e_r_n den Gäns_e_n 4. F. wen? die Bäum_e die Häus_e_r die Gäns_e
a. Hahn, Sohn, Werk, Kreuz; b. Schloß, Gras, Leib, Geist; c. Magd, Stadt, Heinrich, Ludwig.
Anm. Die männl. und sächl. Wörter auf *el* und *er* nehmen nur an: im 2. Fall der E. s und im 3. Fall der M. n. Z. B. Apfel, Mantel, Pudel, Räthsel, Müller, Vater, Bruder, Messer. Die weibl. Wörter auf *r* nehmen aber im 3. F. der M. *n* an: Mutter, Tochter.
§. 6. Die Hauptw. der _schwachen Biegung_ bleiben entweder in der E. unverändert, oder nehmen im 2. und den übrigen F. der E. und M. _n oder _e_n an. Hauptw. der _gemischten Biegung_ gehen in der E. nach der starken, in der M. nach der schwachen Biegung.
II. Schwache Biegung. III. Gem. Bieg.
E. 1. F. wer? a. ein Held b. eine Frau c. ein Bett 2. F. wessen? eines Held_e_n einer Frau eines Bett_e_s 3. F. wem? einem Held_e_n einer Frau einem Bett_e 4. F. wen? einen Held_e_n eine Frau ein Bett M. 1. F. wer? Held_e_n Frau_e_n Bett_e_n
Der 2., 3. u. 4. F. der M. sind mit dem ersten gleichlautend.
a. Herr, Hase, das Kleine. b. Schule, Person, Marie, Amalie. c. Ohr, See, Auge, Dorn, Ende, Gevatter, Hemde.
Anm. 1. Die Wörter auf *en*, *chen*, *lein* gehen nach der gem. Bieg. und nehmen demnach im 2. F. der E. s an, können dieses s aber nie in der M. behalten, also: des Mädchens, aber nicht: die Mädchens. _Herz_ und _Schmerz_ gehören auch hierher, jedoch hat Schmerz auch -- Schmerzes.
Anm. 2. Die männl. Wörter auf *e* gehen nach der schw. B.; einzelne derselben, welche neben dem 1. F. auf *e* noch eine veraltete Form auf *en* haben, bilden den 2. F. der E. auf *ens*. S. § 4, 2. 3.
Anm. 3. a. Die _männl. Eigennamen_ biegen mit dem Geschlechtsw. wie die weibl. Hauptw. der st. B.; die _weibl._ dagegen wie die weibl. Hauptw. der schw. Bieg. -- Stehen die Eigennamen _ohne_ Geschlechtsw., so nehmen sie im 2. F. _s_, _*n*s_ oder _*en*s_ und in den übrigen F. _*n*_ oder _*en*_ an. 1. F. Marie, 2. F. Mariens, 3. F. Marien, 4. F. Marien. -- Fritz, Max, Hans; Ottilie, Emilie, Louise; Heinrichs, Berthas.
b. Folgen _mehrere Eigennamen_ auf einander, so erhält nur der letzte die Fall-Endung. Christian Fürchtegott Gellerts Fabeln.
c. 1. F. Jesus Christus, 2. F. Jesu Christi, 3. F. Jesu Christo, 4. F. Jesum Christum.
Zusatz-Regel: _Schwach_ biegen alle diejenigen Hauptwörter, die in der Mehrzahl ein „n“ oder „en“ annehmen; stark biegen die, welche in der M. kein „n“ oder „en“ erhalten: der Knabe -- die Knabe*n*, folglich _schwach_, und daher der 2. Fall der Einzahl: „des Knaben“; aber: der Garten -- die Gärten, folglich, weil kein „n“ hinzugekommen _stark_ und deshalb der 2. Fall der Einz. „des Gartens.“
III. Eigenschaftswörter.
§. 7. 1. _Eigenschaftsw._ bezeichnen die Eigenschaften der Gegenstände. Sie bestimmen also das Hauptw. und stehen:
a) _beifügend_ (attributiv) auf die Frage: Was für _ein_, _eine_, _ein_? (Welcher, e, es?)
b) _aussagend_ (prädicativ) auf die Frage: Wie ist der, die, das? Das _große_ Haus. -- Das Haus ist _groß_.
2. Die _Eigenschaftsw._ endigen oft auf: _ig_, _isch_, _icht_, _ern_, _bar_, _sam_, _lich_, _haft_.
3. Die _Eigenschaftsw._ werden _klein geschrieben_. Bestimmen sie jedoch das Hauptw. nicht, sondern nehmen sie dasselbe in sich auf, so werden sie selbst zum Hauptw. und also auch groß geschrieben. Der _kranke_ Mann ißt Suppe. -- Der _Kranke_ ißt Suppe.
4. Die _Eigenschaftsw._ stehen mit ihrem _Hauptw._ in _gleichem Geschlecht_, _gleicher Zahl_ und _gleichem Falle_.
5. Die _Eigenschaftsw._ unterliegen einer _starken_, _schwachen_ und _gemischten Biegung_.
§. 8. Steht das _Eigenschaftsw._ mit seinem Hauptw. _allein_, so nimm es die Endungen des _best. Geschlechtsw._ an und hat also:
I. Die starke Biegung.
E. 1. F. gut_e_r Sohn schön_e Beere klein_e_s Kind 2. F. gut_e_s Sohnes schön_e_r Beere klein_e_s Kindes 3. F. gut_e_m Sohne schön_e_r Beere klein_e_m Kinde 4. F. gut_e_n Sohn schön_e Beere klein_e_s Kind M. 1. F. gut_e Söhne schön_e Beeren klein_e Kinder 2. F. gut_e_r Söhne schön_e_r Beeren klein_e_r Kinder 3. F. gut_e_n Söhnen schön_e_n Beeren klein_e_n Kindern 4. F. gut_e Söhne schön_e Beeren klein_e Kinder
_Beisp._ hoher Baum, großer Mann; feine Arbeit, zarte Hand; plattes Dach, blaues Auge.
§. 9. Tritt zu dem _Eigenschaftsw._ und _Hauptw._ noch ein _best. Geschlechtsw._, oder ein Für- oder Zahlwort, das wie das best. Geschlechtsw. biegt, so hat dasselbe:
II. Die schwache Biegung.
E. 1. F. der gut_e Sohn die schön_e Beere 2. F. unseres gut_e_n Sohnes unserer schön_e_n Beere 3. F. diesem gut_e_n Sohne dieser schön_e_n Beere 4. F. jenen gut_e_n Sohn jene schön_e Beere M. 1. F. manche gut_e_n Söhne manche schön_e_n Beeren
E. 1. F. das klein_e Kind 2. F. manches klein_e_n Kindes 3. F. diesem klein_e_n Kinde 4. F. jenes klein_e Kind M. 1. F. manche klein_e_n Kinder
§. 10. Tritt zu dem Eigenschaftsw. ein unbest. Geschlechtsw., oder ein Für- oder Zahlw., das wie _dies_ Geschlechtsw. biegt, so nimmt dasselbe im 1. F. des männlichen _e_r und im 1. und 4. F. des sächl. Geschl. _e_s an. In den übrigen Fällen geht es nach der schw. Biegung. Man hat dann:
III. Die gemischte Biegung.
E. 1. F. ein gut_e_r Sohn kein baar_e_s Geld 2. F. eines gut_e_n Sohnes keines baar_e_n Geldes 3. F. einem gut_e_n Sohne keinem baar_e_n Gelde 4. F. einen gut_e_n Sohn kein baar_e_s Geld
Anm. 1. Stehen _zwei_ oder _mehrere Eigenschaftsw._ ohne Geschlechtsw., Für- oder Zahlw. vor einem Hauptw., so biegen sie im 1. F. der E. u. M. wie das best. Geschlechtsw.; in den _übrigen_ F. biegt nur das erste in dieser Weise; die andern biegen schwach; 1. F. _guter, braver_ Mann; 2. F. _guten, braven_ Mannes; 3. F. _gutem, braven_ Manne; 4. F. _guten, braven_ Mann etc.
Anm. 2. Steht ein _Umstandsw._ vor einem _Eigenschaftsw._ so darf Ersteres nicht biegen. Man darf also nicht sagen: ein _ganzer braver_ Mann, sondern ein _ganz braver_ Mann.
§. 11. Die _Eigenschaftsw._ können _gesteigert_ werden. Es giebt 3 _Stufen der Steigerung_ (Gradbiegung -- Comparation). 1. Stufe (Positiv), 2. Stufe (Comparativ), 3. Stufe (Superlativ).
1. 2. 3. schön schöner schönst -- am schönsten nahe näher nächst -- am nächsten hoch höher höchst -- am höchsten viel mehr meist -- am meisten gut besser best -- am besten
_Beisp._: lang, niedrig, scharf, klug, stolz, faul, süß, kalt, warm, arm, stark, krumm, breit.
Anm. 1. Todt, mündlich, ganz, recht, bleiern, wahr, leer etc. haben keine Steigerung.
Anm. 2. Die 2. u. 3. Stufe biegen in derselben Weise wie die erste Stufe.
Anm. 3. Wie = 1. Stufe; als = 2. Stufe. Karl ist so schnell _wie_ Fritz. Anton ist schneller _als_ Julius.
Anm. 4. Oft wird die Steigerung durch die Wörter: äußerst, höchst, sehr, vorzüglich etc. ausgedrückt.
§. 12. Die _Eigenschaftsw._ erfordern oft bestimmte Fälle. Es haben:
1. Den 2. Fall:
ansichtig, bedürftig, beflissen, benöthigt, bewußt, eingedenk, fähig, froh, geständig, gewärtig, gewahr, gewiß, gewohnt, habhaft, kundig, ledig, los, mächtig, müde, satt, schuldig, sicher, theilhaftig, überdrüssig, verdächtig, verlustig, voll, werth, würdig.
Man wurde _des Verfolgten_ nicht ansichtig. Der Arme ist _der Unterstützung_ bedürftig. Bist _du deiner_ Sache gewiß? Dies ist nicht _der Rede_ werth. Sie ist _eines seltenen Glückes_ theilhaftig geworden.
2. Den 4. Fall:
alt, breit, dick, groß, hoch, reich, lang, schwer, tief, werth -- wenn ihnen die Angabe des Alters, Gewichtes, Preises etc. beigefügt wird.
Der Stein ist _einen_ und _einen halben_ Centner schwer.
3. Die übrigen Eigenschaftsw. haben entweder keinen oder in Verbindung mit den Hülfszeitw. _sein_ oder _werden_
den 3. Fall bei sich:
abtrünnig, abgeneigt, angenehm, anstößig, anständig, angeboren, ähnlich, ängstlich, ärgerlich, bange, behülflich, bedenklich, bewußt, bekannt, beschieden, beschwerlich, bequem, dienlich, dankbar, dunkel, eigen, einleuchtend, ekelhaft, empfindlich, ergeben, erlaubt, erinnerlich, erwünscht, fremd, gefällig, gefährlich, gehorsam, geläufig, gewogen, gewachsen, gleich, gut, heilsam, heiß, hold, klar, kostbar, lästig, lieb, nahe, nützlich, rathsam, schädlich, unausstehlich, unbegreiflich, überlegen, verantwortlich, verbindlich, verderblich, verhaßt, verwandt, werth, willkommen, zugethan.
Du bist _dem Vereine_ abtrünnig geworden. -- Ich bin _Deinem_ Vorhaben nicht abgeneigt. -- Dein Besuch ist _mir_ angenehm.
IV. Zahlwörter.
§. 13. Die _Zahlw._ zählen die Gegenstände. Sie sind:
A. _bestimmte_ und zwar:
1. Namen für _Grundzahlen_ (Cardinalia) auf die Frage: Wie viel? eins, vier, fünf, sechs, _funfzehn_ (fünfzehn), _sechzehn_ (sechszehn), _siebzehn_ (siebenzehn), zwanzig, ein und zwanzig, dreißig, _funfzig_ (fünfzig), _sechzig_ (sechszig), _siebzig_ (siebenzig), Hundert, Tausend, Million, Billion etc.
2. Namen für _Ordnungszahlen_ (Ordinalia) auf die Frage: Der wie vielste? erste, zweite, dritte etc.
B. _unbestimmte_ oder Namen für _allgemeine_ Zahlen auf die Frage. Wie viel? keine, etliche, manche, wenige, einige, viele, mehrere, alle, etwas, genug, nichts etc.
1. Von den _Grundzahlw._ bildet man andere Zahlw. auf: _lei_, _fach_, _fältig_, _mal_; z. B. zweierlei, dreifach, hundertfältig, einmal etc.; von den _Ordnungszahlw._ auf: _halb_, _tel_, _ens_; z. B. drittehalb, viertel, drittens etc.
2. Die _Zahlw._ werden _klein geschrieben_. Bestimmen sie jedoch kein Hauptw., sondern nehmen sie dasselbe in sich auf, so werden sie selbst zum Hauptw. und also auch groß geschrieben.
Der Kutscher fährt mit _sechs_ Pferden -- der Kutscher fährt mit _Sechsen_.
V. Fürwörter.
§. 14. Die _Fürw._ stehen entweder für Namen von Gegenständen oder deuten auf dieselben hin. Sie können sein:
1. _Persönliche Fürw._ (Pronomina personalia):
1. Person. 2. Person. 3. Person. E. 1. F. ich du M. er W. sie S. es 2. F. meiner(mein) deiner(dein) seiner(sein) ihrer seiner(sein) 3. F. mir dir ihm ihr ihm 4. F. mich dich ihn sie es M. 1. F. wir ihr sie sie sie 2. F. unser euer ihrer ihrer ihrer 3. F. uns euch ihnen ihnen ihnen 4. F. uns euch sie sie sie
Anm. 1. Für den 3. und 4. Fall der E. und M. der 3. Person steht oft „sich“.
Anm. 2. Die erste Person ist die _sprechende_, die 2. die _angesprochene_ und die 3. die _besprochene_.
2. _Besitzanzeigende Fürw._ (Pron. possessiva): mein, dein, sein, unser, euer, ihr. _Sie biegen_ wie die unbestimmten Geschlechtsw.
3. _Hinweisende Fürw._ (Pron. demonstrativa): dieser, e, es; jener, e, es, und das _betonte_ der, die, das. Sie _biegen_ wie die best. Geschlechtsw.
4. _Bestimmende_ (vorbestimmende) _Fürw._ (Pron. determinativa): derselbe, dieselbe, dasselbe; derjenige, diejenige, dasjenige; solcher, e, es; der, die, das.
1. derselbe Mann, 2. desselben Mannes, 3. demselben Manne etc. 1. diejenige Frau, 2. derjenigen Frau, 3. derjenigen Frau etc.
§. 15. 5. _Zurückbeziehende Fürw._ (Pron. relativa): welcher, e, es; der, die, das; wer, was.
E. der, dessen, dem, den; die, deren, der, die; das, dessen, dem, das; M. die, deren, denen, die. -- Ebenso biegt das bestimmende Fürw. „der, die, das“, nur, daß der 2. F. der M. _„derer“_ heißt.
6. _Fragende Fürw._ (Pron. interrogativa): wer, was, was für ein, eine, ein? welcher, e, es?
E. wer, wessen (weß), wem, wen; was, wessen (weß), wem, was
7. _Allgem. (unbestimmte) Fürw._ (Pr. indefinita): man, jeder, jeglicher; selbst, selber; jemand, niemand, jedermann.
Anm. 1. Die 3 letzten Fürw. werden auch groß geschrieben; die übrigen nur, wenn sie hauptwörtlich gebraucht werden; das Meinige, das Deinige; das Mein, das Dein etc.
Anm. 2. Die persönl. und besitzanz. Fürw., die sich in Briefen auf die angesprochene Person beziehen, werden ebenfalls groß geschrieben. Bald werde ich bei _Dir_ sein. In _Deinem_ Hause möchte ich weilen. Lassen _Sie Sich_ nicht abhalten!
VI. Verhältnißwörter (Verhältniswörter).
§. 16. Die _Verhältnißw._ zeigen an, wie sich Gegenstände zu Gegenständen verhalten. Sie erfordern bestimmte Fälle. Es haben:
Den 2. Fall:
unweit, mittelst, kraft und während, laut, vermöge, ungeachtet, oberhalb u. unterhalb, innerhalb u. außerhalb, diesseit, jenseit, halben (r), wegen, statt, anstatt, längs, zufolge, trotz, um -- willen.
Anm. Bei _längs_, _zufolge_, _trotz_ kann auch der 3. F. stehen. -- Steht _zufolge_ vor dem Hauptw., so hat es den 2. Fall; steht es hinter demselben, so hat es den 3. Fall. -- _Halben_ steht immer dem Hauptw. nach; _wegen_ und _ungeachtet_ stehen bald vor, bald nach dem Hauptw. -- _Wegen_, _halben_, _um -- willen_ bilden: meinetwegen, deinetwegen, um seinetwillen etc. --
_Unweit_ des Thurmes, _mittelst_ der Säge, _kraft_ des Amtes, _während_ der Spiele, _laut_ eines Vertrages, _vermöge_ einer Erbschaft, _ungeachtet_ eines Verbrechens, _oberhalb_ Berlins, _unterhalb_ Charlottenburgs, _innerhalb_ des Hauses, _außerhalb_ meiner Ställe, _diesseit_ deiner Lauben, ihrer Lüge _halben_ (r), dieses Baumes _wegen_, _statt_ dieser Eiche, _anstatt_ dieses Buches, -- _längs_ jenes Stromes, _zufolge_ jenes Befehls, _trotz_ jenes Verbots -- längs_ jenem Strome, jenem Befehle _zufolge_, _trotz_ jenem Verbote -- _um_ seines Eigensinns _willen_.
§. 17. Den 3. Fall:
aus, außer, bei, binnen, entgegen, gegenüber, gemäß, mit, nach, nächst, nebst, sammt, seit, von, zu, zuwider, (ob).
Anm. 1. Entgegen und zuwider stehen stets nach dem Hauptwort, gemäß bald vor, bald nach demselben.
_Aus_ mir, dir, ihm, ihr, ihm; _außer_ uns, euch, ihnen, _bei_ mir, dir, ihm, ihr, ihm; _binnen_ einigen Tagen, _dir entgegen_, ihm _gegenüber_, _gemäß_ dieser Verordnung -- dieser Verordnung _gemäß_, _mit_ meinen Freunden, _nach_ dem Manne, _nächst_ der Frau, _nebst_ dieser Frau, _sammt_ dem Kinde, _seit_ einem Monat, _von_ einer Tante, _zu_ einem Kinde, mir _zuwider_, _ob_ dieser Sache.
Anm. 2. Ich gehe _zu_ dir, nicht: _bei_ dir. Ich gehe _nach_ Hause, nicht: _zu_ Hause. Komm _zu_ mir. Ich bin _zu_ Hause.
§. 18. Den 4. Fall:
durch, für, ohne, um, sonder, gegen, wider, entlang.
_Durch_ mich, dich, ihn, sie, es; _für_ uns, euch, sie; _ohne_ deinen Herrn, _um_ seine Mütze, _sonder_ Furcht und Grauen, _gegen_ dein Kind, _wider_ deine Feinde.
Anm. 1. Steht *entlang* nach dem Hauptw., so erfordert es den 4. F., steht es aber vor dem Hauptw., so hat es den 2. F. nach sich. Z. B. Rausche, Fluß, das _Thal_ entlang! Entlang des _Gebirges_ tobte die Jagd. *Gegen* = gen; z. B. _gen_ Himmel.
Anm. 2. „_Für_“ und nicht „_vor_“ wird gebraucht: a. wenn man fragen kann: Wem zum Nutzen oder zum Schaden? Der Mann kämpft _für_ das Vaterland; b. wenn es das Gegentheil von „_wider_“ ist. Er sprach für die gerechte Sache; c. wenn man es mit „_um_“ verwechseln kann. Er arbeitet _für_ Geld.
§. 19. 1. Folgende 9 Verhältnißwörter (Verhältnisw.):
an, auf, hinter, in, neben, über, unter, vor, zwischen, erfordern auf die Frage: Wo? den 3. Fall -- Ruhe, bereits am Ziel -- und auf die Frage: Wohin? den 4. Fall -- Bewegung, noch nicht am Ziel.
Der Mann sitzt -- _wo?_ _an_ dem Baume, der Quelle, dem Hause. Der Mann setzt sich -- _wohin?_ _an_ den Baum, die Quelle, das Haus. Die Frau steht -- _wo?_ _auf_ einem Stuhl, einer Wiese, einem Fasse Die Frau stellt sich -- _wohin?_ _auf_ einen Stuhl, eine Wiese, ein Faß Das Kind liegt -- _wo?_ _hinter_ mir, dir, ihm, ihr, ihm, uns, euch, ihnen. Das Kind legt sich -- _wohin?_ _hinter_ mich, dich, ihn, sie, es, uns, euch, sie. Es spielte ein Knabe -- _wo?_ _zwischen_ jenem Flusse und dieser Linde, _zwischen_ jener Tonne und diesem Teiche, _zwischen_ jenem Dorfe und dieser Wiese. Es sprang ein Knabe _wohin_? _zwischen_ mich und deinen Bruder, _zwischen_ dich und deine Schwester, _zwischen_ ihn und uns.